wandernverb. hin und her ziehen, einen weg zurücklegen, sich wohin begeben usw. II.
herkunft, verbreitung, flexion. I@11)
das wort ist nur im deutschen und anglo - friesischen alteinheimisch: ags. wandrian Bosworth-Toller 11, 65,
engl. wander,
afries. wondria Richthofen 1158,
mnd. wanderen Schiller-Lübben 5, 589 (
im ndl. nicht vorhanden, doch kommt es dialektisch vor),
mhd. wandern;
schwed. vandra,
dän. vandre
sind aus dem deutschen entlehnt. es gehört zu den iterativbildungen, die auf schwache verba zurückgehen (Wilmanns
deutsche gramm. 2 § 72 b)
und schlieszt sich wol zunächst an ags. wandian
ahd. wantôn
und weiter an wenden
an. eine parallelbildung dazu ist wandeln ahd. wantolôn,
wie überhaupt ableitungen auf -ern
und -eln
häufig nebeneinander stehen (Wilmanns § 73
anm. 2).
während aber wandeln
von anfang an in verschiedenen bedeutungen erscheint, bezieht sich wandern
nur auf die zurücklegung eines weges (
alle andern bedeutungen sind aus dieser geflossen).
nur spurweise zeigt sich im mhd. wie bei wandeln
die bedeutung '
verändern': dar umbe soltû vesteclîchen glouben âne wanken und âne wandern einvelteclîche daʒ dir dîn kristengeloube seit. Berthold v. Regensburg 1, 53, 15; Stamir zcurnit zcuhant aldo. czu den Tutschin rif er also: virwandert uch! virwandert uch! si hiltin sich bi scharn doch di Tutschin an ein andir. si woltin sich in wafin wandir. di Behem begundin uf si gahin und si alle irslahin. Dalimils
chronik v. Böhmen 164, 29
Hanka; virwandern '
verändern'
hier auch 180, 14;
variare, wandern, verwandern Diefenbach
gl. 607
a, wanderen
nov. gl. 377
a,
vgl. auch wanderbarlich '
veränderlich'
oben sp. 1647.
über mit, bei einem wandern,
wo vielleicht auch eine andre bedeutung hereinspielt, s. unten 12. I@22)
das wort ist erst allmählich allgemein geworden. im nd. ist es wol immer vorhanden gewesen (
and. *wandron)
und nur zufällig aus früherer zeit nicht belegt. im hd. war es wenigstens im gröszten theil des gebietes gewisz nicht einheimisch und hat sich erst von norden her verbreitet. es erscheint gegen ende des 13.
jahrh. in bairischen (
Lohengrin, Münchener Oswald, Ottokar, Teichner, Vintler)
und ostmitteldeutschen (H. v. Freiberg, Joh. v. Olmütz,
livländ. reimchronik, Passional, N. v. Jeroschin, H. v. Hesler, Ackermann, Math. v. Beheim)
quellen und zwar nicht nur in der eigentlichen, sondern (
namentlich wegen der leichten verwendbarkeit im reim)
gern auch in übertragener bedeutung. spärlicher tritt das wort in westmitteldeutschen quellen (Hermann v. Fritzlar,
Alsfelder passionsspiel)
auf. bei Ostfranken (A. v. Eyb),
und Schwaben (Steinhöwel)
läszt es sich im 15.
jahrh. nachweisen, ebenso in Nürnberg. dem alemann. fehlt es dagegen anfangs ganz und bürgert sich dann zunächst nur vom reisen der handwerker ein. Dasypodius
und Maaler
haben das wort noch nicht. im 16.
jahrh. tritt es aber litterarisch auch bei Elsässern (Wickram, Fischart)
und selbst bei Schweizern (Gengenbach)
neben wandeln
auf. sonst wird es damals allgemein gebraucht, einige (
z. b. H. Sachs)
haben wandeln
daneben, doch ohne strenge scheidung. Luther,
der in der bibel wandern
hinter wandeln
zurücktreten läszt, beschränkt jenes auf die zurücklegung gröszerer strecken, andre haben es für '
gehen'
schlechthin;
so Dietenberger, Eck (
für Luthers wandeln).
die wörterbücher des 17.
jahrh. bezeugen, dasz damals eine scheidung eingetreten ist; wandern
wird als '
peregrinari, itinerare, iter facere'
definirt, wandeln
meist auf '
ambulare'
beschränkt. die früher häufige übertragung auf die lebensführung und das benehmen kommt jetzt ab. dagegen kommt die im älteren nhd. nicht seltene specialisirung '
sich auf den weg machen, weggehen'
auch später vor. ebenso erhält sich die aus der grundbedeutung hervorgegangene bedeutung '(
auf beschränktem raum)
hin und hergehen'.
eine erweiterung in seiner anwendung erfährt wandern
insofern, als es häufiger als früher nicht nur von abstracten, sondern auch von dingen gebraucht wird; es kann so auch '
herumgehen'
oder '
wohin gebracht werden'
sein. in der volkssprache ist heutzutage wandern
wenig mehr üblich; hauptsächlich wird es von handwerksburschen und abziehenden dienstboten gebraucht, auch kommt es als '
spuken'
vor. I@33)
zur umschreibung des perfects wird jetzt meist sein,
früher aber überwiegend haben
verwendet. in mhd. quellen läszt sich überhaupt nur haben
nachweisen: in des licht hab wir gewandert J. v. Olmütz
leben des h. Hieronymus 7, 5
Benedict; den (
weg) ich habe in herter plege gewandert mit getihte.
Passional in Hagens
Germania 7, 287; ûf des ungeloubin spor, als si gewandirt hatte vor.
N. v. Jeroschin 12002
Strehlke; das er ein weil gewandert hab. Folz,
fastnachtsp. 1222; wie weit sy gewandert und noch zuo wandern haben A. v. Eyb
spiegel der sitten 116
b.
auch im 16. 17.
jahrh. überwiegt haben: (
ein weg) den ich gar offt hab all mein tag gewandert hin und wider her. Ackermann
dramen 33
Holstein; uff ein tzeit hat er gewandert durch ein sonderliche wustenunge Marcus v. Weyda
brüderschafft des rosenkrantz (1515) 38
a; ob sie zehen jar dem krieg nach gewandert hatten
Aimon D 3; eine gemeyne sage, wie Christus und S.
Peter mit einander gewandert haben Agricola
sprichw. 2, 35
b; bist du dan eingegangen in die tiefe des mörs, und hast gewandert zuo hinderst des abgrunds? Ecks
bibel, Hiob 38, 16; es hat kein volck zu den Teutschen gewandert, noch mit inen handtiert S. Franck
teutscher nat. chron. (1539)
vorr. 2
a; die heilige stette, da ... Christus in seiner menschheit selbst gegangen, gewandert und gelitten hatte Kantzow
chronik v. Pommern (letzte bearb.) 355
Gäbel; in was heiliger und unstreflicher bruoderschaft sie allhie gewandert haben J. Nas
das antipap. eins und hundert 1, 185
a; was hilffts den menschen, wann er schon viel studiert, viel gehört, viel gesehen, viel gewandert, viel gelitten und viel erfahren hat? Albertinus
fürstlicher lustgarten (1619) 1, 190; dasz keiner sich des metzgens understehen solle, er habe dann solches, handwercks gebrauch nach, ordenlich und völlig erlernt, auch darauff gewandert
würtemb. metzgerordnung von 1651 (
gedr. 1654) 12. (
andre beispiele s. unten II 1.)
daneben kommt auch sein,
doch zunächst nur bei Oberdeutschen, vor (
bei Mathesius,
unten II 1 b,
ist gewandert
adjectivisch, Musculus
s. unten): er hat studiert so lange zeit und ist darumb gewandert weit. Fischart
nachtrab 500
Kurz; der aber gewandert ist ein weil. Hock
blumenfeld 22, 5
neudr.; also ist Enoch hye gewandert mit got Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 40; in miten der glüenden stain bist du gewandert Ecks
bibel (1537),
Hesekiel 28, 14; sein kunst, auff deren er gewandert was Wickram 2, 44, 7
Bolte; der sey in treyen tagen zwo meyln weges weit und breit gewandert
Lalebuch 199.
perfectiv ist: der ist auch wieder gewandert '
weggegangen' Reuter
Schlampampe krankh. u. tod 111 (2, 6). Stieler
und Ludwig
verwenden in ihren beispielen nur haben,
während Steinbach 2, 926
angibt: ich bin gewandert. Adelung
verlangt sein '
wenn der ort bestimmt wird',
sonst haben. haben
läszt sich aus dem 18.
jahrh. noch öfter belegen: krämer, ihr habt schon weit aus der nachtherberge gewandert. Voss
idyllen (1801) 178 (
der riesenhügel); dieser alte Gadriga hatte in seinen jungen jahren lange gewandert Wieland 15, 123; kein ... volk, das nicht oft mehr als einmal gewandert habe Herder 14, 95
Suphan; und noch bei Frenssen: er hat ... so zwischen bett und fenster hin und her gewandert
Jörn Uhl 501.
doch wird jetzt auch ohne ortsangabe wol meistens sein
gebraucht. überhaupt nur dies ist zulässig, wenn das subject etwas lebloses ist: das geld ist gewandert; als sey alle erbarkeit aus Deutschlandt gewandert Musculus
hosenteuffel 18
neudr. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
aus der grundbedeutung '
sich hierhin und dorthin wenden'
hat sich zunächst die bedeutung '
von einem ort zum andern ziehen'
entwickelt. wandern
tritt so an die stelle des älteren wallen (
oben sp. 1288
f.).
diese bedeutung steht auch später im vordergrund, wie aus den angaben der wörterbücher hervorgeht. bei Diefenbach
steht wanderen, wandern
für peregrinari gl. 425
b,
pervagari 430
b,
vagari 605
a,
dann itinerare 311
a,
meare 352
b,
migrare 360
c,
pergere 426
b,
viare 617
a,
allerdings auch ambulare gl. 29
b.
nov. gl. 20
a,
deambulare gl. 166
c,
perambulare 424
b,
spatiari 545
a.
ferner: wandern,
peregrinari Schönsleder
prompt. Kk5 (Hulsius,
der zuerst von den gröszeren wörterbüchern das wort hat, kennt es in einem speciellen sinn s. unten 4); wanderen,
peregrinari Schottel 1440; wandern,
itinerari, peregrinari, proficisci, migrare Stieler 2502; wanderen, über feld reisen,
viaggiare, pellegrinare, caminar pe'l mondo Krämer 1208
a; wandern,
peregrinari, iter facere Dentzler 2, 342
b; wandern, über feld reisen,
voyager, hanter le païs Rädlein 1028
b; wandern, von einem ort zum andern gehen, sich begeben, wandeln,
to wander, to walk, to wander up and down, to wander about Ludwig 2379; wanderen, reisen,
wandelen, reizen Kramer (1719) 259
a; ich wandere,
peregrinor, peragro, migro Steinbach 2, 926; wandern,
voïager, aller, marcher, passer, voir les païs étrangers Rondeau. II@1@aa) wandern
ist so in der fremde umherziehen, ohne festen wohnort oder fern von demselben sein: einer vrâget mich der mær: 'welher baʒ ze êren wær, ein man der stæt dâ heime ligt od einer der wandern pfligt?' Teichner
anmerk. 219 (
Wiener denkschr. 6, 149); wer wandert und nicht gelt hat, der muoß offt seltzam suochen raht. Schumann
nachtbüchlein 238
Bolte; in frembden umbher ziehen, reisen, wandern,
peregrinari Henisch 1209, 31; in einem fremden lande wandern,
in regione aliena peregrinari Steinbach 2, 926; in der welt umher wandern Adelung. II@1@a@aα)
von umherziehenden völkerstämmen: also sol euch geschehen, das ir wandern müsset, und gefangen gefürt werden
Hesek. 12, 11; so dasz es kein griechisches volk giebt, das nicht oft mehr als einmal gewandert habe Herder 14, 95
Suphan; bei ihnen (
den Hottentotten) lieszen sich missionare nieder, welche ... sie dahin brachten, nicht mehr zu wandern, sondern feste hütten zu bauen Ritter
erdkunde 1, 393; die auszerordentliche vielheit der sprachen hängt genau zusammen mit der unstäten lebensweise wandernder jägerstämme Peschel
völkerkunde 106. II@1@a@bβ)
die lebensweise der pilger, bettler, fahrenden sänger und spielleute, auch der kaufleute, bringt das wandern mit sich: ir steurt mich armen (
den wallbruder) auf den weck, ee in dem aprill kum der dreck, das ich vor kot nit wandern müg.
fastnachtsp. 35, 5; nach siner urstende do wolde er geben ein ende dem pilgerinischen lebene in deme er also ebene manigen tac hie wanderte.
Passional 102, 84
Hahn; als die pilgramen ... alltzeit gedencken an das end der ruow, wie weit sy gewandert und noch zuo wandern haben A. v. Eyb
spiegel der sitten 116
b; es haben auch ... die Mandüvel von Colpin viel rawbs und morts gegen den wanderenden man und die armen pawren gepraucht Kantzow
chronik v. Pommern (letzte bearb.) 266
Gäbel; wann der himmel und die planetae dieser landschafft nit favorisiren, suchen sie ihre bündel zusammen, und gehen in ein andere. fürwahr es seyn keine die besser wanderen können, als die bettler Schupp
schriften 695; als ich ein knabe war, da kamen oft die harfner, wandernd, vor des vaters thür. Uhland
ged.2 182; viel in höfischen kreisen lebend ..., blieben die wandernden minnesänger mit der natur in beständigem verkehr A. v. Humboldt
kosmos 2, 33; (
der dichter gehörte) in seiner jugend dem stande der wandernden poeten an Gervinus
gesch. d. d. dicht. 2
5, 379; mir, der ich blos ein wandernder rhapsode, genügt ein freund, ein becher wein im schatten. Platen 104 (
son. 78); das wüste treiben der wandernden schauspielertruppen Mommsen
röm. gesch. 2, 55; ouch dorfte man die Sameiten niergen geleiten in der gotes rittere lant, wan eʒ was alsô gewant, daʒ sie âne sorgen den âbent und den morgen mochten wandern offenbâr in koufunge die zwei jâr.
livländ. reimchr. 4643
Meyer; alle burger unde kouflute .. mugen tragen unde vuren allerlei gewere .., wo si icht zu schaffene haben, zu dem gebirge, zu den hutten, zu den vorwerken oder wo si wanderen in des konigis lande
urkundenbuch v. Freiberg 3, 134, 21 (
ca. 1300); nachdem ... (
wegen der kriegsläufe) der kauffman noch nottorfft nit hat wandern und sin gewerbe uben mogen Janssen
Frankfurts reichscorr. 2, 270; ein wanderender, hausirender krämer,
een loopend, wandelend kraamer Kramer (1719) 259
a.
von den rittern der abenteuerromane: ein wandernder ritter,
a knight errant Ludwig 2379.
von Christus und seinen jüngern (
s. auch oben Passional): reidet uch! mer woln wandern, want nimmant in einem lande geborn wirt ein prophet uszerkorn.
Alsfelder passionsspiel 1478; bis wilkom, Davidis sone! ... sijt wilkom, er andern, die mit Jhesu plegen zu wandern, die do junger sint des hern! 2738; was Cristus umb uns hat getan, alls armut, durst und hunger leyden, gancz ellent sein und herberg meyden, wandern, predigen, vasten, wachen. Folz,
fastnachtsp. 1239; die heiligen stet ... dâ dû nâch dîner urstende wandert (
var. wandelt) unde gie. Ottokar
reimchr. 50039
Seemüller. II@1@a@gγ)
allgemein wandern
im gegensatz zum seszhaften leben: er wandert und wandert, schlieszt bekanntschaften mit bedeutenden männern, um sie schnell zu lösen, entwirft neue lebenspläne, um sie sogleich fallen zu lassen Treitschke
histor. u. pol. aufsätze 1, 81. II@1@bb) wandern
kann sich auch auf reisen beziehen, die man zeitweise unternimmt, um die welt zu sehen und kenntnisse zu erwerben: das er ein weil gewandert hab, um das er etwas pring zu lant, das sust do heim ist unbekant. Folz,
fastnachtsp. 1222; auch erstlich war aus guten stammn sein vater Peter hies mit namn, hernach gewandert weit und breit, besehn viel frembde land und leut. B. Krüger
Clawerts werckl. hist. 4 (
v. 55)
neudr.; ist das nit doch ein doller schütz, in dem steckt weder ehr noch wütz? er hat studiert so lange zeit und ist darumb gewandert weit. Fischart
nachtrab 500
Kurz; der aber gewandert ist ein weil, und glernt hat frembde griff, der weisz wie man der Venus pfeil schiest und geht nach dem schliff. Hock
blumenfeld 22, 5
neudr.; dieser alte Gadriga hatte in seinen jungen jahren lange gewandert, war in Frankreich, und in Holland und sogar in England gewesen Wieland 15, 123.
sprichwörtlich: gibt wandern nicht mehr verstandt, dann hindern ofen sitzen? Paracelsus (1589) 2, 136; wer stets daheim bleibt wie ein schneck, der bleibt ein unerfahrner geck; wer aber wandert in der jugend, der lernet weisheit, kunst und tugend. Wille
sittenlehre 206; wer weit wandert, endert das gstirn und nicht weiszheit, verstand im hirn. Eyering
prov. 1, 582.
besonders von den handwerksburschen, die nach der lehrzeit früher einige jahre wandern muszten, ehe sie meister werden konnten: die handwerksbursche wandern,
les compagnons de mêtier font leur tour Rondeau; ein wandernder handwercks-bursch,
a travelling, or wandering, handicraft journey-man Ludwig 2379; er hat noch nicht gewandert oder gereiset,
he has not yet been abroad, not yet seen foreign countries ebenda; wenn einer das hantwerg beweisen wil, das sal er thun mit einem bottichen, mit eyner wannen und mit einem halben fuder. wurde denne erkandt vor jung und alt, das her damitte nicht geweren kande, derselbige salde noch ein jar wandern
urkundenbuch v. Freiberg 3, 166, 11 (1450); wan also ein meister einen ... lehrknaben annimbt und die zwey jahr usz lehrnet, als dann soll der jüngling zwey jahr lang zewanderen schuldig sein oder für kein meister erkent werden
stadtrecht v. Arau 346, 27
Merz (1615); und darnach sölle und möge er dry jahr lang wanderen ..., eh und bevor er meister werden mag
stadtrecht von Brugg 267, 33
Merz (1641); aus dem tagebuche eines wandernden schneidergesellen v. Gaudy
werke (1844) 2, 35; im sommer, wenn die gesellen gern wanderten und rar waren, wurden sie mit höflichkeit behandelt G. Keller 4, 216. aufs wandern gehen: ehe sie (
die gesellen) aufs wandern gehn Ortloff
corpus juris opificiarii 260 (
Karlsruhe 1768); der handwerksbursche wollte gehn auf's wandern, um die welt zu sehn. Rückert
werke 2, 268.
man sagt: auf dem handwerke wandern,
opificii causa peregrina loca adire Stieler 2502; sollen .. handwercke lernen, darauff wandern und sich selbst ernehren J. Sommer
ethographia mundi 1 E 1
b; dasz namlichen den lehrknaben ihre zeit der erlehrnung des handwerks uff drü jar gesetzt und bestimbt sein, hernach ein solcher lehrknab nach diser lehrzeit vier jahr uff dem handwerk wanderen .. sölle
stadtrecht v. Arau 386, 20
Merz (1654); er (
ein meistersohn) soll auch ebenso lange als ein fremder auf dem handwerck gewandert und gearbeitet haben Diefenbach-Wülcker 894
aus d. Weimarer archiv (1745); dasz künfftig keiner zum meister-recht zugelassen werden soll, er habe denn nach ausgestandenen lehr-jahren aufs wenigste zwey jahr auf den (
l. dem) handwerck gewandert, und sich versucht Adr. Beier
vom handwerckszeuge (1722) 71 (
ordnung der zimmerleute in Breslau).
auch mit andren subst.: was solt der arm schweysz anders anfohen, dann was in sein kunst, auff deren er gewandret was, lernet! Wickram 2, 44, 7
Bolte; auch weil er wust den brauch nun schier, was einem beckenknecht gebür, derhalben er drauff wandert keck, verdingt zu Ülsen sich eim beck. Fischart
Eulenspiegel 2546
Hauffen; (
s. auch I 3
die würtemb. metzger-ordnung).
seltener mit dem accusativ: wenn der lehrjung alsölche seine lehrjahren gebührlich ausgedienet, sölle derselbig gehalten sein, auch fürters 3 jahr uf das amt zu wandern Krumbholtz
die gewerbe der stadt Münster 444 (1607); auf sein handwerk wandern Adelung; willst du auf ein so rühmliches metier wandern wie ein handwerksbursche? G. Stephanie
d. j. lustspiele (
Wien 1771) 118.
vgl. auch: so wolt ich nach arbeit wandern, so ist es gar nichts uff unserm handtwerck
Eulenspiegel 96
neudr. auf etwas gewandert haben,
übertragen: ein jeder musz sein kunst oder handwerck lernen, der sich ehrlich will nehren, ohne die regentenkunst, will jeder klotzmann wissen, der sie niemals gelernt, noch darauff gewandert hat Lehman 592, 92; wofern er nicht in der composition entweder gar ein meister ist, oder doch zum wenigsten gleichsam darauff gewandert, und sich, so zu reden, in den gräntzen dieses herrlichen studii wohl umgesehen hat J. Kuhnau
der musical. quack-salber 244
neudr.; er hat auf alle schelmstücke gewandert,
natura usuque callidus, vetus histrio, omnis versutiae et nequitiae peritus est Stieler 2502; er hat auf alle schelmenstücke gewandert,
he is an old beaten fox Ludwig 2380.
über den sich hier anschlieszenden gebrauch des adjectivischen gewandert
s. theil 4, 1, 5290.
im eigentlichen sinn: Nestor empfacht ehrlich die gewanderten gäste Telemachum und Minervam Schaidenraiszer
Odyssea (1570) 25
b; Meichsner, sagen auch die auszlender, wenn sie untern leuten gewesen, und irs landsmans vergessen, reden ein gut deutsch, drumb erwecket der sone gottes ein deutschen Sachsen, der gewandert war Mathesius
Luther 313, 31
Lösche; warlich solt Paulus die ... sehen, er wirt meinen, er käm in ein newe welt, wiewol er sonst weit gewandert ist gewesen Fischart
binenkorb (1588) 26
b; von einem herrn ..., der reich, vornehm, unternehmend und weit gewandert sei Tieck
novellen (1853) 4, 21 (
jahrmarkt).
sprichwörtlich: der weit gewandert und alt, liegen mit gewalt Franck
sprichw. 2, 131
a.
von handwerkern: ein schneider, der mehr denn andere bauren als ein gewanderter sich beduncken liesze Kirchhof
wendunmuth 1, 320
Österley; mit vergnügen denk' ich jener abende, da bei uns, ihre flasche bier leerend, die gewanderten meister ... bemerkungen über länder und städte austauschten Voss
antisymbolik 2, 179.
in die bedeutung '
erfahren'
übergehend: Aeneas der gewanderte und erfahrne man Mathesius
Syrach 2, 50
b; von einer gewanderten jungfer wird eben nicht allzeit viel gehalten,
a woman-traveller, or a wandering lady, is liable to be suspected Ludwig 2380; ich halte nichts von einer gewanderten jungfer Stranitzky
Fuchsmundi 134, 1
neudr.; ist die dryt (
geliebte) ain verschte dirn, wol gewandert. Weller
dicht. des 16. jahrh. 24. gewandert in etwas: weil er nun diesen leuten, welche meistentheils einfältig und in der neusten manier der music noch nicht gewandert waren, von seiner kunst solche grosse plätze her zu lügen, wuste, ... so fand er alle tage einen guten wirth J. Kuhnau
musical. quacksalber 97
neudr. II@1@cc)
erst die neuere zeit kennt wandern
als das frohe durchstreifen der natur, um körper und geist zu erfrischen. nachdem durch die romantik und die turnerei die wanderfreude erweckt war, ist das wort in diesem sinne beliebt (Seume
gebraucht im spaziergang nach Syrakus noch meist wandeln);
die dichtung knüpft dabei gern an die wanderlust der handwerksgesellen (
vgl. Schade handwerkslieder 107
ff.)
an: wiszt ihr wohl das losungswort, das die welt treibt fort und fort? wandern, wandern! W. Müller
verm. schr. 1, 79 (das wandern ist des müllers lust); o wandern, o wandern, du freie burschenlust! da wehet gottes odem so frisch in die brust. Geibel 1, 49; wer recht in freuden wandern will, der geh' der sonn' entgegen. 1, 140. II@1@dd)
das part. wandernd
in verbindung mit andern verben: wandernd durch die welt ziehen; ja, so weit sie (
Ceres) wandernd kreiste fand sie elend überall. Schiller 11, 293. II@22)
ebenfalls von der grundbedeutung auszugehen ist, wenn wandern
ein hin und hergehen bezeichnet, das in einem beschränkteren gebiet, selbst innerhalb eines zimmers, vor sich geht; auch in dieser bedeutung ist das wort durchaus üblich geblieben; gegenüber dem ebenso gebrauchten wandeln (
s. d. B 2 c)
deutet es mehr ein eifriges, unablässiges hin und hergehen an: er (
Oswald) begunde vaste wandern von einer schar an die andern.
Münchener Oswald 3234
Bäsecke; also Petrus herumb thet wandren von einem freunde zu dem andren. H. Sachs 1, 405, 4
Keller; so wanderte er ... von einem edelhofe zum andern Göthe 22, 118
Weim. ausg.; ich habe vierzehn tage nichts anderes thun können, als von einem bette zum andern wandern A. v. Droste-Hülshoff
an Schücking, briefe 42; so von laden zu laden zu wandern und immer und immer hübsche sachen und höfliche menschen zu finden Fontane
ges. werke I 5, 252. hin und her: die boten wurden wandern beidiu hinne unde her. ir wille was und ir beger, ob sie ieman funden.
Alexius 108
b Maszmann; vil geschaltet und geschrît wart in des küniges muoshû
s. der edele künic Artûs tœrischte mit den anderen; rumpeln unde wanderen muoste er mit in hin und her. H. v. Freiberg
Tristan 2904
Bechstein; er hat ... so zwischen bett und fenster hin und her gewandert Frenssen
Jörn Uhl 501. auf und nieder, auf und ab: ich sahe ihn im felde auf und nieder wandernd,
I saw him wandering up and down the fields Ludwig 2379; manche gehen zu gotte, ... nicht kniend, sondern auff und nieder wandernd Butschky
Pathmos (1677) 151; mit langen schritten wandernd auf und ab hat Alhard kaum den jüngling wahrgenommen. A. v. Droste-Hülshoff 2, 45
Kreiten. auch in andern wendungen erscheint diese bedeutung: bald sasz, bald wanderte er liebetrunken im walde Tieck 4, 401; zuweilen, wenn das wetter zu schlecht ist, im freien spazieren zu gehen, steige ich auf den thurm des domes oder wandere unter seinen majestätischen bogen umher
fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 79; mit staunen wandert er (
Winckelmann in Rom) durch die reste eines riesenzeitalters, das herrlichste, was die kunst hervorgebracht hat Göthe 46, 36
Weim. ausg. wandern
nähert sich so dem begriff '
lustwandeln, spazierengehen'
und wird im älteren nhd. gelegentlich ganz wie wandeln
in diesem sinn gebraucht: da zween ausz inen (
nach Emmaus) wanderten (
ebenso Eck, wandelten Luther,
περιπατοῦσιν) Dietenbergers
bibel, Marc. 16, 12; von dem an giengen seiner jünger vil hinder sich, und wanderten (wandelten Luther,
περιεπάτουν) füran nit mer mit ihm Ecks
bibel, Joh. 6, 66; uns zitverdreif war meisteils: den morgen frohe gingen wir wandern; ... den nachmittach spilten wir in der charten
buch Weinsberg 2, 41 (1553)
Höhlbaum; so aber der mensch nach dem morgenessen anfieng zu wandern, wirt sich also die bewegung (
im magen) gemächlich anheben
problemata Aristotelis (
Frankf. 1568) 74
b.
jetzt verbindet sich mit wandern
bei diesem gebrauch meist der nebensinn des strammen ausschreitens, z. b.: nach tisch wandere ich eine stunde im garten
vgl. 6.
eine andre bedeutung hat sich vom nächtlichen hin- und herwandern aus entwickelt. von einem, der nachts aus einem zimmer ins andre geht, sagt man wol: er wandert,
so z. b. in Frankfurt von mondsüchtigen Askenasy 162.
dies hin und her wandern wurde auch von gespenstern angenommen (
vgl.umgehen): du wanderst wie ein nachtgespenst im schlosz herum Fr. Müller 3, 323; ich bin deines vaters geist, verdammt auf eine zeitlang, nachts zu wandern.
Shakespeare Hamlet 1, 5.
so zeigt sich in md. gegenden die bedeutung '
spuken' (
s.wandeln B 2 c
und wanken): Kaspar ... machte der magd ... weisz, die frau pastorn spucke, oder nach dortiger mundart, sie wabere und wandere Laukhard
Eulerkappers leben 51
neudr. meistens unpersönlich: es wandert in dem hause,
il y a des revenans en cette maison Rondeau; von manchen häusern war es bekannt, dasz es darin 'wanderte' Bähr
eine deutsche stadt 95.
so jetzt in Franken Schmeller 2, 939 (
Würzburg),
Henneberg Spiesz 274,
Thüringen Hertel 253, Regel 283, Herwig 30
und Hessen-Nassau Kehrein 438, Vilmar 441, Crecelius 892, Schmidt 321, Askenasy 224,
doch auch im Wallis. vgl. wanderding und gewanerz. II@33)
abgeschwächt bedeutet wandern
auch nur eine reise machen, einen längeren weg zurücklegen (
vgl. oben 1
die bestimmungen der wörterbücher)
; bei einigen der folgenden belege ist auch iterative auffassung möglich. II@3@aa) und vil die wellent nicht wandern an den verworfnen tagen. Vintler
pluemen der tugent 7767
Zingerle; es wanderten auff eine zeit die zwen gesellen allebeid Franciscus und Dominicus. Fischart
dicht. 1, 140
Kurz (
von S. Dominicus 265); der jud und ouch vier gsellen sin den stuond zu wandern eins mols ir sin, sie giengen zuo eir kirchen hin. Gengenbach 5, 16
Gödeke; daʒ ich ... by die vorgnante stat Lipczk bynnen dren mylen numer mer komen sal, weder czu wonende noch czu wanderne Wustmann
quellen zur gesch. Leipzigs 2, 6 (1390); er zoch aber aus der stad Bethlehem Juda, zu wandern wo er hin kundte
richter 17, 8; und solt dein gerete erausthun, wie wandergerete, ... und du solt ausziehen ... gleich wie man auszeucht, wenn man wandern wil
Hesek. 12, 4; und fand einen feinen jungen gesellen stehen, der hatte sich angezogen, und bereitet zu wandern
Tob. 5, 5; ein abentheürlicher fatzmann ... name ein katzen und gienge von weytem, als er sonst wandert, und truog die katzen auff seinem arm Schumann
nachtbüchlein 10, 6
Bolte. sprichwörtlich: wie man spricht, mit eim gutten kompen ist gut wandern, denn einer hilfft dem andern seine bürden tragen Luther 23, 695, 28
Weim. ausg.; auff lehren bauch ist nicht guot wandern Wickram 6, 144 (
v. 4190)
Bolte; bey brot ist gut wandern,
viatico instructus belle ambulat Stieler 2502. er kommt gewandert
wie er kommt gegangen: weise herrn die sach macht mich bestürtzet ... denn ich aller erst gewandert kumen (
von der reise zurückgekehrt), drumb ich noch die sach nicht hab vernuhmen. Rebhun
dramen 56 (
Susanna 4,
v. 357)
Palm; gen Welsickendorff, welches eine meil wegs von Jüterbock liegt, kam Clawert auff ein zeit im groszen regen gewandert B. Krüger
Clawerts werckl. hist. 53
neudr. wandernd (
vgl. 1 d)
in verbindung mit andern verben: jedem baume des walds, um den ich wandernd mich schlinge: denkmal bleibe des glücks! ruf' ich ihm weihend und froh. Göthe 2, 117
Weim. ausg.; noch schläft das morgenroth im grauen see, da streift er wandernd durch der zweige frische. A. v. Droste-Hülshoff 2, 77
Kreiten. II@3@bb)
der weg, auf dem das wandern erfolgt, das gebiet, wo es vor sich geht, kann durch präpositionelle bestimmungen oder einen acc. bezeichnet werden. II@3@b@aα) auf einem wege, einer strasze wandern: und nâch des kunigs bet fuor er (
der fürst) mit den andern. kostelich si wandern begunden ûf der strâʒen. Ottokar
reimchr. 74958
Seemüller. in bildlichen wendungen (
später wird hier wandeln
vorgezogen s. d. B 2 b
δ): sô getâne bilde truoc im niht unser herre vor, ûf des wege und des spor er hie wandern solt. Ottokar
reimchr. 53645
Seemüller; dises ist der weg auf dem ir wandern sollet und ew nit naygen weder auf gerechte noch lyncke seyt Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 102. auf einer spur wandern: er (
der teufel) schuntte erclîch abir dran dî samische dîte dî in dem gebîte dâ zu Rinow wonte, daz sî abir donte ûf des ungeloubin spor, als sî gewandirt hatte vor.
N. v. Jeroschin 12002
Strehlke; vgl. auch: ach es sey von mir gerühmt, dasz du (
gott) mich vor vielen andern, ob ich es gleich nicht verdient, noch auf rosen lässest wandern Schmolcke
trost- u. lehrreiche schr. (1740—44) 1, 23.
früher auch in einem wege wandern: das soll man versteen von ainem vollkommen menschen, der in den (
l. dem) weg gots gewandert hat und noch wandert Tauler
sermones (1508) A 3
a. II@3@b@bβ) sie wanderten drey tage in der wüsten
2 Mos. 15, 22; ob ich schon wandert im finstern tal, fürchte ich kein unglück, denn du bist bey mir, dein stecken und stab trösten mich
psalm 23, 4; dô her wandirte bi dem mere Galilêê Matth. v. Beheim,
Matth. 4, 18; ungern wanderten sie am unergründlichen meer hin. Bürger 189 (
Ilias 1, 327); wan abir der unreine geist ûʒ gêt von dem menschen, so wandirt her ubir durre stete (Luther: durchwandelt) und sûchit rûwe und vindet ir nicht Matth. v. Beheim,
Matth. 12, 43; auff ein zeyt da wolte wandern ein guoter schlucker durch das Schweytzerland Schumann
nachtbüchlein 285, 28
Bolte; durch felder und wäldern wandern,
agros et nemora peragrare Nieremberger. über feld wandern (
s.wandeln sp. 1599): es sey in zechen eim und andern oder ob du über feld wilt wandern, kauff disz büchlein, zulesen lustig. Montanus
schwankb. 5
Bolte. II@3@b@gγ)
gern schlieszt sich auch ein acc. des inneren objects an: eine strasze, einen weg,
selten eine fahrt wandern: seine strasze wandern,
aller son chemin Rondeau; den ring sie müssen doch hie laszn und wandern heim weg ire straszn. Liliencron
hist. volksl. 1, 411 (1448); das ist ein weg, davon ich sag, den ich gar offt hab all mein tag gewandert hin und wider her. Ackermann
dramen 33 (
Tobias v. 635)
Holstein; jetzt kennen wir den irrthum, den ein gott wie einen schleier um das haupt uns legte, da er den weg hierher uns wandern hiesz. Göthe 10, 92
Weim. ausg. (
Iphigenie v. 2108); daʒ er in tugentlicher art sente Jacobes betevart zu wandern dicke pflac.
Passional in Hagens
Germania 7, 252.
im älteren nhd. kommt auch ein acc. vor, der das durchwanderte gebiet bezeichnet: ob einer wandert aw und felt, vil gegent in seim leben mit kauffmannsschacz ferr durch gewin, in den geferden allen sant gen zeit, weil, jar und tag do hin. Folz
meisterlieder nachtr. 96, 9
Mayer; wer dir vertrawt in hoffnung starck, der wandert sicher all gemarck. Scheit
frölich heimfart 1
a.
in bildlichen wendungen (
häufiger jetzt wandeln,
doch wird auch wandern
bei auffassung des lebens als einer wanderschaft gebraucht): ein man, der hieʒ Eraclius, zur werlde rich an gute und doch an reinem mute pflac er die himels straʒe wandern in guter maʒe.
Passional 130, 8
Köpke; und Christus zeigt mit worten streng die strasz zur hellen brait und geng, den weg gen himel rauch und schmal, gewandert durch die minsten zal. Schwartzenberg 130, 2; ich wandre meine straszen, die nach der heimat führt. P. Gerhardt 285
Gödeke; folg an meinem wanderstabe treugesinnt nur meinem herrn; lasse still die andern breite, lichte, volle straszen wandern. Novalis 1, 69
Minor; will ich die strasze des todes wandern. Mastalier
ged. (1774) 138, 4; sin msse got nuo walden, der mich hat uf gehalden mit schoner helffe an diesem wege, den ich habe in herter plege gewandert mit getichte.
Passional in Hagens
Germania 7, 287; kain weiser man mag sprechen icht, er sei dann unvernünftig, das er den weg icht wandern well, der im sol werden künftig. Oswald v. Wolkenstein 84, 57
Schatz; diesen weg (
zu der höchsten wahrheit) enwil nyemant wanderen Heinrich Seuse 511, 1
Bihlmeyer; ain weg ... den wir alle ain mal wandern müssen Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 65
a; und (
der schulmeister) den weg alles fleisches gewandert ist B. Mayr
päckchen satiren (1769) 38, 15; dardurch viel tausend vor der zeit den gang aller welt wandern müssen
mediz. maulaffe (1719) 966; o ebne mir die dunkeln pfade, die ich da wandern musz. Herder 27, 100
Suphan. einen weg mit jemand wandern: der (
kaiser) setze sein ganzes vertrauen auf die städte: wären nur die kriege nicht, so würde er mit ihnen einen graden und königlichen weg wandern Ranke
d. gesch. im zeitalter der reform. 2, 130. II@3@cc)
an sich wandern
kann sich ein acc. des ergebnisses anschlieszen: sich müde wandern; sich die füsze wund wandern. II@44)
in gewissen verbindungen kann wandern
als '
die wanderschaft antreten, sich auf den weg machen'
oder überhaupt '
von einem orte fortgehen'
genommen werden. II@4@aa)
so bei angabe des ausgangspunktes: aus dem hause wandern,
sortir de la maison Rondeau; da mich aber gott ausser meines vaters hause wandern hies
1. Mos. 20, 13; mit dieser wanderte ich aus meiner gefangenschaft (
einem zimmer)
Simpl. schriften 3, 299 (
vogelnest 1, 2); musz derowegen ein solcher (
geselle, der meister werden will) auch eine zeit von der stadt wandern Beier
handwerkslex. 458; ob ainer hiut von dir wolt wandern, so hettest morgen pald ain andern. Hätzlerin II 8, 243 (
s. 141);
früher auch nur '
weggehen' (
ohne dasz sich ein weiterer weg anschlieszt): du solt von tisch nit wandern, es sey dann ehafftige not, wann es wr ein michel spot. II 71, 130 (
s. 277). davon wandern: dann würden sie sich unter einander bey den ohren zausen, und dich indess mit deinem eigenthume ruhig davon wandern lassen Knigge
umgang mit menschen (1796) 1, 183. weiter wandern: gefällt der nachbar nicht, so kan er weiter wandern. Heräus
ged. u. inschriften (1791) 228. II@4@bb) wandern lassen,
zunächst von gesellen, denen der meister die arbeit aufgekündigt, von knechten, die der herr entlassen hat (wandern
geht ursprünglich auf den wechsel des dienstortes): dasz, welcher meister den gesellen mitten in der wochen wandern lässet, selbigem das volle wochelohn zu geben schuldig ist Beier
handwerkslex. (1722) 466
a;
die fraw. ich hab ein knecht, der schweygt wol stil, aber all montag thut er feyren, beym spiel in wirtsheusern umbleyern, will dennoch habn gantz wochenlon ...
die nachpewrin. so liesz ich nur den schlüffel wandern. H. Sachs 4, 388, 34
Keller. dann auch von liebenden '
den abschied geben': niet ich mich eynr (
geliebten), so las ichs wandern und halt mich darnach zu eynr andern. H. Sachs 3, 378, 37
Keller; wer nimmer (
geld) het, den liesz sie wandern. 4, 224, 23; itzund so ligt er da im kot, vor iederman in schand und spot, dasz in sein buel hat lassen wandern. 21, 260, 9. II@4@cc) wandern
von gesellen, knechten: wandern ist fast so vil als wandeln, auszziehen, sich von einem orth hinwegk begeben, ist gemeiniglich von den handwercksgsellen gesagt; gehe wander nausz auffs handwerck Güntzel 832; unser knecht wird wandern müssen, oder fort müssen,
our servant will be turned away. unsere magd will wandern, will fort, kommt weg, geht von uns,
our servantmaid will away, she quits our service, she will be gone Ludwig 2380; ein ander ampt wil ich dir geben, du muszt die mönch in d'metten zehlen bey nacht und must an keinem fehlen, und wo du einen übergaffst, so must du wandern, wie dus schaffst. Fischart
Eulenspiegel 12296
Hauffen; wie aber kam ein stercker mann der erbeit kont mit greiffen an, da must der alte reuter wandern, sein pfortenampt lassen dem andern.
Froschmeuseler P 8
a (I, 2, 20); ich dacht, bald ist der Peterstag, das ich mit ehre wandern mag. Frischlin
dicht. 185
Strausz; in den osterfeyrtagen muost er (
der knecht) wandern, dan der meyster hielt ihn nitt über die feirtag Pauli
schimpf u. ernst 292
Österley; der knecht muost darumb wandern
Eulenspiegel 72
neudr.; so gilt es als ausdruck der ehre und liebe der mitdienenden, dasz man einem wandernden dienstboten nachknalle Auerbach
dorfgesch. 4, 118; als der meister ihnen beim frühstück eröffnete, dasz er nicht mehr drei arbeiter brauchen könne und daher zwei von ihnen wandern müszten G. Keller 4, 239.
die bedeutung '
aus dem dienst treten, den dienstort wechseln'
findet sich jetzt noch in Franken Schmeller 2, 939,
Hessen-Nassau Schmidt 321, Kehrein 438, Vilmar 441, Crecelius 892,
Baden Lenz
vgl. wb. 75, Meisinger 226,
Kärnten Frommann 5, 254,
Steiermark Unger-Khull 617
b. II@4@dd)
auch sonst erscheint das wort in der bedeutung '
fortziehen, weggehen',
vgl.wandeln B 2 b
ε,
das sich in diesem sinn im wesentlichen auf das alemann. beschränkt: emigrare, scheyden, wandern Diefenbach
gl. 200
b;
proficisci, wandern 463
b;
repediare, wandern 492
c;
repedare, wanderen, wider wandlen
nov. gl. 316
b; wandern,
entrar in viaggio, partirsi Hulsius 273; wanderen, anderwärts seine wohnung und glück suchen,
migrare, mutar terreno o servizio, tramutarsi da luogo in luogo Krämer 1208
a; wandern,
abire Stieler 2502;
partir, sortir Rondeau. II@4@d@aα)
zunächst noch im hinblick auf eine bevorstehende wanderung: wenn der gast am liebsten ist, so sol er wandern Neander
sprichw. (1590) 29
Latendorf; dort kommen meine gesellen hero, die über nacht bey mir geherberget haben, ich musz zu ihnen gehen und hören, ob sie wandern oder lenger bleiben wollen Heinr. Jul. v. Braunschweig 308
Holland (
von e. wirthe 1, 8); was musz aber Schelmuffsky darzu sagen. ja, das hätte ich bald vergessen, der ist auch wieder gewandert Chr. Reuter
Schlampampe krankh. u. tod 111 (II, 6); hört ihr ältern, ihr guten leute, ich will wandern, heute bleibt's dabei Arnim 5, 4; wir wolln zu yhr ins haus ytzt gehen ... ey secht, ich halt yhr herr wöll wandern (
verreisen). Rebhun
dramen 13 (
Susanna 1,
v. 197)
Palm; denn ich (
die maus) hab ein prophetengeist, denselben brauch ich allermeist, wenn ein altes haus wil einfallen, wander mit meinen freunden allen.
Froschmeuseler D 4
a (I, 1, 3); mahl und tantz sind gleich nun aus, die bezechten gäste wandern, immer einer nach dem andern; jederman der sucht sein hausz. Fleming 366 (
oden 3, 6);
erster kürassier. sie wollen uns in die Niederland' leihen; ... sollen achttausend mann aufsitzen.
marketenderin. was? was? da sollen wir wieder wandern? Schiller 12, 43 (
Wallenst. lag. 11); man läszt mich ruhig abschied nehmen, wie man den frühling wandern sieht; es wird sich keiner um ihn grämen, wenn er betrübt von dannen zieht. Novalis 4, 95
Minor; brich auf, und mögest eilends wandern! A. v. Droste-Hülshoff (1879) 3, 6
Kreiten; doch du erlebst, dasz er wird wandern, 's trifft eben einen nach dem andern! G. Keller 10, 30. II@4@d@bβ)
dann nur '
den bisherigen aufenthaltsort verlassen, sich entfernen': wer nicht brot essen mag der wandere Luther
sprichwörtersammlung no. 182
Thiele; da man so gar kan leiden nicht, wer etwas kan vor einem andern, die frommen menner müssen wandern, und bringen nichts dann spott davon. Alberus
fab. 21, 500
Braune; da wird ihm erstlich bang gemacht, da er sein urteil recht betracht, als ihn sant Peter, sampt den andern, mit gantzem ernst befehln zu wandern. Hayneccius
Hans Pfriem 12, 22
neudr.; gewinn, verlust und trauren sind gar verwandte nachbauren: es regiert einer um den andern. wers nit leiden will, der mag wandern. Wille
sittenlehre (1781) 79; 'willst du besser sein als wir, lieber freund, so wandre.' Göthe 2, 260
Weim. ausg.;
nonne. wenn — ach! — wenn wir denn wirklich wandern müssen (
nach aufhebung des klosters)
Z. Werner
Martin Luther (1807) 20.
von liebenden (
s. oben a Hätzlerin,
und b wandern lassen): börschle, börschle, du wist wanner, mgst mich nimme, mgst en anner. Frommann 2, 398. seines weges wandern: man schütze sich vor ihm (
dem wahn) und lasse ihn seines weges wandern Herder 17, 232
Suphan. in der gaunersprache ist wandern '
entfliehen' Ostwald
rinnsteinspr. 165. II@4@d@gγ)
in Lothringen ist wandern '
umziehen, die wohnung wechseln' Follmann 529.
die bedeutung ist wohl weiter verbreitet, da Wander 4, 1779
aus der Steiermark das sprichwort anführt: dreymoal wandern ist so viel wie ānmoal abbrinnen. II@55)
ist eine zielbestimmung angeschlossen, so bedeutet wandern '
wohin gehen',
wobei zunächst voraussetzung ist, dasz eine längere wegstrecke zurückgelegt wird; die bedeutung von wandern
kann dabei verblassen, wenn der nachdruck auf der erreichung des zieles liegt (
z. b. in eine stadt wandern '
dort wohnung nehmen'). II@5@aa) nach hause,
sive heimwandern,
regredi, pedem retro ferre, domum revenire Stieler 2502; ein junger mensch musz in die welt wandern, wenn er was lernen will,
a young man ought to travel Ludwig 2379; in die fremde wandern,
faire un voïage dans les païs étrangers Rondeau; die jenigen, so nicht über den schatten ihres kirchthurms gewandert sind Neumark
neuspr. teutsch. palmb. 140; bey den Deutschen hingegen der alte bewohner oft den heerd seiner väter verlassen, und ins elend wandern muszte
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen (1778
ff.) 2, 103; die treflichsten köpfe sind reichsstädter, aber so bald sie sich fühlen, so wandern sie in eine fürstenstadt, um brod und ehre zu erwerben Schubart
leben und gesinnungen 2, 32; dasz er den mut gehabt hätte, ... auf einige zeit nach Leyden zu wandern Göthe 46, 91
Weim. ausg.; und im schneegestöber bist du ... den langen weg nach haus gewandert! Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 3; der jetzt mit ratten- und mäusepulver handeln geht, und der denn endlich auch an den Rhein gewandert war Immermann 1, 40
Hempel; bis man hinan gen Hierusalem wandern thut. Thym
Thedel v. Wallmoden v. 933
neudr.; mich treibt das herz nach jener kluft zu wandern. Göthe 2, 144
Weim. ausg.; wir alle müssen, wir andern, nach hause ruhmlos wandern. Rückert
werke 1, 59;
übertragen: dein jung genosz in pflichten nach dir den schritt thät richten; da kam ein andrer junger schritt, nahm deinen jung genossen mit; sie wandern nach dem glücke, sie schaun nicht mehr zurücke. Storm
werke 4, 139. II@5@bb)
in der älteren md. litteratur hat wandern
mit richtungsbestimmungen eine erweiterte anwendung (
meist unter einflusz des reims),
indem es allgemein für '
sich wohin begeben (
auch in feindlicher absicht),
zu jemand kommen'
steht: du salt wanderen an ein stat da nicht lute wone bi.
Passional 288, 25
Hahn; als ir iclîch danne gelas, daz iʒ ein teil nach nûne was, so begunden si danne wandern uf den Beripont zen andern lêgen phaffen und vrouwen kurzewîle schouwen. Bartsch
md. gedichte 4, 27; 'ich wil ie wandern in daʒ her' ... dem pabeste was unmaʒen gâ. sus quam er in daʒ her gerant.
Passional 317, 91
Köpke; unde hîʒ dî anderin an dî vestin wanderin unde leitrin legin
an. dô wart ein sturmin und ein slâ
n. N. v. Jeroschin 18395
Strehlke; meister Cûnrât von Manderen der wolde aber wanderen in der Semegallen lant ... dô er mit sînem here quam zû Semegallen, er nam roubes mit sînem volke vil.
livländ. reimchron. 7422
Meyer; o herre min, do ich virnam dinir erin rum so lobesam ... do wold ich zcu dir wanderin uf dinen hof durch sulche list, wen du ein groʒir here bist.
mitteld. schachbuch, zeitschr. f. d. alt. 17, 232, 9; la varen, sprachen die andern, laʒ schauwen, ob er wandern Helyas zu im nu wolle. (
Matth. 27, 49
videamus an veniat.)
md. evangelienwerk aus S. Paul 46
c (
Schönbach, sitzungsber. der Wiener ak. 137, 155). II@5@cc)
auch im nhd. wird zuweilen wandern
für '
wohin gehen'
gesetzt, ohne dasz an ein längeres schreiten nach dem ziele gedacht wird; es kommt dann im gebrauch wandeln
sehr nahe, das aber mehr der höheren sprache angehört: ich weisz schon ein pfaffen, ein andern, zu dem will ich (
die kellnerin) gestracks hin wandern. H. Sachs 17, 93, 20
Keller-Götze; Jhesus wandert auff Salomonis beethaus Tauler
sermones (1508) 41
a; (
wir) wollen alsdann mit einander nach dem abt wandern und versuchen, was das glück geben woll Heinr. Jul. v. Braunschweig 482
Holland (
von e. edelman 1, 6); damit so wanderte ich zur stubenthür hinaus und wollte eiligst die treppe hinauf lauffen Reuter
Schelmuffsky 45
neudr.; zog meine besten kleider an, wanderte in eine geselschaft, wo gespielt wurde Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 196; ein greis ..., der ... ein büchlein unter die arme nahm und wieder, wie ehemals im sechsten jahre, mit demselben unaufhaltsam zur schule wanderte Kerner
bilderbuch vorrede s. VII; es war für mich betrübend, nun allein zu meinen blumen, und zu des vaters verlassenen bäumen wandern zu müssen 254; den dreizehnjährigen knaben liesz man schon allein ins parterre wandern v. Holtei
vierzig jahre 1, 109; weil herr R. ... mit der bemerkung, es sei zeit in den speisesaal zu wandern, zwischen sie trat
erzähl. schr. 3, 36.
im 17.
jahrh. auf das wildbrett wandern '
darauf losgehen': jeder wildbrettschütz, so da mit büchsen und armbrust schiessen, auff das wildbrett mehrfältig wandern, und dasselbe fällen wurde
würtemb. ernew. vorst - ordnung (1651) 124. II@66)
auch wo keine zielbestimmungen angeschlossen sind, bezeichnet wandern
jetzt oft ein regelmäsziges vorwärtsschreiten einem ziele zu, so scheidet es sich von wandeln,
das mehr ein lässiges gehen andeutet (
doch ist im älteren nhd. die scheidung noch nicht durchgeführt s. oben I 2): von tausend marternden bildern umschwebt wanderte ich mit verdoppeltem schritte Pfeffel
pros. versuche (1810) 5, 5; wer mit schritten eines niebesiegten wandert dort vom felsenhang? Schiller 1, 131; schlumpshin wandern,
itinera lenta et minuta facere, frisch drauf und fortwandern,
conficere iter festinanter et rapide Stieler 2502.
vom schreiten hinter dem pflug: mein seel! ich werde kein soldat, und wandre lieber hinterm pflug. Hölty
ged. 39
Halm. wandern
steht sogar früher gelegentlich für die gehbewegung an sich: waʒ ist lîchter zuo sprechine: dir werden vorgebin dîne sunde, odir zu sprechine: stê ûf unde wandere (wander Dietenberger, wandele Luther)? Matth. v. Beheim,
Matth. 9, 5; di blinden sehin, di lamen wanderen (gehen Luther
und Dietenberger) 11, 5; stehe auff, nim dein bethe, und wandere (
ebenso Eck, wandele Luther) Dietenbergers
bibel, Marc. 2, 9; ein man .. was lam von muotter leib, der noch nye gewandert (
ebenso Eck, gewandelt Luther) het
apostelg. 14, 8; der lahme hett ohne hülf nit wandern können
Bennomirakel von 1697
bei Schmeller 2, 939. II@77)
zunächst bezieht sich wandern
auf fuszgehen, so dasz es auch dem fahren oder reiten entgegengesetzt sein kann: ich fahre nicht, ich will wandern; in demselbin jare wart alszo eyn kalder wynter ... das uf dem meere vor Venedie die kouflewte mit geladen soymern zu fusze vonn dem lande bis yn die stat wandirten Rothe
düring. chron. 396; aus jener entfernung entstand denn ein ganz wunderbares hin- und wiedersenden von reitenden und wandernden boten Göthe 35, 81
Weim. ausg.; wovon sich der wandernd reisende (
fuszreisende) morgen gleich selbst überzeugen könne, indem man auf dem eingeschlagenen wege zeitig bei ihr eintreffen werde 25, 1, 128;
übertragen kann es aber auch das schweben in den lüften, das fahren auf dem meer oder zu wagen bezeichnen: fallen sy (
die hexen) von ain poshet in die ander: und farn also in den luften zu wandern. Wackernell
altd. passionssp. aus Tirol 345; eilende wolken! segler der lüfte! wer mit euch wanderte, mit euch schiffte! Schiller 12, 488 (
Maria Stuart 3, 1); als daʒ lut ouch gesach, wie hertelich diʒ ungemach stormete an den groʒen kiel ... hiemite wart daʒ wetter gut, gevuge unde ouch linde, an vil geradem winde, in dem si wanderten aldort.
Passional 48, 81
Köpke; nicht wie die meisten thun, so wandern über meer, und bringen vor verstand frembd' art von lastern her. Opitz 2, 68; aus Burgund und aus Flandern, auch Artois und Brabant, soldaten sah man wandern zu wasser und zu land. Opel u. Cohn
30jähr. krieg 78, 36; auf erden soll mein fusz nicht ruhn! will wandern über meer! o! Herder 5, 173
Suphan; ein schifflein ziehet leise den strom hin seine gleise. es schweigen, die drin wandern, denn keiner kennt den andern. Uhland
ged.2 260; der morgen frisch, die winde gut, die sonne glüht so helle, und brausend geht es durch die flut; wie wandern wir so schnelle! Lenau
ged. 1, 269; da er mit anbrechendem tage auff einer kutsche zu dem thore hinaus wandern kunte Chr. Weise
polit. näscher (1686) 312. II@88)
in wendungen wie ins gefängnis wandern,
die erst seit dem 18.
jahrh. vorkommen, bezeichnet wandern
kein freiwilliges, sondern ein erzwungenes gehen oder ein wohingebracht werden (
vgl. den ähnlichen gebrauch von kommen): in eure kerker klaglos würd' ich wandern. H. v. Kleist 2, 230 (
Käthchen v. H. 2, 8); wer sichs also nicht gleichgültig seyn lassen kann, einem tyrannen von gesetzen zu sagen und tags hernach in arrest zu wandern
F. C. v. Moser
beherzigungen 143; Oxford muszte in den Tower wandern Herder 23, 163
Suphan; widrigenfalls, sobald er die klage aufnimmt, der schuldige mullah ins gefängnisz wandern musz Lenz 3, 111
Tieck; sah ich ... die darin versperrten ... in die gefangenschaft wandern Göthe 33, 292
Weim. ausg.; entweder noch heute den herrn von H. zu heyrathen, oder auf ewig in ein kloster zu wandern v. Ayrenhoff
werke (1814) 3, 207; oder für zehn jahre nach Civita vecchia auf die galeeren
s. heiligkeit zu wandern v. Gaudy
werke 2, 139; herrschende buben sie brauchen, wer von der herrschsucht glühet, wie sie: gebraucht, wandert er auf das schafot. Klopstock 2, 156 (
das neue). II@99) wandern
kann rein geistig genommen werden als '
in gedanken durchstreifen', '
sich in gedanken wohin begeben': er wandert mit seinen gedancken weit umher,
he has rambling thoughts, or a wandering mind Ludwig 2379; durch die länder in gedanken wandern,
mente regiones peragrare Nieremberger; von der rede so tret ich, wen ich muʒ verre wandern, und grife zu dem andern. H. v. Hesler
apokalypse 8653
Helm; gleich wie eins mannes sinn und mut offt hin und wider schweben thut, in dise oder jene statt die er zuvor gesehen hat, und wanderet in kurtzer weyl an frembde ort, vil hundert meyl, mit sein gedancken die er faszt. Spreng
Ilias (1610) 201
b; so ist mein meinung auch in die selben gegent mit meiner histori ze wandern
Decamerone 339, 20
Keller; auch: von dem wege ich wandere (
schweife ab). H. v. Hesler
apokalypse 7858
Helm; Herodotus ... wandert mit diesem ursprung weit über die warheit hinaus v. Birken
d. verm. Donaustrand (1684) 3. II@1010)
häufiger wird wandern
auf das menschliche leben und sterben bezogen. II@10@aa)
vom gang durchs leben, den lebensverhältnissen und lebensschicksalen (
die ausdrucksweise ist z. th. noch eine bildliche, vgl. auch einen weg, eine strasze wandern
oben 3 c
γ): und noch mit manigen anderen, die bi diser werlde wanderen. H. v. Hesler
apokalypse 19166
Helm; daʒ volk daʒ da wandirte in den vinsternissen, daʒ sach ein grôʒ lîcht Matth. v. Beheim,
Matth. 4, 16; wo ir wandert, leit, betrubnisz und kumer die laitten euch allenthalben Ackermann 1, 12
Knieschek; lustsam, fro und wolgemut ist ein man, der ein biderbes weip hat, er wander (
var. wandel), wo er wander 43, 9; er (
Hieronymus) hat auch alle irrikeit der heiligen schrift vornuftiklichen geslichtet; in des licht hab wir gewandert J. v. Olmütz
leben des h. Hieronymus 7, 5
Benedict; (
ich) bin sein gar verdröszlich worden ze wandern in sölichem kläglichem jamer (
andarmi tanto fra tante miserie ravolgendo)
Decamerone 8, 26
Keller; wann auch unser Augustinus, der doch in der höhe des lichts der natur wandret, mocht nit erdencken, was heimlicher verborgenheit hat, das wort ist mensch worden Staupitz 1, 141
Knaake; darmit ... die ... denn mercken, in was heiliger und unstreflicher bruoderschaft sie allhie gewandert haben J. Nas
das antipap. eins und hundert 1 (1567) 185
a; es kriechen so viel arten der ungeschickligkeit durch die schulen, welchen gäntzlich abzuhelffen meine wenigkeit nit gewachsen ... ist ... mich schmertzet es ... dasz ich unter diesen thorheiten wanderen musz Schupp
schriften 849; wir gehn dahin und wandern von einem jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen. P. Gerhardt 19
Gödeke; spann aus mein gott! erlösz uns von der noth! das leben wird uns bittrer als der tod. ach lasz uns nicht mit leeren säcken wandern. Stoppe
Parnass (1735) 241; wo recht viel widersprüche schwirren, mag ich am liebsten wandern. Göthe 3, 240
Weim. ausg.; durch etwas wandern '
etwas durchmachen': als kinder wandern wir durch ruthen, schlag und fall. Günther
ged. (1735) 683. II@10@bb)
auf das sterben beziehen sich wendungen wie den weg alles fleisches wandern
u. dgl. s. oben 3 c
γ;
ferner: er wandert in den himmel,
migrat in coelum Steinbach 2, 926; aus diesem leben wandern,
migrare ex hac vita Frisch 2, 422
a; daʒ er mit den juncvrowen gemartert solde werden und hin von der erden zu gotes riche wandern.
Passional 569, 63
Köpke; nichts als traurige cypresse wird dir folgen, wohin du zu bald nur wanderst. Herder 26, 251
Suphan; davon wandern: nun dieser karge alter ... seins reichtums nicht genusse ... ersparet es eim andren, und er muest darfon wandren. der ander es vertemet, verprasset und verschlemmet. H. Sachs
fab. u. schw. 53, 46
Götze. zuweilen nur wandern (
s. oben 4 '
weggehen'): ein weiser mann ... stirbt ab der sterbligkeit, ist seines lebens voll, und hoffet auff den tag, an dem er wandern soll. Opitz 1, 65; hier (
im himmel) leb und bleib nun immerzu, ich will, wills gott, mit andern auch bald hernacher wandern. P. Gerhardt 102
Gödeke; in Lothringen er isch gewonnert '
gestorben' Follmann 529. zur hölle wandern
u. dgl.: eben also geben die jenigen, welche dergleichen red führen, zuerkennen, dasz sie bürger seyen der höllen, und dasz sie der geraden richtschnur wandern zur verdammnusz und ewigen qual Albertinus
der kriegszleut weckuhr 81
a; licht muss ich in diesen nächt'gen zweifeln haben, und sollt' ich zu der hölle wandern. Grabbe 1, 60
Blumenthal (
herzog Th. v. Gothland 1, 2). II@1111)
an 10
a)
schlieszt sich ein wandern
an, das die art der lebensführung bezeichnet. wandern '
einen lebenswandel führen, sich in moralischer oder religiöser beziehung im leben verhalten'
kommt neben wandeln
bis ins 16.
jahrh. vor, ebenso mnd. wanderen Schiller - Lübben 5, 589;
die verbindungen wie bei wandeln (
s. d. B 3 b): si envrâgte si mit gûtin setin, wî des cristen wandirn wêre. Bartsch
md. gedichte 2, 607 (
heidin); hat der man an tugende craft, so helt er sich ouch an den man, der mit tugenden wanderen kan nach edeles herzen reinicheit.
Passional 315, 67
Hahn; dovon, liber sun, nicht wander furbas mer nach begerunge des fleisches J. v. Olmütz
leben des h. Hieronymus 18, 11
Benedict; wê den di dâ wîssagen von irme herzen und di da wanderen nâch irme geiste und di da sprechin: der herre sprichet iʒ: und der herre hât si nicht gesant Matth. v. Beheim
evangelienb. 4; ein iegklicher freund wandert trieglich (Zainer: geet herein,
vulg. incedet) Koburgers
bibel, Jerem. 9, 4; wie Cristus ist erstanden ..., also auch wir süllen wandern (
ebenso Dietenberger, gen Zainer, wandeln Luther) in der newigkeit des lebens
Römer 6, 4; wandert (Luther: füret ewren wandel) in der vorcht in der zeyt eures ellendes
1. Petri 1, 17; laszt uns erbarlich wandern (
ebenso Eck, wandeln Luther) als am tage Dietenbergers
bibel (1534),
Römer 13, 13; volget mir, lieben brüder, und sehet auff die, die also wandern (
ebenso Eck), wie ir habt uns zum fürbild
Philipper 3, 20; wie ir nun angenommen habt den herren Jhesum Christ, so wandert in im
Colosser 2, 6; Noe ein gerechter und volkomner man in sein geburden hat mit Gott gewandert (füret ein göttlich leben Luther, Dietenberger) Ecks
bibel (1537),
1. Mos. 6, 9; hab ich gewandert (habe ich gewandelt Luther, Dietenberger) in üppigkeit, oder hat mein fusz geeilt im bösem?
Hiob 31, 5; das ihr wandern (wandelt Luther, Dietenberger) in meinem gsatz
Jerem. 26, 4; wandert (wandelt Luther,
περιπατεῖτε) weiszlich gegen denen, die draussen sind, und lösend die zeit
Colosser 4, 5; kain mensch wirt hie volkommenlich gerecht ... auf das hat für uns der apostel got gepeten, daʒ unser lieb ye mer und mer überflüssig werde, auch daʒ wir dermassen wandern und got gevallen, damit wir uns stätigs bessern Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 39; dan wen wir rechtschaffen im glawben wanderen und allein gottis worth horen, szo mugen sie es nicht leyden Luther 9, 605, 1
Weim. ausg.; die weil Saul, der erst Juden könig, in den geboten gots wandert, überwand er alle seine feind Schade
satiren 2, 157, 5; darzuo das man recht in die schrifft getriben werde, das wir nicht frech und verwegen, sondern mit forcht und zittern darinn wandern, und unser hail volbringen Seb. Franck
verbüthschiert buch (1539)
vorred 3
a; mit deinem geist bekrefftig mich, dasz ich in deinem wort bestand und darin wander stettigklich. H. Sachs 22, 90, 8
Götze; und thut verachten gar die andern, die nit nach seiner secten wandern, wider einander schreiben und zanckn hefftig mit wort, werck und gedanckn. 6, 198, 26.
sprichwörtlich: wer einfeltig wandert, der wandert am sichersten Petri 2, 703.
in der älteren md. und bair. sprache findet sich dies wandern
auch abgeschwächt zu '
sich in einer bestimmten lebenslage verhalten, sich benehmen'.
noch bildlich: herre hat mich tumpheit darzu mit itel ere bracht, des ich zuo schribene han gedacht, so blende mir des herzen sin, daʒ ich enwiʒʒe war ich hin wandere oder waʒ ich tu.
Passional 3, 90
Hahn; ferner: nû hôret, wie si wandern. diu kuniginn iren eidem bat, daʒ er für die selben stat niht verrer in Ungern kæme. Ottokar
reimchr. 495
Seemüller; wand dû (
Minne) ir beider herze hâst al ze sêre und ze vast mit dîner hitz enzunt. daʒ schînt ze maniger stunt an ir beider wandern: sô eineʒ dem andern kumt ûʒ den ougen, sô prüeft man sunder tougen sô snelliclichiu zeichen dâ, dâbî man erkennet sâ, daʒ in ir beider sinne brint diu vackel der minne. 75781.
mit bestimmungen der art und weise: Albreht der kunic kluoc begunde mit witzen wandern, er gie von einem zuo dem andern, als die willigen wirte tuont. 81151; an dem so genzlich si geschên swes die profeten alle jên und so geliche wandern.
Passional 77, 69
Köpke; sust kan di sienen welen got denklich uʒ den andern, als ich nu recht kan wandern. Tilo von Kulm
gedicht von siben ingesigeln 4332
Kochendörffer. so noch vereinzelt im 16.
jahrh.: mit grossem ernst die schrifft gebeut, das, wenn vorm recht die armen leut vom gegentheil wern uoberwunden, das sie ir kleidt zur selben stunden ablegen musten, sol der ander (wil er anderst rechtmessig wandern) das kleidt bey tag zu voller gnüg heim schicken ... Waldis
Esopus 4, 94, 214. II@1212)
eine sehr allgemeine bedeutung, bei der die grundbedeutung '
gehen'
ganz zurücktritt, zeigt wandern
auch in der älteren sprache in einigen präpositionellen verbindungen; diese wendungen stehen meist unter einflusz des reims. mit den beiden ersten vergleicht sich oben sp. 1591
f. mit einem, mit etwas wandeln,
die dem lat. conversari, versari
gleichgesetzt wurden; wandern
bei Ottokar
ist vielleicht nur nebenform zu wandeln (
dann wäre auch sein wandern '
sich benehmen'
hier anzureihen).
sonst wird überall von wandern
in der bedeutung '
gehen'
auszugehen sein. II@12@aa) mit einem wandern '
mit ihm umgehen, ihn behandeln': ist eʒ untriu genant, swen man mit dem andern sô velschlich siht wandern, daʒ er im anders tuot an lîbe oder an guot, denn er sich hinz im versiht. Ottokar
reimchr. 22695
Seemüller; nû muost der kunic wandern mit den liuten mit witzen — er muoste si entsitzen, wand diu schuld was sî
n. 64851; wâ getete ie dhein man sô bœslichen an dem andern, als man in sach wandern mit der Beier herren, den er mit solhen êren in laster und in schande brâhte! 88459; alsus wandirte der erbere furste mit sinen brudern unde mit idermelchim gutlich unde fruntlich in einem suʒen herzen Ködiz
leben des h. Ludwig 46, 11
Rückert. II@12@bb) mit etwas wandern '
womit vorgehen, es womit halten': wîslich si wandern mit den sachen begunden. ze jungist si erfunden, ob si den sachen ein ende wolden machen, daʒ müest geschehen mit dem sin, daʒ .. Ottokar
reimchr. 46435
Seemüller; die râtgeben .. .. erfuoren sînen sin, ê er wolde nemen in die hêrschaft ze Flandern, wie er dâmit wolde wandern, daʒ der grâve sicher wære fürbaʒ der vancnusse swære, swenn er im gæbe die stet. 63462; daʒ si zu opfere wolle gan den goten als wir andern, ouch mit dienste wandern und wirdeclich sie anbeten.
Passional 34, 34
Köpke. II@12@cc) bei einem wandern '
mit ihm umgehen, sich ihm anschlieszen': trâgheit unde slâf und eʒʒen und trinken und bî den lûten wanderen. hi sal der mensche di woche wol halden, daʒ her icht befleckit werde
d. mystiker 1, 30, 21 (Herm. v. Fritzlar); seht dar nach vur ouch dirre bote in Antiochiam daʒ lant unde machte vroliche bekant des gelouben herschaft ... swelches mannes mut sich truc, er wolde bi im wanderen, daʒ lieʒen wesen die anderen, sus waren si gescheiden.
Passional 202, 60
Hahn. II@12@dd) ob einem wandern '
ihn überragen, ihn beherrschen': einin Prûʒin, der sô lanc was vor al den anderin, daʒ man in sach wanderin mit den achseln ob in.
N. v. Jeroschin 14 384
Strehlke; der pabest hielt den widerkric und gab in (
den cardinälen) einen andern (
pabst), der ob in solde wandern.
Passional 569, 88
Köpke. II@12@ee) nach einem wandern '
ihm folgen': wir werfen in (
Jacobus) zu rucke von dem grate her abe, da von er sinen tot habe, unde erschrecken so die anderen, die nach im plegen wanderen, daʒ si durch vorchte von im treten unde an Christum nicht enbeten, dem si wolden volgen e.
Passional 264, 94
Hahn. II@12@ff) nach etwas wandern '
sich hingeben': unde (
dô) er nindert missevar nâch sunden wolde wandern, als er sach die andern mit leider anschouwe: dô wolde in unser vrouwe des armutes machen vrî.
Marienlegenden 22, 35
Pfeiffer (
s. 174); und wirt dar durch (
die strafe) ein forcht den andern, der mancher schalckheyt nach det wandern. Folz,
fastnachtsp. 1235. II@12@gg) zu etwas wandern '
wozu schreiten': und (
do) dy Römer daʒ virnamen, mit gantzir macht sy gegen sy quamen, sy wolden zu stryde wandirn, üm babist Alexandirn. Kirchberg
meklenb. reimchron. cap. 106,
Westphalen monum. ined. 747. II@1313) wandern,
das ursprünglich nur vom menschen gebraucht wird, erscheint dann übertragen von der geistigen und körperlichen natur des menschen und deren äuszerungen (
in wandern lassen
bleibt der mensch subject).
die bedeutung schwankt zwischen '
in die ferne gehen'
oder '
sich auf etwas entferntes richten'
und '
hin und her gehen'. II@13@aa) das herz, die seele wandert: sines herzen wandern (
beschäftigung) was an bekentnisse tief. hievon im stete widerlief schoner witze richer hort.
Passional 402, 14
Köpke; geh, lasz dein freyes herze wandern von einer schönheit zu der andern, und koste dir was schönes aus! Stoppe
Parnass im Sättler 156; mein seel thut in der hoffnung wandern von einr morgenwach zu der andern. H. Sachs 18, 496, 10
Keller-Götze; freund! höre doch! wo wandert deine seele, derweil ich hier von hütt' und mond erzähle? Lenau
ged. 1, 138; wie von ihrer geängstigten, (
im fieberwahne) wandernden seele herbeigerufen, kamen die treuesten freunde Frenssen
Jörn Uhl 354.
von der seelenwanderung: ja das die seel Scoti ... ain wenig ausz irer grundtsupp und gruob in mein hertz wandere und zuo handt sich wider weg troll, wo sie hin wil Franck
morie encomion 61
a; also auch die seel von dem leib zuo wandern denckt 70
b; willkommen wäre mir die täuschung schon, dasz unsre seelen wandern! Goekingk 3, 190; in der nacht im schlaf wandert sie (
die seele nach der anschauung der Grönländer) aus dem leibe: sie geht auf die jagd, zum tanz, zum besuch und der leib liegt gesund da Herder 13, 300
Suphan. II@13@bb) der geist, der sinn wandert, gedanken wandern: kein edler im unedlen Pisa trägt meinen wandernden (
abgeschiedenen) geist auf den flügeln seiner andacht zum himmel Gerstenberg
Ugolino 259
neudr.; und komm ich zu der andern, so lasz ich meinen sinn zur ersten wieder wandern, da ich gewesen bin. Ch. Weise
überflüssige gedancken (1701) 17; gedancken seind schnell und lauffen weit und niemand mag sie hindern an ihrem wandern
sprichwörter (
Frankf. 1591) 85
b; nun aber, als man auf die leeren stellen sah, gingen die gedanken immer wandern und suchen nach den tafeln Immermann
Münchh.2 1, 139. II@13@cc) worte wandern: sie liesz so süsze worte wandern A. v. Droste-Hülshoff 3, 323
Kreiten; wand sich ie sin herze truc an got mit voller girde. gegen siner heiligen wirde sin gebet er wandern lie.
Passional 317, 81
Köpke. II@13@dd) augen, blicke wandern: eben deshalb bin ich gekommen, erwiederte er mit dem ruhigsten ton, indem er die augen nach der zimmerdecke wandern liesz Heyse
kinder der welt 1, 293; ihre augen wanderten unstät umher in dem kirchlein W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 44; ein frohes buntes gewühle ... füllet den wandernden blick mit einem lachenden wechsel. Zachariä
tageszeiten2 (1757) 15; sehr lange liesz der hirt von einem reiz zum andern die ungewissen blicke wandern. Wieland 10, 128; er sprach's und liesz die blicke forschend wandern, bis sie auf einem festgeheftet blieben. Uhland
ged.2 428; so hoch war nichts zu sehn, so grosz, wohin der blick auch wandre. Rückert
ges. ged. 3, 374; die reiterin liesz zwischen beiden prüfende blicke hin und her wandern Immermann
epigonen2 1, 192. II@13@ee)
der eigentlichen bedeutung näher, die füsze wandern: das sie allerley götzen der heiden für götter halten, welcher augen nicht sehen, noch ihre nasen lufft holen ... und ihre füsze gar faul zu wandern
weish. Salom. 15, 15; im heil'gen lande, über dessen hufen die segensreichen füsze sind gewandert.
Shakespeare Heinrich IV. 1, 1, 1. II@13@ff)
kühn das maul wandert zu den ohren (
bei auseinandergezogenen mundwinkeln): und sperr das weit maul von einander, dasz es zu beiden oren wander. Scheit
Grobianus 294
neudr. II@1414)
seit der mhd. zeit wird wandern
auch übertragen von abstracten gebraucht. die bedeutung ist dann entweder '
seinen ort verändern'
oder '
von einem zum andern kommen, sich ausbreiten'
oder '
vor sich gehen'
oder '
weggehen, verschwinden' (
vgl. 4). II@14@aa)
seinen ort verändern; noch bildlich: das glück bleibt nit, wandert für und für S. Franck
sprichw. 1, 152
b.
ferner: es ist ein wanderndes reich (
von einer schauspielertruppe) Göthe 22, 23
Weim. ausg.; sein (
Attilas) wandernder hofhalt in der ungarischen ebene war der gröszte ... jener zeit Freytag 17, 141 (
bilder 1, 2); es (
das königthum) wanderte seit jahrhunderten von der Elbe bis an die Maas Nitzsch
deutsche studien 28; das keyserliche cammergericht, welches er erstlich zu Frankfurt, aber also angeordnet, dasz es von einer reichsstadt zur andern wandern solte S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 170; daraus folgte denn auch, dasz es (
das höchste gericht) nicht mehr mit dem hofe wandern, sondern an einem ort im reich .. die .. gerichtstage halten sollte v. Ranke
werke 1, 76. ein wanderndes leben: ich bin nun seit meinem achtzehnten jahre an diesz wandernde unstäte leben gewöhnt J.
M. Babo
schauspiele (1793) 66; die .. stämme ... führten ... ein wanderndes hirtenleben Mommsen
röm. gesch. 2, 271.
auf zeitliche verhältnisse übertragen ein wanderndes jahr,
das seinen anfangstermin ändert: unter dem wandernden sonnenjahr (
annus vagus) verstehen die chronologen vorzugsweise das jahr von 365 tagen .. der anfang desselben durchläuft in etwa anderthalb tausend jahren den ganzen kreis der jahreszeiten Ideler
lehrbuch der chronologie 135; das pharaonische jahr war ein unbewegliches sonnenjahr von 365¼ t., hingegen das egyptischnabonassarische war .. ein wanderndes sonnenjahr von 365 t. Gatterer
abrisz der chronologie (1777) 221. II@14@bb)
wird bei '
seinen ort verändern'
eine vom ausgangspunkt nach andrer seite hin stattfindende übertragung angedeutet, so entwickelt sich die bedeutung '
sich ausbreiten', '
sich wohin verbreiten': hœrt wie sich in den landen virt diu kunft des gasts und einer dem andern sagt von dem küenen degen balt, wie menlîch er geschicket wære unde gestalt: daʒ mær sus in den landen kunde wandern.
Lohengrin 1536
Rückert; da hub sich zu derselbin czid dar alle lant krieg und nyd: dy kryge worden wandirn, manlich viel übir den andirn. do daʒ der erczebischof sach, her stelte sich ouch vast darnach, derselbe bischof Hartwig mit lüden richtede sich uf krig. Kirchberg
mekl. reimchron. cap. 104,
Westphalen monum. ined. 4, 744; das völcker recht ... ein rund recht, das durch die gantz weltründe unwandelbar wandert: und allenthalben gilt ungeändert
Garg. 191
neudr.; er sollte sich aber erinnern, dasz beynahe alle ketzereyen auf diesem weg daher gewandert Grimmelshausen 2, 389
Keller; seine mysterien-religion ist es, die ... in oft wechselnder form, nach Rom wanderte J. H. Voss
antisymbolik 37; wo sind die allgemeinsten und sonderbarsten volkssagen entsprungen? wie gewandert? wie verbreitet und getheilet? Herder 9, 525
Suphan; es möchte sonst das gerücht bis hierher wandern G. Forster
schriften (1843) 7, 221; diese orientalische mythe, welche ursprünglich dem wasser des caspischen meeres ... angehörte, ist, wie fast alle mythen, gewandert, und zwar weit nach osten A. v. Humboldt
kosmos 4, 383; diese plantagenwirthschaft war aus dem Orient nach Karthago gewandert Mommsen
röm. gesch. 2, 77.
von krankheiten: anno domini 1497 do wanderte eyne krangkeit im lande zu Doringen und zu Erffort in der stat und in fele landen Stolle
thüring.-Erfurt. chronik 464
Thiele; von dar floch sie (
die krankheit) wie ein plitz über gantze teutzsche land und wanderte von der einen stat zur andern Kantzow
chronik v. Pommern (letzte bearb.) 400
Gäbel; von einer sich im körper ausbreitenden krankheit: metastasis, das wandern der krankheiten, oder ihrer materie, da sie sich schnell von einem orte in den andern ziehet ..., als, wenn ein flusz sich aus einem arm ... schnell auf das herz, oder in den kopf ziehet
onomat. medica (
arzneywiss., 1772) 1007; wandernde druse,
bei pferden eine sich ausbreitende erkrankung der lymphdrüsen Höfler
krankheitsn. 105
b. A. Förster
handb. d. anatomie2 2, 334;
serpigo diffusa, die verbreitete borkenkrätze, der fressende, wandernde grind C. H. Fuchs
die krankhaften veränderungen der haut 2, 626. II@14@cc)
selten ist die bedeutung '
vor sich gehen, sich zeigen, erscheinen' (
in der neueren sprache wird so eher wandeln
gebraucht): und werffen euch bOesz miszgewAechsz in gluot zuobrennen wie ein hex, verbrent also ein hex die ander, das under bOesen die rach wander (
hin und hergeht?). Fischart
flöhatz 1370
neudr.; lasz dich nur ergern wenig, das schimpff und ernst in solcher gstalt und menig zugleich hie jetzund wandert. Hock
blumenfeld 10 (5, 15)
neudr. II@14@dd)
die bedeutung '
weggehen, fortziehen'
tritt bei zugefügten bestimmungen wie bei dem absolut gebrauchten wandern
auf: ein neuer kaiserlicher adel fuhr in vergoldeten carrossen durch die schwarze hussitenstadt, die alte biblische wissenschaft war in die fremde gewandert oder im elend des langen krieges verkommen Freytag 20, 393 (
bilder 3, 10); es wandere die andere gelehrsamkeit, die mehr begehrt, wir wünschen ihr glück zur reise. Rückert
ges. ged. 4, 132; das michs nit anders ansicht, als sey alle erbarkeit aus Deutschlandt gewandert Musculus
hosenteuffel 18
neudr.; damit die tugend oder erbarkeit, wenn sie bekandt und erlanget worden ist, nicht wieder wandere (
ne umquam abeat alio), und uns in laster gerathen lasse
Schoten, vita honesta, deutsch von Seb. Leonhart (1613) 101; eine lüge Louise — eine lüge — o wenn du jezt eine wüsztest ..., nur mein ohr, nur mein aug überredetest, dieses herz auch noch so abscheulich täuschtest — o Louise! alle wahrheit möchte dann mit diesem hauch aus der schöpfung wandern ...! Schiller 3, 485 (
kabale u. l.) 5, 2; es kommt ein unglück nach dem andern, dasz kaum eines mag von uns wandern, so ist das ander vor der thür. Ayrer 1456
Keller; es ist immer einer über den andern, kömpt was neues auf, das alte musz wandern. Schade
satiren 1, 174, 714; so sah ich zwischen stepp' und sumpf zwei sommer hin mir wandern. Rückert
ges. ged. 4, 262. II@1515) wandern
kann auch übertragen von thieren und pflanzen gebraucht werden. II@15@aa)
von thieren. allgemein: ich (
der wolf) will in fryem leben beliben gegen alle dem, das mir begegnet, ich will über das feld wandern nach mynem willen Steinhöwel
Äsop 162
Österley; o hudt dich, hut dich vor den wolfen, die in sulchen schaffscleydern wandern Luther 2, 89
Weim. ausg.; aber die flOeh warn viel geschwinder, sie sprangen von eim beltz in andern, und theten all zuo Eva wandern. Fischart
flöhatz 1190
neudr.; raupen, die ... von einem baum auf den andern wandern Hebel 2, 9
Behaghel; die fuszsteige ihrer (
der ameisen) wandernden emsigkeit Arndt
werke 1, 161.
auch von vögeln und fischen: ir vogelin vlieget und ir sult lebende sin unde also mit den anderen beide fliegen unde wanderen.
Passional 54, 86
Hahn; dann sehet, im wasser wandern die visch, und fallen nicht gehn boden, noch ertrincken, also auch wir im lufft Paracelsus (1589) 2, 39; ist liebe nur ein feur? wie, dasz in flüssen wandern die fische paar und paar und treiben was der mut und lust an mehren sich im wasser raten tut? Fleming 1, 161
Lappenberg. jetzt ist es besonders '
den wohnort wechseln, sich ausbreiten': gewisse pflanzen und nicht weit wandernde thierarten A. v. Humboldt
kosmos 1, 376; obgleich der bär mindestens auf krüppelwald angewiesen ist, so wandert er doch im höchsten norden ... etwas über die baumgrenze hinaus Nehring
tundren u. steppen 35; das steppenklima und die aus demselben resultirenden eigenthümlichkeiten der steppenvegetation zwingen die gröszeren pflanzenfresser zum wandern 123; die heerschaaren der wandernden hamsterartigen thiere, der lemminge, erschienen in einer gegend, in deren nähe wir uns aufhielten H. Steffens
was ich erlebte 1, 23; endlich sind auch das wandern und wipfeln (
der nonne) ... momente der prognose Ratzeburg
waldverderbnis 1, 68.
von vögeln, die nach süden ziehen: indem dieselbe (
die wasserralle) auf Island nicht wandert, während sie in Dänemark und Deutschland ... im herbste dem süden zugeht Homeyer
wanderungen der vögel 13; dasz die meisten vögel gesellschaftlich wandern 18; der kraniche sollten, als zugvögel, ein ganzer schwarm seyn ... es ist vielleicht nur eine abtheilung des groszen wandernden heeres Göthe
briefe 12, 259
Weim. ausg.; dort, dem fernen süden zu, wandern vögel durch die lüfte. Lenau
ged. 1, 110; letzten herbst, da südwärts schon die schwalben wanderten ... Geibel 4, 61. II@15@bb)
von pflanzen: völkermassen ..., mit denen sie (
thiere u. pflanzen) zuweilen auf ihren zügen wanderten Ritter
erdkunde (1822
f.) 1, 18; nach Schweden aber konnte die eiche nur über Schleswig-Holstein und Dänemark gelangen, und ein so enges einfallstor musz dem schwerfällig wandernden baum ... grosze schwierigkeiten in den weg gelegt haben Hoops
waldbäume u. kulturpfl. 53; pflanzen wandern im ei. der saamen vieler ist mit eigenen organen zur weiten luftreise versehen A. v. Humboldt
kosmos 1, 376; namentlich weisz man von tulpen, dasz sie weit und schnell wandern Ratzeburg
standortgewächse 20. II@1616)
auch von dingen ist wandern
schon frühzeitig gebraucht worden; es erscheint in der bedeutung '
sich bewegen'
oder '
von einem zum andern kommen'
; abgeschwächt ist es in neuerer zeit auch nur '
wohin gelangen'. II@16@aa) wandern
kann '
sich bewegen'
sein, und zwar so, dasz die bewegung durch naturkräfte bewirkt wird oder sich durch naturgesetze (
z. th. mit menschlicher einwirkung s. δ,
ε)
erklärt. II@16@a@aα)
von der bewegung der himmelskörper: die gotliche minne trat uf ir undertanen, den nachtschinenden manen, der bi der erden wanderte. H. v. Hesler
apokalypse 16589
Helm; dort, wo die lichten welten wandern, ist manches volk, ist manche stadt. Lessing 1, 46; ihr sterne dort unzählig! in eurer stillen sicherheit, wie wandert ihr so selig! Lenau
ged. 1, 150; herr Köpernik beweist mit bünd'gem schlusz, dasz — staunet — unsre erde wandern musz! wiszt, um die fürstin sonne kreisen wir und glaubten dienend uns umkreist von ihr! C.
F. Meyer
Huttens letzte tage 121; schon die Ägypter waren drauf gekommen, den Merkur und die Venus um die sonne wandern zu lassen Herder 9, 505
Suphan; stern der liebe, glanzgebilde ... wanderst durch die lichtgefilde. Körner 1, 153; wölicher enden yeder under denselben siben sternen ... von irem stäts beweglichen lauff här, die schweyffer gnant seind, oder die irrenden, wandernden Joh. Herold
heydenweldt (1554) k 1
a; wenn Aristoteles die nicht wandernden weltkörper (
ἀπλανῆ ἄστρα) eingeheftete ... nennt A. v. Humboldt
kosmos 3, 163. II@16@a@bβ)
von andern gegenständen '
seine lage verändern': so stiegen sie mit Ekkehard den spuren der lawine nach ... drei mächtige blöcke ... hemmten den sturz, dort hatte sich der wandernde schnee zürnend aufgebäumt Scheffel
Ekkeh. 377; die wandernden kegel haben eine grosze zahl von hütten der Indianer umgestürzt A. v. Humboldt
kosmos 4, 220; das wandern des strombettes, welches bei dem Ganges, ... historisch verfolgt so merkwürdig sich zeigt Ritter
erdkunde (1822
f.) 1, 85; die dünen wandern,
verändern ihre lage (
vgl. wanderdüne); die schienen wandern,
verschieben sich vorwärts infolge der kräftewirkung der wagen Lueger
techn. lex. 7, 844.
buch der erfindungen 9
9, 165; wandern
der telegraphendrähte '
gleiten, rutschen' v. Hoyer u. Kreuter
techn. wb.5 1, 830. Blaschke
wb. des ges. verkehrswesens 1, 234; das gleitende oder wandernde flosz (
der schwimmer an der angelschnur) ist an beiden enden mit einer messingöse versehen, durch welche die schnur gesteckt wird, und es gleitet an derselben auf und ab v.
d. Borne
handbuch der angelfischerei 65. II@16@a@gγ)
von der bewegung im wasser: die wellen, die wandern und schäumen. Heine 1, 230
Elster; schaue, wie fliegen wandernde masten hin durch die fluth! Arndt
ged. (1860) 171; ein groszer teich oder weyher, ... worauff ein ziemlich groszes stück erde herum wandere Behrens
Hercynia curiosa (1712) 89.
auch von nur scheinbarer bewegung: Victor war nie auf einem so groszen wasser gefahren. das dorf zog sich zurük und die wände um den see begannen sehr langsam zu wandern Stifter
studien (1850) 5, 91. II@16@a@dδ)
von der bewegung des lichtes: da fiel sein blick auch auf das fenster von Sabinens vorrathsstube; oft hatte sein auge dort einen wandernden lichtschimmer gesucht, der das ganze grosze haus erhellte und auch behagen in sein zimmer sandte Freytag 4, 573 (
soll u. h. III, 8); jetzt hob auch der knecht drauszen die laterne und liesz ihren schein die strasze hinunter wandern Heyse
nov. 1, 222; und jenes licht, es blieb auch nicht an einer stelle, es wanderte Storm
werke (1899) 1, 228; das licht im strome fliegt nicht mehr, es wandert zögernd vor ihm her. A. v. Droste-Hülshoff 2, 121
Kreiten. II@16@a@eε)
von tönen: jäger ziehn im wald und blasen, stimmen hin und wieder wandern. Eichendorf 1, 13
Dietze. II@16@a@zζ)
selten von dingen, die durch den menschen in bewegung gesetzt werden: und schossen do ger über ger. die pfeil gieng eyner umb den andren, thetten sehr dick imm lufft rumb wandren. Wickram 7, 369 (
met. 8, 738)
Bolte; die ruckweis wandernde gerte des leiermanns wies auf die scenen einer mit den grellsten farben bemalten tafel C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 127; II@16@bb) wandern
kann auch sein (
mit näherem anschlusz an die grundbedeutung des wortes) '
von einer hand in die andre gehn, von einem zum andern kommen',
indem die vom menschen ausgehende thätigkeit den dingen beigelegt wird. II@16@b@aα) etwas wandern lassen: si haben sich geweret frei und ir schwert laszen wander und vil gewundt, das ist wol kund den die die wunden tragen. Liliencron
hist. volksl. 1, 115, 18 (1462); und die fackel, wie sie glomm, liesz man eilig wandern, jeder drückte sie geschwind in die hand des andern. Göthe 1, 15
Weim. ausg. II@16@b@bβ) das glas wandert '
geht von einem zum andern': auf des kaisers wohl trink' ich aus diesem blanken ehrenbecher. trinkt alle draus und laszt den becher wandern. (
er giebt ihn dem nächsten, dieser seinem nachbar, und so macht der becher die runde). Immermann I 1, 202
Koch (
trauerspiel in Tyrol 2, 9); die gläser sind zum wandern, zum stehen nicht gemacht. Fleming 166;
besonders vom geld: was sol gelt, das nit wandert durch die welt. S. Franck
sprichw. 1, 89
b; nur ein fremdling, sagt man mit recht, ist der mensch hier auf erden; mehr ein fremdling als jemals, ist nun ein jeder geworden. uns gehört der boden nicht mehr; es wandern die schätze. Göthe 50, 266 (
Herm. u. Dor. 9, 271)
Weim. ausg. der thaler der musz wandern,
ein spiel, bei dem das geldstück von einem zum andern gegeben wird: während die jungen leute 'thaler wandern' spielten Stinde
familie Buchholz10 41. das geld wandert
kann auch heiszen (
vgl. wandern 4 '
weggehen') '
es wird ausgegeben': dem (
verschwender) verschwind aus sein henden frey sein guetlich und thuet von im wandern. den verkauft er ains nach dem andern umb halbes gelt, und wie er kon. H. Sachs
fab. u. schw. 2, 346, 85
Götze; der bauer fährt ins städtchen und kauft ein: der taler wandert und der kassenschein. v. Liliencron
Poggfred4 2, 13; die ducaten wandern, der hausrath musz wandern
beyträge zur crit. historie der d. sprache 6 (1733) 236; im scherze sagt man zuweilen, eine sache müsse wandern, wenn man sie veräuszern will Adelung 4, 1379. II@16@b@gγ) wandern '
hin und hergehen'
von andren dingen, mit verdeutlichenden zusätzen: alles, was nur hier lesen kann, liest und bewundert sie, und mein exemplar ist aus einer hand in die andere gewandert Rabener
werke 6, 174; wildpret aller art war die malzeit und die weinflasche wanderte unermüdet von nachbar zu nachbar Schiller 4, 78; mit glücklichen zeichen, glückliche, trittst du in ein götterbegünstigtes glückliches haus, wo die kränze des ruhmes hängen, und das goldene zepter in stetiger reihe wandert vom ahnherrn zum enkel hinab. 14, 59 (
braut v. M. II, 3); der kaufmann ... leiht die krone nur dar und nimmt sie nach dem hochzeitstage zurück. so wandert sie von einem bräutlichen haupte zum andern Immermann
Münchh.2 3, 15; es entspann sich eine lebhafte correspondenz; wahre liebesbriefe wanderten hin und her v. Ebner-Eschenbach
schriften 4, 315. II@16@cc)
wenn sich nur eine richtungsbestimmung anschlieszt, kann wandern
zu '
wohin gelangen, wohin geschafft werden'
abgeschwächt sein (
z. th. mit dem nebensinn, dasz ein längerer weg dabei zurückzulegen ist, vgl. oben 8) wohin wandern
von personen '
wohin gebraucht werden').
dieser sprachgebrauch ist vor der 2.
hälfte des 17.
jahrh. nicht nachzuweisen: der ... sehen konte, was massen die speisen ausz den schüsseln auff meinen teller wanderten Grimmelshausen 4, 609
Keller; dasz aber das geschlagene messing gleichwohl zähe ist, kommt daher, weil es so vielmahls durch das feuer und den hammer wandern müssen v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 60; ich habe porträts gesehen, die mit ruhm von der staffeley geradezu in den rahm wandern konnten Kretschmann
werke (1784
f.) 5, 395; er wurde wilddieb, und der ertrag seines raubes wanderte treulich in die hände seiner geliebten Schiller 4, 65; und man sah das letzte blatt mit vergnügen in die druckerey wandern Göthe 36, 55
Weim. ausg.; von der mitte des juli, wo die ersten beeren süsz werden, bis die letzte traube in die kelter gewandert ist Heyse
nov. 2, 302; das silber der Claudischen kaiser wanderte bis in die lackirte büchse der Chinesen Freytag 17, 285 (
bilder 1, 5); neben dem code Napoleon ... wanderte (
beim Wartburgfeste) auch Hallers restauration in die flammen Treitschke
d. gesch.2 2, 427; dasz ein baum nach dem andern musz in den ofen wandern.
graf Pocci
komödienbüchlein 2, 83; die kostbarsten denkmale der gelehrsamkeit sind mit der heidelbergischen bibliothek nach Rom gewandert Schubart
leben u. gesinnungen 1, 200; auch das deutsche haar selbst muszte häufig nach Rom wandern, um die köpfe des frauenzimmers ... zu schmücken
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 14; es (
ein porträt Göthes) war zu unserer ausstellung bestimmt und soll sodann nach Berlin wandern zu der dortigen Göthe
briefe 41, 155
Weim. ausg.; seit dem anfang des neuen jahrhunderts wurde der boden Griechenlands selbst durchforscht; die Elginschen marmorwerke wanderten nach London, die Aegineten ... nach München Treitschke
d. gesch.2 2, 46; wenn das blatt binnen einer stunde unter die presse wandern musz Treitschke
deutsche kämpfe n. f. 260;
bildlich: alle übrigen städte muszten unter das joch wandern
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 521; deine rolle ... ist glücklich, zur rechten zeit angekommen und gleich zum buchbinder gewandert Göthe 39, 188
Weim. ausg.; zu der brust der sie entquollen diese blätter wandern sollen. 4, 299 (
an Mar. v. Willemer).
daran schlieszt sich mit wandern '
mitgenommen werden': ihr veilchen, kränzt heut keine lockenhaare! euch pflückt mein frommes kind zum dunkeln strausze, ihr wandert mit zum muttergotteshause. Mörike
ged.22 130; die musqueten brauchte ich nicht, deswegen liesz ich sie da, aber das pulver-horn muszte mitwandern
Robinson Crusoe (
Hamburg 1731) 1, 264; hier hatte er es ganz den gierig unverschämten französischen räubern nachgemacht ..., welche das silber (löffel und teller), womit sie von ihren wirthen bedient wurden, nach der tafel gewöhnlich einpacken und mit ihrem gepäck wandern lieszen Arndt
wanderungen mit Stein 219.
ähnlich: er lässt ihn (
den rest dukaten) fröhlich zu den andern, als gute beute wandern. Pfeffel
poet. versuche (1812) 6, 50. II@16@dd)
im älteren nhd. erleidet wandern
zuweilen noch eine stärkere abschwächung, indem es von der richtung, die eine linie nimmt, steht: wenn der ersten (
note) schwantz lincks auff thut wandern, so ist sie semibreff mit der andern.
M. Agricola
musica instrumentalis deudsch (1896) 47;
von einem sich verästelnden stammbaum: secht hie den Gottfried mit dem bart, der ein hertzog in Brabant ward und sein stammen hie nacheinander, wie der mit vielen ästen wander bis auff den Ludwig, der da hett zum gmahl die heilig Elisabeth. Fischart
Eulenspiegel 3371
Hauffen. II@16@ee)
von dem part. präs. wandernd
kommen einige besondere gebrauchsweisen vor. II@16@e@aα)
dichterisch steht wandernd
für '
beim wandern gebraucht': und er kommt ans ufer mit wanderndem stab Schiller 11, 286 (
bürgschaft). II@16@e@bβ) wandernd
für '
von ort zu ort beweglich, transportabel': er fühlte die ungeheure wissenslücke seines hirnes, als auch nicht ein einziges mittel seiner wandernden feldapotheke ... helfen wollte Gutzkow 7, 170 (
Blasedow); wandernde
oder fliegende feldbahnen
sind solche mit tragbaren gleisen H. Fürst
forst- u. jagdlex.2 830
b. II@16@e@gγ)
mit wendungen wie wandelnde leiche (
oben sp. 1613)
läszt sich vergleichen: man sah die reiter Wellers und Haslenighs, welche sich wie wandernde festungen ausnahmen, vor den leichteren royalistischen das weite suchen v. Ranke
werke2 16, 159. II@1717)
der infinitiv erscheint substantiviert: die wanderung und das wandern, die wanderschaft,
peregrinatio, iter, profectio Stieler 2503; das wandern,
peregrinatio Frisch 2, 422
a; wenn in wäldern, baum an bäumen, bruder sich mit bruder nähret, sei das wandern, sei das träumen unverwehrt und ungestöret. Göthe 3, 123
Weim. ausg.; dieweil ich durch mein vielfaltiges wandern ... genugsamen erfahren habe Paracelsus (1616) 1, 633 B; das ältliche, von wandern und hitze aufgedunsene und geröthete antlitz Immermann 1, 134
Hempel; als er den liebesherold kaum erblickte, verspürt' er gleich zum wandern neue kraft. Rückert
werke 3, 177; aufs wandern gehen
s. oben 1 b.
als '
weggehen': hab allweg acht, dasz das hausz nit unversehener sach auff dich falle, binde dein gerädt und armütlein zusamen, schicke dich zum wanderen
Petrarche trostbücher 182
b.
als '
ausschreiten' (
vgl. 6): so dasz ich mich beim wandern jedesmal im tact bewege Göthe 25, 66
Weim. ausg.; vom sankt Georgenturme her klangen die glocken, wie sie der schritt der zeit berührte; und er hielt nicht an im wandern O. Ludwig 1, 236.
als '
hin und hergehen': bei euch auch ist ein ewiges wandern, kommen, gehen Bettine
die Günderode 1, 43.
übertragen: alles das ich mitt so grosser arbeyt, in meynem harten und schwären wanderen, durch so viel bittere gegenfell und widerwertickeyt des glückes gesucht und erworben hab Hutten
opera 1, 411, 34
Böcking; ihr gemeinsames wandern durch's leben Göthe 24, 135
Weim. ausg.; geht nun hin und grabt mein grab, denn ich bin des wanderns müde. Arndt
werke 5, 53; kein wiz erkläret mir der seuchen wechselnd wandern, ein heut gesundes volk erbt vom entfernten andern ein gift, das meer und luft durchstreicht. v. Creuz
oden u. andere gedichte (1769) 1, 78.
von der zeit: die stunden glichen sich in zartem wandern wie schwestern zwar. Göthe 3, 21
Weim. ausg.