fein ,
subtilis, erst später aus dem romanischen zugeführt, weder goth. noch ags. alts., nur eine einzige ahd. gl. des 10. 11
jh. gibt fînlîho, zeiʒo,
tenere (Graff 3, 523)
und nach Island werden fînn
politus, subtilis (Sveinbiörn Egilsson 171
a), fînlega
egregie, fîna
polire kaum vor dem 14. 15
jh. gedrungen sein. genug verbreitet ist schon mhd. fîn, vîn,
doch nicht anzutreffen bei Hartman, Wolfram, Gotfried, Wirnt, Rudolf
u. a. m., wol aber bei Konrad, Hadlaub, Boner
u. a. nnl. fijn,
engl. fine,
schw. fin,
dän. fiin.
auch dem latein unbekannt, mlat. finus
hervorgegangen aus roman. fino.
die übliche ableitung vom part. finitus (Ducange 3, 301. Diez 146)
flöszt zweifel ein, warum hätte sich neben finito, fini
mit dem ton auf zweitem i
ein gestumpftes, den ton auf die wurzel legendes fino, fine, fin
eingefunden und andere bedeutung empfangen? denn diese ist weniger perfectus, vollendet, sp. acabado,
fr. achevé
als subtilis, delicatus, tenuis, tener. das ebenso weit, nur nicht im romanischen, verbreitete tenuis,
skr. tanu,
ahd. dunni,
nhd. dünn,
ags. þynne,
engl. thin,
altn. þunnr,
schw. tunn,
dän. tynd,
russ. tonkii,
böhm. tenký,
poln. cienki
buchstäblich mit fino
zu vergleichen wage ich nicht ohne festeren anhalt, höchstens das wallon. tenne
mince liesze sich anführen. der übergänge von lingualis zu labialis sahen wir sonst schon mehrere, feines laub, feines papier, dünnes, zartes laub, dünnes papier, feiner, dünner regen
liegen sich nahe, auch Schmellern 1, 534
erschien die bedeutung von dünn und subtil in fein
die erste. 11)
mhd. ër was sô rëhte fîne. Neifen 45, 11; si ist sô phî
n. MS. 2, 22
a; si ist sô schœne und ouch sô fîn, als die vîol in dëm merzen.
MSH. 1, 72
b; ëʒ möht ein lant an ir verdërben, und tæt ir ungenâde an im diu fîne. 1, 343
b; ir bîʒen was sô zartlich wîblich fî
n. MS. 2, 186
b; Minne wirde mir noch fî
n. 188
a; ich wart sô swach von ir wunnen fî
n. 190
b; sumergewæte zeinem bette fî
n. 194
b; daʒ bette fî
n. 195
b; ouch was daʒ wëter alsô vîn und alsô glanz diu sunne.
tr. kr. 1140; daʒ kleinœt ûʒer mâʒe fî
n. 1507; ëʒ wart nie knabe sô rëhte vîn, noch sô zühtic noch so wî
s. 4850; diu sëlbe wart sô lûter nie, noch so clâr noch alsô vîn, sô diu erweltiu künegî
n. 14626; diu lûter und diu fîne. 19952; mit dëm getihte sînen, dëm reinen und dëm vînen. Frib.
Trist. 44; die glesten glanz von golde vî
n. 2523; manic kilchtûbe vîn dër wërden Minne wagen zugen.
minnelehre 602; ir brüstel kleine und vî
n. 659; daʒ du sô stolz und sô vîn noch stâst. Bon. 83, 22; ein weidman vieng ein vögellîn, daʒ was klein, stolz unde vî
n. 92, 2. 22)
nhd. hübsch, artig, zumal von frauen: ein feines mädchen,
puella bella, lepida: und sie war eine schöne und feine dirne.
Esther 2, 7; sieben feine dirnen von des königs hause. 2, 9;
in der volkssprache e feins mensch; das ieklichem wurd zu teil an eurem hof ain junkfrau vein.
fastn. 404, 24; junkfrau zart und auch fein. 404, 36.
in der anrede meine feine,
fr. ma fine, die feine,
wie sonst die schöne, liebe, traute, süsze, schlanke: ein jeder ist bemüht zu haben eine fine (: kühne), der er zu diensten steht. Fleming 167. Förstemann 1, 407
hat den frauennamen Fîna;
häufig nebeneinander feines lieb, feines liebchen
und zusammengerückt feinslieb, feinsliebchen: ob ich mein feins liep mocht erfreien.
fastn. 482, 87; stand auf, feins lieb, und lasz mich ein. Uhland 248; indem wir nun eine weile bei einander gesessen, wollte mir mein feines lieb verweisen, warum ich bei ihrer ankunft das liecht ausgelöschet.
pers. rosenth. 5, 6; so hab ich doch die ganze wochen mein feins liebchen nicht gesehen.
bergliederbüchlein; feins liebchen thu nicht scheiden. Fr. Müller 3, 130; ich wär mit leisen tritten wol um feinslieb geschritten. Mittler 547
a; ich habe mein feinsliebchen so lange nicht gesehn.
wunderh. 4, 364; ich habe dein herz, feinsliebchen, ich, und dünke mich der gröszte könig. Kl. Schmidt
kom. dicht. 185; allein so ists, ein held, der sein feinsliebchen im arme hält, kann sich mit leichter mühe vergessen und weisz nicht was er schwätzt.
ebenda; doch drinnen sitzt im morgenhäubchen feinsliebchen, athmet waldesduft, und horcht, wie amsel, fink und täubchen der morgengrusz ins fenster ruft. Rückert
ges. ged. 1, 271. 33)
von kind, knabe, junggesell, mann: und das weib ward schwanger und gebar einen son und da sie sahe, das (es) ein fein kind war, verbarg sie in drei monden.
2 Mos. 2, 2; zu der zeit ward Moses geboren und war ein fein kind fur gott (
vulg. et fuit gratus deo).
apostelg. 7, 20; eure feineste jünglinge.
1 Sam. 8, 16; da gieng der junge Tobias hinaus und fand einen feinen jungen gesellen stehen.
Tob. 5, 5; du bist ein feiner gesell! Keisersberg
brösaml. 54
a; ein feiner bub,
bair. e feiner bue; die feinigsten buebm san die holzerbüebal (
holzhauer); ein fein adelich, lieblich, schön und hüpsch kind,
scitus puer. Maaler 133
c; der siebend war ein feiner knab. Haupt 3, 254; willst, feiner knabe, du mit mir gehn? Göthe 1, 183; jeder edle Venedigs kann doge werden, das macht ihn gleich als knaben so fein, eigen, bedächtig und stolz. 1, 352; habe noch gar einen feinen gesellen. 12, 156; ein feiner, doch stiller mensch. 16, 44; ich habe einen geistlichen gesehen, welcher sich in einen feinen menschen verliebet hatte.
pers. rosenth. 5, 2; ei wie ist es so ein fein man,
dialog Maria E 3
b; er hatte einen son mit namen Saul, der war ein junger feiner man.
1 Sam. 9, 2; nur in der gesellschaft kommt es dem menschen ein, nicht blosz mensch, sondern auch nach seiner art ein feiner mensch zu sein. Kant 7, 156; ein so feiner, stattlicher und wol erhaltner mann. Wieland 8, 407; wenn ich nur einen feinen alten mann hätte, der mir hierzu rath gäbe.
pers. reise 326; die feinen und eleganten herrn in Paris. J. P.
papierdr. 1, 18. 44) ein feines rind, feines stück vieh;
1 Mos. 40, 2
schwankt Luther
zwischen schöne fette küe
und feine rinder; zu dieser kuh kaufte Uli noch eine andere, nahe beim kalben, leicht in den hörnern, fein von haaren, hinten aus breit, spitz und fein vornen aus, kurz wie man die kühe, von denen man milch haben will, gerne hat. Gotthelf
Uli 157; also in dem bächlin, das durch meinen garten fleuszet, sind feine hechtlin, schmirlin, und wenn man sie in ein ander wasser setzet werden grosze hechte daraus. Luther
tischr. 2, 80; die ameis ist ein feines thierlin, darin gott etliche bildnus sehr schöner tugend den menschen fürgemalt. Mathesius 21
a. 55) deine stirn ist breiter, deine nase feiner und dein mund liebreicher geworden. Göthe 20, 133; er hat eine feine nase (
kann auch heiszen, spürt fein). Lenz 1, 274; ein feiner mund; das feine lächeln verliesz ihren mund. Göthe 23, 174; ich kannte zu Athen ein junges frauenzimmer, welches die natur wegen der häszlichkeit ihrer übrigen figur durch den feinsten fusz getröstet hatte. wie kann man einen anspruch an schönheit machen ohne einen feinen fusz zu haben? Wieland 1, 99; ein feines gehör, ein feiner geruch, geschmack, ein feines gefühl;
für ein feines gesicht
sagt man lieber ein scharfes,
wol aber ein feines auge. eine feine stimme
ist der gegensatz zur groben.
es heiszt aber auch eine hohe
und tiefe stimme. 66) feines brot
aus feinem mehl (
subtili farina)
gebacken; feines tuch, leder, garn, feiner zwirn, feine,
zarte wolle, seide, ein feines hemd, gewebe, zeug, feine wäsche, ich gab dir feine leinene kleider und seidene schleier.
Ez. 16, 12,
überall gegenüber dem groben. eine feine nadel. feines,
lauteres gold,
oro fine, or fin, und solt sie mit feinem gold überziehen. 2
Mos. 25, 11; sein heubt ist das feinest gold.
hohelied 5, 11; feine mark, fein silber; wie man das gekürnt silber auf fein silber probiren soll. Erker 24
a; ein jedes silber, das kupfer bei sich hat, fein zu brennen. dieweil es breuchlich ist, das man geringhaltige silber fein brennet. 34
a. ein feines,
delicates essen; feine,
köstliche speise; der bote trug ein feines frühstück im ränzel. Göthe 23, 186; ein gerstenkorn ist nicht so fein, dannoch solt mirs viel lieber sein. Alberus 16
b; ein verhungert hühnchen fand einen feinen diamant. Hagedorn 2, 42. 77)
von liegendem grund und boden, sauber, hübsch, nett: grosze und feine stedte.
5 Mos. 6, 10; eine feine stadt an der Wipper, die man noch Rugenwalde heiszet. Micrälius 1, 27; als wir dieses feine städtchen beinahe nach neun uhr vormittags erreichten. Stolberg 9, 3; Memel ist an einem feinen hafen an der ostsee gelegen.
pers. reiseb. 1, 17; was gilts, wo nicht die viel heuser sollen wüste werden und die groszen und feinen öde stehen?
Es. 5, 9; deine mauren werden sie abbrechen und deine feine heuser umbreiszen.
Ez. 26, 12; und macht im ein feines heuslin und setzts an die wand.
weish. Sal. 13, 15; wie fein sind deine hütten, Jacob.
4 Mos. 24, 5; den wein nicht trinken, den ir in den feinen herbergen gepflanzt habt.
Amos 5, 11; die gottlosen gehen zwar auf einem feinen pflaster, des ende der hellen abgrund ist.
Sir. 21, 11; ein frischer wald, eine feine wiese, das ist uns alles alt und klein, es müssen in unserm paradiese dorn und disteln sein. Göthe 14, 37. 88)
aliquantus, ziemlich: er muste eine feine zeit warten; ich blieb ein feines weilchen stehn. Gellert 1, 215; ich verdiente dort noch ein feines sümmchen; man wendet dazu ein feines geld auf. 99) fein,
gesund: m. Philipps ist widerumb fein worden. Luthers
br. 5, 298, fein wol auf,
hergestellt. 1010) fein,
heiter, vgl. Konrads wëter vîn; es ist fein,
es ist schön wetter. Schmeller 1, 533; geht die sonne des morgens auf und verspricht einen feinen tag. Göthe 16, 100. 1111) fein,
lauter: die das wort hören und behalten in einem feinen guten herzen (
goth. in hairtin gôdamma jah sêljamma).
Luc. 8, 15; das alles liegt in feinem herzen. Göthe 11, 324; ein paar poetische stoffe bin ich schon gewahr geworden, die ich in einem feinen herzen aufbewahren werde. 43, 38 =
an Schiller 351; es war ganz seiner natur gemäsz, alles was für ihn geschah in einem dankbaren feinen herzen zu behalten. 48, 29; gestern abend begleitete ich die gesellschaft bis unter deine fenster und sagte dir in einem feinen herzen gute nacht.
an fr. v. St. 2, 76; behalte mich nur in einem feinen herzen. 2, 317; behalte mich in einem recht feinen herzen. 3, 33; behalte mich in einem feinen andenken. 3, 39. er redet eine feine sprache, ein feines deutsch; sie redeten so feines hochteutsch, als ob sie geborne Sachsen wären.
Felsenb. 1, 98. 1212) fein,
dünn, tenuis: ein feiner regen; der ritt hierher war ein bittrer bissen, besonders die letzten stunden, wo es feinen regen im winde trieb. Göthe
an fr. v. St. 2, 34; ein feiner duft hat sich an die frucht gesetzt; feiner schnee lag auf der erde; um uns her spüren wir das vergehen nicht, da es in feine, kleine tropfen zerstäubt ist. J. P.
papierdr. 2, 242; ein feines gewebe; sie dreht die feinsten faden; filia sub tilia nebat subtilia fila; ein feines sieb; etwas in die feinsten fasern zerlegen. 1313)
abstract in gutem sinn: leute von feinem verstande; ein feiner, heller denker; der feinste kenner; da die theologia und alle gute künste verachtet waren und feine geschickte köpfe mit der sophisterei geplaget wurden. Luthers
tischr. 1, 67; derhalben auch Paulus gar einen feinen unterscheid machet. 1, 75; ein feines lob; wir erziehen eine anzahl kinder, ich bilde die lebhaften und dienstfertigen haushälterinnen und sie übernimmt diejenigen, an denen sich ein ruhigeres und feineres talent zeigt. Göthe 20, 65; dasz derjenige, dessen geist nach einer moralischen cultur strebt, alle ursache hat, seine feinere sinnlichkeit zugleich mit auszubilden. 14, 256; er war von tüchtiger und zugleich feiner natur. 23, 174; jedes feine gemüth. 49, 14; in diesem hause herschen feine sitten; feine beobachtungen; das ist eine feine klugheit, wer darnach thut.
ps. 111, 10.
man sagt die feine welt, die feine gesellschaft; sein leben in einem feinen mittelstande sonder armut und reichtum verschleiszen. Butschky
Patm. 341; etwas ins feine mahlen; feiner spott. Gotter 1, vi; die feine spötterei und das fröhliche lächeln. Thümmel
Wilhelmine 111; von allen sitten in der welt die deutsche mir am besten gefällt, ist eine feine sitte. Schmidt von Lübeck
lieder 99. 1414)
in übelm: ein feiner schlaukopf, ein feiner fuchs,
betrieger; heuchelnde pietisten heiszen hin und wieder 'die feinen'; feiner beschisz,
astutior fallacta. Maaler 133
c; feinerer atheismus, nach welchem gott als ein werkmeister und nicht als ein schöpfer der welt angesehn wird. Kant 6, 81; die spitzfindigkeit feiner schlüsse. 6, 13; daher habt ihr euern argwohn? wie ihr fein seid. Göthe 14, 256. 1515)
höhnisch, spöttisch, wie wir auch sauber und schön gebrauchen: ä du bist ein feiner gesell! Maaler 133
c; das seind mir leiden feine händel.
herz. Heinr. Jul. 341; er ist ein feiner!
Schlampampe leben 39; so, du feines thierchen? hat dich mein herr selbst schon einmal versteckt? Lessing 1, 253; ihr seid mir feine leute! sagte schach Gebal. Wieland 7, 59; ei, das wäre fein!; ein feiner streich, den du da gespielt hast; wer will nun schlieszen, was unser feiner mann für titel soll genieszen? Logau 3, 218. 1616) das ist nicht fein,
das steht übel; willst du an der thür horchen? das wäre nicht fein? es ist nicht fein, das man den kindern ir brot neme und werf es fur die hunde (
ahd. nist guot zi nëmanna).
Matth. 15, 26; es ist aber nicht fein das du gethan hast.
1 Sam. 26, 16; ewer ruhm ist nicht fein (ni gôda hvôftuli izvara).
1 Cor. 5, 6; fremdling, nicht fein ist die red,
οὐ καλὸν ἔειπες.
Od. 8, 166.