nennen,
verb. nominare, nuncupare, vocare. Herkunft und form. 11) nennen
ist denominativ zu name:
goth. namnjan,
alts. nemnian,
ags. nemnan,
altfries. namna (
auch nanna),
altn. nefna (
aus nemna);
ahd. namnan, nemnan, nemnen,
angeglichen nemman, nemmen
oder nennen,
mhd. nemnen (
auch nenmen),
angeglichen nemmen
und nennen,
nhd. nennen (
noch nemmen
teufels netz 1482. Steinhöwel
Es. 51. 67.
Eulensp. 41, 29. R. Wonlich
das himml. Jerus. str. 1.
Zimm. chron. 1, 131, 18. 2, 465, 22
u. o., nemben
österr. weisth. 6, 501, 23, er nempt
trag. Joh.). 22)
die angeführten formen gehen auf das thema naman
zurück (
wie nominare
vom thema nomin),
während andern hoch- und niederdeutschen formen das thema nam
zu grunde liegt: 2@aa)
ahd. alts. namôn,
mhd. mnd. namen,
altfr. naman,
s.namen sp. 337. 2@bb)
ahd. (
vorauszusetzen aus namitî
nennung Otfrid 1, 9, 14) namjan,
ags. namian (
engl. to name)
und nemian,
mhd. nemen,
alem. nemen, nAemen (Gengenbach
gouchm. 443.
Nollh. 245, 37. Zwingli 12, 24)
und niemen (Weinhold
mhd. gr. § 115,
alem. gr. § 102),
s. beniemen th. 1, 1473. 33)
aus einem alten, vocalisch noch unverkürzten thema nômen, nôm
sind hervorgegangen altfr. nômna
und nômia,
mnd. nômen, nûmen,
nd. nœmen,
md. nûmen (Diefenb.
gl. 382
b),
mhd. benuomen;
auch die kärnt. tirol. nebenformen námen (
d. i. næmen)
zeigen noch wurzelhaftes â. Lexer 196. Schöpf 459. 44)
im präter. und partic. von nennen
ist heute die unumgelautete form, nannte, genannt
durchgedrungen, während früher und noch mundartlich schwankungen vorkommen: 4@aa)
prät. ahd. nemnida (
Isidor 17, 14
Weinh.),
syncop. namda, namta, nanta;
mhd. namte, namde (
von nemmen),
gewöhnlich nante, nande (
von nennen);
nhd. nampt (
von nemmen, nemben)
städtechron. 4, 96
anm. 5. Th. Platter 4, 43, 89,
von nennen: nannte (nante),
daneben auch umgelautet nennete,
syncop. nennte (nente): nennete Frisch 2, 15
a. Luther 3, 134
a. Wurstisen 136. Schuppius 251.
Simplic. 1, 49, 4. 267, 22. 754, 16; nennte (nente) Steinbach 2, 107. Aventin. 4, 793, 32. 808, 29
u. ö. schles. Helikon 2, 36.
Felsenb. 1, 113. Cronegk 2, 47. Hagedorn 3, 139. Rabener
briefe 101. Gellert
schwed. gräfin (1763) 41. Möser 1, 211. Klopstock
Mess. 1, 33.
werke 12, 283. Schiller 4, 115. 4@bb)
partic. ahd. ganamnit, ganemnit, genemnit, genemet, ginennit
und ginant;
mhd. genemmet, genemt, genennet, genent
und genant;
nhd. genemmet (
von nemmen) Steinhöwel
Es. 67, genempt Th. Platter 43;
von nennen : genannt (genant)
und daneben genennet,
syncop. genennt : genennet Frisch 2, 15
a. Luther 2, 112
b. 8, 24
a u. o. Jer. 15, 16.
Luc. 2, 21.
Ephes. 2, 11. H. Sachs 4, 109, 11. Fischart 3, 347
Kurz; Wurstisen 203. Opitz (1644) 2, 11. 3, 27. Schuppius 99. 545. Hofmannswaldau 2, 133. Lohenstein
Armin. 1, 165
b. Philander 1, 150. Lessing 1, 112. 6, 324. Klopstock 1, 71. 89.
Mess. 4, 1031. Gleim 3, 30. Wieland
suppl. 3, 260. Göthe 16, 247. 40, 365. Tieck
Octavian 29; genennt (genent) Stieler 1327. Steinbach 2, 107. H. Sachs 1, 28, 18. Fischart
nachtrab 3063.
F. Platter 228. Logau 3, 7, 43. Schuppius 98. Lessing 1, 120. 8, 60.
bair.-österr. genennt Schm. 1, 1746. Lexer 198. 55)
conj. prät. nennete, nennte (nännte Frisch 2, 15
a),
s. Bech in der
Germania 15, 138;
bair.-österr. conditional ich nennet (
ich würde nennen) Schm.
und Lexer
a. a. o. Bedeutung und gebrauch. nennen
bedeutet im allgemeinen einen namen geben, mit namen bezeichnen, woraus sich weitere abstufungen der bedeutung entwickelt haben. nennen
wird transitiv und reflexiv entweder allein oder in verbindung mit dem betreffenden namen oder mit dem worte name
gebraucht: einen
oder etwas nennen, den namen eines nennen, einen beim namen, mit namen nennen,
s.name A, 2
und B, 1,
b, wozu im folgenden noch einige belege kommen. II.
einer person oder sache einen (
individuellen oder allgemeinen)
namen geben, sie mit namen heiszen, benennen. I@11)
mit einfachem persönlichem objecte: Adam nannte sie (
gab der Eva den namen). Herder
älteste urk. 2, 197; es stehet nicht, dasz Eva ihn (
den Abel) nannte. 198; der menschen allzustolzer wahn kann dich (
gott) nicht denken, will dich nennen. Cronegk 2, 152; wer darf ihn (
gott) nennen? Göthe 12, 180;
mit dativ der person: wie soll ich in menschlicher rede den kindern der erde dich (
gott) nennen? Ramler 2, 183; genannt sein
heiszen: wir sind ja nach deinem namen genennet.
Jer. 15, 16. wie sie denn all sind genant.
N. Manuel
Barbali 1498. I@22)
mit beifügung des namens im accusativ, passivisch und durch attraction auch activisch, indem der nominativ als vocativ fungiert, im nominativ (
gramm. 4, 622. J. Grimm
kl. schriften 3, 340. 592),
wobei aber vielfache berührung mit II, 1
stattfindet. I@2@aa)
des eigennamens oder beinamens (
s.name B, 1):
goth. Seimon, þanei jah namnida Paitru.
Luc. 6, 14;
mhd. Neptalim sî in nande.
Milstäter genesis 57, 27; der (
sohn) wart genennet Gat. 30;
nhd. Herman Stromeir, den man nant Helvogel. U. Stromer 61, 9; die erste .. wir nennen wöllen Pampinea.
Bocc. 9, 6
K.; Simon, welchen er Petrum nennet.
Luc. 6, 14; da ward sein name genennet Jhesus. 2, 21; darumb nent man in (
Simon) gotskraft und gotsmacht. Aventin. 4, 777, 32; den nampt man den alten Hans. Th. Platter 4; do gnasz sy aber eins meitlins, das nampt man Urselli. 89;
du hast in recht Felicem genempt, dan .. er wirt felix werden. 91; wenn die kinder sollen leben bleiben und das gewöhnliche alter erreichen, so soll man die söhne Adam und die töchter Eva nennen.
rockenphilos. 41; den ich herr Stolle nennen hörte.
Felsenb. 2, 472; man hat ihn Henrich Vogler gnent. Frischlin 10
Strausz; dich nennten die menschen Serena! Cronegk 2, 47; aus liebe zu meiner frau .. nennte ich sie (
die adoptivtochter) Mariane. Gellert
schwed. gräfin (1763) 41; sie nannte ihren sohn .. Kain. Herder
älteste urk. 2, 197; ich würd ihn einen Nero nennen. Wieland
Gandalin 167; jenes mädchen in dem harnisch, Tapferkeit wird sie genennet. Tieck
Octavian 29; drum ward er nach dem thier Leo genannt. 281. I@2@a@aα)
reflexiv sich nennen (
kein gallicismus, wie Heynatz 2, 288
annimmt),
sich einen namen beilegen, sich heiszen: mhd. er wil sich nemmen Jêsu Christ.
minnesinger 3, 468
u;
nhd. der mann, der sich Christus nempt.
trag. Joh. Nn 3; der ander nent sich ein Pauliner. Fischart
barf. 77; Louise nennt sie sich? Schiller 3, 460 (
kabale 4, 7); nun, weiser Anthenagoras, oder wie du dich nennst. Wieland 25, 52; du nennst dich Nathan? .. den weisen Nathan? Lessing 2, 272 (
Nathan 3, 5); wir kennen den helden des stückes, er nennt sich Amadis. Wieland
Amadis 18, 14; es war einmal ein groszer held, der sich Aeneas nannte. Blumauer 1, 7. I@2@a@bβ) genannt sein
heiszen; genannt,
mit namen: mhd. ein wirt was dâ geseʒʒen, Astolt genant.
Nibel. 1269, 1; er was genant Hartman.
Iwein 29; her Gabriêl was er genant.
minnesinger 3, 468
u;
nhd. der sibend ist Unkünsch genant.
teufels netz 13223; einen wolgestalten iungling, Enum genennet. Steinhöwel
Es. 67
Öst.; ein kauffman .. genantt Muciatto.
Bocc. 19, 13
K.; Moses und Aaron hatten eine schwester, Maria genennet. Luther 8, 24
a; künig Wandler, im latein Vandalus genant. Aventin. 4, 132, 21; das ist der Wunnensteiner, der gleiszend wolf genannt. Uhland (1879) 2, 193. I@2@bb)
des gemein- oder gattungsnamens (
s.name A, 1
und 2):
goth. þanzei jah apaustuluns namnida.
Luc. 6, 13;
ahd. thiê namta her boton.
Tat. 22, 5;
mhd. er gap iegelîchem chore sînen namen: einen nante er engele, den anderen erzengele.
Milstäter genesis 1, 9.
nhd. I@2@b@aα)
zu name
A, 1: geschöpfe, die man menschen nennet. Wieland
suppl. 4, 170. I@2@b@bβ)
zu name
A, 2,
a: drumb wird sie ein mennin genent, weil sie ist von dem mann genummen. H. Sachs 1, 28, 18; das liebliche geschlecht, das wir die jungfern nennen. Fleming (1666) 153; dasz man mich wird künftig der märter mutter nennen. Gryphius
trauersp. 663
Palm; der ihn solt vetter oder schwager nennen. Hofmannswaldau 2, 112; ich ward .. nie ein kind genennet. 133; hatten frühe schon töchterchen und sohn braut und bräutigam voraus genannt. Göthe 1, 242. I@2@b@gγ)
zu name
A, 2,
b: ir wolt all ritter sein genant.
fastn. sp. 638, 25; und erwelet irer zwelffe, welche er auch apostel nennet.
Luc. 6, 13; wie nennet ihn denn David im geist einen herrn?
Matth. 22, 43; die nent man ietzo pischof. Aventin. 4, 790, 25; und will, man sol sie junkher nennen. H. Sachs 5, 353, 21; mein rechter eifer brennet nur wider dieses volk, das solch poeten nennet. Opitz (1644) 2, 34; man nennet uns ja die hohe obrigkeit. Philander 1, 584; dasz man ihn .. einen naturdichter nannte. Göthe 49, 181; den ich ehmals meinen lehrer nannte. Platen (1847) 4, 272; den wird man einen ritter nennen, der nie sein ehrenwort vergasz. Uhland (1879) 1, 119. I@2@b@dδ)
zu name
A, 2,
c: und hats der gemein man .. christen genent. Aventin. 4, 779, 14; dieser nennet beide bäpste ... ketzer. Wurstisen 213. I@2@b@eε)
zu name
A, 2,
d: wie mügen sie (
die bischöfe) genennet werden ... wolken on regen? Luther 2, 112
b; (
vorher er gibt auch den bischoven ire rechte titel). die erste wurden genennet weibernarren. Philander 1, 150; sol man dich nennen einen frummen, so must du leben gar volkummen. H. Sachs 4, 109, 14; der wird falsch ein freund genennt, der sich von dem freunde trennt. Logau 3, 7, 43; wenn das volk ihn einen helden nennet. Cronegk 2, 141; wie kannst du mich den gröszten schwätzer nennen. Gellert
fab. u. erz. (1763) 110; ich habe längst gewünscht, den mann zu kennen, den es (
das volk) den weisen nennt. Lessing 2, 272 (
Nathan 3, 5); da ihn unsere stadt den trunkenbold, den taugenichts nannte. Lichtenberg 3, 24; ihr meineidige verräther .. ins gesicht nenn ich euch solche. Herder
Cid 33; die ihn einen kenner nannten. Göthe 1, 195; (
sie soll) uns ihre streiter und vertheidger nennen. Tieck
Octavian 435;
manchmal in prägnantem sinne: das nenn ich einen kerl! das heiszt lieben! Schiller 3, 365 (
kabale 1, 2). I@2@b@zζ)
zu name
A, 2,
e: schruwen die leut uber mich, nampten mich ein pfaffen und andre wort. Th. Platter 43; andere nennet man under uns esel, ihr aber in gemein gäuche. Philander 1, 27; je nun, man kann sie (
weiber) doch in so weit lämmer nennen als sie von selbst ins feuer rennen. Lessing 1, 117; ihren liebling nennt mich weit und breit unsre mutter — ewigkeit. Schiller 4, 6; den sie ihren trauten (
geliebten) nannte. Stolberg
ged. (1781) 213; die er seine liebste nennt. Tieck
ged. 228; verbiete künftig deinen schmeichlern ... dich den vater alles glücks zu nennen. Platen (1847) 4, 275.
Selbstverständlich kann in den unter b angeführten fällen auch manchmal reflexive fügung (
wie bei I, 2)
eintreten, z. b.: ahd. thaʒ ih .. mih gotes sun nennu. Otfrid 3, 22, 58;
mhd. ir basensun er sich nande.
Milstäter genesis 55, 16;
nhd. er nempt sich Zacharias sun.
trag. Joh. Ev; da er sich gottes son nennet. Luther 8, 24
a; nenten sich geistlich herren und heilig vätter. Aventin. 4, 808, 29; demnach nent sich Galba kaiser. 820, 31; als dann kan erst ein mensch sich einen menschen nennen, wann seine lust ihn trägt, was uber uns zu kennen. Opitz (1644) 1, 49; wer freund ist oder nur sich also pflegt zu nennen.
lob des kriegsgottes 726; ein nichtswürdiger, der sich zwar einen buchhändler nennt. Lichtenberg 3, 170; fahre fort zu lieben deinen bruder, der sich glücklich schäzt, sich den deinigen (
der schwester) zu nennen. Schiller 1, 367; er nannte sich sohn des himmels. 9, 138. genannt sein
wie oben unter 2,
a: goth. hvas broþar namnids sijai.
1 Cor. 5, 11;
mhd. doch sach dâ vil leiden anblic, der dâ wirt was genant.
Iwein 4367;
nhd. demnach von freud gnant sind die freund, gleich wie von fehde sind die feind. Fischart
gl. schiff 867; zu nennen sein
einen namen, eine bezeichnung verdienen: dann kein kleiner schalk ist zu nennen, der ein groszen schalk kan erkennen. Fischart 2, 383
Kurz; halbe christen sind zu nennen, die da gott und nechsten trennen. Logau 1, 8, 974; wer war nunmehr der gröszte thor zu nennen? Gellert (1763) 2, 38. I@33)
die dem objecte zukommende oder beigelegte bezeichnung und eigenschaft wird durch ein prädicatives adjectiv ausgedrückt, das nhd. ohne flexion (
wie vocativisch)
steht, transitiv: kein zwölfbot noch euangelist me denn heilig genennet ist.
M. Manuel
vom papst 1605; wann man sie pflegt alt und ungestalt zu nennen. Logau 1, 5, 12; wer wil Pertunda stolz, hochträchtig auch wol nennen? 1, 2, 17; wie nennst du einen kerl .. den man im ehebruch ergreift? ich nenn ihn langsam. Hagedorn 1, 118; du nennest mich ungetreu. Geszner 2, 93; Ottilie war kindlich heiter, nach ihrer weise konnte man sie offen nennen. Göthe 17, 133; so konnte man ihn wohl selig nennen. 414; denkt nicht schlimmer von mir, den ihr sonst weise nanntet. 5, 55; du nennest uns unbändig, roh, gefühllos. 9, 143 (
Tasso 2, 1); hat Seladon denn schon dich einmahl hart genannt? Gleim 3, 30; nein den frevler straf ich lügen, der dich falsch und treulos nennt. Schiller 11, 341; die (
accus.) engel selbst beneidenswürdig nennten. Wieland
Oberon 8, 78; zu nennen sein: wie selig bin ich, mutter, nun zu nennen! Gryphius
trauersp. 709
Palm; reflexiv: da er sich gotte gleich nennet. Luther 8, 24
a; wan er sich nur catholisch nent. Fischart
nachtrab 187; was sich treu und standhaft nennet, wird durchaus durch nichts getrennet. Fleming 329
L.; wenn du ja nicht anders willst, will ich mich gern schuldig nennen. Günther 863; und der ist nur gescheut zu nennen, der gott, die welt und sich lernt kennen. Kottwitz 65; wird man ohn vermessenheit sich nicht unbetrieglich nennen, und ohnfehlbar schätzen können. Brockes 2, 240; ich nenne mich zwar keusch und rein. Göthe 1, 190; mich ihrer werth zu nennen, musz ich die feinde dämpfen. 7, 247. sein eigen, sein nennen (
vgl. 6,
d): ein herz .. .. das mein eigenstes ich nenne. Platen 1, 176; du kannst mich Doris .. und — wie du willst mich nennen; nur nenne mich die deine. Lessing 1, 41; ja — wer auch nur eine seele sein nennt auf dem erdenrund. Schiller 4, 1. I@44)
in bezug auf einen volks-, landes- oder ortsnamen (
s.name B, 3): welcher sy ein hauptstatt dieses landts machet und von im selbs sy nennet. Frank
weltb. 163
b; ich nannte ihn (
den flusz) bald so, bald anders. Seume
spazierg. (1823) 171;
mit beigefügtem eigennamen: mhd. dâ zen Burgonden, sô was ir lant genant.
Nibel. 5, 3; diu (
stadt) was ze Santen genant. 20, 11; der berc was zu Jeheburc genant. A. v. Halberst.
prol. 96;
nhd. die stat nennet er nach seines sons namen Hanoch. 1
Mos. 1, 17; im obern Gallia belgica, wie es die Römer nennen. Aventin. 4, 639, 29; und haben si die sex krais in Europa genent Halia, Gallia
u. s. w. 640, 13; auf welsch seins die alpes genant. Waldis
Es. 4, 1, 59; nam ein die statt .. so Dietterichs Bern wirt jetz genannt. Frischlin 48
Strausz; ein alt haus, das nempt man desz Pilati haus.
F. Platter 184; es (
kloster) ward
s. Margreten thal genennet. Wurstisen 203; ein lustiger ort, welcher vor zeiten ist genennet worden des königs thal. Schuppius 99; der dich erstlich nante Rhein, wolte, glaub ich, sprechen Wein. Logau 1, 1, 94; die menschen nennen sie (
insel) Pharos. Voss
Od. (1781) 4, 358; man nennte sie die Uskoken. Schiller 4, 115; männer des nordens, Normänner nannte man sie. 9, 247; wir hatten die strasze, in welcher unser haus lag, den Hirschgraben nennen hören. Göthe 24, 14; stollen, den sie Landgrube nennen. 25, 324;
reflexiv: ihre mitglieder nennten sich freie Massons. Möser 1, 21; sie nennen sich eine Brittin. Schiller 3, 399 (
kab. 2, 3); 'wie wird die veste denn sich nennen, die wir da baun'Zwing-Uri soll sie heiszen. 14, 286 (
Tell 1, 3); genannt
wie oben unter 2,
a: goth. iddja in baurg namnida Naen (mit namen Nain).
Luc. 7, 11;
nhd. Baiern, genant die Treibler. Aventin. 4, 55, 27; sein sun, genant künig Tanaus. 66, 29; in dem lant Celtica .. damals Keligä genant. 207, 22; eine stat .. Nicopolis genant. 784, 30
u. o.; ein stattlicher hoff .. Hettan genennet. Schuppius 99; Clausenburg, Napuca sonst genennet. Opitz (1644) 2, 11. I@55)
ebenso in bezug auf die appellativen namen oder beinamen der thier- und pflanzenwelt, die als eigennamen gefühlt werden: man nennt kein ku blumi, sie hab denn ein bleslin (
stirnflecken) oder zeichen, darbei man sie erkönt. Keisersberg
seelensp. 125
b; vom fliehen will ich floh dich nennen. Fischart
flöhh. 1183
neudr.; dieser vogel wirt im Niderland ein wasserhnlein genennt. Heuslin
Gesners vogelb. 30; dieser vogel, so von den teutschen amsel und merel oder lyster genennt wirt. 34; das grosze geschlächt der meusen .. werden gmeinklich ratten genennt.
thierbuch 109
a; die wasserhund, so auch barbet genennet werdend. 91
a; die blum, so iris genennt wird.
vogelbuch 30; den dritten andom nennen die Teutschen scharlach. Bock
kräuterb. 9
b; die melissa nennet man muotterkraut. 5
a; das gewächs, welches in den kräuterbüchern genennet wird .. poma paradisi, oder wie die Wahlen reden poma del Adamo, das ist Adamsäpffel. Schuppius 98; ein kraut, das von seiner würkung die vergessene liebe genennet wird. Lohenstein
Armin. 1, 165
b. I@66)
das object ist eine sache oder ein abstractum: Adam kunte nennen jedes ding nach eigenschaft. Logau 2, 10, 27; wer gerüchte vom geruch nennen wil, wird wenig fehlen. 3, 9, 2; herz, wie soll die ungeduld ich nennen, da von ihr dich nur zwei tage trennen. Rückert 1, 297;
reflexiv: doch sagt, wie nennt die probe sich, die ich bestehn soll? Wieland
Idris 4, 63.
Die beigefügte bezeichnung wird ausgedrückt I@6@aa)
durch ein substantiv wie bei I, 2:
ahd. bî einemo brunnen, thaʒ uuir ouh puzzi nennen. Otfrid 2, 14, 8;
nhd. und wen er alle abenteuer kent, die man kunst und weisheit nent.
fastn. sp. 315, 16; den narrenspigel ich disz nenn. Brant
narrensch. vorr. 31; ein nüw testament, das man das euangelibuoch nent.
N. Manuel
Barbali 112; und gott nennet das liecht tag und die finsternis nacht. 1
Mos. 1, 5; wer lieben faulheit nennt, der gibt genung an tag, wie wenig er es kennt. Opitz (1644) 2, 99; das süsze tun, das wir die liebe nennen. Fleming 58
L.; dasz wir unvollkommen sind, wann wir disz erkennen, kan man solch erkäntnüsz schon eine beszrung nennen. Logau 2, 7, 85; die tapferkeit und tugend, und was wir den grund der throne nennen. Gryphius
trauersp. 58
Palm; das nenneten sie ein schwedischen trunk.
Simplic. 1, 49, 4; auszlauff (
des wassers), welchen wir die quelle nennen. 754, 16; nicht weit davon stund etwas offen, das man die antichambre nennt. Günther 163; ich lebe wie ich kann; man nennt es eigensinn. 395; und ihre lieder nennte man scolien. Hagedorn 3, 139; beiwörter, die man artikel zu nennen pfleget. Chr. Wolff
vern. ged. von gott u. s. w. § 305; dergleichen wörter man mitlere wörter nennen kann. 310; wenn Thraco zankt und schreit, nenn ich es nicht mehr zank; ich nenn es sittsamkeit. Cronegk 2, 128; das wird niemand wol das beste mittel nennen. Lessing 1, 124; diese proportion oder symmetrie, wie sie es nannten. Herder
id. 2, 104; die geistlichen, vornehmern und kaufleute reden, was man schriftsprache nennen kann. Heinse
Ardingh. 1, 53; er glaubt etwas neues gesagt zu haben, wenn er meine denkungsart schwärmerei nennt. Wieland 1, 98; das, was ihr euer steckenpferd nennt. 19, 89; täuschung und blendwerk war das, was ich mein leben nannte! 25, 283; o nennet es nicht leben, was besser tod genennet würde.
suppl. 3, 260; die wollust, die er liebe nennt.
Anti-Ovid 1, 59; was ists denn, Selima, was du den schimmer nennst?
Selim u. Selima 156; solche zacken werden nadeln genennet. Göthe 16, 247; man sollte sie (
die poesie) weder kunst noch wissenschaft nennen, sondern genius. 49, 122; sie toben wie vom bösen geist getrieben und nennens freude, nennens gesang. 12, 54; was ihr sünde, zerstörung, kurz das böse nennt. 70; nenn es dann wie du willst, nenns glück! herz! liebe! gott! 181; der zweite jener triebe, den man den formentrieb nennen kann. Schiller 10, 313; das, was sie den zweck meines daseins nennen. 4, 294; warum nennen wir einen trüben, neblichten wintertag einen traurigen anblick? 303;
reflexiv: das nennt sich lieb und führt zur höllen. Lenz 2, 315; zu nennen sein
wie bei 2,
b: dasz solche lust nur unlust sei zu nennen. Opitz (1644) 1, 541; o feld .. die höfe sind die höll, und himmel du zu nennen. Logau 3
zugabe 56; aller irdischen gewässer unergründter sammlungs-platz ist das meer mit recht zu nennen. Brockes 1, 295; ist diesz ein schätzbar glück zu nennen? Gellert (1763) 2, 38; nicht wolberatenheit und einsicht ists zu nennen. Rückert
Bostan 15, 10;
im prägnanten sinne (
mit vorangestelltem das),
um auszudrücken, dasz etwas mit recht so heiszt (
oft ironisch),
vergl. heiszen
th. 4
2, 913; das haus .. ging gestern auf im feuer. das nenn ich unglück! Gotter 1, 163; das nenne ich einen fasttag! Seume
spazierg. (1823) 244; das nenn ich ein land! da ist es nie zu warm, nie zu kalt und nie zu trocken. Wieland 19, 106; vortrefflich! rief er aus, das nenn ich heldenthum und etwas mehr! 9, 12; sogar das hemdchen wird zerzupft, das nenn ich doch charpie. Göthe 1, 149. I@6@bb)
durch einen substantivisch gebrauchten infinitiv: du sagst uns güldne berge zu und leistest nichts und darfst diesz geben nennen. Hagedorn 1, 116; traun! wenn du schlecht handeln nennst, ein jedes ding nach seiner art zu brauchen. Lessing 2, 270 (
Nathan 2, 4); mein lächeln ist ein trauern fast zu nennen. Rückert 1, 39; das kann man mit recht ein vergreifen nennen. Tieck
Octav. 193;
prägnant: das nenn ich doch beweisen, sagte einer der rathsherren zu seinem nachbar. Wieland 2, 265. I@6@cc)
durch ein adjectiv oder particip: dasz wirt genant lauter oder pur .. das nit mit einem schnöderen .. dinge vermüschet ist. Keisersberg
pred. 62
b; als wann er sich nicht scheut schwartz schwartz, weisz weisz zu nennen. Logau 1, 7, 50; dasz man sie (
die liebeskerzen) .. nimmer kan erloschen nennen. 3, 5, 48; ein froher tag, den ich recht glücklich nennen mag. Kottwitz 100; o statt die vorsicht taub und ungerecht zu nennen, o lernet, thörichte, die welt und euch erkennen. Cronegk 2, 82; nenne nicht das schicksal grausam. Herder
ged. 1, 50; man durfte es (
sein betragen) wohl manchmal trocken und kalt nennen. Göthe 25, 27; was sie ganz fürtrefflich nennen, ist wahrscheinlich nicht das rechte. 5, 102; gute gesellschaft hab ich gesehn, man nennt sie die gute, wenn sie zum kleinsten gedicht keine gelegenheit gibt. 1, 368; wir nennen ihn (
den anblick eines trüben wintertags) traurig, weil. Schiller 4, 303; ich nenne sie (
die rachsucht) verabscheuenswürdig.
ebenda; man wär versucht ihn (
den gedanken) herzlich dumm zu nennen. 12, 124 (
Piccol. 2, 7);
prägnant: das nenn ich resolut. Gutzkow
ritter (4.
aufl.). 4, 228; das nenne ich fein, grob; das nenne ich gut gesprochen
u. dgl. I@6@dd)
etwas sein eigen, sein nennen (
vergl. 3): das glück der sterblichen ihr eignes glück zu nennen, diesz ist der götter lust. Cronegk 1, 212; wer sein ein hüttchen nennt. Rückert 1, 90; so werden mir deine worte zu gedanken, die ich mein nennen möchte. Zelter
an Göthe 566 (4, 416). I@77)
statt des die benennung enthaltenden substantivischen oder adjectivischen bloszen accusativs bedient man sich in der älteren sprache auch des accusativs mit für,
einen oder etwas wofür erklären: mhd. sol man den vür einen wîsen nennen? Walther 22, 20;
nhd. vatter, ich bekenn und mich für einen sünder nenn. Waldis
Es. 4, 1, 142; doch wann die götter disz für recht und billich nennen, so leid ich williglich und will die schuldt bekennen. Opitz (1644) 1, 293. IIII.
eine person oder sache mit dem ihr zukommenden oder beigelegten namen bezeichnen, namhaft machen, beim namen nennen oder rufen. II@11)
mit persönlichem objecte. II@1@aa)
jemand beim namen anreden, rufen: mhd. got in zwir nande.
Milstäter exod. 125, 30; daʒ erm ruofte und in nande.
zeitschr. für d. alterthum 6, 501, 172; swer dich mit triwen nennet (
anruft). U. v. Türheim
Willeh. 90
a;
nhd. der keine diener nennt (
ruft). Gryphius
trauersp. 72
Palm; die seligkeit — du wirst sie kennen, wenn stammelnd dich die kinder nennen, und herzlich dir entgegen fliehn. Schiller 3, 167; dem unglückselgen volke, das dich, hoher (
Zeus), noch nicht nennt, nimm hinweg des auges wolke, dasz es seinen gott erkennt. 11, 295; beim namen, mit namen nennen (
oben sp. 328): als er aber in das hus kam .. saczet er das kreczlin mit der spys zuo der frowen und nemmet sie by ierem namen und sprach. Steinhöwel
Es. 51
Öst.; das ist mein name, da bei man mich nennen sol.
2 Mos. 3, 15; und nant sie (
seine wirtin) beim namen.
Eulensp. 48
L.; ich erschrack, weil mich der kerl mit namen nennete.
Simplic. 1, 267, 22; wenn ich mich mit nam hör nennen. Ayrer 74, 32; weis nicht genug mit süszen namen ihn zu nennen. Bürger (1778) 120.
Mit beifügung des namens, bei dem man genannt, angeredet oder gerufen wird, im accusativ oder nominativ (
der als vocativ fungiert),
wobei vielfache berührung mit I, 2
stattfindet. II@1@a@aα)
des eigennamens: sie wurden indessen gewahr, dasz man diesen ausgezeichneten menschen herr Göthe nannte. Stilling
wanderschaft (1780) 137. II@1@a@bβ)
des gemein- oder gattungsnamens nach der reihenfolge von I, 2,
b: der sich lasset bruder nennen.
1 Cor. 5, 11; (
ich will) euch forthin mein mutter nennen. Ayrer 1893, 8; darf dich kein vater nennen. Spee
trutzn. 63
B.; ihr söhne, so ihr noch mich höret mutter nennen. Fleming (1666) 113; von allen, die dich herr und bruder sonst genennet. Opitz (1644) 3, 37; wir mögen gott nun bruder nennen. Gryphius
trauersp. 109
Palm; wann das liebe kind ... an unser haupt sich drückt, uns lieber vater nennt. Logau 1, 8, 98; und dieser hat sich kaum den könig lassen nennen, so will er neben sich kein hohes haupt erkennen. Kottwitz 61; sie jauchzen jubel dem sieger und nennen ihn sohn und nennen ihn bruder. Klopstock
Mess. 4, 978; den man vater nie genannt. Schiller 4, 13; sie läszt von ihm sich schwester nennen. Blumauer (1839) 2, 67; wo, mutter, ist der mann, den ich soll vater nennen?
F. Müller
bei Seuffert 441; die gott erkennen und sich ouch lassend christen nennen.
N. Manuel
klagred 300; sie kannten ihn nicht, den könig sie nennten. Klopstock
Mess. 1, 33 (
in der 1.
ausg. nannten); nennt mich einer gnädiger herr. J. Paul
flegelj. 1, 106; nun bin ich werther schatz genennet. Harsdörfer
Nathan u. Jotham Aa 7
a. II@1@a@gγ)
einer anrede: er wird mich nennen, du bist mein vater, mein gott und hort, der mir hilft.
ps. 89, 27. II@1@bb) einen du, ihr, sie nennen,
ihn mit du, ihr, sie
anreden, oder sich mit einem du
u. s. w. nennen (
vergl.du th. 2, 1475, ihr
th. 4
2, 2051); ich werde meinen mann nie 'du' nennen. Hermes
Soph. 1, 101; und jetzt noch eine bitte! nenn mich du. Schiller 5, 194 (
don Carlos 1, 9). II@1@cc)
den namen eines sagen, aussprechen, einen namhaft machen, ohne oder mit dativ der person, der man den namen bekannt gibt. II@1@c@aα)
transitiv: ahd. sie imo .. inan selbon nantun. Otfrid 4, 16, 37;
mhd. die (
unkunden recken) wil ich iu nennen.
Nibel. 139, 1; wir nennen iu die herren, die uns here habent gesant. 142, 3;
nhd. nun han ich si üch genempt.
teufels netz 13225; ir herren, die man hie wirt nennen (
beim namen aufrufen), der tret her und lasz sich erkennen.
fastn. sp. 320, 22; ich nenne euch si wol alle. 445, 26; den mann nennen, des das weib were. Luther 8, 131
b; nenne mir einen (
der gerechter ist als gott).
Hiob 5, 1; mit namen nennen: ich wil ir mit namen nit nennen. Aventin. 4, 9, 8; die fraw die wirt uns nicht mehr kennen, thu nur den andern keiner nennen. Frischlin 42
Strausz; so kondten wir nicht .. .. einen thäter nennen. Opitz (1644) 1, 267; wer einen reichen nennt, hat alles diesz genennt, was diese welt für gut, für hoch und herrlich kennt. wer einen armen nennt, der hat von dem gesagt, was alle welt veracht und aller unfall plagt. Logau 1, 1, 73; ob er nicht den hut abziehe, wan man den .. Aristoteles nennt? Philander 2, 245; aus demuth nur will ich ihn dir nicht nennen. Hagedorn 1, 130; wollt ihr von selbst die nennen, die — die ihr kennt und die euch kennen. Lessing 1, 119; verliebt? in wen? ich will ihn nennen. Gleim 3, 98; einen mann zu sprechen und zu kennen, den alle wir mit ehrfurcht nennen. Göthe 12, 93; nicht reden wird man, wird sie nennen: die namen müssen alle kennen. 5, 48; solche könige, wie du da genannt hast. Wieland 25, 141; sollte die .. princessin von Preuszen noch dort wandeln, so nennen sie mich ehrfurchtsvoll und dankbar. A. v. Humboldt
an Bunsen 82; eine freundin, die ich nicht nennen kann. Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 4, 226.
auch von thieren: mehr sind auch fische hier, die ich theils nicht kenne, .. theils lieber esz als nenne. Opitz (1644) 1, 203; du nützlich thier (
schwein), das man mit ekel nennet. Blumauer (1839) 2, 185. II@1@c@bβ)
reflexiv, seinen namen sagen, sich zu erkennen geben, offenbaren: ir sült euch selber offenlichen nennen.
fastn. sp. 302, 17; nenn dich, das ich dich erkenn. H. Sachs 1, 346, 9; es hat mich kein mann gekennet, ich hab mich selber genennet. Uhland
volksl. 550; warum erzürnt man sich, sobald ich mich genennt? Cronegk 1, 14; soll ich mich etwa selber nennen? Göthe 12, 127; aber in einem stillen frommen herzen nennt sich der geschicht-gott lauter als im rauschenden weltgebäude. J. Paul
dämmer. 21. II@1@dd)
besonders einen oft und rühmend erwähnen: mhd. ich weiʒ si diu daʒ niht ennîdet, daʒ man nennet (
preist) reiniu wîp. Walther 45, 18; die man hôhe nemmen muoʒ.
minnesinger 1, 109
a; wan er ist ein genanter (
berühmter) man.
wälscher gast 5987; die mit tugenden weiten genent sint. Megenberg 298, 1;
nhd. mein beispiel wird kein blatt aus dem lorbeerkranz dieses fürsten reiszen, den die ewigkeit nennen wird. Schiller 3, 530; einen helden mit lust preisen und nennen wird jeder, der selbst als kühner stritt. Göthe 5, 122; immer noch wird Alkestis, die stille gattin, genennet unter den helden. 40, 365; ein jüngling, der welt bekannt, von Salz- bis Petersburg genannt.
d. j. Göthe 3, 496. II@1@ee)
durch namhaftmachung wofür bestimmen, erwählen, ernennen: warumb soll der keiser nicht macht haben zu nennen ... etliche, die im concilio sein solten. Luther 8, 214
b; ob einer der zwelfer oder mer nit da wäre .. so mag der gegendrichter ander an irer statt nennen.
österr. weisth. 1, 65, 18 (16.
jahrh.);
mhd. einen nennen ze,
ernennen zu (Lexer 2, 55),
substantivisch die genanten (
nominati)
oder alle genanten,
der gröszere burgerliche rat, der die ganze bürgerschaft repräsentierte; die alten genanten
bildeten mit den bürgermeistern den kleinern rat (Lexer 1, 853. Schm. 1, 1747
Fromm.). II@22)
mit sachlichem oder abstractem objecte ohne oder mit dativ der person. II@2@aa)
den namen wovon sagen, angeben: alle sterne kan er nennen. Logau 1, 3, 32; nenne mir den weiten mantel, drunter alles sich verstecket: liebe thuts, die alle mängel gerne hüllt und fleiszig decket. 2, 4, 14; ich nennete ihm mein vaterland und die stadt, darin ich geboren bin. Schuppius 251; nah bei einer stadt, die man mir nicht genennet hat. in einer stadt, .. die man ihm nicht genannt. Lessing 1, 112; mit namen nennen: man musz ein ding mit namen nennen, man wird es warlich sonst nit kennen. Fischart
nachtrab 3695; es war nicht harfe, nicht laute, nicht zither; man konnte es mit dem eigenthümlichen namen nicht nennen. Seume
spazierg. (1823) 17. II@2@bb)
namentlich bezeichnen, bestimmen, festsetzen. II@2@b@aα)
in bezug auf ort oder zeit: ahd. nant er imo ein waʒar, hiaʒ faran wasgan iʒ thar. Otfrid 3, 20, 25;
mhd. ze genanden tegedingen brâht si in widere.
Milstäter exod. 122, 30;
nhd. sich an einer andern stat zu sammen (
versammeln), die gemeinclich auf der Schütt oder auf dem Newenbaw genant was.
städtechron. 2, 257, 10 (
vom j. 1449); darauff sie im .. den freitag nenneten auff ir geleite. Luther 3, 134
a; auch wie ein han, der hat sein natur, zu seiner genanten zeit zu kräen. Paracelsus 1, 306
a; das haus (
für die zusammenkunft) war genannt und bezeichnet. Göthe 24, 336. II@2@b@bβ)
in bezug auf eine bestimmte summe: er geit (
gibt) ein genant gelt zu steur. B. Zink 74, 6; der barbier fordert ein genandt geldt. Kirchhof
wendunm. 120
a; so tregt inen (
den bettelmönchen) der bettelstab vil mehr, denn oft zehen frommen hauszvettern ire genante besoldung. Mathes.
Sar. 102
b. II@2@cc)
erklärend auseinandersetzen, einzeln sagen, aufzählen, überhaupt bekannt machen, mittheilen, sagen, erzählen: ahd. iuʒ thio buah nennent, joh forasagon singent. Otfrid 5, 9, 43;
mhd. dîne minne ich im nenne (
ich sage ihm, dasz du ihn liebst). Wolfram
Tit. 130, 4;
nhd. wir nennen nicht, daʒ sie sich ... zuo einander gefüget hatten.
Bocc. 9, 9
K.; ich kan den wuost nit allen nennen. Murner
narrenbeschw. 70, 36; und dasz man dirs alls deutlich nenn.
Grobian. 1487
neudruck; horch zu, ich wil dir anders nennen. Frischlin 111
Strausz; je mehr er sprach und seine künste nennte.
schles. Helikon 2, 36; der schwört, mir fehle was, und weisz es nicht zu nennen. Hagedorn (1729) 63
neudr.; alle furchtbaren künste des greises will ich dir nennen. Voss
Od. (1781) 4, 410; bei gott, mir raucht der kopf! wie soll ich das alles nennen was mir begegnet! Wieland
Gandalin 7, 284; nennt mir doch die anstalt, die ihr gemacht, ihr leben zu erhalten. Schiller 12, 479 (
M. Stuart 2, 8); nennt eure bitte. 14, 397 (
Tell 4, 3); den weg (
nach Italien) will ich euch nennen. 423 (5, 2); ein wort, einen namen (
s.name B, 1,
h) nennen: drei worte nenn ich euch inhaltschwer. Schiller 11, 258; 'warum darf ich die nahmen nicht entdecken?' ihr tödtet ihn und uns, wenn ihr sie nennt. 13, 432 (
Turandot 4, 1); so lasz mich deinen namen nennen, mein heiliges, mein deutsches reich. Schenkendorf 222; er nannte mir ... zu seinen behauptungen namen und beispiele. Seume
spazierg. (1823) 208. II@2@dd)
in worte fassen, aussprechen: man kann es besser fühlen als nennen. Wieland
Gandalin 3, 332; doch ihres herzens stolz und grausamkeit kann keine sprache, keine zunge nennen. Schiller 13, 359 (
Turandot 1, 3); o mein empfinden nennen keine worte! 14, 53 (
braut von Messina 2, 1). II@2@ee)
einen bestimmten satz, ein wort oder einen laut (
buchstaben)
aussprechen: die artickel (
glaubensartikel) mit dem maul nennen und misbrauchen. Luther
kurz bekentnis (1545) E 3
b; und ob er sie (
gott und den heil. geist) mit dem maul gleich recht ausspreche und nennet. E 3
a; das er (
esel) etlich buchstaben und vocal kant und nemmen kan.
Eulensp. 41, 29
L.; ehe man den laut nennet. Ickelsamer
gramm. B 2
b; es ist das lesen nichts anders denn schlecht die buchstaben nennen.
die recht weis .. lesen zu lernen. A 2
b.