wild,
n. II.
herkunft, form, ableitungen. I@AA.
herkunft dunkel nach Kluge
etym. wb.7 493
b;
kaum mit wald
zusammenhängend, eher mit wild,
adj., neben dem es eine collectivbildung sein könnte: urgerm. wilþiz
n., ahd. wild,
mhd. wilt,
mnd. wilt,
seltener welt (Diefenbach
gloss. 230
b, 15.
jh.)
; ags. wild, wildor
und jünger wildeór;
engl. wild (
alterthümlich)
; nl. wild;
dän. schwed. vildt (
lehnwort)
; oberdeutsch, namentlich in der volkssprache, meist gewild,
s. oben gewild II
th. 4, I 3, 5805
ff. I@BB.
plural ahd. wildir: was her thô mit wildirun Tatian 15, 6;
mhd. und nhd. wild
und wilde:
pedicula fuszangel da mit man
die wild vacht Diefenbach
gloss. 420
b; wir trieben die wild auf, jagten sie uns entgegen Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 36
b; in tiefer wildnis dieser thäler schreckte des jägers horn die scheuen wilde kaum Göthe 16, 324
Weim.; mit der zunehmenden collectivverwendung der singularform wird die pluralform entbehrlich. I@CC.
ableitungen mit suffixen sind wildenzen, wildzen;
von der alten pluralform gehen vielleicht aus wildericht, wildern
und wilderer. IIII.
bedeutungsentwicklung, synonyme. II@AA.
wie auch der alte plural zeigt, bezeichnet das wort im ahd. gewöhnlich ein einzelwesen: uuild
n. fera cod. s. Gall. 242 Graff 1, 804;
im mhd. dagegen tritt die verwendung als collectiv mehr hervor, und diese ist auch im nhd. vorherrschend, ohne aber den individualisierenden gebrauch ganz zu verdrängen, der auch heute, namentlich in der dichterischen sprache, noch möglich ist. doch verlangt der neuere sprachgebrauch gewöhnlich, wenn von einzelnen thieren die rede ist, den zusatz von stück
wie bei vieh,
worauf schon Adelung
aufmerksam macht. II@BB.
in der alten sprache ist der begriff wild
weiter als in der neueren und umfaszt alle wilden thiere, also auch die raubthiere: was vom wilde zerrissen ist
3. Mos. 17, 15;
gleichzeitig ist die verwendung noch ziemlich beschränkt, da zur bezeichnung der wildlebenden thiere im gegensatz zu den zahmen, dem vieh,
das wort thier
allein genügte; vgl. Diefenbach
gloss. 230
b dier (14.
jh.), tier (
fera),
sowie engl. deer.
von Luther
an, der in seiner bibelübersetzung durchgängig wild
setzt, wo seine vorgänger noch wilde thiere
haben (und die samenung der wilden tier zu dem herrn
erste deutsche bibel 119, 24
Kurrelmeyer),
wird der gebrauch häufiger und gleichzeitig der begriff enger, besonders wohl unter dem einflusz der weidmannssprache. wild
bedeutet im nhd. gewöhnlich mit ausschlusz der raubthiere
nur noch die jagdbaren thiere, die wegen ihres fleisches erlegt werden, meist ohne einrechnung des wilden geflügels, oft sogar mit noch weitergehender specialisierung das rothwild
allein als die edelste und verbreitetste wildart, und von diesem besonders die hindin
oder hirschkuh.
die naheliegende übertragung vom lebenden wild auf das fleisch des erlegten, das wildbret,
findet sich schon im mhd., wird aber allgemeiner erst, nachdem die ursprünglich üblichere bezeichnung wildbræte
ihre grundbedeutung eingebüszt hatte und wildbret
auch für lebendes wild in gebrauch gekommen war. II@CC.
völlig gleichbedeutend mit wild
ist trotz der von Campe 2, 363
a versuchten unterscheidung beider wörter die zuerst von Stieler (1691)
gemeinsam mit wild
gebuchte concurrenzform gewild(e).
fernere synonyme ausdrücke sind wildfang, wildstück, wildthier (
namentlich zur bezeichnung des einzelnen thieres); wildbahn, wildbret, das wilde, wildnis, wildstand, wildwerk, will veih
meckl. vorpomm. Mi (
für den collectiven gebrauch).
von diesen macht im 16.
und 17.
jh. besonders wildbret
scharfe concurrenz und dringt trotz seiner ganz verschiedenen grundbedeutung allmählich in den ganzen bereich von wild
ein, bis dann der neuere sprachgebrauch die beiden wörter wieder scheidet, zum vortheil von wild,
das seinen besitzstand bewahrt, während wildbret
fast nur noch von dem fleisch des wildes gebraucht wird. IIIIII.
bedeutung und gebrauch. III@AA.
frei lebendes, jagdbares thier, einzeln und collectiv; nach Dombrowski
encykl. der ges. forst- und jagdwiss. 8, 400
alle thiere, die man zur jagd rechnet: III@A@11)
ein einzelnes thier: darinne (
in dem schilde) stuont ein rôteʒ wilt, alsam ein hirz gestellet Konr. v. Würzburg
trojan. krieg 31340; dise leut jagen noch ein ander sehr grimmiges einhörniges wild J. Heyden
Plinius 133; darnach die zeit nit lang vergieng, das man do bald ein wild fieng, recht als der fürste het begert
pfarrer von Kalenberg 85
neudr.; denn als sie eins mals auf das gejaid, wild zu fahen ritten und sie auf ein hohen berg oder felsen hetten sich gelassen, einem wild nach zueilen, .. sahe Theseus den fels hinab nach dem wild, wo es hin war gefallen
nachtbüchlein 71; hastus wilt? ei ja du, ei ja ich, das wilt hab ich geschossen und habs gar redlich troffen Forster
fr. teutsche liedlein 87; Antilochus schnell und geschwind auf ihm darliefe als ein wind, der einem wild nacheilen thut Spreng
Ilias 212
b; (
Äneas) bracht siben grosze häupt darvon, damit er jedem schiff konnt geben ein wild, darüber wol zu leben
Äneis 6
a, keule ... das viertheil von einem wilde hinterwarts Gueintz
deutsche rechtschreibung 89; ... hier schläget mich das schrecken, dort ängstet mich ein wild P. Fleming
deutsche gedichte 1, 102; es verlaufe sich ein wild so tief ins finstere holz, als es immer wolle Abr. a St. Clara
etwas für alle 2, 10; wir brauchen unsre waffen, nur uns zur kost ein wild, im streite recht, zu schaffen Gottsched
deutsche schaubühne 5, 220; man asz noch, was das land in seiner schosz gebar, .. ein selbst erlegtes wild B. Neukirch
gedichte 107; auf sprang ein weiszer hirsch von ferne, mit sechzehnzackigem gehörne .. das wild duckt sich in's ährenfeld und hofft da sichern aufenthalt Bürger 70
a (
der wilde jäger), mein vater muszt ein wild mit seinem kind erkaufen Joh. E. Schlegel 1, 433; sodasz man dein, als eines wilds vergiszt, das zu der jagd noch spiel'ndem anfang fiel Fouqué
held des nordens 2, 95.
gerne mit zusetzung von stück,
vgl. auch wildstück: denselbigen (
den Polen) und iederm herrn besondern schenkt landgraf Wilhelm ein wagen mit habern, zwei stück wild und ein wildschwein Kirchhof
wendunmuth 2, 276; und lieszen doch die seiten klingen durch einen schönen lustwalt grün, (manch grosz stück wild lief da so kün) Casp. Scheit
frölich heimfart MI
a; ach, dasz fürsten und herrn keine gröszere sünde begiengen, als in erjagung eines .. ermüdeten stück wildes! Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 3, 109; auch in einem walde hätte keiner von ihnen (
den philosophen) das herz, einem auf ihn los rennenden stück wild stand zu halten Wieland
Lucian 1, 277; III@A@22)
collectiv: der wald gienc wildes voll
Iwein 126; item 2
m. den knechten, dy do wilt brochten von Slochow in den tirgarthen zum Sthume
Marienb. treszlerbuch 983, 17; derselbig ort heiszet die hahr, da man viel wildes wird gewar Thym
Thedel v. Wallmoden 328
neudr., (
der hund) .. mocht nicht mehr so hurtig laufen, derhalb ihm oft das wild entgieng Hans Sachs 9, 230, 16
Keller; o lasset euch erbarmen, grosz schat das wild uns armen J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero 138; so wöllen wir .. einen thiergarten nahe an der meierei anrichten, darin man allerlei thier, als hasen, gambsen .. und dergleichen wild mehr, eingeschlossen könne halten Sebiz
feldbau 556; nun war gleich frau Monymen wildschüz auszgangen, etlichem wilde nachzustellen A. H. Bucholtz
Herkuliskus u. Herkuladisla 173; rückte er mit seinem antrage hervor, welcher dahin ging, dasz der jäger täglich ein paar stunden gegen das wild im felde liegen solle Immermann 1, 150. III@A@33)
im weiteren sinne alle wildlebenden thiere einschlieszlich der raubthiere, der raubvögel und des wilden geflügels im gegensatz zu den zahmen thieren, daher gerne in der verbindung zahm und wild: wilt unde zam
minnesinger (1758) 1, 31
b; dir dienet zam unde wilt
Parzival 252, 8; daʒ wilt und daʒ gewürme Walther 8, 36; dem wilde und den bienen .. zur narung C. Hennenberger
preusz. landtaffel 8; wild heiszet das jagtbare vieh, welches in den wäldern sich aufhält
compend. u. nutzb. haushalt.-lex. 1036.
als unterabtheilungen erscheinen rothes
oder falbes
und schwarzes wild (
gewöhnlicher rothwild
und schwarzwild), hohes
und niederes
oder groszes
und kleines; edles
oder eszbares Adelung; gehörntes und gefiedertes Göthe;
die heutige weidmannssprache unterscheidet nach dem kleid haar-
und federwild,
nach dem nutzen nutz-
und raubwild,
nach der werthschätzung hohe
und niedere jagd.
vgl. Lorey
handb. der forstwiss. I 2, 448
f. und die zusammensetzungen unter E: nâch dem rôten wilde jagen
Tristan 17254; insgemein wird es (
das wild) eingetheilt in das hohe, als da ist das rothe wildpret, hirschgewild oder schwarz wildpret, als säu, bären, und das kleine, als rehe, hasen, füchse, die beisz mit dem habich, dem sperber Becher
jägercabinet (1582) 19; (
er) traf ein öde insel an, darin vil hohes wild ward gahn Hans Sachs 21, 133, 6
Keller-Götze; vom hohen wild die rasche schaar, die durch diesz dichte buschwerk eilen, wenn ich den schnellen hirsch, wenn ich das leichte reh durch büsch und sträucher springen seh' Brockes 1, 203; sy wissen von dem edlen gewild nicht, wo es laufe und laufen vast dem wild nach Tauler
sermones LV
b; die erfreuliche glückliche jagd, sowohl hohen als niedern, gehörnten und gefiederten wildes Göthe IV 33, 291, 14
Weim.; edles wild, vögel und fische Mörike 3, 97 (
maler Nolten). III@A@44)
im engeren sinn mit ausschlusz III@A@4@aa)
der vögel, die für sich besonders angeführt werden: des heldes si da pflâgen vor vogeln und vor wilde
Wigalois 9962; dich rührt die schönheit deiner braut, ihr süszer scherz, ihr holdes lachen, weit mehr, als alles, was man schaut, wenn wild und vögel hochzeit machen Gottsched
gedichte 258; dem herrn gehört das wild und das gefieder Schiller
Tell 3, 3; ich herrsch' über's wild und vögelheer Göthe 16, 86
Weim. (
Satyros). III@A@4@bb)
der raubthiere, für welche die besondere bezeichnung wilde thiere
aufgekommen ist: und was über bleibt, lasz das wild auf dem felde essen
2 Mos. 23, 11; ihr (
Dianas) wagen war von allem möglichen wilde bedeckt und dessen köpfe umkränzten ihn mit vergoldetem horn und bunten federn G. Keller 2, 188;
in dieser engeren verwendung gerne dem vieh
gegenübergestellt: wie manches vieh und wild in grünen tälern geht, G. Treuer
deutscher Dädalus 1, 123; das weidevieh und wild verbisz noch die wenigen loden Wimmer
geschichte d. deutschen bodens 195. III@A@4@cc)
in der jägersprache mit noch weitergehender specialisierung '
weiblicher hirsch',
ebenso wie wildbret, wildthier
und wildstück;
also mit ähnlicher verwendung des neutrums wie bei weib, huhn, lamm: der Laurenholde poet Petrarcha, wan er seine liebste Laura der ehren gemäsz beschreiben will, kan nicht bessere wort finden oder erdenken, als dasz er dieselbe einem weiszen wild vergleichet Moscherosch
gesichte 2, 320; der hindin oder dem weiblein, so von den jägern das wild oder die hirschkuh genennet wird, wachsen kleine hörner Becher
jägercabinet 24; die hirsche suchen ihr thier oder wild Döbel
jägerpractica2 1, 4
a; beschlagen sagt man, wan der hirsch auf ein stück wilt springet Joh. Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 1, 10;
d'une biche, von einem thier oder wild Duez
nomencl. 26; der männliche hirsch heiszt rothhirsch, der weibliche thier, roththier und stück wild Brehm
thierleben2 3, 138. III@A@4@dd)
gerne in stehenden, oft formelhaften verbindungen mit beziehung III@A@4@d@aα)
auf den aufenthalt des wildes in wald und feld; daher sehr häufig wild und wald: sie wolten sich derhalb wie das wild in wälden der freiheit brauchen Seb. Franck
sprichwörter 1, 125
a; so ist sie (
die laute) auch nit ungestümm, und bringt nicht forcht, sorg oder grimm, erschreckt die leüt nicht in dem feld, beid hirt und herd, beid wild und wäld Fischart
ein artliches lob der lauten v. 54
Hauffen; der bauer lobt die felder, der jäger wild und wälder [K. Stieler]
geharnschte Venus 16
neudr.; da sich verhalt das wild im wald Spee
trutz-nachtigall 36; das wild geht in den wäldern Simon Dach 717
Österley; was raschelt, rief ich erschrocken aus. es ist das wild im walde häufig Göthe 4, 328
Weim.; mit diesem gedanken hab ich ganz Frankreich durchreist, nichts so gesucht als wälder und wild Pückler
briefw. u. tageb. 6, 34; weil das wild lebt in den heiden
Venusgärtlein 4
neudr.; geh, frage bei dem wild auf jener grünen heide, wozu sie gott erschuf; sie sagen dir: zur freude J.
F. v. Cronegk 2, 88; frei dann ich bin wie wild auf heiden wieder Kleist 1, 289 (
Penthes.); alles wild des feldes Humboldt
kosmos 2, 46; das wild in den gesträuchen ... kriegt jedes seines gleichen, so bald es ihm gefellt
Königsb. dichterkreis 18
neudr.; (
hier soll) kein wild in seinem busch geschreckt, verwundet, hingeschmettert werden Göthe 10, 276
Weim. (
natürl. tochter); III@A@4@d@bβ)
auf die wilde lebensweise; daher namentlich im 17.
jh. gerne das wilde wild: und dasz das wilde wild Amfion nachgezogen, ist mancher klügling noch zu glauben ungewisz P. Fleming
poemata (1651) 57; Diana sucht mit fleisz des wilden wildes spur, und bringt nicht ohne schweisz den groszgeweihten hirsch in die gestellten netze G. Treuer
deutscher Dädalus 1, 348; III@A@4@d@gγ)
auf das vorkommen des rothwildes in rudeln: ein rot wildes sie laufen sach in ein höl und bald darausz wieder H. Sachs 2, 228, 23
Keller; sie gegen ir komen sache ein rot wildes Arigo
decamerone 92, 26. III@A@4@d@dδ)
auf besondere eigenschaften des wildes, z. b. die scheuheit: in den wäldern will ich irren ... mit verscheuchtem wilde ziehn J. C. Günther 276; es kam dahin ein arm, verschüchtert wild, das von des jägers pfeil beschädigt war, um auszuschmachten
Shakespeare wie es euch gefällt 2, 1; das scheue wild weidet noch vertraulich neben dem menschen Göthe 48, 160, 2
Weim.; auf die ruhelosigkeit und schnelligkeit des wildes: ist was aufgestoszen, musz man augenblicks anschlagen, das korn und flüchtige wild zusammen fassen Fleming
vollk. teutsche soldat 29; einst erlegte Diana damit das streifende wild auf den bergen Herder 24, 197; einsam und öde starrt alles umher, nur flüchtiges wild deutet auf kümmerlichen zustand Göthe 41, I, 332
Weim.; als läufer überholte er das schnellste wild Mommsen
röm. geschichte 2, 266;
auf die ungebundenheit und freiheit: der landmann leichtem sand den samen anvertraut und seinen kohl dem freien wilde baut Göthe 2, 141
Weim.; auf die unvernunft und abwesenheit jeder verfeinerung, wie sie sich namentlich in den naturlauten äuszert: ein unvernünftig wild, das sonsten mehr nicht sucht, als wie es sich nur völlt Logau 1, 222, 15; in dickichtsschauer drängt sich das rauhe wild Göthe 2, 61
Weim.; dann mische mir zur lust das ... geheule des wildes ... sich in mein seufzen ein J. A. Cramer
gedichte 3, 354; aus seiner höhle brüllt das wild ihm seinen dank R.
Z. Becker
mildh. liederb. 29. III@A@4@d@eε)
auf den schaden des wildes: darzu das wild den armen leutn lassn schaden thun in sommerszeiten Ringwalt
die lauter warheit 222; man hat die reiche ernte von dem wild zertreten lassen Gleim
briefwechsel 2, 471; denn unterm rosz des jägers erstirbt die saat; und, was der huf des rasenden heers verschont, zerwühlt das wild J.
M. Miller
gedichte 333; die erwähnung des wildes, das ihm seine saaten zertrampelte Polenz
büttnerbauer 1, 62;
auf die abwehr des schadens: hier klatschte nicht des armen landmanns peitsche, die nachts das wild vom acker scheucht! Schubart
gedichte 2, 69; dasz sich keiner unterstehen dürfe, das wild, das seinen acker abfresse, zu verjagen
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 5, 183. III@A@4@d@zζ)
auf das jagen des wildes; siehe auch die unter gewild II
sp. 5812, 3
ff. und unter wildbret
angeführten belege: ich bin nachgehengt uberal dem wild beide durch berg und thal Hans Sachs 1, 92, 10
Keller; du magst mit jägern deines gleichen nach wilde durch die wälder streichen A. G. Kästner 1, 245; nun ruft die jagd in's freie; man verfolgt das wild mit eifer Göthe 41 II, 104, 14
Weim.; er jug das wild wol aus dem holz Arnim 13, 199;
mit hervorhebung des lauerns und aufspürens: die verordneten ... lausterten auf das wild Joh. Nas
das antipap. eins und hundert 2, R VII b; das schlecken macht die leut zu gecken, henken gleich nach dem, das sie schmecken. und werden wie der hund verführt, der viel zu viel dem wild nachspürt Fischart
Eulenspiegel v. 11254
Hauffen; da man dem ... aufgetribenen wild aufpasset Grimmelshausen 2, 31, 22
Keller (
springinsfeld); so hat dort der Trojanerheld, Carthago, durch dein flaches feld, auf einem schnellen gaul des wildes spur entdecket; so ward auch Agamemnons pfeil manch aufgespürtes wild zu theil, bevor er Troja noch in lichten brand gestecket Gottsched
gedichte 40; gefunden nun mein wild, hab's ausgestöbert maler Müller 2, 28; wie der jagdhund, .. den der instinkt fortreiszt, wenn er das wild wittert Klinger
werke 3, 140; es war kein noch so schlechter jäger, verstört' er dieses wildes läger Rückert 1, 110; ein längst umschlichenes wild Holtei
erzähl. schriften 1, 188; wild beschleichen J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 2 I 333;
mit hervorhebung des hetzens und treibens: das wild behunden
feram canibus premendam exponere Stieler (1691); scheuchte mit grausendem getöse das scheue wild vor sich her Musäus
volksmärchen 1, 6
Hempel; du hast mit hunden wild gehetzt Zach. Werner
die söhne des thales 1, 121; dem .. jäger das wild .. in den schusz treiben Arndt
werke 1, 218; da ward das wild von einer menge scharwerker und jäger in die Donau forcirt C.
F. Nicolai
reise d. Deutschland u. d. Schweiz 2, 493; zum zutreiben des wildes Peschel
völkerkunde 354;
mit hervorhebung des stellens von netzen und fallen: heut, da man seine füchs thut kennen, und will den fuchs ausz der hell brennen, da wüt er und wehrt sich zu letz wie ein wild, das schon steckt im netz Fischart
thierbilder v. 429
Hauffen; ein jäger hat abends spät das netz gestellt und bläst alleweil bei der nacht ... mit seinem horne das wild aus dem korn ins lange holz Herder 5, 186; ... habe nun mein wild auf der spur, Mathilde, dich mit netz und garn umzogen maler Müller 3, 107;
mit hervorhebung des erlegens und tödtens: da man die herrn denn nit wird fragn, wie viel sie haben wild geschlagn Ringwalt
die lauter warheit 220; denselbigen (
Scamandrius) Diana mächtig gelernet hett in ihrem wald, das wild ernider schieszen bald Joh. Spreng
Ilias 52
b; Diana selbst hatt' ihn die kunst gelehrt, zu fällen jeglich wild des haingebirgs Bürger 159; ... gesungen soll der feind ein siegslied haben von erlegtem wild Müllner
dram. werke (
die Albaneserin 1, 4). III@BB.
fleisch des wildes, wie wildbret
und wildfleisch;
vgl. mnd. wilt
vel wiltbrat Schiller-Lübben 5, 722. III@B@11)
im weiteren sinne das fleisch aller eszbaren wilden thiere, einschlieszlich der vögel, im gegensatz zu dem der zahmen oder zu anderen nahrungsmitteln: zam, wilt, vische, clâren weize, unde wîn ime und deme gesinde sîn gap man mit vollen mâʒen Bartsch
md. gedichte 4, 18; essen Sie kein wild? Hippel
lebensläufe 1, 435; ihre nahrung besteht aus früchten, wild oder milch Scherer
litt.-gesch. 7 4. III@B@22)
im engeren sinne und gewöhnlicher das fleisch nur des vierfüszigen wildes, besonders des roth- und schwarzwildes, im gegensatz zu dem der vögel oder zu andern speisen: was ihm geflügel, wild, pasteten, welsches hun, das alles kan mir auch ein guter stockfisch thun J. Rachel
satyr. gedichte 61
neudr.; speisen sind genug bereit, vögel, wild und fische Göthe 1, 137
Weim. III@CC.
bildlich für menschen, deren eigenschaften oder zustand dem des wildes ähnlich sind (
selten für einen abstracten begriff: auch sind öffentliche geschäfte nichts weniger als wild für meine lieblingsjagd Bode
Mich. Montaignes ged. u. mein. 5, 18; das unaufhörliche zusammendrängen seiner ideen, die er ... wie in einer klopfjagd, groszes und kleines wild, schmackhaftes und ungenieszbares, auf einen haufen treibt Gerstenberg
litteraturbriefe XII [
lit. denkm. 29, 83]). III@C@11)
für einzelne menschen: ihr teufel von allen enden dran, hetzt, jagt, treibt getrost, ihr habt das rechte wilt fur euch: wenn der Luther ligt, so seit ihr genesen Luther 23, 36, 12
Weim.; der prack ... kam auf das rechte spor und suchet nach wild (
nach Tristan und Isolde)
buch der liebe 92
b; ich habe gestelt auf grüner heide: mein hündelein sind mir entgangen. das wild, das ich gejaget hab, ein andrer hat es gefangen
bergreihen 66, 7
neudr.; (
Richard:) nein, Warwick, lies ein andres wild dir aus, ich selbst musz diesen wolf (
Clifford) zu tode jagen
Shakespeare Heinr. VI 3.
th. 2, 4; hier musz ich auf der lauer liegen. dorther kommt mir mein wild Ludwig 3, 273; auf Tilly's stirn die ader steigt, denkt seines wildes er vielleicht ...? Droste-Hülshoff 2, 152; III@C@22)
collectiv: es ist itzt nicht mehr ein welt wie vorzeiten, da ihr die leut wie das wild jagetet und triebet Luther 11, 270
Weim.; rastlos jagen schwed'sche jäger wild auf finnischen revieren Grabbe 1, 32; kein land, wo dieses jagdbare wild (
die sklaven) sich vorfand, blieb ... verschont Mommsen
röm. geschichte 2, 76; ein anderer meister in allen kniffen des kunsthandels, der besonders deutsche pinsel als sein wild betrachtete Justi
Winckelmann 2 i, 317. III@C@33)
mit ausmalung des bildlichen vorgangs, oder doch mit angabe des tertium comparationis, das zu dem vergleich anlasz gibt: III@C@3@aa)
die menschen haben mit dem wild gemeinsam das gejagt- oder gehetzt werden: der bruder war von seiner blutigen faust nicht so geschwinde erwürget, als das gewissen bei Cain aufwachte, so dasz er als ein verscheucht wild in der irre herum lief Fleming
d. vollk. teutsche soldat, vorbericht 2; (ich) lief nach deinen fährten, edles wild, und habe dich ergriffen Uhland
Ernst v. Schw. 746 (
act 2); ich weisz nur, dasz ich ... wie ein gejagtes wild durch die straszen dem hause der signora Campoco zulief Hauff 7, 204; plötzlich lief sie davon wie ein gehetztes wild Scheffel
Ekkehard 244. III@C@3@bb)
die menschen haben mit dem wilde gemeinsam gewisse eigenschaften, und zwar: III@C@3@b@aα)
vorzüge, wie muth bei der vertheidigung, schnelligkeit, munterkeit, ungebundenheit oder ähnliche eigenschaften, bei denen hauptsächlich an das rothwild gedacht wird: snelleclîchen als ein wilt Konr. von Würzburg
Engelhard 4907
Haupt; sein (
Napoleons) stolz verschmähte die offene rückzugsstrasze nach dem Rheine, ... das edle wild war gestellt; das gewaltige kesseltreiben dieses herbstes näherte sich dem ende Treitschke
deutsche gesch.3 1, 499; du leichtes wild! ihr schüchterne gesellen! Heräus
gedichte und inschriften 197; was willst du, lockres wild, hier im gehäge? Droste-Hülshoff 2, 217 (
Walther); III@C@3@b@bβ)
mängel, wie unvernunft, roheit, plumpheit, bei denen mehr das bild des schwarzwildes vorschwebt: pack dich hinweg, du loses wild, mit deinen tölpischen händen
engl. comedien u. tragedien (1624) A aa I
a; der kern des menschen ist verheert und in ein tummes wild verkehrt
Königsb. dichterkreis 59; die welt ward durch den krieg ein unvernünftig wild Logau
sinngedichte 210, 15
Eitner; als unser Teutschland noch waldigt, rauh und sumpficht war, war der Teutsche ein jäger, roh wie das wild, dessen fell er um seine schultern schlug Schiller 1, 166 (
versuch über den zusammenhang); indesz für das plumpe wild (
das volk), das man fangen wollte, war die .. schlinge eben recht Mommsen
römische geschichte 32, 123. III@C@44)
in sprichwörtern und stehenden redensarten (
vgl. auch Wander
sprichwörter-lex. 5, 233
ff.);
z. b. als hieb gegen müsziggänger: du hast auch vom wild gessen Seb. Franck
sprichwörter 1, 6
a (
mit der erklärung: etwa hat man glaubt, dasz gwild fleisch gessen faulkeit mit sich bring);
von dem ködern eines thoren durch einen augenblicklichen vortheil: wenn es (
das glück) einschmeichelt, so wil es ihm (
dem menschen) den hals abstechen, und das specklin auf die fallen legen, dasz das wild einfalle Schottel
sprichwörter 1126 (
zur erklärung von: glükk ohne mangel, ist nimmer ohne angel);
von der verschiedenheit der neigungen und des geschmackes: meinet ihr, dasz alles wild nach einer witterung geht? Göthe 17, 14
Weim. (
triumph der empfindsamkeit). III@DD.
im rothwelsch, ohne dasz man einen inneren zusammenhang aufdecken könnte, in der bedeutung '
bude',
Hempels wahlerey (1687)
bei Kluge
rothwelsch 1, 167;
namentlich in den verbindungen ein bley-sacks-wild
eine '
zienbude' (
zinnhütte, pochwerk); ein grün-wild
eine '
silberbude', ein flader-wild
eine '
band- oder zwirn-bude'
ebd. 169;
vgl. dazu unten wildner
silberkrämer. III@EE.
in zusammensetzungen zur bezeichnung der wildarten: auerwild,
beutewild, birkwild, damwild, edelwild, erdwild,
falbwild, fallwild, federwild, flugraubwild, forstwild,
gemswild, grenzwild, grobwild, haarwild, kahlwild, löffelwild,
menschenwild, mittelwild, murmelwild, mutterwild, naschwild,
nutzwild, rackelwild, raubwild, rehwild, renwild, rothwild,
schallwild, schwarzwild, seewild, standwild, steinwild, stoszwild, streifwild, tannenwild, urwild, vogelwild, wasserwild, wechselwild.
die gesperrt gedruckten wörter sind in den früheren bänden nicht behandelt.