bekommen ,
goth. biqiman,
ags. becuman,
ahd. piquëman,
mhd. bekomen,
nnl. bekomen,
engl. become.
wie das einfache kommen
in allen deutschen zungen nur intransitiv ist, transitiver sinn erst durch zutritt einer partikel erwachsen kann, sind auch von bekommen
zuerst die intransitivbedeutungen vorzutragen. 11) bekommen,
wachsen, gedeihen, hervorkommen, fortkommen, provenire (
ahd. beispiele gewährt Graff 4, 668): der imber bekumpt auch fast schon alda. Frank
weltb. 201
a; disz volk pflanzet und handlet nicht, geneuszt was im selbs bekumpt (
von selbst, wild wächst). 222
b; wir säeten mancherlei samen als rättich, lattich, salat. kürbs, die bekamen all in xvi tagen und wurden in xxxvi tagen abgenumen. 222
b; weil er (
gott) ein theurung kan machen, so es alles bekompt und all berg mel werden.
chron. 250
a; deshalb an der hut anzuofahen ist, wann die bekumet an dem ersten und von uszen als ein rind des baums. Gersdorf 1; dank für wolthat ist ein same, der nicht überall bekame. Logau 3, 2, 26.
später erlöschend und durch fortkommen, herauskommen
ersetzt. 22)
aus sinnlichem wachsen verständigt sich die abstraction des engl. become,
das geradezu werden ausdrückt, wie sich werden
und wachsen (
engl. wax
und grow)
oft berühren, doch sind auch evenire
und franz. devenir
zu vergleichen. Uns aber ist bekommen
mit dat. der person ein gedeihen, anschlagen, welche beiden wörter wieder auf den wachsthum zurückgehn. die luft hier bekommt mir nicht,
schlägt mir nicht an; ich bin von seuchen frei, dir ist die römsche luft in warheit nicht bekommen. Gryphius 2, 347; die speise, das futter, die arznei bekommt nicht: solche vermahnung bekam mir wie dem hund das gras.
Simpl. 1, 472; die macaronen werden deiner jungfer bekommen, wie dem hunde das gras, sie soll gewis anderst pfeifen, wann sie eine darvon einbekommen.
ped. schulf. 67; wer weisz wie ihm das mittagsmahl bekommen wird. Weise
erzn. 14; wie wird die zeche dir leider nach der mahlzeit bekommen? Göthe 1, 338. wol bekomms! prosit (prost)!
bene cedat! ist die formel beim zubringen von speise und trank: den becher nimm ich jetz zu mir, du sichst er ist schon voll, den will gewis ich bringen dir, soll dir bekommen wol.
Garg. 93
a; nach der mahlzeit bringt er ein schlückchen, es mag euch bekommen! Göthe 40, 26; (wil ju up de maltit schenken.
Reinke 662. haddi gheten, so souddi drinken.
Reinaert 706); nehmet nicht gierig zu viel, es möcht euch übel bekommen. 40, 25. wol
oder übel bekommen
geht aber auch auf andere dinge: es soll ihm übel bekommen, es soll euch übel bekommen! fort mit ihnen! Göthe 14, 299; ich habe von dir einen traum gehabt, gott lasse dirs wol bekommen!
pers. rosenth. 4, 12; die luchse sind eines sehr schnellen laufs, so ihnen zum einholen ihrer beute wol bekommt. Hohberg 2, 650
b; jetzund bekumpt mir nichts bessers, als gut wein, gut bett, den rucken am ofen, den bauch beim tisch, den schemel under den füszen und ein tiefe schüssel.
Garg. 154
b; welchen das studieren nicht allein zu spott, sondern zum elend bekommen. Schuppius 707. 33)
nahe liegt die bedeutung von convenire, geziemen, behagen, zukommen, zustehn, anstehn: das bekompt nu sonderlich der heiligen mutter der kirchen, die ist ein rechte hausmutter und die braut Christi. Luther 1, 467
a; dis spital bekommet allein den rechten armen, als widwen, waisen, gesten und andern verlassen leuten. 5, 152
b.
s. bekommlich. 44) bekommen,
obviam venire, ire, occurrere, begegnen, ze Sempach vor dem walde, do inen der lew bekam. Uhland 405; bekumpt mir ein meitlin mit minen geiszen. Tho. Plater 11; wie weri den das war, das Christus
s. Peter were vor Rom bekumen. 40; einer bekam uns ouch, dem hangeten kuttlen usz. 78; und wenn es sich begab, das sie einander bekamen, so gieng ie einer ein andere straszen.
sch. u. ernst cap. 191; da bekam im der herzog.
Eulensp. cap. 25; wem er bekam.
Bocc. 2, 115
a; im ein edelmann bekam. 2, 209
a; (ich hoffe), so werd mir der Pfefferkorn uf ainem rechten platz und zu rechter zeit bekommen, das ich mit im an offen schranken peinlich fürfaren werde. Reuchlin
augensp. 4
b; wie ein beer wil ich dir bekommen, dem seine junge sind genommen. H. Sachs IV. 1, 56
a; fraw heut frü mir am mark bekam, Alexander vor dem würzkram, ein selign tag entbeut euch der. V, 225
b; bekommet im von ungefär bischof von Trier stark daher. Fischarts
Eulensp. 177
b; da im (
dem Hercules) auf dem wegscheid frau tugend und frau wollust bekamen.
Garg. 172
b; und eben an dem er also weg uf die hellen zuzog, so bekame im der egyptisch nuncius. Ayrer
proc. 2, 1; wir waren nicht viel für sich gangen, da bekamen uns etliche bettler. Schuppius 694; in diesem zustande bekam uns ein jeger.
Jucundiss. 154; drei meil wegs uber diesem schlosse bekame uns ein alter bettler. 187.
in allen diesen stellen steht bekommen
von personen, es kann aber auch auf andre vorstellungen bezogen sein, die man sich personificiert dachte, z. b. auf den tag. mhd. ê uns bekume der mitte tac.
krone 13194;
nhd. davon uns freud bekomen möge.
Bocc. 1, 8
a; also grosz scham und erschrecken mir davon bekommen sind. 1, 16
a; nicht das leiden, das du erdenkest, sondern das dir wider dein erwelen, denken, begirden bekümmet. Luther 1, 24
b.
auch diese bedeutung von bekommen
ist im 18
jh. ausgestorben. man sagte ehmals etwas auf einen bekommen (= ankommen) lassen: das es also sei, so getarr ichs bekummen uf einen frummen biderman. Keisersb.
post. 2, 83. 55)
das seltne bekommen
mit dem gen. der sache und der bedeutung zu einer sache kommen nähert sich der folgenden transitiven. in der deutschen theologie (
ed. Pfeiffer)
s. 106
steht es mit sich
verbunden: da bekême sich got alles des sinen.
sonst aber ohne sich: denn dis gebot foddert eine geistarme seele, die da ires für gott opfert, das er ir gott sei und in ir seins werks und name (
l. namen) bekome. Luther 1, 322; darmit ein jeder tagloner seines taglons bekomme. Frank
weltb. 45
b; weil er (
gott) aber keins rechtens bei uns bekomen mag und er uns folgen muosz, so würdt er in uns und will in uns, das wir sind und wöllen.
parad. 20
a; got wart mit groszer langmütigkeit auf des menschen willen, ob er seines werks in im bekommen möcht. 166
a; o winter, du tuost dich vil berüemen, du wirst deins kriegs noch wol bekomen. Uhland 26,
du wirst kriegs satt haben. 66)
transitives bekommen,
mit acc. der sache, etwas erlangen, erreichen, etwas kriegen, vergleicht sich unserm überkommen,
dem lat. supervenire (
ascendere, superare),
dem goth. anaqiman (
an, auf einen kommen)
und usqiman (
interficere, meist mit dem dat., doch auch dem acc.).
man darf es also deuten bei etwas, zu etwas kommen, einem beikommen,
wie das zweite, dritte und vierte bekommen (
prodesse, convenire, occurrere)
ebenfalls persönlichen dat. neben sich hatten; das verbum drehte sich hier ganz dem acc. zu. entsprang aber bekommen
aus bei einen, bei etwas kommen,
so zeugt es laut für die nothwendigkeit, den acc. neben bei
zuzulassen (
sp. 1348).
Zumal auffallend ist nun der völlige abgang dieses transitiven bekommen
im mhd., und während es uns heute vorherscht, die intransitiven bedeutungen, mit ausnahme der zweiten, erloschen sind, gelten mhd. nur diese und auch keine spur zeigt sich der transition. ahd. aber eine sehr merkwürdige bei Notker: bechumet tih daʒ ieht?
sentisne haec? bechumet tih eigeslîchi des charchares?
movet te facies carceris? (Graff 4, 668) =
ergreift dich das nicht? ergreift dich der schauder des kerkers? es bleibt der forschung noch aufbehalten, dies transitive bekommen
ahd. und mhd. näher zu ermitteln und die scheinbare kluft zwischen mhd. und nhd. sprachgebrauch auszufüllen. 6@aa) bekommen
das was wächst (
analog dem bekommen
unter 1): die frau bekommt alle jahre ein kind; der mann hat einen sohn bekommen; welcher Johannem den elften im ehepruch bekommen.
bienenk. 210
a; die kuh bekam ein kälbchen; der baum bekommt viel äpfel, der strauch eine schöne rose; das kind bekommt einen zahn; der jüngling einen bart; der vogel bekommt federn, das kalb hörner, der schmetterling seine flügel.
so nun auch, ich bekam groszen hunger, ich bekomme lust, unlust, widerwillen; es begab sich, das noch ein ander alt weib zu Venedig lust bekam zu disem krieg.
bienenk. 27
a; angst, furcht bekommen; frischen mut, neue kraft bekommen; er bekam seinen verstand erst spät; wol dem menschen, der verstand bekompt.
spr. Sal. 3, 13 (
der zu verstande kommt); das mädchen bekommt eine schöne stimme. 6@bb) eine krankheit, ein übel bekommen: sie bekam zahnweh, kopfweh, den husten, schnupfen, das fieber, die gicht; mit dem anfange des achten jahres bekam ich einen blutsturz. Göthe 19, 265; er bekam schlimme augen; bekam schon früh graues haar; dasz sie von der bank fallen und eine rote nas bekommen.
bienenk. 88
b; von dem hieb bekommt er krumme finger; seine gesundheit wieder bekommen. 6@cc) schläge, prügel, ohrfeige, die ruthe, sein theil bekommen; einen verweis, eine rüge, nase, harte strafe; er bekommt schon einmal seinen lohn dafür; man sagt, er bekomme geld dafür; zank, streit, krieg mit einem bekommen; erlasz, nachlasz bekommen; vollkommenen ablasz bekommen.
bienenk. 43
b; und kanst nit mee söliche freuntschaft mit im bekomen. Keisersb.
sünden des munds 37
b; sind frölich das sie das grab bekomen (
ins grab k.)
Hiob 3, 22; grosze mühe bekommen; ruhe bekommen (
gewinnen).
auch blosz es: er hats gehörig bekommen, bekommts schon noch. 6@dd) speise, wein, trank,
es heiszt aber lieber zu essen, zu trinken bekommen,
wie da kann man etwas zu sehen, zu hören bekommen. raum, luft bekommen, endlich habe ich einmal luft bekommen; der affect, der im tiefsten grunde des herzens ruhte, war auf einmal losgebrochen, wie eine flamme, welche luft bekömmt. Göthe 19, 282; was einmal luft bekompt, das gibt auf keinen rat, und kehrt nicht wieder umb. Opitz 1, 54; der schuh, der strumpf hat ein loch bekommen; die mauer bekommt einen risz. die frau bekommt morgen eine neue magd. ich bekomme noch zehn thaler; er kann nichts von ihm bekommen. 6@ee) wir werden heute schönes wetter, regen, schnee, ein gewitter bekommen = es wird geben; bei diesem wirt ist guter wein zu bekommen = gibt es guten wein; bei dir bekomme ich rechten trost; wer from ist, der bekompt trost vom herrn.
spr. Sal. 12, 2. einen brief bekommen, ich bekam keine antwort. er bekommt einen titel, einen namen, groszen namen; das kind bekam zu namen Johann. 6@ff) einen bekommen,
fangen, erwischen, einen gefangen bekommen; zu greifen, zu packen bekommen, in die hände, in die gewalt bekommen; würde einer auf einem scharmützel oder sonst von feinden bekommen. Kirchhof
mil. disc. 180; wenn ein missethäter entlaufen ist, darnach wieder bekommen wird. Reutter 68; ein wolf gehet einsmals auf den raub aus und bekompt ein jung färken.
Lokman 23; wann ich diese kerle auf meinem mist bekäme (
erwischte).
Simpl. 1, 15,
vgl.bekommen 4,
begegnen; zuletzt haben ine (
den schlüssel der auslegung) die lutherische in die händ bekommen.
bienenk. 69
a; liesz mir einen ziegelofen machen und bekam (
überkam) einen kerl, der mir brennete. Schuppius 119; ich wil ein paar gute freunde bekommen, die sollen ihn zwischen die sporn nehmen. 796; hört jungfrau, was gebt ihr mir zu lohn, dasz ich euch bekam disen mann? Ayrer 160
b. 6@gg) bekommen
mit adjectiven als praedicat: einen lieb, satt, los, frei bekommen: er bekam (
gewann) das mädchen lieb; der vater beginnet ihn je länger je lieber zu bekommen.
pers. rosenth. 1, 4; ich hatte das reisen satt bekommen; er kann nicht satt bekommen; einem brav aufs leder saufen, damit er satt bekäme.
irrg. der liebe 350,
was wieder an bekommen =
werden mahnt; ich kann den nagel nicht los bekommen, das holz nicht klein.
mit partic. ausgezahlt, ersetzt, vergütet bekommen. 6@hh) bekommen
mit partikeln: etwas weg bekommen (
eines inne werden), heraus, wieder, zurück bekommen; ich kann die stiefel nicht an
oder ab, den hut nicht auf bekommen; um den grad der salzigkeit des meerwassers heraus zu bekommen. Kant 9, 13.
In allen fällen von a—
h darf dies bekommen
auch durch kriegen
vertreten werden, was nur gemeiner klingt. in den fällen c, d durch das vornehmere erhalten, empfangen,
in den fällen a, c, d und g einigemal durch gewinnen,
wenn etwas gutes gemeint wird.