sauer,
adj. acidus. II.
Formales. mhd. ahd. sûr Graff 6, 272,
ags. sûr;
auszerhalb der westgermanischen sprachen nur im altn. bezeugt als súrr,
im goth. fehlt das wort (
Luc. 13, 21
ist nicht erhalten);
die neueren germanischen sprachen haben das wort durchaus bewahrt: engl. sour,
dän. suur,
schwed. sur,
nld. zuur;
aus dem germanischen stammt franz. sur;
dem germanischen worte wird verglichen altslav. syru,
humidus, crudus Fick
4 1, 565;
lith. súras,
salzig, lett. súrs,
bitter, salzig, herbe, mühevoll, schwer Schade 898
b;
die bedeutungsentwicklung, welche das adjectivum aufweist, deutet vielfach auf einen ursprünglich allgemeineren sinn des wortes zurück, scharf, ätzend, von bitterem, sauerem und salzigem geschmacke (
s. unter 2);
die sure,
zur bezeichnung von salzlake, salzhaltigem wasser bei Schm. 2, 324.
bemerkenswert sind die altbezeugten bildungen ahd. sûrougi Graff 1, 123,
altn. súreygr,
ags. sûreáged,
triefäugig, das auge erscheint als mit ätzender flüssigkeit gefüllt. nach Dietrichs
bemerkung in Haupts zeitschr. 5, 227
läge in sûr
ursprünglich das verdorbensein durch gährung, so erkläre er sich altn. saurr,
m. zunächst faeces, dann sordes, seyrna
verfaulen. nimmt man an, dasz sûr,
ahd. ursprünglich '
verdorben durch gährung, faulig'
bezeichne, so erscheint es bedeutungsvoll, wenn sauer
im deutschen von sumpfigem, modrigem boden gebraucht wird, der nur schlechtes, dem vieh ungenieszbares gras hervorbringt (
s. unter 5,
b); sûr,
f. mistjauche, tabakrötzel Schöpf 731.
hieraus würde sich dann allgemeiner der sinn von feucht entwickelt haben, der in saures holz,
frisches, saftiges holz vorliegt (
s. unter 5,
b).
das ags. seár,
adj. dürr, vertrocknet, obgleich der form nach im ablaut zu súr
stehend, gehört nicht in diesen zusammenhang; diesem ags. seár
entspricht deutsch sôr,
trocken, dürr, hierzu ahd. sôrên Graff 6, 272;
auf verwechslung mit sôr
beruht es, wenn die windmüller von saurem winde
sprechen, d. h. solchem, der bei bedecktem himmel ohne niederschläge weht; vielleicht ist so auch zu erklären der landschaftliche ausdruck sauer kalt,
trocken kalt Woeste 223
b.
auf mhd. sûr
zurück geht das im älteren nhd. vorwiegende saur
oder sawr (
s. die belege);
zum theil hat sich inlautendes w
entwickelt, mhd. sûwer,
mit nhd. lautstande sauwer (
buch der liebe 195
a unter 4,
d, β);
das inlautende w
findet sich noch mundartlich Lexer 212. Spiesz 204.
die steigerung erfolgt in neuer sprache gewöhnlich ohne umlaut, in älterer sprache sind umgelautete formen häufig: und liesz den seursten luft von im.
fastn. sp. 327, 5. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
zur bezeichnung des specifischen geschmackes, im gegensatz zu süsz,
wie ihn z. b. essig, unreifes obst an sich haben; saurer essig,
acetum acre, peracerbum Stieler 1697; saur werden, zuo essig werden,
acescere Maaler 343
d;
sprichwörtlich: solt ich sauer werden, ehe ich inn den essig krug komme,
im sinne von 4 '
sollt ich mürrisch werden, ehe mich widriges geschick dazu macht'. Henisch 952, 2; sauer macht essen, spricht man. Luther
briefe 2, 443; sauer macht lustig. Simrock 8754; sauer fischbrü,
oxygarum Dasypodius. saure gurken,
in essig eingelegte; saure heringe; citronen
sind sauer;
das obst, wenn es unreif ist: sauer obst,
poma austera Stieler 1697; die kirschen sind noch sauer;
aber saure kirschen
auch zur bezeichnung einer besonderen art mit angenehm säuerlichem geschmack; saure trauben: doch fehlts ihm weit (
einem gecken), sieht aus wie saure trauben.
d. knaben wunderh. 1, 405
Boxberger. sprichwörtlich dem fuchs sind die trauben zu sauer,
oder nur die trauben sind ihm zu sauer,
wenn jemand etwas herabsetzt, was er vergeblich erstrebt hat, nach der alten äsopischen fabel de vulpe et uva: (
der fuchs, der lange und ohne erfolg nach den trauben gesprungen war) sprach: nun synt doch die truben noch süwr. ich wolte sie ouch nit essen, ob ich sie wol möchte erlangen. Steinhöwel
Esop. 173
Österley; sie ist ja doch sauer! sagte der fuchs von der traube, nach der er lange genug vergebens gesprungen war. Lessing 1, 150. Burk. Waldis
setzte birnen statt der trauben ein 3, 73: er sprach: fürwar, ich jr nit wil; sein noch nit reiff, ja hart und sawr.
v. 27 (
s. oben theil 4, 1,
sp. 336).
sprichwörtlich in den sauren apfel beiszen müssen,
wol oder übel sich in etwas widriges fügen müssen: was war zu thun, wir musten in einen sauren apffel beiszen.
Pierot 2, 365.
ältere belege s. oben th. 1,
sp. 533.
in verwandter vorstellung: ja man musz bisweilen in die saure schale beiszen, um auf den kern zu kommen. Lenz 1, 218. saures bier, saurer wein: sûr wîn,
crudum vinum Graff 6, 272; sauer bier,
cerevisia acida Stieler 1697; an stat des kranzes, den man hängt, aus einem haus, darinn man sauern wein verschänkt. Butschky
Pathmos 275; nicht einmal einen sauren wein will ich ihnen mehr verkaufen. Raimund 2, 237; sölich mynn und saures pier sol man geben ringclich von hanndt. Cl. Hätzlerin 2, 85, 192; einer in Basel will ein glas bier trinken; das bier war sauer, zog ihm den mund zusammen, dasz ihm die ohren bis auf die backen hervor kamen. Hebel 2, 183.
sprichwörtlich einen beim sauren bier erwischen,
auf schlechter sache ertappen. Schmid 624. saure milch,
übergegangene milch, als erfrischender trank geschätzt: saure milch,
lac fugiens, corruptum, macescens Stieler 1697; sie leben fast nur von der sauren oder sogenannten schlippermilch. Immermann
werke 1, 10
Hempel; willst du vielgereis'ter hier dich laben; sauren raam und brot und reife früchte, nur die ganz natürlichsten gerichte, kannst du reichlich an der quelle haben. Göthe 1, 218.
scherzend: der könnte die milch sauer machen,
von einem, der finster, sauer (
s. 4)
drein sieht. Schm. 2, 320. saure rüben: wann mein frau iszt in für saur rüben.
fastn. sp. 370, 23. saures kraut,
sauerkraut (
s. dieses): miltzhäring gut zum sauren kraut. Fischart
Garg. 56
a; sauer kraut,
brassica conditanea, muriatica Stieler 1697;
sprichwörtlich einen auf dem sauren kraut essen,
leicht mit einem fertig werden. Schmid 447;
nd. suren kool
brem. wb. 4, 1103.
den brodteig setzt man in gährung (saure gährung Campe)
durch sauer gewordenen teig, sauerteig: en gans deech wert zur van eneme lutteken zurdege.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 477
b. saures brot,
grobes, schweres, schwarzes brot: das ist ain brot, weder saur noch süsz. Schade
sat. u. pasqu. 2, 145, 31; saure suppe (
s. unten sauersuppe),
in bildlicher wendung: wir solten ihm aber ja! (wie er hinterher uns sagen liesz,) keine nase drehen, sonsten würde es uns zur sauren suppe gereichen.
Felsenb. 4, 270. sauer schmecken, riechen: warumb riechstu denn heut so süsz und so sauer. Soltau
volksl. 517. sauer einlegen,
z. b. früchte; sauer kochen,
sprichwörtlich: das kannst du dir sauer kochen,
als zurückweisung von etwas unbrauchbarem. Frischbier 2, 249
a; lasz dirs sauer kochen,
jemandem gesagt, der ängstlich etwas hütet, nicht zeigen, hergeben will. Albrecht 196
b;
nd. goossuur,
sauer eingekochtes gänsefleisch; ebenso swînesuur, rinnernsuur, kortsuur (
gehackte leber und lunge).
brem. wb. nachtr. 355; sauer und süsz kochen,
eine speise mit gesüszter saurer sauce bereiten. Frischbier
a. a. o.; ein sauergebratens,
assa condita, aceto macerata Stieler 217; sûrsenna,
sauren käse bereiten (
vorarlb.) Frommanns
zeitschr. 5, 487.
die volkssprache bildet eine reihe charakteristischer verstärkungen zu sauer: kirrsauer,
nd. krîtsûr, krachsauer
theil 5,
sp. 843; krensauer,
sauer wie merrettig (
th. 5,
sp. 2168
unter kren 2,
d), stech-, stechkrach-, kirrkrach-, kittsauer (
henneberg.) Frommanns
zeitschr. 1, 230. II@22)
in älterer sprache und vereinzelt in mundarten ist die mit sauer
bezeichnete geschmacksqualität nicht so eng begrenzt, wie im ausgebildeten nhd., sondern umfaszt alles, was dem süszen entgegengesetzt ist (süsz
und sauer,
so besonders in übertragenem sinne einander gegenübergestellt, s. unter 3),
also auch das bittere und salzige: altn. gallsúrr,
gallenbitter Egilsson 220
b; salzsaur,
stark salzig Frommanns
zeitschr. 1, 230 (
vgl. Schm. 2, 320).
von allem was scharf, bitter, beiszend, herbe die sinne rührt; bitter, scharf schmeckend: ich spriche daʒ wol überlût, daʒ deheiner slahte neʒʒelkrût, nie wart sô bitter noch sô sûr als der sûre nâhgebûr.
Tristan 378, 15
Maszmann; er bekor denn ê die bitterkeit der wurzen: diu ist bitter gar, hert und sûr, ân allen vâr. Boner
edelst. 4, 14.
scharf, übel riechend: swâ man ûfen teppech trat, cardemôm, jeroffel, muscât, lac gebrochen undr ir füeʒen durh den luft süeʒen: sô daʒ mit triten wart gebert, sô was dâ sûr smac erwert.
Parz. 790, 6; sollen kluge leute den bienen nachfolgen, welche auch von den sauren bittern blumen guten süszen honig zu machen pflegen. Schuppius
schriften 568.
in älterer sprache formelhaft: das riecht ihm sauer in die nase,
das kommt ihm übel an, ist ihm sehr unangenehm: nd. don hefft he der stad upgelecht 65 dusendt daler, dat rock uns sur yn de nasen.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 477
b; was gott durch uns im evangelio bisher hat gewirckt, und so viel seelen errettet, das gehet dem teufel sawr in die nasen. Luther 3, 81
a;
vom beiszenden rauche, im bilde: Joseph. wann es hat mich ausz meinem hausz der sauer rauch gebissen ausz.
Melisso. du meinst leicht etwan dein weyb. H. Sachs 3, 3, 31
a.
sehr häufig in alter sprache von scharfem, schneidendem wind, widrigem wetter, schlimmer jahreszeit: starc wint sûr regen übel zît in allen enden. Herbort
liet von Troye 16921; der walt muoʒ von sûren winden ungevüegen schaden dulden. Neidhart 51, 3; der herbest nâch dem sumer gât, an dem ein kalter winter stât; der ist herte unde sûr. Boner
edelst. 13, 7;
in schönem bilde: fiurs blicke ûʒ helmen sprungen, von ir swerten gienc der sûre wint.
Parz. 742, 13.
im vergleiche: lîplîche vroude und alle zirde dirre werlde ist alse ein sûr wint in irre sêle.
myst. 1, 55, 25.
auch im älteren nhd. findet sich sauer
so gebraucht, besonders bildlich, während die neuere sprache dieser anwendung nicht mehr fähig ist: da wehet es erst sawer unter augen (
da hebt erst die rechte schwierigkeit an), wenn ich dem sol hold sein, guts thun, und wündschen, der mir alles hertzleid anlegt. Luther 6, 49
b; war ich doch dabei lustig und liesz mich einen sauern wind nicht bald umwehen. Schweinichen 2, 97; wenn biszweilen ein sawrer wind aus Hessen gehet, wie wir Thüringer sagen. J. Rhode
tugends. weiberspiegel (
Erfurt 1586) a 7
a; etliche unser völcker, welchen zuvor in ost- und west - indischen schifffahrten mancher saurer wind unter augen gangen. Olearius
reisebeschr. 38
b; ich musz im guten wetter fort, und mir manchen sauren wind unter die augen gehen lassen.
pers. rosenth. 2, 35.
von schmerzenden wunden: Brumbâne ist genant ein sê; da treit mann (
man ihn) ûf durch süeʒen luft, durch sîner sûren wunden gruft.
Parz. 491, 8; den löwen lêrte sîn natûr und ouch sîn wunde (diu. was sûr), daʒ er eins arzâtes begert. Boner
edelst. 47, 30. II@33)
in weiterer anwendung, was für den gesamtzustand, die empfindung schmerzhaft, widrig ist, mühe, beschwerde verursacht. die ältere sprache bewegt sich freier und braucht sauer
häufig, wo die neuere statt desselben bitter
einsetzt; im allgemeinen beschränkt die neuere sprache sich auf die anwendung im sinne von mühevoll, beschwerlich. II@3@aa)
was schmerz, qual erregt, schrecklich, schlimm, widrig ist. sprichwörtlich: enderung im regiment geberen offt ein sawer endt. Lehmann 198.
zum theil übergehend nach 2: sus huop sich die sûre zît. Herbort
liet v. Troye 7388; dâvon si beide ein sûreʒ muosten lîden.
minnes. 2, 227
a Hagen; swen si ir minne solde wern, daʒ wære ein sûreʒ trûten.
Wigalois 6324; sô müeser sîne schärpfe nôt hân brâht unz an den sûren tôt.
Parz. 643, 26;
vom jüngsten tage und den schrecken des gerichtes: eʒ ist der tac der armekeit, der angest, der nôt, der arbeit, des zornes, der tôtvinstern nôt, der sûre tac von viure rôt.
Barlaam u. Jos. 96, 4; daʒ êwige viur, daʒ ist bitter unde sûr.
glauben 492; bediutet die bittern helle und die sûren und engestlîchen und jæmerlîchen marter, diu darinnen ist. Berth. v. Regensburg 2, 5, 11.
besonders gern werden süsz
und sauer
einander gegenüber gestellt oder verbunden (
s. Lexer
mhd. handwb. 2, 1325): unz daʒ der Wâleis übersach sîn süeʒe sûreʒ ungemach.
Parz. 295, 4; ir süeʒe sûr, ir liebeʒ leit.
Tristan 3, 20; ich brauch nichts von den leuten und sie kriegen auch nichts von mir, nichts gutes, nichts übles, nichts süszes und nichts saures. Raimund 2, 237.
häufig ist der gedanke ausgedrückt, dasz es gilt, das süsze
wie das saure
zu ertragen: wer ehr begehrt und nicht süsz und sawr, gut und böses uberwinden kan, der kompt nicht darzu. Lehmann 176; ich urtail, das ain junger man vor zehen jar gen schuol sol gan und fünf jar pauen fremde lant, bis im wirt saur und süesz bekant.
fastn. sp. 315, 14; (
vom gottesfürchtigen) got geb, got nem, gilt im als glich, nimpt saurs und süszs uf williklich. Schade
sat. u. pasqu. 2, 205, 300; wer wolt dem leib besser vorstehen, seinen weg besser sehen, und gehen, ohn sein augen, und seine füsz, die mit auszbaden sawr und süsz. Rollenhagen
froschm. v 4
b.
leid folgt auf freude, dem süszen
geht das saure
nach: hiute süeʒe, morgen sûr: leit ist liebes nâchgebûr.
minnes. 2, 364
b Hagen; daʒ ir mirʒ helfet büeʒen, ob sûr kumt nâch süeʒen.
ges. abent. 2, 162, 94; gott bey dem die beste lust, mit den menschenkindern spielen, macht es immer so mit uns, dasz wir süsz auff sauer fühlen. Logau 2, 142, 7; buhlen hat ein süszen anfang und sawer endt. Lehmann 122; o eitelkeit! dein süszer anfang, zeucht nach sich, ein saueres ende. Butschky
Pathm. 507;
vgl. die engl. wendung: after sweet there comes sour. sauer
im gegensatz zu gut: spriche ich guot, si spricht sûr.
von dem übeln weibe 58. II@3@bb)
in neuerer sprache erscheint sauer
im sinne von '
mit anstrengung, mühsal, schwierigkeit des entschlieszens verbunden',
besonders in einer reihe bestimmter wendungen: sauer werden, sichs sauer werden lassen, jemandem etwas sauer machen, sauer fallen, sauer ankommen
u. ähnl. steigerungen sind blutsauer,
in kräftiger sprache mords-, hunds-, höllensauer
u. ähnl. II@3@b@aα) jemandem sauer werden,
in älterer sprache noch allgemeiner im sinne von bitter, qualvoll, peinlich werden: ist zwîvel herzen nâchgebûr, daʒ muoʒ der sêle werden sûr.
Parz. 1, 2.
in neuerer sprache es wird einem sauer,
es fällt jemandem schwer, es macht ihm mühe, mit beziehung auf äuszere oder innere anstrengung: und es kam sie hart an uber der geburt. da es jr aber so sawr ward in der geburt, sprach die wehmutter zu jr, fürchte dich nicht.
1 Mos. 35, 17; das, wenn du gehest, dein gang dir nicht saur werde.
spr. 4, 12; der faule verbirgt seine hand in den töpffen, und wird jm saur, das er sie zum munde bringe. 26, 15; ob dirs sawr wird mit deiner narung und ackerwerck, das las dich nicht verdrieszen.
Sir. 7, 16; vergisz nicht, wie sawr du deiner mutter worden bist. 29; beraubt sie alles, das jnen saur worden ist. 28, 19; aber es ist schwer dahin zu kommen, wenn die anfechtung wehret; es ward Christo selber sauer. Luther
tischr. 1, 52; es wird einem blutleichen sawer mit solchen haus zu halten. Mathesius
katech. 221; ach wie schwer kompt es einen an und blutlichen sauer wirds ihm, wer mit krummen, schlimmen, schlüpferigen und ungeraden, zweizüngigen falschen und giftigen leuten über land soll reisen.
hundert fabeln (1611) 71; es ist mir nicht leicht ein blat saurer zu schreiben geworden, als der letzte brief an dich. Göthe
briefe 9, 126
Weim. ausg.; weil nun, in des jünglings lage, dieser kampf oft schwer und sauer ward.
werke 26, 256; ihm wird das fechten sauer, der schweisz läuft ihm vom gesichte. 19, 179; auch sehr sauer wurd' es ihm zu glauben .., dasz so gemeine leute .. mitten unter den feinsten leuten wohnten und gingen. J. Paul
flegeljahre 1, 123;
mnd. merket, worden em de vische sûr (
schwer zu bekommen)?
Reinke de Vos 178; herr keiser, ich habsz kaum erdacht, kein dink ist mir nie seurer worden.
fastn. sp. 207, 14; wurt nit herr Achili, dem ritter, der liebe dienst sawr und bitter, die er lang Polixene trug. H. Sachs
fastn. sp. 1, 4, 112
neudruck; ich hab mich oft gewundert, wie doch ein heiliger, der sonst so ganz im himmel lebt, zugleich so unterrichtet von dingen dieser welt zu seyn herab sich lassen kann. es musz ihm sauer werden. Lessing
Nathan 1, 5; vergebt, ihr herrn. das stehen wird mir sauer. Schiller
Piccol. 4, 6; 's wird einem sauer, hoheit, zwischen zwey dachtraufen trocknen kleides durchzukommen.
Turandot 4, 7; wohl ihr, wenn sie daran sich gewöhnt, dasz kein weg ihr zu sauer wird. Göthe 40, 311. II@3@b@bβ) sichs sauer werden lassen,
mühe und beschwerde tragen: mancher leszts jm sawr werden, und eilet zum reichthum.
Sir. 11, 11; wer wolt sonst ohne solche begierde, etwas eigens zu haben, arbeiten und ihms sauer lassen werden, dasz er zur nahrung käme. Luther
tischr. 2, 88; es ist ein glück, dasz das wahre genie auf die fingerzeige nicht viel achtet, die man ihm ... zu ertheilen sich sauer werden läszt. Schiller 10, 175; er streichelte sie, und bedauerte, dasz sie sichs habe so sauer werden lassen. Göthe 18, 183; das ist auch einer, der sich's hat sauer werden lassen. 39, 76; wackere und brave menschen .., die sich's in ihrer pflicht, um der pflicht willen, sauer werden lieszen. 26, 308; er ist ein glashändler, musz sich seinen erwerb auch lassen sauer werden. Musäus
volksm. 1, 46
Hempel. II@3@b@gγ) sauer machen, jemandem das leben sauer machen,
ihm schwere mühe verursachen: und machten jnen jr leben saur, mit schwerer erbeit in thon und zigeln.
2 Mos. 1, 14; mache ihm sein vergnügen nicht saurer, als ein vergnügen zu stehen kommen musz, um das zu seyn, was es seyn soll. Lessing 6, 450; da liegst du! du hast mir's sauer gemacht! doppelt sauer! du bist ein starker kerl und mein guter freund! Göthe 11, 26; es ist mir nur leid, dasz ich euch das leben sauer mache. 10, 56; es wird einem sauer gemacht das biszchen leben und freiheit. 8, 9; wie das volk den regenten, die nicht ganz absolut regieren, von jeher das leben und regiment sauer gemacht. 43, 49; ritter, doctor, burger und pawer kan ich machen jr leben sawer. H. Sachs
fastn. sp. 1, 19, 180
neudruck; dem fürsten macht ihr's leben sauer, macht ihm alle schritte schwer. Schiller
Piccol. 1, 4; machts einander nur nicht sauer, hier sind wir gleich, baron und bauer. Göthe 2, 258; ihr macht mir's sauer und wiszt nicht wie. 47, 256. II@3@b@dδ) sauer ankommen,
anstrengung, mühe, qual verursachen, dann gemildert: es kommt mich sauer an, dir zu beichten,
ich entschliesze mich schwer dazu; daʒ ander, daʒ ir arbeiten sult, alsô daʒ eʒ nütze sî. eʒ arbeitet manec mensche, daʒ eʒ sînen lîp gar sûr an kümt, daʒ eʒ weder ze gote noch zer werlte nütze wirt. Berth. v. Regensburg 1, 561, 37; des teufels märtyrer kömmet die hölle säurer an, denn gottes märtyrer der himmel. Luther
tischr. 2, 118;
sprichwörtlich: was saur ankompt, das ist lieb. S. Franck
sprichw. 1, 53
b. Schottel 1126
a; was einen sawer und schwer ankommen ist, desz gedenckt er mit desto mehr frewden. Henisch 1406, 3; es sind ietzo schwere zeiten, und bedencket, wie sauer es uns ankömmet. Schoch
studentenl. 17, 31
Fabricius; dieses gesetze kam Solanden und Floramenen sehr sauer
an. polit. stockf. 276; mein sohn, das viele reden kömmt mir sauer
an. Felsenb. 3, 235; dieses geständnisz kömmt mir etwas sauer
an. Lessing 12, 5; ach! schreiben ist geschäftiger müsziggang, es kommt mir sauer
an. Göthe 8, 132; so sauer mich der gang ankommt. Hebel 2, 174. II@3@b@eε)
besondere wendungen ähnlicher art: und darnach, wenns ein wenig sauer stehet (
wenn die sache mühevoll, gefährlich wird), abfallen. Luther
briefe 2, 244; gewisz geschah es mir vil säurer, alle die lustbarkeiten so plötzlich zu verlassen.
Pierot 2, 108; ich kann mit dem verflossenen jahre nicht ganz unzufrieden seyn: ich habe mir sauer gethan, und an kenntnissen und sogar an fähigkeiten einiges gewonnen. Niebuhr
leben C. Niebuhrs 2, 457; er hat es sauer, er musz den ganzen tag auf den beinen sein; die wahrheit selbst, die alles kann durchsüszen, was menschen sau'r eingeht. A. Gryphius 2, 403. II@3@cc) sauer
als adv. in übertragenem sinne: hier steigt sich's sauer,
mit anstrengung, mühevoll, schwer; ich musz mir mein brod sauer verdienen; sauer erwerben: gib nicht was du hast müssen saur erwerben. A. Gryphius 2, 406. II@3@dd)
auf substantive bezogen, welche eine thätigkeit, eine aufgabe, einen dauernden zustand u. ähnl. bezeichnen, saure arbeit, saurer dienst, saurer gang, saure pflicht: inn seiner sawren und gefehrlichen arbeit und sorge, so gott allen Adamskindern, mit dem nasenschweisz auffgeleget. Mathesius
Sar. 7
a; sprich dein segen und gedeyen zu meiner sauren und trewen arbeit. 39
a; von der äuszersten noth getrieben, entschlieszt er (
Oxenstierna) sich endlich zu dem lange vermiedenen sauern schritt, sich Frankreich in die arme zu werfen. Schiller 8, 358; seine, oft saure pflicht thun. Kant 5, 200; könnte ihr bruder nicht dadurch in seinen sauern geschäften erleichtert werden? Göthe 7, 128; das unduldsame und kleinstädtsche ..., womit sie sich ein so kurzes leben verkürzten und ein so saueres versäuerten. J. Paul
uns. loge 1, 86; disz kind ..., dasz unter diesem fusz sol schwer von ketten stehn? und noch den sauren gang des Bajazeten gehn. A. Gryphius 1, 123; nein, fiel der alte hitzig ein, sein informatordienst ist sauer. Gellert 1, 228; ein jedes furchte sich, und keines war so kühn, sich um die saure pflicht nebst ihnen zu bemühn. Lessing 1, 108; wie er (
der hofhund) mit sauren sprung ein stückchen brodt erhascht. Weppen
im Gött. musenalm. 1777, 13; andere, die er verdrossen zum sauern treffen erblickte (
στυγεροῦ πολέμοιο Ilias 4, 240), fuhr er heftig
an. Bürger 215
b; wenn ein wackrer mann mit heiszer stirn von saurer arbeit kommt. Göthe 9, 184; wenn ein mann von allen lebensproben die sauerste besteht, sich selbst bezwingt. 13, 184; heute bin ich zwar schlecht zu fusze; doch soll mir die liebe, die ich euch lange gewidmet, die sauern tritte versüszen. 40, 24; macht' er sich endlich an den sauren gang und grollte. Rückert 12, 130.
von zeitabschnitten, die mit mühe, beschwerde verbunden sind, schwer überstanden werden: nun ist noch heute ein saurer neujahrstag zu überstehen, indem frühmorgens ein cabinet besehen wird, mittags ein groszes gastmahl genossen, abends das concert besucht wird, und ein langes abendessen darauf gleichfalls unvermeidlich ist. Göthe
an Schiller 1.
jan. 1797; Ulysses, der nunmehr, in zwanzig sauren jahren, durch krieg, verlust und sturm des schicksals grimm erfahren. Hagedorn 1, 40; die post, versteht sich, musz ihr saures stündchen fahren hieher vom Erebus. Schiller 1, 206; und hatten manchen sauren tag, den wald mit weitverschlungnen wurzeln auszuroden.
Wilhelm Tell 2, 2; saure wochen! frohe feste! sey dein künftig zauberwort. Göthe 1, 199.
von dem, was nur mit mühe und beschwerden erworben oder erhalten wird: ich musz meine sauren groschen auch zusammenhalten; er verlor dabei seinen sauren verdienst;
freier: sie, die ein fühlend herz, und nicht die ahnen schätzet, und nicht der würden saure pracht. Lessing 1, 89; sie sticht (
die mücke), und flieht mit schnellem schwunge, stolz auf den sauren lorbeerkranz. 109. saurer schweisz,
der bei schwerer arbeit, groszer mühsal flieszt: saurer schweisz und blut; was ich besitze, ist die frucht eines fünfzehnjährigen fleiszes, ich habe es mit saurem schweisz und nachtwachen erworben. Schiller 14, 216; der wandersman ermattet auff starck und stäter reisz; beym grünen bäumlein schattet, streicht ab den sawren schweisz. Spee
trutzn. (1649) 26; disz alles wird zerrinnen, was müh' und fleisz gewinnen und saurer schweisz erwirbt. A. Gryphius 2, 124. saurer schweisz,
für das mit schwerer mühe erworbene: du must doch deinen sauren schweis andern lassen, und deine erbeit den erben ubergeben.
Jes. Sir. 14, 15; was habe ich dir gethan, dasz du mein stückchen brod mir nimmst, meinen sauren schweisz und blut! Musäus
volksm. 1, 51
Hempel. II@44) sauer,
übertragen auf persönlichkeit, charakter, innere zustände und deren ausprägung in mienenspiel, sprache u. ähnl. II@4@aa)
von personen, streng, mürrisch, finster, unhold, böse, feindselig; in älterer sprache gewöhnlich, in neuerer vereinzelt: eʒ wirt noch sîner sêle leit ze helle, dâ der sûwer wirt disen gruoʒ niht verbirt.
Seifrid Helbling 2, 588; eʒ sint zweier slahte gebûr, einiu guot, diu ander sûr.
buch der rügen 1440; bî sûren herrn ist harpfen unwert; swer sûren herren süeʒen sanc singt, dient in ôn allen danc.
Renner 5902; swenne ein wolgezogeniu meit, einem sûren schalke zer ê wirt geben. 12631; sy sind gen veinden nicht als saur, als do sy unser frawen maur mit gwalt darnider valten.
Hätzlerin 1, 29, 91.
vom satan: er ist ein trawriger sawer geist, der nicht leiden kan, das ein hertz frölich sey. Luther 5, 25
a; so schreitet .. ein saurer bedienter hinterdrein. J. Paul 2, 45;
so auch mundartlich Hunziker 267; zum schlusz bricht sie von seiner hütte, wozu der saure eremite mit noth ihr die erlaubnisz gab, sich einen heil'gen splitter ab. Lessing 1, 114.
von einem thier ausgesagt: bî einem dorf saʒ ein gebûr, der het ein hanen, der was sô sûr, daʒ er alle die hanen beiʒ, die zuo im giengen in den kreiʒ.
Reinhart Fuchs s. 394 (
diu bîhte 60)
Grimm. übertragen auf persönlich gedachtes: o sawrer winter du bist so kalt, du hast versawret den grünen walt.
Ambras. liederb. 37, 1. sich sauer stellen gegen jemanden,
ihm ungunst, widerwillen, feindseligkeit erweisen: (
der glaube) thar den hertzlich anruffen (
gott), der jn schlegt, und sich sogar sawr gegen jm stellet. Luther 5, 49
b; o die armen werden bei etlichen reichen saur entfangen. H. Sachs
dialoge 54, 24;
eigenthümlich im nd.: ik bin 't leven suur,
ich bin des lebens überdrüssig, müde. brem. wb. nachtr. 355;
mhd. einen sûre haben,
seiner überdrüssig sein: er solt iuch durch got! haben sûre.
minnes. 3, 211
b Hagen. II@4@bb)
bezogen auf das innere der persönlichkeit, charakter, gemütsart, denkweise: Mahal war von viel zu saurer gemüthsart, als dasz er sich mit ihnen hätte aussöhnen sollen. Klinger 6, 193;
frei gewendet: übrigens gerinnt ihr (
der Staël) lob Göthes im sauern kopfe eines Franzosen zu einem bloszen tadel. J. Paul
kl. bücherschau 1, 78. II@4@cc)
von dem gesicht, der miene, dem blick eines mürrischen, unzufriedenen: das man signa rancoris, das ist, die zeichen und sawre, ernste geberden, ablege gegen dem feinde. Luther 1, 191
a; zuletzt gibt er jm ein sauren blick. S. Franck
weltb. 216
a; das man sich nicht besser könne in ansehen bringen, als wenn man einen höhern, zu rechter zeit ... mit manier wisse den kopff zu biten; oder doch eine sauere mine zu machen. Butschky
Pathm. 621; gaben derowegen mir ein gar sauer gesichte, dasz ich in ihrem begehren nicht folge leisten wolte. Mandelslo
morgenl. reisebeschr. 39
a Olearius; als er vernimpt, dasz er seine lippen hängen lässet, ein saur gesichte machet, und still schweiget, gehet er zurücke.
pers. rosenth. 3, 5; machte er dennoch nicht eine saure miene darzu.
Plesse 3, 160; mit einem lächelnden oder sauren blick zu ihren füszen zu legen. Wieland 3, 365; vielleicht weil sie saure gesichter schneiden, die achsel zuken, wenn von staatssachen rede wird? Schiller
Fiesko 2, 5; freilich musz ich noch manches saure gesicht wegscheuern. J. Paul
uns. loge 2, 15; sagte der sekretär und machte ein zu saures angesicht.
auswahl aus des teufels papieren 1, 13;
schweiz. e suri stirne mache. Seiler 285
b. sauer
im sinne von mürrisch auf wort, rede
bezogen: mit süeʒer rede, niht ze sûr. Konrad v. Würzburg
Silvester 599; in dem begegnet jhn ein bawer, der redt sie an mit worten sawer: secht an den alten groben lappen. H. Sachs 1, 430
c; wiltu von einem kein saur wort haben, so schmiere seinen mund mit süszigkeit.
pers. rosenth. 1, 27;
Maria. was wird Sickingen sagen?
Elisabeth. billigen wird er'
s. und thät er's nicht, so war das leben deines bruders wohl ein saures wort von deinem manne werth. Göthe 42, 211.
ungewöhnlich saurer buchstil
bei J. Paul
von der strengen, beweisführenden schreibart gegenüber dem plaudernden stile des briefes: darüber bin ich hier in einen sauern buchstil gerathen, und habe briefstil und briefziel vergessen.
herbstbl. 3, 221. II@4@dd)
besonders in der wendung sauer sehen,
ein mürrisches, unzufriedenes, betrübtes gesicht machen, verdrieszlich sein, dann auch in übertragener anwendung sauer zu etwas sehen,
mit etwas unzufrieden sein; sauer sehen
wird häufig als compositum empfunden. II@4@d@aα) sauer sehen, sauer aussehen, sauer dreinsehen: etliche sehen saur, was sie sollen thun, seint nimmer guter ding. Keisersberg
narrensch. 36
b; keret euch her zu mir, jr werdet saur sehen, und die hand aufs maul legen müssen.
Hiob 21, 5; wenn jr fastet, solt jr nicht sawr sehen, wie die heuchler.
Matth. 6, 16; da nun des morgens Joseph zu jnen hineyn kam und sach, das sy saur sahend.
Züricher bibel v. 1530 1
Mos. 39, 6 (und sahe das sie traurig waren. Luther); messer störtzen, zeen blecken, maul einbeiszen und sawr sehen. Luther 5, 51
a; wird er zornig, schlecht den kopff nider, sihet sawer, und verdros jn ubel. 4, 35
a; ich, der ich mein leben mit trawren und sawr sehen habe zubracht, such jtzt und neme frewde, wo ich kan. 6, 169
a; die grob ungereimt grobheit und ruchtlose ungeschicklichkeit wie Horatius spricht, oder das langweilig sauersehen. S. Franck
mor. encom. 39
a; die es den klegern abschrecken mit sauer sehen und dreuworten. Schade
sat. u. pasqu. 2, 254, 37; das bösz weib trit in die stubn, sicht sawer. H. Sachs
fastn. sp. 1, 40
neudruck; und schweiget jedermann still, und siehet, als hett er einen Türken gefressen, sauer aus. Kirchhof
wendunm. (1602) 1, 325; der wirdt begundt sawr zuosehen, und verdrosz in sehr. Lindener
Katzipori 136; sein saur sehen, ist jr als wann ein vatter mit dem kind mummels spielt. Fischart
Garg. 71
a; Litigator neigt sich und geht saursehend ab. Ayrer 2508, 21
Keller; jfg. h. Friedrich aber sahen sauer. Schweinichen 1, 355; uber der tafel sasz der fürst in tieffen gedancken, und sahe sehr sauer ausz. Schuppius
schriften 15; ein soldat und buler, so musz ich lachen und sauer sehen. A. Gryphius
Peter Squentz 11
neudruck; ein münch will keinem sauersehenden sein anliegen offenbahren.
pers. rosenth. 3, 5; es ist besser, in des richters gefängnis gefesselt sitzen, als ein sauersehendes weib täglich im hause sehen müssen.
pers. baumg. 7, 22; ein sauersehender gerichtsverwalter. Chr. Weise
kl. leute 44; da kan ich sauer sehen, und wieder lachen. 319; er hatte die gabe .. nicht selten ein gelächter zu erregen, welches durch sein eigenes sauer sehen gemeiniglich vermehret wurde.
Felsenb. 2, 236; das magere, trockene, sauersehende ding da. Klinger 6, 176; immer müsztest du dann, wie ein gedungener büszer, bey einem öffentlichen umgange, dein gesicht zum sauersehen zwingen. Veit Weber
sagen 6, 75; was fehlt dir, dasz du so sauer darein siehst wie ein apfel um Jacobi. Zingerle
kinder- u. hausm. 210; dein sauersehn, darzu dein flehn aus mistreu her tut rinnen. Gödeke - Tittmann
liederb. 16; wie mocht ich dann so saur gesehen.
fastn. sp. 228, 21; sawersehn ist für lachen gut. Nigrinus
beschlag A 1
b; durch finstres sauer sehen ist liebe nie gestifft. Logau 2, 10, 37; es mag mich wer da will beklagen, mag sauer sehn, und leide tragen. Schwieger
geharn. Venus 27; ja wolt' ich wehrte braut! gleich scheel und sauer sehn, es möchte dir dadurch ein schlechter dienst geschehn. Günther 795; du siehst recht sauer aus;hab ich dir was gethan? Rost
gelerete liebe A 3
b; der vater ... schickt ihn, um ihm den kützel zu vertreiben, zwey jahre nach America; so sauer auch die liebe mutter sah. Gellert 1, 245; der nicht sauer sieht, wann wir mit frischen kränzen des frühlings wiederkehr, der erndte fest begehn. Gotter 1, 417.
auf das auge bezogen: die augen sehen sawer. Lehmann 187; weil ihr lachend aug' nicht sauer sehen kann. Wieland 10, 197. sauer blicken: sauer blickende .. hoffrätzlein. Fischart
Garg. 47
b. II@4@d@bβ) zu etwas,
seltener an etwas sauer sehen,
etwas mit verdrieszlichkeit, miszbilligend ansehen: das er wuste, wie seine kinder sich schendlich hielten, und hette nicht einmal saur dazu gesehen.
1 Sam. 3, 13; dann er sawer zur sache sahe.
buch d. liebe 214, 1; ich sahe sauwer darzu, als wenn es mich verdrüsz. 195, 1; da hatte sein spöttisch gelächter ein end, sahe sauwer an die sach, hencket den kopff, redet kein wort. 204, 2; du magst gleich sauer oder süsz darzu sehen.
Simpl. 3, 319, 14
Kurz; der apotheker .. muszte .. den ganzen tag unbeschreiblich sauer zu allem sehen. J. Paul
komet 1, 5; der ist eyn narr, der schencken duot und das nit gibt mit guottem muot und dar zuo sur, und übel sicht. S. Brant
narrensch. 92, 3. II@4@d@gγ) einem sauer sehen,
ihm ein verdrieszliches, feindseliges gesicht machen: dasz dem das glücke lacht und jenem sauer sieht, das ist ein trieb von oben. Günther 1040. II@4@d@dδ) einen sauer ansehen: und Saul sahe David saur an, von dem tage, und fort
an. 1 Sam. 18, 9; und trotz dem bapst selbs, das er der einen sawer ansehe. Luther 3, 515
b; die mich saur ansehen, und wolten gern, das ich mich solt für jnen fürchten. 5, 50
b; ich mag mein anliegen keinem, der mich saur ansiehet, offenbahren.
pers. rosenthal 3, 5; auch mein bruder ... sahe mich scheu und sauer über die achsel
an. Felsenb. 4, 56; ihr seht jedermann sauer an, als ob ein jeder euch bestehlen wollte. Arnim
schaub. 1, 5; (
der kranke) mit den zennen griszgrampt, sach sy an sawer alle sampt.
meisterl. fol. 23
nr. 190; des andern jares wurden sy sein gar verdrutz, weil er war alt und gar zw keiner arbait nutz und sahen alle sawer an den alten. 218; siehst du mich sauer an, so bin ich plötzlich todt. P. Fleming 183. II@55)
besonderes. II@5@aa) saure salze
heiszen in der chemie solche, welche mehr säure enthalten als basische und neutrale salze. II@5@bb) sauer
im sinne von feucht (
s. oben unter dem formalen);
von sumpfigem boden, besonders wiesen Schm. 2, 320; sura boda,
nasser boden Tobler 428
b. Hunziker 267,
so auch nd. Woeste 262
a,
vgl. sûr,
m. sumpfiges wiesenstück Frommanns
zeitschr. 6, 19: die wiesen sind wegen der tiefe schon saurer. Göthe 43, 188;
von dem grase, das auf solchem boden wächst: saures gras und niedres röhrig wird zum streuen gehauen. 209 (
vgl. Schmeller, Hunziker
a. a. o. Jecht 91
a);
vom holze, das feucht, nasz, nicht ausgetrocknet ist Schmeller, Tobler
a. a. o. Stalder 2, 303 (
hier auch übertragen: geziert, anmaszend, von mädchen gesagt). Kehrein 337.