Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
BETTE stn.
1. das lager auf welchem man ruht. under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was Walth. 39,13. daʒ bette wolde ich von bluomen machen MS. 2,195. a. daʒ bette ime den tisch nam ê sînem rehte das bette wurde in dem jagehûs früher gemacht, als nöthig gewesen wäre, und er dadurch von dem speisetisch vertrieben. Pilat. 32.
2. eine besondere vorrichtung zum sitzen oder zum liegen. In beiden fällen, das bette mochte zum sitzen bestimmt sein oder zum liegen, hatte ein bette berihtet alsô wol als ein bette beste sol (Iw. 53) eine unterlage von weichen betten, phlumît, matraʒ, und über diese wurde ein kulter gebreitet, der daher daʒ bettedach heißt. Dieser kulter war ziemlich dick und gesteppet; seine untere seite war, wenn er prachtvoll sein sollte, palmât, die obere phelle, samît oder ein anderer kostbarer seidenstoff.
3. war die eben beschriebene vorrichtung zum sitzen bestimmt, so diente dazu entweder ein gestelle mit stollen grôʒ silberîn, also eine art sofa, wie das im Erec 8955 erwähnte, in der pavilûne stehende bette beschrieben wird, oder die unterbetten lagen auf einem fußteppich, und über diesen der kulter auf welchem man saß. sitzbetten der letzten art, die wir jetzt diwan nennen würden,
a. standen in großen hallen (dem palas) bereit: Iw. 53. 54. 56. 59. in dem palas man alumbe vant vil teppch und drûf diu pflumît, kulteren drüber W. Wh. 248,14. in dem palas ze Munsalvæsche hundert pette und vor diesen die tafeln zum speisen Parz. 229. 238. 794. in Lariens zelt mit phelle von Kaukasas vil bette wâren gedecket wol: diu sâʒen edler frouwen vol Wigal. 10854.
b. oder sie standen in den fenstern. si sâʒen in diu venster wît ûf einen kulter gesteppet samît, dar under ein weicheʒ bette lac Parz. 24,3.
c. oder sie wurden, so wie sie erforderlich waren, gelegt: alumbe an allen sîten mit senften plumîten manec gesiz da wart geleit, dar ûf man tiure kultern treit Parz. 627,28. daʒ der palas an allen sîten mit senften phlumîten sî beleit, und teppich vil derfür, ûf diu phlumît kultern von der kür, daʒ man ir tiure müeʒe jehen, von phellen die geben liehten schîn W. Wh. 244. Gawan wird von seinem wirthe auf eine kemenâte geführt, um dort zu abend zu essen. der sohn des hausherrn bringt sogleich senfter bette dar genuoc, die er an der wand der thür gegenüber (dem ehrenplatze) niederlegt, breitet über diese eine kultern von rôtem zindâle, und vor dem sitz einen teppich; dann wird auch dem wirthe ein bette geleit. an Gawans seite sitzt die freundliche tochter des wirthes Bêne. Parz. 549. eben so Wîmâr: pflumîte und kulter rîche ûf einen teppich hieʒ der wirt legen, für den markgrafen, dem aber sein gelübde solche gemächlichkeit verbietet. W. Wh. 132. Wigal. 10393. Aus den angeführten stellen ergibt sich, daß diese sitze gewöhnlich an der wand gelegt wurden, daß aber auch frei stehende gegenüber sein konnten; ferner daß mehrere personen neben einander darauf sitzen konnten; auf dem palas ze Munsalvæsche diente ein bette vier rittern zum sitze. Parz. 229. 239. 794. — der alte herr, dem in dem baumgarten ein bette bereit war, lag darauf. Iw. 237. — Auf reisen bediente man sich gewöhnlich nur eines kulters. Gawan hatte ein kulter und ein matraʒ, dar ûf der stolze werde saʒ Parz. 353,5. — Man sagte sowohl an dem bette sitzen, Iw. 53 als ûf dem bette. — Ulrich's vrowe sitzt auf einem bette, frauend. 347,23, über dieses was geleit von samît ein guot materaʒ, dar ob zwei lîlah sîdîn, dar ûf sô lag ein deckelech, ein bolster und zwei küsse frauend. 348,16: es scheint also, daß es sowohl zum sitzen als zum liegen diente. — vor dem bette auf dem fußboden liegen teppiche. frauend. 348,24.
4. War das bette zum schlafen bestimmt, so war es entweder dem ersten in hinsicht auf die unterlage ganz gleich, hatte aber über dem kulter, wiʒiu lînlachen, einen phulwe, ein wanküsse oder ôrküsse, und ein deklachen aus pelzwerk. der ê vier bette phlac da er alle zît ûf lac, zwei wîʒiu lîlachen mit andern slâfsachen, ein samît wol behuot, ein declachen hermîn, dâ phlac man des herren mite nâch der rîchen liute site warn. 2953. Als Gawan gegessen hatte werden abermals vil bette herbei getragen, und ihm gelegt. eineʒ was ein pflumît, des zieche ein grüener samît; ein kulter was des bettes dach, mit einem pfellel gesteppet ûf palmât. dar über zoch man linde wât, zwei lîlachen snêvar. man leit ein wanküssen dar, und der meide mantel einen, härmîn niwe reinen Parz. 552. eben solch ein bette wird Isot im garten zu rechte gemacht Trist. 18150. ob die beschreibung En. 1247 hierher oder unter die folgende abtheilung gehört, mag unentschieden bleiben. zu bemerken ist nur, daß dort ein kulter, sogleich auf dem stroh liegt, welches sonst nicht erwähnt wird.
b. oder dieselbe vorrichtung lag in einem betstal, und dieser mit den darin befindlichen betten heißt daʒ bette, ouch was daʒ bette wol beriht mit betten lieht gemâle Ernst 25. a, wo eine ausführliche beschreibung des ganzen reichen bettes sich findet. es ruhte auf stollen, Parz. 561,23, war mit leisten verziert und ziemlich hoch. vor dem bette lag ein teppich Parz. 193,1, und auf diesem bette stand eine bank oder ein weicher sitz (bette) Parz. 193,25. vor sînem bette ein anderʒ lac, dar ûfe ein kulter da er dâ saʒ Parz. 243,12, und ein fußschemel um hinauf zu steigen Nib. 616,3. manegen kulter spæhe von Arraʒ man dâ sach der vil liehten pfelle, unde manic bettedach von Arâbischen sîden die beste mohten sîn. dar ûfe lâgen lîsten; die gâben hêrnchen schîn. deklachen hermîn vil manegiu man dâ sach, und von swarzem zobele Nib. 1763. — zu bette gehen, in weiterem sinne hieß ze bette gân Nib. 580,2.; im engern sinne an daʒ bette gân sich niederlegen Nib. 584,1 H. Trist. 2961. daʒ si an dem bette hete guot gemach Nib. 619,3. si smouc sich an daʒ bette Parz. 194,4. leite sich an daʒ b. Heinr. Trist. 2966. — diu bette der junchêrren lagen um das bette des herrn, ir houbet dran Parz. 35,15. — diu slâfstat war mit kerzen erleuchtet. Parz. 35,17. 192,28. auch fehlte es nicht an einem schlaftrunke. Parz. 244,13.
5. jedes einzelne bett, mit welchem ein bette berihtet wirt. vil bette werden herbei getragen und gelegt Parz. 552,7. daʒ bette wol berihtet mit betten lieht gemâle Ernst 25.
a. Man übersehe nicht, daß diese beschreibungen insgesammt auf betten sehr vornehmer personen sich beziehen; und so auch das frauend. 348,15 beschriebene dar ûf diu reine süeʒe saʒ.
b. ein gartenbeet. der unterschied, den die heutige sprache zwischen 'beet' u. 'bette. macht, scheint der ältern fremd zu sein' gl. mons. 353. 339 peti, areolae, Hoffm. sumerl. 1,42 areola bete; 44,35 pet, areola. porca bete Diefenb. gl. 218 und Lang reg. 3,169 bonebet können kaum etwas beweisen, da ags. areola bedde heißt, und W. 5,13. 6,1 wurzbette steht.