Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
ZAGEL stm.
1. schwanz. goth. tagl nhd. (haar), ahd. zakal, zagal, engl. tail Gr. 2,52. 3,408. Ulfil. wb. 174. Graff 5,626. plur. zagele Reinh. s. 325. Iw. 185. zegele Vrid. 138, 26. cauda Diefenb. gl. 63. — schwanz eines pferdes Iw. 185. Wigal. 2551. Genelûnen si bunden mit fuoʒen und mit handen wilden rossen zuo den zagelen pf. K. 308,4. vgl. RA. 692. — einer kuh: sal ûʒ blîben biʒ die kûwe den zagil weder în kêrent bis die hirten mit dem rindviehe nach hause treiben Gr. w. 1,522. — eines hirsches kchron. 211,1 D. eines wolfes Reinh. 736. eines fuchses MS. 201. b. Reinhart was leckerheit wol kunt, sîner âmîen warf er durch den munt sînen zagel durch kundecheit (verlockte sie?) Reinh. 1162 u. anm. der vüehse müeste minre sîn, wærn die zegele güldîn Vrid. 138,26. — eines hundes: die hunde bellent mit schalle, und sterzent ûf alle die zagel und die houbet. — d'andern die zagel habent în gesmogen Reinh. s. 325. — eines löwen Leys. pred. 18,8. myst. 211, 36. eines greifen Parz. 72,21. eines drachen Wigal. 5009. aspis ein wurm stecket sînes zagels ort in daʒ ôre MS. 2,202. b. — sîn triwe hât sô kurzen zagel daʒ si den dritten biʒ niht gelt, fuor si mit (bî D) bremen in den walt Parz. 2,20. s. brem. wohl anspielung unf den schwanz eines pferdes oder rindes mit dem es die fliegen abwehrt. der umstand, daß zagel auch ende bedeutet, macht den ausdruck weniger auffallend. diu ungehiure entran als ir der zagel wære verbrant als wenn ihr der hintere brennte (anspielung auf Simsons füchse?) Wigal. 6447. Ottoc. 82.
2. stachel. scherpfer dan der bîn ir zagel Parz. 297,12. der zagel des tôdes Wigal. 7791.
3. das männliche glied. Ls. 3,405. Hätzl. 2, 67,214. Grimm über Vrid. 25. vgl. praeputium huot vornen am zagel gl. Mone 6,224.
4. wipfel eines baumes, wipfelholz. einen baum hauwen, dâvon solln die zegel eines forsters sîn Gr. w. 2,22. vgl. 1,499. 524.
5. nachtrab des heers; vgl. franz. queue. si wæren dâ ze dem zagele hinten in der kriegesschar alle gewesen pf. K. 141,34. der Angloise zagel krone 6. a Sch.
6. der letzte in einer menge, das ende eines dinges. er was der vîende hagel, an jagen ein houbt, an fluht ein zagel Gregor. 1825. frauend. 476,25. ein houbt in jagen, der fluht ein zagel Türl. Wh. 13. b. — sus lônt iedoch diu ritterschaft, ir zagel ist jâmerstricke haft Parz. 177,26. dîn fröude diu trûret ze jungest an des endes zagel H. Trist. 6638. manec houbt hât goldes schîn und ist der zagel kupferîn Vrid. 125,22. ir flehtent unde strickent alle witze in einen knopf; ir hânt den zagel und den zopf der siben liste erkennet die beiden äußersten enden, das ganze troj. s. 64. d. vgl. Freiberg. str. 178.