Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
dorn stM.
2 ‘stachlige Pflanze, Dornbusch, Dorngestrüpp’
3 ‘etw. einem Dorn Ähnliches, Stachel, Spitze’
3.1 konkret
3.2 übertr.
4 phras.
4.1 in Paarformeln
4.2 in Wendungen
4.3 im Sprichw. (vgl. TPMA 2, 273-283)
4.3.1 der Dorn sticht (sehr schlimm und schmerzhaft)
4.3.2 man hat doppelten Schaden, wenn man sich am Dorn festhält
4.3.3 Dornbüsche tragen keine Weinbeeren oder Feigen (vgl. Mt 7,16; überw. in Predigten)
4.3.4 man werfe den Samen nicht unter Dornen (Mt 13,7)
4.3.5 man pfropfe nicht Linden auf Dornsträucher
4.3.6 der Dorn gehört zur Rose
4.3.7 Schlehe vom Dorn essen
5 als Bestandteil von Personennamen
1 ‘Dorn, Pflanzenstachel’ der paum hât seinen stam vol kurzer weizer dorn oder rœtloter BdN 316,4; vil manic dorn / hat mich in den fvz gestochen ReinFu K,1892; ob du wellest, daz ein phil oder ein dorn, der in den menschen si, uz ge BenRez 9; Parz 257,8 2 ‘stachlige Pflanze, Dornbusch, Dorngestrüpp’ der paum geleicht dem weizen dorn, aber er ist gar vil grœzer BdN 347,1. 349,6; dem diu lunge we tu oder diu leber, der nem dornes pletter und berthram BenRez 2; do gesach der herre Abraham einen wider chleben under den dornen bî sinen hornen Spec 102,28; KvWLd 7,27. – ‘Zweig eines Dornbuschs’ er hiez die hailigen man / mit hagenen und mit tornen an slahen Kchr 10925; der ame kriuze het den dorn / ûf dem houpte zeiner krône Wh 166,2; sin [Christi] hobet mit spizzen dornen gecroͤnet UrkCorp (WMU) 93,1; Mügeln 165,10 3 ‘etw. einem Dorn Ähnliches, Stachel, Spitze’ 3.1 konkret: wizz, daz der igel ain tier ist, daz vil nâtürleicher dorn auf seinr haut tregt BdN 138,6. 249,2; JPhys 18,1; in demo mere ist einez hêizzet serra [ein Fabeltier] daz hebet vile lange dorne in imo ÄPhys 10,2; sî [die Brücke] was beslagen vaste / [...] / mit îsnînen dornen Tund 752; diu vrouwe truoc ein vürspan / dâne was niht mê gesmîdes an / niwan ein dorn guldîn; / dâ mit hafte si ir buosem în Wig 10565. – ‘Rückgrat’ der dorn, der den rucken zesamen helt, ist auz vil painen BdN 24,9 3.2 übertr.: niͤ’n gedruͤgs du [Maria] der sünden dorn MarlbRh 4,8; in des fluches dorn / uns warf der grimme raches zorn Mügeln 115,5; des engels zorn / das erst geborn / erslug in grimmer rache dorn ebd. 346,15; BdN 183,31 4 phras. 4.1 in Paarformeln: manige hôhe steinwant / steic ich ûf und ze tal; / dorne und hagen âne zal, / dâ muose ich durchsliefen KvHeimUrst 1910; Tr 17861; Rol 9012; Kchr 6356. – durch dorne und durch gedrenge / sô vuor ich allen den tac Iw 268; Wig 2062; Krone 2105. – dorn unde distel unde hagen Tr 18078. 17931. 18105 4.2 in Wendungen: – Rose ohne Dorn (als Mariensigle, vgl. Salzer, Sinnbilder, S. 183ff.): rôse âne dorn, ein tûbe sunder gallen Walth 19,13; senfte ros al ane dorn MarlbRh 19,6. 58,24. 128,18; o frouwe, / aller tugent ein blüende ouwe, / rôsegarte dornes ân SM:EvS 1: 7,8. – jmdn. stëchen als ein dorn ‘jmdm. einen Stich ins Herz geben’ ein mære in stichet als ein dorn Parz 66,1; daz der Markis wer verlorn. / daz stach die edelen als ein dorn TürlArabel *A 57,14. – jmdm. ein dorn in den ougen sîn: er ist ein helt zen handen / und ist sînen vîanden / in den ougen ein dorn StrKarl 3467; er was ir in den ougen / und in dem herzen niht ein dorn KLD:Wissenlo 4,7; KLD:OvB 12:2,5; KvWTroj 23008. – ez was ir bêder ougen dorn, / swâ si den werden man gesach Parz 365,22 4.3 im Sprichw. (vgl. TPMA 2, 273-283) 4.3.1 der Dorn sticht (sehr schlimm und schmerzhaft): von cleinem dorn wirt dicke zwâr / ein starker lîp versêret Kolm(B) 121,39 (¹KonrW/8/1) 4.3.2 man hat doppelten Schaden, wenn man sich am Dorn festhält: swer sich habet an den dorn, / sor vellet, der hât zwirnt verlorn Freid 96,27 4.3.3 Dornbüsche tragen keine Weinbeeren oder Feigen (vgl. Mt 7,16; überw. in Predigten): jo neliesit nieman die winbere von den dornen noch die vigen von den hagedornen PrLpz 115,18. 369,27; PrOberalt 140,1; PrSchw 1,80; wer gesach ie dorne vîgen tragen Renner 15536; gelich als der dorne nit mag / figen gedragen keinen dag Pilgerf 5919; Reinfr 8 4.3.4 man werfe den Samen nicht unter Dornen (Mt 13,7): etlich sam [der vom Teufel ausgeworfen wird] der vellet under die dorn; so die dorn auf gent, die machent dann den samen boͤz und ertrenchent in PrOberalt 51,7; dô er den sâmen sâte, / sîn viel ein teil ûf herten stein. / [...] / der ander sâme in dorne kam RvEBarl 1597 4.3.5 man pfropfe nicht Linden auf Dornsträucher: swer linden belzet ûf den dorn, / der hât ir beider reht verlôrn Freid 118,11 4.3.6 der Dorn gehört zur Rose: swâ sich der rôse erzeiget, / dâ reiget der dorn an daz zwî Marner 5,9; rôsen muoter ist der dorn Renner 20303; wer die rosen greiffet an, / der sol sich umb den dorn huͤten Teichn 2,53; Tr 18071; Krone 20415; Georg 4060. – die Rose/ Lilie steht unter Dornen: álso díu lilia ist únter den dórnon. sámo bist du frîuntin mîn unter ánderen tóhteron Will 27,1; Er 338; o du schoͤne rose in dem dorne Mechth 1: 18,2; HvNstAp 16433; Spec 96,25; RvEBarl 2520 4.3.7 Schlehe vom Dorn essen: sam der die slêhe von dem dorne izzet, wan umbe ein kleinez gelustelîn stechent in vier müedorne DvASchr 314,11 5 als Bestandteil von Personennamen: Leutold der Dorn UrkCorp (WMU) 2973,36
MWB 1 1349,60; Bearbeiter: Schnell