Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
MAN stm.
1. der mensch. sô snel ist dehein man noch niht âne gevidere Iw. 86. diu süeʒe boumbluot sach den man sô rehte süeʒe lachende an Trist. 567. der sitech jæmerlîche schrê bescheidenlîche als ein man Wigal. 2590. 6043. ein ieglich man Iw. 129. sine erkennent man noch sîn gebot das. 28. vgl. das. 16. 26. 27. 56. 72. 100. 105. 132. 246. eʒ wuohs ze worte und wart ein man von Christus, Walth. 5,29. ein got der ie gewesende wart ein man nâch menneschlîcher art das. 5,32. unde swaʒ der man in guote tuot daʒ ist ouch guot und wol getân Trist. 144. vgl. das. 4763. der gemeine man die leute, Halbsuter im leseb. 921,9.
2. der mann, entgegengesetzt sowohl wîp und frouwe wie jüngling. manne noch wîbe (dat.) niemandem, Iw. 264. man unde wîp jedermann Nib. 989,3. vgl. Walth. 67,22. sô wîp sô man das. 102,14. si heiʒen wîp si heiʒen man das. 73,24. vgl. das. 9,17. 91,9. 14,31. 48,32. 81,31. weder engel dort hie wîp noch man Gfr. l. 2,24. wand eʒ ist iwer, manne, site eure, der männer, sitte daʒ ir uns armin wîp dâ mite vil gerne triegent Er. 3847. gegen frowen und gegen mannen Gfr. l. 3,12. frouwen güete mannen kumber büeʒet MS. 1,4. b. diu kindes muoter worden ist ân aller manne mitewist Walth. 4,24. — unz er werde man Nib. 1854,1. war umbe hieʒ ich dich ein man? man solde dich noch vinden dâ heim bî andern kinden W. Wh. 67,16. als grenzscheide zum mannesalter ward der ritterschlag angesehen. vgl. Frisch 1,639. c. dô ich ze Termis wart ein man ritter mit iwerr helfe, und ich gewan schildes ampt... waʒ kost ich dô die künegîn W. Wh. 66,7. 67,16. vgl. sîn selbes man werden, unten no. 5.
3. braver, tüchtiger mann. sô hât man mich vür einen man Iw. 29. er was ein helt ze manne Engelh. 4728.
4. ehemann. ir næmet übele deheinen man Iw. 87. ein tohter diu hete man hatte einen mann, Gregor. 898. des iwren man Nib. 964,3. vgl. das. 566, 3. 621,4. 792,4. 951,3. 1218,1 u. ö. ân alle man belîben Bon. 58. eʒ nam ein witewe einen man hie vor in alten zîten Walth. 106,24. belîbe ich âne man arm. H. im leseb. 340,15.
5. vasall, lehnsmann. dô wart Julian des leiden valandes man vnn tet alse er in lêrte. von gote er sich kêrte, der toufe er widersagete, den tiuvel er zuo sich ladete, Mercurium kôs er ze hêrren: des virlôs er lên und sêle kchr. 65, b. so wil ich werden iuwer man und wil iu leisten triuwe Wigal. 7192. sol ich mîniu lêhen von iu hân, ich wil werden iuwer man und leisten swes ir gert das. 8585. der kaiser Otto wollte man dar zu Magdeburg sîn genant von des bischoves hant g. Gerht. 205. emphâch mich ze man Er. 4477. 4517. 4547. si swuoren hulde und wurden man Trist. 5291. ich gib iu mîne tohter mit mannen unt mit mâgen Wigal. 4197. sehr häufig zusammengenannt mâgeu nde man, vgl. oben mâc. — alsô wart nâch ritterlîchen siten Wîgamur sîn selbes man, d. h. nach dem offenbaren zusammenhange dieser stelle, er ward ritter, zum ritter geschlagen. Wigam. 14. b. unʒ er wart sîn selbes man das. 15. a. sît Lanzelet du Lac sîn selbes man sîn mahte Lanz. 6693. werde ab er sîn selbes man Walth. 106, 35. vgl. man werden allein = ritter werden, oben unter 2.
6. dienstmann? unsere mhd. lexicographen führen überall unter dem worte man dienstmann und lehnsmann als synonym auf; dennoch hielt das mittelalter beide classen auf das strengste von einander und mir sind kaum ältere stellen bekannt, in denen man allein ohne weiteren zusatz den dienstmann bezeichnete (Nib. 375,3 liest A man statt eigen man, aber vgl. auch C 764), so nahe freilich die möglichkeit der verwechselung liegt. wie sehr nicht bloss das recht, sondern auch die sitte auf den unterschied achtete, zeigt U. v. Lichtenstein, der in der beschreibung eines turniers die freien und dienstmannen gesondert aufzählt. fürsten grâven frîen gar hân ich genant, swaʒ ir kom dar: nu nenn ich iu die dienestman 66,9.
7. übertragen: diener, doch zeigt auch hier das unter 5 aus der kchr. angeführte beispiel, dass die bedeutung: lehnsmann zu grunde lag. du gotes man, nim dîne gerte unde scinte sie physiol. fundgr. 1,32,25. dô sprach der vîandes des teufels man pf. Konr. im leseb. 239,29. Rother im leseb. 228,20. desgl. im leseb. 893,14, bei J. von Königshofen, das. 931,19 u. ö.
8. man das impersonelle. vgl. Gr. 3,8. dafür, doch selten, men Nith. rosenkr. 4. myst. 297,35. Oberlin 1027. min Diemer 111,23 (vgl. anm. dazu). 365,14. me das. 366,13. windb. ps. im leseb. 249,16. auch wan s. dies wort, und dafür bei Boner wen; auch wird man apocopiert swie'm' arebeit in erne hât, doch hât man MS. 2,193. b.
a. mit voraufgehendem artikel, und dann auch in obliquen casus, jemand. swâ sô der man naht unde tac den tôtvient vor ougen hât, daʒ ist diu nôt, diu nâhen gât Trist. 1843. weiʒ got der man muoʒ harte vil an disem borge übersehen das. 276. der man der houwe sîne wit jeder thue es, daher in der 2. plur. fortgefahren werden kann widet unde vüeret Trist. 3047. vgl. ie der man. swâzuo den man wozu einen sîn wille truoc des alles vant er dâ genuoc das. 620. swer dem manne leide tæte wer einem, das. 5421. — besondere erwähnung verdient hier die verbindung mit ie. und über daʒ leite ie der man sîne reisekappen an und sâʒen ûf ir ors alsô jeder seine, Trist. 5325.
b. ohne artikel.
α. das verbum steht im singular. dies findet bei weitem in den meisten fällen statt, und dafür bedarf es keiner belege. — die substantive natur dieses unbestimmten subjectes dritter person des singulars erlaubt in der ältern sprache, wie noch im englischen one, sowohl für ein vorhergehendes man als auch in beziehung auf dasselbe das männliche pronomen der dritten person zu setzen. des obʒes moht man eʒʒen swie vil od swaʒ er wolde Er. 8739. sô man aller beste gedienet hât dem ungewissen manne sô hüete sich danne daʒ ern iht beswîche Iw. 146. — zuweilen wird bei einem mit man eingeführten allgemeinen ausspruche die conditionalpartikel fortgelassen. wir hœren ofte sagen, man müge ze vil vertragen, daʒ man deste wirs in hât Ls. 2,609.
β. das verbum steht im plural. daʒ man turn und palas pranden Gudr. 1534,4. (so liest die hs: lande). den lobeten man wîten kchr. 94. d. oder ist in beiden fällen der plural ein versehen des schreibers; bewiesen wird dasselbe freilich durch den reim in der Gudrun nicht, da in diesem gedichte oft ein n im reime überschlägt, aber zu vergleichen ist sô uuízin man dâr míte dáʒ sie núzze sínt de syllogism. im leseb. 122,10.
9. im genitiv andern substantiven zur nähern bestimmung hinzugesetzt, in uneigentlicher composition,vgl. Gr. 2,605. mannes muot Parz. 1,5. nâch mannes kumber gevar Parz. 673,17. mannes heil MS. 1,124. b. mannes velt Wigal. 108. Gr. 2,606. so kommt auch neben mankünne vor manneskünne Diemer 296, 19. 381,19. über mannes name vgl. name.