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klaffen

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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29 in 20 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

klaffen

Bd. 11, Sp. 894
klaffen , crepare, garrire, hiare, ahd. chlaffôn, chlafôn, chlaphôn Graff 4, 556, mhd. klaffen. s. weiter klapfen, klappen, von der verwandtschaft unter klapf 4. 11) es bezeichnet urspr. ein schallen, tönen sehr verschiedner art. das ahd. wort glossiert sonare, intonare, crepitare, complodere, krachen des donners, rauschen des windes, des wassers nach dem dativisch gebildeten flusznamen Chlaffintinpach Förstemann nam. 2, 364, knarren, klirren, knirschen u. a. auch mhd. noch ziemlich allgemein, von klingelnden schellen, rauschendem laube (Berth. 158, 38. 159, 32), klirrenden waffen (Neidh. xx, 10), klappernden zähnen, s. mhd. wb. 1, 835a, vom hufschlag Nib. 1541, 2, hammerschlag, also gleich klopfen Frauenlob spr. 198, 4, auch von schallendem gesange Reinh. 238 u. s. w.; klaffendeʒ huofîsen wird Haupt 8, 577 ein klätscher genannt, hufeisen das locker ist und klappt, klappert. So noch zum theil im 15. 16. jh.: klaffen crepere Maaler 244b; der selben pfeil (die man aus der stadt schosz) warn vil vergift ... wann ainer nider klafte, prach das eisin vam schafte. Mich. Behaim Wiener 84, 21; wurfen und schussen daʒ di trumb (stücken) von den pfeilen und schaften vor dem loch nider klaften. 120, 19, das fallen durch den davon erzeugten ton bezeichnet, wie bei klappen. vom zähnklappern (mhd. zanklaffen): stridere, knorsen oder claffen mit den zenen. gemma Str. 1518 BB 1a; zanklaffen, zenklaffen Dief. 246c; zanklaffen, hülen und grynen. Kolrosz betrachtn. D 4a, vgl. Braunschweig unter kläffeln 1 und klappen. Sonst aber ist es seit dem 16. jh. eingeschränkt auf folgende abgeleitete bedeutungen, während das nd. md. klappen ins hd. eindringend (schon im 16. jh.) die eig. bed. fortführte; klaffen in eig. bed. scheint selbst in den oberd. mundarten erloschen (nach Adelung noch für klappern, wo? vgl. kläffeln, klaffe klapper), drang aber dafür in der bed. 2 seinerseits ins nd. vor (s. 2, g). 22) schwatzen, viel und laut reden, mit allerlei nebenbegriffen. es wird im gebrauch mehrfach mit doppelsinn an irgend ein eigentliches klaffen angelehnt, besonders an das klappern der mühle oder mühlklapper (s.klappern 2, klaffe 2), auch an das schlagen des glockenklöpfels (s.kläffel 3), von Berthold 158, 39. 159, 29 an das klaffen, rauschen der bäume, vgl. auch das klaffende huofîsen vorhin und zungendrescher, worin urspr. an das klopfen des dreschers gedacht ist. welches eigentliche klaffen aber zuerst die übertragung veranlaszt hat, wird nicht mehr zu ermitteln sein, s. mehr unter klappern 2. ahd. ist es noch nicht bezeugt. 2@aa) ursprünglich auch in gutem sinne oder ohne tadel: dâ bî so kan si gemelîchen (lustig, witzig) klaffen gar âne missewende. MS. 2, 67a, als lob der geliebten: want hie (er) ist gar ein wiser phaffe, usz der juddischen ee kan hie (Jesus) viel klaffen. Alsfelder passionsspiel, Haupt 3, 487, eifrig reden, freilich im munde eines teufels, wie pass. K. 369, 59 klaffestat vom sprechzimmer des klosters. nach Adelung aber noch mundartlich (wo?) sie weisz so artig zu klaffen, zu plaudern, wir wollen von etwas andern klaffen. in den deutschen gemeinden in den venet. Alpen für sprechen, reden, klaffen taitsch, klaffen balsch (italienisch) Schmeller 136a. vgl. das nrh. unter g. auch folg. läszt sich noch hierher ziehen: claff nicht zu viel, sonder hör mehr ... mit schweigen sich vorredt niemand, claffen bringt manchn in sünd und schand. kirchenlied 'allein auf gott setz dein vertraun' str. 3, Mützell 715, noch in gesangbüchern um 1770. 2@bb) meist aber tadelnd wie schwatzen, lästig viel reden, unnütz oder sinnlos, vorlaut, anmaszend oder selbstgefällig reden u. ä., garrire, unnutz claffen voc. inc. teut., klaffen vel kallen Altenstaig Dief. 257c, selbst 'delirare claffen' Dief. wb. v. 1470 91 (vgl. unter klaffig): sô man denne wol giʒʒet und getrinket, sô klaffet man ouch gerne, und geschiht dicke daʒ man wênig war nimet waʒ man seit. Nic. v. Straszburg, myst. 264, 33; sît ouch dise hôchfart dunket si wisse und verstê mêr dan alle menschen, sô wil si ouch mêr claffen dan alle andere menschen. theol. deutsch cap. 25; er hat im kremerei erkorn (will krämer werden) und kert sich an (d. i. legt sich auf) des kramers klaffen. fastn. sp. 481, 3; darumb solt man das gott befehlen und nicht klaffen und ausschreien, als were man desselben gewis. Luther 1, 165b; die groszen lerer gehen mit merlin (geschichten, dingen) umb, da die alten vetteln hinder dem ofen von klaffen. 2, 111a; also machen sie uns auch ein affen, wölln vil vom ewigen leben klaffen. Murner schelmenzunft 15a; ir macht mit ewrem schwatz und klaffen das ich diszmal nit mehr kan schaffen. Waldis Es. 4, 66, 169 (2, 159 Kurz); der mönch und pfaffen, weiber klaffen. Fischart groszm. 118 (639 Sch.); weiberlippen sind geschaffen mehr zum küssen als zum klaffen. Logau 2, 1, 14, überschr. 'das weib schweige'; ist dir wol und traut, klaffe nicht zu laut von der seel' empfindung. Voss 5, 203 (1825 4, 36), aber es war schon damals im hd. ungewöhnlich ( Adelung). 2@cc) verläumderisch, angeberisch, verdächtigend hinter dem rücken von einem reden, wie klatschen, früher auch hinterklaffen: man hat mir auch von dir geklafft (sagt eine frau zu ihrem manne), solt mir das han am herzen gehaft, ich het kein tag noch nacht kein rue. fastn. sp. 166, 9; ich bit dich, nicht acht was man klafft, ich wil der deine bleiben. Ambras. liederb. 22, 19; klaff wie du wilt, gegen mir nichts gilt (bewegt mich nicht). 72, 10; klaffen, klapperen, liegen (lügen) und verschwätzen. Maaler 244b, vgl.kläffer und lügner Aimon g 3a, von den falschen klaffern ist im volksmäszigen liebesliede viel die rede. die späteren wbb. geben diese bedeutung übrigens nicht mehr an, sie ist aber noch landschaftlich, s. g. dazu beklaffen, beruchtigen, diffamare voc. opt. Lpz. 1501 J 1b, gemma Cöln 1507 Dief. 181a, wie bei Henisch 270 beklaffern. 2@dd) scheltend, zankend reden, in bösen worten eifern ('räsonnieren'): du ackergurr, du kuchenknaur, du hast vil ödes klaffen in dir. fastn. sp. 396, 14; Augsburg hat ain weisen rat, das prüft (gewahrt) man an ir kecken tat mit singen, dichten und klaffen. si hand gemachet ain singschuol, und setzen oben auf den stuol wer übel redt von pfaffen. Uhlands volksl. 430, Liliencron 1, 418b; es (ein gutes gewissen) darf, wenn böse mäuler klaffen, nicht schamroth in den winkel fliehn. Günther 97. das meint wol auch Steinbach 1, 857 mit rixari. sie klaffte (schimpfte) fort, den weg hinan, bis vor die himmelspforte. Bürger 48a (frau Schnips); klaff' um staat und kirch', o zänker, lerm vermeid' ich stiller denker. Voss 5, 275 (1825 4, 68); nennts immer hyperbolisch, ihr herrn, und klaft! 4, 121 (3, 123); klaffen mag der kläffer, zähnefletschen mag der neid. Kosegarten poes. (1798) 1, 98. 2@ee) selten trans. (vgl. unter c aus dem Ambraser lb.): das hat man alls meim weib klafft. fastn. sp. 757, 20, zu der bed. c; wil ich den fluch herusher klaffen. Murner luth. narr 21 Scheible; wirstu nichts reden und nichts klaffen, so machest du dir nichts zu schaffen. Olearius pers. ros. 4, 3; einen hinterklaffen, verläumden s. Scherz 672. ausklaffen. 2@ff) in den oberd. mundarten, wo es noch lebendig ist, hat es meist einen andern nebenbegriff angenommen, tirol. 'unehrbar, ausgelassen reden' Schöpf 318: die buben hatten ziemlich viel brantwein getrunken und klafften dasz es eine schande war. Alpenburg Alpensagen 339, mit der erklärung: zoteten, läuteten die sauglocke. ebenso bair., 'heng auf (hör auf) mit dein klaffen! läszt ein oberländer den keuschen Joseph zu Potiphars weibe sagen', daher klaffreden, zoten Schmeller 2, 353. auch kärnt. kloafn, und höchst merkwürdig skloafn, sgloafn Lexer 161. 232. danach auch sloven. kláfati 'zoteln', kláfar zotenreiszer, mit heimischem ausdruck klobasiniti, das gleichfalls eigentlich nur schwatzen heiszt (s. unter klapf die sl. verwandten); so gibt im 16. jh. Megiser (dict. quat. lingu. Gräz 1592) slov. klaffati, klaffar nur für klapperen, klapperer, blaterare H 3a; da hat es sich in der sprache ausgeprägt, dasz lustiges männergespräch sich selbst überlassen gern in zoten ausläuft. vgl. klaff 2, a a. e. 2@gg) aber auch in nordd. mundarten ist es erhalten, und zwar ausgedehnter und dem älteren gebrauche näher. so nrh. klafen plaudern, sprichw. klafen en es gê geld, worte sind kein geld. Aach. mundart 108. nicht anders in rein nd. gebiete, in Pommern klaffen schwatzen Dähnert 230a, um Lübeck trotzig reden Adelung, in Bremen ût der schole klaffen, auch nâklaffen, ûtklaffen, ein klaffer, klaffert, klaffat der alles verschwatzt (brem. wb. 2, 780), ebenso in Hamburg, Holstein Schütze 2, 263, westf. kleffen; selbst fries., auf Wangeroge farklaf verklaffen, ju hä mi farklafet ihr habt mich ausgeschwatzt, verläumdet Ehrentraut fries. arch. 1, 60. Das kann nur hd. einflusz sein, denn die nd. form ist klappen fabulari, futire Dief. 221c. 254c, cleppere kläffer Haupt 3, 308, cleppesch kläffisch (s. d.): den crestenloven (so l.) sint si utraden (ausrottend) mit eren düdeschen klappen. Soltau 282, von Luthers freunden. so auch in nordd. hochdeutsch: Grevink, wilstu noch viel klappen und vertreten Reinke fuchs? Reineke fuchs Rostock 1650 s. 49. jetzt dagegen scheint diese echte form sogar vergessen, denn das brem. wb. 2, 788 bezieht klappsnute 'klaffmaul' auf klapp fertig. nl. heiszt es nur klappen (auch eingestehn), verklappen u. s. w., mnl. clappen, ebenso altengl. clappe (mit clappe maul), noch dial. clap, schott. clep. Aber merkwürdig auch in den scand. sprachen die hd. form: schwed. klaffare schwätzer, verläumder, früher und noch dial. auch klaffa beklatschen,n. (veraltet) klaffe, klaffer, klaffersk verläumderisch, klaffermund lästermaul, heimisch besonders in den altdän. volksliedern, wo auch von falske klaffere die rede ist (Molbech dansk gloss. 1, 438); eben durch das volkslied des 15. 16. jh. wird die verbreitung des oberd. wortes nach dem norden geschehen sein. merkwürdig ist dagegen in gleicher bed. das nd. geformte klappern noch früher ins hd. gedrungen, wie Maaler unter c klaffen damit erklärt. 2@hh) vom sprechen der staare, papageien. Adelung. ebenso nl. klappen. 33) klaffen von hundegebell, besonders von kurz abgestoszenem, noch jetzt gebräuchlich (vgl.kläffen), gewiss nur eine einzelne anwendung der vorigen bed., Bürger und Voss werden in den stellen unter 2, d das hundegekläff mit im sinne gehabt haben: klaffen, latrare. Wachter 842; der fuchs kann klaffen, bellen. Heppe jagdlust 1783 1, 390; laut klifft und klafft es, frei vom koppel. Bürger in der wilden jagd (vgl. kliffklaff); ein fleischerhund bemächtigte sich des throns. dieser ... hauste hündisch im reich, klaffte, bisz und nagte die knochen seines volks. Schiller 156a (Fiesco 2, 8); aristokratische hunde, sie knurren auf bettler, ein echter demokratischer spitz klafft nach dem seidenen strumpf. xenien 211; der hund verbringt ein grimmig klaffen. Lenau Faust 58. das wort verbirgt sich auch in franz. glapir kläffen, von hunden, füchsen (Diez 644), so mögen es schon die Franken gehabt haben, vgl. übrigens schwed. glafsa kläffen und dazu 4, f. 44) dehiscere, hiare, die jetzt herschende bedeutung, obwol sie Adelung nur als oberdeutsch kennen will. 4@aa) von einem offnen maule, rachen: der haifisch klafft, du lachst ihm in den rachen. Göthe 41, 63; eckzähne (des höllenschlundes) klaffen. 41, 324; sie (die jagenden hunde) jappen, klaffen nach der beute. Annette v. Droste ged. 42, das nach von dem darin liegenden 'schnappen wollen'. auch Schillers klaffen nach .. vorhin meint wol zugleich dieses mit, und in dem klaffen bei der Droste kann selbst mehr oder ganz das bellen gemeint sein, wie es ebenda nachher heiszt: und ihnen nach klafft ein versprengter hund. seibst bei dem klaffen belfern der menschen 2, d liegt diesz klaffen zugleich nahe: was bekümmert dich ein maul, das nichts anders kan als klaffen ... schnell auf schmach (schmähen), auf loben faul. Fleming 459 (oden 4, 34). aber das ist nur eine zufällige berührung zweier bedeutungen, von der sache herbeigeführt. ein altes zeugnis für das wort scheint vorzuliegen in zaneclaffen Leyser pred. 74, 21, 'die zähne zeigen, lachen', grinsend lachen; 'obgannire, widerclaffen' in der gemma zeigt auch schon das verflieszen der beiden bed., wie sie auch bei greinen vom hunde alt ist. 4@bb) von sprüngen, rissen, öffnungen an todten dingen, mhd. ûf klaffen, mnd. klappen: von manegem swanc in klaffent ûf die næte. Helbling 2, 1367, sprichwörtlich, eigentlich wol: von häufigem schwertes schwang sind die nähte des panzerhemds geplatzt; aus dem 15. jh. 'futilis, ein claffende oder leer oder zulechst (zersprungnes) vas', s. Dief. 254c, nd. en clappende vat das.; die thür klaffet, aedes hiscunt. Stieler 961, ebenda die erde klaffet voneinander, tellus aestu hiat, das holz zerklaffet, lignum rimas agit; klaffen einen risz oder sprung haben, nicht recht zugehen wollen, die thüre klafft, läszt sich nicht genau schlieszen. Rädlein 538b; ein klaffender krug, dessen deckel schlecht schlieszt. teutsch-engl. wb. Lpz. 1716; die erde klafft auf, humus hiat. Steinb. 1, 857; das klaffen, hiatus. das.; klaffende wunde, vulnus diductum. Frisch 1, 517c; der deckel klaffet, schlieszt nicht, klaffendes holz, das spalten hat. Adelung; der schrank der klafft und geistig riechts (nach schnaps im schrank). Göthe 47, 85 (Gutmann u. Gutweib, altschott.); die ihm (die pforte der unterwelt), so nahe sie klafft, noch nächtliche dunkel umhüllen. 40, 358; (oben) klaffte gespalten der baum fast ellenweit. 40, 24; rechts klaffte die thür eines zweiten, aber erleuchteten zimmers. J. Paul Titan 3, 198, stand nur angelehnt; klaffende eisspalten. Hesp. 2, 168; stecken sie ihr halstuch fester, das ein wenig klafft. Thümmel 3, 348; die wunden klaffen blutigroth. Körner leier u. schwert (1814) 16; doch eher nicht, bis meine wunden klaffen. Platen 192. Unter umständen gewinnt es den schein einer bewegung: und schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt. Schillers taucher; beleuchtet mir des herzens tiefe risse, die durch und durch hinab zur hölle klaffen. Lenau Faust 43; weiter klafft die felsenhalle und die wand naht sich zum falle. Körner 1, 122; weit aus einander klaffen. In bildlichem ausdruck: die ungeheure kluft zwischen unsern denkweisen klaffte nur desto entschiedener. Göthe 60, 255. Ist die öffnung einem 'schlund' gleich der etwas aufzunehmen strebt, so mischt sich das wieder mit vorigem gebrauch. so bei J. Paul in aufklaffen nach ... 1, 674, mit dem doppelsinn der wunde und des mundes. 4@cc) sich aufthun mit einem risse (s. e): doch wenn es heiszt, ein gott beschlossen hats, so müssen mauern, auch dreifache, klaffen. Rückert ges. ged. 1, 203. 4@dd) eigen schweiz. klaffen einschnitte machen, wol erst gebildet von klaffe kerbe (s. d.); denn das causativum zu klaffen ist kläffen (s. d. 6). dem schweiz. worte aber entspricht wol it. schiappare vom kleinspalten des brennholzes, es ist unser wort aus alter zeit her (s. sp. 892 unten) und bedeutet auch intr. platzen; dazu in Brescianer mundart s'ciapa f. stück brennholz u. ä., s'ciapada spalte, kerbe, s'ciapar platzen machen, s. Malaspina 4, 66 fg. 4@ee) Adelung meinte, es sei eig. 'mit klaffendem schalle (s. 1) bersten, aufspringen', und so wird es sein, obwol das zeugnis für diese bed. (c) zu spät ist und es auffallen musz dasz diese eig. bed. sich nicht gehalten hat; aber das mhd. ûf klaffen unter b läszt sich auch so fassen, und für hohes alter der bed. zeugt genug das ital. unter d. ein plötzlicher risz geschieht meist mit einem knall, krach, daher finden sich oft beide begriffe in einem wort oder wortstamm. lat. fragor z. b. ist bruch und krach, fragosus zerbrechlich und krachend, fragilis zerbrechlich und prasselnd, crepare prasseln und zerplatzen (auch lärmen, viel redens machen, wie klaffen, vgl. increpare schelten); ganz ebenso wie fragor von frango, ist von brechen hd. bracht lärm (s. 2, 283); beide bed. zeigen bei uns z. b. auch krachen, knallen, platzen, frz. éclater, das deutschen stammes ist, vgl. auch knellen, knittern, knitschen, zerschellen, besonders klaff 3, klack, klecken. 4@ff) für tiefere ermittelung der herkunft ist ein nahliegendes nord. wort wichtig. wie genau stimmt, nur mit andrer stufe im anlaut, mit klaffen, kläffen schwed. dial. bei Rietz glapa, gläpa klaffen (z. b. von einer angelehnten thüre) und schwatzen, dazu glap n. spalt, glaper schwätzer, glappa öffnen, gläppa platzen (wie eine naht) und schwatzen (altschw. auch ungehöriges reden, s. klaffen 3, d); ferner glipa, und diesz starkformig, klaffen (von einer naht), norw. glipe, altn. gleipa schwatzen (auch glaupsa), altschwed. glapran f. geschwätz (vgl.klaffern). der abweichende anlaut kann sein wie bei keichen, kitzeln u. a. (sp. 870), er findet sich auch hd. spurweise in glaffern schwatzen, gleffen, glefzen klaffen (s. unter klaffern, kläffen 5, kläffzen). aber das schwed. wort zeigt nichts von klaffen schallen, welche bed. ihm fremd ist, es weist vielmehr auf einen stamm mit der bed. des offnen mundes (glaffsa schlucken, schlingen, glp rachen, altn. glefsa schnappen, gleypa verschlingen, schott. glep), und auch davon sind hd. spuren da in glaffen gaffen Frank chron. 296b, ein glück verglaffen und vermaulaffen ders. sprichw. 1, 153a, gleffe lippe Dief. 314a, vgl.kläffen 4 von thieren. so scheinen in klaffen wieder zwei stämme mit ihren zweigen durch einander verwachsen.
17639 Zeichen · 414 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    klaffenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +9 Parallelbelege

    klaffen stn. das schwatzen, reden. lât solhen spot, deiswâr ich ahte ûf iuwer klaffen harte kleine MS. 1,151. a. — ir vi…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    klaffenN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    klaffen , N. nhd. Geschwätz, Geklatsch Hw.: vgl. mhd. klaffen (2) E.: s. klaffen (1) W.: s. nhd. Klaffen, N., Klaffen, D…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Klaffen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Klaffen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich eine gewisse Art des Schalles ausdruckt, und …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    klaffen

    Goethe-Wörterbuch

    klaffen subst Inf in Kleinschr 5 2 ,414 Vs 16 1 offen stehen, eine große Öffnung, Spalte haben, sich (weit) auftun; einm…

  5. modern
    Dialekt
    Klaffen

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Klaff , Klaffe n I [‘ X làf Roppenzw. ; Klàf Su. bis Bf. Betschd. ; Klàfə m. M. ; Pl. –ə] f. 1. Einschnitt an einem Baum…

  6. Sprichwörter
    Klaffen

    Wander (Sprichwörter)

    Klaffen 1. Klaffen bringt Ungunst. – Schottel, 1113 b ; Herberger, II, 23. 2. Wer klaffen wil zu viel, der wird ein Narr…

  7. Spezial
    klaffen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    klaf|fen vb.intr. 1 (eine Spalte bilden) se daurí 2 ester spalanché 3 ‹fig› (sich zeigen) ester, se mostré. ▬ hier klaff…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit klaffen

33 Bildungen · 6 Erstglied · 22 Zweitglied · 5 Ableitungen

klaffen‑ als Erstglied (6 von 6)

klaffende

KöblerMhd

klaff·ende

klaffende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. „klaffend“, schwätzend Q.: BrE, Jüngl (FB klaffende), Go, Neidh (1. Hälfte 13. Jh.) E.: s. klaffen W.: n…

klaffenkraut

DWB

klaffen·kraut

klaffenkraut , n. sedum album, die kleine weisze hauswurz. Nemnich. Schnurr (1664) 228 juni; vermicularis, herba muris, sedum minus katzentr…

Klaffenvektor

LDWB2

Klaf|fen|vek|tor m. (-s,-en) vetur de daurida m.

klaffenzimmer

DWB

klaffen·zimmer

klaffenzimmer , wol n., im 16. jh. umgedeutscht für clavicymbalum, ital. clavicembalo ( frz. clavecin, span. clavecimbano, s. Diez 103 ), cl…

klaffen als Zweitglied (22 von 22)

schȫnklaffen

KöblerMnd

*schȫnklaffen , sw. V. nhd. „schönklaffen“, schön reden Hw.: s. schȫnklaffære E.: s. schȫne (1), klaffen (1) Son.: langes ö

abklaffen

DWB

abklaffen , dehiscere, abstehn, nicht genau schlieszen. die thür klaft ab, die wunde, das kleid klaft noch ein wenig ab.

afklaffen

KöblerMnd

afklaffen , V. nhd. durch Schwatzen wegnehmen E.: s. af, klaffen L.: Lü 6a (afklaffen)

afterklaffen

MWB

after·klaffen

afterklaffen stN. ‘Nachreden, Verleumden’ als mich die wroegers fel bedroeben / mit irre velsscher achter spraeche, / so weer keyn wonder da…

ane klaffen

MWB

ane klaffen swV. ‘(laut?) auf jmdn. einreden’ wi tarstu sô ane klaffen den richter? HvFritzlHl 86,4 MWB 1 250,7; Bearbeiterin: Baumgarte

aneklaffen

KöblerMhd

ane·klaffen

aneklaffen , sw. V. nhd. „anklaffen“, einreden Hw.: vgl. mnd. aneklaffen Q.: HvFritzlHl (1343-1349) E.: s. ane, klaffen (1) W.: nhd. (ält.) …

anklaffen

DWB

ank·laffen

anklaffen , allatrare, vgl. anbaffen, anblaffen . mhd. wie tarstu sô ane klaffen den richter? myst. 86, 4.

aufklaffen

DWB

auf·klaffen

aufklaffen , hiare, nicht mehr als das einfache klaffen: klaffe auf sein herz nach einer unendlichkeit. J. Paul flegelj. 1, 144 .

ausklaffen

DWB

aus·klaffen

ausklaffen , garrire, ausschreien: das sie das für bewerte und gegründte warheit ausklaffen. Luther 1, 48 b .

erklaffen

Lexer

erk·laffen

er-klaffen swv. anfangen zu klappern, erkrachen. daʒ mir die zende erklaften in dem munde Msh. 3,211 b . ûf den estrich si in swanc, daʒ im …

geklaffen

Lexer

gek·laffen

ge-klaffen swv. BMZ geräusch machen, schwatzen Berth. Serv. 2976.

verklaffen

DWB

verk·laffen

verklaffen , verb. anbellen, anschreien, durch geschrei schädigen. diese ursprüngliche bedeutung ist nhd. nicht mehr nachweisbar. wie das ei…

widerklaffen

DWB

wider·klaffen

widerklaffen , vb. , widersprechen; mhd. und frühnhd.; wie widerbellen und widerkallen ( s. d. ) meist abfällig gebraucht. lexik. nur in frü…

zantklaffen

Lexer

zant·klaffen

zant-klaffen stn. BMZ das zäneklappern. zan- Serv. 2446, zenekl. Griesh. 1,130. 2,23 ;

ūfklaffen

KöblerMhd

ūfklaffen , sw. V. nhd. aufklaffen, auseinanderklaffen Q.: Helbl (1290-1300) E.: s. ūf, klaffen W.: nhd. aufklaffen, sw. V., aufklaffen, aus…

Ableitungen von klaffen (5 von 5)

beklaffen

MNWB

beklaffen , swv. , anschuldigen, beschuldigen , verleumden.

erklaffen

Lexer

er-klaffen swv. anfangen zu klappern, erkrachen. daʒ mir die zende erklaften in dem munde Msh. 3,211 b . ûf den estrich si in swanc, daʒ im …

geklaffen

Lexer

ge-klaffen swv. BMZ geräusch machen, schwatzen Berth. Serv. 2976.

verklaffen

DWB

verklaffen , verb. anbellen, anschreien, durch geschrei schädigen. diese ursprüngliche bedeutung ist nhd. nicht mehr nachweisbar. wie das ei…

zerklaffen

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zerklaffen , verb. , auseinander klaffen: zerklaffte breter Ludwig teutsch-engl. 2576 ; ( ein ) hieb, von dem helm und visir zerklafften G. …

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Cotta, M. (2026). „klaffen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/klaffen/dwb?formid=K06091
MLA
Cotta, Marcel. „klaffen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/klaffen/dwb?formid=K06091. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „klaffen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/klaffen/dwb?formid=K06091.
BibTeX
@misc{lautwandel_klaffen_2026,
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