glauben,
vb. ,
credere, confidere, putare, opinari. got. und westgerm. (
oder gemeingerm.?)
wort; got. galaubjan '
glauben',
ahd. gilouben,
as. gelôBian,
ags. gelíefan,
mhd. gelouben,
mnd. mnl. geloven,
afries. leva (
sonst in gleicher bedeutung liuva <
*liubjan),
nhd. glauben;
ob bei anord. leyfa (
nur '
erlauben, loben')
das präfix ga-
geschwunden ist, bleibt ungewisz. zur wz. idg. *leubh- '
begehren, lieb haben; für lieb erklären, gut heiszen, loben',
vgl. Walde-Pokorny 2, 419;
verwandt sind u. a. ai. lúbhyati '
empfindet heftiges verlangen', lōbháyati '
erregt verlangen', lubdha (=
gr. λυπτά '
ἑταίρα,
πόρνη'
Hes.) '
gierig, geil'
; lat. lubet, libet '
es beliebt', lubido, libido '
begierde'
; alb. l'aps '
wünsche, begehre',
abg. l'ubъ '
lieb'.
nächste verwandte im germ. sind got. liufs,
aisl. liúfr,
ahd. liob,
ags. léof;
ags. gelýfan,
ahd. liuben,
mhd. (ge-)liuben,
afries. liuva,
got. lubains
ἐλπίς,
ahd. lobên, lobôn
und lob,
ags. lof,
aisl. lofa
und lof.
in gleicher ablautstufe got. galaufs, uslaubjan,
ahd. urloub, irlouben,
ags. léaf,
aisl. leyfa. Kluge (
zs. f. dt. wortforsch. 7, 169)
hält galaubjan
für ein ablautendes factitivum adjektivischer herkunft zu *liuB- '
lieb'
im sinne '
sich etwas lieb, vertraut machen'
mit perfektivischem präfix; Weigand-Hirt 1, 734
nehmen unmittelbare ableitung aus dem adj. germ. *galauB- (
got. galaufs)
an in der bedeutung '
für wertvoll halten'.
die schwierigkeiten beider erklärungen kennzeichnet treffend W. Wissmann
d. ält. postverb. des germ. (1938) 39
und stellt galaubjan
als '
für lieb halten oder nennen, gut heiszen'
neben *liubjan,
das sich besonders mit mhd. gelouben '
willfahren, nachgeben, sich freundlich erzeigen' (
s. unten V A 1)
eng berührt. nach Wissmann 40
ist galaubjan
denominativum zu *liuB-
und wurde schon im vorchristlichen germ. für das freundschaftliche vertrauen des menschen einem gotte gegenüber gebraucht. diese annahme würde erklären, warum sowohl Ulfilas wie die ags. und ahd. mission von anbeginn glauben
für das mit gr. πιστεύειν und lat. credere
bezeichnete religiöse verhalten zum christengott einsetzen konnten. galaubjan
als christliche neubildung anzusehen, wird von Wissmann
mit grund verworfen. dasz im nordischen bereich der christliche begriff glauben
durch trúa
wiedergegeben wurde, deutet vielleicht darauf, dasz galaubjan
in seiner religiösen bedeutung nicht bis in urgerm. zeit zurückreicht, sondern wie trauen (
s. teil 11, 1, 1,
sp. 1327)
zunächst auf die beziehung von mensch zu mensch gerichtet war. form. 11)
im präfix ahd. ga-, gi-, ge-,
mhd. ge-
wird der vokal, etwa seit Notker,
häufig synkopiert, vgl. z. b. gloubo
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 137, globet 130; glouben Notker 2, 120
P., gloubint 38
u. s. w.; doch überwiegt die vokalhaltige form wie noch im mhd., vgl. aber glovbet
jg. Judith bei Diemer 174, 28, engloubist
myst. 1, 154
Pf., glouben
hl. Elisabeth 345
Rieger; frühnhd. ist synkopierung regel, doch hält sich ge-
noch vereinzelt bis ins 2.
viertel des 16.
jhs. (
vgl. auch teil 4, 1, 2,
sp. 2873
unter gelauben): gelauben Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) s 4
b; gelauben (
v. j. 1534)
städtechron. 23, 376;
der alternation wegen eingeführt in: legstu dir wrt darmb gelaybt, und rechter weg zur hell erlaybt J. v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 126; das magst du wol gelauben mir J. Spreng
Ilias (1610) 38
b.
wie mnd. loven (laven) Schiller-Lübben 2, 736,
afries. leva Richthofen 255,
nl. dial. looven, leuven
im nd. z. t. mit verlust der präfixsilbe löben, löwen,
vgl. z. b. Schambach 126, Danneil 65, ten Doornkaat-Koolman 2, 522; Mensing 2, 396
stellt fest, dasz löben
jetzt vor glöben
zurückweicht und sich fast nur noch in bestimmten wendungen und stellungen hält. vereinzelt bleibt präfixverlust im älteren schwäb.: laups
für glaubt es
zimmer. chron.2 3, 407
Bar. 22)
neben ahd. au, ou,
mhd. ou
treten nur vereinzelt andere, teils rein orthographisch variierende, teils dialektische schreibungen des stammvokals auf, z. b. gilobit
Tatian 82, 10, gilobtun 131, 12, globet
physiolog. 107
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 130; gelopt Walther v. Rheinau
Marienleben 27, 41
K., gelobest Elsbet Stagel
schw. zu Tösz 63
V., geloben Steinhöwel
de clar. mulieribus 24
lit. ver., globen J. Keszler
sabbata 12; glabt
M. Behaim
in: Wackernagel
leseb. (1839) 1007, glaben
städtechron. 25, 117 (
Augsburg, 16.
jh.).
die obd. maa. zeigen im allgemeinen formen mit normaler umlauthinderung, so bair. glábm Schmeller-Fr. 1, 1406,
schweiz. glauben, globe
n Staub-Tobler 2, 587,
elsäss. glāübe
n (
kein umlant!), glaube
n Martin-Lienhart 1, 254
b,
schwäb. glaobe
n, gloube
n, glbe
n, glābe
n Fischer 3, 679;
ostfränk. treten schon im norden umlautsformen auf, vgl. glwe (
Möckmühl a. d. Jagst) Fischer
ebda, gläb Rückert
unterfränk. 62, gläuben Gerbet
Vogtland 357.
md. ist der umlaut weit verbreitet und steht z. t. neben umlautlosem vokal, vgl. z. b. gläwe Autenrieth
pfälz. 54,
rheinfrk. -āw-, --
neben -w-
u. ähnl. rhein. wb. 1260
f.; klaiwə Hentrich
Eichsfeld 96; jleiwen
neben jlauwen Jecht
Mansfeld 43
a; kloom, klaam
neben klääm, kleim, glääm Müller-Fr.
obers. 1, 424.
nd. gilt zumeist glöwen, glöben (löwen, löben)
u. ähnl., der rückumlaut ist teilweise noch erhalten, vgl. z. b. glaiw
en (
prät. glofte,
part. egloft) Bauer-Collitz 40, glöft (
prät. glofde,
part. egloft) Schambach
Gött. 65, xlaibn (
part. xloft) Böger
Schwalenberg 151,
aber löfen, löven (
prät. löfde) ten Doornkaat-Koolman
ostfries. 2, 522.
die umlautlose form tritt jedoch auch nd. auf, vgl. loven
ebda; globen, glöben, löben Mensing 2, 396 (globen
ist im rückgang befindlich); glôwe(n), glêwe(n) Frischbier
preusz. wb. 1, 236; glôwe Fischer
samländ. 141. 33)
bis um 1800
steht neben der schriftsprachlich sanktionierten form glauben
noch die umgelautete gläuben,
die im älteren nhd. vor allem bei md. autoren häufig ist; obd. ist die umlautform vereinzelt fränk. bezeugt und erscheint sonst wohl nur unter einflusz der md. buchsprache: geleubin
parad. animae intell. 95, 21
Str.; gloybin (
v. j. 1339)
hess. urk.-buch 2, 484; gloyben (
v. j. 1347)
urk.-buch d. st. Arnstadt nr. 147
Burckhardt; gleubent, gleubet Berthold v. Regensburg 301
Kling; gleuben (
Heilbronn 1445)
bei Fischer
schwäb. 3, 679, geleuffen Arn. v. Harff
pilgerfahrt 97
Gr.; gleuben Aventin
chron. (1566)
nach Schmeller
d. mundarten Bayerns (1821) 44; Luther
schwankt regellos zwischen gleuben (glewben)
und etwas unhäufigerem glauben (glawben)
und schreibt auch im prät. überwiegend -eu- (-ew-),
führt also den rückumlaut nicht mehr durch, vgl. z. b. glaubt, gleuben 1, 391
W., glaüben 10, 3, 2;
weitere belege s. bei C. Franke
grundzüge d. schriftspr. Luthers2 1, 128; gleuben Nic. Herman
sonntagsevang. 3
Wolkan; gläubt Gilhusius
gramm. (1597) 1, 16; gläuben
grillenvertreiber (1670) 82; glaübt
chron. d. gesellsch. d. mahlern 1721/22, 23
Vetter; gläuben Gottsched
dtsche schaubühne (1741) 1, 352; gläubt A. v. Haller
ged. 179
H.; gläubet Herder 7, 334
S.; gläubt H. v. Kleist 4, 19
E. Schm.; entrundet gleiben (
voc. d. 15.
jhs., md.) Diefenbach-Wülcker 626, gleybenn Reuchlin
verdeutsch. d. ersten olynth. rede 30
Poland; gelaybt J. v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 126;
monophthongiert gleben Hayneccius
Hans Pfriem 14
ndr. 44)
das part. prät. ahd. giloubit (
belegt: calaupit, kelaubit, kalaupit Graff 2, 70),
mhd. geloubet, geloupt,
erhält schon frühnhd. bei synkopiertem vokal des präfixes vielfach nochmals ge-
als partizipialpräfix, sodasz im 16.
jh. die drei formen gelaubt, glaubt, geglaubt (
bzw. gleubt, gegleubt)
und ihre orthographischen varianten nebeneinander stehen; im 17.
jh. ist glaubt
nur noch ganz selten, und geglaubt
erhält den rang der schriftsprachlich gültigen form; vgl. zs. f. dt. wortforsch. 1, 300, H. Paul
dt. gramm. 2, 279. 4@aa) gelaubt
erste dt. bibel 2, 18
Kurr., gelaubet Arigo
decam. 8
K., geloubet Steinhöwel
Äsop 115
Öst., gelaupt Murner
an den adel 10
ndr. 4@bb) glaubt A. v. Pforr
beisp. d. alten weisen 14
Holl., Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 5
ndr., Luther
an den adel 13
ndr., Aventin
s. w. 4, 1, 100, Schönsleder
prompt. (1647) v 8
b; gloubt
städtechron. 17, 231 (
Mainz, mitte d. 15.
jhs.), Seb. Brant
narrensch. 110, 13, Zwingli
dt. schr. 1, 64, H. R. Manuel
weinspiel 3220
ndr.; gleubt Emser
neues testament Joh. 8, Luther
e. urtheyl d. theolog. (1521) b 7
b, Gretter
erklär. d. ep. Pauli an d. Römer (1566) 614. 4@cc) geglaubet
städtechron. 17, 200 (
Mainz, mitte des 15.
jhs.); gegloubt Luther
in seinen briefen, vgl. zs. f. dt. wortforsch. 1, 300; gegloubt, ggloubt Zwingli
nach den angaben ebda; geglaubt Aventin
s. w. 4, 1, 109, Joh. Nas
antipap. (1567) 1, 8
a; gegleubt Luther
bibel 6, 17
Binds.-Niem., Emser
neues testament Matth. 7, gegleubet Butschky
hd. kanzelley (1659) 103.
im 17.
jh. ist bei Opitz, Moscherosch, Schupp
und den anderen autoren geglaubt
bereits durchgeführt, vgl. zs. f. dt. wortforsch. 1, 300.
bedeutung und gebrauch. in historischer zeit tritt glauben
zunächst in religiösem gebrauch als christliche lehnübersetzung von gr. πιστεύειν und lat. credere
auf (
s. I).
dasz wie gr. πιστεύειν auf got. galaubjan (
vgl. unten II A
kopf)
so lat. credere
auf ahd. gilouben,
as. gilôBian,
ags. gelíefan
bedeutungsmäszig stark eingewirkt hat, ist gewisz, doch erscheint es möglich, dasz vor und neben der religiösen anwendung bereits vorchristlich eine profane bedeutung '
jemand vertrauen, sich auf jemand verlassen'
bestand (
s. unten II B).
aber auch innerhalb der religiösen sphäre (
s. III A 2
kopf)
konnte sich unter dem einflusz von lat. credere
die erst jünger bezeugte bedeutung '
jem. vertrauen in bezug auf die wahrheit seiner aussage' (
s. unten II B 1)
entwickeln; sicher entstammt ihr die bedeutung '
etwas für wahr halten' (
s. unten III A),
die sich zu '
für möglich halten, meinen, vermuten' (
s. unten III D)
abschliff; die mundarten haben statt glauben III D
z. t. denken
und meinen,
vgl. anz. f. dt. altertum 23, 220. II.
als religiöser begriff. I@AA.
zufrühst für das verhalten des christen gott und seiner offenbarung gegenüber, vornehmlich für das '
vertrauen'
auf gottes allmacht, gerechtigkeit und gnade, auf Christi erlösermacht, auf die wahrheit der göttlichen offenbarung in Christus und des in der bibel bezeugten wortes gottes, was ein '
fürwahrhalten'
der glaubenslehren einschlieszt; die hauptunterschiede der bedeutungen II
und III
sind demnach auch in der religiösen anwendung sichtbar, doch bleiben die grenzen hier vielfach unscharf. I@A@11)
in der verbindung mit einem meist persönlichen dativobjekt (
vgl. auch unten II B 1),
wobei sich der begriff des vertrauens besonders deutlich ausprägt; dasz diese konstruktion von glauben
germanischem sprachempfinden näher lag als die mit präpositionaler verknüpfung, erweisen wohl die meisten der fälle, in denen die got. bibel galaubjan
mit dem dativ verbindet, obwohl die gr. vorlage präpositionen aufweist, vgl. z. b. statt εἰς Joh. 6, 29; 7, 5
und 48; 8, 30; 11, 45; 12, 11;
Röm. 10, 14;
statt ἐπὶ Matth. 27, 42;
1. Tim. 1, 16; Jac. Grimms
hinweis (
gramm. 4, 856
f.)
darauf, dasz Ulfilas galaubjan
mit dem bloszen dativ konstruiere, '
wenn es glauben und vertrauen, mit der präposition du,
wenn es das bestimmte christliche glauben und bekennen bezeichnet',
bedarf also einer einschränkung. glauben
als '
vertrauen schenken'
in religiöser hinsicht enthält meist zugleich den beisinn '
die worte und verheiszungen gottes, Christi und der kirchlichen lehrer für wahr und verbindlich anerkennen',
begreift demnach III A
oft mit ein. I@A@1@aa)
in älterer nhd. sprache tritt personaler dativ nicht selten auf, ist aber ahd. und mhd. im ganzen unhäufig; für das got. vgl. z. b. jabai allis Mose galaubidedeiþ, ga-þau-laubidedeiþ mis?
Joh. 5, 46; swaswe raihtis jus suman ni galaubideduþ guda, iþ nu gaarmadai waurþuþ þizai ize ungalaubeinai
Röm. 11, 30;
entsprechende nichtreligiöse belege s. unter II A
und III A: thoh ni sprachun sie in warthaz sie geloubtin gote sar Otfrid III 26, 9,
vgl. 2, 37; an des weibes houbete, die Criste geloubete Heinr. v. Hesler
apok. 17320
H.; (
sie) lassent nút abe und truwent und geloubent ime (
gott) in habende und in darbende Tauler
pred. 129, 12
V.; Abram gleubte dem herrn
1. Mose 15, 6; so wir yhm und in yhnn glawben Luther 10, 3, 363
W.; myr gefellet fast wol, das yhr vom glawben szo unterschiedlich redet, das ettwas anderes sey glewben von gott odder gott glewben und glewben ynn gott, nemlich das auch die teuffel von gott glewben, das er alle ding geschaffen, ... item gott (
dativ) glewben: das war sey, was er geredt hatt. aber ynn gott glewben sey: mit lieb und gutten wercken gotte nach folgen Luther 11, 453
W.; wir glauben, als wir wAenen gar wol dem woren gott. doch thuon wir uns beschOenen on im mit seim gebott Michael Stifel
v. d. christförm. lehre Luthers 58
Lucke; wer Christo glaubt, der fleucht nicht Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, g 5
b; also gibt es leute, welche zwar mit dem maul prahlen, dasz sie einem gott glauben, mit der that aber selbigen verlaugnen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 21;
formal hierher auch: ihn (==ih en) wil imo (
dem teufel) gelôbe, imo scol niemen gelôbe
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 343.
anders, mit zusätzlichem sachobjekt wie II A 2: gott gläub ich was ich gläub; ich gläub es menschen nicht Logau
sinnged. 617
Eitner; wir glauben dir (
gott), was wir nicht sehn, wir glauben: deine gnade kennt wege, die wir nicht verstehn J. A. Cramer
s. ged. (1782) 1, 246. I@A@1@bb)
mit sachobjekt, meist im sinne '
vertrauensvoll als wahr annehmen',
vgl.þande nu jainis (
Moses) melam ni galaubeiþ, ƕaiwa meinaim waurdam galaubjaiþ?
got. bibel Joh. 5, 47; ƕas galaubida hauseinai unsarai 12, 38: gilôBian mînun lêrun
Heliand 5231
Heyne; unde do hitemon geloubton sie sinen worten (
ps. 105, 12) Notker 2, 453, 1
P., vgl. 300, 8; er ist aber denn kein christ mer, so er der christlichen leer nit gloubt Zwingli
v. freih. d. speisen 11
ndr.; im fall du disz (
dieses himmelsbrot) genossen hast und glaubest Christi worten so bist du ein recht würdig gast Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 99; alle und jede rechtgläubige katholiken glauben die bibel und der bibel Lessing 13, 372
M. I@A@22)
mit präpositionalem objekt zunächst in der spezifisch christlichen bedeutung, um gegenstand oder ziel des glaubens zu bezeichnen; so in der got. bibel besonders mit du
nach dem muster von gr. εἰς (
vereinzelt ἐπὶ),
vgl. J. Grimm
gramm. 4, 856
f., z. b. ainana þize leitilane þize galaubjandane du mis
Mark. 9, 42; þu ga-u-laubeis du sunau gudis?
Joh. 9, 35; ƕazuh sa galaubjands du imma (
ἐπ' αὐτῷ) ni gaaiwiskoda
Röm. 10, 11. I@A@2@aa) glauben in;
got. selten und offenbar gr. ἐν,
εἰς und lat. in
nachgebildet, vgl. galaubeiþ in aiwaggeljon (
ἐν τῷ εὐαγγελίω)
Mark. 1, 15; jah weis in Xristau (
εἰς Χριστὸν) Jesua galaubidedum
Gal. 2, 16;
ahd. entsprechend lat. credere in
zunächst mit in
konstruiert, das zwar schon bei Notker
durch an
vertreten wird (
s. unten b),
aber neben herrschendem an
noch bis ins älternhd. gebräuchlich bleibt: gilaubistu in Christ gotes sun nerienton?
fränk. taufgelöbnis bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 23; ec gelobo in halogan gast
sächs. taufgelöbnis, ebda 20; in got giloubet ioh in mih Otfrid IV 15, 4,
vgl. III 20, 173
u. V 16, 28; sin liument intluhtet die in in gloubent Notkers
psalmen n. d. Wiener hs. 307
H.-Sch.; liben kint, gelaubet ir in got, so schullet ir des gelauben, das in nimant betrigen mag Joh. v. Neumarkt
leben d. hl. Hieronymus 28
Bened.; drumb ist das worttlin in fast wol gesetzt ... das wyr nit sagen, ich glawb gott dem vatter odder von dem vatter, szondern ynn gott den vatter Luther 10, 2, 389
W., vgl. 10, 3, 2
u. ö.; welicher in mich gloubt, der hat das ewig leben Zwingli
dtsche schr. 1, 34; er glaube in Christum Grimmelshausen 2, 356
Keller; mit besonderer sinngebung: item zeuge Christum in dein leben und flaisch, glaub nicht an in, sonder in in Seb. Franck
paradoxa (1537) 87
a. I@A@2@bb)
die im ahd. jüngere verbindung mit an
ist ags. und as. (
neben te)
die geläufige, die ahd. in
entspricht, vgl. endi an thana hêleand wilihluttro gilôBean
Heliand 958
Heyne, vgl. genesis 172
und ags. gelíefan
mit on (
selten in)
bei Bosworth-Toller 411
f., suppl. 359: ih wil gelôb in got vater almahtigen ... unt gelob an sînen einpornen sun
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 343; an der heiligun trinemmide (
dreieinigkeit) gloub ich
ebda 135; ich gelob an die kristanhait gotlich und allich
ebda 351; keloubint an got unde so geloubent an mih (
credite in deum et in me credite) Notker 2, 265
P., vgl. 181, 240
und 1, 621;
mhd. und älternhd. überwiegt an
schon stark, das im jüngeren nhd. die alleinherrschaft übernimmt: dînû abgot sint ungihuiri. wir giloubin ani den Crist, der (dir) gischûf alliz daz dir ist
Nabuchodonosor v. 51
bei Waag 37; der sprach: ir sult gelouben, iwerr sêle den tiuvel rouben, an den hôhsten got al eine Wolfram
Parz. 817, 11; darumb sollen wir ja getrost sein, die wir an ihn gläuben Luther
briefw. 8, 190
W.; ich gläube an den sohn gottes J. B. Schupp
Corinna 53
ndr.; hierauff (
ist) zu merken, dasz ein groszer unterscheid seye, an etwas glauben, und etwas glauben; etwas glauben, heist glauben, dasz eine sache wahr sey, also glauben wir die christliche kirche und gemeinschaft der heiligen, das ist, wir glauben, dasz wahrhafftig eine christliche kirche und gemeinschafft der heiligen sey, wie wir in folgendem hören werden. aber wir glauben nicht an dieselbige, das ist, wir setzen unser höchstes vertrauen nicht auff die kirche, sondern denjenigen, der der kirchen herr und stiffter ist. hingegen heiszets nicht nur, wir glauben den heil. geist, das ist, dasz wir glauben, dasz ein heil. geist seye, sondern wir glauben an den heil. geist, das ist, wir setzen unser höchstes vertrauen auff den heil. geist, welches dann eine göttliche ehre, ein zeugnüsz seiner gottheit ist Spener
catechismuspred. (1711) 245; dasz wir fromme deutsche leute sind, die an gott und Christum glauben Fouqué
gefühle, bilder u. ans. (1819) 1, 15;
mit besonderer betonung des für wahr oder wirklich haltens, vgl. unten III B: wie konnte der kaiser das bekenntnisz eines rechtgläubigen christen ablegen, wenn er nicht daran glaubte? Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 41; an das göttliche glauben die allein, die es selber sind Hölderlin
s. w. 3, 45
Hellingrath; anscheinend redensartlich, als drohung verwendet: ich wollt sie lehren an gott glauben Fischart
Gargantua 399
ndr., d. h. '
ich würde sie gehörig verprügeln'. I@A@2@cc)
andere präpositionen bleiben vereinzelt; mit zu,
vgl. ags. geliefan to Bosworth-Toller 411,
suppl. 359: sô hwe sô her giloBid te miliudiô barnô
Heliand 3916
Heyne; mit besonders betonter richtungsangabe: und glaubt mit ganczem herczen zu gott Luther 10, 3, 349
W., vgl. 34, 1, 369;
anders: Abraham! vater! du glaubtest zu gott (
auf gottes verheiszung hin), ich würd aus der asche, hätte mich nun des prüfenden altars flamme geopfert, wieder erwachen Klopstock
Messias (1780) 310.
mit auf, '
sich gläubig verlassen': gott, das allerhöchst ewig gut, ... auff das thut er trawen und glauben, dess ihn kein unglück kan berauben Hans Sachs 16, 472
K.-G.; auf nichts glauben,
in mundartlich (
bair.)
gefärbter sprache wie schriftsprachliches nichts glauben
im sinne von '
keinen religiösen glauben haben' (
vgl. unten 3 a
ende): ein schwarzes stückl (
in der gemeinde) haben wir wohl ..., selb ist dem Hobingen sein knecht, ... der glaubt auf gar nichts, durch harte erlebnus soll er so wordn sein, sonst ein braver, fleisziger mensch Anzengruber
ges. w.3 5, 79. I@A@33)
mit akkusativobjekt, wobei der begriff des für wahr, wirklich haltens besonders in den vordergrund tritt, vgl. unten III A
in nicht religiösem gebrauch. I@A@3@aa)
von der wirklichkeit der existenz gottes und anderer glaubensgegenstände innerlich überzeugt sein: ich gloubo diu unzalehaftin sîniu zeichen, unde wunder, krefte ioh lêra
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 137, 33; giloubent sie thaz kruzijoh selben Kristes wizi, joh eigun ouh giwissithaz sin irstantnissi Otfrid V 6, 31; daz er ouh keloube mit triuwon die menneskeheit unseres herren Notker 2, 642
P., vgl. 299; geloube wir die namen dri, mit dem zinse pir wir vri ze deme ewigem liebe
loblied auf d. hl. geist bei Diemer
ged. d. 11. u. 12. jhs. 350, 14; mocht ir nach got lebenn und glauben Jesum Christ
märterbuch 22813
Gierach; erweitert: lâ mich geniezen, daz ich dich (
Christus) geloube zeinem reinen gote Rudolf v. Ems
Barlaam 302, 1
Pf.; der lútte ist vil, die nit glouben aplas der súnden
d. ew. wiszheit betbüchl. (1518) 112
b; ich gleube die vergebung der sunden Luther 34, 1, 70
W.; drey ding glaubet Rhom nit fast, der selen unsterblichkeit, der todten auffersteung und die helle mit den teuffeln Hutten
opera 4, 267
Böcking; es werden auch des seel. Lutheri stellen angeführet, da er anfangs das fegfeuer noch geglaubet Leibniz
dtsche schr. 2, 343; (
er) glaube weder himmel noch hölle Rabener
s. schr. (1777) 2, 58; wer darf ihn nennen? und wer bekennen: ich glaub ihn? wer empfinden, und sich unterwinden zu sagen: ich glaub ihn nicht? Göthe 14, 173
W. (
Faust 3434); die hülfe kommt von dem inhalt, nicht von der handlung des glaubens; der geglaubte Jesus thuts W.
F. Besser
bibelstunden (1877) 3, 167; unserem herrgott kann es doch gleich sein, ob unsereins ihn glaubt oder nicht Anzengruber
ges. w. 3, 8;
hierzu auch nichts glauben '
keine religion haben': auch mach ich ihm gar leicht begreiflich, wie gefährlich selber für den staat es ist, nichts glauben! Lessing 3, 118
M. I@A@3@bb)
von der wahrheit und verbindlichkeit des wortes gottes, biblischer und kirchlicher lehre u. ähnl. überzeugt sein, vgl. ƕazuh saei libaiþ jah galaubeiþ du mis, ni gadauþniþ aiw. galaubeis þata?
got. bibel Joh. 11, 26: in gemain ist zeglauben allain gOetliche warhait, auszerhalb derselben nichts war ist Berthold v. Chiemsee
t. theol. 41
Reithm.; dan eyn ketzer heyst, der nit glaubt die stuck, die nod und gepoten seyn zu gleuben Luther 1, 391
W.; wer glaubt gotts lehr, gibt ihm sein ehr Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, g 3
b; 'nicht ein sperling fällt vom dache, nicht ein haar von deinem haupte, auszer gott und gottes willen!' — guter prior, wer das glaubte! Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 287;
ungewöhnlich: wenn
man die christliche religion ebenso ausübte wie man sie glaubt (
wie man ihre lehren theoretisch anerkennt) Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 111;
von der kirche, '
als glaubenslehre aufstellen': 'lieber man, was gleubstu?' der köler antwortet: 'das die kirche gleubt' Luther
bücher u. schr. 6 (1568) 107
a; weil sie nicht alles glauben, was unsere liebe mutter, die heilige kirche glaubet Fischart
binenkorb (1588) a 8
a. I@A@44)
mit objektssatz in gleicher bedeutung wie 3 b,
vgl. got. ei ufkunnaiþ jah galaubjaiþ þatei in mis atta jah ik in imma
Joh. 10, 38,
vgl. auch Röm. 10, 9: ich gloubo, daz er gitoufit wart
Bamberger glaube bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 137, 20; daz ist rehtiu triuwa, daz wir gelouben unde iehen, daz unser herro der gewiehto haltare gotes sun got unde mennisco ist Notker 2, 642, 30
P.; wir gelouben, daz dî namen drî ein wâriu gotheit sî Ezzos
gesang 415
bei Waag 16; alsô daz ich gelouben wil, daz kein ander got enist wan der getriuwe süeze Krist Konrad v. Würzburg
Silvester 1626
Gereke; merck rechte danckbarkeit sin, das ein mensch vestenklich gloube all unser narung und leben allein von got bescheiden und uffenthalten werde Zwingli
v. freih. d. speisen 9
ndr.; ob sie vestiglich gläube, dasz der sohn gotes für alle ihre sünde hab bezahlet? J. B. Schupp
Corinna 48
ndr.; was hier ist in der welt, da sei nur unbemüht, wird dirs ersprieszlich sein, wies gott am besten sieht, so gläube du gewisz, er wird dir deinen willen schon geben und mit freud all dein begehren stillen Paul Gerhardt
ged. 1, 15
Ebeling; ich aber, der ich gläube, dasz keine seele sterb, und gott den donner treibe B. Neukirch
ged. (1744) 165;
nach griech.-lat. vorbild mit acc. c. inf., vgl. got. galaubjand auk allai Johannen praufetu wisan
Luk. 20, 6;
ahd. unsih erstantan ... kelaubemes
Murbacher hymnen 24, 5
Sievers, vgl. gram. 4 (1898) 133: das die gerechtigkait ist gelauben Christum für unns gestorben sein Luther 10, 3, 130
W., vgl. 350. I@A@55)
absoluter gebrauch, die religiöse handlung und haltung des '
gläubig seins'
an sich ausdrückend, vgl. got. duþþe ni mahtedun galaubjan
Joh. 12, 39: ef thu gelôBian wili,than nis nu lang te thiu, that thu her antkennian skaltkraft drohtines
Heliand 4088
Heyne; ther avur, thes ni giilit,mit doufu sih ni wihit: ni giloubit thanne ouh thuruh not;so ist er iu firdamnot Otfrid V 16, 34; swer niht geloubet, der ist verlorn; swer geloubet, der ist geborn in daz gotes rîche ze erbenne êweclîche Rudolf v. Ems
Barlaam 80, 33
Pfeiffer; ymer machen sy den glawb also swAer und weitschAechig, daz daran ain yeder zweifeln muoess ob er recht glawb oder nit Berth. v. Chiemsee
t. theol. 9
Reithm.; denn mit solcher irer rede werden die wort Christi aus den augen gethan und frey hin on wort inn die lufft gegleubet nach eigenen gedancken Luther 30, 3, 564
W.; keiner recht glaubet, er lasse denn ... seinen glauben durch ein christliches leben herfr leuchten Butschky
Pathmos (1677) 38; zu hause glaubt und lebt ich als ein frommer christ Ramler
fabellese (1783) 1, 37; der einfältige glaubt sich in den himmel Voss
antisymbol. (1826) 2, 362.
mit wissen
kontrastiert, zum sachlichen s. glaube I A 1 c
ε dd
und Ph. Kneib wissen und glauben (1905)
titel, V. Cathrein glauben und wissen (1911)
titel: wir blinden und wir touben wizzent nicht, wir gelouben der dinge, die wir nie gesan Heinr. v. Hesler
apok. 3412
H.; ... die lebendgen glauben — und die toten wissen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 127.
häufig als substantivierter infinitiv: da sah der arzt das wunder, da ging sein wissen unter, da ward sein glauben munter Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 245; wo das religiöse glauben bei mangelnder überlegungskraft seinen grund in jener liebenswürdigen und gutmütigen leichtgläubigkeit hat, da sagt man mit recht, es mache selig G. Keller
ges. w. (1889) 1, 399; ihr kostüm, ihre sitten, ihr glauben und denken sind uns fremd O. Ludwig
ges. schr. 5, 323
E. Schm.; aus der heimath ausgewiesen fand ich hier (
in Texas) ein vaterland, wo im glauben wie im denken willkür nie mich darf beschränken, wo kein häscher mich verbannt Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 391. I@A@66)
das part. präs. tritt gelegentlich in adjektivischer funktion auf, hat sich aber neben gläubig
nicht verselbständigen können; vgl. got. für gr. πιστός: ƕo daile galaubjandin miþ ungalaubjandin
2. Kor. 6, 15; daz fone einen geloubenten (
fidelibus) andere geloubente (
fideles) chomen
bei Notker 2, 245, 6
P.; den glaubenden Cristi, die in erwelt hetten zuo eim hirten, die mochten nie do wider gesein
erste dt. bibel 1, 119
Kurr.; die ... verbietten die ee und speysz, die gott geschaffen hat, das sie eyn yeder glaubender und alle, so die warheit erkennt haben, mit dancksagung nemen mögen
neu Karsthans in: Hutten
opera 4, 658
Böck.; ein gleubiger
sive glaubender Stieler (1691) 665;
dagegen rein partizipial: geh hin du jahr voll thränen! tritt glaubend hin vor gottes thron Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 229; (
sankt Gereon auf einem altarbild) tritt hier getrost auf lichter himmelsbahne voran der glaubend folgenden cohorte Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 158; 'kirche' ist das 'wir' im glauben, der zusammenhang, die gemeinschaft der glaubenden R. Guardini
v. leben d. glaubens (1935) 147. I@BB.
eine bestimmte christliche überzeugung, ein inhaltlich festgelegtes bekenntnis haben und damit einer christlichen religionsgemeinschaft zugehören; auf der grenze zwischen A
und B
liegt noch: unde die furder fahent unde ander geloubent so heretici (die irren iro geloubo) taten Notker 2, 379
P.; allgemein, auf den christlichen glaubensinhalt bezogen, vgl. exploro huius fidem ich erkund, wil erfahren, was er glaub Alberus
nov. dict. (1540) 105
a: ich wil gleuben, wie mein vater und mutter gegleubet haben Friedrich Wilhelms
sprichw.-reg. (1577) x 2
b; ich wil glauben wie der köler glaubt Seb. Franck
sprichw. 55
Ladendorf; im lande glaubt ich so wie jeder unterthan Kästner
verm. schr. (1772) 2, 203; die schöne, ohne sich in fragen zu versteigen, glaubt ihrem Hüon nach und macht in kurzer zeit ihr kreuz an stirn und brust mit vieler fertigkeit Wieland
w. 5, 83
Düntzer; der christ vergibt dem nicht, der denen beysteht, die nicht glauben, wie er glaubt Klinger
w. (1809) 4, 8;
näher bestimmt: wann man einen sechtzigjärigen bader find, der nie geschwitzt hat ... (
oder) Mamalucken, die recht glauben (
die den rechten, d. i. christlichen glauben bekennen) Joh. Fischart
praktik 8
ndr.; männer sollen luthrisch glauben, weiber wollen bäpstisch seyn Logau
sinnged. 545
Eitner; was meine religion und erziehung betrifft, so glaubte mein vater lutherisch, und meine mutter als eine Holländerin kalvinisch oder reformiert
Holston und Augusta (1780) 45; (
eine protestantin) konnte sich in jenen tagen in ein anders glaubend land nicht mit ihrem namen wagen Müllner
dram. w. (1828) 2, 49. I@CC.
auf religiöse, mythische und abergläubische vorstellungen auszerhalb des christentums angewandt, vgl. ein unnutz und falsch glaubender
superstitiosus (
voc. v. j. 1512) Diefenbach
gl. 567
c: si giloubtin vil vasti an dû abgot
Nabuchodonosor v. 24
bei Waag 36; frou, an wen geloubet ir? daz sult ir mich wizzen lâ
n. hêrre, zwene got ich hân, Erculem und Apollen Reinbot v. Durne
hl. Georg 1956
Kraus; sy ... merkin der vogil quittiln unde geloubin an die swarcze schrift oder di swarczen buchir der tufil
md. Marco Polo 68, 24
v. Tscharner; (
sie) oppirn vil ir kindir in der apgote ere, den si getruwin und allirmeyst geloubin 62, 15; ... und auch mit sternen sehen, wer zu vast daran geloubet, der velt och in unglaben, und mer, wer glabt in tages zeite, das eine für die andern bei dem menschen gluckhaftiger sei, ach ist das grosze ketzerei!
M. Behaim
in: Wackernagel
altdt. leseb. (1839) 1007; wer zaiberlichen dingen glaibt, bleibt gots genad nit unberaibt (
unberaubt) J. v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 124; hierauf handelt herr Simon von demjenigen, was die alten von den seelen der todten oder gespenstern geglaubet Gottsched
d. neueste (1751) 3, 432; da sie (
die morgenländischen kabbalisten) an die seelenwanderung glaubten Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 89; nur der geglaubten schutzkraft des schmuckes kann es zugeschrieben werden, wenn das halsmeni im Heliand hêlag genannt wird
M. Heyne
hausaltertümer 3, 341. IIII.
im bereich des profanen lebens, auf ein ausdrücklich genanntes persönliches oder sachliches objekt bezogen, dessen besondere eigenschaften im glaubenden ein gefühl des vertrauens hervorrufen und damit ein urteil begründen können. II@AA.
in der zufrühest und am besten bezeugten profanen bedeutung richtet sich das vertrauen auf die wahrhaftigkeit, aufrichtigkeit einer person und zugleich auf die wahrheit, glaubwürdigkeit ihrer aussage, lehre u. dgl. II@A@11)
mit persönlichem dativobjekt ohne sachbezug, '
einem vertrauen, glauben schenken'
hinsichtlich der wahrheit seiner aussage, vgl. in religiöser sphäre got. atsteigadau nu af þamma galgin (ei gasaiƕaima) jah galaubjam imma (
πιστεύσομεν ἐπ' αὐτῷ)
got. bibel Matth. 27, 42,
was auf Jesu behauptung der gottessohnschaft geht, s. auch Otfrid IV 30, 28,
Tatian 205, 3
und (
Christus schalt die jünger, dasz sie) ni giloubtun sar then gahun,thi erstantan nan gisahun Otfrid V 16, 14: ... nu waz mohte Joseph da wider gesprechen, wan er (
Potiphar) gelovbte sinem wibesam sin selbes libe
genesis u. exodus 79, 18
Diemer; disir meistir, deme ich geleube uber alle meistere
parad. an. intell. 91, 8
Str.; mit ainem erbern manne, dem (
als zeuge) ze gelauben ist (13.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 294
B.; das (
lob des fuchses) thet dem raben mechtig woll, und gleubt dem fuchsz, und war so toll, das er hatt solch gefallen dran, gar baldt fing er zu ghaucken (
krächzen) an Alberus
fab. 42
Braune; doch wer wolt glauben disen gecken Fischart
praktik 30
ndr.; aber mir ist leide (
bange), die jungfrau werde mir nicht gleuben hzg. Heinr. Jul. v. Braunschweig
schausp. 545
Holl.; glaubt mir, denn ich kenne alle, die in jenen bergen jagen Grillparzer
s. w. 7, 113
S.; verstärkt: so glaubt der verfasser mit recht erwarten zu können, dasz man ihm auf sein wort glaube Wieland
Agathon (1766)
vorbericht; auch gelingt es (
das höhersteigen) wenn man ihnen (
den philosophen) aufs wort glaubt, mit bewunderungswürdiger schnelligkeit Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 1, 2, 82.
in bezug auf die wahrheit einer lehre, prophezeiung u. dgl., wobei sich der sinn zu '
gläubig hingeben, folgen'
erweitern kann: glaubt seinen (
gottes) propheten, so werdet ir glück haben
2. chron. 20, 20; ir lieben, gleubet nicht einem iglichen geist, sondern prüfet die geister, ob sie von gott sind 1.
Joh. 4, 1; ich will dem erfahrnsten glauben Lehman
floril. polit. (1662) 3, 156; so sollen wir ja nicht ... den lästerern und schändern, die die teutsche sprache noch nie erkandt, närrischer weise glauben Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 355; Wessel stellt schon den satz auf, dasz man prälaten ... nur in so fern glauben dürfe, als ihre lehre mit der schrift übereinstimme Ranke
s. w. 1, 192;
vergleichbar: (
der dichter) begert, das ihr ihm heut ohn schmertz, alleine gleben wolt mit lust, ihm hören zu ...
M. Hayneccius
Hans Pfriem 14
ndr.; das hirn der zeit ist ehern, es ist verstockt, verstaubt, es hat entflammten sehern noch immer nicht geglaubt graf Strachwitz
ged. (1850) 31.
zutrauen haben hinsichtlich behaupteter fähigkeiten: lasz sie hervortreten, wenn das vaterland ihnen glauben soll Lenz
vertheid. d. herrn Wieland (1776) 18.
in sprichwörtern und redensarten, z. b. des lugners gewinn ist, das man im auch nicht glaubt, wann er schon ainmal ain warheit redt Mayr
sprüchw. (1567) e 3
a; wer einen einmal beleugt, dem glaubt man nicht mehr Eyering
prov. copia (1601) 3, 490; wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die wahrheit spricht Binder
sprichw. 126; dan (
dem) gläb i nit und wenn ers bla von himmel ro schwöart Ruckert
unterfränk. 62; wer niemand glaubt und jedermann, hat beiderseits nicht wohlgethan Binder
sprichw. 142;
passivisch gewendet: du bes neit gəloət
man glaubt dir nicht rhein. wb. 1263;
in affirmativer formel: thoh inan tod (giloubi mir)ni sculi ruaren furdir Otfrid V 12, 38; auch ist ein schön dischzucht, glaub mir, wann du den nechsten neben dir solch (
zu heisze) speisz bliest in sein angesicht Scheit
Grobianus 2851
ndr.; dryfach und vierfach soll es dir erstattet werden, glaub du mir Spreng
Ilias (1610) 4
a; glaub mir, ich fühl dein leid so tief als meines Grillparzer
s. w. 5, 138
S. II@A@22)
mit zusätzlicher angabe eines sachobjekts. II@A@2@aa)
mit objekt im gen. ahd., mhd. und frühnhd. üblich; seit dem späteren 16.
jh. nur noch mit akkusativobjekt bezeugt. mit genitivobjekt: thes ni gilôbiad mi these liudî ...
Heliand 5093
Heyne; habeta si (
Maria Magdalena) nu in war minminna mihilo sin (
Christi), mihilo liubi,thes wortes mir giloubi Otfrid V 7, 4; der künic edel unde hêr mac prüeven an der rede wol, daz niemen iu gelouben sol als üppeclicher mære Konrad v. Würzburg
Engelhard 3942
H.-J.; inmac heiz (
er es) abir nicht gikundigi unde inwil min is ume nicht gloibi, daz iz umi di eaphti noit benumin habi, ... so sal heiz sveri ufin heligin, alsi he vur den richtheri cumit
Mühlhäuser reichsrechtsbuch1 33, 4
Meyer; ouch so bidden wir uwe libe fruntlich, waz dusse kegenwertiger Hans Schreder, unse knecht, gegen uwe libe werbet, daz ir em dez gloubet
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 19; das sie im seiner wort glaubt Agricola
sprichw. (1534) 664;
formelhaft erstarrt: ... thes giloubet ir mir Otfrid IV 19, 53; wol im, derz heimliche an ir (
der markgräfin) sol prüeven! des geloubet mir, der vindet kurzewîle dâ bezzer denne anderswâ Wolfram
Parz. 404, 4.
mit akkusativobjekt: (
gott zu Moses:) zware gelovbe du ez mir,got sprichet ze dir; min erester sun ist disiu diet,der ist mir innechlichen liep
genesis u. exodus 130, 31
Diemer, vgl. 54, 8; und geloubet mir ein mære: ê ich iuwer enbære, ich bræche ê der wîbe site Hartmann v. Aue
Iwein 2327; denn möcht ich dir das ding gelauben Hans Sachs 12, 48
K.; aber das glaube ihm ein ander, meine ohren sind zu dicke darzu Prätorius
winterflucht (1678) 53; glaubt es nicht, vater! glaubt ihm keine silbe! Schiller 2, 17
G.; und zweitens kann jemand ... auch einmal die wahrheit sprechen, und keiner glaubt sie ihm dann Immermann 1, 7
Boxb.; vgl. mundartlich: dat glaft der ke mönsch
rhein. wb. 1261, dem glaf ich alles zwemol (
überhaupt nicht) 1263.
in beteuernder formel: sih sceident thar zi libe,thie warun hiar geliabe zi altere furdir,thaz giloubi thu mir Otfrid V 20, 40; herre, daz geloubet mir, ich schiet also von dan, daz ... Hartmann v. Aue
Iwein 1184; die segi ist nüt anders eben, denn widerwertig leben wider gott und sinü bott; das man mir wol gelopt!
d. teufels netz 13170
Barack; glaubens sie mirs, herr, ich bedauere die hohen standespersonen Holtei
erz. schr. 1, 40; die haagt emol ihrn mann nach alle nei neethe (
alle neun nöte), des derfe se mer glahwe Niebergall
dram. w. 258.
mit III B 1
gekreuzt, '
einem die beschaffenheit oder wirklichkeit einer tatsache glauben': o bruoder, du seliges thier, mein unfall kanst nit glauben mir, darzuo die grosz schand und unbill Fischart
flöhhatz 4
ndr.; ich hab um ihn (
den sohn) getrauert sechzehn jahr, doch seine asche sah ich nie; ich glaubte der allgemeinen stimme seinen tod und meinem schmerz Schiller 15, 2, 500
G.; ähnlich gemeint: den gesprächen (
im drama) glauben wir die menschen, den menschen ihr handeln O. Ludwig
ges. schr. 5, 237
E. Schm.-St. II@A@2@bb)
mit einem satze als objekt, vgl. in religiösem bereich: galaubeiþ mis, þatei ik in attin
got. bibel Joh. 14, 11: pe diu sulen wir iro (
der '
philosophia') glouben, daz adversa fortuna bezera si danne prospera Notker 1, 124
P., vgl. 1, 28; gloubet mir des ich iu sage: der (
Alexander) dêch baz in drîn tagen dan al ander chint, sô si drîer mânôt alt sint pfaffe Lamprecht
Alexander 117
Kinzel; und geloubet mir daz ich iu sage: het erz gehabt an dem tage, mich hete ... Hartmann v. Aue
Iwein 7621; swâ man dich gevangen siht sôn getar ich dirre mærevon dir niht gesagen: sô geloubet ûf mich niemen,daz ich dich habe erslagen
Ortnit 2, 35, 4
Ettm.; ürware geloubt mir, ich het es gerne gethon Arigo
decam. 2
Keller; ouch soltu witer glouben mir, das es hat noch kein ende P. Gengenbach 16
Göd.; (
Lise:) glauben sie mir, lieber herr schulmeister, ich lasz einmal nicht von ihm ab Lenz
ges. schr. 1, 77
Tieck; glaube mir, dasz ich dich habe, diese stunde habe, das ist mein glück Fontane
ges. w. I 5, 149; (
Hölderlin scheint) der einzige nachantike dichter zu sein, dem man glauben kann, wenn er sagt, dasz er an götter glaube R. Guardini
Hölderlin (1939) 16. II@A@33)
mit sachlichem dativobjekt. II@A@3@aa) '
der wahrheit, richtigkeit einer aussage trauen',
vgl. religiöses ƕaiwa meinaim waurdam galaubjaiþ?
got. bibel Joh. 5, 47; oba ir sinen (
Moses) buohstabun ni giloubet, wuo minen wortun giloubet? (
quomodo meis verbis credetis)
Tatian 88, 13; ne gilôbdun (
die juden) is lêron,ak habdun im (
Christo) lêðan strîd wunnun wiðar is wordun
Heliand 2341
Heyne; giloubtun sie tho sconothemo gescribe frono ioh allero thero worto ... Otfrid II 11, 57: sîn geloupten niemens sage niuwan ir selber ougen Hartmann v. Aue
d. arme Heinrich 1392
Gierach; daz beidiu wîp unde man gelouben wil der mære, daz si ...
klage 279
Lachmann; were abir der kuntschaf nicht gloybin inwil (
v. j. 1339)
hess. urk.-buch 2, 484
Wysz; wenn on obbestimpte gnugsame beweisung ist der angeregten vermeynten entschuldigung nit zu glauben, sunst möcht sich eyn jede thätterin mit eynem solchen gedichten fürgeben ledigen
Carolina 111,
abs. 131
Z.; du aber, Scandor, bist unschuldig, und lasse es dir zu warnung dienen, dasz du bey hofe nicht allem vorgebrachten glaubest und trauest v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 93; nein, nein, ich glaube nicht, nein, nicht den worten Göthe 11, 303
W.; sie glaubte unbesehen seiner erzählung O. Ludwig
ges. schr. 2, 317
E. Schm. II@A@3@bb)
sich vertrauensvoll darauf verlassen, dasz ein traum, ein vorzeichen, ein gefühl, ein rat, eine überzeugung u. dgl. über gegenwärtige oder zukünftig eintretende zustände die wahrheit aussagt: es wäre eyn torheit den traümen zegelauben Arigo
decam. 283
K.; treum kan man nicht gleuben noch trawn Hollonius
somnium vitae hum. 61
ndr.; wer allzeyt volgt sym eygnen houbt, und guottem rott nit folgt und gloubt, der acht uff glück und heyl gantz nüt Seb. Brant
narrenschiff 11
Zarncke; der stirnen (
d. i. dem gesichtsausdruck) ist nicht zu glauben Schupp
schr. (1663) 763; da ich ganz ohne stolz bin, kann ich meiner innerlichen überzeugung glauben Göthe IV 1, 88
W.; geläufig ist heute die wendung: wenn ich meinem gefühl glauben darf. II@BB.
einer person oder sache '
vertrauen',
auch '
etwas anvertrauen'.
für ältere sprache erst vereinzelt mhd. bezeugt; got. galaubjan
mit persönlichem dativ- und sachlichem akkusativobjekt im sinne '
einem vertrauen schenken in bezug auf eine sache, einem etwas anvertrauen'
ist der griech. vorlage nachgebildet: þata sunjeino ƕas izwis galaubeiþ? (
τὸ ἀληθινὸν τίς ὑμῖν πιστεύσει)
got. bibel Luk. 16, 11,
während der ahd. Tatian das lat. credit
durch bifilihit 105, 5
wiedergibt, glauben
also in dieser anwendung (
s. unten 3)
schwerlich alt ist, vgl. auch W. Wissmann
a. a. o. 40
anm. 4.
auffällig gut und früh ist ags. gehefan '
jem. vertrauen, sich verlassen auf jem., etwas vertrauensvoll erhoffen'
bezeugt, so im Beowulf und anderorts, vgl. Grein-Köhler
ags. spr. 411
f., Bosworth-Toller
suppl. 359
a,
besonders mit tô
konstruiert. ähnlich mnl. geloven '
vertrauen, vertrauen setzen in jem.'
mit dativ der person und gen tiv der sache, vgl. Verwijs-Verdam 2, 1285,
so bis ins 17.
jh. nl. gebräuchlich, s. woordenb. 4, 1261
f., sowie '
jem. etwas zutrauen'
mit dativ der person und gen tiv der sache, vgl. Verwijs-Verdam
a. a. o. —
im deutschen gegenüber trauen, vertrauen
überhaupt zurücktretend verfällt glauben
in diesem sinne nach dem 17.
jh. fast ganz; vgl. einzelne lexikalische hinweise: fidere gelauben (
voc. v. anf. d. 15.
jhs., obd.), gheloven (
voc. v. 1420,
nd.) Diefenbach
gl. 233
c;
confidere gleubin (15.
jh., md.), loven (15.
jh., nd.)
ebda 141
b,
wo andere glossare truwen, getruwen
haben; fido trawen, glauben Calepinus
XI ling. (1598) 561
b; trauen ... das heist glauben Gueintz
rechtschreib. (1666) 145;
vgl. auch mhd. (
md.) zuogelouben '
zutrauen': unde wullit im vor sin unde sinen hof bestellen und regiren, alze her uwir wisheit wol zu gloubit Köditz v. Saalfeld
hl. Ludw. 44, 24
R. II@B@11)
im sinne von '
vertrauen',
meist mit personalem dativ, seltener mit auf
und personalobjekt; seit dem 14.
jh. belegt und nur bis ins 17.
jh. hinein geläufig, besonders in sprichwörtlichen wendungen; in der regel auf die charakterliche oder für einen bestimmten fall erwartete zuverlässigkeit, treue u. dgl. gehend, seltener auf die fähigkeit, leistung (
vgl.glaube II A 1 a)
einer person: (
der könig) mus den lantsessen glawben ader mit uneren aus dem lande getriben werden (14.
jh.)
böhm. chron. in: fontes rer. bohem. 3 (1882) 296
b; so wannêr (
am hofe eines herren) ein valsch vorreder efte ôrrûnre wert to worden stedet ..., so wert mannigem quâtliken gelovet,
de tovoren wol stunt
glossen zu Reinke de vos 1, 22
bei Schiller-Lübben 2, 47; es ist nit füglich noch nüczlich, das man denen lychtlich glouben sölle, denen man laid oder schaden hat zuo gefügt Steinhöwel
Äsop 206
Öst.; lyden behttet vor schweren fellen, es macht den menschen ... synem nechsten gelouben
d. ewigen wish. betbüchl. (1518) 32
a; du salt gheinem gelOeven, du hebbest dan tho vorn eyn schepel saltz mit eme geethen (
nemini fidas, nisi cum quo prius modium salis absumpseris) Tappius
adag. cent. sept. (1545) c 3
a; weil wir ... nicht alle ertzt, auch nicht alle ackerleut, sondern zum theil ertzt, zum theil ackerleut seyn können: und aber doch einem jeden geschickten meister in seiner kunst zu gläuben und ein jeder ... leichtlich sich verwahren kan J. Ruoff
hebammenbuch (1580) a 2
b; der ursachen vorzeiten die Römer solchem losen volck wenig glaubten R. Lorichius
päd. princ. (1595) 373; dasz der mensch nicht zu schnelle seyn sol in seinem vortheil (
lies urtheil), auch ihm selber nicht zu viel gläuben sol Johan Arndt
Thomas a Kempis nachf. Christi (1631) 7; man soll weder dem weib, weder dem schoosz glauben Aler
dict. (1727) 1, 951
a; ein satter glaubt dem hungrigen nicht Binder
sprichw. 167;
vgl. mundartlich gelöven
einem vertrauen, glauben Woeste
westf. 81.
mit präpositional durch auf
angeschlossenem persönlichem objekt: item dixit, das hertzoge Hannus helt und durchhilft welche her derkenne, uff die icht zu glouben sei (
v. j. 1425)
cod. dipl. Lusatiae super. 2, 144; der buob het sich selb und seinen vater gantz verderbt, als noch maniger sun tuot denen vättern, die yn zu wol vertrawen und zuvil glauben auff ire sün
Fortunatus 20
ndr.; auff niemand ist zu bawen, zu glauben noch zu trawen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 508; (
dummkopf:) zum teufel, sind sie gar ein heide geworden, dasz sie weder arzney noch doctor glauben? (
Leander:) ich glaube nicht allein auf beede, sondern ich glaube auch, dasz sie auf der welt seyen v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 366.
unhäufig absolut '
treue, ehrlichkeit beweisen' (
vgl.glaube II A 3 a
und B 3): so ich doch meyn, es (
der handel) sey gelouben, so ist es nüt den stelen, rouben Th. Murner
schelmenzunft 103, 39
Spanier. passivisch geglaubt '
vertrauenswürdig',
und in A 1
übergehend '
glaubwürdig': wrden sie des uberweist mit gelaubten mannen (
v. j. 1375/1406)
österr. weist. 9, 579,
wo jedoch auch ein fehler für gelaumt '
gut beleumundet'
vorliegen kann, vgl. das glossar 11, 658; durch eine geglaubte person erfuhr der kirchenrat allerlei ungünstiges (
v. j. 1626)
bei Fischer
schwäb. 3. 681;
vergleichbar mundartlich: he wor geglaut be de heəren '
er genosz vertrauen'
und gegloət '
näher bekannt'
rhein. wb. 2, 1263. II@B@22)
mit sachlichem dativobjekt, '
einer sache vertrauen; sich auf eine sache verlassen, stützen': der will was do, di maht was niht do; di maht was do, so was der will niht do, und do was niht di gt, wenn ich gelawbt meinen kreften (
quoniam de meis viribus confidebam) Joh. v. Neumarkt
soliloquien 61
Sattler; als ob man vyllicht aigner blödigkeit zuo vyl gloube Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 16
ndr.; nimium ne crede colori lasz dich nit ze vil auff dein schöne oder glaub deiner hüpsche nit so vil Frisius
dict. (1556) 341
b; (
verschwender) sparen nichts hinder sich; haben sy wenig, so sprëchen sy: was solt mich das nützen? und glauben irem guot nit (
v. j. 1591)
bei Staub-Tobler 2, 588; glaubt den berggruben nicht zu viel ..., dann die berggruben seyn betrüglich und kosten viel Schupp
schr. (1663) 720; sie wuste zuerst nicht, ob sie ihren augen gleuben dürfte Zesen
Assenat (1679) 26; kaum glaub ich meinen augen A. v. Arnim
s. w. 16, 336; glaubend '
vertrauensvoll, arglos': dann zuo gleicher weis ein angel den glaubenden visch begreifft und facht, aber nit anderst, so ein käder dran ist, also ziehen die laster alles ubels, unndter einem schein desz wollusts, die nachvolgenden seelen des menschen, immer hin zum verderben Stephanus Vigilius
de rebus memor. (1541) 44
a. II@B@33) einem etwas glauben '
einem etwas anvertrauen',
wohl erst durch den entsprechenden gebrauch von lat. credere
veranlaszt (
s. sp. 7831
das nach griech. muster ebenso verwendete got. galaubjan): dy grosze schalkeit und bosheit brochte den burgermeister zu deme tode, und man glaubete ome alle dingk, und was der allergewaldigiste in der stad Proge in Bemen Konr. Stolle
thür. chron. 3
lit. ver.; wann als wir sein bewert von got, das uns wurd glaubt daz ewangelium, also red wir (
ut crederetur nobis evangelium)
erste dt. bibel 2, 196
Kurr.; besonders in wirtschaftlicher hinsicht '
kreditieren, borgen'
; vgl. credere gelauben, borgen (
voc. v. anf. des 15.
jhs., obd.) Diefenbach
gl. 156
a; ich werd dir heut nit glauben ohn empfangenem pfandt
tibi ego nunquam hodie credam nisi accepto pignore Apherdianus
meth. disc. (1601) 103; einem die waar glauben
credere la robba ad uno, dargliela a credito Kramer
t.-ital. 1 (1700) 529
c; creditiren, leihen, geld vorstrecken, gläuben Spanutius
sprichwörterlex. (1720) 174,
sowie unten glauber 1: das man keinen burger adir burgerssone, der ein busz verbricht, der nit das leben verwirkt adir verbrochen hait, in den turn werfen, sunder von demselbigen vor zwei teil der busz burgen nemen und ime das drittentail glauben (
soll) (
v. j. 1514)
quellen z. rechtsgesch. d. stadt Marburg 1, 245; dan sunst wurde er mier an brgen kum gloubt han Platter 95
Boos, vgl. 93; so einer jemandt gelt glaubt, vorstreckt oder leihet, und einen bürgen oder befelhgeber annimpt J. Göbler
nov. constit. (1564) 5
b; sein vatter durch bitt und ansuchung erlangt, dasz er durch ein offenes mandat und allenthalben angeschlagene schrifften für einen seinen eltern ungehorsamen sohn ward proclamirt, und menniglich verbotten, ihm etwas weiter, auch nit den geringsten pfennig zu glauben oder auffzuhencken Kirchhoff
wendunmuth 1, 197
lit. ver.; später nur vereinzelt, vielleicht künstlich aus gläubiger
nach analogie von schulden,
vb., und schuldner
gebildet: wir sind verwegene schuldenmacher, denen kein gläubiger mehr glauben will Eichendorff
s. w. (1864) 2, 405;
passivisch im rhein., vgl. gegloət sen '
kredit genieszen, um etwas zu borgen': heə es noch net för 100 daler geloət
rhein. wb. 2, 1263;
bei Göthe
vereinzelt mit präposition über einen glauben '
einem kredit geben (
in geistiger hinsicht) =
einem etwas zutrauen': dasz du über mich glauben magst ohne zu sehn, ist mir sehr lieb IV 4, 319
W. II@B@44)
in der häufigen verbindung von glauben
und trauen, vertrauen
sind beide entweder synonym gebraucht oder trauen
bezieht sich allein auf die person, glauben
mehr auf ihre aussage, also B 1
entsprechend; doch ist die trennung nicht immer deutlich, und oft ist die zwillingsformel nur eine verstärkung von trauen,
vgl. teil 11, 1, 1,
sp. 1333
unter α: (
wenn) zwen frum man, den zu trauen und zu glauben ist, ... sagen, dasz er es (
den abbau) inn gehabt hat, als pergwercks recht ist, des soll er genissen, und soll des aydes überhaben und ledig seyn (
v. j. 1308)
bei v. Lori
baier. bergrecht 5; wer seinem weibe nicht gelauben und trawen wil, der musz stecken in steten sorgen Joh. v. Saaz
ackermann a. Böhmen 27, 24
Hübner; der untrew ist, der gleubt und vertrawet niemand Friedrich Wilhelms
sprichw.-reg. (1577) ii 2
b: das inen in vil gröszern sachen gelaupt und vertrawt werde
zimmer. chron.2 2, 45
Bar.; trawen und glauben darnach bald wegziehen (
aus dem herzen) A. Lobwasser
calumnia (1583) b 7
b; weil doch biszher schlecht glauben und trauen bey dieser unseeligen verfolgung zu verspüren gewesen
acta publica (
v. j. 1619) 2, 357
Palm; auch sol man nicht leichte gläuben und trauen einem schmeigler
Reinicke fuchs (1650) 47; Josue trauet und glaubt (
den verrätern) Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1690) 2, 240. IIIIII.
das glauben
entspringt dem subjektiven urteil, ohne (
wie bei II)
in besonderem masze auf das zeugnis und die vertrauenswürdigkeit einer zweiten person (
oder die eigenschaft einer sache)
gestützt zu sein; der grad der überzeugung kann dabei verschiedene stärke aufweisen. III@AA.
eine sache mit dem gefühl der inneren gewiszheit '
für wahr halten',
aber aus subjektiven gründen, ohne die zum wissen nötige erkenntnis- und erfahrungsmöglichkeit, vgl. man mag es wol gelouben, aber nút mit sinnen begriffen Tauler
pred. 121, 23
V. und Heinrich v. Hesler
apok. 3412
H. (
s. oben sp. 7826); ist das letztere (
das fürwahrhalten) nur subjektiv zureichend und wird zugleich für objectiv unzureichend gehalten, so heiszt es glauben Kant
w. (1838) 2, 613
Hartenst.; glauben ist die operation des illudierens, die basis der illusion. alles wissen in der entfernung ist glauben Novalis
schr. 3, 88
Minor. III@A@11)
mit objektsgenitiv in älterer sprache; im 16.
jh. schon selten, im 17.
nur noch vereinzelt bezeugt: that erl thurh untrewaôðres ni wili wordô gelôBian
Heliand 1528
Heyne, vgl. 5855; giloubet wortes mines:ni liaz wiht er (
Christus) thar (
im grabe) thes sines Otfrid V 4, 56,
vgl. IV 12, 12; eines dinges ir gelouben solt Stricker
kl. ged. 11, 16
Hahn; was man guottes saget von dem veinde, will man nit gelauben, und des pösen gelaubet man und bestätiget es Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) s 4
b; desz gläubt kein weib bei uns P. Fleming
t. poem. (1642) 72. III@A@22)
mit objektsakkusativ seit alters, vgl. got. bibel Joh. 11, 26
und 1. Kor. 13, 7
im religiösen sinne (
s. oben I A 3 b
sp. 7825). III@A@2@aa) ni giloubtun thesa redinathuruh thes herzen frewida Otfrid V 11, 20; man bôt im michel êredâ nâch ze manigen tagen, tûsent stunden mêredanne ich iu kan gesagen. daz hete versolt sîn ellen,ir sult gelouben daz
Nibel. 128, 4
L.; dô geloubeten Rômære vil gerne disiu mære Hartmann v. Aue
Gregorius 3201
Paul; dan es ist nit zuegangen recht, ich khan die sachen nit glauben schlecht
Endinger judenspiel 45
ndr.; ich bin gehorsam und gläube sachen, die ich mir nicht einbilden kan Chr. Weise
überflüss. gedanken 187
ndr.; dasz ihr solche fabulas gläuben sollet Schupp
schr. (1663) 72; ohne in diesem momente die darstellung zu glauben Wackenroder
herzensergiesz. (1797) 192; fast möcht ich das märchen glauben Grillparzer
s. w. 4, 18
S.; der könig glaubte kein wort mehr von den glatten schmeichelreden Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. (1897) 1, 238; die (
fabrikanten) waten im fette bis hie her. wer das ni gloobt, der brauch ock nunter gehn nach Bielau und nach Peterschwalde G. Hauptmann
d. weber (1892) 38. III@A@2@bb)
in sprichwörtlichen wendungen und redensarten; namentlich md. verbreitet, aber bis ins obd. reichend, in einem wortspiel zwischen dialektisch z. t. gleich ausgesprochenem gläuben '
glauben'
und kleiben '
kleben': wolt ihrs nicht gläuben, so klebt es Dan. Martin
new parlement (1637) 542
nach Martin-Lienhart 1, 255,
vgl.wer es nicht will kleiben, der papp es Schoch
studentenleben 39
Fabricius; und wers nicht glauben wil, der mag es mauern Grimmelshausen
bei Crecelius
oberhess. 424;
vgl. noch mundartlich bei Rother
schles. sprichw. 192, Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 424, Crecelius
oberhess. 424, Autenrieth
pfälz. 54
u. s. w.; andere redensarten: ihr kennt das sprichwort: tu nicht alles, was du kannst, glaub nicht alles, was du hörst, und sag nicht alles, was du weiszt W. Weigand
Lorenzino (1910) 7; wer alles glöft, werd deck bedroge
rhein. wb. 1262; (
ich) glaubs wol
natürlich, versteht sich Staub-Tobler 2, 587; was i
ch au
ch glaub
e starke zustimmung Fischer
schwäb. 3, 679;
als ausdruck der zustimmung: dat gläuf ech! ich gl. dat!
rhein. wb. 2, 1262;
oft auch ironisch, so als ausdruck des zweifels oder der abweisung: ech glöf et ball! mer soll et ball gl.
ebda; wers nicht glaubt, bezahlt einen taler br. Grimm
kinder- u. hausmärchen 2 (1850) 173; wārsch glabt, gibt n tler, wārsch nie glabt, gibt r zwēē Rother
schles. sprichw. (1928) 333; de t glöft, kriggt n daler und de t nich glöft, kriggt twe Mensing
schlesw.-holst. 2, 396; wer t glwt, kriggt twe pennig Danneil
altmärk. 65; wer t glöft un t bedde verköft, dei mot up strô lîn Schambach
Gött. 65
a;
angelehnt an glaube I A 2 a: de t glöft, ward selig Mensing 2, 396;
ähnlich, die behauptung in zweifel ziehend: armuot ist guot, wers glaubt und ir recht thuot
sprichw., sch. w. klugreden (1548) 122
a;
so umgangssprachlich, z. b. es soll eine glückliche ehe sein. wers glaubt!
d. h. ich glaube es aber nicht! III@A@2@cc)
juristisch '
für wahr, richtig halten und erklären',
vielleicht aus einer der in e
aufgeführten formeln verkürzt: und so der antworter einen articul an einem ort glaubt und an dem andern ort nicht glaubt, soll er alszdann in seiner antwort den articul distinguiern
hofgerichtsordnung d. pfalzgr. Friedrich (1573) 96. III@A@2@dd)
in passivischer wendung, vgl. religiös unte galaubida ist weitwodei unsara (
ἐπιστεύθη τὸ μαρτύριον ἡμῶν)
got. bibel 2 Thess. 1, 10: und damit die achtbarkeit diser unser fryheit ... ze künfftigen zeiten ... dest warhaffter gegloubt (
für echt gehalten) und geflissner gehalten werde, habend wir die mit unser hand underthalb bestAet Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 52; das von vielen geglaubetes gedichte von Noa vielen söhnen J. Micraelius
altes Pommerland (1639) 1, 36; (
die) stimmung spiegelt sich in dem ... geglaubten gerücht Ranke
s. w.2 14, 209; et es net beəter gegloch (
geglaubt) äs versoch (
versucht)
rhein. wb. 2, 1262. III@A@2@ee)
die sichere überzeugung, dasz das geglaubte wahr ist, wird in älterer sprache nicht selten durch die auf das objekt bezügliche bestimmung für wahr, wahr
betont, vgl. ähnlich: thaz wir gilouben alawar (
als volle wahrheit) Otfrid III 24, 25; in meinem sinne finde, wene und gelaube ich vurwar, das nie so reines gotliches nest und wesen kume nimmermer bei der sele dann eeliches leben Joh. v. Saaz
ackermann 27, 14
Hübner; er für ware gelaubet, was im die schöne frawe gesaget het Arigo
decam. 82
K., vgl. 63; lügen wird ein warheit, so man sie für wahr glaubt Lehman
floril. polit. (1662) 1, 506; das ich nit wahr glaub Seb. Franck
weltbuch (1534) 166; (
der angeklagte hat) uf ieden articul, der frembde geschichten in sich hielt, durch das wort: ich glaubs, oder glaubs nit wahr, vermitelst seins aids antwurt zu geben (
um 1580)
bei Fischer
schwäb. 3, 679;
vergleichbar noch: was unser fürst uns sagt, musz man als richtig glauben Gottsched
dtsche schaubühne (1741) 1, 69. III@A@33)
mit präpositionalem anschlusz des objekts an etwas glauben;
anscheinend vom bezug auf eine person ausgehend wie namentlich in religiöser verwendung (
s. auch I A 2 b
und III B 2 a),
vgl. ... sô thâr gilôBit tuo an is word endi an is werk ...
Heliand 2230
Heyne, vgl. 2352; da gleubten sie (
die kinder Israel) an seine (
gottes) wort und sungen sein lob
psalm 106, 12,
neben sie gleubten seinem wort nicht 24: ja solt du daran gelouben, sun, ez (
das gewand) ist dir guot, swâ du wilt einic rîten;ze kindisch ist dîn muot
Wolfdietrich 431
Schneider; disú zeichen werdent sie, dú du hast gesehen hie, gloubende wol an der geschicht Rudolf v. Ems
weltchron. 9568
E.; mit worten läszt sich trefflich streiten, mit worten ein system bereiten, an worte läszt sich trefflich glauben, von einem wort läszt sich kein jota rauben Göthe 14, 93
W.; dann wandte sie den kopf zu meiner schwester und sagte lächelnd: siehst du, er glaubt schon selbst nicht mehr daran Storm
s. w. (1899) 1, 45. — an träume glauben
glauben, dasz träume einen weissagenden sinn haben oder der geträumte vorgang eintrifft: ei, sprach der graf, man sol nicht an die träume glauben
Pontus u. Sidonie in: buch d. liebe 397
Büsching-v. d. Hagen; selten mit auf
konstruiert: ist das nicht ein ungereimbte torheit, auff einen traum glauben Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 6. III@A@44)
mit objektssatz, vgl. im religiösen bereich jabai auk ni galaubeiþ þatei ik im, gadauþniþ in frawaurhtim izwaraim
got. bibel Joh. 8, 24
und ... 'ik gilôBiu that thu the wâro bist', quað siu, 'Krist godes sunu'
Heliand 4062
Heyne; thaz ir thaz irkennetjoh ouh gilouben wollet, thaz wir ein sculun sin,ih inti fater min Otfrid III 22, 64: doch guot zeit verginge, ee yemant ... gelauben mocht, daz ers were Arigo
decam. 214
K.; sie musz gehorsam bleiben, und mir zu ehren gläuben, dreck wäre fiedelhartz Chr. Weise
überflüss. gedanken 71
ndr.; was die augen sehen, glaubt das herz A. Schellhorn
sprichw. (1797) 27; ... wer wird hinfort noch glauben, dasz du Tydeus sohn, ein zweig des kriegrischen Öniden seyst? Bürger
w. 168
a Bohtz; o glaubt nicht, was der neid von ihm berichtet Grillparzer
s. w. 6, 165
S.; in redensarten: denn man glaübt gerne, was man wünscht
chron. d. gesellsch. d. mahler 1721/22, 23
Vetter; die tagsatzung glaubte natürlich, was sie wünschte Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 43.
mundartlich: (
der ungläubige) gläbt, dat sechs pund rindfleisch en gut supp git
rhein. wb. 2, 1263,
ähnlich Müller-Fraureuth 1, 424.
in älterer übersetzungsliteratur und in der zeit des humanismus mit acc. c. inf. konstruiert, vgl. auch unten p. 7841: taz sih nioman iro negeloubti wesen ebenalt Notker 1, 9, 15
P.; und ich hab ouch an dem ersten gegloubet dich eynen lystigen und vernünfftigen menschen sin
Terenz deutsch (1499) 80
b; sie glauben die welt von ewigkeit gewesen sein Seb. Franck
weltb. (1542) 141
a. III@A@55)
ohne objekt, vgl. in religiösem sinne: ef thu gelôBian wilithan nis nu lang te thiu, that thu her antkennian skaltkraft drohtines
Heliand 4088
Heyne; ir zeichan ni giscowot ... ... ni giloubet ir zi waru Otfrid III 2, 12: dafuor huot dich, hie Clawert spricht, gleub nicht allzeit, eh dans geschicht B. Krüger
Clawerts werckl. histor. 41
ndr.; meist mit adverbialer bestimmung leicht, gern, bald
u. ähnl. glauben '
leichtgläubig sein': er gelaubt gar gern und gab seinen liebkosern (
schmeichlern) gros gab U. Füetrer
bayr. chron. 221
Spiller; hierauff rannten diese drey brüder, so zu leichtlich geglaubt, auff ihn zu
Amadis 60
lit. ver.; dein glaub sey taub, glaub nicht ohn prob Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, m 7
b; die kluge thorheit und thörichte vernunfft, die gläubet sonder grund Treuer
Dädalus (1675) 1, 17;
im anschlusz an Jesus Sirach 19, 4 wer bald gleubet, der ist leichtfertig
sprichwörtlich: dan lichtlich glauben oberlengt dy junghen und yn schaden brengt Joh. v. Soest
in: Fichards Frankf. archiv 1, 117; der leicht glaubt, wirt leicht betrübt Seb. Franck
sprichw. (1541) 141
b; wer leichte gläubet, wird leichte betrogen Sperling
Nicodemus (1718) 1, 1399;
mundartlich: würst glauben!
beteuerung Staub-Tobler 2, 587. III@BB.
die feste gewiszheit, überzeugung haben, dasz ein der erfahrung nicht zugängliches objekt tatsächlich existiert, oder dasz ein behaupteter bzw. angenommener tatbestand, vorgang u. dgl. der wahrheit oder wirklichkeit entspricht. III@B@11)
mit objektsakkusativ (
früher auch genitiv) etwas glauben '
von der existenz, realität einer person oder sache überzeugt sein',
häufig auf die gewiszheit von der existenz höherer wesen und mächte bezüglich, s. glaube II B 1 b;
vgl. im geistlichen bezirk (
s. auch sp. 7824) ni mohtun sie giloubenthia selbun dat ubar then Otfrid III 20, 75,
vgl. V 6, 67: daz sie (
die kreatur) nicht gesehin inmac, des in sal si nicht geleubin
parad. an. intell. 95, 21
Str.: daz volcke ist ee geschicket übel ze gelauben dann guot Arigo
decam. 200
K.; aber die zeichen, so nicht geschrieben sind, wer kan die gleuben? Luther 26, 579
W.; die gläubliche geschichte von diesem wundergott ist der poeten spiel, die minstes gläuben selbst, von dem sie melden viel P. Fleming
dtsche ged. 1, 61
Lapp.; was vor wunderliche und unmöglich glaubende (
für zu glaubende?) begebenheiten sich ereignet ... haben Ettner v. Eiteritz
d. getr. Eckharts unw. doctor (1697) 725; fragen sie mich doch auch, ob ich nicht den Rübezahl glaube Gottsched
dtsche schaubühne (1741) 2, 253; ein mensch, der keine gespenster glaubt, der glaubt gar nichts
samml. v. schauspielen (1764) 5, 19; bald werde ich ein stoiker und glaube das fatum Ew. v. Kleist 1, 88
Körte; niemand glaubt ihre kranckheit, man hält es für verstellung Göthe IV 5, 291
W.; nun sag mir eins, man soll kein wunder glauben! I 14, 113 (
Faust 2336); (
die pharisäer) hielten besonders auf die tradition und glaubten eine unausweichliche notwendigkeit Grillparzer
s. w. 12, 73
S.; seit der mitte des 19.
jhs. veraltet der objektsakkusativ und überläszt der präpositionalen fügung mit an
das feld, doch vgl. noch mundartlich: hexe
n gl.
an hexen glauben Fischer
schwäb. 3, 680;
ähnlich auch: war vie (
viel) gläbt, dam (
dem) widerfährt vie
eine lebhafte einbildungskraft erlebt mehr als ein nüchterner geist Müller-Fraureuth 1, 424.
reflexiv gewendet: si (
die menschen bei der sintflut) gleubten in selber kein weg (
ausweg)
übers. d. tschech. chron. d. Dalimil (
anf. des 14.
jhs.) 19, 4
Jir.; anders in neuerer sprache in mischung mit II B 1 sich etwas glauben '
sich etwas zutrauen': wer sich muth und kraft glaube, sie zu studiren, ohne sich betäuben zu lassen, der möge sich in diese höhle des Trophonios versenken Göthe 42, 2, 155
W.; der zu bescheidene Deutsche glaubt sich nur selbst sein gutes nicht Fr. L. Jahn
w. 1, 241
E.; '
sich etwas eingestehen': dies alles sah Amalie nur noch vertieft von einer lebensangst, die sie sich nicht glaubte, und in einer schwäche, die alles noch seliger und verzückter machte H. Stehr
heiligenhof (1926) 2, 34.
selten im frühnhd. mit objektsdativ, der von II B 2
her beeinfluszt sein wird: sölcher (
seiner) liebe sie nicht gelaube, er schicke ir dann das gulden fingerlein Arigo
decam. 231
K., vgl. im geistlichen bereich: muste doch Christus szo lang mit seynen jungern umbgahn, und yhren unglauben tragenn, bisz sie gleubtenn seiner ufferstentnisz Luther 6, 457
W.; absolut, wohl an Jak. 2, 19
anschlieszend: ein gelehrter mann gab einem, der an eines fürsten hof wolt leben, diese lehr: er solt glauben wie der teuffel; der glaub auch, aber er fürchte sich dabey und traw nicht Lehman
floril. polit. (1662) 1, 344.
passiv konstruiert nach lat. vorbild: welich tugenden in im vom volck oder den welern gemuotmaszt und gegloubt werdent Riederer
rhetoric (1493) a 5
b.
mhd. ettewaz gelouben an einem '
einem etwas zutrauen': sô ist verlorn al swaz er tuot, wan nieman guotlichen muot noch zuht an im gelouben kan
Reinhart fuchs 1709
Gr. III@B@22)
mit präpositionalem anschlusz des objekts. III@B@2@aa)
mit an,
alt im religiösen gebrauch (
s. sp. 7823
f.),
vgl. dazu noch ... be thiu skulun gumonô barn an is ênes kraftalle gilôBean
Heliand 1772
Heyne; und gleubten nicht an seine wunder
psalm 78, 32: wer das mit funff sinnen begreiffen nicht kan, der nehme den sechsten, so gleubt er daran Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 82; an fromme (
einfalt) glaubt kein patriarch Lessing 3, 153
M.; jetzt also ist auch schon eine ursach da, warum ich nicht an die sieben tag der schöpfung glauben will Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 55; dasz man ein guter christ seyn kann, ohne an gespenster zu glauben Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 138; sie glauben also ... nicht an Newtons sieben einfache farben? Herder 22, 59
S.; sie (
einige gelehrte) glauben nicht an die wurzeldetermination P. Persson
beitr. z. idg. wortforsch. (1912) 2, 557; der glöf noch an hexe on (
und) werwölf
rhein. wb. 1261.
ähnlich, auf die wirksamkeit von arzneien, kuren, geheimen kräften u. dgl. bezogen, vgl. glaube II A 2: wie viel sonst sehr aufgeklärte männer ... glauben nicht mit völliger überzeugung an die geheimnisse der freymaurerey? Lavater
handbibl. f. freunde (1793) 1, 324; Mehlbrüh, feuerspritzenmacher und kleiner rathsherr, in sprichwörtern redend, und als mechanicus sich höher versteigend, an sympathie glaubend Göthe 41, 1, 149
W.; der gebrauch der heilenden sakramentalien, handauflegung auf kranke und dergleichen (
war) sehr eingeschlafen. wenige übten dergleichen heimlich, sehr wenige glaubten daran Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 9, 87;
so heute z. b. er glaubt nicht an die homöopathie, an das heilfasten
u. ähnl. in fester formel dran glauben sollen oder müssen '
an die wahrheit oder tatsächlichkeit von etwas glauben
müssen',
das in hohem grade unerwünscht ist; meist in prägnanten bedeutungen gebraucht. '
zugrunde gehen, sterben': her mit dem hahn, er musz dran glauben Kotzebue
dram. w. (1827) 1, 309; dasz der mann ... schwer krank am nervenfieber liegt und sicher demnächst ... dran glauben wird W. Raabe
Horacker (1876) 68; bei einem ernsten zusammenstosz mit dem feinde musz aber auch so mancher der unsrigen daran glauben Imme
soldatensprache 129;
vgl. mundartlich bei Staub-Tobler 2, 588, Fischer
schwäb. 3, 680, Martin-Lienhart 1, 255, Bauer-Collitz 40
a,
rhein. wb. 1263, Müller-Fr. 1, 424, Frischbier
preusz. wb. 1, 236.
allgemeiner '
etwas unangenehmes über sich ergehen lassen, sich in sein schicksal ergeben, einbusze erleiden, bezwungen werden'
u. ähnl.: der vetter apokalyptiker muszte zuerst daran glauben (
bei der befreiung vom autoritätsglauben) Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 246; jetzt erst fliegt ein siegesfrohes jauchzen durch die kare des Rainthals. musz doch ein jedes ihrer häupter schlieszlich daran glauben (
d. h. sich bezwingen lassen) H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 585; ich docht halt immer: hier hilfts nischt, hier muszt de dran globen; und da rafft ich mir halt a kopp zusammen, und da gings och G. Hauptmann
d. weber (1892) 34; ich werde ihn veranlassen, dasz er das mädchen heiratet ..., diesmal musz er dran glauben! W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 309;
so dialektisch bei Müller-Fraureuth 1, 424,
rhein. wb. 1263, Richey
idiot. hamburg. (1743) 76, Danneil
altmärk. 65
b, Martin-Lienhart 1, 255, Staub-Tobler 2, 588
u. s. w. III@B@2@bb)
vereinzelt in älterer sprache und mundartlich (
bair.)
mit auf: da gleub der teuffel drauff Luther 20, 268
W.; er glaubt auf meine treu, hat den verdacht verbannt v. König
ged. (1745) 384; glaubet ich drauf, sagte sie, so bekämen wir bald ein seltsamen besuch Anzengruber
ges. w. (1890) 1, 217;
in C
übergehend: ist auch dein kopf mit schnee bestaubt, du hast ja immer auf den frühling geglaubt S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 164. III@B@33)
mit objektssatz, vgl. in religiöser sphäre ga-u-laubjats þatei magjau þata taujan?
got. bibel Matth. 9, 28; giloubet ir thaz ih iu thaz tuon mugi?
Tatian 61, 2; ... ik gelôBiu that thu gewald haBas that thu ina hinana mahthêlan gewirkean
Heliand 2107
Heyne; und do (
das vorher erloschene licht) un aller menschen hilf so fast bran, davon gelobtend sy do sicherlich, das es von sunderlichen gnaden únsers heren geschechen wer der tugentrichen frowe zuo trost Elsbet Stagel
leben d. schwestern zu Tösz 116, 21
V.: taz keloubo ih, chad si, daz tu iz fore churist. wanda du nu, wano ih, wacheroren ougen habest, tia warheit zechiesenne Notker 1, 214
P.; auch schol niemant das vor geschrieben puechlein also ainvaltichleich versten, das er das gelaub, das das nach geschriben recht und krieg (
processus Belial) also sichtichleich sei geschechen
in: mitteil. d. hist. ver. f. Steiermark 46 (1898) 29; ich glawb gentzlich, das du itz gar ein gutten willen und fürsatz habest Albrecht v. Eyb
dtsche schr. 61, 19
Herrm.; ihr (
die procuratores) werdet schweren eynen eydt zuo gott und auff das heylig euangelium ..., das ir glaubt eyn guote sach zuo haben
kaiserl. kammergerichtsordn. (1555) 66
b; ich nohtwendig glauben muste, ein böser stern müsse seine einflüsse in meine geburtsstund gegossen haben Sigm. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 16; denn weil wir deinen werth erkennen, so glaube nur, die herzen brennen vor lust und freuden über dir Gottsched
ged. (1751) 1, 113; glaube nur, du hast viel gethan, wenn dir geduld gewöhnest an Göthe 2, 225
W.; wir glauben, dasz wir ewig sind, denn unsere seele fühlt die schönheit der natur Hölderlin
s. w. 2, 157
v. Hellingrath; vgl. dialektisch: (
der leichtgläubige) glöf och, dat den ochs fleit (
fliegt)
rhein. wb. 2, 1262; dār glebt au, dasz a hilzerner bōk inselt (
unschlitt) hōt Rother
schles. sprichw. 143. III@CC.
auf ein zukünftiges geschehen zielend '
zuversichtlich erwarten',
von hoffen
durch den starken grad der inneren gewiszheit unterschieden; vgl. in paarung mit hoffen: ich hoff und glaub, er werd es thun Hans Sachs 1, 57
K.; im lentzen glaubt man brot; brot hofft man in dem sommer Logau
sinnged. 109
Eitner; was der dichter diesem bande glaubend, hoffend anvertraut, werd im kreise deutscher lande durch des künstlers wirken laut Göthe 4, 277
W. zunächst im religiösen bezirk, vgl. þisƕazuh ... ni tuzwerjai in hairtin seinamma, ak galaubjai þata, ei þatei qiþiþ gagaggiþ, wairþiþ imma þisƕah þei qiþiþ
got. bibel Mark. 11, 23; ... ik thôh, frô mîn, te thi liohto gilôBiu ... so hwes sô thu biddian wiliberhtan drohtin, that he it thi sân fargiBidgod alo-mahtig
Heliand 4037
Heyne; (
das kananäische weib) giloubta, er (
Christus) sia (
ihre tochter) giheilti Otfrid III 11, 12,
vgl. 24, 23;
auf verwandter linie liegt bei Walther: sist iemer mêr vor allen wîben ein wernder trôst ze fröiden mir. nu müeze mir geschehen als ich geloube an ir (
in bezug auf sie) 121, 23; si trôsten sich gemeine ûf sîne kunst vil meisterlich, wan si des wol versâhen sich und des gelouben wolten, ob si gesigen solten, daz müeste an sîner helfe stân Konrad v. Würzburg
Silvester 2779
G.; on zweifel gelaubt, es sich also ergen (
geschehen) würde Arigo
decam. 22, 9
K., vgl. 28; auch sol der mensch mercken, wen er yn disser hell ist, sso mag yn nichtz getrosten und er kan nit glauben, das er ymer erlöst oder getrost wert
theol. deutsch 27
Mandel; ich glaub auch vestiglich, dieweil ihr mich so lieb, dasz ihr mich bei dem leben erhalten haben, werden ir mir auch das nicht abschlagen J. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 32
lit. ver.; wer nicht glaubt, der hat kein glück Lehman
floril. polit. (1662) 1, 344; die hoffnung glaubts und freuet sich Stoppe
Parnasz (1735) 24; ich habe geglaubet, nun glaub ich erst recht! und geht es auch wunderlich, geht es auch schlecht, ich bleibe beim gläubigen orden: so düster es oft und so dunkel es war in drängenden nöthen, in naher gefahr, auf einmal ists lichter geworden Göthe 1, 124
W.; geniesze, wer nicht glauben kann.die lehre ist ewig wie die welt.wer glauben kann, entbehre Schiller 4, 30
G.; ja, Leneken, ich glaub es ganz gewisz, dasz es so kommt Fontane
ges. w. I 5, 129; mehr als ich sagen kann, hab ich mit ihnen daran geglaubt, dasz sich dies lohnen müsse, dieses redliche erringen an der erde R.
M. Rilke
briefe an e. junge frau 49. III@DD.
für ein auch subjektiv nicht sicheres, mehr oder weniger mit dem bewusztsein der irrtumsmöglichkeit behaftetes meinen. III@D@11) '
für wahrscheinlich, möglich, denkbar halten',
auch '
annehmen'
und '
vermuten',
vgl.glauben,
vermuten Meichszner
handbüchl. (1567) 21
a. III@D@1@aa)
mit objekt im genitiv oder akkusativ, besonders mit pronominalem neutrum, das einen satz vertritt oder aufnimmt, vgl. religiös quad tho Philippus, iro (
der jünger) ein(thiz selba was imo untar zuein [
zweifelhaft, bedenklich] giloubt er unredina [
etwas unverständiges, falsches],ther fater wari furira) Otfrid IV 15, 26 (
nach Alcuin '
tamquam melior pater esset quam filius'): daz weibel (
des igels) leg sich an den ruck; dez geloub ich paz, wan daz ist gemachsamer Konrad v. Megenberg
buch d. natur 138, 21
Pf.; des kein mensch der welte weder gedacht noch gelaubet het Arigo
decam. 153
K.; wie sich dann noch heut bey tag etwan seltzam ding mit worten oder wercken auff die ban schicket, welches man sunst nit geglaubt noch vermeint het Jac. Frey
gartenges. 6
Bolte; das man die zerbrechung des diemands ... geglaubt (
für möglich gehalten) hat Thurneysser
magna alch. (1583) 4; denn ihrer (
der teufel) viel mehr ist als wir gleuben können
theatr. diabol. (1569) 2
a; dieses macht mich desto ehender glauben, was von einem apffelbaum ... erzehlet wird Prätorius
saturnalia (1663) 50; wirds aber sich befinden, dasz du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da dus am wengsten gläubst Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 373
b; und ich will zu ihrer ehre das letzte glauben (
annehmen) Gaudy
s. w. (1844) 2, 64. III@D@1@bb)
mit präpositionalem anschlusz durch an,
der erst sekundär aus B 2
abgeleitet scheint und heutiger sprache namentlich in negativer wendung geläufig ist: niemand glaubte an einen vereinigungspunct Göthe II 8, 8
W.; du glaubst an menschlichkeit! es schont der krieg auch nicht das zarte kindlein in der wiege Schiller 14, 286
G.; z. b. ich glaube nicht an einen ewigen frieden
u. ähnl. III@D@1@cc)
mit objektssatz: ... (
die jünger) giloubtun sar tho gahun, thaz er (
Jesu leichnam) firstolan wari ... Otfrid V 5, 16; wart dâ vriuntlîche getriutetir vil wîziu hant von herzen lieber minne,des ist mir niht bekant. doch wil ich niht gelouben,daz ez wurde lân
Nibel. 293, 3
L.; wer glaubte, das der geistliche orden also gar zu nichte were worden? Joh. Rothe
lob d. keuschheit 2219
Neumann; nach dem verpörgenst (
der abt und der mönch) das junge meidlein weg schickten, auch wol ze gelauben ist, daz sy das guote meidlein zu mer malen widerumb komen theten Arigo
decam. 39
K.; sie (
Venus) sprach zu ihm (
Äneas): freund wer du bist, gar schwerlich mir zu glauben ist, dasz du zu bringest hie umbsunst dein leben ohn der götter gunst Spreng
Äneis (1610) 11
a; (
wenn eine frau die ehe bricht, aber doch ihrem manne beiwohnt und dann die kinder für ehelich erklärt,) so musz man doch nicht glauben (
für möglich halten), sondern meynen (
für gewisz halten), der eheman sey der vatter. warumb? semper illud praesumitur quod est honestius Lehman
floril. polit. (1662) 1, 51; (
ich) glaubte nicht, dasz man mir dieses übel deuten würde Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 13; allein schon der ort, wo man diese inschrift fand, läszt nicht glauben, dasz dieselbe auf das theater bezug hat W. v. Humboldt
über d. antike theater in Sagunt 107
lit.-dkm.; ob Oberon dir etwas sein wird, glaub ich nicht Göthe IV 4, 253
W.; haben sie gründe zu glauben, dasz er ihnen ein leid zufügen will? Holtei
erz. schr. 2, 6;
ähnlich: ein geschiedener ehemann ist einer gröszeren verachtung ausgesetzt, als man glauben sollte Hippel
über d. ehe (1774) 112: miszlang das, wie zu glauben, so waren wir blamirt Bismarck
gedank. u. erinn. 2, 21
volksausg. III@D@22) '
eine meinung, ansicht haben; meinen, denken',
vgl. putare glouben
vel schaczen (
voc. v. ende d. 15.
jhs.)
bei Diefenbach
gl. 474
b,
wo andere glossare wAenen, meynen, dencken, duncken
bieten; autumare schätzen, achten, glauben, gedencken und reden Frisius
dict. (1556) 149
b;
habere opinionem de aliqua re wo von gläuben, ein wohn haben Apherdianus
method. disc. (1601) 214;
vgl. sprichwörtlich: an meinen und glauben bindet man keinen gaul fest Binder
sprichw. 132; glöben un meenen drüggt (
trügt) Mensing
schlesw.-holst. 2, 396. III@D@2@aa)
mit einem satz als objekt. III@D@2@a@aα)
allgemein: herre kúnig, du solt uf mih (
in bezug auf mich) geloubin niht, das mih uf dih iender dúrste oder uf din bluot oder uf din riche oder uf din guot Rudolf v. Ems
weltchron. 25126
E.; (
durch die aussage des gefangenen) der richter bewegt würde zu glauben, dasz der gefangen solch bekantnusz ausz irrsal gethan
Carolina 57,
abs. 57
Z.; ich acht und glaub, dasz sei kein guote göttliche gesellschaft noch freundschafft, dann dero hertz got zusamen knüpfft Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1,
vorr. 1; ich theile sie (
die briefe) ihm (
dem publikum) mit, weil ich glaube, dasz sie ... nützlich seyn können Lessing 8, 3
M.; wenn wir Genua retten wollen, ... wird keine zeit zu verlieren seyn. zu was ende, glauben sie, diese 20 galeeren, die den vaterländischen haven belagern? Schiller 3, 290
G.; ich sollte daher glauben, dasz es nicht wohlgethan sei, zur schonung der augen sich grüner gläser ... zu bedienen Göthe II 1, 25
W.; sie (
anrede) glauben, dasz in der 'deutschen öffentlichen meinung' ... irgend etwas steckt, was uns ... helfen könnte Bismarck
gedank. u. erinn. 2, 20
volksausg. mit infinitivsatz: wir geloubent aber und mainent in den alten (
den alten vätern) sin ernsthaftikait, guot treffenlich sitten Niclas v. Wyle
translationen 140
K.; und es kömmt ihr keine gleich, die um deine huld g stritten: sollten sie gleich alle glauben, ihr das vorzugsrecht zu rauben Gottsched
ged. (1751) 1, 181; die kunst ist nur zum täuschen gemacht, wir glauben es oft genug gesagt zu haben Ramler
einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 211; die stellen im Euripides ..., welche Aristoteles diesem tadel unterworfen zu seyn geglaubt hatte Lessing 10, 183
M.; weswegen sie (
die Leibnizianer) ihn (
den körper) das quadrat der geschwindigkeit nöthig zu haben glaubten Kant
w. (1838) 8, 61
Hartenst.; (
eine) zahlreiche genossenschaft ..., welche weder die gerichte der stadt anerkannte ... noch ihren anordnungen überhaupt unterworfen zu sein glaubte Ranke
s. w. 1, 170; die situation, welche ich absolut glaubte vermeiden zu müssen Bismarck
gedanken u. erinn. 2, 25
volksausg. —
nicht selten mit dem beisinn des hoffens: glaubst du mich durch eine listige wendung ... zu täuschen Klinger
w. (1809) 3, 55; wer die inseln nicht zu erobern glaubt, dem ist ankerwerfen doch wohl erlaubt Göthe 2, 237
W.; verführt durch die feindschaft der parteien, glaubte er (
der herzog von Athen) sich mit hülfe der aristokraten oben zu erhalten Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 22. —
besonders abgeschwächt: wenn ich an jene zeit zurückdenke, ... so glaube ich (
habe das gefühl) in ein unendliches leere zu sehen Göthe 23, 4
W.; ich sehe deine freundliche erscheinung, und glaube zuweilen, dasz deine seele mir nahe ist Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 3;
ähnlich: als er sich ... näherte, glaubte er (
hatte den unbestimmten eindruck) zwischen den birkenstämmen eine ... frauengestalt zu unterscheiden Storm
s. w. (1899) 1, 29. III@D@2@a@bβ)
in negativer beteuerungsformel etwas nicht (
oder kaum) glauben (können)
so viel wie '
sich nicht (
oder kaum)
vorstellen (
können)': der (
pferde) ist also vil das man is nicht geloubit
md. Marco Polo 73, 14
v. Tscharner; o ihr könnet nicht gleuben, wie grewlich mich das weib geschlagen
engl. com. u. trag. (1624) b 1
a; es gläubts kein mensch, wie schwer und sauer einem das liebe biszgen ankömt Schoch
studentenleben (1657) d 1
a; ihr glaubt nicht, wie durch diese tracht farb und contour gewonnen Gotter
ged. (1787) 1, 93; sie werden sich verwundern, dasz die verlaszne stelle eigentlich keine stelle ist und kaum glauben, wie die guten menschen in diesem departement sich beholfen haben und behelfen Göthe IV 30, 129
W.; kömmt dann jemand, ... so kann ich mir, bei meiner blindheit, lange einbilden, du wärst es, und du glaubst nicht, wie viel mir das ist A. v. Droste-Hülshoff in:
briefe (1893) 43; niehmer glaubt s, dasz der Roonat, ihr mann, vonn hof nohmal kamet
bei H. W. Nagl
niederösterr. dial. 147. III@D@2@a@gγ)
stark abgeschwächt als ausdruck einer gemilderten behauptung; ich glaube '
mir scheint, ich möchte annehmen': ich glaub, wir müssen erst lernen stelen Hans Sachs 21, 3
K.-G.; ist aber jemands undern allen, dem solcher zott (
das ins gesicht husten) nicht wol gefelt, und sich darüber zornig stelt, ... (
zu dem sage) ich glaub, du meinst, ich steck vol gifft Casp. Scheit
Grobianus 332
ndr.; ich fand sie überaus rachgierig, so dasz ich glaube, sie sey zu dem Anacharse selbst in die schul gangen Grimmelshausen 2, 38
Keller; (
majorin:) ich habe nicht danach gefragt, ja doch, ich glaub es fast Lenz
ges. schr. 1, 7
Tieck; haben sie die güte mir zu schreiben, wieviel bände sie ... besitzen? ich glaube zwey Göthe IV 8, 41
W.; deine frau ist noch nicht hier gewesen, so glaube ich wenigstens
br. von u. an Herwegh 12
M. Herwegh; wahrhaftig, ich glaube, er dreht noch mal um Fontane
ges. w. I 5, 121.
heute geläufig in wendungen wie z. b. ich sollte, möchte fast (beinahe) glauben, ihr macht euch nichts daraus;
vgl.me soll doch gl., höck (
heute) möt he kunn
rhein. wb. 1261; ech glaf, dir spillt et (
du bist närrisch)
ebda; i
ch glaüb da mol, du bis noch do!
ich glaube gar, du bist noch da Martin-Lienhart 1, 254.
oft in den aussagesatz eingeschoben und mundartlich zu einer art adverb erstarrt; ähnlich schon: do erhuob sich ein fürst, der wonet hinder dem Ungerlandt, wil glauben in der Walachey Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 15
ndr.; du bist, ich gloub, der war antichrist!
N. Manuel 70
B.; jedoch möchten, glaub ich, meine rebenhenslein und weingänszlein leiden, dasz ich es inen ... greiflicher erkläret Fischart
Gargantua 18
ndr.; würd ihr gold doch, gläub ich, weit alles eisen überwiegen Logau
sinnged. 17
Eitner; Ramler, glaube ich, sucht beide arten zu verbinden Herder 5, 185
S.; ein sonderbares paar. und dabei, glaub ich, glücklich Fontane
ges. w. I 5, 146;
vgl. dialektisch: er hät dir, glaub (
verkürzt aus glaube ich), vil z' tue
n g'gë
n Staub-Tobler 2, 587; '
gern wird durch eingeschobenes glaub
e i
ch (glae)
die sicherheit einer aussage abgeschwächt' Fischer
schwäb. 3, 680; kloi
glaub ich, wie mir scheint, z. b. s wàr jetz, glaüb, zit züem z owenesse Martin-Lienhart 1, 255; 'glee (glaube ich)
eingeschoben drückt es eine nur angebliche oder angenommene tatsache aus' Müller-Fraureuth 1, 424; gleech
oder glee
s. v. a. glaub ich,
z. b. er ist glee reich Anton
oberlaus. 1, 12; glāwich (glaube ich)
gekürzt zu glā ('
angeblich') Blumer
nordwestböhm. 42;
ebenso glau J. Schiepek
Egerländer ma. 17, glau, glê, glêch, glêbch Petter
beitr. z. dialektforsch. in Nordböhmen (
progr., Leitmeritz 1858) 1, 12. III@D@2@a@dδ)
seit alters entsprechend lat. credere de aliquo
mit präpositional angeschlossenem personalobjekt von jem. glauben, dasz ...,
jünger auch von jem. etwas glauben '
von jem. für wahr oder möglich halten, meinen, dasz ...' ni giloubtun thie Judæi fon imo, thaz her blint wâri inti gisâhi
Tatian 132, 11; wanda er mahtig herro ist unde lobelih harto und bruttelih uber alle gota. waz suln wir danne fone in gelouben? daz alle gota heidenero dieto tievela sint Notker 2, 403, 9
P.; dar mugit ir geloubin von manigir schônir vrouwen weinin unde hantslagin
könig Rother 2880
v. Bahder; das man von denen ... gleubt, es sey also ergangen Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 7
b; welches gar wohl von den geschlachteten füchsen zu gleuben ist
Reinicke fuchs (1650) 396; man würde mir sehr unrecht thun, wenn man von mir glaubte, dasz ich unsre lieder, weil ich sie veränderte, gering schätzte Klopstock
geistl. lieder (1773) 1, 167; dein bruder, von dem du glaubst, dasz er mir nicht klug genug sei fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 134; was der bock von sich selber weisz, dasselbe glaubt er von der geisz Binder
sprichw. 26;
vgl. mundartlich: wer hätt dat geglof (van dem)!
rhein. wb. 2, 1261;
absolut, '
eine meinung von jem. haben, von jem. etwas halten': andere glauben weit weniger von den geschicklichkeiten dieses mannes J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 341; was glaubst du eigentlich vom Cäsar? E. Colerus
Tiberius auf Capri (1927) 168. III@D@2@bb)
anschlusz eines adjektivischen oder substantivischen prädikatsnomens mit für
tritt im älteren nhd. bis ins 17.
jh. häufig auf, wo heutige sprache nur noch halten für
verwendet, vgl. auch für wahr glauben
sp. 7835: welches von den dreien geseczen des juden, heiden und cristen du für das pest und warhaftigest gelaubest Arigo
decam. 33
K.; was daz sprichwort ausz dir selbs? ich habs für ein alts geglaubt (
vetus credidi) Boltz
Terenz (1539) 41
a; durch welches mittel sie ... von menniglichem für den jungen künig Ninum gehalten und geglaubt worden J. B. Grass
schöne historien (1570) 179
a; götter sind sie (
die Schweden), ihr berauben soll man noch für wolthat glauben? Logau
sinnged. 205
Eitner; mit dem sinn von glauben I A
gefüllt: das wir den lieben gott für unsern schepffer hinfurt ernstlich gleuben und halten Luther
bücher u. schr. 6 (1568) 314
b;
wohl nur auf konstruktionsmischung von sich unbelauscht glauben
und sich für unbelauscht halten
beruht: als sich dies angesicht für unbelauscht glauben muszte H. Hopfen
d. alte praktikant (1891) 60. III@D@2@cc)
im 16.
jh. einsetzend, aber erst seit dem 18.
häufig wie im latein. mit adjektivischem prädikatsnomen, das ohne präposition zum akkusativobjekt tritt. mit verbum: ich förcht, er mich glaub gäntzlich schuldig an der sach sein Wickram
w. 1, 156
Bolte; sobalt er sich (
von der pest) inficirt zu sein glaubt v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 314
b; dasz sie keyn ander mittel übrig zu seyn glaubeten Mascov
gesch. d. Deutschen (1726) 1, 287.
ohne infinitiv: vor der zeit (
hatte) ein parthischer printz dieses namens gelebet, auf den er solche klagen gestellet glaubte Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 6; der feind glaubt dich entfernt noch sechs und funfzig meilen v. König
ged. (1745) 16; wären sie so unbescholten, als ich sie sonst geglaubt, so würde ich sie zu züchtigen wissen Lessing 10, 42
M.; man glaubt ihn todt Pfeffel
poet. vers. (1816) 2, 4; Nelly liebte das vergnügen und dich. diese letzte neigung steets zu unterhalten, glaubtest du es nohtwendig, der ersten beständige nahrung zu geben Göthe IV 1, 150
W.: er glaubt sich immer gehaszt von dir maler Müller
w. (1811) 1, 54; schon mehr als ein mal hatte er, meine anordnungen korrigierend, lieblingsstellen in bergzügen oder waldgründen, die ich recht bedeutsam glaubte, gar nicht einmal gesehen G. Keller
ges. w. (1889) 2, 50; (
die feinde) haben uns schon klein geglaubt, nun komme zehnfach auf ihr haupt, die not, die sie uns schufen R. A. Schröder
heilig vaterland (1914) 11;
passivisch: grosz, ja übertrieben wurden die äuszerlichkeiten einer besser geglaubten vorzeit werth geschätzt Göthe 49, 38
W.; es war ein von der ganzen welt fromm geglaubter mann Hippel
lebensläufe (1778) 3, 2, 84. —
ähnlich konstruiert: jedermann glaubt mich in ungnade Göthe 17, 123
W.; bei fürsten glaubt sich ein fürst zu haus Pfeffel
poet. vers. (1812) 10, 86; wenn der major so ist, wie wir ihn glauben sollen Ludwig
ges. schr. 5, 293
E. Schm. III@D@2@dd)
mit doppeltem objektsakkusativ '
jemanden (
oder eine sache)
für etwas halten',
erst seit dem späteren 18.
jh. belegt und in der mitte des 19.
wieder abkommend: ja, prinz, vielleicht wäre ich der, den du mich glaubst Lessing 2, 360
M.; doch jeglichem, der eine metze dich (
die muse) glaubt, und geil mit gewalt dir umarmungen raubt, dem lohnest den frevel du bitter Blumauer
ged. (1782) 2; ob er sich denn nicht vater glauben dürfe? Göthe 21, 61
W.; (
ich) glaubte mich selbst einen verschäferten prinzen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 8; (
ein manuskript,) von dem ich übrigens nicht begreife, wie man Napoleon selbst den verfasser davon glauben kann Grillparzer
s. w. 14, 94
S.; nur vereinzelt mit als: er glaubt sich als den besten kunstrichter Herder 1, 287
S.; isoliert bleibt eine latein. gebrauch entsprechende passive konstruktion mit infinitivsatz: denn weil an wahrsagung künftiger dinge so viel gelegen und die, welche solche zu wissen gegläubet werden, bey dem volcke in allzu groszem ansehen sind Lohenstein
Arminius (1689) 1, 263
b. III@D@33)
seit dem frühnhd. für ein irriges meinen, sich einbilden, also mit nhd. wähnen
sich berührend, das heute durch glauben
und vermeinen
aus der umgangssprache so gut wie verdrängt ist, s. wähnen teil 13, 657
ff., vermeinen
teil 12, 1, 854
f.; vorstufe für diesen gebrauch von glauben
sind in älterer sprache fälle, in denen eine person mehr oder weniger fest von einer ansicht erfüllt ist, deren irrtümlichkeit bereits durch den abhängigen (
konjunktivischen)
aussagesatz deutlich gemacht wird, vgl. z. b. Otfrid V 5, 16 (
beleg s. oben sp. 7840): wilt du grâls folc sus rouben, unt dâ bî des gelouben, du gewinnest ir noch minne, sô zweient sich die sinne Wolfram
Parz. 500, 16; so niderschlecht der fewrig stral mit groszem donner ab zu thal, dasz da ausz forcht ein jeder glaubt, er hab der streich auff seinem haubt Casp. Scheit
frölich heimfart (
o. j.) c 1
b; (
Peter) wolte in dem selbigen spital einen gantzen monat pleiben, ... bisz er gesunt wurde von seiner kranckheit und er was horte von seiner liebsten Magelonna, wie woll er gelaubet, sie were todt vor diser zeit Warbeck
Magelone 64
Bolte; es giebt andere, deren geschmack falsch ist, weil sie das gute oder das böse da zu empfinden glauben, wo es in der tat nicht vorhanden ist Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 53; der erhitzte kopf wird in allem ernste anfangen zu glauben, dasz dieser enthusiasmus das wahre gefühl der religion sey Lessing 8, 16
M.; wir wollen sehn, ob wir die leute betrügen können, dasz sie glauben, als säh es bei uns skapinisch aus Göthe IV 4, 257
W.; der prälat ... verstund das weib unrecht, und glaubte, die capriole gelte seiner hochwürden Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 197; so dasz man die herrlichsten sonnenauf- und niedergänge zu sehen glaubte G. Keller
ges. w. (1889) 4, 216; er glaubt beim ersten blassen strahl der sonnen die welt im glanz der pfingsten schon zu sehn Geibel
w. (1888) 1, 149.
in fester verbindung einen etwas glauben machen '
einen zu einer einbildung veranlassen, einem etwas weismachen': nun sehe ich wol, ... dasz du ... deine geschicklichkeit wilt sehen lassen, und die leute glauben machen, dasz du ... ein geistlich gelehrter doctor seyest Moscherosch
gesichte (1650) 1, 76; das entschuldigt aber gar nicht junge dichter, die ... uns glauben machen wollen, Shakespeares schönheiten beständen blosz in seiner unregelmäszigkeit Lenz
schr. 2, 336
Tieck; nein, Wurm, das macht er mich nimmermehr glauben Schiller 3, 373
G.; selten einem glauben machen (
wohl angelehnt an das unten aufgeführte glaubend machen): dem domherrn mach ich glauben, die prinzessin wünsche das halsband zu besitzen Göthe 17, 146
W., vgl. IV 3, 72
W.; vgl. de t
häts
t e
ine
n mache
n, glawe
n s wasser lauft de bëri (
berg) enuf Martin-Lienhart 1, 254,
aber eim öppis z'glaube
n mache
n weis machen wollen Staub-Tobler 2, 588.
mit umsetzung ins part. präs. und personalem dativ, wo einflusz von weis machen (
s. teil 14, 1,
sp. 1014
ff.)
vorliegen könnte: (
ich erwähnte bereits) wie wir allen leuten unsere verbündnisz glaubend gemacht (
haben) Schnabel
insel Felsenburg 101
Ullrich; wer wird ihm hierinnen etwas glaubend machen können? v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 2, 198; Sokrates macht dies den armen leuten glaubend Herder 1, 300
S. —
ganz vereinzelt umgekehrt glauben machen
im sinne '
eine richtige, sichere ansicht verschaffen': nun ist komen die zeit euch zuo gelauben machen, waz kauffleüte wir waren und iczund sein Arigo
decam. 649
K. IVIV.
in der 2.
hälfte des 18.
jhs. wird der religiöse wortgebrauch von glauben (
s. I)
in den bereich des weltlichen übertragen, wobei dem worte ein besonders gefühlsstarker sinngehalt bewahrt bleibt; vgl. ebenso glaube IV. IV@AA. glauben an etwas,
vgl. oben I A 2 b. IV@A@11)
mit persönlichem objekt, '
starkes vertrauen zu den geistigen, seelischen und sittlichen werten und kräften eines menschen, der menschheit haben': nun wohl, ich will diesz geheimnisz ihrem herzen ganz vertrauen, und dann fühlen sie, wie ich an sie glaube Klinger
w. (1809) 1, 215; glauben an glaubwürdige menschen kürzt unermeszliche untersuchungen ab, und ist allen edeln menschen natürlich Lavater
handbibl. f. freunde (1793) 2, 103; ich glaub an dich (
an die geliebte)! — mir dies gefühl zu rauben, vermag die zeit nicht, nicht der neid der welt, ich glaub an dich und will dir ewig glauben Körner
w. 2, 45 (
Hempel); ich glaube an die unendliche menschheit Schleiermacher in:
Athenäum (1798) 1, 2, 110; nehmen sie aus freundesmund den dank eines jüngeren geschlechts, das wieder gelernt hat, an sich und sein volk zu glauben Treitschke
histor. u. polit. aufsätze (1886) 1, ii. IV@A@22)
mit sachlichen objekten; meist schiebt sich hier vor die bedeutung '
von der existenz einer sache überzeugt sein' (
s. oben III B)
die umfassendere '
dem wert, der grösze, dem sinn oder sieg ethischer güter, idealer lebensformen u. s. w. zutiefst vertrauen und innerlich anhängen'
; im übergang von I A 2 b
hierher führend: es hat sich unter diesem erhabenen namen (
philosophen) eine rotte stolzer tyrannischer volksverführer in das aufgeklärte Europa eingeschlichen, von denen sich alles böse und nichts anderes als böses erwarten läszt, die weder an gott noch tugend noch unsterblichkeit glauben und jede religion mit dem schimpfnamen aberglauben brandmarken Lavater
handbibl. f. freunde (1793) 2, 287; ich glaubte noch an rechtschaffenheit Pfeffel
pros. ver. (1810) 5, 16; man fängt wieder an, ans leben zu glauben, wenn man solche menschen sieht Göthe IV 19, 37
W.; wenn wir an etwas glauben, so ist es das leben
kriegsbriefe gefall. studenten (1928) 129
Witkop; du aber entscheide dich beizeiten, ob du an gott glaubst oder an das, was du das volk nennst. ich glaube, dasz gott den segnet, der tut, was seinem volke not ist W. Beumelburg
Mont Royal (1936) 190; das volk ... kann nicht mehr glauben an recht und freiheit und frieden O. Paust
land im licht (1937) 391;
politisch: ihre politische weisheit beschränkte sich darauf, aufrichtig zu glauben an die alleinseligmachende oligarchie Mommsen
röm. gesch.4 3, 9; da man sich erfahrungsgemäsz nur für etwas, an das man glaubt und das man liebt, auch schlägt A. Hitler
m. kampf (1933) 618;
ähnlich auch mit akkusativobjekt auf den inhalt einer weltanschauung gerichtet, aber mit einschlag von III A 2: was ein mensch glaubt und woran er zweifelt, ist gleich bezeichnend für die stärke seines geistes
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 23. IV@BB.
objektslos, ein dem religiösen glauben
an kraft ähnliches empfinden vertrauensvoller hingabe bezeichnend: da ich noch mit glauben und mit sehnen reich, wie du (
die natur) vor deinem bilde stand Hölderlin
s. w. 2, 7
v. Hellingrath; das kind betrachtet die natur und vorzüglich die tiere. es wird ein kluges, starkes kind oder ein ruhiger, einfacher, handelnder und glaubender jüngling Novalis
schr. 2, 256
Minor. VV.
nhd. unbezeugte und vereinzelte sonderbedeutungen. V@AA.
ältere, nur bis ins mhd. reichende bedeutungen. V@A@11)
gemeinwestgerm. (
und nordisch?)
erscheint glauben
als '
willfahren, gestatten, erlauben'
u. ähnl.; vgl. ags. gelíefan '
to grant, allow' Bosworth-Toller 408
a unter gelêfan
und 412
a unter gelŷfan,
suppl. 359
b unter gelîfan;
mhd. gelouben;
mnd. geloven Schiller-Lübben 2, 47
b unter 3
und loven 737
b,
vgl.geloub,
n., '
erlaubnis' Eike v. Repgow
Sachsenspiegel 192
Eckh.; mnl. geloven Verwijs-Verdam 2, 1288
unter 3
und loven 4, 849
unter 4;
anord. leyfa '
erlauben' (
bei dem das präfix ga-
geschwunden sein kann, s. oben sp. 7819);
mit anderem präfix got. uslaubjan,
ahd. irlouben,
mhd. erlouben,
nhd. erlauben;
man vgl. auch PB beitr. 1, 326
und 12, 397
f., zs. f. dt. altert. 30, 365
ff. und 34, 77, Staub-Tobler 3, 959
s. v. laub,
adj., '
nachsichtig, freigebig'
sowie W. Wissmann
d. ält. postverb. d. germ. (1938) 39.
vielleicht in diesen zusammenhang auch zu stellen im sinne von '
gutheiszen, billigen': unde daz kelouben sowaz ih pefindo fone dir (
et probare quicquid rerum ego tibi iunctus compererim a te) Notker 1, 718
P.; '
willfahren, nachgeben': ist got an sîner helfe blint, oder ist er dran betoubet, daz er mir niht geloubet sol ich nu niwen kumber haben? Wolfram
Parz. 10, 22; '
sich freundlich erweisen': er geloupte dem gaste vil diu baz Hartmann v. Aue
Iwein 4395; '
erlauben, gestatten': ichn mach û des gelouben niet, daz ir ûch die rede an ziet, ze alsus grôzen schanden Heinrich v. Veldeke
Eneide 140, 9
Ettm.; mîn muoter niht geloubet, der mir mit einem seile ... bunde mînen fuoz Neidhart 8, 21
H.-W.; weitere belege s. teil 4, 1, 2,
sp. 2873
unter gelauben 2;
hierzu wohl auch im sinne von '
zulassen': darumb ... künden wir den egenanten B. B. ... wider usser dem unfriden in den friden und geloben in menglichem wider zu gemainsamy (
v. j. 1464)
nach Fischer
schwäb. 3, 681.
frühmhd. mit dativ im sinne von '
einem den abschied geben': swie der man daz geholôt, daz got daz verdolôt, daz im sîn rîchtuom zergât, ... swenne ez got niht mêre wil bewaren, sô læt erz nôten varen: sô geloubet er alêrste (
erst dann) sînem chnechte (
nämlich dem reichtum) sô rihtet got rehte
vom rechte 88
bei Waag; '
nachlassen, aufhören': si hat mine fze al stunt chussens nie geloubet Gundacker v. Judenburg
Christi hort 753
Jaksche. V@A@22)
reflexiv mit gen. d. sache, ahd. und mhd. reich bezeugt im sinne '
sich einer sache entäuszern, entschlagen; von etwas ablassen; auf etwas verzichten; etwas aufgeben', '
eine person entlassen'.
die entwicklung dieser verbindung ist nicht deutlich: die bei Verwijs - Verdam 2, 1288
f. geäuszerte vermutung, dasz dies sich gelouben
nach franz. recroire
geschaffen sei, ist wegen der ahd. bezeugung hinfällig; auch die annahme, dasz die unter 1
aufgeführten bedeutungen die grundlage für den reflexiven gebrauch bilden, löst die schwierigkeit nicht, da sie erheblich jünger bezeugt sind und deutlich auf ein altes '
erlauben, gutheiszen'
zurückgehen. auch das gleichbedeutende sich vertrôsten eines dinges (
z. b. werltsaldon Notker 2, 128, 28
P.)
und mhd. frühnhd. mnd. sich trösten (
teil 11, 1, 2, 964)
trägt zum verständnis der verbindung wenig bei, da sie aus '
sich über den verlust einer sache trösten'
entstanden sein wird; auch diese bedeutung ist bei Notker
mehrfach zu belegen, so 1, 298, 23 (
Ulixes) fertrosta sih tero gnozo. wan da er sie errochen habeta;
vgl. auch sich getrösten
teil 4, 1, 3, 4558
f. dagegen ist ahd. mhd. sich gelauben
mit gen. nur '(
durch freien entschlusz)
etwas aufgeben',
s. die zahlreichen ahd. belege für sih gilouben
recedere, deserere, deficere, relinquere, abjicere bei Graff 2, 70
f., der älteste davon schon aus dem 9.
jh. her wolda sich iro so stillo gelouban '
voluit occulte dimittere eam (
Matth. 1, 19)'
ahd. gl. 1, 709, 3
St.-S.; besonders häufig ist die verbindung bei Notker,
z. b.: solti ih mih ... tin gelouben? (
desererem te?) 1, 18, 10
P.; er sprach daz ir stritich muotimmer wæren vervluochot, sine geloubeten sich ouch ir zorneimmir wæren si die verlorne
genesis u. exodus bei Diemer 107, 33,
vgl. 112, 21
u. 146, 36; der helt zuo sînen friundenlûte ruofen began: geloubet iuch des strîtes,alle mîne man
Nibel. 215, 1
L.; nû daz der keiser lobelich alsus getâner rede sich het aldâ geloubet, dô leit im ûf daz houbet der bâbest sîne zcswen hant Konrad v. Würzburg
Silvester 1631; Jeronimus (
spricht): von dem gebete sô nimt man zuo unde wahset ûf an heiligem lebene; aber sô man sich sîn geloubet, sô nimt der mensch abe und wirt træge unde slêwic
mystiker 1, 387
Pf.; wan ein man mag seinen herschilt wol niderlegen an seines weibes urlaub, daz ist ob sich ein man des swertes geloubet und alles wertliches geschaefdes und doch bei seinem weibe beleibet
spiegel dt. leute 52
Ficker; weitere belege s. mhd. wb. 1, 1019
a, Lexer 1, 824, Schmeller-Fr. 1, 1407. V@BB. etwas glauben,
baslerisch (
selten)
im sinne '
etwas bekennen, einen fehler gestehen': es sei einer ein dummer hund, wenn einer glaube, was man ihm nicht beweisen könne Jer. Gotthelf
bei Staub-Tobler 2, 588;
aus glaube I A 5 b
β '
glaubensbekenntnis'
entwickelt? V@CC. glauben '
verheiszen'
s. unter gelauben 3
teil 4, 1, 2,
sp. 2873.