Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
loch stN.
1.1 im Fels, in der Erde
1.1.1 allgem.
1.1.2 als Behausung, Höhle, Versteck
1.1.3 höhlenartige Gänge
1.2 Gefängnis
1.3 Hölle
1.4 menschliche Körperöffnung
1.5 Einzelnes
2 Öffnung
2.1 durch Steine, Wände
2.2 durch Kleidung, Rüstung
2.3 Einzelnes
2.4 bildl.
3 unklar sîn ~ halten ‘seine Position halten’ ? (vgl. Glr.z.St. latet hic )
1 Vertiefung in etw. 1.1 im Fels, in der Erde 1.1.1 allgem.: daz si [die Taube] in den holn stainen oder in den lochern ir nest machet Spec 37,14; do wiste er ein loch / vf eime holen steine Herb 17893; daz nieman jn des andern vels graben sol diekein loch, da von die burge ze schaden kummen mv́gent UrkCorp (WMU) 3200,20; du lostest Danyelen, / der den lewen was gegeben, / di vil lange waren hungerige gelegen / in einem loche [Grube] SüklV 709 1.1.2 als Behausung, Höhle, Versteck: der trache so er sine [des Panthers] stimme gihorit. so birgit er sich in sinme loche JPhys 2,12; MarcoPolo 33,23; er segent sich und ging in das loch und trug syn schwert albloß in syner hant Lanc 212,26; si gruben im dannoch / in den perg ain weytes loch, / dar inn der ausserwelte degen / herbergte fur den regen HvNstAp 6718. – mit ze: da si [die Ameise] den weizze uindet. so uert si ûf den halm. unt nimet daz chorn. unt tregit iz zeloche JPhys 17,34; sô vluhen dise ûz dem hûs / und sluffen ze loche sam diu mûs Er 6655; swaz sir friunden ab gestilt, / daz si ze loche tücket, / daz wirt herwider ûz von in gehelset und gedrücket KvWLd 32,116. – min hus wirt geheizzen ein hus der betvnge. aber ir habet ez gemachet ein loch der mordere [ speluncam latronum Mc 11,17] EvAug 50,3 1.1.3 höhlenartige Gänge: tuerhes durch die erde gant loͤcher, die heissent dracones. dar in rinnent die wasser Lucid 17,15. 41,7; Reinhart nam des gvten war, / zv einem andern loche er vz spranc ReinFu K,1173; da es finster was, sie reit zu eim loch yne das dieff under der erden ging Lanc 463,29. – als Bergwerk: [der Berechtigte kann] vber ain jar ain loch graben in dem vorgescriben berg, swa er wil vnd im wol geualt, also dc er ie sin loch graben sol zwainzig clafter von den andren lochern UrkGraub 5:200,2 (a. 1338) u.ö. 1.2 Gefängnis: wirt he [ein der Stadt Verwiesener] binnen wichbilde bigriffen vnd in daz loch geleget, der sal da inne legen also lange, alse der rath zu rathe wirt StRNordh 1,68 1.3 Hölle: ewr spot vellet ew nach / zu Satan in der helle lach HvNstAp 19224. – wohl hierher (?): den frowen den naic er [der nach sexuellen Ausschweifungen todesbereite Jovinus] , / er kêrte uber den hof: / enphie in daz loch. / niemen iu gesagen nekan, / war iemer mêr bekom ros oder man Kchr 1206 1.4 menschliche Körperöffnung: er [Gott] tet an dem antlutze siben locher nutze Gen 119; man sal im bestrichen den rucke. vnde di rore. vnde daz nider loch. vnde di hoden mit nachtschaten saffe SalArz 61,46; cancer ist ein geswer, da vil locher in get unde siget unde heilet ungerne Macer 51,6; wand du al zit würdes vunden / in den lochen der vünef wunden MarlbRh 85,6; de foraminibus. dri lochere synt an deme munde OvBaierl 9,1 1.5 Einzelnes: mache eyn loch mit eyme nebiger [Bohrer] in eynen boum Pelzb 122,31; das ich wene man súlle kume zwene rechter guͦter oͤphele under disen kúnnen finden, si ensint ie wurmstichig; wie si doch gar schoͤne uswendig schinent, ie in dem grunde vint man locher Tauler 185,7 2 Öffnung 2.1 durch Steine, Wände: so suͦchet si [die Schlange] denne ein engiz loch an eineme steine. unte sliufet da durch JPhys 11,20; si gêt zuͦ einer wente. diu ostert ist gecherit. und suͦchet ein loch ingegen dem sunnen ebd. 12,6; nu begunde er suochen unde spehen, / unz daz er durch die want / ein loch gânde vant, / und ersach si durch die schrunden / nacket und gebunden AHeinr 1230; dône vant er loch noch tür / dâ er kæme hin vür Iw 6741; daz bluot allenthalben durch diu löcher vlôz NibB 2078,2; die heiden bî der naht, / daz man darumbe niht enweste, / von Cipper des kunigs veste / heten durchbrochen / mit drin wîten lochen Ottok 50604 2.2 durch Kleidung, Rüstung: sô suoche ich, vinde ich iender dâ / loch an verlegener wæte. / gewinnen müeze ich nimmer vriunt, / ern sî die lenge stæte MF:Sperv MF:Anm. S. 363; [bei der tjost ] durch beidiu collir wart gebort / vil wîtiu loch mit speres ort UvLFrd 277,16; der kunde machen manig loch / durch die shilte, da sie striten Rennew 27572 u.ö.; als siu den mantel an genam, / al umbe er ir reht bekam, / wan ein michel loch gie dar în UvZLanz (K) 6021; doch sît ich niht wînes tranc, / des ist mê danne ein woche: / des gürt ich drîer loche / an der gürtel mîn hin hinder Helmbr 1120. – er dorft im keines gürtens wonen / doch eines loches nâher baz [beim Sattelgurt] , / swer zwêne tage drûffe saz Parz 161,15 2.3 Einzelnes: dû tâte deme wazzer gilîch daz in deme vazze nieht inthabit sich, / daz ûz rinnit swâz loch findet Gen 2723 2.4 bildl.: mir hat der markis ein loch / durch pris, durch vræude gebrochen Rennew 20320; kein man noch nie kein loch / durch minen hohen pris gebrach ebd. 27434 3 unklar sîn ~ halten ‘seine Position halten’? (vgl. Glr.z.St. latet hic): dar um bezeiget und benant / wirt gotes lîchnam bî dem hoc [in der Formel hoc est corpus meum, vgl. Ferber 35,20-27] / der hir under hilt sîn loc / nâch dem spruch ‘daz ist mîn lîchnam’ JvFrst 1916
MWB 3,3 1240,7; Bearbeiter: Diehl