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1. Dorn

ahd. bis spez. · 26 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
38 in 26 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

1. Dorn

Bd. 1, Sp. 1523
1. Der Dorn, des -es, plur. die Dörner und die Dornen. Es bedeutet, 1. Eigentlich, einen jeden Stachel, oder einem Stachel ähnlichen vorn spitzig zulaufenden Körper. Diminutiv. Dörnchen, im Oberdeutschen Dörnlein. In dieser Bedeutung hat es im Plural die Dörner, wird aber doch nur in einigen besondern Fällen gebraucht. 1) Von den scharfen Spitzen an manchen Gewächsen, welche aus einem schwammigen Wesen bestehen, und mit einer harten Rinde umgeben sind. In engerer Bedeutung führen nur diejenigen Spitzen den Nahmen der Dörner, spinae, welche aus dem Holze durch die Rinde hervorragen, dagegen diejenigen, welche sich bloß an der Rinde befinden, selbst im gemeinen Leben, am häufigsten Stacheln, aculei, genannt werden. Sich einen Dorn in den Fuß treten. Einem den Dorn aus dem Fuße ziehen, auch figürlich, im gemeinen Leben, ihn von einem geheimen Schmerzen befreyen. Das ist ihm ein Dorn im Auge, das ist ihm eine unerträgliche Sache, er siehet sie mit einem geheimen Neide an. Auf eben diese Art sang schon Stryker: Vnd ist seinen vianden In den ougen ein dorn. Wo eine Rose blüht, da steht ein Dorn dabey, Opitz. Der Plural die Dörner, ist selbst in dieser Bedeutung eines Individui nur im gemeinen Leben üblich, vermuthlich weil er ursprünglich aus der Sächsischen Mundart herstammet, welche den Plural auf -er vorzüglich liebt. In der edlern und höhern Schreibart gebrauchen gute Schriftsteller auch hier lieber den Oberdeutschen Plural die Dornen. Werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht vertreiben, so werden die, so ihr überbleiben lasset, zu Dornen werden, in euren Augen, 4 Mos. 33, 55. Ehe eure Dornen reif werden am Dornstrauch, Ps. 58, 10. Wie aber die schönsten Blumen niemahls ohne Dornen sind, Gryph. O, die Rose ist ausgefallen, und die Dornen sind geblieben! Weiße. Ich will durch die Freundschaft glücklich seyn, hier finde ich Rosen ohne Dornen, ebend. Vielleicht wird das Geheimniß dein Herz mit Dornen zerreißen, wenn du es dem meinigen entziehest, ebend. Jedoch der Tugend Lohn kömmt euch zu traurig für; Die Dornen schrecken euch, die Thoren fürchtet ihr, Cron. Die Rose blühet schön; allein, Sie kann nicht ohne Dornen seyn, Cron. Zwar findet man auch Beyspiele von dem Gegentheile. Eh als noch eure Dörner stechen, Die um die Hagenbutten stehn, Opitz, Ps. 58. Als wie ein Rosenkranz von Dörnern ist umringt, Opitz, Ps. 58. Wie der güldnen Rosen Zier Unter scharfen Dörnern blühet, Opitz, Ps. 58. Obgleich die Dörner anfangs stechen So will ich doch noch Rosen brechen, Günth. Wie leicht vergißt, wer still beym nahen Ziele sitzt, Die Dörner, die vielleicht ihn auf dem Weg geritzt, Cron. Allein ein gutes Gehör wird sich wohl nicht leicht für diese Beyspiele erklären. Über dieß wird aus dem folgenden erhellen, daß Opitz und andere Schlesische Dichter den Plural Dörner sehr häufig gebrauchen, wenn gleich von dem Gebüsche, oder einem Zweige desselben die Rede ist. Die alten Alemannischen und Fränkischen Schriftsteller kannten den Plural auf -er in diesem Worte gar nicht. Bey dem Tatian heißt er Thorna, bey dem Kero Dorno, bey dem Notker Dorna, obgleich aus dem Zusammenhange erhellet, daß sie Stacheln und nicht das Gebüsche gemeinet. 2) Im gemeinen Leben führen diesen Nahmen verschiedene Stacheln, und selbst nur einiger Maßen spitzige Werkzeuge, wenn sie gleich nicht zum Stechen bestimmt noch tüchtig sind. Ehedem wurden die Stecknadeln Dörner genannt. Noch jetzt führet diesen Nahmen der bewegliche Stachel in den Schnallen. Bey verschiedenen Metallarbeitern sind die Dörner runde, dreyeckige, viereckige, ovale, vorn etwas spitz zulaufende Werkzeuge, gebohrte Löcher größer zu machen, oder auch nur Röhren von diesen verschiedenen Figuren darauf zu schmieden. Bey andern heißet ein Meißel, oder Durchschlag, Löcher damit in glühendes Eisen zu schlagen, ein Dorn. Bey den Schlössern ist es theils ein kleiner eiserner Draht, fast wie eine Nadel ohne Kopf; theils der längliche Cylinder in den Schlössern, der in die Schlüsselröhre geht; theils aber auch an den Vorhängeschlössern ein bewegliches Blech über das Schlüsselloch. Bey diesem letztern ist der Grund der Benennung dunkel, daher, es noch dahin stehet, ob es hier nicht vielmehr aus dem Franz. tourner, entstanden. Die Büchsenschmiede nennen den eisernen Cylinder, worüber die Platten zu den Feuerröhren zusammen geschweißet werden, gleichfalls einen Dorn, und diesen Nahmen führet auch die Angel, oder der senkrechte Arm einer Haspe, um welchen sich das Thürband mit seinem Ohre beweget, ingleichen diejenigen Cylinder, worüber die Raketen geschlagen werden u. s. f. Da das Wort in dieser Bedeutung nicht leicht anders als im gemeinen Leben vorkommt, so hat es hier auch im Plural beständig Dörner. 2. Figürlich, da es außer der Zusammensetzung nur im Plural üblich ist, und alsdann die Dornen hat. 1) Ein jeder Strauch, dessen Rinde mit Dörnern bekleidet ist. Da es deren sehr viele Arten gibt, so werden selbige durch allerley zusammen gesetzte Nahmen unterschieden, welche Zusammensetzungen auch im Singular üblich sind; z. B. Buchdorn, Kreuzdorn, Hagedorn, Schleedorn u. s. f. Wenn man aber das Wort im Plural, ingleichen die zusammen gesetzten Dornbusch, Dornstrauch, ohne nähere Bestimmung gebraucht, so werden dadurch die gemeinsten Arten dieser mit Dörnern besetzten Sträuche verstanden. Dornen und Disteln soll er (der Acker) dir tragen, 1 Mos. 3, 18. So wachsen mir Disteln für Weitzen, und Dornen für Gersten, Hiob 31, 40. Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundinn unter den Töchtern, Hohel. 2, 2. Etliches fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen auf und ersticktens, Matth. 13, 7. 2) Zweige von einem Dornen tragenden Gewächse, gleichfalls nur im Plural. So will ich euer Fleisch mit Dornen aus der Wüsten zerdreschen, Richt. 8, 7. Christus wurde mit Dornen gekrönet; S. Christdorn. In beyden figürlichen Bedeutungen hat dieses Wort im Hochdeutschen ohne alle Ausnahme im Plural die Dornen. Nur bey den Schlesischen Dichtern findet sich häufig der Niedersächsiche Plural. Die Stirn ist voll Wunden von den Dörnern, Opitz. Das Haupt ist mit Dörnern verletzt worden, ebend.[]Rosen geben durch die Dörner Ihren angenehmen Schein, Opitz. Doch wurden sie hinweg gerafft Wie Dörnerglut, Opitz. Ps. 118, 6. Der König aller Welt ließ sich mit Dörnern krönen. Opitz. Ps. 118, 6. Die dörnervollen Kreuzesstege, Gryph. Bis daß die Hand, die uns hier Dörner flicht, Die Myrthen bricht, Günth. Anm. Dieses Wort lautet bey dem Kero und Notker Dorn, bey den Ottfried Thorn. So Lilia untar thornon, B. 1, Kap. 16, V. 46. Corono thero thorno, ebend. Si fluhtun thorna zi samane, ebend. Im Nieders. Dorn, im Engl. Thorn, im Angels. Deorn, im Dän. und Schwed. Torn, im Holländischen Doorne, Deurne, bey dem Ulphilas Thaurnus, im Isländ. Thorn, Thyrner, im Böhm. Trn, im Pohlnischen Tarn, im Russischen Tirne. In Boxhorns Glossen wird Dhorn durch stirpex, und Stecko Dhorn durch sudes, ein Pfahl, erkläret. Im Angels. bedeutet taeran, Engl. to tear, zerreißen. Siehe Sehr, Versehren, Zehren, Zorn, denn der Übergang aus dem D und T in den Zischlaut ist in allen Sprachen etwas gemeines.
7104 Zeichen · 108 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    dorn

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +4 Parallelbelege

    dorn¹AWB m. a-St., vom 8. Jh. an: ‚Dorn, Sta- chel, Dornstrauch, Brombeerstrauch, spina, sentis, dumus‘ 〈Var.: th-〉. – M…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    DORNstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    DORN ( Gr. 1,665. 2,154. Graff 5,226 ) stm. 1. dorn, der stachelichte auswuchs; dann stachel überhaupt. a. eigentlich. d…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    dorn

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +1 Parallelbeleg

    dorn, m. Dorn; Zaun von Dorn.

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Dorn

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    1. Der Dorn , des -es, plur. die Dörner und die Dornen. Es bedeutet, 1. Eigentlich, einen jeden Stachel, oder einem Stac…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Dorn

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 Dorn Pl vereinzelt ‘D-e’ (in 1 a) u ‘Dörner’ (in 1 b u 2 c) 1 von der Pflanze a spitzer, stechender Auswuchs an Zweige…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Dorn

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Dorn , Joh. Albr. Bernh., geb. 1805 zu Scheuerfeld im Koburgischen, seit 1843 Oberbibliothekar der kaiserl. öffentlichen…

  7. modern
    Dialekt
    Dorn

    Bayerisches Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    Dorn Band 4, Spalte 4,1f.

  8. Sprichwörter
    Dorn

    Wander (Sprichwörter)

    Dorn 1. An den Dornen bleibt viel Wolle hängen. 2. Auch unter Dornen wachsen Rosen. It. : Anco tra le spine nascono le r…

  9. Spezial
    Dorn

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Dorn m. (-[e]s,-en/-e) 1 ‹bot› spina (-nes) f. , ficiun (-s) m. 2 (Stift) puntel (-tí) m. 3 ‹fig› spina (-nes) f. , sofe…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dorn

953 Bildungen · 500 Erstglied · 449 Zweitglied · 4 Ableitungen

dorn‑ als Erstglied (30 von 500)

Dorn I

Idiotikon

Dorn I Band 13, Spalte 1622 Dorn I 13,1622

Dorn II

Idiotikon

Dorn II Band 13, Spalte 1645 Dorn II 13,1645

Dornberg

SHW

Dorn-berg Band 1, Spalte 1589-1590

Dornbuckel

SHW

Dorn-buckel Band 1, Spalte 1589-1590

Dornbusch

SHW

Dorn-busch Band 1, Spalte 1589-1590

Dorndreher

SHW

Dorn-dreher Band 1, Spalte 1589-1590

Dorngäkser

SHW

Dorn-gäkser Band 1, Spalte 1591-1592

Dorngätzer

SHW

Dorn-gätzer Band 1, Spalte 1591-1592

Dornhag

SHW

Dorn-hag Band 1, Spalte 1591-1592

Dornhaken

SHW

Dorn-haken Band 1, Spalte 1591-1592

Dornhecke

SHW

Dorn-hecke Band 1, Spalte 1591-1592

Dornhäker

SHW

Dorn-häker Band 1, Spalte 1591-1592

Dornkirsche

SHW

Dorn-kirsche Band 1, Spalte 1591-1592

Dornmühle

SHW

Dorn-mühle Band 1, Spalte 1591-1592

Dornpfad

SHW

Dorn-pfad Band 1, Spalte 1591-1592

Dornwald

SHW

Dorn-wald Band 1, Spalte 1591-1592

Dornzaun

SHW

Dorn-zaun Band 1, Spalte 1589-1590

Dornach, Dorneck

Herder

Dornach, Dorneck , Dorf im Kanton Solothurn, in fruchtbarer Gegend, mit 800 E., altem Schlosse, Kapuzinerkloster; Sieg der Schweizer d. 22. …

dornacher

MeckWB

dorn·acher

Wossidia dornacher danach, später: darnacher des Nachts Disk. 10.

Dornägerste

ElsWB

Dornägerste , [Tòrnákərtə, Ternákərtə Olti. Fisl. Attenschw. ; Tònákərt Ensish. Su. ] f. rotrückiger, gemeiner, grosser Würger. — Idiotik…

dorn als Zweitglied (30 von 449)

agaldorn?

KöblerAhd

*agaldorn? , st. M. (a) Hw.: vgl. as. agalthorn

Ɉudendorn

Campe

Der Ɉudendorn , des — es, Mz. die — en , ein Name des Kristdornes.

Ackerandorn

Campe

acker·andorn

Der Ackerandorn , des — es, o. Mz. eine Art des Andorns, der auf den Äckern wächst; auch schmalblättriger Hechtzahn ( Galeopsis lodanum L.);…

adamsdorn

DWB

adams·dorn

adamsdorn , m. im sinne des alten Adam: ja, du wirst noch den Adamsdorn, als ungedult, geiz, rach und zorn, sampt ander schwacheit mehr derg…

adeldorn

AWB

adel·dorn

adeldorn mhd. st. m. ; vgl. Fischer 1,104 s. v. Adelsbeer. — Graff V, 227. adil-dorn: nom. ( acc.? ) sg. Gl 3,467,12 ( Florenz xvi, 5; clm 6…

andorn

DWB

andorn , m. marrubium, prasium, bei Nemnich auch stachys, ballota nigra, galeopsis ladanum, leonurus marrubiastrum, weil man das deutsche wo…

apfeldorn

DWB

apfel·dorn

apfeldorn , m. nd. appeldören, appeldörel, acer campestre, entstellt aus dem ahd. aphultra und vermischt mit maʒaltra, maszholder.

Asdorn

RhWB

As-dorn RhWBN āsdrə Eup ; āstər Prüm-Kopp m.: Ahorn.

Attendorn

Meyers

atte·n·dorn

Attendorn , Stadt im preuß. Regbez. Arnsberg, Kreis Olpe, 255 m ü. M., an der Bigge und der Staatsbahnlinie Finnentrop-Rothemühle, hat 2 kat…

Batteldorn

RhWBN

Battel-dorn (s. S.) Prüm-Büdesh m.: Weissdorn, Crataegus; vgl. Buttel.

bocksdorn

DWB

bocks·dorn

bocksdorn , m. astragalus tragacantha, tragant, wurde zumal ins osterfeuer geworfen ( mythol. 583).

börteldorn

DWB

bortel·dorn

börteldorn , m. bei den zinngieszern ein dorn in der docke, an welchem sie das, was gebörtelt werden soll, befestigen.

Bränkeldorn

RhWB

braenkel·dorn

Bränkel-dorn -dēər Ottw-Eppelborn , Saar-Hüttersd m. Pl.: Dorngestrüpp, das am Boden umherrankt.

Brambārddōrn

WWB

brambard·dorn

Bram-bārd-dōrn ⟨ Brömmeldore Kr. Lingen Lin Kr. Lingen@Beesten Be = Beesterm, „ Brummdoäan “ ( Kr. Herford Hfd Kr. Herford@Bischofshagen Bi …

Brameleⁿdorn

Idiotikon

Brameleⁿdorn Band 13, Spalte 1639 Brameleⁿdorn 13,1639

Bramendorn

ElsWB

bramen·dorn

Brame n dorn [Prómətôrn, Pl. –tèrn Osenb. ] m. Brombeerstrauch, Pl. –hecke.

Ableitungen von dorn (4 von 4)

bedornen

DWB

bedornen , spinis conserere, zumal im part. praet. bedornt. Brockes 8, 108 ; keine mit lebensgefahr und straszenraub bedornte reise. Herder …

dorne

KöblerMnd

dorne , Sb. Vw.: s. drōne (1)

undorn

DWB

undorn , m. , böser dorn: stoss im vergifft und untoren dar eyn, so muosz er sterben. und stiessen da doren und gifft im in seyn vinger heil…

verdornen

DWB

verdornen , verb. mit dornen versehen, versperren: mhd. die stîge solt dû verdürnen innen unde vor, ahte niht ûf ir zürnen lâ si nindert kom…