fügen ,
aptare, conjungere, committere, ordinare. ahd. fuokan, fuogan, fuagan, foakan, foagan,
mhd. füegen, vüegen,
alts. fôgian,
mnd. vogen,
nnd. fogen, fögen,
mnl. voeghen,
nnl. voegen,
ags. fêgan,
jungere, fries. fôga,
altn. fehlend, aber aus dem nd. eingewandert schwed. foga,
dän. fö
ie. die goth. form würde, wenn sie sich fände, fôgjan
lauten. noch bair. füegen,
doch in manchen mundarten Süd- und auch Mitteldeutschlands, z. b. der wetterauischen, oberhessischen, erloschen. das wort ist abgeleitet von dem praet. eines verlornen goth. fagan
praet. fôg
part. praet. fagans,
ahd. fakan
praet. fuoc
part. praet. fakanêr,
für welches sich die bedeutung sich passend verbinden, sich so verbinden wie eins zum andern passt, vermuthen läszt, so dasz also fügen
ursprünglich so viel als passend verbinden bedeutet haben und eben so als factitiv von jenem fagan
erscheinen würde, wie führen (
s. d.)
von fahren.
dieses fagan
aber wird bestätigt durch das davon abgeleitete goth. adj. fagrs
aptus, passend, geeignet, ahd. und alts. fagar
pulcher, schön (Graff 3, 420
f.),
ags. fäger
schön, engl. fair,
altn. fagr
schön, schw. fager,
dän. favr,
so wie durch das ebenfalls davon abgeleitete fegen (
s. d.),
falls dieses nicht auf das bei dem worte von Jacob Grimm
mit recht aufgestellte noch ältere, auch jenem fagan
zu grunde liegende goth. faíhan
praet. sg. fah
pl. fêhun
part. praet. faíhans
zurückführt, welches bedeutet haben wird: in hinsicht auf etwas wahrnehmen dasz es zur verbindung sich eignet, passt, über etwas zufriedenheit empfinden, sich freuen. diese letzte bedeutung hat denn auch wirklich die jenem goth. faíhan
genau entsprechende ahd. form fëhan,
die jedoch nur von dem übersetzer des Tatian in dem von ihm häufig gebrauchten gifëhan
praet. sg. gifah
pl. gifâhun
part. praet. gifëhanêr,
sich freuen, vor freude hüpfen, frohlocken (Graff 3, 417
ff.)
bewahrt wurde. neben dem h
aber erscheint goth. wie ahd. in wörtern, die diesem verbum entsprossen oder von ihm abgeleitet sind, auch g.
so steht neben goth. fullafahjan,
jemand ein genüge thun, das ahd. in dem zusammengesetzten adj. gifag
contentus, zufrieden (
gl. wirceburg. 979
a.
Boeth. 79. 81. 83.
Diut. 3, 262)
erhaltene fag
mit den ahd. ableitungen fagôn, fagên,
genüge thun, befriedigung gewähren (O. I, 8, 22. IV, 26, 36),
und neben goth. fahêds
f. freude das alts. fagan
froh mit goth. ahd. faginôn,
sich freuen, alts. faganôn,
ags. fägnian,
altn. fagna.
berührung mit goth. fahan
ahd. fâhan
nhd. fahen
scheint nicht stattzufinden. Das wort steht II.
seinem ursprunge nach transitiv in folgenden bedeutungen: I@11)
passend verbinden, wolanschlieszend verbinden, wolanschlieszend fest machen, in verbindung bringen. ahd. ouch thara zua fuagisilabar genuagi. O. I, 1, 71; an einen
lapidem angularem winchel stein dër zwêne
parietes zuô wende fuoget. Notker
ps. 47, 5; tisiu wërlt në geeinôti sih nieht ze einemo bilde fone sô misselichên unde sô widerwartigên iro teilen, sô waʒer unde fiur ist unde luft unde ërda: ube einêr në wâre dër sô misselîchiu zesamine fuogti.
Boeth. 172.
im mhd. dagegen scheint die bedeutung erloschen und taucht erst wieder mit dem beginn des nhd. auf. fugen,
jungere. voc. 1482 i 5
b.
jungo, ich füg zuo sammen. Dasypodius 106
d,
der dann neben conjungo, ich bind an einander, îch fge zuosammen
noch 106
c dejugo, ich trenne oder fg von einander
und 227
c dissocio, ich fge von einander, ich trenne
hat, in welcher letzten stelle ihn Serranus z 2
b ausschreibt so wie l 8
b bei jungere, zusamen fügen
und conjungere, zusamen fügen oder an einander binden. ich füg, füg zusamen, hefft, henck, setz oder thuo zusamen. Alberus
dict. m ij
a;
interjungo, ich füg darzwischen.
ebenda. bei Maaler 145
a,
in übereinstimmung mit Dasypodius, fgen, zuosamen fgen,
jungere u. s. w., und dann 145
b von einanderen fgen,
dejungere. fast gleicher weise bei Henisch 1277, 31
u. 33,
der aber auch 44
f. anführt man solte die sägel an die schiffe fügen oder anhenken. Stieler 576
bietet in dieser bedeutung kaum ein beispiel, dagegen Steinbach 1, 518 ein bret an das andere fügen, er fügt die balken aneinander, die worte an einander fügen
u. s. w. Bei Luther
ist das wort in der bedeutung geläufig: fünfe (
teppiche) soltu an einander fügen und sechse auch an einander.
2 Mos. 26, 9,
vgl. 36, 16; und machet funfzig gülden hecklin und füget die teppich mit den hecklin einen an den andern zusamen, das (
dasz) eine wonung würde. 36, 13; wir baweten die mauren und fügeten sie ganz an einander bis an die halbe höhe.
Neh. 4, 6; die art, wie das universum zusammengefügt ist. Kant 6, 85; wir bedürfen dessen, was wieder sammelt und füget, was zerstreuet und zerrüttet war. Claudius 8, 14; trübe fensterscheiben, wundersam gefügt, deuteten auf erfrenliche farbenpracht von innen. Göthe 21, 221; auf ein so liebenswürdiges bekenntnis war freilich kaum eine erwiderung möglich, doch wuszte die freundin dagegen etwas in wohlklingende worte zu fü
gen. 22, 66; und schon der pfeiler, der gespalten, er hebt gefüget sich empor. 13, 310; fiel mir ein wagen ins auge, von tüchtigen bäumen gefüget. 40, 245; und der thore weite flügel setzet mit erfahrner hand Cybele und fügt die riegel und der schlösser festes band. Schiller 56
b; wohl steht das haus gezimmert und gefügt, doch, ach — es wankt der grund, auf dem wir bauten. 519
a; an den bau, den wir fügen wollen. Tieck
novellenkr. 4, 209; frage nicht, was mühsam heute deine hand gefügt. Rückert 1.
neben dem acc., oder beim passiv von fügen
dem nom., mit dem dat. der sache oder auch der person, an die oder zu der gefügt wird: füge haupt dem rumpfe wieder. Göthe 3, 15; das ist die qual, die das geschiedene für ewig losgeriszne glied aufs neue dem schmerzergriffnen körper fügen will. 9, 326; hinab zum hades! eilte doch die königin mit ernstem gang hinunter. ihrer sohle sei unmittelbar getreuer mägde schritt gefügt. 41, 246; neben das veilchen flicht die narde, die von liebe duftet, füge sie zierend dem kranz ans ende. Herder
Terps. 1, 149; und er (
Jupiter) füget ihr (
Kalisto) küsse, nicht in gehörigem masze. et oscula jungit. Voss
Ovid nr. 8, 23 (
metam. 2, 430).
neben dem acc. mit praepositionen: etwas an etwas fügen: füge deine bitte an die meine. Jean Paul
Hesp. 2, 175. er fügte an den hut eine schleife. etwas auf etwas fügen,
machen dasz es fest darauf ist: dich (
redet ein teufel den andern an), o du theurer, hascht' er (
der hufschmied) am schwanz und fügte die zottige lend auf den schleifstein, den der berufne gesell umdrehete: dasz du gesäszlos schriest. Voss
id. 15, 37. etwas in etwas fügen,
machen dasz es darin fest ist: aber Automedon jezt und Alkimos fügten die rosse schnell in die seile des jochs, die zierlichen. Voss
Il. 19, 392. etwas mit etwas fügen,
es mit demselben eng verbinden: so füg ich nu, zu danken dir, auch die begird mit der gebühr. Weckherlin 131.
diese verbindung mit der praep. mit
ist nicht gerade üblich, desto häufiger aber die mit zu,
also etwas zu etwas fügen: als hab ich auch itztmahlen ... noch andere meine gedichte zu den vorigen gefüget. Weckherlin
vorr. zu den weltl. ged.; fügte man zu jedem triebe diese reine freundschaftsliebe. Withof
ged. (
Bremen 1751)
s. 160; mir hat die mutter nicht leinwand alleine auf den wagen gegeben, damit ich die nackten bekleide, sondern sie fügte dazu noch speis und manches getränke. Göthe 40, 247. er fügte zu den rosen noch vergiszmeinnicht und band den strausz.
besonders anzuführen ist hier die redensart zu haufe fügen,
nd. to hope vogen (Diefenbach 143
a),
zusammenfügen, conjungere. s. hauf. als die schele oder bögel im kranz das ende und anfang zu hauffe füge. Luther 4, 408
b,
d. h. zusammenfüge, verbinde. s. bögel,
wo diese stelle mit den zunächst vorausgehenden worten angeführt ist. etwas zwischen etwas fügen,
in theile eines gegenstandes oder in gegenstände zur verbindung mit ihnen befestigen, in ihnen eine zugleich mit ihnen verbindende stelle geben. zwischen die blumen fügte er grüne blätter. in dieser baumreihe sind zwischen die acazien vogelbeerbäume gefügt. I@22)
genau und fest aufeinander- oder anpassen. diese bedeutung scheint das wort in folgender stelle aus dem anfange des 16.
jh. zu haben: wenn du wilt vester (
fenster, s. d.) machen mit gemolten (ferbten) glas, es sey pild oder gewechs oder woben (
wapen), wellerley das ist: so mustu dir das laszen entwerfen auf papir einen maler, was oder wie du das machen wilt, und das legestu für dich auf die bang (
bank) und dar auf mustu das glas fügen, das du den (
denn) nach dem stock machen wilt, und wisz dasz du vor hin must haben geverbtes glas, wie du das pild oder das gewechs machen wilt, rot oder grün oder varb (
farbig) du machen wilt, die teilestu ausz auf das pild oder gewechs, das vor dir entworfen ist, und wann du das stok glas ganz gefüget hast, so mustu es lassen ligen und bewaren das es nit verrucket werd. Mannert
miscellanea (
Nürnb. 1795)
s. 114.
an das abfügen =
abkneipen der nach dem schneiden des glases gebliebenen überstehenden theile, wie zacken u. dgl., mit dem fügeeisen bei den glasern ist hier nicht zu denken. Eng zusammen aber mit der angegebenen bedeutung des aufeinander- oder anpassens hängt die nächstfolgende I@33)
passlich gestalten. s. Ben. 3, 442
a. sie löste darauf die goldne kette vom halse, an der das bild ihres vaters gehangen hatte, und legte sie mit leiser hand über die andern kleinode hin, worauf Eduard mit einiger hast veranstaltete, dasz der wohlgefügte deckel (
die für eine vertiefung im grundstein des neuen hauses schlieszend zugehauene deckplatte) sogleich aufgestürzt und eingekittet wurde. Göthe 17, 100.
Aus dieser bedeutung entwickelt sich wieder die folgende: I@44)
ordnend gestalten: es ist alles im hause gefügt und zum empfange des jungen paares bereitet. sie dann fügte den rock geschickt in falten und hängt' ihn auf an den pflock. Voss
Od. 1, 440 (1781 439).
abstracter: ordnen und endgültig bestimmen. das übrige (
auszer der stellung der deutschen staaten zu einander und den grenzen Frankreichs) wird auf einem kongresz in Wien gefügt. Hebel (1853) 3, 82.
An diese und die vorhergehende bedeutung knüpft sich dann die nächstkommende: I@55)
ins werk setzen, zuwege bringen, schaffen: mhd. ouwî (
spricht die königin), mîn hër Îwein, wër hât under uns zwein gevüeget dise minne?
Iwein 2343; nâch frouwen minne lît maneger tôt. si füegent jâmer unde nôt, hêrzeliebe und hërzeleit.
Wigalois 194, 38; Minne vüeget hübschen lîben liebeʒ lëben unt dâ bî hôhen muot.
MSH. 1, 94
a, 4.
nhd. diese welt, darein mich got gefgt hat. Frank
weltb. 225
b; l. und l. list und lügen kunten manche heurath fü
gen. Logau 3, 26, 16.
statt des acc. kann auch ein satz mit der conj. dasz
folgen. so schon mhd. sun, ob dir got gefüege ein wîp nâch sînem lobe ze rëhter ê, die solt du haben als dînen lîp (
halten wie dich selbst), und füege daʒ ëʒ sô gestê (
mache dasz es dahin kommt), daʒ iuwer beider wille gê ûʒ einem hërzen unde ouch dar.
Winsb. 8, 4. I@66)
zukommen machen, zutheilen, ertheilen, gewähren. in dieser bedeutung steht das wort mhd. mit dem dat. der person und dem acc. der sache: mhd. got vüege iu heil und êre.
Iw. 1991; dô bat si (
Kriemhilt) got vil dicke füegen ir dën rât (
die mittel), daʒ si ze gëbene hête golt, silber unde wât, sam (
wie) ê bî ir manne, dô ër noch was gesunt.
Nib. 1187, 1;
nhd. der geiz thut auch den armen treiben dasz er sich auch nicht lest benügen an dem, das im gott zu thut fü
gen. H. Sachs IV, 2, 104
d.
dann bietet sich in ähnlicher weise: der vater fügte ihr hierauf zur antwort
in Olearius
pers. baumg. 9, 10,
insofern eben so wol fügte ihr hierauf die antwort
gesagt werden könnte. sonst erscheint fügen
in dem sinne auch mit bloszem acc.: wer kans fügen nach eines jeden genü
gen. Henisch 1278, 43; wies gott fügt, so mir es genügt,
quo nos fata trahunt retrahuntque sequamur. Stieler 576; auf das gelübde seiner höfligkeit weis ich keine schicklichere antwort zu fügen, als das ich hinwiderüm verspreche, seinen befehlen
u. s. w. Butschky
kanzl. 40; seine auf mein leztes gefügte beantwortung. 51; dies, Teiresias, ward dann gefügt von dem ewigen selber. Voss
Odyssee 11, 139.
bei beibehaltung des dat. wird mit fügen
auch der inf. zu wissen
verbunden, der gleichsam an die stelle des acc. tritt. der ausdruck hat den sinn wie zu wissen thun,
ahd. tuon zi wiʒʒanne,
doch erscheint er uns, da wir bei fügen
zugleich an enge verbindung denken, eindringlicher: ich füge e. k.
f. g. unterthäniglich zu wissen. Luther
br. 3, 95; mein herzliche lieb, edler jüngling, füge ich dir zu wissen.
buch der liebe 236, 3.
doch daneben auch und zwar gewöhnlich wieder mit wegfall des dat.: ich Martinus Luther genant, doctor der heiligen schrift, augustiner zu Wittemberg, füge menniglich zu wissen. Luther 1, 354
b.
so noch im gehobeneren stil des befehls, der verfügungen, wenn der fürst schreibt wir fügen hiemit zu wissen,
oder wenn es heiszt wir burgemeister und rath fügen hiemit zu wissen.
mit den accusativen es, das
und wie der acc. kann auch ein satz mit dasz
folgen: mhd. iʒ was iur fille (
züchtigung) unt was ave gotes wille, dër daʒ fuochte, daʒ mich dër chunich ze vater hiete unt al ditze lant gab in mîne hant.
Diut. 3, 110; ob ëʒ dir Sælde (
das glück) füegen sol daʒ du gelëbest die lieben zît daʒ dir ir (
der frauen) güete fröide gît, sô kan dir niemer baʒ geschëhen.
Winsb. 13, 3.
nhd. da fügt glück, das (
dasz) er mit einer lanzen in ein seiten gerent und todtlich verwundt ward. Schöfferlin
Livius 147
b; mein unstern fügte es, als ich zu Athen war, dasz Plato die ganze zeit über abwesend sein muszte. Wieland 34, 72.
Ist das, dessen zukommen veranlaszt oder bewirkt wird, etwas unangenehmes oder übles, so hat fügen
mehr den sinn des bestimmteren zufügen:
mhd. von ir dulde ich ungemach, manig ach vüeget mir diu reine.
MSH. 109
a, 3, 3; ode giht sis ûf ir kintheit, swëm si füeget hërzeleit?
Parz. 433, 12; mîn hant im schaden füeget. 703, 13.
nhd. wer mit unrecht schaden fügt. Schwarzenberg 146, 1; dasz er ihm solchen gewalt fgen dörft. Ayrer
proc. 3, 5.
Hierher gehört auch das passivische gefügt sein,
zugetheilt sein, beschieden sein, mit dem dat. der person. so wenn Diogenes zu Alexander spricht: an sölchen gaben mich benügt, di mir natürlich sen gefügt. Schwarzenberg 117, 1. ich bin arm, mir ist es nicht anders gefügt.
In dem sinne verschieden von dën rât füegen
in der oben angeführten stelle aus dem Nibelungenliede ist einen rath fügen
bei Chamisso (1864) 5, 118,
wo dieser in einem briefe vom jahre 1805
sagt: wir fügen einen rath.
das kann doch nur so viel sein als: wir halten einen rath. eben so s. 130
in einem briefe vom jahre 1806: vor allem musz ich euch wiedersehen, dann meine pilgrimsfahrt nach dem Frankenlande thun — dann nach dem von uns gefügten rathe enden.
was ist dies anders als: nach dem von uns gehaltenen rathe. Aus dem transitiven fügen
nun geht zunächst hervor IIII.
reflexiv sich fügen
und zwar in den bedeutungen: II@11)
sich passend dazu thun, sich passend verbinden, sich anschlieszend verbinden: ahd. ir sculut io thës gigâhenmit sulîchu iuih nâhen, mit reinidôn ginuagenzi druhtîne iuih fuagen. O. II, 16, 24.
so auch altkölnisch sich fûgen
bei Haltaus 545.
nhd. heyrathete ... hernach die donna Eleonora, allein ob sich hiermit gleich ein besonders schöner weiblicher cörper an den meinigen fügte, so
u. s. w. Felsenb. 1, 522; zu diesen unglücklichen gebrechen der despotie fügt sich unvermeidlich ein anderes, wobei noch zufälliger und unvorhergesehener sich gewaltthaten und verbrechen entwickeln. Göthe 6, 206; es ist so mancherlei zu sagen, mündlich fügte sich wohl eins ans andere, entwickelte sich wohl auch leicht eins aus dem andern. 22, 189; orte drängen sich, höfe fügen sich dazwischen, so dasz sie, hintereinander gesehen, sich zu berühren scheinen. 43, 250,
vgl. oben sp. 386 etwas zwischen etwas fügen; ihr wahres fügt sich zu dem anerkannten richtigen oft unbemerkt. 54, 26; fest wie die wand sich füget ein mann aus gedrängeten steinen, eines erhabenen saals, die gewalt der winde vermeidend: also fügten sich helm' und genabelte schild' an einander, tartsch an tartsche gelehnt, an helm helm, krieger an krieger. Voss
Il. 16, 214; sticht mit dem schwert ihn (
den sohn) Prokne, wo brust und seite sich fü
gen. Ovid nr. 30, 216; leise nach des liedes klange füget sich der stein zum stein (
als mauer). Schiller 56
b. II@22)
sich schicken, sich passen, passend sein, überhaupt passen, angemessen sein: mhd. sich füeget paʒ ob weint ein kint denn ein bartohter man.
Parz. 525, 6.
nhd. gleich wie der epheu sich wikkelt und windet, also bekwehmet er sich auch mancherlei menschlichen eigenschaften zum sinnbilde. das er die beume umfähet und durch ihre handbitung empor strebet, füget sich auf ehrliche gemütter, die mit vermögen nicht wohl gefüsset sein und deswegen sich bei grossen herren einschmiegen. Butschky
Patm. 707; disz fügt sich hieher nicht,
cela n'est pas propre à cela. Rädlein 309
a; eine verstandes- und willensübereinstimmung, wo kein nein leidlich war, wo lauter ja sich fügten. Hippel 11, 98.
diese bedeutung kommt jetzt selten vor. II@33)
sich accommodieren, sich nach erfordernis bequemen, sich durch die umstände bestimmt nach oder in etwas schicken, sich nach den umständen oder nachgebend drein finden. diese bedeutung ist erst nhd. und zwar, wie es scheint, im 17.
jh. aufgekommen. in ihr aber steht das wort II@3@aa)
zunächst mit einer praep. wie aus, zu, nach, in: seinem beutel baue vor, wer ein wüstes gut wil pflügen: wann das gut wird sein erbaut, wird der beutel wüste liegen, wird sich kaum ums sechste jahr wieder ausz den falten fü
gen. Logau 2, 220, 69; so fein kan auch sich fügen zu orth, zeit und person der bundte heuchelmann. 3, 216; die sehnsucht trieb ihn an, des winters grimm zu triegen. sein zimmer muszte sich zu einem garten fügen, da lockt er allgemach das bunte frühlingsheer mit angenemem zwang zur frühen wiederkehr. Drollinger 66; gleich offenherzig zu sein, so däucht mich der mann nicht klug, der ohne gegenliebe zu hoffen, zu solchem dienste sich fügte. Wieland 4, 131 (
Amadis 7, 10); ach! versetzt ich, mein herr, ich habe leider mich niemals gerne zur arbeit gefügt. Göthe 1, 339; er ist nun einmal nicht gemacht, nach andern geschmeidig sich zu fügen und zu wenden, es geht ihm wider die natur, er kanns nicht. Schiller 335
b; denn mir befiehlt ein kaiserlicher brief, nach eurer ordre blindlings mich zu fü
gen. 387
b; sie (
die herzogin) wird in das nothwendige sich fü
gen. ich kenne sie. — das ferne, künftige beängstigt ihr fürchtend herz; was unabänderlich und wirklich da ist, trägt sie mit ergebung. 374
b. II@3@bb)
mit dat., bezeichne dieser eine person oder eine sache: jetzt, Polyphont, erfülle dein versprechen! ich komme — mich dem meinigen zu fü
gen. Gotter 2, 278,
d. h. mich nachgebend drein zu finden, es zu erfüllen; von allem die seele fügt alles sich meinem befehle: mich vorlaut zu meistern, maszt niemand sich
an. 3, lxxvi; denn wer der list sich wohl noch fügen will, wird der gewalt sich widersetzen. Göthe 13, 277; wenn auch meiner vorstellungsart nicht eben immer dem verfasser sich zu fügen möglich werden konnte. 50, 52. II@3@cc)
in allgemeiner bezeichnung, d. h. ohne praep. oder abhängigen dat.: auch bei dem deutschen (
Gil-Blas) ist der charakter gut von haus aus, läszlich, wie es einem untergeordneten geziemt, der sich von kindheit auf zu fügen hatte. Göthe 45, 246; rucket zusammen und füget euch fein. Rückert 217. II@44)
sich passend gestalten, sich angemessen bilden: Faust. erst haben wir ihn reich gemacht, nun sollen wir ihn amüsieren.
Mephist. du wähnst, es füge sich sogleich. Göthe 41, 72.
vgl. auch die vorhin angeführte stelle von Drollinger. II@55)
nach passlichkeit wohin kommen, sich wohin begeben, se conferre, ire. ahd. wîb, quad ër, nû zeli mir,wâr sint thie widorôtun thir, thie sih zi thiu hiar fuagtun,sô leidlîcho nû ruagtun. O. III, 17, 54.
mhd. ach süeʒe Minne, in (
ihn, den kummer) wende vüege dich in ir hërze unde gib ir minnen muot!
MSH. 1, 66
b, 2, 4; wër die augen wëll verschüren mit dën prenden, sin lëben enden mit guoten zenden, übel ëssen, ligen in dëm strô: dër fueg sich in die Lambardîe, dâ vil manger wirt unfrô. Wolkenstein
s. 66, 15, 1, 5.
nhd. mit dem die schœn, die minneclich wolt von der wilden fügen sich usz irem gemach herfür.
Hätzlerin II, 8, 262; hiemit so gond all heim zuo üwer ruow und morn (
morgen) so fuegend üch wider herzuo!
fastnachtsp. 897, 1; zu Rom ist deiner vätter grab. füg dich dahin zu kind und weib, daselbst bey deinen freünden bleib. Schwarzenberg 118, 2; item am gerichtstag ... mag man das peinlich gericht mit der gewonlichen glocken beleuten, und sollen sich richter und urtheyler an die gerichtsstatt fügen, da man das gericht nach guter gewonheit pflegt zusitzen.
carolina art. 82; darumb ist an e. k.
f. g. mein demüteg unterthenig bitte, sie wollen mir gnediglich zu gut halten und verzeihen, das ich hinder e. k.
f. g. wissen, willen, gunst und bewilligung mich hieher in e. k.
f. g. stad Wittemberg widerumb gefügt. Luther 2, 87
b (
an herzog Friedrich); dasz ich ... mich hieher in e. k. g. stadt Wittemberg widderumb gefugt habe.
br. 2, 149,
wogegen s. 337 gefügt; das (
dasz) der bapst wolle sich fügen in
s. Peters münster.
werke 3, 92; wie wir uns zur ersten vesper in
s. Peters münster fügen wollen. 93
b; fügt sich mit fleisz an ein ort, da er vermeynet die wittfraw allein zu treffen. Wickram
rollw. 54; fügt sich zu der frawen. 56
b; sie fügt sich zuo fraw Eva schier.
pilger 12 (D 3); sich schnell zum jungen könig fügt.
wegkürzer 13; nach langen seinen gedenken in ein schönen baumgarten sich fügen thet.
Galmy 25; Friderich sich schnell in sein gemach füget. 116; er die botschaft so bald nicht vernimmt, er sich von stundan her fügen wirdt. 286. nach bey sich gehaltenem rahtschlag fügt er sich in die statt. Kirchhof
wendunm. 131
c; fügt er (
der knabe) sich darnach auff die gassen. 259
a; auf disz gespräch fügeten sie sich zusammen unnd fieng der streit gantz greulich und wundersam under inen
an. Amadis 405; in dem er (
Darison) sein schilt fürwarf gegen dem streich, so Amadis auf ihn that, füget sich Agraies zwischen sie beide unnd sagt: mein vetter, ihr haben genug gethan. 421; sich heimlich zu desz jünglings gemach füget, züchtiglich anklopfet.
buch der liebe 233, 3; hierumb zuo dir hertznfromme leuth sich werden fgen glegner zeit und dich in nöthen ruoffen an, weil man gnad bey dir finden kan. Dilinger
catholischs gesangbüchlein (1589)
s. 113; dasz sie sich fügen allesand zu Franckfurt unten an dem Main. Ayrer 126
a (
stift Bamberg); wir wöllen uns hin zu ihr fü
gen. 179
b (
griech. kaiser); alsbalt theten sich zu mir füegen zwen teufel schwarz und ungeheur. 448
a (
alter buler); wo die lieb und wollust bulen, zeugen erstlich sie vergnügen, aber bald wil stiefgeschwister, schmerz und rew, sich drunter fü
gen. Logau 2, 230, 123; du sahest hohe ding und warest nicht vergnüget, zu bühszen, wie man pflegt, allein der augen lust, es hat dein kluger sinn viel weiter sich gefüget, so dasz dir alles, was erheblich, war bewust. Rist
parn. 450; solchen erwünschten fortgang (
bei dem mädchen) verfolgte ich mit allerhand reizungen, bisz ich bei nacht von meiner liebsten eingelassen wurde und mich so hübsch zu ihr ins bett fügte, als wenn ich zu ihr gehört hätte.
Simpl. K. 1, 499.
dies erinnert an das in den gebirgen der Schweiz bei jünglingen stattfindende zu kilt gehn,
auf einen nächtlichen besuch zu einem mädchen gehn (Stalder 2, 101),
worauf auch Jacob Grimm
bei aufzeichnung jener stelle in einer klammer hinweist. übereinstimmender bedeutung sind sich zu hause fügen
oder sich nach hause fügen,
und sich heim fügen,
sich nach hause begeben: nun die zeit, als die künigin gebotenn hat, komen was, sich (
die jungen männer) zuo hause fügten und funden daz Parmeno sein ampt mit vleisz hat angefangen.
Bocc. 1, 9
b =
K. s. 15, 18; wenn die seele deinen leib zur kirche geführt, hat sie ihn als einen todten klotz sitzen lassen, sich wiederum nach hause gefügt und bei ihrem mammon erlustigt. Müller
erquickst. 257; als er einsmahls sich heym gefüget und seine verwandten in zu empfahen häufig zu im kommen. Kirchhof
wendunm. 125
a.
abstracter erscheint sich fügen
in seiner bedeutung sich begeben in folgender stelle: wo so viel schreiber disz jahr als das vergangene auszfliegen, so wird sich ein merkliche thewrung in die gänsz fü
gen. Fischart
groszm. 63.
Übersieht man die hier beigebrachten belege für die bedeutung, so ergibt sich, dasz diese im 15.
jh. geläufig zu werden beginnt, es im 16.
jh. in reichem masze ist, aber schon im 17.
jh. wieder abnimmt und gegen ende desselben allmählich erlischt, indem in ihr sich verfügen
auftritt, das durch ver-
in dem sinne von fort, dahin, genauer zu bezeichnen scheint, als das blosze sich fü
gen. merkwürdig jedoch bleibt, dasz bei diesem die wörterbücher des 16., 17.
und der ersten hälfte des 18.
jh. die bedeutung nicht anführen. erst Adelung
hat sie, die er eine im hochdeutschen veraltete nennt, mit einigen belegen aus dem Teuerdank. Endlich ist hier, im anschlusz an die beiden vorhergehenden bedeutungen, noch zu erwähnen: II@66)
das impersonale es fügt sich
in dem sinne II@6@aa)
es macht sich passend oder nach wunsch, es gestaltet sich: gott gibt alles, was wir dürfen; dasz sichs uns nu nimmer füget, macht die wollust und begierde, deren stand sich nie vergnüget. Logau 3, 59, 10; ehr fügts nicht besser sich, als bis zu ross und wagen diesem mann mit andern waffen wir entgegen gehn. Bürger 161
b (
Il. 5, 218),
bei Voss
hier: zuvor wird dieses nicht anders. II@6@bb)
es begibt sich, tritt der fall ein, trägt sich zu, accidit, evenit: beszres glücke künt ich leiden; kümt es nicht? ich bin vergnügt, wenn sichs, als jetzund ichs habe, nur nicht ärger mit mir fügt. Logau 2, 220, 58; nach einigen tagen fügte es sich, dasz ich meiner geliebten unbekannten in einem der vorhöfe des tempels begegnete. Wieland 2
s. 35 (
Agathon 7, 5); inzwischen fügte sichs zufälliger weise, dasz ich mit der priesterin in einer gesellschaft zusammentraf.
s. 60 (7, 8); durch eine sonderbare verkettung der dinge muszte es sich fügen, dasz die kirchentrennung mit zwei politischen umständen zusammentraf, ohne welche sie vermuthlich eine ganz andere entwickelung gehabt haben würde. Schiller 880
a.
nd. sik fögen,
sich zutragen. Endlich steht fügen IIIIII.
intransitiv in den bedeutungen: III@11)
in beziehung auf verbindung passen: mhd. si brâhte in (dën gebrësten
d. i. das aus dem schwerte ausgesprungene und so fehlende stück) unde sazte in dar: nu vuogte diu lucke und das vertâne stucke und wâren als einbære als ob ëʒ éin dinc wære.
Tríst. 254, 7.
nhd. und darum (
spricht die braut) so wil ich dich, wann (
denn) wir fügen paide wol zu samen und darf sich ains des andern nit schamen.
fastnachtsp. 577, 7; das man und frauen wol zu sammen fügen, recht sam (
wie) ain gürtel zu einer taschen und eben als ain zapf für ain flaschen. 694, 20. III@22)
passen, angemessen sein: mhd. iezent sô wirt sî (
die geliebte) genant. »nein, ëʒ vüeget wëder mir noch ir.«
MSH. 1, 133
a, 1; si (
die speise) vüegt dir wol, si vüegt nicht mir. Boner 15, 52; wër an dën êren wil gestân (
bei ehren bleiben wil), dër sol dur kein red abe lân (
keiner übeln nachrede wegen ablassen): ër sol tuon, waʒ im vüeget wol. 52, 93; wie si wurden gewar eines, dër dëm sëlben hove vûgete zu einem bischove.
Pass. K. 9, 54; brûdere, ir sult wiʒʒen, dës ich mich habe gevliʒʒen und mir zu lëbene gegëben, daʒ vûget nicht an ûwer lëben durch sumelîche hertekeit (
mancher strenge wegen). 220, 44. daʒ sëlb klôster sol rëht und gewalt hân die weide ze nieʒenne âne alle miete mit rossen, rindern, schâfen und mit all ir vihe, swie ëʒ im fûget und nôtdurftig ist.
urk. von 1293
in Schmids
pfalzgrafen von Tübingen s. 64.
nhd. ir vindet wol ain ander weib, die euch füegt für euren leib.
fastnachtsp. 500, 24; ein padschaf und ain wiegen und ain tisch, der fügt euch eben, den wil ich euch auch darzu geben. 574, 4; er (
der ritter) fügt mir (
spricht die jungfrau) nicht zwar, umb in geb ich nicht ain haar. 614, 8; ir habt gar hübsche hentel die fügen gar wol zu neen. 618, 6; und (
ich) lasz mich gern die knaben an tasten und trink lieber wein, denn prunnen: darümb so füg ich nit wol zu einer nunnen. 737, 25; und hät ich sunst nichts fürgewändt, von ewigkayt der seelen stä
nd. natürlich recht dich des vergnügt, das dir dein zweyfel nimmer fügt. Schwarzenberg 152, 1
b; er weiszt bas, was dir füget, dann du selbs, dann er spricht: ein jeder, der begert, empfacht. Zwingli 1, 72; dem fügete basz, das er sein brot verdiente als arbeiter und nicht eyn priester were.
Renner (1549) 21 = 47
b; ain gute henn versoten die fügt wol solchen knaben. Uhland
volksl. 608, 4; sein leibhengst dir basz fügen thet, man meint kein solch rosz sei in Rom? H. Sachs III, 3, 72
c = (1588) 52
b; die kammer fügt mir wol und eben. IV, 3, 3
b; als mich die köchin drausz ansprach, dacht ich, sie würd mir ein suppn geben, die hett mir wol gefüget eben, wann ich in drei tagen kein warmen bissen hab gessen. 3
c; Clas Schellendaus, du fügst mir nicht (
zum knecht), dieweil und du die spilsucht hast. V, 357
c; damit ihr lernt was christen fügt. Ringwald
tr. Eckh. B 3
b.
sprichwörtlich: was einem fügt, das schadet dem andern. Lehmann 2, 469, 127. III@33)
nach wunsch zukommen, gelegen kommen, nach wunsch sein, nach willen sein, günstig sein. vgl. fugen I 2). do sprach der lew zuom stiere: du fgst mir eben recht! Uhland
volksl. 406, 5,
vgl. W. Wackernagels
leseb. 1
4, 1111, 9,
du kommst mir eben ganz gelegen; darinnen ihm auch das glück selbst nicht wenig fügete. Schütz
hist. rer. pruss. 21; als uns der wind woll fügete, zogen wir die segel auff. Olearius
pers. reisebeschr. 1, 4. vilen potentaten füget das glück euserlich, wieder ihre feinde: zu hause aber regnet ihnen, in ihrer wohnung, das unglück zu. Butschky
Patm. 531; wann der wind aufkühlet und füget. Ettner
ungewissenh. apoth. 162; Carolus that (
durch die enthauptung), was Conradinus ganz ohnfehlbar gethan haben würde, wenn ihm das glück des krieges gefüget hätte. Hahn
hist. 4, 258; der umstand nun fügt ihnen allen sehr. venoit bien à point. Brockes 1, 557 (
übers. einer fabel von de la Motte): so (=
also, hiernach) fügt das glücke nicht den freiern überall, der zeugt mit seiner frau nicht kinder seines leibes, der freit ein böses weib und mancher statt des weibes nur einen schönen wiederhall. Lichtwer
fab. bch. 2
nr. 24.
heute scheint diese bedeutung erloschen, die wieder kein wörterbuch des 16.
und 17.
jh. verzeichnet. mit ihr hängt enge zusammen die folgende. III@44)
willfährig sein, willfahren, nachgibig sein, nachgeben, nach verlangen thun, das verlangen erfüllen. zuerst aufgenommen von Frisch 1, 303
a,
wo »einem fügen,
gratificari, obsequi, non impedimento esse, annuere petito«. wir fügten ihm natürlicher weise sogleich auch hierin und die sache wurde daher auf das beste und zu beiderseitigem vergnügen festgesetzt. Klopstock 12, 364.