Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Rolle f.
Rolle f.
Rolle f. ‘Walze, kleines Rad, Auf-, Zusammengerolltes, Schriftrolle’, auch ‘von einem Schauspieler darzustellende Gestalt’, frühnhd. (15. Jh.), mnd. rolle, rulle ist eine (teilweise vielleicht durch gleichbed. mnl. rolle vermittelte) Entlehnung aus afrz. mfrz. rol(l)e m., mfrz. roul(l)e, roole ‘(Pergament-, Papier)rolle, Verzeichnis’ (frz. rôle m.), dem zu lat. rota f. ‘Rad, rollende Scheibe, Rolle’ (mit dem Deminutivum lat. rotula ‘kleines Rad’) gebildetes lat. rotulus m. ‘Walze, Rolle’ (s. Roulade, rollen) voraufgeht. Für das dt. Substantiv ist wohl auch, namentlich im kanzleisprachlichen Bereich (‘Schriftrolle, Urkunde, Verzeichnis’), gleichbed. mlat. rotulus (kontrahiert rollus) bzw. (worauf feminines Genus im Dt. schließen läßt) mlat. rotula, rolla f. von Einfluß. Bereits seit frühnhd. Zeit bezeichnet Rolle in unterschiedlichen technischen Verwendungen bestimmte walzen-, rad- oder scheibenförmige Vorrichtungen. Im Sinne von ‘Gerät zum Glätten der Wäsche’ (zuerst Mitte 16. Jh., verbreitet vom 18. Jh. an) tritt Rolle im Omd. und zum Teil im Nordd. und Öst. an die Stelle von 1Mangel f. (s. d.). Auf speziellem Gebrauch von Rolle ‘Schriftrolle, Verzeichnis’ (nach dem damals benutzten gerollten Papierstreifen mit der Niederschrift des jeweiligen Parts) beruht die Bedeutung ‘Aufzeichnung von Text und Handlung für den einzelnen Schauspieler, darzustellende Gestalt in einem Bühnenwerk’ (2. Hälfte 17. Jh., zuvor schon nl. rol, Ende 16. Jh., nach gleichbed. mfrz. roole, frz. rôle), dann (18. Jh.) auch übertragen ‘Position, Funktion, Aufgabe’, vor allem in Wendungen wie eine Rolle spielen, sich in die Rolle eines anderen versetzen, die Rollen vertauschen. Seit der 1. Hälfte des 20. Jhs. ist Rolle in der Terminologie des Turnens (‘Überschlag, Purzelbaum’) und des Kunstflugs (‘Figur, bei der sich das Flugzeug um seine Längsachse dreht’) üblich.