lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

sauer

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
22 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
58
Verweise raus
82

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sauer adj.

Bd. 14, Sp. 1861
sauer, adj. acidus. II. Formales. mhd. ahd. sûr Graff 6, 272, ags. sûr; auszerhalb der westgermanischen sprachen nur im altn. bezeugt als súrr, im goth. fehlt das wort (Luc. 13, 21 ist nicht erhalten); die neueren germanischen sprachen haben das wort durchaus bewahrt: engl. sour, n. suur, schwed. sur, nld. zuur; aus dem germanischen stammt franz. sur; dem germanischen worte wird verglichen altslav. syru, humidus, crudus Fick4 1, 565; lith. súras, salzig, lett. súrs, bitter, salzig, herbe, mühevoll, schwer Schade 898b; die bedeutungsentwicklung, welche das adjectivum aufweist, deutet vielfach auf einen ursprünglich allgemeineren sinn des wortes zurück, scharf, ätzend, von bitterem, sauerem und salzigem geschmacke (s. unter 2); die sure, zur bezeichnung von salzlake, salzhaltigem wasser bei Schm. 2, 324. bemerkenswert sind die altbezeugten bildungen ahd. sûrougi Graff 1, 123, altn. súreygr, ags. sûreáged, triefäugig, das auge erscheint als mit ätzender flüssigkeit gefüllt. nach Dietrichs bemerkung in Haupts zeitschr. 5, 227 läge in sûr ursprünglich das verdorbensein durch gährung, so erkläre er sich altn. saurr, m. zunächst faeces, dann sordes, seyrna verfaulen. nimmt man an, dasz sûr, ahd. ursprünglich 'verdorben durch gährung, faulig' bezeichne, so erscheint es bedeutungsvoll, wenn sauer im deutschen von sumpfigem, modrigem boden gebraucht wird, der nur schlechtes, dem vieh ungenieszbares gras hervorbringt (s. unter 5, b); sûr, f. mistjauche, tabakrötzel Schöpf 731. hieraus würde sich dann allgemeiner der sinn von feucht entwickelt haben, der in saures holz, frisches, saftiges holz vorliegt (s. unter 5, b). das ags. seár, adj. dürr, vertrocknet, obgleich der form nach im ablaut zu súr stehend, gehört nicht in diesen zusammenhang; diesem ags. seár entspricht deutsch sôr, trocken, dürr, hierzu ahd. sôrên Graff 6, 272; auf verwechslung mit sôr beruht es, wenn die windmüller von saurem winde sprechen, d. h. solchem, der bei bedecktem himmel ohne niederschläge weht; vielleicht ist so auch zu erklären der landschaftliche ausdruck sauer kalt, trocken kalt Woeste 223b. auf mhd. sûr zurück geht das im älteren nhd. vorwiegende saur oder sawr (s. die belege); zum theil hat sich inlautendes w entwickelt, mhd. sûwer, mit nhd. lautstande sauwer (buch der liebe 195a unter 4, d, β); das inlautende w findet sich noch mundartlich Lexer 212. Spiesz 204. die steigerung erfolgt in neuer sprache gewöhnlich ohne umlaut, in älterer sprache sind umgelautete formen häufig: und liesz den seursten luft von im. fastn. sp. 327, 5. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) zur bezeichnung des specifischen geschmackes, im gegensatz zu süsz, wie ihn z. b. essig, unreifes obst an sich haben; saurer essig, acetum acre, peracerbum Stieler 1697; saur werden, zuo essig werden, acescere Maaler 343d; sprichwörtlich: solt ich sauer werden, ehe ich inn den essig krug komme, im sinne von 4 'sollt ich mürrisch werden, ehe mich widriges geschick dazu macht'. Henisch 952, 2; sauer macht essen, spricht man. Luther briefe 2, 443; sauer macht lustig. Simrock 8754; sauer fischbrü, oxygarum Dasypodius. saure gurken, in essig eingelegte; saure heringe; citronen sind sauer; das obst, wenn es unreif ist: sauer obst, poma austera Stieler 1697; die kirschen sind noch sauer; aber saure kirschen auch zur bezeichnung einer besonderen art mit angenehm säuerlichem geschmack; saure trauben: doch fehlts ihm weit (einem gecken), sieht aus wie saure trauben. d. knaben wunderh. 1, 405 Boxberger. sprichwörtlich dem fuchs sind die trauben zu sauer, oder nur die trauben sind ihm zu sauer, wenn jemand etwas herabsetzt, was er vergeblich erstrebt hat, nach der alten äsopischen fabel de vulpe et uva: (der fuchs, der lange und ohne erfolg nach den trauben gesprungen war) sprach: nun synt doch die truben noch süwr. ich wolte sie ouch nit essen, ob ich sie wol möchte erlangen. Steinhöwel Esop. 173 Österley; sie ist ja doch sauer! sagte der fuchs von der traube, nach der er lange genug vergebens gesprungen war. Lessing 1, 150. Burk. Waldis setzte birnen statt der trauben ein 3, 73: er sprach: fürwar, ich jr nit wil; sein noch nit reiff, ja hart und sawr. v. 27 (s. oben theil 4, 1, sp. 336). sprichwörtlich in den sauren apfel beiszen müssen, wol oder übel sich in etwas widriges fügen müssen: was war zu thun, wir musten in einen sauren apffel beiszen. Pierot 2, 365. ältere belege s. oben th. 1, sp. 533. in verwandter vorstellung: ja man musz bisweilen in die saure schale beiszen, um auf den kern zu kommen. Lenz 1, 218. saures bier, saurer wein: sûr wîn, crudum vinum Graff 6, 272; sauer bier, cerevisia acida Stieler 1697; an stat des kranzes, den man hängt, aus einem haus, darinn man sauern wein verschänkt. Butschky Pathmos 275; nicht einmal einen sauren wein will ich ihnen mehr verkaufen. Raimund 2, 237; sölich mynn und saures pier sol man geben ringclich von hanndt. Cl. Hätzlerin 2, 85, 192; einer in Basel will ein glas bier trinken; das bier war sauer, zog ihm den mund zusammen, dasz ihm die ohren bis auf die backen hervor kamen. Hebel 2, 183. sprichwörtlich einen beim sauren bier erwischen, auf schlechter sache ertappen. Schmid 624. saure milch, übergegangene milch, als erfrischender trank geschätzt: saure milch, lac fugiens, corruptum, macescens Stieler 1697; sie leben fast nur von der sauren oder sogenannten schlippermilch. Immermann werke 1, 10 Hempel; willst du vielgereis'ter hier dich laben; sauren raam und brot und reife früchte, nur die ganz natürlichsten gerichte, kannst du reichlich an der quelle haben. Göthe 1, 218. scherzend: der könnte die milch sauer machen, von einem, der finster, sauer (s. 4) drein sieht. Schm. 2, 320. saure rüben: wann mein frau iszt in für saur rüben. fastn. sp. 370, 23. saures kraut, sauerkraut (s. dieses): miltzhäring gut zum sauren kraut. Fischart Garg. 56a; sauer kraut, brassica conditanea, muriatica Stieler 1697; sprichwörtlich einen auf dem sauren kraut essen, leicht mit einem fertig werden. Schmid 447; nd. suren kool brem. wb. 4, 1103. den brodteig setzt man in gährung (saure gährung Campe) durch sauer gewordenen teig, sauerteig: en gans deech wert zur van eneme lutteken zurdege. quelle bei Schiller-Lübben 4, 477b. saures brot, grobes, schweres, schwarzes brot: das ist ain brot, weder saur noch süsz. Schade sat. u. pasqu. 2, 145, 31; saure suppe (s. unten sauersuppe), in bildlicher wendung: wir solten ihm aber ja! (wie er hinterher uns sagen liesz,) keine nase drehen, sonsten würde es uns zur sauren suppe gereichen. Felsenb. 4, 270. sauer schmecken, riechen: warumb riechstu denn heut so süsz und so sauer. Soltau volksl. 517. sauer einlegen, z. b. früchte; sauer kochen, sprichwörtlich: das kannst du dir sauer kochen, als zurückweisung von etwas unbrauchbarem. Frischbier 2, 249a; lasz dirs sauer kochen, jemandem gesagt, der ängstlich etwas hütet, nicht zeigen, hergeben will. Albrecht 196b; nd. goossuur, sauer eingekochtes gänsefleisch; ebenso swînesuur, rinnernsuur, kortsuur (gehackte leber und lunge). brem. wb. nachtr. 355; sauer und süsz kochen, eine speise mit gesüszter saurer sauce bereiten. Frischbier a. a. o.; ein sauergebratens, assa condita, aceto macerata Stieler 217; sûrsenna, sauren käse bereiten (vorarlb.) Frommanns zeitschr. 5, 487. die volkssprache bildet eine reihe charakteristischer verstärkungen zu sauer: kirrsauer, nd. krîtsûr, krachsauer theil 5, sp. 843; krensauer, sauer wie merrettig (th. 5, sp. 2168 unter kren 2, d), stech-, stechkrach-, kirrkrach-, kittsauer (henneberg.) Frommanns zeitschr. 1, 230. II@22) in älterer sprache und vereinzelt in mundarten ist die mit sauer bezeichnete geschmacksqualität nicht so eng begrenzt, wie im ausgebildeten nhd., sondern umfaszt alles, was dem süszen entgegengesetzt ist (süsz und sauer, so besonders in übertragenem sinne einander gegenübergestellt, s. unter 3), also auch das bittere und salzige: altn. gallsúrr, gallenbitter Egilsson 220b; salzsaur, stark salzig Frommanns zeitschr. 1, 230 (vgl. Schm. 2, 320). von allem was scharf, bitter, beiszend, herbe die sinne rührt; bitter, scharf schmeckend: ich spriche daʒ wol überlût, daʒ deheiner slahte neʒʒelkrût, nie wart sô bitter noch sô sûr als der sûre nâhgebûr. Tristan 378, 15 Maszmann; er bekor denn ê die bitterkeit der wurzen: diu ist bitter gar, hert und sûr, ân allen vâr. Boner edelst. 4, 14. scharf, übel riechend: swâ man ûfen teppech trat, cardemôm, jeroffel, muscât, lac gebrochen undr ir füeʒen durh den luft süeʒen: sô daʒ mit triten wart gebert, sô was dâ sûr smac erwert. Parz. 790, 6; sollen kluge leute den bienen nachfolgen, welche auch von den sauren bittern blumen guten süszen honig zu machen pflegen. Schuppius schriften 568. in älterer sprache formelhaft: das riecht ihm sauer in die nase, das kommt ihm übel an, ist ihm sehr unangenehm: nd. don hefft he der stad upgelecht 65 dusendt daler, dat rock uns sur yn de nasen. quelle bei Schiller - Lübben 4, 477b; was gott durch uns im evangelio bisher hat gewirckt, und so viel seelen errettet, das gehet dem teufel sawr in die nasen. Luther 3, 81a; vom beiszenden rauche, im bilde: Joseph. wann es hat mich ausz meinem hausz der sauer rauch gebissen ausz. Melisso. du meinst leicht etwan dein weyb. H. Sachs 3, 3, 31a. sehr häufig in alter sprache von scharfem, schneidendem wind, widrigem wetter, schlimmer jahreszeit: starc wint sûr regen übel zît in allen enden. Herbort liet von Troye 16921; der walt muoʒ von sûren winden ungevüegen schaden dulden. Neidhart 51, 3; der herbest nâch dem sumer gât, an dem ein kalter winter stât; der ist herte unde sûr. Boner edelst. 13, 7; in schönem bilde: fiurs blicke ûʒ helmen sprungen, von ir swerten gienc der sûre wint. Parz. 742, 13. im vergleiche: lîplîche vroude und alle zirde dirre werlde ist alse ein sûr wint in irre sêle. myst. 1, 55, 25. auch im älteren nhd. findet sich sauer so gebraucht, besonders bildlich, während die neuere sprache dieser anwendung nicht mehr fähig ist: da wehet es erst sawer unter augen (da hebt erst die rechte schwierigkeit an), wenn ich dem sol hold sein, guts thun, und wündschen, der mir alles hertzleid anlegt. Luther 6, 49b; war ich doch dabei lustig und liesz mich einen sauern wind nicht bald umwehen. Schweinichen 2, 97; wenn biszweilen ein sawrer wind aus Hessen gehet, wie wir Thüringer sagen. J. Rhode tugends. weiberspiegel (Erfurt 1586) a 7a; etliche unser völcker, welchen zuvor in ost- und west - indischen schifffahrten mancher saurer wind unter augen gangen. Olearius reisebeschr. 38b; ich musz im guten wetter fort, und mir manchen sauren wind unter die augen gehen lassen. pers. rosenth. 2, 35. von schmerzenden wunden: Brumbâne ist genant ein sê; da treit mann (man ihn) ûf durch süeʒen luft, durch sîner sûren wunden gruft. Parz. 491, 8; den löwen lêrte sîn natûr und ouch sîn wunde (diu. was sûr), daʒ er eins arzâtes begert. Boner edelst. 47, 30. II@33) in weiterer anwendung, was für den gesamtzustand, die empfindung schmerzhaft, widrig ist, mühe, beschwerde verursacht. die ältere sprache bewegt sich freier und braucht sauer häufig, wo die neuere statt desselben bitter einsetzt; im allgemeinen beschränkt die neuere sprache sich auf die anwendung im sinne von mühevoll, beschwerlich. II@3@aa) was schmerz, qual erregt, schrecklich, schlimm, widrig ist. sprichwörtlich: enderung im regiment geberen offt ein sawer endt. Lehmann 198. zum theil übergehend nach 2: sus huop sich die sûre zît. Herbort liet v. Troye 7388; dâvon si beide ein sûreʒ muosten lîden. minnes. 2, 227a Hagen; swen si ir minne solde wern, daʒ wære ein sûreʒ trûten. Wigalois 6324; sô müeser sîne schärpfe nôt hân brâht unz an den sûren tôt. Parz. 643, 26; vom jüngsten tage und den schrecken des gerichtes: eʒ ist der tac der armekeit, der angest, der nôt, der arbeit, des zornes, der tôtvinstern nôt, der sûre tac von viure rôt. Barlaam u. Jos. 96, 4; daʒ êwige viur, daʒ ist bitter unde sûr. glauben 492; bediutet die bittern helle und die sûren und engestlîchen und jæmerlîchen marter, diu darinnen ist. Berth. v. Regensburg 2, 5, 11. besonders gern werden süsz und sauer einander gegenüber gestellt oder verbunden (s. Lexer mhd. handwb. 2, 1325): unz daʒ der Wâleis übersach sîn süeʒe sûreʒ ungemach. Parz. 295, 4; ir süeʒe sûr, ir liebeʒ leit. Tristan 3, 20; ich brauch nichts von den leuten und sie kriegen auch nichts von mir, nichts gutes, nichts übles, nichts süszes und nichts saures. Raimund 2, 237. häufig ist der gedanke ausgedrückt, dasz es gilt, das süsze wie das saure zu ertragen: wer ehr begehrt und nicht süsz und sawr, gut und böses uberwinden kan, der kompt nicht darzu. Lehmann 176; ich urtail, das ain junger man vor zehen jar gen schuol sol gan und fünf jar pauen fremde lant, bis im wirt saur und süesz bekant. fastn. sp. 315, 14; (vom gottesfürchtigen) got geb, got nem, gilt im als glich, nimpt saurs und süszs uf williklich. Schade sat. u. pasqu. 2, 205, 300; wer wolt dem leib besser vorstehen, seinen weg besser sehen, und gehen, ohn sein augen, und seine füsz, die mit auszbaden sawr und süsz. Rollenhagen froschm. v 4b. leid folgt auf freude, dem süszen geht das saure nach: hiute süeʒe, morgen sûr: leit ist liebes nâchgebûr. minnes. 2, 364b Hagen; daʒ ir mirʒ helfet büeʒen, ob sûr kumt nâch süeʒen. ges. abent. 2, 162, 94; gott bey dem die beste lust, mit den menschenkindern spielen, macht es immer so mit uns, dasz wir süsz auff sauer fühlen. Logau 2, 142, 7; buhlen hat ein süszen anfang und sawer endt. Lehmann 122; o eitelkeit! dein süszer anfang, zeucht nach sich, ein saueres ende. Butschky Pathm. 507; vgl. die engl. wendung: after sweet there comes sour. sauer im gegensatz zu gut: spriche ich guot, si spricht sûr. von dem übeln weibe 58. II@3@bb) in neuerer sprache erscheint sauer im sinne von 'mit anstrengung, mühsal, schwierigkeit des entschlieszens verbunden', besonders in einer reihe bestimmter wendungen: sauer werden, sichs sauer werden lassen, jemandem etwas sauer machen, sauer fallen, sauer ankommen u. ähnl. steigerungen sind blutsauer, in kräftiger sprache mords-, hunds-, höllensauer u. ähnl. II@3@b@aα) jemandem sauer werden, in älterer sprache noch allgemeiner im sinne von bitter, qualvoll, peinlich werden: ist zwîvel herzen nâchgebûr, daʒ muoʒ der sêle werden sûr. Parz. 1, 2. in neuerer sprache es wird einem sauer, es fällt jemandem schwer, es macht ihm mühe, mit beziehung auf äuszere oder innere anstrengung: und es kam sie hart an uber der geburt. da es jr aber so sawr ward in der geburt, sprach die wehmutter zu jr, fürchte dich nicht. 1 Mos. 35, 17; das, wenn du gehest, dein gang dir nicht saur werde. spr. 4, 12; der faule verbirgt seine hand in den töpffen, und wird jm saur, das er sie zum munde bringe. 26, 15; ob dirs sawr wird mit deiner narung und ackerwerck, das las dich nicht verdrieszen. Sir. 7, 16; vergisz nicht, wie sawr du deiner mutter worden bist. 29; beraubt sie alles, das jnen saur worden ist. 28, 19; aber es ist schwer dahin zu kommen, wenn die anfechtung wehret; es ward Christo selber sauer. Luther tischr. 1, 52; es wird einem blutleichen sawer mit solchen haus zu halten. Mathesius katech. 221; ach wie schwer kompt es einen an und blutlichen sauer wirds ihm, wer mit krummen, schlimmen, schlüpferigen und ungeraden, zweizüngigen falschen und giftigen leuten über land soll reisen. hundert fabeln (1611) 71; es ist mir nicht leicht ein blat saurer zu schreiben geworden, als der letzte brief an dich. Göthe briefe 9, 126 Weim. ausg.; weil nun, in des jünglings lage, dieser kampf oft schwer und sauer ward. werke 26, 256; ihm wird das fechten sauer, der schweisz läuft ihm vom gesichte. 19, 179; auch sehr sauer wurd' es ihm zu glauben .., dasz so gemeine leute .. mitten unter den feinsten leuten wohnten und gingen. J. Paul flegeljahre 1, 123; mnd. merket, worden em de vische sûr (schwer zu bekommen)? Reinke de Vos 178; herr keiser, ich habsz kaum erdacht, kein dink ist mir nie seurer worden. fastn. sp. 207, 14; wurt nit herr Achili, dem ritter, der liebe dienst sawr und bitter, die er lang Polixene trug. H. Sachs fastn. sp. 1, 4, 112 neudruck; ich hab mich oft gewundert, wie doch ein heiliger, der sonst so ganz im himmel lebt, zugleich so unterrichtet von dingen dieser welt zu seyn herab sich lassen kann. es musz ihm sauer werden. Lessing Nathan 1, 5; vergebt, ihr herrn. das stehen wird mir sauer. Schiller Piccol. 4, 6; 's wird einem sauer, hoheit, zwischen zwey dachtraufen trocknen kleides durchzukommen. Turandot 4, 7; wohl ihr, wenn sie daran sich gewöhnt, dasz kein weg ihr zu sauer wird. Göthe 40, 311. II@3@b@bβ) sichs sauer werden lassen, mühe und beschwerde tragen: mancher leszts jm sawr werden, und eilet zum reichthum. Sir. 11, 11; wer wolt sonst ohne solche begierde, etwas eigens zu haben, arbeiten und ihms sauer lassen werden, dasz er zur nahrung käme. Luther tischr. 2, 88; es ist ein glück, dasz das wahre genie auf die fingerzeige nicht viel achtet, die man ihm ... zu ertheilen sich sauer werden läszt. Schiller 10, 175; er streichelte sie, und bedauerte, dasz sie sichs habe so sauer werden lassen. Göthe 18, 183; das ist auch einer, der sich's hat sauer werden lassen. 39, 76; wackere und brave menschen .., die sich's in ihrer pflicht, um der pflicht willen, sauer werden lieszen. 26, 308; er ist ein glashändler, musz sich seinen erwerb auch lassen sauer werden. Musäus volksm. 1, 46 Hempel. II@3@b@gγ) sauer machen, jemandem das leben sauer machen, ihm schwere mühe verursachen: und machten jnen jr leben saur, mit schwerer erbeit in thon und zigeln. 2 Mos. 1, 14; mache ihm sein vergnügen nicht saurer, als ein vergnügen zu stehen kommen musz, um das zu seyn, was es seyn soll. Lessing 6, 450; da liegst du! du hast mir's sauer gemacht! doppelt sauer! du bist ein starker kerl und mein guter freund! Göthe 11, 26; es ist mir nur leid, dasz ich euch das leben sauer mache. 10, 56; es wird einem sauer gemacht das biszchen leben und freiheit. 8, 9; wie das volk den regenten, die nicht ganz absolut regieren, von jeher das leben und regiment sauer gemacht. 43, 49; ritter, doctor, burger und pawer kan ich machen jr leben sawer. H. Sachs fastn. sp. 1, 19, 180 neudruck; dem fürsten macht ihr's leben sauer, macht ihm alle schritte schwer. Schiller Piccol. 1, 4; machts einander nur nicht sauer, hier sind wir gleich, baron und bauer. Göthe 2, 258; ihr macht mir's sauer und wiszt nicht wie. 47, 256. II@3@b@dδ) sauer ankommen, anstrengung, mühe, qual verursachen, dann gemildert: es kommt mich sauer an, dir zu beichten, ich entschliesze mich schwer dazu; daʒ ander, daʒ ir arbeiten sult, alsô daʒ eʒ nütze sî. eʒ arbeitet manec mensche, daʒ eʒ sînen lîp gar sûr an kümt, daʒ eʒ weder ze gote noch zer werlte nütze wirt. Berth. v. Regensburg 1, 561, 37; des teufels märtyrer kömmet die hölle säurer an, denn gottes märtyrer der himmel. Luther tischr. 2, 118; sprichwörtlich: was saur ankompt, das ist lieb. S. Franck sprichw. 1, 53b. Schottel 1126a; was einen sawer und schwer ankommen ist, desz gedenckt er mit desto mehr frewden. Henisch 1406, 3; es sind ietzo schwere zeiten, und bedencket, wie sauer es uns ankömmet. Schoch studentenl. 17, 31 Fabricius; dieses gesetze kam Solanden und Floramenen sehr sauer an. polit. stockf. 276; mein sohn, das viele reden kömmt mir sauer an. Felsenb. 3, 235; dieses geständnisz kömmt mir etwas sauer an. Lessing 12, 5; ach! schreiben ist geschäftiger müsziggang, es kommt mir sauer an. Göthe 8, 132; so sauer mich der gang ankommt. Hebel 2, 174. II@3@b@eε) besondere wendungen ähnlicher art: und darnach, wenns ein wenig sauer stehet (wenn die sache mühevoll, gefährlich wird), abfallen. Luther briefe 2, 244; gewisz geschah es mir vil säurer, alle die lustbarkeiten so plötzlich zu verlassen. Pierot 2, 108; ich kann mit dem verflossenen jahre nicht ganz unzufrieden seyn: ich habe mir sauer gethan, und an kenntnissen und sogar an fähigkeiten einiges gewonnen. Niebuhr leben C. Niebuhrs 2, 457; er hat es sauer, er musz den ganzen tag auf den beinen sein; die wahrheit selbst, die alles kann durchsüszen, was menschen sau'r eingeht. A. Gryphius 2, 403. II@3@cc) sauer als adv. in übertragenem sinne: hier steigt sich's sauer, mit anstrengung, mühevoll, schwer; ich musz mir mein brod sauer verdienen; sauer erwerben: gib nicht was du hast müssen saur erwerben. A. Gryphius 2, 406. II@3@dd) auf substantive bezogen, welche eine thätigkeit, eine aufgabe, einen dauernden zustand u. ähnl. bezeichnen, saure arbeit, saurer dienst, saurer gang, saure pflicht: inn seiner sawren und gefehrlichen arbeit und sorge, so gott allen Adamskindern, mit dem nasenschweisz auffgeleget. Mathesius Sar. 7a; sprich dein segen und gedeyen zu meiner sauren und trewen arbeit. 39a; von der äuszersten noth getrieben, entschlieszt er (Oxenstierna) sich endlich zu dem lange vermiedenen sauern schritt, sich Frankreich in die arme zu werfen. Schiller 8, 358; seine, oft saure pflicht thun. Kant 5, 200; könnte ihr bruder nicht dadurch in seinen sauern geschäften erleichtert werden? Göthe 7, 128; das unduldsame und kleinstädtsche ..., womit sie sich ein so kurzes leben verkürzten und ein so saueres versäuerten. J. Paul uns. loge 1, 86; disz kind ..., dasz unter diesem fusz sol schwer von ketten stehn? und noch den sauren gang des Bajazeten gehn. A. Gryphius 1, 123; nein, fiel der alte hitzig ein, sein informatordienst ist sauer. Gellert 1, 228; ein jedes furchte sich, und keines war so kühn, sich um die saure pflicht nebst ihnen zu bemühn. Lessing 1, 108; wie er (der hofhund) mit sauren sprung ein stückchen brodt erhascht. Weppen im Gött. musenalm. 1777, 13; andere, die er verdrossen zum sauern treffen erblickte (στυγεροῦ πολέμοιο Ilias 4, 240), fuhr er heftig an. Bürger 215b; wenn ein wackrer mann mit heiszer stirn von saurer arbeit kommt. Göthe 9, 184; wenn ein mann von allen lebensproben die sauerste besteht, sich selbst bezwingt. 13, 184; heute bin ich zwar schlecht zu fusze; doch soll mir die liebe, die ich euch lange gewidmet, die sauern tritte versüszen. 40, 24; macht' er sich endlich an den sauren gang und grollte. Rückert 12, 130. von zeitabschnitten, die mit mühe, beschwerde verbunden sind, schwer überstanden werden: nun ist noch heute ein saurer neujahrstag zu überstehen, indem frühmorgens ein cabinet besehen wird, mittags ein groszes gastmahl genossen, abends das concert besucht wird, und ein langes abendessen darauf gleichfalls unvermeidlich ist. Göthe an Schiller 1. jan. 1797; Ulysses, der nunmehr, in zwanzig sauren jahren, durch krieg, verlust und sturm des schicksals grimm erfahren. Hagedorn 1, 40; die post, versteht sich, musz ihr saures stündchen fahren hieher vom Erebus. Schiller 1, 206; und hatten manchen sauren tag, den wald mit weitverschlungnen wurzeln auszuroden. Wilhelm Tell 2, 2; saure wochen! frohe feste! sey dein künftig zauberwort. Göthe 1, 199. von dem, was nur mit mühe und beschwerden erworben oder erhalten wird: ich musz meine sauren groschen auch zusammenhalten; er verlor dabei seinen sauren verdienst; freier: sie, die ein fühlend herz, und nicht die ahnen schätzet, und nicht der würden saure pracht. Lessing 1, 89; sie sticht (die mücke), und flieht mit schnellem schwunge, stolz auf den sauren lorbeerkranz. 109. saurer schweisz, der bei schwerer arbeit, groszer mühsal flieszt: saurer schweisz und blut; was ich besitze, ist die frucht eines fünfzehnjährigen fleiszes, ich habe es mit saurem schweisz und nachtwachen erworben. Schiller 14, 216; der wandersman ermattet auff starck und stäter reisz; beym grünen bäumlein schattet, streicht ab den sawren schweisz. Spee trutzn. (1649) 26; disz alles wird zerrinnen, was müh' und fleisz gewinnen und saurer schweisz erwirbt. A. Gryphius 2, 124. saurer schweisz, für das mit schwerer mühe erworbene: du must doch deinen sauren schweis andern lassen, und deine erbeit den erben ubergeben. Jes. Sir. 14, 15; was habe ich dir gethan, dasz du mein stückchen brod mir nimmst, meinen sauren schweisz und blut! Musäus volksm. 1, 51 Hempel. II@44) sauer, übertragen auf persönlichkeit, charakter, innere zustände und deren ausprägung in mienenspiel, sprache u. ähnl. II@4@aa) von personen, streng, mürrisch, finster, unhold, böse, feindselig; in älterer sprache gewöhnlich, in neuerer vereinzelt: eʒ wirt noch sîner sêle leit ze helle, dâ der sûwer wirt disen gruoʒ niht verbirt. Seifrid Helbling 2, 588; eʒ sint zweier slahte gebûr, einiu guot, diu ander sûr. buch der rügen 1440; bî sûren herrn ist harpfen unwert; swer sûren herren süeʒen sanc singt, dient in ôn allen danc. Renner 5902; swenne ein wolgezogeniu meit, einem sûren schalke zer ê wirt geben. 12631; sy sind gen veinden nicht als saur, als do sy unser frawen maur mit gwalt darnider valten. Hätzlerin 1, 29, 91. vom satan: er ist ein trawriger sawer geist, der nicht leiden kan, das ein hertz frölich sey. Luther 5, 25a; so schreitet .. ein saurer bedienter hinterdrein. J. Paul 2, 45; so auch mundartlich Hunziker 267; zum schlusz bricht sie von seiner hütte, wozu der saure eremite mit noth ihr die erlaubnisz gab, sich einen heil'gen splitter ab. Lessing 1, 114. von einem thier ausgesagt: bî einem dorf saʒ ein gebûr, der het ein hanen, der was sô sûr, daʒ er alle die hanen beiʒ, die zuo im giengen in den kreiʒ. Reinhart Fuchs s. 394 (diu bîhte 60) Grimm. übertragen auf persönlich gedachtes: o sawrer winter du bist so kalt, du hast versawret den grünen walt. Ambras. liederb. 37, 1. sich sauer stellen gegen jemanden, ihm ungunst, widerwillen, feindseligkeit erweisen: (der glaube) thar den hertzlich anruffen (gott), der jn schlegt, und sich sogar sawr gegen jm stellet. Luther 5, 49b; o die armen werden bei etlichen reichen saur entfangen. H. Sachs dialoge 54, 24; eigenthümlich im nd.: ik bin 't leven suur, ich bin des lebens überdrüssig, müde. brem. wb. nachtr. 355; mhd. einen sûre haben, seiner überdrüssig sein: er solt iuch durch got! haben sûre. minnes. 3, 211b Hagen. II@4@bb) bezogen auf das innere der persönlichkeit, charakter, gemütsart, denkweise: Mahal war von viel zu saurer gemüthsart, als dasz er sich mit ihnen hätte aussöhnen sollen. Klinger 6, 193; frei gewendet: übrigens gerinnt ihr (der Staël) lob Göthes im sauern kopfe eines Franzosen zu einem bloszen tadel. J. Paul kl. bücherschau 1, 78. II@4@cc) von dem gesicht, der miene, dem blick eines mürrischen, unzufriedenen: das man signa rancoris, das ist, die zeichen und sawre, ernste geberden, ablege gegen dem feinde. Luther 1, 191a; zuletzt gibt er jm ein sauren blick. S. Franck weltb. 216a; das man sich nicht besser könne in ansehen bringen, als wenn man einen höhern, zu rechter zeit ... mit manier wisse den kopff zu biten; oder doch eine sauere mine zu machen. Butschky Pathm. 621; gaben derowegen mir ein gar sauer gesichte, dasz ich in ihrem begehren nicht folge leisten wolte. Mandelslo morgenl. reisebeschr. 39a Olearius; als er vernimpt, dasz er seine lippen hängen lässet, ein saur gesichte machet, und still schweiget, gehet er zurücke. pers. rosenth. 3, 5; machte er dennoch nicht eine saure miene darzu. Plesse 3, 160; mit einem lächelnden oder sauren blick zu ihren füszen zu legen. Wieland 3, 365; vielleicht weil sie saure gesichter schneiden, die achsel zuken, wenn von staatssachen rede wird? Schiller Fiesko 2, 5; freilich musz ich noch manches saure gesicht wegscheuern. J. Paul uns. loge 2, 15; sagte der sekretär und machte ein zu saures angesicht. auswahl aus des teufels papieren 1, 13; schweiz. e suri stirne mache. Seiler 285b. sauer im sinne von mürrisch auf wort, rede bezogen: mit süeʒer rede, niht ze sûr. Konrad v. Würzburg Silvester 599; in dem begegnet jhn ein bawer, der redt sie an mit worten sawer: secht an den alten groben lappen. H. Sachs 1, 430c; wiltu von einem kein saur wort haben, so schmiere seinen mund mit süszigkeit. pers. rosenth. 1, 27; Maria. was wird Sickingen sagen? Elisabeth. billigen wird er's. und thät er's nicht, so war das leben deines bruders wohl ein saures wort von deinem manne werth. Göthe 42, 211. ungewöhnlich saurer buchstil bei J. Paul von der strengen, beweisführenden schreibart gegenüber dem plaudernden stile des briefes: darüber bin ich hier in einen sauern buchstil gerathen, und habe briefstil und briefziel vergessen. herbstbl. 3, 221. II@4@dd) besonders in der wendung sauer sehen, ein mürrisches, unzufriedenes, betrübtes gesicht machen, verdrieszlich sein, dann auch in übertragener anwendung sauer zu etwas sehen, mit etwas unzufrieden sein; sauer sehen wird häufig als compositum empfunden. II@4@d@aα) sauer sehen, sauer aussehen, sauer dreinsehen: etliche sehen saur, was sie sollen thun, seint nimmer guter ding. Keisersberg narrensch. 36b; keret euch her zu mir, jr werdet saur sehen, und die hand aufs maul legen müssen. Hiob 21, 5; wenn jr fastet, solt jr nicht sawr sehen, wie die heuchler. Matth. 6, 16; da nun des morgens Joseph zu jnen hineyn kam und sach, das sy saur sahend. Züricher bibel v. 1530 1 Mos. 39, 6 (und sahe das sie traurig waren. Luther); messer störtzen, zeen blecken, maul einbeiszen und sawr sehen. Luther 5, 51a; wird er zornig, schlecht den kopff nider, sihet sawer, und verdros jn ubel. 4, 35a; ich, der ich mein leben mit trawren und sawr sehen habe zubracht, such jtzt und neme frewde, wo ich kan. 6, 169a; die grob ungereimt grobheit und ruchtlose ungeschicklichkeit wie Horatius spricht, oder das langweilig sauersehen. S. Franck mor. encom. 39a; die es den klegern abschrecken mit sauer sehen und dreuworten. Schade sat. u. pasqu. 2, 254, 37; das bösz weib trit in die stubn, sicht sawer. H. Sachs fastn. sp. 1, 40 neudruck; und schweiget jedermann still, und siehet, als hett er einen Türken gefressen, sauer aus. Kirchhof wendunm. (1602) 1, 325; der wirdt begundt sawr zuosehen, und verdrosz in sehr. Lindener Katzipori 136; sein saur sehen, ist jr als wann ein vatter mit dem kind mummels spielt. Fischart Garg. 71a; Litigator neigt sich und geht saursehend ab. Ayrer 2508, 21 Keller; jfg. h. Friedrich aber sahen sauer. Schweinichen 1, 355; uber der tafel sasz der fürst in tieffen gedancken, und sahe sehr sauer ausz. Schuppius schriften 15; ein soldat und buler, so musz ich lachen und sauer sehen. A. Gryphius Peter Squentz 11 neudruck; ein münch will keinem sauersehenden sein anliegen offenbahren. pers. rosenth. 3, 5; es ist besser, in des richters gefängnis gefesselt sitzen, als ein sauersehendes weib täglich im hause sehen müssen. pers. baumg. 7, 22; ein sauersehender gerichtsverwalter. Chr. Weise kl. leute 44; da kan ich sauer sehen, und wieder lachen. 319; er hatte die gabe .. nicht selten ein gelächter zu erregen, welches durch sein eigenes sauer sehen gemeiniglich vermehret wurde. Felsenb. 2, 236; das magere, trockene, sauersehende ding da. Klinger 6, 176; immer müsztest du dann, wie ein gedungener büszer, bey einem öffentlichen umgange, dein gesicht zum sauersehen zwingen. Veit Weber sagen 6, 75; was fehlt dir, dasz du so sauer darein siehst wie ein apfel um Jacobi. Zingerle kinder- u. hausm. 210; dein sauersehn, darzu dein flehn aus mistreu her tut rinnen. Gödeke - Tittmann liederb. 16; wie mocht ich dann so saur gesehen. fastn. sp. 228, 21; sawersehn ist für lachen gut. Nigrinus beschlag A 1b; durch finstres sauer sehen ist liebe nie gestifft. Logau 2, 10, 37; es mag mich wer da will beklagen, mag sauer sehn, und leide tragen. Schwieger geharn. Venus 27; ja wolt' ich wehrte braut! gleich scheel und sauer sehn, es möchte dir dadurch ein schlechter dienst geschehn. Günther 795; du siehst recht sauer aus;hab ich dir was gethan? Rost gelerete liebe A 3b; der vater ... schickt ihn, um ihm den kützel zu vertreiben, zwey jahre nach America; so sauer auch die liebe mutter sah. Gellert 1, 245; der nicht sauer sieht, wann wir mit frischen kränzen des frühlings wiederkehr, der erndte fest begehn. Gotter 1, 417. auf das auge bezogen: die augen sehen sawer. Lehmann 187; weil ihr lachend aug' nicht sauer sehen kann. Wieland 10, 197. sauer blicken: sauer blickende .. hoffrätzlein. Fischart Garg. 47b. II@4@d@bβ) zu etwas, seltener an etwas sauer sehen, etwas mit verdrieszlichkeit, miszbilligend ansehen: das er wuste, wie seine kinder sich schendlich hielten, und hette nicht einmal saur dazu gesehen. 1 Sam. 3, 13; dann er sawer zur sache sahe. buch d. liebe 214, 1; ich sahe sauwer darzu, als wenn es mich verdrüsz. 195, 1; da hatte sein spöttisch gelächter ein end, sahe sauwer an die sach, hencket den kopff, redet kein wort. 204, 2; du magst gleich sauer oder süsz darzu sehen. Simpl. 3, 319, 14 Kurz; der apotheker .. muszte .. den ganzen tag unbeschreiblich sauer zu allem sehen. J. Paul komet 1, 5; der ist eyn narr, der schencken duot und das nit gibt mit guottem muot und dar zuo sur, und übel sicht. S. Brant narrensch. 92, 3. II@4@d@gγ) einem sauer sehen, ihm ein verdrieszliches, feindseliges gesicht machen: dasz dem das glücke lacht und jenem sauer sieht, das ist ein trieb von oben. Günther 1040. II@4@d@dδ) einen sauer ansehen: und Saul sahe David saur an, von dem tage, und fort an. 1 Sam. 18, 9; und trotz dem bapst selbs, das er der einen sawer ansehe. Luther 3, 515b; die mich saur ansehen, und wolten gern, das ich mich solt für jnen fürchten. 5, 50b; ich mag mein anliegen keinem, der mich saur ansiehet, offenbahren. pers. rosenthal 3, 5; auch mein bruder ... sahe mich scheu und sauer über die achsel an. Felsenb. 4, 56; ihr seht jedermann sauer an, als ob ein jeder euch bestehlen wollte. Arnim schaub. 1, 5; (der kranke) mit den zennen griszgrampt, sach sy an sawer alle sampt. meisterl. fol. 23 nr. 190; des andern jares wurden sy sein gar verdrutz, weil er war alt und gar zw keiner arbait nutz und sahen alle sawer an den alten. 218; siehst du mich sauer an, so bin ich plötzlich todt. P. Fleming 183. II@55) besonderes. II@5@aa) saure salze heiszen in der chemie solche, welche mehr säure enthalten als basische und neutrale salze. II@5@bb) sauer im sinne von feucht (s. oben unter dem formalen); von sumpfigem boden, besonders wiesen Schm. 2, 320; sura boda, nasser boden Tobler 428b. Hunziker 267, so auch nd. Woeste 262a, vgl. sûr, m. sumpfiges wiesenstück Frommanns zeitschr. 6, 19: die wiesen sind wegen der tiefe schon saurer. Göthe 43, 188; von dem grase, das auf solchem boden wächst: saures gras und niedres röhrig wird zum streuen gehauen. 209 (vgl. Schmeller, Hunziker a. a. o. Jecht 91a); vom holze, das feucht, nasz, nicht ausgetrocknet ist Schmeller, Tobler a. a. o. Stalder 2, 303 (hier auch übertragen: geziert, anmaszend, von mädchen gesagt). Kehrein 337.
34716 Zeichen · 636 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sauer

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    Sauer , -er, -ste, (nicht säurer, säuerste,) adj. et adv. ein Wort, welches eine Art der Empfindung in Ansehung des Gesc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    sauer

    Goethe-Wörterbuch

    sauer in flekt Formen auch saur- 1 einen hohen Säuregehalt aufweisend a als Geschmacksrichtung, -empfindung; auch im Bil…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sauer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +3 Parallelbelege

    Sauer als Bezeichnung von Gesteinen, s. d., S. 745.

  4. modern
    Dialekt
    sauer

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    sur , sauer [sýr fast allg.; saùər Bühl ] Adj. 1. sauer. Sure r Wi(n) allg. ‘der suren wine wegen’ Str. 1466 Brucker 560…

  5. Sprichwörter
    Sauer

    Wander (Sprichwörter)

    Sauer 1. Einer lests jm offt sauer wern, der ander thut es alls verzern. – Eyering, II, 53. 2. Einer will Sauer, der and…

  6. Spezial
    sauer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    sau|er adj. 1 (nicht süß) aje (aji, ajia) 2 (säuerlich) ajedin (-s, -a) 3 (mühsam) sfadius (-sc, -iosa) 4 (gestockt: Mil…

Verweisungsnetz

121 Knoten, 119 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 8 Hub 2 Kompositum 99 Sackgasse 12

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sauer

344 Bildungen · 327 Erstglied · 17 Zweitglied · 0 Ableitungen

sauer‑ als Erstglied (30 von 327)

Sauerdorn

SHW

Sauer-dorn Band 5, Spalte 93-94

sauerfaul

SHW

sauer-faul Band 5, Spalte 93-94

Sauergras

SHW

Sauer-gras Band 5, Spalte 93-94

Sauerheit

SHW

Sauer-heit Band 5, Spalte 93-94

Sauerkalk

SHW

Sauer-kalk Band 5, Spalte 95-96

Sauerklee

SHW

Sauer-klee Band 5, Spalte 95-96

Sauerteig

SHW

Sauer-teig Band 5, Spalte 97-98

sauer als Zweitglied (17 von 17)

blutsauer

DWB

blut·sauer

blutsauer , laboriosissimus, molestissimus, sauer bis aufs blut: widerumb leszt ers einem fromen schwer und blutsawer werden. Luther 4, 506 …

Dessauer

Wander

des·sauer

Dessauer Ein alter Dessauer. ( Königsberg. ) – Frischbier, I, 518. Zur Bezeichnung eines alten Hutes.

grundsauer

DWB

grund·sauer

-sauer ' sauerteig ... zur zubereitung des künftig nöthigen sauerteiges ' Schrader dtsch - frz. wb. 1, 581 ;

Güntisauer

Idiotikon

Güntisauer Band 4, Spalte 1486 Güntisauer 4,1486

Hundsauer

Adelung

hunds·auer

Hundsauer , adj. et adv. im gemeinen Leben, sehr sauer. Es wird ihm hundsauer. In den niedrigen Sprecharten hundesauer.

Krümelsauer

Adelung

kruemel·sauer

Der Krümelsauer , des -s, plur. inus. bey den Bäckern, derjenige Sauerteig, welcher in trocknen Krümeln aufbehalten wird.

Nassauer

Pfeifer_etym

nass·auer

Nassauer m. ‘wer sich auf Kosten anderer einen Genuß verschafft, von anderen freihalten läßt’, zuvor (19. Jh.) Ausdruck der Berliner Dirnen-…

Pássauer

Adelung

pass·auer

Der Pássauer , des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich eine Person männlichen Geschlechtes, welche aus der Stadt oder dem Bißthum Passau komm…

Rüegsauer

Idiotikon

Rüegsauer Band 6, Spalte 795 Rüegsauer 6,795

schwarzsauer

DWB

schwarz·sauer

schwarzsauer , n. , nd. swartsûr, ein gericht, mit blut und essig bereitetes gänseklein, hasenklein u. dergl. Frischbier 2, 328 b , auch mit…

stocksauer

RDWB1

stock·sauer

stocksauer разобидеться в пух и прах идиом.

wahnsauer

DWB

wahn·sauer

wahnsauer , adj. nicht in der rechten weise sauer, zu dem adj. wahn. meist in der bedeutung ' säuerlich geworden ', von flüssigkeiten, die v…

weinsauer

DWB

wein·sauer

weinsauer , adj. 1 1) ' säuerlich wie wein ', von früchten gesagt, vor allem von äpfeln ( s. a. weinling); vgl. weinsauer austerus Trochus (…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „sauer". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/sauer/dwb?formid=S02436
MLA
Cotta, Marcel. „sauer". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/sauer/dwb?formid=S02436. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „sauer". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/sauer/dwb?formid=S02436.
BibTeX
@misc{lautwandel_sauer_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„sauer"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/sauer/dwb?formid=S02436},
  urldate      = {2026-05-15},
}