Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erben swV.
1.1 ‘(etw.) erben’
1.2 ‘jmdn. beerben’
2 vom Erblasser
2.1 ‘(jmdm.) etw. vererben’
2.2 ‘jmdn. als Erben einsetzen, mit einem Erbe ausstatten’ (meist als Part. Prät.)
3 vom Erbgut
3.1 ‘als Erbe zufallen, durch Erbschaft an jmdn. gelangen’
3.1.1 intr.
3.1.2 mit Dat.d.P.
3.1.3 mit Akk.d.P.
3.1.4 mit präp. Erg.
3.1.5 refl.
3.2 sprichwörtl. (vgl. TPMA 3,1-5): Weisheit, Kunst, Tugend vererben sich nicht
3.3 mit präp. Erg. zuo ‘zu einem Erbe gehören’
1 vom Erben 1.1 ‘(etw.) erben’ – ohne Obj.: sô der man ie næchner sippe ist, sô er ie schierer erbet SpdtL 85,5; ze Künis erbent ouch diu wip und niht die man Tannh 5,29; man sol auch wizzen: swan chint geerbent StRAugsb 141,8; SchwSp 121b; UrkCorp (WMU) 1262,31. – mit Akk.d.S.: das arbtte er wol von kunne GTroj 2536; der künec giht, sîniu lant / well ich im gerbn RvEAlex 19761; swaz danne schaden oder laistung darauf gieng, den musest du und dein undertan erben und gelten UrkÖsterrErbl 165,24 (a. 1315 kopial); du maht vil prîses erben Parz 543,7. 803,13; SM:KvL 6: 5,5; UrkCorp (WMU) 2597,42. – mit Gen.d.S.: swelch man von ritters art niht enist, der hât des herschiltes niht, der erbet doch swaz er erben sol, âne tôtleibe, der mac er niht geerben SpdtL 109,8. 91,1. – mit präp. Erg.: diu vier kint mit wârheit / diu arpten, sô man uns seit, / an ir [der Eltern] habe und an ir guote, / an tugenden und an muote UvZLanz 9376 1.2 ‘jmdn. beerben’ ditz enmac den töhter kinden niht widervarn, daz si ir enin [Großmutter] mugen geerben SpdtL 85,15; jn der stat ze Colmere sol ein ieglich frowe irn elichen man erben vnd der man sin eliche husfrowe UrkCorp (WMU) 1695,16; sî unde ir künne, / die ich erbe mit unheile Flore 1193; GFrau 2153. 2146; Freid 59,17 2 vom Erblasser 2.1 ‘(jmdm.) etw. vererben’ – mit Akk.d.S. und Dat.d.P.: daz rîche her uns geerbet hât Crane 2899; mîme kinde wil ich erben dise nôt MF: Mor 3: 3,1; leide [...], / die du [Minne] hast geerbet mir Frl 14:10,7; vil schiere du irstirbis, / san daz alliz erbis / lachendigen erben Glaub 2520; RvEBarl 3903. – mit Akk.d.S. und präp. Erg. ane/ûf jmdn.: wil dû an den Troiân / dîn rîche gerben, / sô mûzestû êr sterben En 4166. 13420; des vater erbe ist din, / daz erbe an uns, hilf, gotes trut [Maria] , / daz wir din erben sin Frl 9:1,21; Tr 5195; ich muoz doch laster erben / ûf alle mîne nâchkumn Parz 213,18; aller der vogetie, die er iach, div vf in geerbet were UrkCorp (WMU) 2293,20; Frl 14:9,2; Lanc 28,14 2.2 ‘jmdn. als Erben einsetzen, mit einem Erbe ausstatten’ (meist als Part. Prät.): got den tot gesterbete, / den menschen wider geerbete / aber an den selben stam / dar in der tuvel abe nam HeslApk 17554; der vater [...] sîn chint geerbet hât / mit liuten und mit lande Aneg 550; Rûal unde sîniu kint / belêhent unde gerbet sint / von ir hêrren Tristandes hant Tr 5846; lehen [...], die er inne hat, zu den er auch geerbet ist, vnd zu den er reht hat UrkWürzb 41,359 (a. 1348); her sy geerbit [erbangesessen] adir ungeerbit DRW 3,57 (LiegnitzUB.; a. 1328); En 4384; Tauler 206,15 3 vom Erbgut 3.1 ‘als Erbe zufallen, durch Erbschaft an jmdn. gelangen’ 3.1.1 intr.: ist das, das es [das Reich] erbt, so tzewcht man den erben von jugent dartzwe, das er güet sey Schachzb 36,16; [die Prussen wollten Königsberg zerstören] ûf daz dâ nicht geerbin / gotis lob mochte an der stat [nicht ansässig werden konnte] NvJer 11644. – unklar: er [der Ritter] muoz ouch haben rechtez adel / und lûtere triuwe sunder tadel, / die erben zu dem schilde HvFreibTr 1373 3.1.2 mit Dat.d.P.: daz kleit [der Schande] manigem erbet Frl 5:47,4 3.1.3 mit Akk.d.P.: der was von Burgonde lant / und was geheizen Ortwîn; / ez erbte in von den mâgen sîn / daz er ouch von Metzen hiez Bit 8680; den pfaffen [Sg.] erbet eigen mit ander sînen geswistern SpdtL 86,14; UrkCorp (WMU) 346,15 3.1.4 mit präp. Erg.: – ane jmdn. ~ : von des rîches hant / ditze kunicrîche / erbt an die von Ôsterrîche Ottok 90718; swaz in borgschafte ste vnd daz der selbe schol [Schuldner] nicht gebn hab vnd doch burgen dar vmb laisten vnd sten [...], daz daz ledich sei, vnd sol der schad an den erben [die Schuld auf den übergehen] , der in dar zuͦ braht hat UrkCorp (WMU) 935,31. 1340,41; KLD:GvN 1: 3,11. – ûf jmdn. ~ : sturbin dan demi eldirvatiri alle sine kint. so erbiti daz gut uf di kindiskint Mühlh 148,11. 131,7; der ist dot, so leb ich: / ditz land das erbet auff mich HvNstAp 5602; UrkCorp (WMU) 2715,3; Märt 17357 3.1.5 refl.: dô er in werdekeit erstarp, / dô erbte sich daz rîche ûf mich / mit rehtem erbe RvEGer 3873; [Christus] den tot da sterbete, / der sich uf uns erbete / von Adames ubertriten HeslApk 7986 3.2 sprichwörtl. (vgl. TPMA 3,1-5): Weisheit, Kunst, Tugend vererben sich nicht: owê, daz wîsheit unde jugent, / des mannes schœne noch sîn tugent / niht erben sol, sô ie der lîp erstirbet! Walth 82,26; daz nieman wîsheit erben mac / noch kunst, daz ist ein grôzer slac Freid 79,7; wisheit erbet niht und edeliu tugent Stolle 41,14; Suchenw 19,5 3.3 mit präp. Erg. ~ zuo ‘zu einem Erbe gehören’ kummet derselbe [Erbstollen] an ein burgerlehen, das do buwehaftig ist unde nicht geerbit czu dem stollen, das burgerlehen mag im nicht geweren BgRIglauD 22
MWB 1 1803,21; Bearbeiter: Richter