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rücken

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

rücken verb.

Bd. 14, Sp. 1356
rücken, verb. movere, moveri. II. Formales. causativbildung zu ruck; ahd. rucchen, prät. ruhta, häufiger kerucchen, mhd. rucken, rocken, ruchen, rücken, prät. ruhte (rohte), ructe, rugte, ruckete, part. gerucket, gerücket, geruht; altn. rykkja, n. rykke, schwed. rycka, mndl. holl. mnd. nnd. rukken, rucken. unumgelautete hochdeutsche formen sind bis in die neuere zeit nachweisbar. Göthe gebraucht rücken und rucken, und zwar sowol intransitiv als transitiv: eilen sie hinunter, sonst rücken sie ihnen wahrlich auf die stube. 23, 143; dasz sie (die natur Winckelmanns) durch dreyszig jahre niedrigkeit .. nicht aus dem wege gerückt, nicht abgestumpft werden konnte. 37, 22; Egmont ruckt zum ende, der vierte act ist so gut wie fertig. 29, 41; sie (die hunde) faszten wacker ihn endlich einmal und ruckten das fell ihm zusammen. 40, 14 (Rein. Vos v. 1498: unde ruckeden em syn vel tho degen. 346 neudruck). bei Frisch 2, 131a ist als intrans. rucken, als trans. rücken angesetzt, während Adelung eine derartige unterscheidung durch den allgemeinen sprachgebrauch nicht bestätigt findet. in der nachklassischen schriftsprache begegnet rucken nur noch vereinzelt, vorzugsweise wol in intransitiven wendungen und mit beabsichtigter verdeutlichung der zugehörigkeit zu ruck. belege unter 1, b und c. heutige mundarten zeigen dagegen noch vielfach diese form des verbums. Schm. 2, 49 Frommann. Hunziker 213. Seiler 243b. Schöpf 569. Lexer kärnt. wb. 210. mundartliche weiterbildungen sind ruckern Spiesz 199 und ruckeln, rückeln, das sich besonders auf mittel- und niederd. sprachgebiet findet. Albrecht 193a. Woeste 176a. ten Doornkaat Koolman 2, 66a. IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) intransitiv, eine bewegung machen. II@1@aa) von lebendigem. in allgemeiner verwendung im sinne von gehen, laufen, springen und ähnlichen ortsveränderungen: et transivi ... unde inin des ruhta ih. Notker ps. 36, 36; das wir unsere segel wendten und jm (dem fisch) ausz dem weg ruckten. Franck weltb. 217b; ruck nienen dadannen, nusquam te vestigio moveris. Maaler 336b; von seinem ort rucken, de loco suo se movere paulisper. Frisch 2, 131a; Flamin ausgenommen, rückten sie alle in die kirche. J. Paul Hesp. 1, 94; der jung gsell auff den alten drang, ein scharpffes schwerd gegen jm zuckt, der alt man uber ein seiten ruckt. B. Waldis Esopus 4, 72, 30; drauf sie (Maria Magdalena) zum felsen rucket, will da mit augen drein. Spee trutzn. 40, 41 Balke. ebenso von thieren: daʒ herze sie im (die füchsin dem hirsch) intzucte, irn wec sie dâ mite ructe. Reinhart Fuchs 382, 52. weidmännisch: der hase ruckt gen feld oder holtz, ingleichen: er fährt. Döbel jägerpract. 1, 31; wenn der hase sachte gehet, so sagen die jäger er rücke, springt er aus seinem lager und gehet fort, so heiszt es, er fährt ..., sind die hunde hinter ihm, dasz er eilig fortspringt, so sagt man, er läuft. Heppe jagdl. 1, 207. besonders häufig erscheint das wort in wendungen, wo ein vorgehen mit feindlicher absicht oder überhaupt irgend eine bewegung einer kriegerischen schaar u. dgl. gemeint ist: mnd. do ruckeden se vor Havelberghe unde dat wunnen se mit storme. Schiller-Lübben 3, 520b; und Gorgias nam fünff tausent zu fuss, und tausent reisigen die besten, und rücket bey nacht heimlich hinan an der Jüden lager. 1 Macc. 4, 1; einem mit soldaten ins land rücken. Stieler 1569; vor eine vestung rucken, locum munitum obsidione cingere. Frisch 2, 131a; ze einander si dô ruhten, diu scharphen swert si dô mit zorne zuhten. Rabenschlacht 452; bald ruckten sie zum garten, ... mit spieszen, beil und barten zur thür sie drangen ein. Spee trutzn. 32, 93 Balke; in Böheim mit heersmacht ruckt er. Opel-Cohn 124; Mars mit seinen kriegesschaaren ... rücket auf den tummelplan. Grob versuchsg. (1678) 133; gethan ist's um ihr theures land, wenn Alba, des fanatismus rauher henkersknecht, vor Brüssel rückt mit spanischen gesetzen. Schiller don Carlos 1, 2; nun, mir ist alles lieb, geschieht nur was, und rücken wir nur einmal von der stelle. Piccol. 3, 1; mit heeresmacht ins feld rücken, freier: wenn dann die feuchte schaar der wolken rückt ins feld. Logau 1, 193; übertragen: die splitterrichter, die in alle bücher gucken, und weil die finger ihnen jucken, flugs gegen sie ins feld mit ihrer feder rucken. Gotter 3, 238. anders: mit den auszenwerken in das feld rücken, sie bis in das feld hinein ausdehnen. Adelung. in die schlacht rücken; in älterer sprache auf den scharmützel rücken: ob jhme (dem reisigen hauptmann) befohlen würde, mit seinem geschwader reuter etwan auff den scharmützel zu rücken. Fronsperger kriegsb. 1, 93b. auch in der wendung jemandem auf den leib rücken, ihm ganz nahe kommen, liegt meist der begriff der feindlichen absicht: sie rückten den Römern dicht auf den leib. Freytag bilder 18, 53; ebenso zu leibe rücken. übertragen: er droht ihm hart zu leibe zu rücken, wenn dieser wink nichts fruchte. Schiller an Göthe 231; nd. up't kollet rücken, schlagen. korrespondenzbl. d. vereins f. nd. sprachf. 12, 73. mit einer schachfigur an eine andere rücken: er durfte mit dem könig an den bauer nur rücken, auf ihr schach. Lessing 2, 257. von der rutschenden bewegung des sitzenden, der unruhig ist, platz macht, an jemandes seite zu kommen sucht u. s. w.: er ruhte ein wênic hôher baʒ. Hartmann v. Aue gut. Gerhard 4565; mädel ruck, ruck, ruck an meine grüne seite. volkslied. sprichwörtlich: wer wohl sitzt, der soll nicht rucken. Lehmann 198; de gôt sitt, de lât sîn rükken. ten Doornkaat Koolman 3, 66a; dai wol sittet, dai lte sin rücken. Woeste 218b; es ist dir gar recht gethan. denn du weist, wer wol gesessen, solt sein rücken lassen han. Prätorius philos. colus 132. ebenso vom liegenden: vil gâhes ruhte sî hin dan. Hartmann v. Aue Erec 3025; so seet sie des nachts kiferbeis ins bett und hebt mit mir ain keifen an, so ruck ich denn von ir hin dan. fastn. sp. 772, 9. freier: er rückt niemanden nicht, nemini loco cedit. Stieler 1569. von irgend einer anderen körperlichen bewegung, besonders wenn sie rasch und kurz ist: denn es blieben die pfoten im baume stecken; da risz er (der bär) hastig sie ruckend heraus. Göthe 40, 27. obscön: doch hab ich mich gar schön gesellt zuo meiner krucken, die mir mein puel hât auserwelt für lieplich rucken. Osw. v. Wolkenstein 49, 1, 8. mit einem körpertheile rücken: der knab was lam in baiden füszen und rocket mit dem ars. Constanzer chron. bei Lexer mhd. wb. 2, 524; sie rückte wieder heftig mit der hand. Freytag handschr. 1, 386; sein sattelpferd, der schimmel, rückte heftig mit dem kopfe. 2, 113. an etwas rücken kommt dem sinne nach dem transitiven gebrauch nahe: wie einer, dem ein ungeschickter zahnarzt einen schadhaften festsitzenden zahn gefaszt und vergebens daran geruckt hat. Göthe 18, 93; der ruhige bootsmann ruckt am segel gelind. 1, 295. II@1@bb) von körpertheilen, welche die bewegung ausführen: der fusz, die hand ruckt; man sah auch rucken keine hand. Droste-Hülshoff (1873) 411. II@1@cc) von gegenständen in bewegung: do ruchte dat gebirge tosamene ... unde beslot de Joden darinne. sächs. weltchron. (um 1230) 78, 7. mon. Germ.; doch hart im raume stoszen sich die sachen, wo eines platz nimmt, musz das andre rücken. Schiller Wallenst. tod 2, 2; doch unaufhaltsam rucken die gewichte (an der uhr). Eichendorff 1, 174. der zeiger an der uhr rückt, im bilde: so ist also der hiesige mensch so nahe an den zeiger der zeit gestellt, dasz er ihn rücken sehen kann. J. Paul Hesp. 1, 94. auch von der uhr selbst: es rückt die uhr! noch einen kleinen weg des seigers, und ein groszes werk ist gethan oder versäumt. Göthe 8, 255. die büchse rückt, sclopus vacillat, ferit retro, retrudit. Stieler 1569. die gestirne rücken: weit schon rückten die stern', und es schwand das meiste der nacht hin. Voss Il. 10, 252. von der abendsonne: sie rückt und weicht. Göthe 12, 59. übertragen: meine freunde! welche sonne rükt vor meine staunende seele! Schiller 1, 99; die beume rücken, der weinstock rückt, arbores frondent, frondescunt, vites germinant, germinascunt. Stieler 1569. Kehrein 1, 333. manchmal ganz wie das passiv des transitivs: darauf rückten zugleich alle stühle. Freytag handschr. 1, 93. II@1@dd) auf abstractes gebiet übertragen: so ruckte er endlich .. immer einem traurigen ende näher. Göthe 16, 151; er ... ruckt immer selbst mit schlüssen vorwärts. 29, 89; könnten sie mir nicht, wie sie beim almanach vorwärts rucken, das manuscript herüber schicken? Göthe an Schiller 195; zagest, bebest, kaum noch lebest, ruckest zu dem letzten zug. Spee trutzn. 219, 102 Balke; je näher sie heran geschritten kam, je näher schien sie mir an's herz zu rücken. Bürger 105a; auf diese weise rücken wir nicht näher. Göthe 9, 152. im bilde, von gesetz und recht: sie schleppen von geschlecht sich zum geschlechte und rücken sacht von ort zu ort. 12, 97; es (das genie) ist seinem character und seinen neigungen treu, ... weil die natur bey allem schwanken immer wieder in die vorige stelle rückt. Schiller 10, 438; und so ruckten denn auch ... die besorglichkeiten immer näher und näher. Göthe 31, 28; die ganze anstalt rückt auf das rascheste vorwärts. 17, 151; das stück (Hamlet) will gegen das ende weder gehen noch rücken. 19, 89. eine arbeit rückt nicht, macht keine fortschritte; auch es rückt. Hunziker 213, aber nicht blosz mundartlich. die zeit rückt; der tag der abreise rückt heran; das alter ruckt härzuo. Maaler 336b; mein sohn hat keinen vater mehr und nah rückt schon der tag, der ihm die mutter raubt. Schiller Phädra 2, 5. rückend wie berückend: er (der mond) trug allmählich einen grund von silber auf und zeichnete mit schatten und blitzen ein rückendes nachtstück hinein. J. Paul Hesp. 3, 84. II@22) transitiv, etwas bewegen. II@2@aa) in sinnlicher bedeutung, besonders von schiebender oder ziehender bewegung: er ruckete einen brant ûʒ dem fûre. myst. 1, 99, 28; die pferde rückten den wagen auf einen abgehauenen stamm. Adelung. im bilde: während dasz er (der mensch ohne form), das schlachtopfer des fleiszes, mit all seinem wissen keine aufmerksamkeit erzwingen, keinen stein von der stelle rücken kann. Schiller 10, 304; eine figur des schachspiels rücken; im bilde: ir herz durch d'ougen ructe vil waʒʒers an diu wangen. Wolfr. v. Eschenbach Willeh. 311, 4; vor sich rucht er den schilt. Ludw. kreuzf. 5154; köstlich die frau es (das kraut) schmücket .. es hin und wider rücket nach ires herzen wal. H. Sachs meisterl. 38, 201 Gödeke; kein sterblicher, sagt sie (die gottheit), rückt diesen schleier, bisz ich selbst ihn hebe. Schiller 11, 51; rückt' aus einander das laub, und senkte die stirn' an die höhlung. Voss 2, 6; ein zelt, das man vom orte rückt um überall zu wohnen. Göthe 5, 10; aber es fürchtet sich jeder, auch nur zu rücken das kleinste. 40, 263. mit persönlichem object, im bilde: und halt diesen unterscheid, das jr euch etlicher erbarmet, etliche aber mit furcht selig machet, und rücket sie aus dem fewr. ep. Jud. 23; sus gienc di clare frouwe in otmuder schouwe, sa daʒ si wart gerucket, gedrungen, sere gedrucket alse ein armes uʒer diet. leb. d. heil. Elisab. 3045; sî ructin vreislîch mit unzuht den mûtren den vil armen, dî kinder von den armen. Nic. v. Jeroschin 11c, 1597 Strehlke; im bilde: gott wird dich aus der höle, da dich der kummer plagt, mit groszen gnaden rücken. P. Gerhardt 186 Gödeke. Besondere wendungen. II@2@a@aα) einem etwas aus den zähnen rücken: er hat kostgänger in haaren; seht wie er ihnen das fleisch aus den zähnen ruckt (von einem, der sich am kopf kratzt). Birken Sylvia 19. bildlich: jemandem einen fetten bissen aus den zähnen rücken. jemandem etwas in die zähne rücken: erfrischt es doch mein herzensübel recht, dasz ichs ihm in die zähne rücken kann (tell him to his teeth): 'das thatest du'. Shakesp. Hamlet 4, 4. aus den klauen rücken: was unrecht, list und neid geraubt, den barbarn aus den klauen rücken. Günther 135. II@2@a@bβ) das schwert vom leder rücken, es aus der scheide ziehen (s. oben leder th. 6, 490). auch blosz das schwert, das messer rücken: mit stôʒene, mit hantslahene, mit roufene, mit meʒʒer ruckene. Freib. rechtsb. im mhd. wb. 2, 1, 780b; mnd. do ruckeden alle de anderen ere swerde. Schiller-Lübben 3, 520b; Serôn sîn swert nu ructe. Ludwigs kreuzf. 6180; nue rucket dye swert, ir judischen man. Mone altd. schausp. 1, v. 1676. II@2@a@gγ) den hut, die kappe, die mütze rücken, als grusz: nicht einer, der seinen hut ein wenig geruckt hett. Kirchhof wendunm. 124b; närlich, dasz er den hut ein wenig rückt, vix pilei oram tangit. Stieler 1569; den hut kaum rücken, pileum ad salutandum vel resalutandum vix attingere. Frisch 2, 131a; ehrbar und altbärtig rückte der erbprinz seinen groszen hut. Freytag handschr. 2, 382; hüt dich vor solchem kappen rucken, mit neigen und paretlin zucken. Grobian. 42, 1186; ich biege keine knie und rücke keine kappen für auffgeputzter ehr und angestrichner gunst, die mancher sucht mit müh, durch schnöde schmeichel-kunst. Logau 1, 97. II@2@a@dδ) den stuhl, den sessel rücken, beim aufbruch von der tafel u. s. w.: sie machen aufbruch. fort und rückt die sessel. Schiller Piccol. 4, 5; zuletzt, von wein und reden glüh, rückt seinen stuhl der herr vom haus. Droste-Hülshoff 1, 288 Schücking. einen stuhl rücken, als einladung zum sitzen: 'so nehmen sie platz', versetzte der landwirth, und rückte einen stuhl. Freytag handschr. 1, 71. II@2@a@eε) den tisch rücken, sowol die mahlzeit aufheben als den tisch zum mahle herrichten. einem den tisch rücken, im scherz, magno numero convivarum ad aliquem venire. Frisch 2, 131a; nach Campe (unter tisch) heiszt einem den tisch rücken, jemanden in einer neuen wohnung zum ersten mal besuchen und sich von ihm bewirthen lassen, wobei der tisch gerückt wird. landschaftlich versteht man heute darunter eine art pick-nick in einer neuen wohnung, wobei die besucher die speisen selber mitbringen oder anrichten lassen. in der Ober-Pfalz bedeutet den tisch rücken kurz nach der hochzeit noch eine mahlzeit geben bei musik und tanz. Schm. 2, 49 Frommann; den tisch er dester zîter ruken dan gebôt (die mahlzeit aufheben). Nib. 911, 2. vgl. darüber wie über das spiritistische tischrücken unten th. 11, 519. II@2@a@zζ) das netz rücken auf dem vogelherd, rete aucupatorium in areola attrahere. Stieler 1569. Jacobsson 2, 463b. so heiszt es auch: wenn man die garn legt, so fängt man keine vögel, sondern man ruckt. Lehmann 1, 820. II@2@a@hη) das läger rucken und abwächszlen, convertere castra castris. Maaler 336b. II@2@a@thθ) im kärntischen èpans ruck'n geradezu für stehlen. Lexer kärnt. wb. 210. II@2@a@iι) gerücktes (gerütteltes, volles) masz: ein sack habern, geruckts masz. monum. boica (1434) bei Schm. 2, 49 Frommann. II@2@a@kκ) frei in heutigem sprachgebrauch etwas in die zeitung rücken lassen (vgl. einrücken oben th. 3, 251). II@2@bb) in abstracter bedeutung, wie bewegen, führen, ziehen in ähnlicher verwendung: Salomo ... ruckt uns hinauf zu gott. Luther br. 2, 599; die engel rucken die frommen vom bösen herumb. Lehmann 200; entlehnte gesichtspunkte wurden (durch fremde literatur) auf eine neue art gerückt (bewegt). Herder lit. u. kunst 1, 47; die epopee, der roman, die einfache erzählung rücken die handlung, schon ihrer form nach, in die ferne. Schiller 10, 35; weil verrückte und verrückbare charaktere jede handlung, die man will, motivieren und rücken können. J. Paul 1, xxxv; seine schmucklose erzählung rückt uns das leben jener zeit so nahe. Freytag bilder 18, 143. etwas zum ziele rücken: mit stillem fleisz rückte er langsam sein groszes unternehmen zum ziele. Schiller 7, 18. zu sinne rücken, ins gedächtnis rufen, gedenken: (zu gott) nit ruck zu sinn mit grimmen die sünd und sündenschuld. Spee trutzn. 59, 49 Balke. ans herz rücken: vor dem schlusse unserer vorstellung rücken wir .. dem h. v. Kempele die wichtige frage ans herz. J. Paul aus d. teufels pap. 1, 77. ins gedächtnis rücken. aus dem sinn, aus den augen rücken: nicht genug, dasz Lycurg seinen mitbürgern dadurch die mittel zur üppigkeit entzog — er rückte ihnen auch die gegenstände derselben aus den augen. Schiller 9, 147; diesz alles rückte viehisch wilde wuth mir sündhaft aus dem sinn. Shakesp. Richard III 2, 1. jemanden zum leben rücken: (Jesus zur mutter:) ei, was rucktest mich zum leben. Spee trutzn. 191, 203 Balke. ins verderben rücken: und uns mit jren teuffels tücken nit mehr hin ins verderbnus rücken. B. Waldis Esopus 4, 69, 220 Kurz. aus der not rücken: wann meine seele zaget und sich mit sorgen plaget, weisz er (gott) sie zu erquicken, aus aller not zu rücken. P. Gerhardt 120 Gödeke. auszer fassung rücken: (er) wäre doch beinahe auszer fassung geruckt, als ihm Julie noch freundlicher, heiterer und freier entgegen kam. Göthe 21, 134. rücken wie berücken (vgl. oben 1, d): ich will ihm (dem leibe) zum voraus mit freuden-reichem sehnen auf gräbern nach und nach den schimmer angewöhnen, in welchem ihn hinfort kein eitler traum mehr rückt. Günther 704. II@33) reflexiv. besonders in sinnlicher bedeutung; zumal von raschen, kurzen, geringen bewegungen: was rückstu dich, quid te motas, secutis. Stieler 1569; endlich rückte er sich in militärische haltung. Freytag handschr. 1, 7. sich nicht rücken und rühren können: (ein mann, der) der lagerstatt im weichen grase zu sehr entwöhnt, sich rückt und dehnt, und sich nach hause aufs sopha sehnt? Göckingk (1780) 1, 314; es (das gerippe) ruckt sich von schnörkel zu schnörkel hinan, langbeinigen spinnen vergleichbar. Göthe 1, 230. übertragen: sie sind noch jung, und dann sind sie ein fremder, und wissen sich viel in unsere sitten zu rücken und zu schicken. Lenz 1, 102. II@44) untrennbare zusammensetzungen: berücken, entrücken, verrücken. auszerdem geht das verbum mit vielen adverbien, welche die art der bewegung näher bestimmen, mehr oder minder feste verbindungen ein, so: ab-, an-, auf-, bei-, ein-, fort-, her-, herab-, heraus-, herbei-, herein-, herum-, herunter-, hervor-, herzu-, hin-, hinab-, hinan-, hinauf-, hinein-, hinüber-, hinunter-, hinweg-, hinzu-, mit-, nach-, vor-, weiter-, zusammenrücken. alle diese sind trennbar.
18261 Zeichen · 402 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rückenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    rücken stn. vil maneger furcht daʒ rukken ( das zücken der schwerter, s. o.? ), man werd mit slegen prucken (?), daʒ im …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rücken

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Rücken , des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Rücklein. 1. Überhaupt, der sich in die Länge erstreckende erhaben…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Rücken

    Goethe-Wörterbuch

    Rücken auch ‘Rüken’; im Vers gelegentl apostrophiert ‘Rück(')’; vereinzelt oberdt ‘Rucken’ 1 Rückseite des menschlichen …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Rücken

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Rücken ( Dorsum ), die dem Bauch gegenüberliegende Seite des tierischen Körpers, im engern Sinn bei den Säugetieren die …

  5. modern
    Dialekt
    Rücken

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Rücke n , Rucke n [Rìkə, Rəkə fast allg.; Rùkə Dü. Str. (aber Rìkkhòrp CS. 84)] m. 1. Rücken, wie hochd., doch im eigent…

  6. Spezial
    Rückenm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +5 Parallelbelege

    Rücken , m корешок , м (книги) → FiloSlov Buchrücken, m

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ruecken

293 Bildungen · 207 Erstglied · 80 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von ruecken 2 Komponenten

ruc+ken

ruecken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ruecken‑ als Erstglied (30 von 207)

rückenab

DWB

ruecke·nab

rückenab , adv. den rücken hinunter: streicht man sie ( die katzen ) glatt rucken ab, so recken sie den schwantz. Garg. 213 a .

rückenader

DWB

ruecke·nader

rückenader , f. , älter rückader: ruck-, rucke-, rugge-, rugader, varex. Dief. gloss. 606 c . eine der durch den rücken laufenden adern. Cam…

rückenast

DWB

ruecke·nast

rückenast , m. : rückenast eines nerven, ramus posticus s. dorsalis. Meckel anat. 3, 625 ; rückenäste ( einer ader ) der zehen, arteriae dig…

Rückenau

GWB

ruecke·nau

Rückenau Figurenname der Äffin in ‘Reineke Fuchs’; ‘Frau R.’ Reineke sagte..Martin der Affe,|Und Frau R. sind mir verwandt 50,160 ReinF XI 1…

rückenband

DWB

ruecken·band

rückenband , n. ligamentum dorsale Nemnich : an anderen stellen ( des körpers ) haben sich diese hautmuskeln in sehnige ausbreitungen verwan…

rückenbein

DWB

ruecken·bein

rückenbein , n. 1 1) spina dorsi. in glossen des 10.—11. jahrh. erscheint ruggebein, rukkipeini. Schm. 2, 80 Frommann; daʒ tier ( das grabth…

rückenbesitzer

DWB

ruecken·besitzer

rückenbesitzer , m. einer, der ein gut mit eigenem rücken besitzt. Schm. 2, 48 Frommann ( vergl. rücken oben sp. 1354 h ).

Rückenbirn

Campe

ruecken·birn

Die Rückenbirn , Mz. — en , eine Sorte sehr großer Birnen, die Pfundbirn.

rückenblatt

DWB

ruecken·blatt

rückenblatt , n. der theil eines kleidungsstückes, welcher den rücken bedeckt; auch rückblatt eines harnisch. Kramer 2, 172 a .

rückenblech

DWB

ruecken·blech

rückenblech , n. rückenstück eines harnisches: ruckplech, humerale. Dasypod. ( arm. bellic. nom. ) ; ruckblech, humerale, genus armorum ad t…

rückenblumen

DWB

ruecken·blumen

rückenblumen , plur. die abtheilung epiphyllospermi der blätterlosen pflanzen im Tournefortschen system. Schäffer arzneikräuterwiss. (1770) …

rückenblut

DWB

ruecken·blut

rückenblut , n. eine krankheit des viehes, wobei sich im mastdarm blut ansammelt. Nemnich. Woeste 220 a . ten Doornkaat Koolman 2, 64 b . da…

rückenbogen

DWB

ruecken·bogen

rückenbogen , m. ein adernetz an der hand- und der fuszwurzel, arcus dorsalis carpi, a. d. tarseus. Meckel anatom. 3, 182 und 295.

rückenbraten

DWB

ruecken·braten

rückenbraten , m. das weiche, eszbare fleisch vom rücken eines thieres in gebratenem oder rohem zustande. in älterer sprache auch vom weiche…

Rückenbruch

RhWB

ruecken·bruch

Rücken-bruch Sol m.: Br. im Rücken des Messers; beim Plisten der Messer entstehen infolge Erwärmens Spannungen auf dem dicken Rücken gegenüb…

Rückenbürge(r)

RhWB

ruecken·buerger

Rücken-bürge(r) Siegld , Altk m.: Brett, das man in der Frühstückspause als R.lehne benutzt, in der Bergmspr.

Rückenbütte

RhWB

ruecken·buette

Rücken-bütte -γənbyt Rees-Haldern Pl.: die auf dem Rücken der Kuh verlaufenden Dornfortsätze des R.grates.

ruecken als Zweitglied (30 von 80)

Fußrücken

RDWB1

Fußrücken m (kein Bezug zu "спина") стопа, подъём стопы

Handrücken

RDWB1

Handrücken m (kein Bezug zu "спина") тыльная сторона ладони

Herzdrücken

RDWB1

Herzdrücken n nicht am ~ sterben idiom. - высказаться / высказаться, открыто высказывать / высказать своё (нелицеприятное) мнение, говорить …

abdrücken

DWB

abdrücken , exprimere, nnl. afdrukken, von einem auf das andere drücken. ein bild, siegel, eine münze abdrücken. einem das herz abdrücken, a…

abrücken

DWB

abrücken , removere, absetzen: den stuhl von der wand, den kessel vom feuer, zeile von zeile abrücken, auch die zeilen abrücken. nnl. afrukk…

af-(āve-)rücken

MNWB

af-(āve-)rücken , swv. , wegrücken; trans. fortziehen, fortreißen.

afdrücken

MNWB

afdrücken , swv. , drücken, abdrücken.

afkrücken

MeckWBN

Wossidia afkrücken verprügeln Schö Schönberg@Menzendorf Menz .

andrücken

DWB

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andrücken , apprimere, imprimere, nnl. aandrukken: das bild der geliebten fest ans herz andrücken; die waffe, den schild andrücken; den leim…

anrücken

DWB

anrücken , admovere, nnl. aanrukken, accedere, anmarschieren: der feind rückt an, ist angerückt, der sommer rückt an; deine todesstunde wird…

aufdrücken

DWB

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aufdrücken , imprimere, wenn sonst von drücken eines gegenstands auf den andern die rede ist: einen kus den lippen aufdrücken; die lippen au…

aufrücken

DWB

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aufrücken , sursum movere, schon ahd. ûfrucchan gegenüber dem nidarrucchan ( Graff 2, 434 ), mhd. ûfrucken. 1 1) die frauen, im mittelalter,…

ausdrücken

DWB

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ausdrücken , exprimere, nnl. uitdrukken, einzelne, zumal ältere bedienen sich der unumgelauteten form, auch Göthe früherhin, in die späteren…

Auskrücken

Adelung

aus·kruecken

Auskrücken , verb. reg. act. mit der Krücke reinigen. Den Backofen auskrücken, bey den Bäckern.

ausrücken

DWB

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ausrücken , nnl. uitrukken, 1 1) intransitiv, egredi, exire: das heer rückt aus gegen den feind, ist ausgerückt; man liesz tausend mann ausr…

Bak (Rücken)

Wander

bak·ruecken

Bak (Rücken) Bak (Rücken). 1. Eenen up dem Bak sitten. 2. Eenen up den Bak kamen. – Richey. 3. He lîgt êm ümmer up'n Bake. – Richey. Hochdeu…

bebrücken

DWB

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bebrücken , amnem jungere ponte: die flut bebrückt. Brockes 1, 327 .

bedrücken

Pfeifer_etym

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drücken Vb. ‘pressen, belasten, bedrängen’. Bis ins 17. Jh. daneben gleichbed. umlautloses obd. drucken (s. d.). Ahd. thrucken ‘pressen, bed…

Bêrgrücken

Adelung

berg·ruecken

Der Bêrgrücken , des -s, plur. ut nom. sing. der oberste Theil einer Bergkette oder Bergreihe.

berücken

DWB

berücken , decipere, fallere, bestricken, in die falle locken, gleichsam hinterwärts ( mhd. berücke, adv. krone 27241) fangen. 1 1) ursprüng…

Beydrücken

Adelung

bey·druecken

Beydrücken , verb. reg. act. eine Sache neben der andern drücken. Sein Siegel beydrücken. Daher die Beydrückung. S. Adelung Drücken .

Beyrücken

Adelung

bey·ruecken

* Beyrücken , verb. reg. act. mit Worten hinzu setzen; gleichfalls am häufigsten im Oberdeutschen.

durchdrücken

DWB

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durchdrücken , perprimere, vi penetrare Henisch 757 . 1 1. etwas mit gewalt hindurch drängen, treiben. der saft ist durchgedrückt durch ein …

eindrücken

DWB

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eindrücken , imprimere, nnl. indrukken, schw. intrycka, dän. indtrykke. 1 1) in etwas: der hirsch drückt seine ballen, das pferd seinen huf …

entrücken

DWB

ent·ruecken

entrücken , subducere, celeriter amovere, fern rücken, aus den augen rücken, nnl. ontrukken, meist mit der vorstellung des plötzlichen, gewa…

erdrücken

DWB

erd·ruecken

erdrücken , ahd. irdrucchan, mhd. erdrücken. 1 1) opprimere, zu tode drücken: da was daʒ ertreich gar ze lind und ertrukt ein michel gesind.…

Êselsrücken

Adelung

esel·s·ruecken

Der Êselsrücken , des -s, plur. ut. nom. sing. in der Baukunst, ein auf Gothische Art eingerichteter Gewölbebogen, welcher aus zwey zusammen…

fortrücken

DWB

fort·ruecken

fortrücken , 1 1) latius, altius moveri: die sonne rückt fort; die sterne waren schon westwärts fortgerückt; er rückt langsam in seinen ämte…

gewehrrücken

DWB

gewehr·ruecken

gewehrrücken , m. : gewehrrücken, chevalets, sind stützen, auf welchen das aus der hand gelegte gewehr der soldaten vor einer wacht, piquet …

Ableitungen von ruecken (6 von 6)

berücken

DWB

berücken , decipere, fallere, bestricken, in die falle locken, gleichsam hinterwärts ( mhd. berücke, adv. krone 27241) fangen. 1 1) ursprüng…

entrücken

DWB

entrücken , subducere, celeriter amovere, fern rücken, aus den augen rücken, nnl. ontrukken, meist mit der vorstellung des plötzlichen, gewa…

gerücken

Lexer

ge-rücken swv. BMZ geructe, -ruhte Nib. Alph. Ms. Pass. mit ûf.

verrücken

DWB

verrücken , verb. von der bisherigen stelle fortrücken, mhd. verrucken, verrücken, mnd. vorrucken, ahd. weisz Graff 2, 435 einen beleg aufzu…

zerrücken

DWB

zerrücken , verb. , für das häufigere verrücken ( th. 12, 1, 1020) theils landschaftlich begründet, theils um den doppelsinn von verrückt zu…