Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
BINDE
A. ohne präpositionalen beisatz.
1. im eigentlichen sinne.
a. festbinden. zu gefangenen gemachte feinde, mit ausnahme von königen, werden von dem überwinder gebunden. so bringt Dietrich seinen gefangenen, Hagen gebunden zu Kriemhilt, sagt ihr aber zugleich er sol des niht engelten, daʒ irn gebunden sehet stân Nib. 2290,1. 2292,4. Gunther wart gebunden von Dietrîches hant, swie künege niene solten lîden solhiu bant Nib. 2298,1. ein gleiches thut die minne: vrou Minne nam die obern hant, daʒ si in vienc unde bant Iw. 65. daʒ si (Minne) die vil süeʒen binde als si mich gebunden hât MS. 1, 190. a. süeʒiu minne, mahtu binden die von der ich bin gebunden beitr. 53. diu bant mac nieman vinden diu mîne gedanke binden Vrid. 115,15. Luneten, die hingerichtet werden soll, wâren die hende gebunden Iw. 192. eben so Tristan und Isot, denen aber wegen ihrer hohen geburt die bande gelöset werden H. Trist. 3118. 3135. der büttenære bindet ein vaʒ legt die reifen um beitr. 67.
b. wunden werden einem gebunden oder verwundete werden gebunden. deheines arzâtes bunt, swie rehte wol er binde, mir frumet niht büchl. 1,1816. sî bunden im sîne wunden Iw. 208. daʒ man mir zwir des tages bant alsô daʒ plüeten muost mîn hant frauend. 118,3. er wuosch im sîne wunden, dar nâch wart er gebunden. dô gebunden was der degen Wigal. 8384. 8390. her Gawein dô gebunden wart Wigal. 11201. die tôten begraben, die wunden binden unde laben Wigal. 11206. sîne wunden wuosch und bant der wirt mit sîn selbes hant Parz. 165,14. vgl. 628,4. 642,20. frauend. 224,3 steht jedoch auch wunden ver binden.
c. ich binde mir, man bindet mir, wird von dem anlegen des gebendes oder kopfschmuckes gesagt, den jungfrauen sowohl als frauen trugen. ein mädchen fordert ihre freundin auf, mit ihr zum ballspiel zu gehen, bint dir balde, trût gespil: du weist wol, daʒ ich dar mit einem ritter wil. die mutter dagegen sagt wint ein hüetel um dîn hâr: du muost ân die dînen wât, wilt an die schar Nith. 51,3. hierher gehört auch die stelle in Walther 106, 24: des wart ein michel strîten, wie si der briute bunden: des zerwurfen si sich gar. ze jungest bants ir selber machte sich ihren kopfputz nach eigenem gefallen selbst zu rechte, daʒ ir niht daran enwar. ir (sibi) het diu reine wol gemuot gebunden in ein rîsen guot frauend. 348,9. lege dich und bint dir schône kindh. Jes. 87,67 flîʒeclîchen si ir bant das. 88,7. vgl. ich verbinde. — In beziehung auf das umgelegte gebende hieß eine frau gebunden. swâ ein edeliu schœne frouwe reine wol gekleidet unde wol gebunden dur kurzewîle zuo vil liuten gât Walther 46,11. ouch was gebunden diu reine nâch der franzoyser won Türl. Wh. 146. b., und Reinmar sagt von den schändlichen gesellen oder ungesellen, wie er sie nennt, die sich zu unnatürlichen lüsten hergeben, ich wolte, daʒ si solten gên gebunden alsam die frowen mit gebenden, daʒ man si erkante dâ bî, und alle liute spræchen 'pfî, verschamtiu brût, ir welt die minne schenden!' MS. 2,135. b.
d. ganz verschieden von ich binde mir, man bindet mir ist es wenn die junge frau sagt ich binde mîn houbet, man bindet mich, nâch der briute site. die erklärung dieser redensart s. unter gebende.
2. in tropischem sinne. von swelher sippe man im gebunden ist in welchem grade man ihm verwandt ist. Augsb. str. betwungen eit sol binden niht Boner 35,57. swer gâbe enpfât der bindet sich dem der si gît Boner 27,31. — bunden sint sentgericht, in dem jeder erscheinen muß. Gr. w. 1,504.
B. mit präpositionen.— an — du hâst sus manec vingerlîn an dînen lîp gebunden Parz. 123,23. daʒ ich der sorge bin erlân diu manegen hât gebunden an den fuoʒ, daʒ er belîben muoʒ Hartm. l. 12,5. daʒ pfert was gebunden vaste zuome schilte an einem aste Parz. 504,14. — gegen — Helênen vinden daʒ kan binden gên den swæren unt den swinden, jenen die mit valschen winden blâsen ûf daʒ himelher (nach Ettmüller die auffindung des kreuzes durch Helena kann rüsten, schützen wider die bösen geister) Frl. KL. 21,2. — in — ein ritter des prîs man in die hœhe bant höher stellte Parz. 398,6. dô bant si mich in manige sende swære, ichn trûwete niht daʒ si mich alsô bunde MS. 1, 194. b. dâ heten si ûf gebunden vil manic hêrlich gezelt auf das feld Nib. 1658,4. ir helme und ouch ir brünne si bunden ûf diu marc Nib. 834,1. helm ûf houbt gebunden Parz. 210,21. 346,6. Gâwânes hant die wurz ûf die wunden bant Parz. 521,22. iuwer herze und iuwer ougen diu sint zallen stunden ûf mînen neven gebunden Trist. 16560. — von — si bant den helm von sîme houbte Parz. 575,18. er bant daʒ pfärt von dem ast Parz. 522, 18. — von spanischem messe wâren si (die anker) gebunden Gudr. 1109, 3. — ze — die hende wârn in ze rüke gebunden Iw. 185. er bant daʒ ors zeins gevallen ronen aste Parz. 437,10. den helm ich ze houbet pant frauend. 186,18. ze beine bin den s. bein. — zuo — driu grôʒiu sper gebunden zuo einander wol frauend. 165,31.
C. mit adv. präp.— ane — ane bunden si ir vanen Lampr. Alex. 3832 (4182). man hieʒ den Burgonden ir vanen binden an Nib. 193, 1. diu zeichen si ane bunden das. 833,1. — ûf —
a. binde auf ein anderes ding. den helm ûf binden. ûf gebunden helm Iw. 180. Wigal. 1990. Nib. 2108,2. 2110,2. Parz. 181,12. 333,9. W. Tit. 127,4. frauend. 181, 13. 182,27. ir vanen si ûf bunden Lampr. Alex. 2365 (2715). diu segel ûf binden sie fest binden, um zu segeln Herb. 4172.
b. binde in die höhe. dâʒ hâr ûf binden Walth. 111,18. dô sich ûf bunden sich erhoben die lerchen mit gesange Helbl. 8,14.
c. in einer vielleicht von dem pferde hergenommenen bildlichen bedeutung, halte von etwas zurück. der frouwen huote mich ûf pant daʒ ich niht riterschefte vant Parz. 90,3. dô si mich ûf von strîte bant, ich lieʒ ir liute unde lant Parz. 97,3.
d. binde auf, löse. sô bin ich des niht wierdich daʒ ich im den riemen an sînem schuohe ûf binde Griesh. pred. 1,162. er gap ze binden iu zestunt und ûf ze binden Frl. 339,16. — zesamene — die vüeʒe wâren in unden zesamene gebunden Iw. 185. sîne knappen sîniu sper ze samne bunden, ieslîcher fünviu an ein bant Parz. 61,24. — zuo — mit bästînen buosten bant er den satel wider zuo Parz. 137,11.