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Wild

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Adelung
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38 in 22 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Wild

Bd. 4, Sp. 1542
Wild, -er, -este, adj. & adv. ein Wort, welches überhaupt der durch Cultur und Kunst veredelten und erhöheten Beschaffenheit entgegen gesetzet ist. 1. Der physischen Cultur entgegen gesetzt und ihrer beraubt, wo es in den meisten Fällen dem zahm entgegen gesetzt ist, und von Gegenständen aus allen drey Reichen der Natur gebraucht wird. Wilde[] Gewächse, Kräuter, Pflanzen und Bäume, welche im Freyen ohne vorzügliche Wartung wachsen, im Gegensatze der Garten- und Feldgewächse. Eine Pflanze wächset wild, wenn sie im Freyen ungebauet wächset. In einer engern Einschränkung sind wilde Baumstämme, Stämme von Gartenbäumen, welche noch nicht gepfropfet sind. S. Wildling. So auch von Thieren, im Gegensatze der zahmen und häuslichen Thiere. Wilde Thiere. Wildes Geflügel. Wilde Schweine, Pferde, Ochsen, Änten, Gänse, Tauben u. s. f. Selbst von Fischen gebraucht man dieses Wort, im Gegensatze der im Teichen gehegten Fische. Wilde Fische, Fische in Strömen, Bächen, Seen und Meeren. Die wilde Fischerey, die Fischerey auf solchen Wassern. Ingleichen von Gegenständen des leblosen Körperreiches. Ein wilder Ort, ein wilder Boden, ein ungebaueter. Ein wilder Wald, welcher der menschlichen Aufsicht, des menschlichen Besitzes beraubt ist. Wildes Wasser, welches nicht durch Kunst an einen Ort geleitet und geheget wird. Ein wildes Bad, gewöhnlicher, Wildbad, ein mineralisches, von der Natur selbst bereitetes Bad. Wilde Erde, die Erde unter der Dammerde, welche noch nicht gebauet worden, folglich auch noch keine Gewächse getragen hat. Ein wildes Gestein, ist im Bergbaue in engerer Bedeutung, ein Gestein, welches wegen seiner Härte nicht zu gewinnen ist; oft aber auch taubes Gestein, welches keine brauchbaren Mineralien enthält. 2. Der gesellschaftlichen Cultur beraubt und ihr entgegen gesetzt, im Gegensatz des gesittet. In diesem Verstande sind wilde Menschen, und substantive Wilde, Menschen, welche außer der engern gesellschaftlichen Verbindung leben, und daher der Kenntnisse, Fertigkeiten, Sitten des gesellschaftlichern Menschen ermangeln. Da diese engere gesellschaftliche Verbindung sehr vieler Grade fähig ist, so gibt es auch mancherley Arten von Wilden, und da es keine Menschen gibt und geben kann, welche aller gesellschaftlichen Verbindung beraubt seyn sollten, so gebraucht man das Wort nur von solchen Menschen, welche keinen stätigen Aufenthalt haben, und denen die Cultur des Bodens und der Thiere nicht das erste und vornehmste Erhaltungsmittel ist, daher ihre gesellschaftliche Verbindung auch nur schwach seyn kann. Die Menschen bestehen in Ansehung der Cultur aus drey großen Classen, aus Wilden, Barbaren und gesitteten Menschen. Der alte Deutsche war ursprünglich ein Wilder, in den spätern Zeiten ein roher Barbar. Der Wilde lebt, als der sorglose Pflegsohn der Natur, nicht von dem Eigenthume oder dem Werke seiner Hände, und unterscheidet sich dadurch von dem Barbaren. 3. Der moralischen Cultur beraubt und ihr entgegen gesetzt, auch unter gesitteten Menschen. Ein wilder Mensch, ein ungestümer und ungesitteter. Ein wildes und wüstes Leben führen. Wilde Blicke, ungesittete, bey der Winsbeckinn. Ein wildes Vergnügen, ein ungesittetes. Ein Vater war, wie viele Väter, Mit einem wilden Sohn geplagt, Gell. Eine wilde Unordnung. Ein wildes Geschrey. Der wilden Peitsche Knall betäubt die Straße ganz, Zach. 4. In einigen engern und besondern Bedeutungen. Wildes Fleisch in den Wunden, gefühlloses unächtes Fleisch, welches die Heilung hindert, und daher weggeschaft werden muß. Wildes Feuer, S. Hitzblatter. Anm. Das Wort ist sehr alt, und die Wurzel selbst, ohne alle Ableitungssylbe, daher lautet es selbst im Schwed. und Engl. ungeändert wild. Aus eben dieser Ursache ist auch der eigentliche Wurzelbegriff schwer mehr aufzufinden. Alle mit bekannten Etymologen halten es mit Wald für ein und eben dasselbe Wort, indem sich zwischen wild und wald einige Verwandtschaft der Bedeutung[] findet. Es kann seyn, daß beyde von einer höhern dritten Bedeutung abstammen, aber unmittelbar ist wohl keines von dem andern abgeleitet, weil alsdann eines von beyden mit einer Ableitungssylbe versehen seyn müßte. Mir scheint der Begriff des Ungestümes in dem Worte wild der herrschende zu seyn. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt es häufig für fremd vor. Swer fi siht dem ist truren wilde, dem ist das Trauern fremd, Burkhard von Hohenfels.
4380 Zeichen · 58 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    wildst. N. (a)

    Köbler Anfrk. Wörterbuch

    wild , st. N. (a) nhd. „Wild“, wildes Tier ne. beast ÜG.: lat. animal LW Hw.: vgl. ahd. wild Q.: LW (1100) E.: germ. *wi…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    wildst. N. (a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    wild , st. N. (a) nhd. Tier, Wild, wildes Tier ne. wildlife ÜG.: lat. bestia T, fera Gl, (hinnulus) Gl Vw.: s. swarz- Hw…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wildAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    wild , Adj. Vw.: s. wilde (1)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wild

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    Das Wild , des -s, plur. car. das vorige Wort als ein Substantivum gebraucht. 1. Wilde jagdbare Thiere und Geflügel, als…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wild

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    wild [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wild

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Wild , alle jagdbaren Säugethiere u. Vögel; W. bann , das Jagdrecht, die Jagdverordnungen; W. diebstahlan dem in natürli…

  7. modern
    Dialekt
    wild

    Elsässisches Wb. · +14 Parallelbelege

    wild [wìlt u. welt S. O. Bf. Str. W.; weil M. ; wéil Geisp. ; wél K. Z. ] Adj. wild, unbändig, zornig. Mache n wie w. al…

  8. Spezial
    wild

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    wild adj. 1 (von Tieren) salvare (-ri, -ria) 2 (von Pflanzen) mat (mac, mata) 3 (unzivilisiert) salvare (-ri, -ria) 4 (w…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wild

1.312 Bildungen · 1.243 Erstglied · 54 Zweitglied · 15 Ableitungen

wild‑ als Erstglied (30 von 1.243)

Wildacker

SHW

Wild-acker Band 6, Spalte 549-550

Wildbacher

SHW

Wild-bacher Band 6, Spalte 549-550

Wildbann

SHW

Wild-bann Band 6, Spalte 549-550

Wildbau

SHW

Wild-bau Band 6, Spalte 549-550

Wildberg

SHW

Wild-berg Band 6, Spalte 549-550

wildblau

SHW

wild-blau Band 6, Spalte 549-550

Wildbret

SHW

Wild-bret Band 6, Spalte 551-552

wildbreten

SHW

wild-breten Band 6, Spalte 551-552

Wilddieb

SHW

Wild-dieb Band 6, Spalte 551-552

wilddieben

SHW

wild-dieben Band 6, Spalte 551-552

Wildeber

SHW

Wild-eber Band 6, Spalte 551-552

Wildente

SHW

Wild-ente Band 6, Spalte 551-552

Wilderde

SHW

Wild-erde Band 6, Spalte 551-552

Wildfang

SHW

Wild-fang Band 6, Spalte 551-552

Wildfeuer

SHW

Wild-feuer Band 6, Spalte 551-552

Wildfraß

SHW

Wild-fraß Band 6, Spalte 551-552

wildfremd

SHW

wild-fremd Band 6, Spalte 551-552

Wildgans

SHW

Wild-gans Band 6, Spalte 551-552

Wildgarten

SHW

Wild-garten Band 6, Spalte 551-552

Wildgraben

SHW

Wild-graben Band 6, Spalte 551-552

Wildhag

SHW

Wild-hag Band 6, Spalte 551-552

Wildhube

SHW

Wild-hube Band 6, Spalte 551-552

Wildkatze

SHW

Wild-katze Band 6, Spalte 551-552

wild als Zweitglied (30 von 54)

Freiwild

RDWB1

Freiwild n Böll wurde von Springer-Blättern zum Freiwild erklärt. - Шпрингеровская пресса объявила охоту на Бёлля.

Rotwild

RDWB1

Rotwild n (Lakune) олень оленятина

Schwarzwild

RDWB1

Schwarzwild n (Lakune) кабаны

Bërgwild

Idiotikon

Bërgwild Band 15, Spalte 1537 Bërgwild 15,1537

chatzfuchswild

Idiotikon

chatzfuchswild Band 15, Spalte 1521 chatzfuchswild 15,1521

chrǖztǖfelwild

Idiotikon

chrǖztǖfelwild Band 15, Spalte 1521 chrǖztǖfelwild 15,1521

Dāmwild

Idiotikon

Dāmwild Band 15, Spalte 1537 Dāmwild 15,1537

fuchsteufelswild

DWB

fuchs·teufelswild

fuchsteufelswild , adj. so aufgebracht, als wenn man ganz des teufels wäre, im höchsten grade aufgebracht: da wurd dir nun das männchen fuch…

fuchstǖfel(s)wild

Idiotikon

fuchstǖfel(s)wild Band 15, Spalte 1521 fuchstǖfel(s)wild 15,1521

fuchswild

DWB

fuchs·wild

fuchswild , adj. über die maszen aufgebracht, bis zum auszersichsein aufgebracht. von Adelung und Campe noch nicht aufgenommen, aber bei Sch…

furibundwild

Idiotikon

furibundwild Band 15, Spalte 1521 furibundwild 15,1521

Fëdergewild

Idiotikon

Fëdergewild Band 15, Spalte 1539 Fëdergewild 15,1539

Fëderwild

Idiotikon

Fëderwild Band 15, Spalte 1536 Fëderwild 15,1536

fǖrtǖfel(s)wild

Idiotikon

fǖrtǖfel(s)wild Band 15, Spalte 1521 fǖrtǖfel(s)wild 15,1521

gewild

DWB

gewild , gewilde II , verstärkte form zu wild (wildpret). 1 1) abgrenzung, formen. 1@a a) von gewilde I sind die hierher gehörigen verwendun…

gibeliwild

Idiotikon

gibeliwild Band 15, Spalte 1521 gibeliwild 15,1521

granāteⁿwild

Idiotikon

granāteⁿwild Band 15, Spalte 1521 granāteⁿwild 15,1521

haseⁿwild

Idiotikon

haseⁿwild Band 15, Spalte 1521 haseⁿwild 15,1521

Hirze(n)gewild

Idiotikon

Hirze(n)gewild Band 15, Spalte 1540 Hirze(n)gewild 15,1540

hochgewild

DWB

hoch·gewild

hochgewild , n. wild das zur hohen jagd ( sp. 1603) gehört; bei Maaler 227 a hochgwild, bergwild, ferae montanae: das herr Wilhelm Werner ..…

hochwild

DWB

hoch·wild

hochwild , n. wild was zur hohen jagd ( sp. 1603) gehört: lief voraus, gleichsam als vortrab, abenteuerliches hochwild, hirsch und säue, rud…

Ableitungen von wild (15 von 15)

entwilde

BMZ

entwilde swv. entfremde, treibe von mir, entferne. daʒ uns der bôsen bilde mit werken gar entwilde Pass. K. 191,92. — ob du mir sô grôʒe nôt…

entwilden

DWB

entwilden , was das folgende.

erwilde

BMZ

erwilde swv. werde wild. der valke was erwildet Hadam. 177. der sin ist mir erwildet Helbl. 7,260. dîn antlitze ist erwildet der forme unt d…

erwilden

DWB

erwilden , efferari, ferocire, silvescere, ags. âvildan, mhd. erwilden, würde goth. usvilþjan gelautet haben. mhd. sîn wîn ist âne süeʒe, er…

erwildung

DWB

erwildung , f. feritas, asperitas: das alsbald daraus ein greuliche verwirrung, scheuchen, abweichen und erwildung der frewdigen pferde ents…

gewild

DWB

gewild , gewilde II , verstärkte form zu wild (wildpret). 1 1) abgrenzung, formen. 1@a a) von gewilde I sind die hierher gehörigen verwendun…

gewilde

DWB

gewild , gewilde , substantivbildung , die in zwei hauptrichtungen des gebrauches belegt ist. beide gebrauchsformen tauchen spät in der mitt…

gewilden

DWB

gewilden , verb. , nur einmal belegt, in abgeleiteter ( causativer ) bedeutung, die an sich schon aus dem gegensatze zu heimisch machen, ein…

unwild

DWB

unwild , adj. adv. , gs. zu wild. mnl. onwilt: sehet jene wilden stämme an, wie unwilde sie unter sich leben! Herder 13, 321 S. zu Herder s …

unwilden

Lexer

un-wilden swv. diu minne kan wilden und unwilden, entfremden u. vertraut machen j.Tit. 703.

urwild

DWB

-wild (ur- C 4 a) Rosegger II 9, 238.

verwilde

BMZ

verwilde swv. 1. mache wild, fremd, entfremde. die leider ûch verwilden Pass. K. 670,66. daʒ wir daʒ volk verwilden von gotes gebote das. 21…

Verwilden

Campe

Verwilden , v. ntr . mit sein u. rec . wild werden, sowol von Menschen und zahmen Thieren, als auch vom Lande  Die aus der Gesellschaft aus…

verwildung

DWB

verwildung , f. , ziemlich selten: Kramer 2 (1702) 1349 ; wolt ihr eine gäntzliche barbarey und verwildung verursachen? Dannhawer catechismu…

wilde

DWB

wilde , f. , substantivierung von wild adj., wildes weib, wilde stute, weib eines wilden ( ahd. wilda, unbelegt ); 1 1) ein wildes, d. h. bö…