BEFINDLICHKEIT f. mhd. bevintlicheit,
frnhd. befindlichheit, befindlichkeit.
wohl im 16. jh. aufkommen u. sieg der heute allein üblichen form. zu befindlich
adj. gebildet. anfangs ‘wahrnehmbarkeit spürbarkeit, (wohl)befinden’
u. daran anschließend ‘
zustand, das existierende, das sosein’,
seit der mitte d. 20. jhs. sehr häufig u. mit konnotationen wie ‘
geisteszustand, existenz, selbstverständnis, empfindlichkeit’
verbunden, was wohl auf den sprachgebrauch Heideggers zurückzuführen ist (vgl. Erben in: festschr. Munske [2000]171 ff.). vgl. auch befinden
n.: ⟨E13./A14.jh.⟩ wer got rechte niemen sol, der sol in in allen dingen glich niemen, in hertikait als in befintlichait
(wohlbefinden) in waynen als in fröden, alles sol er dir glich sin meister Eckhart
dt. w. 1,81 Q. 1359 so verzúhet doch got die smeklichen bevintlicheit des grundes
(des inwendigen grundes, wo das reich gottes ist) manigen guͦten luteren menschen vor alle sine lebtage Tauler
317 DTM. 1490/4 er hat wesen mit den stain, befintlichait mit den tyren, leben mit den pömen Pauli
pred. 103 W. 1508 die menschen, die sollichen trost. und befintlichait haben, die selben sollen ander menschen nit darumb verachten, die das nitt hond Geiler
dt. schr. 1,2,135 B. ⟨1522⟩ vnd nach dem tode wuͤrdt aintweder kayn befintlichayt, oder wir soͤllen begeren vnd wuͤnschen nach disem leben befindtlich zuͦ sein
in: Schwarzenberg
Cicero (1535)37a. 1526 das menschlich gemuͤt, das den mererteyl an den usserlichen befintlikeiten oder sinnen hanget Zwingli
5,436 E./F. ⟨v1638⟩ der tod were mit nichten erschrecklich, sondern die schnelle gewaltsame befindlichkeit vnd enderung in dem todt macht ein abscheuen vnd forcht Lehmann
florilegium (1662)3,341. 1672 leute welche voll gerecht- und billicher befindlichkeit stecken
Leti, neu-entlarfftes Rom 289. 1676 nach der ersten betrachtung ist, in der warheit und warhaffter befindlichkeit, ausserhalb der welt nichts, so nicht, von der fülle göttlicher substantz, würde angefüllt Francisci
lust-haus 61. 1680 man hat überdas auch viel andre fälle mehr, damit man die warheit oder warhaffte befindlichkeit der donnersteine behaupten kan
ders., uberzug 1382. 1724 und wird alle befindlichkeit
(4. Esdr. 5,9: sensus) und verstand verborgen Erhard
manuale biblicum 74. 1836 nur dass jenes
(die präposition πρός) gewöhnlich die äussere befindlichkeit
an, das örtliche
bei bezeichnet Matthies
propädeutik 142. 1837 solche ausdrücke wie befindlichkeit
d. h. das existirende, alles was sich vorfindet; .. und viele andere, entsprangen der diction des Tauler wie von selbst als neue sprachsymbole Mundt
kunst d. dt. prosa 170. 1926 bei präpositionen .. handelt es sich teils um eine bewegung nach einem orte, teils um eine befindlichkeit daselbst
in: festschr. F. Kluge 75. 1927 was wir ontologisch mit dem titel befindlichkeit anzeigen, ist ontisch das bekannteste und alltäglichste: die stimmung, das gestimmtsein Heidegger
sein 134. ⟨1976⟩ jedes kunstwerk hat seine eigene laune ... es bringt befindlichkeiten zu tage, solche von personen, klassen, gesellschaftlichen strebungen und endlich weltzuständen Hacks
maßgaben (1978)237. 1998 sozusagen ist ein wilder ableger der befindlichkeit – eines anderen lieblingsworts des zeitgeistes Dahn
vertreibung 75. 2003 Roman Herzog hat sich im schloß Bellevue mit sieben jungen leuten aus ost und west getroffen und mit ihnen über die gegenseitigen ansichten und befindlichkeiten geplaudert Ch. Wolf
tag 555. 2005 mir gefallen diejenigen meiner filme, die etwas zu sagen haben, die etwas zur befindlichkeit des menschen in seiner welt aussagen
n. zürch. ztg. (16.9.)43b.Solf