schwanz,
m. cauda, mhd. swanz,
verbalsubstantiv zu swanzen (
s. dies unter schwänzen),
als lehnwort auch mnd. swanz Schiller-Lübben 4, 485
a,
nnd. swanz, swans Dähnert 477
a. Schütze 4, 232. Danneil 217
b. Schambach 220,
schwed. swans.
der plur. hat im hochd. stets umlaut. 11)
in verbalem sinne, schwenkende bewegung. 1@aa)
vom tanze, wol besonders von starkem schwenken beim tanz, das der geistlichkeit immer als ausgelassen und üppig galt, dann von üppigem oder auch von zierlichem, geschicktem gebahren beim tanz und allgemeiner: do komen studenten in ein frawenkloster, da machten sie den schönpöszten tanz mit ungeistlichem swantz, und vier singerin kunden so meisterlich den hymnum: quem terra, pontus, aethera zum tanz singen, daʒ eʒ wunder was in arg.
quelle von 1450
bei Schm.
2 2, 641; in mangem hôhem dôʒe [des] habent si den êrsten tanz, darzuo kumt Ranz unt Vrideher der grôʒe unt Huʒ, sîn spieʒ genôʒe, hânt dâ vil üppiclîchen swanz.
minnesinger 3, 267
a Hagen; von den rittern etlich menlich justieren, etlich sich conduwieren mit vil kluogem swanze zden frouwen in dem tanze, des man dô vil phlac. Ottokar 90745
Seemüller; alsô giengens' alle den tac diu hûsvrouw(e) und er, hôch brogent in dem hûs entwer, ir kurzwîl(e) diu was ganz, si kunden beide wol den swanz.
gesammtabent. 2, 416, 262
Hagen; Götz und Panz sollen machen den tanz, das Fridrauna haben irn swanz mit irn maiden und tritten, als auf dem dorf ist sitte.
fastn. sp. 446, 7
Keller. heute im allgemeinen veraltet, aber studentisch noch in neuster zeit im sinne von '
ball'. Kluge
studentenspr. 124
b (
beleg von 1846). 1@bb)
wie '
umlauf, kreislauf',
in zeitlichem sinne: ouch in des jâres swanze bûwt an der Driwanze Nûwenmarkt der vesten werc brûdir Otte von Luttirberc. Nicol. v. Jeroschin 26414
Strehlke. 1@cc)
der eigentlichen bedeutung näher, im sinne von '
umweg, abstecher'
noch bei Göthe,
vielleicht als eine art neubildung zu dem landschaftlich erhaltenen intransitiven schwänzen,
vielleicht aber als eine übertragung von 2,
c aus, die dem alten sinne des worts wieder nahe kommt: am liebsten gingen wir über die Furka auf den Gotthard, der kürze wegen und weil der schwanz durch die italienischen provinzen von anfang an nicht in unserm plane war. 16, 255. 1@dd)
im anschlusz daran unsinnlich mit bezug auf das abweichen vom geraden wege der rechtlichkeit: einen schwanz machen,
sein wort brechen, treulos sein Schm.
2 2, 643. Schöpf 657. 1@ee)
in verwandtem sinne studentisch, eine vorlesung per schwanz hören,
auf unrechtmäszige weise, sie '
schinden' Kluge
studentenspr. 124
b (19.
jh.). 1@ff)
der bekanntere studentische gebrauch als '
versäumnis einer vorlesung'
geht augenscheinlich gleichfalls auf einen begriff wie '
umweg'
zurück: einen schwanz riskiren,
eine vorlesung versäumen Kluge
studentenspr. 124
b.
dann auch concret, lücke im collegheft, einen schwanz nachreiten,
nach dem heft eines andern die lücke ausfüllen: ochse, deutscher jüngling, endlich, reite deine schwänze nach; einst bereust du, dasz du schändlich hast vertrödelt manchen tag! H. Heine 2, 59
Elster. freier, einen schwanz im examen nachmachen,
in einem fache, wo man durchgefallen ist, eine nachprüfung bestehen. 22)
concret, was schwenkend bewegt wird, und ähnliches. 2@aa)
im anschlusz an den verbalen gebrauch vom tanze (
s. o. 1,
a),
untertheil, schleppe eines tanzkleides, allgemeiner eines kleides überhaupt, schwantz an den weibskleyderen,
syrma Dasypod., schwantz an kleideren, so die wyber nach hin schleipffend,
syrma Maaler 366
b, schwantz am rock,
queue de robbe de femme Hulsius (1616) 292
a, ein langer schwantz an einem weiberrock, eine schleppe,
peniculamentum, idem quod syrma in traho Corvinus
fons lat. 1 (1660), 479
b, schwantz am rock,
syrma, peniculamentum Stieler 1954, der schwanz an den nachschleppenden kleidern,
syrma Frisch 2, 242
a.
nach Adelung
lieber dafür schweif
oder schleppe,
heute völlig veraltet und durch schleppe
ersetzt: es geschicht zum ersten durch die langen schwentz die sie in dem kat noher ketschen, als etlich pfaffen thuond und prelaten, und die wehen weiber. Keisersberg
narrensch. 29
a; ertzherzog Ferdinandus hat angehept ob andern klaidern ain langen, schwartzen mantel mit einem langen schwantz, den haben im 2 diener nachtragen.
d. städtechron. 23, 174, 8; (
Esther) nam zwo megde mit sich, und lehnet sich zierlich auff die eine, die ander aber folget jr, und trug jr den schwantz am rocke.
stücke in Esther 4, 4; wann under den hofjungfrauen und frauenzimmer ein jede meint dester basz daran zu sein und den göttern nähern, sovil sie einen längern schwanz am kleid nacher zeucht. S. Franck
moriae encomion 60
b; die braut aber liesz ihr den schwanz am rocke durch einen kleinen jungen allezeit nachtragen. Schweinichen 3, 23; ob ein schœn wîp im bequam, daʒ er der ware niht fürbaʒ nam, danne als der swanz gie ze den füeʒen und si vil kûme getorste grüeʒen. Hugo v. Trimberg
renner 3381; sie ist niden von dem schwantz nasz von tauw untz auff die knye.
altd. ged. 6, 28
Keller; wol mit anspielung auf den gebrauch im sinne von c: haben lange mäntel und lange schwänz, paradiren mit eichel- und lorbeerkranz, trottiren und stäuben zu hellen scharen, machen ein gezwatzer als wie die staren. Göthe 13, 3.
sprichwörtlich: wer viel tuch hat, kan einen schwantz tragen (wers lang hat, der läszts lang hangen). Kramer
diction. 2 (1702), 697
b. 2@bb)
auch vom kleide selbst, tanzanzug, putzgewand: lege einen borten ûf daʒ houbet vür den kranz, dînen swanz lege an dich, daswâr, sô bistu sûberlich.
minnes. 2, 77
b Hagen; und sehe ein münch an einem tanze ein meit in einem gelben swanze und mit einem schœnen rôsenkranze. Hugo v. Trimberg
renner 12367; der heilige Sante Florenze, der do den kînden behüetet ir swenze. Konr. Dangkrotzheim
namenb. 334
Pickel; (
Marie Magdalena:) o we rosenkrencz! o we miner swencz! o we gele gebende!
Alsfeld. passionssp. 1997
Grein. bildlich wie '
zier, glanz, herrlichkeit',
von der geliebten: mîn spîgil aller wîbe ein fruchtic frucht der olîbe, aller glôrste glanz, zuchtiger wête ein rîcher swanz.
mitteld. ged. 82, 316
Bartsch; von Maria: du minneclîcher bluomen glanz, du blüemest aller megede kranz; der sælden swanz dich hât alumbevangen.
lobgesang auf die heilige jungfrau 18, 3 (Haupts
zeitschr. 4, 520); dîn triuwe glanz, du sælden swanz, lûter mîne sinne.
Marienleich bei Bartsch
erlösung u. and. 190, 13; prîs, blüender swanz, prîs, mannâ, himelbrôt. Frauenlob 287, 6; din werdickeit und ouch din swancz ist gar fryszlich cz vornemen.
altd. schausp. 78, 2118
Mone. 2@cc)
vielleicht zunächst in anschlusz an a dann in dem sinne, der heute als der eigentliche empfunden wird, beweglicher rumpffortsatz bei thieren, der schwantz an einem yeden thier,
cauda Maaler 366
a und von allen späteren lexicographen gebucht. die bedeutungsverwandtschaft mit a veranschaulichen stellen gleich den folgenden: die natur hat den frauen keinen schwanz geben, sie machen aber ein' schwanz aus tuch der in hinden nachge.
quelle bei Birlinger 405
b; zwâr langer schwäntz kund ich nie schauen, an leben und an phaben, wann in dem land die frauen hinden an den röcken haben. Oswald v. Wolkenstein 6, 49. 2@c@aα)
die belege reichen bis ins 13.
jh. zurück. Megenberg
setzt noch meist verdeutlichend oder zagel
hinzu: er (
der sittich) hüett seines swanzes mit grôʒem vleiʒ. Megenberg 22, 13; daʒ tier (
das wasserpferd) hât ... ainen zagel oder ainen swanz als ain swein. 237, 2; daʒ tier (
die meerjungfrau) hât .. ainen zagel oder ainen swanz als ain delphin. 241, 4; daʒ (
ansibena) ist ain slang, diu hât zwai haupt, ainʒ an der rehten hauptstat, daʒ ander hinden an dem swanz oder an dem zagel. 263, 9; und do siu also in den nœten waʒ do stunt ein roter trach vor ir ... der zoch mit sime swantz daʒ dirteil der sternen nach üme und warff die uff die erde.
quelle in Haupts
zeitschr. 7, 145 (
offenbarung 12, 4); der schwancz (
des wurms) was lanck und rond. Steinhöwel
Esop 348
Österley; aber der wurm reket sich behend uff und schluog synen schwancz umb die hindern schenkel der kuo.
ebenda; aber der herr sprach zu jm (
Moses), strecke deine hand aus, und erhassche sie (
die schlange) bey dem schwantz.
2 Mos. 4, 4; und Simson gieng hin, und fieng drey hundert füchse, und nam brende, und keret ja einen schwantz zum andern und thet einen zwisschen zween schwentze, und zündet die an mit fewr, und lies sie unter das korn der Philister.
richter 15, 4; (
die heuschrecken) hatten schwentze, gleich den scorpion, und es waren stachel an jren schwentzen.
offenb. 9, 10; der schwannz (
des fisches) ist das pest. Schmidel
reise 65
Langmantel; so ein menschs paht oder ein thyer im selbenn wasser trinnckht oder übers wasser schwimen wil, so kumptt ein solche schlanngen unnder dem wasser, schwimptt zu dem menschen oder thier unnd schlecht den schwannz umb dasselbige, zeuchts alsdann unders wasser unnd ist es. 107; dem pferde geht der schwantz bis auf die füsze. Steinbach 2, 534; der pfau hat von natur seinen schwantz zur zierde.
ebenda; hättest alle nägel an ihren (
der staare) füszen zählen mögen und alle federn an ihren schwänzen.
F. Müller 1, 165; die andern (
ratten) hab ich wohl beobachtet, und ihre art die schwänze zu tragen bemerkt, dasz ich gute phisiologische rechenschafft davon werde geben können. Göthe
br. 5, 75
Weim. ausg.; (
im bilde, die zunge ist gemeint:) eʒ wont ein wurm in einem hol, der stiftet manic mort .. sîn swanz der ist gelüppes vol. gar giftic ist sîn ort. Marner 15, 9, 166
Strauch; heiʒʒent uns gewinnen premen unslit mucken marck, da von werden slingen starck. wir dürfent och ze unser vart ains phawen swants ain esels swart.
liedersaal 3, 122, 46
Laszberg; doch gelîch ichʒ (
das tanzen) aller best .. ainer ku die mit ir swantz fliegen und premen von ir iaigt. 295, 30; sehr musterlich starret (
dem raben) der schwantz. Rollenhagen
froschm. (1595) K 4
a; du vater (
Mars) hast den thieren in ihren sinn gejagt die waffen so zu führen: dir trägt ein beer die klau, ein hund den scharffen zahn, ein löwe seinen schwantz, und jeders was es kan. Opitz 1, 98, 408; zwo breite füsz und kurtzen schwantz, rundadinella, musz haben unsre Mertens-gansz, rundadinella.
Venusgärtlein 67
neudruck; dasz sie den teufel einstens beim hexentanz, ertappt, der sich in einen schaafbock mit langem schwanz verkappt. Hölty 9, 48
Halm. 2@c@bβ)
besondere wendungen: 2@c@b@aaαα) mit dem schwantz wadlen,
iactare caudam Maaler 366
b, mit dem schwanz wädeln,
caudam more atque ritu adulantium canum blande movere Stieler 1954. Kramer
diction. 2 (1702), 697
a, wedeln Steinbach 2, 534,
so bis heute, meist vom hunde: da lieff der hund vorhin, welchen sie mit sich genomen hatten, und wedelt mit seinem schwantz, sprang und stellet sich frölich.
Tob. 11, 9; das pferd wädelt mit dem schwanz,
equus caudam agit Stieler 1954,
bildlich, vom schmeicheln: mit dem schwanze wedeln und mit den zähnen beiszen wie die falschen hunde. Wander 4, 421. den schwantz schütteln,
squassare, scotere, menare la coda Kramer
dict. 2 (1702), 696
c,
ähnlich: das pferd schlägt den schwanz hin und wieder,
equus cauda muscas abigit Stieler 1954. den schwanz in die höhe recken, als kälber die aus dem stall kommen,
caudam arrigere saliendo, et currendo, ferociendo. Frisch 2, 242
a. den schwanz aufrichten wie pfauen, calecutsche hahnen, und auer - hahnen,
caudam arrectam rotare. ebenda. den schwanz hängen lassen, als hunde die sich fürchten,
demittere caudam. ebenda, bildlich: er läszt den schwanz hängen wie ein begoszner hund. Simrock 440, 9335,
in älterer sprache den schwanz hängen, hangen (
mit starker flexion): da war dem fuchsz nicht wol zu sinn, er dacht, es ist hie kleinr gewinn, mit seiner rott hing er den schwantz, die sach ist nun verderbet gantz. Alberus
fabeln 21, 291
neudruck; und ist die sache niergend gantz, denn hangen solche gsellen den schwantz, und rufen Friderichen an (
bitten um frieden, schonung). Waldis
Esop 1, 55, 54
Kurz. den schwanz zwischen die beine nehmen, einklemmen, einziehen,
von hunden, auch bildlich: er klemmt, zieht den schwanz ein wie ein hund. Wander 4, 420, 45 (
Nürtingen).
ähnlich: mit dem schwantz zwischen den beinen,
id est beschimpft oder beschämt davon gehen. Kramer
dict. 2 (1702), 697
a.
sprichwörtlich: den schwantz über das nest auszstrecken. Franck
sprichw. 1, 121
b, den schwanz durch manche hecken gezogen haben (
mit anspielung auf den unter d erwähnten gebrauch): manch arme dirn (
hatte er) dabey betrogen, den schwantz durch manche hecken zogen. Waldis
Esop 4, 16, 8
Kurz. wol eigentlich vom fuchse, von dem es auch heiszt: der fuchs kan sein schwantz nicht bergen,
id est, man erdapt doch den schalck zu letzt, wan jhn gleich einer ein weil verbergen wil. Corvinus
fons latin. (1660) 1, 131
a. Stieler 1954. Kramer
dict. 2 (1702), 697
a.
von langen meilen sagt man nach Campe: der fuchs hat sie gemessen und noch den schwanz zugegeben.
das sprichwort: wann die kuh den schwantz verloren hat, merckt sie erst worzu er gut gewesen,
malo accepto stultus sapit Dentzler 2, 258
a wird auch auf den esel bezogen: der esel erkennt nicht, wie nutz ihm der schwantz ist, bis er drumkommen. Kramer
diction. 2 (1702), 697
a.
mit bezug auf ein zweifelhaftes, nichtiges lob heiszt es: disz lob hett ein mücklin wol auff dem schwantz hinweg gefürt. Kirchhof
wendunm. 1, 115
Österley. im göttingischen sagt man: kleine mse hebbet, krîget âk swense,
kinder sind auch zu beachten. Schambach 220
a. 2@c@b@bbββ) bey dem schwantz nehmen, ziehen, schleppen,
pigliare, tirare, strascinare per la coda Kramer
dict. 2 (1702), 697
a: het ein pferd einen langen schwantz, so zoch er sie bei dem schwantz, stuond inen dʒ lang har leisz im schwantz, so kaufft er dʒ nit.
Eulenspiegel 101
neudruck (65.
hist.); solte er (
der ritter) aber ungeluck han, so liesz der hunt das rosz nit gan, bey dem schwantze er es zoch und alles wider heim floch.
altd. gedichte 53, 9
Keller. gnomisch: wir hätten unsern roman von hinten müssen anfangen. allein es ist auch nicht allzu sicher, die katz bey dem schwanze aus dem ofen zu ziehen. Lessing 1, 326.
auf das sprichwort: wes die kuh ist, der nehme sie selbst beym schwanz. Lehmann 83
nimmt die folgende stelle bezug: zwar wer itzund den fuchs nicht nach den haaren streicht und dennoch seine kuh nicht bey dem schwantze zeucht. Stoppe
bei Steinbach 2, 534 (
mit der erklärung: qui hodie alios non mulcet, res vero proprias levi brachio tangit). das pferd beym schwanz zeumen,
prov. de negotio, quod praepostere geritur Stieler 1954, aufzaumen Kramer
dict. 2 (1702), 697
a, aufzäumen Frisch 2, 242
a.
appenz. einem den schwanz in die hand geben,
beim viehverkauf, ein thier verkaufen ohne für etwaige mängel einzustehen. Tobler 402. dem hunde auf den schwanz treten,
bildlich wie '
einen beleidigen' Campe,
so auch jemanden auf den schwanz treten. Adelung. eins auf den schwanz geben,
bildlich: des künigs wendt wir nit vergessen und fragen, wie der bapst husz halt, und klagen des Frantzosen gewalt, ouch wie er uns mit list dor neben eyns uff den schwantz unsz werde geben. Murner
schelmenz. 40 (
nr. 24), 26
neudr. ähnlich auf den schwanz schlagen,
so: die wahrheit,
lügen Schmeller
2 2, 643.
anders etwas auf den schwanz schlagen, klopfen,
auf die seite bringen, für sich behalten, unterschlagen Frisch 2, 242
a. Schm.
2 2, 643. Spiesz 229. Sartorius 182. Wander 4, 420, 44. 421, 51. 56 (
auch nd.),
nach Frisch wie, wann man die schlangen und eidexen auf den schwanz schlägt, ein stück abspringt,
eher vielleicht '
durch einen schlag in die flucht jagen'
oder vom viehverkauf hergenommen: '
auf den schwanz des verkauften thieres rechnen'.
zur entwicklung der bedeutung mag schwänzen
und einen schwanz machen (
oben unter 1,
d)
im sinne von '
betrügen'
beigetragen haben. vgl. auch schwänzelgeld,
schwänzelpfennig und schwanzgeld: (
nichts) von dem marktgeld auf den schwanz schlagen.
mägdelob 65; ein paar ducaten auf den schwantz schlagen. Kramer
dict. 2 (1702), 697
a; so schlugen sie dennoch drei (
bierkrüge) auf den schwanz.
Salinde 117; vier groschen auf den schwanz schlagen. Adelung; einen thaler, einen brief auf den schwanz schlagen. Albrecht 209
a. den schwanz streichen,
kosend: die spatzen essen nicht, man streich ihnen dann den schwantz.
Garg. 101
a, einem den schwanz streichen,
met. adularlo, accarezzarlo, lusingarlo Kramer
diction. 2 (1702), 697
a,
adulari Frisch 2, 242
a, den schwanz streicheln,
nach dem munde reden Adelung. etwas in den schwanz knoten,
dem gedächtnis einprägen, landschaftlich. häufiger scheint auch die bildliche wendung der folgenden stelle gebraucht worden zu sein: noch kont er (
ein kranker) seine bossen nit lassen, sonder sprach, er könte kain trost seins lebens haben, dann er were weit über den mittentag und sesze iezmals der gais so nahe ufm schwanz, das er schier herab fiel.
Zimmer. chron.2 2, 67, 27.
es erinnert daran die heute übliche redensart kommt man über den hund, so hommt man auch über den schwanz,
womit eine schwierigkeit, unannehmlichkeit als unwesentlicheres anhängsel einer gröszeren bezeichnet wird. 2@c@b@ggγγ)
jäger sagen: nicht einen schwanz von einem hasen haben wir gesehen,
nicht die spur Jecht 101
b,
aber nicht nur im mansfeldischen, freier: nicht ein schwanz,
gar nichts. Albrecht 209
a. 2@c@b@ddδδ)
vergleichend heiszt es sprichwörtlich: so rein, wie eine kuhe unter dem schwantz. Kramer
dict. 2 (1702), 697
a; da geit he hen, as de hund aan swans,
da ist er schlimm weggekommen Schütze 4, 232. 2@c@gγ)
in bestimmten gebräuchen; beim jüdischen opfer: darnach soltu nemen das fett von dem wider, den schwantz, und das fett am eingeweide, das netz uber der lebber, ... und legs alles auff die hende Aaron und seiner söne, und webe es dem herrn.
2 Mos. 29, 22;
auf deutschem boden wie anderswo vielfach symbolisch gebraucht mit beziehung auf den thiergestalteten geist des pflanzenwachsthums. so ziehen im frühjahr, zu pfingsten, Johannis bursche hinten mit einem kalbsschwanze versehen um. Mannhardt
mythol. forsch. 64.
im kurländ. kocht die wirtin, wenn zuerst im jahre gerste gesäet wird, einen schweinsrücken samt dem schwanze, von dem der sämann iszt. den schwanz schlägt er ab und steckt ihn in den feldrain, dann sollen die ähren so lang wachsen als der schwanz. 186.
im herbst, mit der ernte wird der geist beim schwanze ergriffen und desselben beraubt. wer die letzten halme schneidet, haut,
wie man in Aurich sagt, dem hasen den schwanz ab. 185.
der schnitter der letzten halme, der drescher des letzten gebundes hat das haferschwänzle, den weizenschwanz.
ebenda. der in Westfalen im frühjahr herumgeführte fuchs mit abgehauenem schwanze stellt vielleicht den dämon dar, der den schwanz im herbst verlor und erst mit dem wachsthum des getreides wieder erhält. ebenda. der schwanz erscheint so geradezu als das eigentliche symbol des wachsthums, der fruchtbarkeit. dazu stimmt die schwäbische hochzeitsitte, der braut das schwänzchen des gebratenen schweins in verdeckter schüssel darzubieten. 186
und der in Worbis übliche fastnachtsumzug der schäfer, wenn die a. a. o. 191
gegenbene erklärung der bezeichnung desselben der rehschwanz geht um
als '
der blutige (
sc. widder-)
schwanz geht um'
richtig ist. offenbar ist in diesen bräuchen eigentlich der penis gemeint, aber es scheint sich auch abgesehen von solcher verhüllung daraus, dasz der schwanz für das thier characteristisch ist, eine prägnante auffassung desselben entwickelt zu haben, der er mehr ist als blosz der hintere theil des thiers. —
kindern rät man scherzend, wenn sie vögel fangen wollen, ihnen salz auf den schwanz zu streuen. 2@c@dδ)
der thierartig gestaltete teufel hat auch einen schwanz: als er (
Belial) nirgent eyn oder ausz wuste, da schwur er bey seinem lend und schwantz, dasz er dem Moise widerumb ein gleichmessigen schimpff beweisen wolt, und zottelt also sehr betrübt zur hellen. Ayrer
proc. 491; wäre dein schwanz in der klemme, du predigtest nicht so gemüthlich. Voss 2, 257.
daher die folgenden bildlichen wendungen: sye (
die priester und schriftgelehrten, die Christus tödten wollten) worent dem tüfel uff den schwantz gebunden, und stuondent zwischen rossz und wandt. Keisersberg
post. (1522) 1, 112
a; er weisz, wo der teufel seinen schwanz hat, er ist ein schalck. Kramer
dict. 2 (1702), 697
a; Karl Buttervogel (
dem ein wunsch abgeschlagen war) ging die söllertreppe hinab und murrte: 'das weisz ich schon, auf all mein glück legt der teufel seinen schwanz'. Immermann 2, 53 (
Münchh. 3, 8)
Boxberger; die menschen haben den teufel zur welt hinausgejagt, aber den schwanz haben sie ihm ausgerissen und der heiszt tendenz. Auerbach
dorfgesch. 3, 30. 2@c@eε)
auf den ehemaligen academischen brauch, junge studenten (
beani)
als thierähnliche ungeheuer zu betrachten, die erst durch die deposition von ihrer miszgestalt befreit wurden, oder auf die entwicklung der frösche (
kaulquappen)
bezieht sich wol die folgende stelle: es plagt ihn der gelehrte nabel von vieler kunst und wissenschafft, und der noch etwas grüne schnabel gab jeder sylbe thon und krafft. ich wolte seinen stand erfahren, doch, als die balsam-büchse stanck, so roch und sah ichs aus den haaren, und sprach: dem ist der schwantz noch lang. Günther 167. 2@c@zζ)
auch von anderem, was thierartig gedacht wird: der schurk (
der wein) ist auch so glatt. schenk noch einmahl ein, gar zu glatt, Milon, glätter als ein aal. kaum wollt' ich den schelm am kopf erwischen und ihm ins gesicht sehen, da war mir schon der schwanz zwischen dem daumen.
F. Müller 1, 164; unsere mode vergöttert romane, .. die den schwanz der liebe zu ihrem maule fügen; die zu thränen und zu allem reizen, gleich gewissen giften, die zugleich vomieren und purgieren. J. Paul
grönl. proc. 1, 51; eine flasche wird gestochen und ein dutzend schelmenliedchen an den schwänzen eingefangen, am refrain, den alle kennen. Keller 10, 216.
vgl. dazu unten h,
ζ. 2@dd)
mit bezug auf menschen in naheliegender übertragung und von c aus wie membrum virile (
vgl. cauda, mhd. zagel
in demselben sinne),
früher auch in ernsthafter, züchtiger rede, also als verhüllend empfunden, in neuerer zeit nur als derb scherzhafter ausdruck geltend, swantz,
penis Dief. 422
c (
von 1517), schwantz, das männlich glid Dasypodius, desz manns glid Maaler 366
b. Stieler 1954,
von Kramer
diction. 2 (1792), 697
b als unzüchtig bezeichnet, ebenso von Frisch 2, 242
a und Campe,
der richtig bemerkt, dasz es auch so gelegentlich mit bezug auf gröszere thiere gebraucht wird. Schm.
2 2, 642. Castelli 253: wem sein swantz wee tu von frawn oder sunst.
quelle des 15.
jahrh. bei Schm.
a. a. o.; daselbst waren andere, die namen den bischof, fürten ine zu aim block, daselbs zogen sie im das geschier und den weiber-werkzeug herfür, legten ime den uf den block und zu seiner straf begangner handlung do schlugen sie ime ain hülzin pfal durch den schwanz.
Zimmer. chron.2 1, 77, 6; es haben die kleinen buben dieser zeit gröszer schwenz, dann bei herzog Eberharts zeiten die gewachsnen edleut. 2, 67, 8; aufgereckter, stehender schwantz. Kramer
dict. 2 (1702), 697
b; der rock ist kurz, da pristet tuoch, .. de schouwet man den lieben swanz, der henget an dem rouch, und ist gelich einem gouch. Altswert 52, 24; für euch (
weiber) sind zwey dinge von köstlichem glanz: das leuchtende gold und ein glänzender — Göthe 14, 307
Weim. ausgabe. diese bedeutung klingt auch in den folgenden wendungen an: ein verhurter alter wird einem zwiebel verglichen, der einen weiszen kopf und einen grünen schwantz hat. Kramer
diction. 2 (1702), 697
b; ihrer viele von denen, so die keuschheit haben angelobt, seynd wie des Samsons füchse, welche auf fremden äckern herumlauffen, und feuer am schwantz haben.
ebenda (
mit beziehung auf richter 15, 4).
es heiszt: wenn der schwanz steht, ist der verstand im arsche. Wander 4, 419, 23 (
angeblich ein ausspruch Blüchers);
von einem geilen frauenzimmer heiszt es: der schwanz guckt ihr zu den augen heraus. 420, 35 (
Wien), aus den augen. 2@ee)
von hier aus erklärt sich wol schwanz
als geringschätzige, wenn auch nicht gerade beleidigende bezeichnung männlicher personen, so bair.-östr. Schm.
2 2, 642. Schöpf 657. Lexer
kärnt. wb. 228,
aber auch nd.: een swans vun'n keerl,
in der pöbelsprache ein unbedeutender kleiner elender kerl Schütze 4, 232,
und ebenso in der gaunersprache narr, geck, groszprahler Avé-Lallemant 4, 606: da hetzt man den lazarmen, latzleren, auszgedörrten, rauchgehenckten bickingischen schneckenfresser und hafenscharrer bruder Lantzenstil sampt seiner lären sackpfeiffen mit kröpfigen hunden ausz, das dem armen schwantz vor feisztem schrecken möcht das pruch entfallen: denn armut schneid da kein speck.
Garg. 81
a.
für die herleitung der bezeichnung aus der vorigen bedeutung (
penis)
spricht, lasz sie auch ohne allen spöttischen nebensinn gebraucht wird: a sgra schwnz,
ein rüstiger mann Castelli 253.
doch tritt wol eine beziehung auf den thierschwanz hinzu, wie die gleichfalls spottend von menschen gebrauchten zusammensetzungen sauschwanz, biberschwanz, katzenschwanz. Schm.
a. a. o. zeigen. 2@ff)
weiter auch als übertragung von c aus von anderem, was ähnlichkeit mit einem thierschwanz hat, schwanzförmiges anhängsel, ende. 2@f@aα) schwanz oder schweif (
so heute lieber) eines kometen. Adelung, sternschwanz Stieler 1954: des jars an sant Veits obent da sah man einen stern auf der vesten, der gab einen schein als feurein flammen und het einen swantz, der was weis als ein weisze wulken.
d. städtechron. 10, 215, 10; item 1456 jar da kom ein stern an den himel, den sah man ein or auf den tag auf gen, und het einen langen schwantz, und weret bei 14 tagen am himel, das was umb sant Johanns tag zu sünbenden; und die sternseher die heissen in ein cameten. 216, 1; die sonn gieng unter wie ein fewr, und warff die stralen jmmer forth, wie spiesz, und ruhten, hin nach north, als strich durch ein nebel jhr glantz, oder macht ein cometen schwantz. Rollenhagen
froschm. (1595) Hh 3
b. 2@f@bβ)
vom haarzopf Adelung. Danneil 217
b: bald ziert ein knoten die peruque, bald führt man schwantz und beutel ein. Picander 3, 270. 2@f@gγ)
von den strichen an den noten, im gegensatz zu den runden köpfen Jacobsson 7, 285
a: wenn sie (
ein schuhmacher) ihr lebtag nur für die füsze gesorgt haben, so habe ich die schönsten jahre meines lebens damit verschwendet, blosze köpfe zu machen, nämlich notenköpfe, und freilich auch recht artige schwänze daran; aber das beste fehlte: hand und fusz wollten die spitzbuben nicht kriegen. Heyse
kinder der welt 2, 260. 2@f@dδ) schwäntze an buchstaben,
code, it. haste delle lettere Kramer
dict. 2 (1702), 697
b. 2@f@eε) schwäntze an knöpfen,
code a bottoni, alemari. ebenda. 2@f@zζ)
nautisch schwanz der seitengallerie,
der in einen schnörkel endigende untere theil derselben. Bobrik 618
a. 2@f@hη)
in der botanik von fadenförmigen anhängseln an den samen der pflanzen, cauda. Campe. Behlen 5, 570. 2@f@thθ)
im bergbau ein ring am '
hunde',
dem dort üblichen karren. Veith 437. 2@f@iι)
ebenda das zugespitzte ende eines pfahls (
treibepfahls)
bei der abtreibezimmerung, mit dem er in das gebirge eingetrieben wird. a. a. o. 2@f@kκ)
bei den bürstenmachern die unteren spitzen enden der borsten. Jacobsson 4, 67
a. 2@f@lλ)
bei den büchsenmachern das vorspringende stück eisen an der schwanzschraube. Jacobsson 4, 76
a. 2@f@mμ)
weidmännisch der zapfen, der beim kugelgieszen entsteht und abgeschnitten oder abgezwackt wird. Kehrein
waidmannspr. 268. 2@f@nν)
an den geigen das stück holz unterhalb des stegs, an dem die saiten befestigt werden. Jacobsson 3, 334
b. 2@gg)
allgemeiner, wie '
anhängsel'
überhaupt. 2@g@aα)
mit anlehnung an 2,
a: herrenschwanz,
comites et satellitium principis Stieler 1954; einen langen schwanz bei sich haben,
ein unnöthig langes gefolge Adelung: der kammerherr und der ganze schwanz von pagen, lakayen und trabanten des goldnen hahns rannten in blinder verzweiflung in die voraustretende garde des sultans. Klinger 10, 82.
ähnlich: einem einen schwanz machen, abgeben,
ihm in allen absichten und launen zu diensten sein. Schm.
2 2, 643. 2@g@bβ) einem ding einen schwantz anmachen,
far coda à qualche cosa, codare, incodare Kramer
dict. 2 (1702), 697
a. 2@g@gγ)
von einer musicalischen schluszerweiterung, coda oder verzierung: ir hiet ûf iwer seitensnuor mit drîvaltigem swanz gemachet ein sô süeʒen tanz, mit iwer selbes liden eʒ wær kunic Daviden der kunst genuoc gewesen. Ottokar 719
Seemüller; kein lied ist wol gemacht, das nur schwänze heget und den atem leget.
geharn. Venus 141
neudruck. 2@g@dδ)
sächs.-thür. sagt man: der kaffee hat einen schwanz,
wenn er einen nachgeschmack hat. Campe. Albrecht 209
a. Jecht 101
b.
im würzburg. heiszt der beim trinken und kosten des weins zurückbleibende geschmack der gähre schwanz. Sartorius 114.
vgl. dazu die unter c, ζ angeführte stelle F. Müllers. 2@hh)
wie '
schlusz, ende, letzter, unterer theil',
extremum, infimum Stieler 1954. 2@h@aα)
waidmännisch von den letzten thieren eines trupps, rudels, so von jagdhunden. Behlen 5, 570: jagen sie um eine ecke wieder so fort, so stopfft man selbige, damit der schwantz auch nachkommt. nb. die fordersten hunde werden der kopf, und die hintersten hunde der schwantz genannt. Döbel
jägerpract. 2, 104
a.
aber auch vom wilde Behlen
a. a. o. 2@h@bβ)
bei der artillerie der hintere theil der laffettenwand. Jacobsson 4, 76
a. 2@h@gγ)
bei den buchbindern der untere theil eines buchs. Jacobsson 7, 285
a. 2@h@dδ)
bei den schlossern der theil eines riegels, der nicht aus dem schlosse heraustritt. Jacobsson 7, 73
c,
auch der untere theil einer schraube. Campe. 2@h@eε)
regelmäszig ist in solchen fällen schwanz
der gegensatz zu kopf,
das dann das obere, vordere ende, den anfang bezeichnet. kopf und schwanz
verbunden bezeichnen in allgemeiner anwendung ein ganzes, totum. Frisch 2, 242
a.
man sagt etwas hat weder kopf noch schwanz,
wie '
hand und fusz': er wird dir zeug schwatzen, das weder kopf noch schwanz hat. Lessing 2, 57.
auch von menschen, die den untersten rang einnehmen, wird schwanz
gebraucht: er ist der schwanz,
hominum ultimus est, infimum locum obtinet Stieler 1954
und tritt hier ähnlieh in gegensatz zu haupt: der herr wird dich zum heubt machen, und nicht zum schwantz.
5 Mos. 28, 13. 2@h@zζ)
bisweilen tritt in solcher anwendung die beziehung zu der hier zu grunde liegenden bedeutung des worts (2,
c)
deutlich hervor: nicht blos dem falben herbste unsers entlaubten seins werden die schönsten freuden aufgespart .. sondern auch dem ende des blosen kalenderjahrs, dem ende und schwanze eines buchs, eines epigramms, eines gastmahls, eines krebses wird das beste fleisch, das dessertservice, kurz, weihnachten aufgehoben. J. Paul
jubelsen. 186. 2@ii) schwanz
das heraldische verzogene des Göttinger wappens, wol wegen der ähnlichkeit mit einem thierschwanz, vgl. f: de krosse myt dem rudenkrantze, van Gottingh olt myt dem swantze scholden gelden pennyngk vere.
d. städtechron. 16, 189, 2737. 2@kk) in die schwenz fallen
scherzhaft für in die schanze fallen (
s. dies oben th. 8, 2165): der besorgt, es möchten im die von Rotweil in die schwenz fallen und vileucht Balingen in einem schein einnehmen, das im hernach zu nachtail reichen mochte.
Zimm. chron.2 2, 457, 8.