werben,
vb. formen und verbreitung. got. hwaírban;
an. hverfa,
schwed. värva,
dän. hverve,
norw. kverva;
ae. hweorfan,
me. wharve;
as. hwerBan,
mnd.-mndl. werven, warven,
ndl. werven;
afries. hwerva, werva, warva;
ahd. (h)wërban
neben (h)wërfan (
vgl. Braune-Mitzka
ahd. gramm. [
81955] § 139
anm. 5);
mhd. werben, werven, werfen, berben (
anl. b
statt w
erscheint in bair. und Nürnberger quellen: altdt. passionssp. aus Tirol 198
Wackernell; Heinrich v. Burgeis
d. seele rat 744
Rosenfeld; Füetrer
bayer. chron. 238, 24
Spiller; [14.
jh.]
städtechron. 1, 51;
s. auch V. Moser
frühnhd. gramm. 1, 1 [1929] 58).
der ursprüngliche grammatische wechsel ([h]wirfu
oder [h]wiruu — [h]warf — [h]wurbum — gi[h]worban)
findet sich, um zusammenfall mit werfen
zu vermeiden, zwar schon im Tatian und bei Otfrid
ausgeglichen zugunsten des sth. lautes b (
vgl. Braune-Mitzka
a. a. o. § 337
anm. 3; Michels
mhd. elementarb. [1921] 210 [§ 261]),
jedoch begegnen in denkmälern der ahd. und mhd. zeit noch häufig unausgeglichene formen mit -f-,
vereinzelt tritt im ahd. sogar ausgleich zugunsten des -f-
auf (chiwurfi
Isidor 30
Hench; gihuuorfan
Monsee fragm. 45
Hench).
im älteren nhd. scheint sich b
in allen formen durchgesetzt zu haben; allerdings leidet die klarheit des bildes unter der einwirkung von zwei andern lautentwicklungen: 1)
übergang von spirantischem b
zu v
im nd. (
über den as. ausgleich des gramm. wechsels f — B
zugunsten des B
vgl. Gallée
as. gramm. [
21910] 253
oben [§ 386
anm. 1]
und über die nd. weiterentwicklung des B > v Behaghel
gesch. d. dt. spr. [
51928] 409 [§ 391]); 2)
mhd. übergang von verschluszlaut b > w
zwischen liquida und vokal im bair. und ndal. (
s. Moser
frühnhd. gramm. 1, 3 [1951] 115 [§ 137, 2 a],
und zum nebeneinander der f-, v-
und w-
schreibungen vgl. Weinhold bair. gramm. 136 [§ 132 c]; 137
f. [§ 134]). —
für die modernen mundarten ist werben
nicht sehr reich bezeugt, in den mundartwörterbüchern teilweise als wenig gebräuchlich bezeichnet (
so bei Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 656; Mensing
schlesw.-holst. 5, 534;
vgl. auch Frederking
Hahlen b. Minden 172).
im nd. und im angrenzenden sprachgebiet findet es sich mit spirantischem stammauslaut: werven (
neben warven
s. u.)
brem.-nieders. 5, 239; Woeste
westfäl. 321; werve Hönig
Köln 200; wërve Crecelius
oberhess. 2, 905;
häufig mit dem stammvokal a: warfen, warven Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 515; warven
brem.-nieders. 5, 239; warwen Dähnert
plattdt. 540; Mensing
schlesw.-holst. 5, 534; Schambach
Göttingen 287;
der auch zusammen mit stammauslautendem verschluszlaut auftritt: warben Block
Eilsdorf 100.
obd. erscheint nur vereinzelt spirantischer stammauslaut im südbair. (
s. auch Lessiak
beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus [1933] 252): bārvm Tschinkel
Gottschee 112;
sonstige buchungen: werben Schmeller
bair. 2, 981; Unger-Khull
steir. 630; werbe
n Fischer
schwäb. 6, 1, 687; wεrbə Meinherz
Bündner ma. 192; wǣrbæ Brun
Obersaxen 175; wǣrbu Wipf
Visperterminen (Wallis) 154.
flexion. aa)
in der 1.
sg. ind. präs. hat sich im nhd. gegenüber der normalen form des mhd. (wirbe)
der vokal des plurals und des infinitivs (werbe)
durchgesetzt (
über diesen zunächst vor allem in md. maa. auftretenden, im nhd. schriftsprachlich durchgeführten lautwandel vgl. Weinhold
mhd. gramm. 2352 [§ 347]
und Nordström
stud. üb. d. ausbildg. d. nhd. st. präsensflexion, diss. Upsala 1911): ich werb St. Ritter
gramm. germ. nova (
Marburg 1616) 64; ich werbe Schottel
haubtspr. (1663) 602;
während die rede ich ûf sie werbe (: erbe) Reinbot v. Durne
hl. Georg 3381
Kraus wohl als form des swv. aufzufassen ist (
vgl. glossar ebda 306
b, Lexer 3, 770
und s. u.). bb)
in der 2.
u. 3.
sg. ind. präs. bleibt die i-
form die normale (
mitunter mit rundung: [er] würpt Schreittmann
probierbüchl. [1578] 3
a; [er] wurbt
österr. weistümer 5, 223);
daneben kommt nur gelegentlich die e-
form vor: du ... werbest Bodmer
bei Heynatz
antibarbarus 2 (1797) 629; es werbt ein iunger grafen sohn Göthe I 38, 243
W.; besonders in älteren quellen des nord- und mitteldeutschen (
s. Behaghel
gesch. d. dt. spr. [1928] 442
f.): man werbt Waldis
Esopus 2, 47
Kurz; man werbet Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) K 5
a u. ö. cc)
ähnlich verhält es sich beim imperativ: neben der normalform mit -i- (
bzw. mit rundung: würb
liederb. d. Hätzlerin 250
Haltaus; kath. kirchenl. 1, 409
Bäumker)
tritt nur vereinzelt eine e-
form auf: werbe Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 157; Heine
s. w. 2, 186
Elster. dd)
für die 1./3.
sg. ind. prät. erscheint neben der normalen form warb
in angleichung an die pl.-formen vereinzelt wurb: er wurb Forster
fr. teut. liedl. 195
ndr.; er warb und wurb Schottel
haubtspr. (1663) 602; warb (
vulg. wurb) Adelung
lehrgeb. (1782) 1, 815;
gelegentlich auch eine form mit unorganischem endungs-e: er warbe
kl. mhd. erz. 59
Rosenhagen; der warbe
Wilwolt v. Schaumburg 165
lit. ver.; (
sie) warbe Schumann
nachtbüchl. 205
B. ee)
der regelmäszige ablautvokal -u-
des pl. ind. prät. (
vgl. ahd. wurbum
; mhd. wurben)
findet sich bis ins 17.
jh. belegt (
noch bei Schottel
und Stieler,
s. u.),
ebenso das seit dem späteren mhd. gelegentlich auftretende, daraus entwickelte o (
vgl. dazu Paul
dt. gramm. 2, 219): dise ... worben Hesler
apok. 16 169
Helm; die ... worben Joh. Rothe
lob d. keuschheit 2112
H. Neumann; (
die boten) worben Arigo
decamerone 104
u. ö. lit. ver.; (
sie) worben Wickram
knabensp. 101
Fauth; Schottel
haubtspr. (1663) 602
verzeichnet nebeneinander wir wurben
und worben (
wie auch für die 2.
sg. prät. worbest
neben regelmäszigem wurbest);
daneben setzt sich seit dem 16.
jh. immer stärker die nach dem sg. prät. ausgeglichene form warben
durch: sie ... warben Seb. Franck
Germaniae chron. (1538) 169; (
sie) warben
buch d. liebe (1587) 335;
und verdrängt die ältere form schlieszlich ganz, die Stieler
stammb. (1691) 2546
noch daneben bucht: wir warben & wurben.
zum ablautausgleich vgl. Strömberg
d. ausgleichg. d. ablauts im starken präteritum (
obd. denkm. d. 15.—16.
jhs.),
diss. Göteborg 1907; Alm
d. ausgleich d. ablauts im starken präteritum (
ostmd.),
diss. Upsala 1936; Granmark
d. ausgleichg. d. ablauts im starken präteritum (
rheinfränk.),
Malmö 1933. ff)
im konj. prät. findet sich neben regelmäszigem würbe(n) (
im mhd. meist mit unbezeichnetem umlaut)
vereinzelt (
er) worbe:
dt. myst. 1, 203
Pfeiffer; wörbe: ich wOerbe & wrbe Stieler
stammb. (1691) 2546
und wärbe: Steinbach (1734) 2, 1029; ein gott, — er wärbe vergebens um Blaffardine Wieland
s. w. 15 (1855) 81; wärb'st du um ihre gunst
Shakespeare 6 (1854) 279. gg)
im part. prät. erscheint neben der lautgesetzlichen form geworben
vereinzelt gewörben (1470)
privatbr. 1, 94
Steinhausen; und gewarben Andreas v. Regensburg 608
Leidinger; sowie das schwach flektierte partizip gewerbet: mit seinen gewerbeten völckern G. Kraus
siebenb. chron. 2, 119 (
fontes rer. Austriac. I 4),
das, nach der hier vorliegenden moderneren bedeutung von werben
zu urteilen, nicht auf das alte swv. (
s. u.)
zurückzuführen, sondern als unregelmäszige bildung zu erklären ist. bildung und verwendung. werben
geht zurück auf die (
auszerhalb des germ. nur schwach bezeugte)
idg. wz. kerp '
sich drehen'
s. Walde-Pokorny 1, 472; Hellquist
31399; Falk-Torp 1, 438; Franck-van Wijk 789.
zum stv. tritt früh ein deverbatives ôn-
verbum (
s. Schatz ahd. doppelformen schwacher verba in: Germanica [1925] 376; Wissmann
nomina postverbalia 1 [1932] 10):
got. hwarbōn;
an. hvarfa;
ae. hwearfian;
as. hwarBon;
ahd. (h)warbôn, warpôn;
und eine deverbative jan-
bildung (
s. Wilmanns
dt. gramm. 2 [1899] 53 [§ 34]):
an. hverfa;
ae. hwierfan;
as. hwerBian;
ahd. hwarban, (h)werban;
mhd. werben.
im ahd. ist das jan-
verb noch häufig belegt: inti uuarbta iogiuuelih in sin hus (
et reversi sunt ...)
Tatian 119, 13
Sievers; überwiegend in transitivem gebrauch (
vgl. dazu die ähnlichen verhältnisse bei gewerben,
swv., teil 4, 1, 3, 5569)
im sinne von '
drehen, bewegen, wenden': den himel uuerbest
uersas celum Notker 1, 38, 12
Piper; diu uuerdent keuuerbet
ebda 1, 193, 24;
vereinzelt auch noch mhd.: die rede ich ûf si werbe (:erbe) Reinbot v. Durne
hl. Georg 3381
Kraus. das stv. hat ursprünglich die bedeutung '(
sich)
drehen, (
sich)
wenden' (I A);
daraus entwickeln sich früh die abstrakteren '
sich bewegen' (I B), '
umgehen, verfahren' (I C), '
leben, handeln, geschäfte betreiben' (I D)
und '
etw. betreiben'
schlechthin (I E).
dem neueren dt. wird werben
im sinne von '
sich um etw. bemühen'
geläufig (II),
besonders in den anwendungen um eine frau werben (II B 1), soldaten werben (II B 3 b)
und werben '
propaganda treiben, reklame machen' (II B 4). II.
im älteren dt. begegnen zahlreiche anwendungen, die später unüblich werden. I@AA.
sich drehen, (
um)
kehren. I@A@11) '
sich (
um eine achse)
drehen', '
kreisen', '
schwingen' (
vgl. wirbel).
vom ahd. bis ins ältere nhd. belegt, danach nur noch mundartlich nachgewiesen: rotabitur uuiriuit, uuiruit, vuirbit (9.—11.
jh.)
ahd. gl. 1, 412, 31; 408, 38; 404, 36
St.-S.; nam ut orbium circa eundem cardinem sese uertentivm. qui est intimus ... also dero manigôn ringo dîe an demo rade umbe einen steft uuerbent. ter under allên der innerôsto ist ... Notker 1, 277, 28
Piper; atque ab ipso. s. axe. totam cli molem machinamque torqueri ... unde an iro uuerben alla dîa heuigi des uuereltzimberes
ebda 1, 839, 24; ob den rippen ligent zuo sculteren, da die arme ana weruent, suenne si sich ruoerent
genesis 339
Dollmayr; die zwo pfannen, da er (
der waagebalken) innen wirpt, sollen in zween pfosten versenckt ... seyn Schreittmann
probierbüchl. (1578) 41
a; darnach richt das klOeblin (
der waage) zu ... und die zwey öhrlin, darauff der nagel schwebt oder würpt, sollen auch scharpff, glatt unnd gehert seyn
ebda 3
a;
in moderner ma.: węrəvə
sich drehen Münch
ripuar.-fränk. 86;
reflexiver gebrauch bleibt vereinzelt: dann das mundstuck wirbet sich nit H.
F. Hörwart v. Hohenburg
v. d. ritterl. kunst d. reiterei (1581) 59
b. I@A@22) '
zurückgehen', '
zurückkehren'.
für lat. '
reverti', '
remeare', '
redire',
häufig im ahd.: remeat uuirfit, uuiruit, afur huiruit (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 241, 13
St.-S.; pisliften kilauba uuiruit
lapsis fides reuertitur Murbacher hymnen 55
Sievers (25, 6);
non est inventus qui rediret et daret gloriam deo nist fundan ther dar uurbi inti gabi guollichi gote
Tatian 160
Sievers (111, 3);
meist mit richtungsangabe: reuertar in domum meam ih huuirfu in miin hūs danan
Monsee fragm. 11
Hench (7, 13);
et sic ad caelestam sedem cum carne humana remeauit sigihaft gi
huuorfan in mannes lihhamin za demo sinemo himilischin sezzale
ebda 45 (28, 27);
reversi sunt in Galileam in civitatem suam Nazareth vvurbun thô zi Galileu in ira burg Nazareth
Tatian 27
Sievers (7, 11); joh er vuurbi thuruh notfon beche hera uuidorort, fon hellono thiote auur zi thesemo liohte Otfrid III 24, 99
Kelle. I@A@33) '
sich in einen neuen zustand verkehren, wandeln'; '
sich einem neuen zustand zuwenden, etw. beginnen'
; mhd. und vereinzelt im älteren nhd.: sone darft du, süeziu maget, mich niht frâgen von minne: dir wirt wol âne frâge bekant minnen flust und ir gewinne. nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe: tuo der minne ir reht, ê diu minne uns beide in (den) herzen verderbe Wolfram v. Eschenbach
Titurel 68, 3
Lachmann; ordiri werben, an tragen, peginnen (15.
jh., obd.) Diefenbach
nov. gl. 273
b; geliebt euch meher denn zu trinken ... und ihr werbt kurtz hernach ins hinken, gerahtet in derselben plag', ihr niemand denn belangen sollt, weil ihr es selber habt gewollt Wencel Scherffer
geist- u. weltl. ged. (1652) 504. I@A@44)
im übergang zu bedeutung I D
frühnhd. sich werben '
sich umtun, sich rühren': von siben gaistlichen märckten, auff denen sich ain guotter Christen mensch werben mag, vnnd grossen gewyn seiner seelen überkommen, der ymmer öwig ist Keisersberg
pred. teutsch (1508) 45
a; so werbt auch euch, das ir volk aufpringt, als ir aller maist gehaben mügt, und so wir von im komen, mügt ir in wol an ewren schaden slahen Ulrich Füetrer
bayer. chron. 119, 5
Spiller; so warb sich Hanibal der hauptman von Carthago wider und zoch mit sybentzig schiffen uff die Römer Schäferlin
Livius (1514) 91
a;
auch sich werben um kriegsleute: die Venediger ... haben drüber sich umb kriegsleut und oberste geworben Stumpf
Schweizer chron. (1606) 1, 30
a (
vgl. dazu sich umwerben
sich um die sammlung eines heeres bemühen Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 40 602
Keller, s. v. umwerben
teil 11, 2, 1267). I@BB.
abgeblaszter '
sich bewegen'
schlechthin. I@B@11) '
sich bewegen', '
gehen'
; schon ahd.: quoniam ego in innocentia mea ambulaui ... vuanda ih under in uuarb in unsundigi Notker 2, 81, 5
Piper; nicht selten im späten mhd. und älteren nhd., danach nur noch vereinzelt: manigen man werven sach ungevangen ûf dem wal hie Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 17162
Seemüller; ein hAefftigs werben vnnd nahin lauffen
ambitus acrior Maaler
teutsch spraach (1561) 489; wrəvə
hin und her gehen ... in bewegung sein Münch
ripuar.-fränk. 86
u. 46.
auch hier meist mit richtungsbezeichnung: syne flucht her do angefing ... in eyn schif begunde her werbin, daz zcu Jherusalem wolde var Rothe
passion 158
Heinrich; ye lieber mir der knab ist, ye mer sorgen zu aller frist muosz ich, das er nit sterb oder sunst von mir werb
liederb. d. Hätzlerin 90
Haltaus; nun so der (
jung-)brunnen ist erfunden, so seindt wir doch so nötlich kunden, das wir ee von alter sterben ee das wir nach dem wasser werben Murner
badenfahrt 26, 16
Michels; ich versetz euch mein leib vnd blut, so wol mein ritterliche handt mit sampt der seel zu einem pfandt, das ich wil all mein lebenstag eurm befelch steht kommen nach ... vnd ich wil nicht von hinnen werben, bisz so lang thut der könig sterben Jac. Ayrer
dramen 1622
Keller; daher die alten ROemer die mAerckt mit sonderbaren privilegien begnadet, also, dasz alle dahin werbende sicher geleit hatten P. Negelein
v. bürgerl. stand (1607) 91;
mit hineinspielen der bedeutung '
um einen menschen werben'
vgl. u. II B 1: querüber übers wasser glatt lasz werben deine äugelein, und der dir wohlgefallen hat, der soll dein lieber buhle sein Eichendorff
s. w. (1864) 1, 472. I@B@22)
vereinzelt findet sich werbend
im frühen nhd. im sinne von '
reisend': so sollen die Milser die lantstrasz versorgen und machen neben irem veld auf ..., wo si
aber das nit thätten, so migen die wagen und werbend leit ihren zaun wol aufprechen und über veld fahren (17.
jh.)
österr. weisth. 3, 153. I@CC.
umgehen (
mit jem. bzw. etw.). I@C@11) werben mit (samt) jem. '
verkehren mit jem.',
vgl. lat. conversari cum aliquo, wonach conuersantibus uuerbenden, uuerbenten (9.—11.
jh.)
ahd. gl. 1, 714, 52
St.-S.: innocentes et recti adheserunt mihi vnsundige unde grehte haftent ze mir. nals niêht so iniqui (
gl.: unrehte), diê oûh sament mir uuerbent. nube iro herzen sint sament mir Notker 2, 80, 17
Piper; auch später nur vereinzelt: sich krenkent frowen unde pfaffen, daz si sich niht scheiden lânt. die den verschampten bî gestânt, die wellent lîhte ouch mit in schaffen ... wê, daz zwên als edele namen mit den schamelôsen werbent! sicherlîche si verderbent, sine wellens sich erschamen Walther v.
d. Vogelweide 45, 34
Lachmann-Kraus; wo lüt mit einander werbend, die ledig, vnd daz inen kind mit einander werdend (1500)
weistümer (1840) 4, 380. I@C@22)
verfahren I@C@2@aa)
mit etw.: wie die Salzpurgære wurben mit der wal, daz si zeinem mâl zweier herren wielten Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 2223
Seemüller; in gerichtssprachlicher sonderanwendung '
gerichtlich verfahren, verhandeln': etwâ ist gewanheit, daz man anders dâ mit wirbet
Schwabenspiegel 85
Wackernagel; wer also spricht. ich wedirwerfe dys orteyl wenne is ist vnrecht. vnd tzyhe is dohyn, do ich is tzu rechte hyn tzyhen sal. das ist vor den richter der daz gerichte hat. do sal man mete werben. alse hyuor gesprochen ist
d. alte kulmische recht 193
Leman. I@C@2@bb)
verschiedene konstruktionen, die im nhd. ebenfalls nicht fortleben, finden sich im mhd. auch für die bedeutung '
mit jem. verfahren, an jem. handeln, jem. behandeln'; werben mit: sus kundens mit im werben Wolfram v. Eschenbach
Parzival 788, 30
Lachmann; dar nach entbot Antonius der selben samenunge alsus, diu so harte mit dem bruder warb: ...
väterbuch 2173
Reissenberger; werben an: ir sult wizzen, daz ich wil gote klagen ..., daz die herren von Marburg also umbischeidinliche an mir arman hant giworbin (
um 1300)
hess. urk.-buch I 2, 1
Wyss; merkwürdig ist die konstruktion mit über (
s. Wiessner in:
PBB. 26, 391): dô sprach der degen Herwîc: 'war tuost dû dînen sin? die mîne triutinne die wil ich vüeren hin. werben, swie wir künnen, über unser vrouwen'
Kudrun 1257, 3
Symons; auch der genitiv begegnet vereinzelt: er bii nacht gewegelogit hat und ouch der hern und der burger unredelichen geworben hat (
um 1400)
urk.-b. d. st. Freiberg 3, 200
Ermisch. I@DD. '
tätig sein'. I@D@11) '
handeln, arbeiten, wirken'
in allgemeiner anwendung. I@D@1@aa) '
handeln, sich betätigen',
vor allem im mhd. und älteren nhd. geläufig: ich ... ... enwil mîn houbet nimmer ê gelegen, ih enwerbe nâch ir willen
Nibelungenlied 304, 3
Bartsch-de Boor; sô wirbe ich anders, danne ich sol Gottfried v. Straszburg
Tristan 139
Ranke; und dô der keiser erstarp, ich sage iu, wie der prinz warp: siner vetern er sich underwant Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 1138
Seemüller; substantiviert im sinne von '
handeln, tätigsein': dann alles jhr thun und werben was umb gut B. Hertzog
chron. Alsatiae (1592) 2, 63; wir muossen in dieser welt in diesem mhseligen jammerthal mit werben und werken umgehen, wir sollen nicht in lOecher, klausen und winkel kriechen Jac. Böhme
s. w. 4, 193
Schiebler; nein, ein blutig ernstes werben mit den breiten blanken klingen! Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 185. werben wider jem. (etw.) '
gegen jem. (
etw.)
wirken, tätig sein, handeln': ez het wider ir hulden geworben alsô sêre Hagen der überhêre, daz siz lâzen niht enkunde sine müese bî der stunde rechen allez daz ir was
klage 115
Lachmann; in leitlîchen sorgen sprach dô Dietrîch: wie habt ir sô geworben, Gunther, künic rîch, wider mich ellenden? waz het ich iu getân?
Nibelungenlied 2329, 2
Bartsch-de Boor; wissend, der von Urach hat zwen kortisan ligen zü Röm, dy werben hert und vast wider unssz und uch (15.
jh.)
privatbr. 2, 59
Steinhausen; und das er, noch niemans um sinen wegen dwider nit tuon noch werben sölle
dokum. z. gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 2, 131
Gagliardi; werben für jem. '
für jem. tätig sein, handeln': er solte alle klagepfeil wider Henricum seinen herren richten vnd für sich selbs anhalten vnd werben Seb. Franck
Germaniae chron. (1538) 171
a; die aff sahe jn vnd rieff jm nein vnd sprach: 'kompt her, herr Eisengrein, schawt meine kindt, die jungen erben, sein werd, das wir auch vor sie werben' Burkard Waldis
Esopus 2, 31
Kurz. meist mit genauer bestimmung bzw. wertung der handlungsweise oder auch des verhaltens, so schon ahd. und sehr häufig im mhd. belegt, später nur noch vereinzelt: congregatio taurorum inter uaccas populorum ut excludantur diê selben heretici danne uuerbent also manige pharre under diên liûtchuôn Notker 2, 261, 9
Piper; alsus stal er sich dan und warp rehte als ein man der êre mit listen kunde gevristen, und kom dâ er die knappen vant Hartmann v. Aue
Iwein 946
Benecke-Lachmann; sô werbet rîterlîche Wolfram v. Eschenbach
Parzival 546, 22
Lachmann; diu werlt mit valsche wirbet Fridank
bescheidenheit 228
Bezzenberger (177, 19); (
sie) zabiltin unde krischin und jâmirlîchin wurbin, sô lange unz sî irsturbin Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 1604
Strehlke; '
viriliter agite'
etc., daz sprichet: knlich und manlich werbent und heint ein keches hertze ir alle, die gotte getrúwent! Seuse
dt. schr. 459, 21
Bihlmeyer; der alte mann sprach aber zu Adelgers boten: ... hiebevor, da ich des herzogen war, rieth ich im je das beste; er gab mich dem (
römischen) könig hin, daran warb er übel br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 109;
auch im partizip: got hete dem meier gegeben nâch sîner ahte ein reinez leben. er hete ein wol erbeiten lîp und ein wol werbendez wîp Hartmann v. Aue
armer Heinrich 298
Paul; sowie in substantivierter form, wobei die nähere bestimmung als adjektivischer zusatz auftritt: ir strîtlîches werben saste sich ze grôzer wer
Reinfrid v. Braunschweig 16214
Bartsch; ich fynd so vil manheit und ritterlichs werben von jnen (
den Deutschen) beschryben, dasz sie in dem für all nation gelobt syen Schäferlin
Livius (1514) 1
b;
s. auch ebda 51
b; unnd wasz ein grosz werben und hanndthierung umb die schiffe mit leuten
F. Faber
eigentl. beschr. (1557) 173
b.
gelegentlich erscheint werben
in der verbindung leben und werben
u. ä., wobei es sich der bedeutung von '
leben'
annähert: wann so jr lAeben vnd werben nach dem fleysch, so wAerd jr sterben
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 76
Bächtold; ... der einige ewige gott vnnd schOepffer ist aller dingen, der himel, erden, mer vnd was dar innen ist, vnd vns menschen zu seiner bildnusz ausz nichten erschaffen habt vnd durch seine krafft allein erhaltet, in dem wir lebenn, werben vnd seind Hermann v. Wied
reformation (1545) 15
a; wir ... befliessen ... den lieben friede ... zu halten, damit ein jeglicher eintrAechtiglich leben vnd werben mOechte
engl. com. u. trag. (1624) A 5
a;
auch substantiviert im sinne von '
tätiges leben': dasz mancher feiner kner man durch sein jung gmt vnd hitzig gblt verreitzt, darin also verwt, dasz er sehr kurtz darvon wird sterben, wan er noch ist im mitteln werben Fischart
Gargantua 455
ndr.; zurück die scheidewand, die jenes treiben und werben und leben da drauszen unüberschreitbar trennt vom heiligthume der natur H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 510. I@D@1@bb)
oft auch geradezu im sinne von '
arbeiten'
; so mhd. und frühnhd.: sus lac er bi dem wîbe vil lange naht und den tac ... er lie den wagen und den pfluoc sô lange darumbe stille stên daz im zuo begunden gên sîne vriunde alle unde jâhen, dô si in ligen sâhen, er wolde gar verderben und hiezen in werben als einen andern sînen genôz Stricker
mären 38
Rosenhagen; Marîâ die verturbe, ob Marthâ niht enwurbe, mit arbeit sie sich muowet, Marîâ suoze ruowet, ze gotes fuozen sie liget Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 170
Bechstein (4694); do teiltend sy angentz das gelend under sich selbs, do fieng yeglicher an, in sinem teyle ze hacken, ze rütten und ze werben, damit sich dann yeglicher vermeinent zuom besten ze neren Etterlin
kron. d. eydtgnoschaft (1507) 10
b; will man yhn helffen, so mus man ... christlicher liebe gesetz an yhn uben und sie freuntlich annehmen, mit lassen werben und erbeytten, da mit sie ursach und raum gewynnen, bey und umb uns tzu seyn Luther 11, 336
W.; einer fragte
d. M. L.: wenn ein armer geldes nothdürftig wäre und hätte kein pfand, möchte er auch für seine geschicklichkeit zu werben geld aufnehmen?
slg. Khummer bei Luther
tischr. 4, 525
W.; ja, sie (
die frau) soll werben stAets zu haus, gleich wie der man mus werben draus Fischart
w. 3, 154
Hauffen; der uns auch die vernunfft fr andere thier gegeben, darmit wir hie auff erden schaffen und werben können
M. Stephanus Vigilius
de rebus memorandis (1566) A 3
a.
mitunter tritt der nebensinn des erwerbens stärker hervor: sein gschlecht muosz all verderben, sich nehren mit dem bettelstab, als die nicht kOennen werben vnd mssen hungers sterben, bei allen menschen sind schabab Burkard Waldis
psalter (1553) 200
a (
ps. 109); des sommers solln wir fleissig werben, das wir nicht mOegen hungers sterben im winter
ders., Esopus 1, 128
Kurz. I@D@1@cc)
sprichwörtliche wendungen zu den bedeutungen a
und b: swie die liute wurben, sie lebeten unz si sturben: unt swie si noch gewerbent, si lebent, unz si sterbent Fridank
bescheidenheit 226
Bezzenberger (175, 24); manic man erstirbet dar nâch, als er wirbet, der niemer übele stürbe, ob er rehte würbe
ebda 229 (178, 3
und 5) (
vgl. dazu: wie die leut auff erden werben, ist billich, dasz also sterben. man spricht, darnach der mann wirbet, darnach er auch gwonlich stirbet. wer allzeit wol und rechtes thuot, des leben endt sich auch mit guot Seb. Brant
Freidanck [1539] 38); wer hie uff erden falschlich wirbt, ob er denn unrecht todes stirbt, das sy den wilden gensen clagt Hermann v. Sachsenheim
mörin 1103
Martin; darnach einer wirbt, darnach er stirbt
d. dt. sprichw. 535
Simrock. hierher auch: wer nicht wirbt, der verdirbt Konr. Cordatus
bei Luther
tischr. 2, 619
W.; trinck wein vnd werb, trinck bier vnd verderb, trinck wasser vnd sterb: so ist besser wein getruncken vnd geworben den wasser getruncken vnd gestorben Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Tt 7
a; wirb, das glck ist mrb Lehman
floril. polit. (1662) 3, 491;
vgl. auch Binder
sprichw. 214; Rother
schl. sprichw. 328
a. I@D@1@dd) '
wirken', '
eine wirkung ausüben'
mit unpersönlichem handlungsträger; vor allem im mhd. und frühnhd. bezeugt. I@D@1@d@aα)
absolut: wo die nature bevindet der helfe, so verlot sú sich daruf ... und enwúrket nút also flissekliche ... und also so sú unsicher ist aller helffe, so wirbet sú und wúrcket sú und hilffet ir selber Tauler
pred. 99
Vetter; wo tapferkeit und mut werben, kann sich leicht der mürbe greis den schädel zerschlagen Klinger
w. (1809) 2, 303;
in formelhafter verbindung werbende ê '
das in kraft stehende gesetz': daz loz nach werbender e uf diselben tochter quam
passional 254, 70
Köpke; hierher wohl auch in abgeblaszter bedeutung die wendung es ist also geworben '
es ist so geschehen': es ist also gewolben (
l. geworben), das an mir sind verdorben zwen herliche namen ... ich was ain magett und vatters kind, die paide an mir verdorben sind Heinrich v. Neustadt 7
Singer (
Apollonius 285). I@D@1@d@bβ)
mit präpos.; werben auf '
wirken auf': daz (
fleisch) mit grozen unkusten uf die sele wirbet, biz iz mit ir vortirbet, daz sie beide tot beligen Heinrich v. Hesler
apokalypse 8097
Helm; werben an '
seine wirkung üben an': da werben die namen dri, der vater, sun und der geist, an dem ammecht aller meist und an der wandelunge Heinrich v. Hesler
apokalypse 13108
Helm; ein sûche an der reise mit alsulchir vreise in angewant und an im warb, daz er ûf dem wege starb Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 17149
Strehlke; s. auch ebda 21106. I@D@22)
negotiare, geschäfte treiben, ein gewerbe treiben (
bes. vom kaufmann). I@D@2@aa)
in absolutem gebrauch vom ahd. an bis ins nhd. bezeugt: qvoniam non cognovi negociantes uuanda ih nebechnata die in iro unmuozzechêit uuerbinte Notker 2, 279, 5 (
gl.)
Piper; abir her rûfte sîne zcên knechte, her gap en zcên pfunt und sprach zuo en: werbit biz daz ich kuome
Matthias v. Beheims evangelienb. 163
Bechstein (
Luk. 19, 13); gleich wie die kauffleüt werben Boner
Justinus (1531) 34
b; (
dies lied) singt uns ein kaufman gnant, der ouch wirbt uf dem land
volksl. 373
Uhland; weyl im krieg vnnd zu bOesen zeiten nicht gut freyen, kinder ziehen, hauszhalten, handeln, wandeln oder werben ist Mathesius
hochzeitpred. 257, 24
Loesche; dannet hin so gibt das wasser guter gelegenheit allerhant guter wahren von einem ort ins ander kOemlich zu fertigen und zufuhren und mit einander zu handlen und zu werben Mattheis Quad
enchiridion cosmogr. (1604) 123; solche leute, deren vorrath und vermögen allein in solchem gelde bestehet, das sie gesamlet und erübriget haben, und aus standesgebühr und beruff nicht werben und handeln können Mengering
gewissens-recht (1653) 581; Pätus liesz ihm neulich tauffen einen lieben jungen erben; diesen wolt er bald von jugend lernen handeln, lernen werben Logau
sinnged. 309
lit. ver.; Cypripor, der lose gast, mag sich hundertmal verwandeln, schieszen, jagen, werben, handeln, hier ist lAengst der schlusz gefaszt Gottsched
ged. (1751) 1, 255; von jugend auf bedacht, arbeitsam, mäszig, ... noch jetzo warb und schafft' er (
ein kaufmann) unabläszig Uhland
ged. 47445.
dazu mhd./frühnhd. werbender (man) '
handels-, geschäftsmann': sî nâmen wuocher dar an sam zwêne werbende man: sî pflâgen zir gewinne harte vremder sinne Hartmann v. Aue
Iwein 7194
Benecke-Lachmann; wie kunde ein werbender man sin kint so schone erzogen han, ezn müeze uz edelem herzen gan? Gottfried v. Straszburg
Tristan 4092
Ranke (
vgl. auch ebda 2298); die werbenden ausz dem tempel tryb
erste dt. bibel 1, 434
lit. ver.; damit des reichs strausz, der werbennd man, der gebawrsman unnd mAenigklich in dem frid gehannthabt und beschiermt wurd (1474)
Frankfurter reichscorr. 2, 329
Janssen; dann ein werbender muste in allweg mer dann der gemeinman daran geben (1514)
d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 114
Franz; das ... die werbenden in stetten auch jr abteillung habenn sollenn
teütscher nation nodturfft (1523) D 4
b; dem gemeinen hanntirenden vnnd werbenden man vnd ander wandelbar lewt (1524) Diefenbach - Wülcker
hoch- u. niederdt. wb. 893;
vereinzelt spricht man auch von werbenden koufliuten: des pflegen munche hte: sie riten oder loufen, sie koufen, sie vorkoufen und haben allez daz veile, daz die werlt hat zu irme heile glich werbenden koufluten Heinrich v. Hesler
apokalypse 6637
Helm. I@D@2@bb) werben mit etw. '
mit etw. handeln, geschäfte treiben' (
mhd., älteres nhd.): '... ross und das gewant mein, fraw, das nempt alles hin und gebt mir daz halb prot ...' ... dye fraw zornigchleichen sprach: 'ich chan nicht mit rossen werben, da pey mein chind müsten sterben ...'
märterbuch 67
Gierach (
v. 3445); es were dan, das ein hoffgesinde, ein erbar man oder ein amptman brauwete oder schenkte oder mit seiner habe wurbe als ein ander burger (14.
jh.)
stadtrecht v. Eisenach 26
Strenge-Devrient; und wo uber solichs etwas uberigs ... wer, dasz sollichs armen burger allein zu not, nit dormit ze werben, mit gnugsamer versichrung on
zins ein zit lang furgesetzt werd (1525)
d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 260
Franz; die goldschmid und die saltzlt, so mit saltz werbend (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 340
b. I@D@2@cc)
mit akkusativ; geschäfte
u. dgl. werben '
geschäfte erledigen, abwickeln' (
mhd./frühnhd.): wande elliu dinch unde diu geschaefde, diu die lte waerbent dicke vergaezzen waerdent unde ouch verderbent, davon so ist not, swaz man wirbet daz man daz gter 'gehugnusse' enpfaelhe mit der schrift, daz ez staete belibe (
ende 13.
jh.)
stadtbuch v. Augsburg 1
Christ. Meyer; guter freundt, erOeffne mir die pforten, denn ich hab geschAefft zu werben, die dir vnd allen Frantzosen zu gutem erschiessen sollen
buch d. liebe (1587) 20
d. '(
gewerbe)
treiben': das all ir burger ... möchtind werben und tuon alle handwerch Richental
Constanzer concil 33
lit. ver.; wann ieglicher frömder mocht triben und och werben, was er wolt
ebda 182; die jugend lernet am ersten des teuffels handwerck, ehe sie was anders werben lernet Jac. Böhme
vom dreyfachen leben (1682) 263. I@EE. etw. werben
etw. ausrichten, betreiben (
vgl.D 2 c). I@E@11)
etw. ausrichten, erledigen (
von einem boten gesagt). I@E@1@aa) eine botschaft werben '
eine botschaft ausrichten' (
vgl. dazu werber 1 b
γ und werbung 1 c
β);
schon im ahd. nachweisbar, im mhd. und älteren nhd. reich belegt, im 19.
jh. noch vereinzelt in altertümelnder sprache: angelus bota scaf huuarf
Monsee fragm. 68
Hench (41, 5); herre, gevüeget irz also, daz min her Tristan, der hie stat, der da ze hove künde hat, iuwer boteschaft da werben wil Gottfried v. Straszburg
Tristan 8527
Ranke; Gabrîêl dûtet alsô vil alse ein sterke gotis, wanne her warp die grôzen botschaft zu unser vrowen
dt. mystiker 1, 208, 33
Pfeiffer; wenn einer treffenlich botschafft zewerben gesandt wirdt: geburt im ordnung zeuben nach der zyt vnd statt Fr. Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) a 5
a; wyr mussen der schrifft gewonen, das angelus, wilchs wyr eyn engel heyssen, ist eygentlich szo viel gesagt, als eyn bote, nicht eyn boteleuffer, der brieffe tregt, szondern der gesand wirt mundlich tzu werben die bottschafft Luther 10, 1, 2, 166
W.; (
die alt kupplerin:) hOert, junge fraw, an euch ich han ein heymliche bottschafft zu werben: ein jung mann thut in lieb verderben, dem jr sein hertz gar habt besessen H. Sachs
fastnachtsp. 57, 165
ndr.; das jr die botschafft werben müst, dasselb ist vnuerborgen mir Spreng
Ilias (1610) 8
a; wir wrben unsre botschaft lieber erst. lasz uns das steh'nden fuszes hier vollbringen Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 142; werbt eure botschaft! die versammlung hier kann euch nicht stören, sind es doch die meinen! Uhland
ged. 118; was werbt ihr nun botschaft für könig Rothar? R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 189. I@E@1@bb)
ebenso etw. werben
etw. ausrichten, besorgen, erledigen; im mhd. und älteren nhd. häufig bezeugt: als ich an si gesende den lieben boten mîn, jô wurbe ichz gerne selbe, wær ez ir schade niet Kürenberc
in: minnes. frühl. 10, 13
Vogt-Kraus; item 2 scot eyner armen frauwen vom Elbinge, dy von unserm homeyster eynen bryef warb
Marienburger tresslerb. (1399—1409) 498
Joachim; so deser czeiger (
der vorzeiger, überbringer dieses briefes) daz an euch auch muntlichen werben wirt (1451)
lehns- u. besitzurk. Schlesiens (1881) 1, 414
Grünhagen-Markgraf; (
die meyd spricht:) er hat mich offt beten, ich solt euch von im einen grusz ansagen, nun hab ichs nie nicht dörffen wagen (
die fraw spricht:) ey, warumb hast dus nicht geworben? H. Sachs 17, 5
lit. ver.; Eliezar aber, Abrahams bottschafft, wolte weder essen noch trincken, bisz er seine sach geworben hette Mathesius
hochzeitpred. 58, 12
Loesche; secht! dorten kommt Waltwitt herein, ein gfangener heid drinn ausz der statt. den hört, was er zu werben hat! villeicht bringt er euch gute mer Jac. Ayrer
dramen 1443
Keller; der Wascha warff jm (
dem gesandten) fr, da sein herr etwas bey dem sultan zu werben hett, so gebhret es sich, dasz er ansehliche leut schicket Schweigger
reyszbeschr. (1619) 87; was man erlangen wil, musz man durch angeneme botschafter und unter verdecktem schein werben und auswirken Harsdörffer
gesprächsp. 4 (1644) 60;
auch mit dasz-
satz: sie schickten zu Neidharten aber einen herolt, der warbe, das er, wo er anderst verwilligt, zu dem bischof mit gleit in ein gesprach kumen solt
Wilwolt v. Schaumburg 165
lit. ver.; dazu das werben
das anliegen: 'einen weg vil verren bin ich da her gegangen. wOelt ez iuch nit belangen, ich sagte iu werdiu mære, was min werben wære'. — 'ich hOere ez gerne. nu sage an!' — 'herre, ich suoche einen man, den weiz ich wa ich in vinde ...' Ulrich v. Türheim
Rennewart 511
Alfr. Hübner (
v. 34418). I@E@1@cc)
frühnhd. werben nach jem. (
unter ersparung von botschaft) '
nach jem. schicken': nach ettlichen tagen eroffnet Wernherus im, us was ursachen er nach im geworben hette Oheim
Reichenauer chron. 13
lit. ver.; derhalben ain ersamer rat sampt der gmaind von Zürich nach im (
Zwingli) geworben, damit sy von im als ainem guoten hirten in die waid gottes worts gefuort ... werden Kessler
sabbata 90
hist. ver. St. Gallen; min frouw, lasz mich nit also sterben! thuo mir nach minem doctor werben, das er kOemme von stunden an, dann ich min hoffnung zuo jm han
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 29
Bächtold; als aber hernach dergleichen unruhen kain ufherens, ist er (
graf Zimbern) verursacht worden und hat nach einem schwarzkünstler im Turgew, genannt Jacob Holzer, geworben
Zimmer. chron. 24, 84
Barack. I@E@1@dd)
hierher wohl auch spätmhd. jem. werben '
jem. durch boten einladen (
zu einer wichtigen beratung u. dgl.)': auf den selben freytag kamen die krfursten gen Raynss an dem Reyn, do ein kng stul stet und do man ein kng erwelt, und do hin brden aller menleich geborben, di zu dem tag kumen waren (2.
h. 14.
jh.)
städtechron. 1, 51 (
Nürnberg); man sagt, der römisch kaiser, unser allergenedigster herr, der hab die obgenanten fürsten zusamen geworben von hertzog Ludwigs wegen von Bairn, den woll er straffen umb das übel und unrecht, das er begangen hat (
mitte 15.
jh.)
städtechron. 5, 237 (
Augsburg) (
vgl. auch ebda: die haben gesagt, wie dasz die von Augspurg mit in geredt und sie darzu auch geworben und bestelt haben);
in gerichtssprachlicher sonderanwendung: wer (
im gerichtslocale) sprechen wil, der sol die lewt heraus für die want werben und sol da sprach haben
qu. a. d. j. 1370
bei Schmeller
bayer. wb. 2, 982 (
vgl. auch: niemant sol reden, neur die daz recht sprechent innerthalb der vier went in dem rechthaus, und wer sprachen wil, der sol die leut herauz füeren für die want und werben, und sol da sprach haben [1340]
Münchener stadtr. 91
Auer [
art. 235]). I@E@22)
etw. ins werk setzen, ausführen, betreiben, ausüben, machen, tun (
vgl. dazu werber 1 b
α—
β und werbung 1 c
α);
im mhd. und älteren nhd. bezeugt: dirre werlde si entrinnendaz si ze helle iht brinnen, daz sol man weruenmit guoten werchen
genesis 110, 11
Diemer; Artûs warp ein hôchgezît Wolfram v. Eschenbach
Parzival 774, 13
Lachmann; sît ir hie werbet mînen tôt
ebda 606, 16; vor unsen herren meister und rate zuo Straspurg die sache zu werbende und tribende noch ires vorgenanten antwerkes nutz und notdurft (1400) Schmoller
Straszburger tucherzunft (1879) 18; also koment zuo ime (
dem papst) gein Avion der künig von Frangrich und der künig von Zipern und swuorent vor dem bobeste, dise merfart zuo tuonde und zuo werbende also verre sü möhtend (15.
jh., anf.)
städtechron. 9, 858 (
Straszburg); herr, ir wAerbend ein sach, die mit recht nitsin mag, dasz ein abt an zweien orten abt sigi (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. 1734) 1, 156; derselb, (der) das recht wurbt, der soll darzue bitten die geschwornen (17.
jh.)
österr. weist. 5, 223; etw. werben zu jem. '
bei jem. etw. durchzusetzen suchen': Artûs warp herzenlîche zer messenîe dise vart Wolfram v. Eschenbach
Parzival 651, 2
Lachmann (
vgl. dazu: Gynovêr diu kurteise warp zen frouwen dise stolzen reise
ebda 651, 6);
auch mit satz-objekt: doch wiste er och der Juden hass, das sú giengent uf das varend und werbent das Jhesus mste sterben schweizer Wernher
Marienleben 131
Päpke-Hübner (
v. 8081);
substantiviert: daz in der reise werbin solde sô vorterbin Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 20782
Strehlke. I@E@33)
als besonders geläufige verbindungen finden sich schaden werben; frommen, nutzen, bestes werben
u. dgl.: ine habe doch sît geworben des küneges schaden ... Wolfram v. Eschenbach
Parzival 616, 4
Lachmann; ir bestis zuo werbene unnd iren schadin zu warnende (1330)
hess. urk.-buch 2, 397
Wyss-Reimer; der obgen. Christel hat uns fur sich und seine erben mit seinem aid verhaizzen ... schaden zu wenden und frume ze werben an aller stat nach seinen vermigen (15. 9. 1382)
bei O. Stolz
d. deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 174; seinen schaden zu wehren und seinen frommen zu werben (1396)
weistümer 6, 81 (
vgl. auch ebda 6, 4; 6, 23
u. 6, 63); die pflegere söllent ... daran sin das desselben hofes und der guoten luote nutz darmitte geschaffet und geworben werde (15.
jh.)
Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 75
Brucker; aber das sie daneben auch geschworn, e. fl. gn. frumen zu werben und schaden zu wenden (1525)
chron. d. st. Bamberg 2, 80
Chroust; dann ich bezeug vnd schwOer frwar, das ich der Troianer schar wolfart vnd frummen nit will werben Spreng
Ilias (1610) 297
b; soll er director Spanheim unsers lieben sohns nutzen und frommen in alle weg und weisz ... suchen und werben (22. 2. 1657)
mon. germ. päd. 19, 76. IIII.
während die vorgenannten bedeutungen allmählich zurücktreten, wird im neueren dt. '
sich um etw. bemühen'
zur hauptbedeutung von werben. II@AA.
auch dies ist in mannigfacher anwendung nachweisbar. II@A@11) '
etw. zu erlangen suchen', '
streben nach etw.' (
vgl. dazu werber 1 c
β und werbung 2 a
α);
in verschiedener konstruktion, wobei das erstrebte durch präpositionen angeschlossen bzw. durch einen gliedsatz oder erweiterten infinitiv ausgedrückt werden kann. II@A@1@aa) werben um,
vom späten ahd. bis in die moderne zeit belegt (
älter ist bei gleicher raumanschauung werben bi: uuurbon sina thegana be sina lipleita [10.
jh.]
Christus u. d. Samariterin 6
in: kl. ahd. sprachdenkm. 89
Steinmeyer): mûsi ih ze gagenuuerti chomen dero, dîe mih zihent taz ih tarumbe uurbe. dîen uuolti ih antuuurten Notker 1, 31, 24
Piper; ... Hartmuot und Wate wurben vaste umb êre
Kudrun 1468, 4
Martin; würd ein krippel vnd krummer vnflat im spittal sterben, vnd werden die erben nit viel vmb das erb werben, noch schwartze rOeck darauff ausznemmen Fischart
groszm. 9
ndr.; ach weh! umb eitle lust verschertzt man gutt und blutt: und umb die ewige fast niemand werben thut! Silesius
cherub. wandersm. 84
ndr.; um deren geld kein wucherer noch warb Schiller 1, 234
G.: ich aber werb' fortan um rache nur und leg' das blut'ge schwert dir dann zu füssen Eichendorff
s. w. (1864) 4, 317; als er (
Marius) um den oberbefehl von Africa bei dem volke warb Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 161; und jedesmal dann zuckt umher im kreise ein fragen, das nur scheu um antwort wirbt: 'was sagt der arzt? wie steht es?' — leise, leise! zu ende geht's; der greise tiger stirbt Geibel
neue ged. (
121872) 187 (
tod d. Tiberius); ... als werbe baumgrün und gebirge, fluszrauschen und wolkenzug dringlich um erlösung und ewigen fortbestand in der seele des dichters H. Hesse
fabulierbuch (1935) 284;
substantiviert: zum ersten male trat (
um 1400,
durch Paris) dem hochmütig und selbstbewuszt nach auszen abgeschlossenen Byzantinertum, bei seinem bittern werben um hilfe, der glanz der ritterlichen abendländischen höfe in ihrer höchsten entfaltung in der kultur- und modestadt des ausgehenden mittelalters entgegen Julius Schlosser
präludien (1927) 74; die betrachtung lehrt besonders von der mitte des 14. jahrhunderts an ein ergreifendes, drängendes werben um die gestaltung des zwischengestaltlichen, selbst schon um die landschaft W. Pinder
kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 51.
insbesondere werben um freundschaft, liebe, gunst, huld
u. dgl.: umme das worin vil kunige unde andir groze herren di wurbin umme die vruntschaft Velgi und gobin ym rente
Marco Polo 11
Tscharner; (
beide) umb ir hulde worben Arigo
decamerone 111, 9
lit. ver.; nun war einer vnter den schiffleuten, welcher den ruhm vber die andern alle haben wolte, der vnterstunde sich mit der keyserin vmb bulschafft zu werben
buch d. liebe (1587) 6
c; nicht das treffliche mädchen als magd, die fremde, zu dingen, kam ich zum brunnen; ich kam, um deine liebe zu werben Göthe I 50, 263
W.; noch einmal möcht' ich vor dem sterben um frauenhuld beseligt werben Heine
w. 1, 420
Elster; von dieser zeit an wirbt der lust'ge rath um unsres jünglings neigung und vertrauen Uhland
ged. (1898) 1, 353; er (
Laszberg) wirbt förmlich (
bei Uhland) um gegenliebe Scherer
kl. schr. (1893) 1, 66; schmückte sie sich nicht tagtäglich noch wie eine angebetete braut, warb sie nicht mehr als in jungen jahren um die seltene gunst des spiegels? Ilg
brüder Moor (1912) 294; er warb auf eine gewisse täppische art unausgesetzt um Heinrichs zuneigung Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 60;
substantiviert: welche seelischen narben ... ihm (
dem helden) die loslösung von der kindheit ... das werben um liebe hinterlassen haben H. Hesse
glasperlenspiel (1952) 13.
seit dem 19.
jh. häufig um eine krone, einen kranz, einen preis, ein ziel werben: um aller kronen schönste darf ich werben, darf für mein volk und meinen glauben sterben
dt. museum (1812—13) 2, 520
Fr. Schlegel; lass't mich ... um diese krone werben Körner
w. 1, 122
Hempel; ... dasz christliche weisheit und tapferkeit den preis davon tragen werden, um den sie werben Schleiermacher
s. w. II 4 (1835) 168; und könig Ludwig lebt, als müszt' er werben um die er besitzt, die krone Platen
ges. w. (1839) 111 (
ode 15); der preis, um welchen Mirabeau sein ganzes leben hindurch vergeblich warb, fiel diesem manne auf einen schlag zu Dahlmann
franz. rev. (1845) 451; so lange ... militärische, politische, juristische capacitäten wetteifernd um die seltenen kränze warben Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 72; es ist, bei gott, kein eitles ziel, drum unsre schwerter werben R. A. Schröder
heilig vaterland (1914) 14;
auch um das hohe, das höchste, die höchsten güter der menschheit: in entsagung schwinden musz mein leben, in betrachtung meine zeit ersterben, so nur kann ich um das höchste werben A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 3 (1879) 22; wohl ist es ein rührender anblick, dies heroengeschlecht des idealismus, das inmitten der schmucklosen armseligkeit kleinfürstlicher residenzdörfer (
z. b. Weimar) um die höchsten güter der menschheit warb Treitschke
dt. gesch. (
61897) 1, 90; wer um das hohe sich mühend wirbt, wie ihm das frohe gemüth erstirbt! Gottschall
neue ged. (1858) 36. II@A@1@bb) werben nach,
mhd. bis 19.
jh.: die da werfent nach vnrehtem gewinne
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 40
Diemer; dô sah man über sätele fliezen daz bluot. sus wurben nâch den êren die riter küene unde guot
Nibelungenlied 203, 4
Bartsch-de Boor; ach gott, wie selig der mensch ist, der nach dir allein werbend ist Seuse
dt. schr. 195, 1
Bihlmeyer; wer nach gfahr stellet und wirbet, derselb endlich darinn verdirbet H. Sachs 19, 14
lit. ver.; Freymund, du sihest nun, dasz Anthonius vnd alle deine brder nach grossen ehren werben vnnd kne vnnd mannliche ritter seyn
buch d. liebe (1587) 272
c; darumb lebt wol, nach frOemmigkeit werbt, dasz jhr zuletzt nicht bOeszlich sterbt Eyering
proverb. (1601) 3, 161; nimm lexica und register zur hand, jage und werbe nach ähnlichen worten und redarten, mache ein gestöber von citationen und wortstellen Herder 3, 326
S.; nach ruhme sie werben A. v. Arnim
s. w. (1853) 8, 264; (
Otto:) des leuchtturms flamme seid dem irren schiffer ... er weisz, dort, wo das licht, ist land und rettung ... (
Erny:) tilg erst den schimmer dort aus deinem auge, der, lauernd, sich gelungner plane freut. wirbst du nach tugend und gehörst der sünde? Grillparzer
s. w. 6, 212
Sauer. II@A@1@cc) werben an, auf, zu etw. (
ahd. bis frühnhd.):
ostendam tibi breuiter cardinem summ felicitatis ih ougo dir. an uuiu die meistûn sâldâ sint, uuâr sie ana uuerbent Notker 1, 84, 12
Piper; nu vugetez sich in der zit, daz der erzebischof starb. genuger uf daz bischtum warb deme sin wille gar verdarb. der kunic von Engellande nach den pfaffen sande, mit den er ez wande, daz Thomas der gotes helt an daz amt wart erwelt
passional 54, 26
Köpke; unsir antwort uf das ir werbit, lieber meister Gotke, ...: daz dunket uns nicht gut noch nuocze (1395)
meklenb. urk.-buch 22, 469
ver. f. meklenburg. gesch. u. alterthumskde.; uncz sy al gesturben dy zu got nicht recht würben Havich der Kellner
sankt Stephans leben 35
McClean (
v. 2470). II@A@1@dd) werben
mit abhängigem nebensatz (
bzw. infinitiv);
mhd. und frühnhd.: der ie zallen stunden wiruet mit flîze (
darauf ausgeht), daz er mich beswîche
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 309
Diemer; des wart David zehant gewar: er warp ob im das tOehte das er entrinnen mOehte. do mohter komen niht von dan Rudolf v. Ems
weltchron. 24703
Ehrismann; nun ist ewer weiszheit guoter mas bericht, das
N. verschiner tag, wider gOetlich gesetz und alle eer, mich an leib und guot beschedigt, sich desselben und keiner widerwertigkeit gegen mir ersettigen noch benuogen lassen, sondern wirbt die tAeglich zuo meren mit heimlicher botschaft A. Hug
rhetorica u. formulare (1540) 41
a. II@A@1@ee)
vereinzelt in absoluter konstruktion, substantiviert; so im sprachgebrauch der mystiker, '
die bemühung, das streben': hie fúrbaz ist enkein ringen noh werben, wan daz begin und ende ... sind eins worden Seuse
dt. schr. 193
Bihlmeyer; und in neuerer dichtersprache: jugend heischt und hofft; verloren war mein dringen und mein werben! Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 286. II@A@22) (
jem.)
bitten (
um etw.);
vgl.werber 1 c
α und werbung 2 a
β. II@A@2@aa) '
um etw. bitten, etw. erbitten (
bei jem.)';
vom mhd. bis zum älteren nhd., vereinzelt auch noch später belegt, in verschiedener konstruktion. II@A@2@a@aα) werben um etw.: do Iosep begunde weruen umbe di herberge, do ne liez in niemen in Ava
leben Jesu 127
Piper; und werbet umbe spîse, die man haben sol
Kudrun 250, 1
Martin; um Warrabam hörstu uns werben
altdt. passionssp. a. Tirol 113
Wackernell; zun zeiten aber (
soll d. feldherr) vmb ein abzug werben (
aus d. belagerten stadt) Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, g 2
b; darumb solt er vorhin darumb (
um zulassung) geworben vnd angeklopfft haben Xylander
Plutarchus (1580) 249
b; dann wie man sagt, offt viel verdirbt, darumb man nit bitt oder wirbt Fischart
w. 2, 409
Hauffen (
vgl. aber u. 3c); da sprach der herr: jr wisset nicht, warumb jhr bitt vnd werbet Ringwaldt
evangelia (1581) b 6
b; merckt, ihr zeugen, dasz der erbe um bedenk-zeit gar nicht werbe, wil das erbe treten an, wann er soll und wann er kann Logau
sinnged. 165
lit. ver.; wobei der gebetene durch verschiedene präpositionen angeschlossen werden kann; (um etw.) werben an jem.: unde dorumbe sso liessen sie werben an lantgraven Frederichen eren herren umb frede unde umb tage, unde do wolde her on nye keyne antwort uff gethun, denn her wolde mit on krigen Joh. Rothe
düring. chron. 581
Liliencron; item auch sol ain oblai on des andern will und wort umb kain infang nicht werben an der herrschaft (16.
jh.)
österr. weist. 2, 221; ... do sonst der gantz gewesen bundt der protestierenden fürs best geachtet und entschlossen, an die rö
m. kay. mt. umb gnad und frid z werben ('
sich bei ihm darum bemühen') und gehorsame huldigung anzbieten, darmit ir, der protestierenden fürsten und stende, jämerliche gevolgte verderbung und verhörung verhtet wurde (16.
jh.)
städtechron. 32, 129 (
Augsburg); als nun knig Heinrichen anhang sich aber begund stAercken, warb abt Ulrich an ine umb hilff Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 3 (
vgl. auch: do wurbend si ylends an die eydgnossen ... umb mer hilff und einen zuschub
ebda 2, 422); bei jem.: es hat doctor Jonas mir angezeigt, wie er bey e.
f. g. geworben vnd gebeten vmb wildpret auff die hochzeit (1540) Luther
br. 9, 124
W.; er warb bey seinen freunden, den arabischen fürsten, um auserlesene und freywillige reuter und erhielt sie leicht Haller
Usong (1783) 68; gegen jem.: hat er ... gegen dem rOem. keyser vM einen friden werben lassen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 42
a. II@A@2@a@bβ) etw. werben: ich wille uor Constantine gan. in walleres wise. weruen mine spise
könig Rother 3662
Frings-Kuhnt; und wer mehr rechtens bedürftig, der mag esz wol werben (
Altheim, o. j.)
weistümer (1840) 6, 122; denn da jn (
Mohammed) gott zu sich rieff, fuhr er hinauff zu gott in den siebenden himel, und er warb vergebung fur einen engel, der tausentmal grösser war, weder die welt ist Luther 53, 302
W.; gieng ein hadersammler von Schwartzbach mit seiner fiedel vorbey, in willens auf einem dorff kirmesze brocken zu werben Chr. Schwann
Oberertzgebirge (1699) 57; der bettler wollt' ein almosen werben Rückert
ges. ged. 4 (1837) 240; aber die frau folgte dem manne nicht nur in die volksschlacht, sie war auch zuweilen friedestifterin zwischen entzweiten völkern, dann zog sie von dem sänger begleitet zu den feinden und warb versöhnung G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 88;
wobei der gebetene angeschlossen werden kann durch an: wie solich sach an dich wAere geworben
Fortunatus 98
ndr.; wo anderst die götter nachgeben, dasz jr, herr vatter, vor vns sterbt, so thun wir, was jr an vns werbt Ayrer
dramen 19
Keller; zu: werbet mir (
Anfortas) dâ z'in den tôt und lât sich enden mîne nôt Wolfram v. Eschenbach
Parzival 795, 9
Lachmann; um: dick er (
Anfortas) warb umb si den tôt der wære och schiere an im geschehn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 787, 4
Lachmann; von Francrîch des kunigs bet als lange er (
der papst) verzôch, unz im diu sêl enphlôch, und dô er gestarp, umb den næhsten bâbst manz warp, daz den gotes holden die phaffen erheben solden und in diu lant gemeine teilen sîn gebeine Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 19497
Seemüller; gegen: dô leiste der fürste Lyppaut al daz sîn hêrre der künec Schaut an tôdes legere gein im warp Wolfram v. Eschenbach
Parzival 345, 15
Lachmann; bei: wann jhrs dann bey jhm hett geworben, das er dem landsknecht hört die beicht? B. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern 42
Bolte; von;
schon mhd.: weruen uone gote ezzen in
quaerant a deo escam sibi Windberger psalmen 481
Graff (
ps. 103);
vereinzelt in neuerer dichtersprache: dort (
im urwald) will ich für meinen kummer finden den ersehnten schlummer; will vom schicksal kunde werben, dasz es mir mag anvertrauen in der wälder tiefem grauen, warum Polen muszte sterben Lenau
ged. (1857) 1, 170. II@A@2@a@gγ) werben
mit abhängigem satz (
bzw. infinitiv): er warp (
flehte zu gott), daz müese werden rât des trûrgen mannes herzesêr Wolfram v. Eschenbach
Parzival 795, 26
Lachmann; haben sy Goergen Trumeter furgeschickt an die port, der solt werben, dasz sy dasz closter mit lieb auftheten (1531) Knebel
chron. v. Kaisheim 442
lit. ver.; das sie wollen recht weisen vnd werben, das dem profossen auff seine schwere klage ... mOege antwort gegeben werden Reutter von Speir
kriegsordn. (1595) 63;
wobei der gebetene durch an
angeschlossen werden kann: wand dô in der vater starp, diu muoter flîziclichen warp an die süne beide, daz si ir herzenleide sich liezen riun und anden Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 4362
Seemüller; als Erharrt Ellend geschriben, desglich sin früntschaft ouch begert ht, an min herren zuo werben, inn zuo begnaden und ungestrft harin zuo lszen, haben sich min herren erkennt
dokum. z. gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 2, 207
Gagliardi; auch hat der konig dur(ch) seinen general ... an die Venediger werben vnnd pitten lassen, im hulff zuthun Ch. Scheurl
briefb. 2, 193
Soden-Knaake; ein knecht an den Neidlhart warb, er solt im geben's botenbrot
Teuerdank 193
G.; herr köng, als ich an dich thet werben, du soltest nicht eylen mit ir, da verschmacht es dir hoch von mir H. Sachs 11, 142
lit. ver.; wider dreyfaltig gepet eines gantzen erbern rath zu Vlm, welche ernstlich ... an meiner oberkeit werben liessen, mich zubehalten Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 2
ndr.; von denen sind etliche bottschafften zu dem Eumenes geschickt, an jhn zu werben, sich mit jnen zu vereinigen vnd mit jnen zu reisen Xylander
Plutarchus (1580) 233
b; er hat aber heimlich an den von Russegk geworben, dasz er die (
vogtei) uffgAebe und gab jm den flAecken Schwartzenberg, damit er sich verzige Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 38; Otto der dritte hatte ein unstät weib, die warb an einen grafen, dasz er mit ihr buhlen sollte br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 97. II@A@2@bb) '
sich bittend an jem. wenden'
; in dieser bedeutung vom mhd. bis ins ältere nhd., vereinzelt auch noch modern, belegt; in verschiedener konstruktion. werben an: die herren dûhte daz niht guot. die wurden des ze râte und wurben alsô drâte von Bêheim an den kunic Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 6307
Seemüller; das volck aber an Mose warb: hart versündigen wir uns tedten H. Sachs 6, 224
lit. ver.; der rat in der stat weyszheyt pflag und warben an den keyser zwar ein frid wardt angestossen Hans Guldenmund
d. kaiser i. roten bart, str. 4, 66 (
Zwick. facs. 10); die anderen mit schmach und schandt handt urfech über sich sälber gäben nach der eidtgnosischen willen zläben handt al an die dry länder gworben sindt alda eidtgnosen worden (16.
jh.)
in: anz. f. schweiz. gesch., n. f. 7, 442; warb er auch an die frAenckischen kOenig, machet friden mit jnen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 203
b; es sol niemant wider die nachpaurn oder dorfrecht werben an ain herrschaft (1744)
österr. weistümer 2, 205;
vereinzelt im mhd. werben an jem. durch etw. '
sich an jem. wenden wegen einer sache': durch daz er ungerne starbe, do dacht er aber und warbe an einen vrunt durch genesen, der was im dar nach gewesen der libeste alle sine tage
kl. mhd. erz. III (
cpg. 341) 59
Rosenhagen (75, 36). gegen: er sprach 'gein dir ich werben muoz: genc ze hove ...' Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 273, 6
Lachmann; Venus sein mutter schnell thet werben gegen den reichen gOettern allen. sie thet auch zuo den fssen fallen irem selbs vattern Jupitern Wickram
w. 8, 213
Bolte. zu: nach dem ehr also zuo den Lacedimoniern gleich wie zuo andern geworben, hatt sich eben derzeyt begeben das die Lacedimonier für sich selbs ein eignen krg frten wider die von Arges Boner
Herodot (1535) 18
a. bei: nach dem man lange zeit, vergeblich, bei ihm (
Leo X.) des consilii halben, geworben, und aber die monarchen und potentaten selber anfiengen eins zuo halten, was thet er? schencket sie alle dem teufel, verbannet sie ... Sleidanus
reden 115
lit. ver.; darum habe ich selbst für dich geworben bei den Vincentinerinnen in Breslau Halbe
jugend (1911) 32. II@A@2@cc)
substantiviert '
das bitten': nicht durch gewalt soll Oesterreich ertrotzen, was es durch freundlich werben nicht erhielt Schiller 14, 330
G.; oder '
flehen': als fr die schiff der Griechen kam der priester Chryses lobesam ... vnd aber nicht wolt haben statt sein bittlich werben vnd begern Spreng
Ilias (1610) 1
a; und so bitt ich heut mit heiligem werben: lasz mich, vater, nicht im frühling sterben O. Jerschke
in: mod. dichtercharaktere (1885) 164
Arent-Conradi-Henckell. II@A@33) (etw.) werben (
etw.) (
durch bemühung)
erwerben (
vgl.werber 1 d
und werbung 2 a
δ). II@A@3@aa)
durch (
gewerbsmäszige)
arbeit bzw. geschäfte II@A@3@a@aα)
gewinn erzielen (
ohne ausdrückliche nennung des objekts);
frühnhd. bis ins 18.
jh.: were aber der kauff odder zinse nicht auff getreyde gestifft, sondern auff heuser odder raum, da man mit der hand wirbt und gewynnet, kund man abermal nach dem gesetz Mosi solchen kauff meystern Luther 15, 322
W.; heüt und moren wOellenn wir in dise stad geen und daselbst ein jar bleibenn und wOellen werben und gewünnen L. Hätzer
d. prophet Meleachi (1526) C 2
a; die kargen sein also geflissen, das jr auch niemand kan geniessen; zu werben brauchens list vnd sinne, wie sie nur mögen gelt gewinnen Waldis
Esopus 1, 242
Kurz; der mann sol werben, das weib sparen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, 0 5
b; werbt, gewinnt durch geschAefttigkeit und tugend J. A. Cramer
s. ged. (1781) 2, 231. II@A@3@a@bβ)
etw. gewinnen; frühnhd. bis ins 19.
jh., in speziellerer bedeutung sogar bis ins 20.
jh.: denn sie (
die menschen) werben geld vnd sind geulissen drauff, vnd ist doch als vergeblich
Baruch 3, 18; was aber der kauffman werben und gewinnen wird, wo fride wendet, das wil ich jhm als denn sein register (
hauptbuch) sagen lassen Luther 30, 2, 578
W.; wir haben ja nun all sein geld. ... er dacht vielleicht noch mehr zu werben, das er so vngern wolte sterben B. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern 55
Bolte; sie (
die armen) jr leben nit dörffen stellen in fahr, zu werben zeitlich gut Waldis
Esopus 1, 225
Kurz; denn viel verthun vnd wenig werben ist ein guter weg zum verderben Rollenhagen
froschmeuseler (1595) G 3
a; der erworben pfennig ist besser denn den man erst werben wil Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, N 6
a; das gelt durch manche wunderliche offt vnrechte griflein zuwerben Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 258; besser ein glden, den man werbet denn zehen, die man erbet
ebda 2, K 5
a; wo sie bei daurendem frohne das brot kaum warben mit taglohn Voss
s. ged. (1802) 2, 80; werben
durch bemühung, arbeit sich verschaffen Campe 5 (1811) 681;
so auch in der landwirtschaft '
durch arbeit etwas gewinnen, ernten': werben
durch bemühung, durch arbeit bekommen, wie gewinnen; nur noch in der gemeinen sprechart mancher gegenden; viel heu werben
einärnten, gewinnen Adelung 5 (1786) 173; das korn steht dünn und ist mühsam zu werben E.
M. Arndt
reise durch Schweden (1806) 1, 181; an allen west- und südwestküsten der insel wird seegras geworben. man zieht die gebinde mit harken an land und breitet sie zum trocknen aus Rudolph
Rügen (1953) 218;
auch sonst in der wirtschaft von der gewinnung eines naturprodukts: läszt man steine zu gewerblichen zwecken werben, dann schliesze man alle irgend bemerkenswerten blöcke von der gewinnung aus H. v. Salisch
forstästhetik (
21902) 281. II@A@3@a@gγ)
gewinn einbringen, vom zinstragenden gelde (
bzw. vermögen)
gesagt; diese bedeutung findet sich schon mhd. und ist in bestimmten wendungen bis in die moderne zeit vorhanden: uber das, ym handell muszt offt seyn gelt still ligen der wahr odder seynes leybs halben, das ym kauff an unterlasz geht und wirbt Luther 6, 54
W.; occupare pecuniam alicui, uel apud aliquem foenore gAelt auff wucher gAeben, sein gAelt lassen wAerben vnd gwünnen oder nutz schaffen Frisius
dict. (1556) 905
a;
pecunia otiosa geld, das weder wirbt noch wuchert, das einer im kasten hat Corvinus
fons lat. (1646) 638;
dazu werbendes gut, werbende barschaft, werbendes vermögen
u. dgl.: swer werbende gut hat in der stat, daz da koufet und verkoufit, he si pfaffe, munich oder nunne, der sal iz verschozzen (
um 1300)
Freiberger stadtr. 53
Ermisch; ich schwere, das ich alle meine habe und gutere, ligende und farende ... dan silberne geschirre, guldene keten, kleinod, kleider und nicht werbende barschaft treulich versteueren und verschatzen will
eid z. Türkensteuer i. Leipzig (1542); so ist es auch nicht unbillig, dasz die werbende bahrschaft mit etwas belegt werde (1568)
ständeakten Joachims II. 2, 546
Friedensburg; werbende haupt-stAemme
pecunia foenebris, s. zins Hayme
jurist. lex. (1738) 1329; nutzungen sind die jährlichen einkünfte von liegenden gründen oder von werbenden geldern, die ihre zinsen tragen Gottsched
beob. (1758) 214; überhaupt aber jedermann ..., so werbung und handthierung ... treibt, ... sein handelsgeld, zins und alles sein werbend gut und vermögen versteuern soll Rabener
s. schr. 2 (1777) 314; werben
im umlaufe, oder vielmehr im gewerbe seyn, circuliren; eine seltene bedeutung, welche mir nur in einigen chursächsischen verordnungen vorgekommen ist; von seinem in hiesigen landen gelegenen oder werbenden vermögen; die von werbenden baren mitteln fällige zinsen Adelung 5 (1786) 173; werben
so viel als erwerben, erlangen, gewinnen; daher werbende kapitalien
oder werbendes vermögen,
welches einen ertrag oder zinsen abwirft Krünitz
oec. encycl. 238 (1856) 413; den 223, 9 millionen mark zinsen der staatsschuld steht nach dem etatsentwurfe für 1899 ein reinertrag des werbenden staatsvermögens (domänen, forsten, bergwerke und eisenbahnen) von 598, 7 millionen mark gegenüber v. Miquel; ... nichts interessanteres ... als zu beobachten, ... wie ... überall, wo ... auf seiten des arbeiters ... ein eigenbesitz von werbendem geldkapital vorhanden war, die ... zunft durch taxordnungen ... dem einzelnen verleger zu hilfe kam Doren
Florentiner wollentuchindustrie (1901) 455; den gesamten verbindlichkeiten von 0, 52 millionen dm stehen nämlich allein 4, 86 bankguthaben gegenüber, die vermutlich zur baldigen umwandlung in werbendes vermögen bestimmt sind
Frankfurter allg. zeitg. 154 (1956) 8;
ferner werbende tage, werbende kraft, werbende zwecke: schätzt doch ein erfahrener beurteiler um das jahr 1438 den legitimen gewinn kaufmännischen kapitals auf jährlich 430 bis 450 % bei hundert werbenden tagen Lamprecht
dt. gesch. 5, 1 (
51921) 73; es (
das kanonische recht) hatte weiterhin den gebrauchswert der güter allein anerkannt, nicht auch ihre werbende kraft
ebda 98; im wege des kredits dürfen geldmittel ... in der regel nur für ausgaben zu werbenden zwecken beschafft werden
qu. a. d. j. 1935. II@A@3@bb)
allgemeiner. II@A@3@b@aα) '
etw. durch bemühung(
en allgemeinerer art)
gewinnen'
; vom mhd. bis in die moderne zeit belegt: swâ der nâch vremden êren strebet, die herte sint ze werben, des gwerft sol wol verderben Stricker
kl. ged. 8
Hahn (3, 179); was wer das vor ein eh, so einn mittell personn sich must tzwuschen der eh stellen und dy braut bei irem breutigam ettwasz werben und erlangen? Luther 10, 3, 357
W.; kOendt jhr nit an die hundstag dencken, da sie die beltz für dlAeden hencken, da jhr mszt, wann jhr nit wolt sterben, abspringen, euch narung zuowerben Fischart
flöhhatz 38
ndr. (
v. 1308); und wir wollen traurig seyn, wenn uns unsre kinder sterben, die für dieser erden pein doch den himmel erben, und der auszerwehlten stand, gottes hand, durch den glauben werben? Simon Dach 295
Ö.; zum todten wuchrer unterm stein, von eigner frevelhand gefallen, wohl hat ihm gold ein ehrlich grab geworben an der friedhofsmauer A. v. Droste-Hülshoff
ges. w. 2 (1885) 389; in die tiefe tauche kühn, ewige jugend zu werben, wo die bäume des lebens blühn und die augen wie sterne glühn, droben bei dir ist sterben! G. Keller
ges. w. 9 (1889) 21; und lieber wünschte ich, mein kind verstürbe, als es mit solchem handel ehren würbe Burte
herzog Utz (1913) 71; vierundzwanzigsten dezember habe ich eben da oben schreiben wollen! so ist mir, ganz so. ich musz nun weiter nicht worte werben und bilder für das, was ich ihnen gleich sagen wollte (24. 1. 1901) R.
M. Rilke
br. 1899
bis 1902 (1931) 94
insel. hier ist wohl die alliterierende verbindung der älteren nd. gerichtssprache winnen und werben '
sich bemühen, etwas zu erlangen, ansuchen (
bei der obrigkeit),
um irgend ein recht zu erlangen' (Schiller-Lübben 5, 693)
anzuschlieszen (
vgl. dazu rechtsalterth. 1 [1828] 12,
wo die formel schon für 1322
verzeichnet ist): wanner ... sie sich veranderen, bestaiden off dat guth overgeven, moiten sie an den schultheisz wynnen und werven (16.
jh.)
weistümer (1840) 3, 52; item wanne ein man offte fraw mit dem hoffs scholtz gewonnen oder geworuen hebben, so sollen sie kommen by den hoffs richter in beywesen dess hoffs sch. ... und leggen oem drey alby in seinen hoit (16.
jh.)
ebda. noch in neuerer ma. gebucht: winnen un warven
gewinnen und erwerben Schütze
holst. id. 4 (1806) 364;
vgl. auch Mensing
schlesw.-holst. 5, 661. II@A@3@b@bβ) '
etw. gewinnen, bekommen, erhalten'
schlechthin; mhd. bis 19.
jh.: er wurbe lieb oder leit Wolfram v. Eschenbach
Parzival 625, 8
Lachmann; nu wil er werben niwen pîn
ebda 733, 24; also ist auch mit den jungfrawen dieselben auff jhr buolen schawen. dann sie besorgt wann die ersehen das sie viel juckt vnd greifft nach flOehen, so schewen die sie an zuosprechen auff das sie nit flOeh werben mOechten Fischart
flöhhatz 49
ndr.; in dem das mancher reicher stirbt ein andrer seine gter wirbt vnd kompt in einen vollen rath den er doch nicht gezeuget hat Ringwalt
christl. warn. (1590) L 2
a; man sagt: gibt gott ein kind, so gibt er auch ein rind. Veit gieng und kaufft ein rind; da warb sein weib ein kind Logau
sinnged. 214
lit. ver.; wenn das scheiden ist ein sterben, sage, wo das leben ist? denn um abschied nur zu werben, reicht des armen lebens frist Rückert
ges. ged. 5 (1838) 289; weh' eltern! denen kindes glänzend fehlen weit lieber ist, als einfalt sonder schein, ihr warbt euch das gericht A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 3 (1879) 75. II@A@3@cc)
in sprichwörtlichen wendungen; vom mhd. bis in die moderne mundart: wan vil verdirbet des man niht enwirbet Walther v.
d. Vogelweide 106, 16
Lachmann-Kraus; s. auch: liederb. d. Hätzlerin 135
Haltaus; H. Sachs
fastnachtsp. 61, 72
ndr.; Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 139
b;
schöne weise klugreden (1548) 6
b; Joh. Nas
eins vnd hundert 2 (1570) C 3
a; Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. (1577) ii
a N 47; Eyering
proverb. (1601) 1, 333; Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 1, K 8
b; Lehman
floril. polit. (1662) 1, 74; Kern
sprichw. (1718) 44; Rother
schl. sprichw. 328
a. II@BB.
als besonders geläufige anwendungen finden sich II@B@11) '
sich um eine frau bemühen'
; insbesondere auch '
eine frau zur ehe begehren, um sie anhalten, freien' (
vgl.werber 2 a
und werbung 2 b
α). II@B@1@aa)
absolut gebraucht; seit der mhd. zeit bis in die moderne sprache belegt: Alexander warb mit sinnen und hiez ime gewinnen Darien tohter pfaffe Lamprecht
Alexander 256
Kinzel; dur daz sô suoche ich, frouwe, iuwern rât, daz ir mich ebene werben lêret. wirbe ich nidere, wirbe ich hôhe, ich bin versêret Walther v.
d. Vogelweide 46, 38
Lachmann-Kraus; seine ehrkleinoten vnd geschmeide, die er (
Abraham) seinem gesandten mit gibt, der seinem son werben vnd freyen solle Mathesius
Sarepta (1571) 48
b; es sie verhOenete, dass ein prinz ... ihr eines andern liebe ... anbringen und in der zeit fr einen andern werben solte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 190; jedoch, bevor der himmel sich erbeut, ist schon die braut mit samt der heyrat fertig. er selber wählt; er selber wirbt und rennet; geld ist der trieb; geld ist der himmel hier Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 156; diesen (
den freiern) entdeckte vielleicht die stimme der götter jenes (
des Odysseus) traurigen tod, da sie nicht werben wie recht ist Voss
Odyssee 252, 90
Bernays; er (
der reiter) wirbet nicht lange, er zeiget nicht gold, im sturm erringt er den minnesold Schiller 11, 212
G.; werbe keck und fordre laut, und man wird sich dir bequemen, und du führest heim die braut Heine
w. 2, 186
Elster; der Paderborner wildling aber, hat erziehung und zucht nichts an ihm gethan, wirbt wie ein derbes naturkind mit allem ungestüm seines heftigen bluts A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 357; und wär' ich (
könig Hakon, der um Ingeborg werben will) alt zum sterben, auch ruhm und narben werben und werben gut wie jugendschein Fontane
ges. w. (1905) II 1, 89.
substantiviert das werben: do gedaht ûf hôhe minne daz Siglinde kint. ez was ir aller (
der andern werber um Kriemhilt) werben wider in ein wint. er mohte wol verdienen schœner frouwen lîp. sît wart diu edele Kriemhilt des küenen Sîvrides wîp
Nibelungenlied 47, 2
Bartsch-de Boor; (
warf) auff sie (
die buhler) alt häfn, kachel und scherben und trieb sie ab mit irem werben H. Sachs 9, 373
lit. ver.; weil ... got ... euch mir geben vnd wie Adam Eua ohn all mein gedancken vnnd werben zu gefrt hat ... so hab ich doch befunden, ... dasz es gots werck war Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1,
vorr. 1; sein haar gestrickt und eingeschniert mit einer zarten hauben da, ... macht jhm bey schOenen frawen gunst mein werben das ist gar vmbsunst Spreng
Äneis (1610) 67
b; er (
Wilhelm) antwortete mit verstellter ruhe: weisz ich doch nicht einmal, ob sie (
Lydie) frei ist, und da ich überhaupt im werben nicht glücklich zu sein scheine, so möchte ich einen solchen versuch nicht machen Göthe I 23, 238
W.; ach! die heilige selbst, sie widerstand nicht dem werben, und der verwegene hielt fest sie im arme bestrickt
ebda I 2, 135; ich geb' ihm auf sein werben meine tochter zum weibe E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 187
Gr.; nähert sich Hartmut der gefangenen Gudrun nur mit zartem werben ... Scherer
lit. gesch. (
11883) 140; findet sein (
des freiers) werben gehör, so nehmen die verwandten des mädchens dieses in das haus seines liebsten Ratzel
völkerk. (1885) 2, 276; wo sind die perlen süsse zähren wo sind die rosen üppiger pfühl? das spiel von werben und gewähren? der prunk ward welk der duft ward schwül Stefan George
stern d. bundes (
21914) 73; der werbende '
der freier': gleich würde der sänger Hans Sachs seine schwermütige rolle wieder aufnehmen, dort, wo er als werbender nicht mehr in betracht kam, neben dem sieghaften tenor des jungen Stolzing A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 54.
vereinzelt auch metaphorisch: als dann vnnd also wirt das (
wort) fleisch in vns vnnd gottes kind empfangen, das ist, so vnser seel dem werbenden gott in vnserm hertzen bewilligt Seb. Franck
chron., zeitb. u. gesch. (1536) 7
b; auf der einen seite erwachte (
in der spätantike) der alte Orient, drang werbend vor in das herz des Hellenismus, wo aus der vermählung mit ihm der byzantinische stil hervorging Dehio
gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 23
f. II@B@1@bb)
mit präpositionalobjekt. II@B@1@b@aα)
angeschlossen durch um. II@B@1@b@a@aaαα) werben um jem.;
häufig belegt vom mhd. bis in die moderne zeit: als warb ein schœne ritterumb eine frouwen guot Kürenberc
in: minnes. frühl. 3010, 20
Kraus; umb sölcher liebe willen, die der junge zuo ir het, sie an iren vater zuo einem weybe begeret und umb sie werben liesse Arigo
decamerone 321
Keller; vor essens auf den abend liess
m. Ambrosius Berndt offentlich werben um seine des doctors mühme Magdalene Anton Lauterbach
bei Luther
tischr. 4, 134
W.; ein verzagt hertz wirbt vmb kein schOen weib Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 10
a; dieweil er vmb mich (
Dido) werben thet Spreng
Äneis (1610) 70
a; Astinabes der glckseligen inseln kOenig wirbt um Olorenen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 84; bedencke, ungetreue, dasz dein mann, da er um dich warb, dich aus der sclaverey befreyte Hippel
über d. ehe (1774) 72; möget ihr euch so immer nach ihr sehnen, als bisher, da ihr um sie warbt! Göthe I 8, 46
W.; ich weisz nicht, ob es ein compliment für eine dame ist, wenn jemand, ohne sie gesehen zu haben, um sie wirbt L. v. Gall
bei L. Schücking
br. 1
Muschler; wo ist der mann, der um Siebenschön werben kann? einen prinzen nur will ich haben! o käm er! A. Miegel
ges. ged. (1927) 67; es war ja, als ob durch die jugend des sohnes (
von Goethe,) verjüngt in ihm, der vater selbst um sie (
Ottilie) würbe Th. Mann
Lotte (1946) 178; der junge herzog Georg ... sollte die polnische königstochter Hedwiga heimführen nachdem bereits eine stattliche bayerische gesandtschaft am königlich polnischen hof um sie geworben hatte Carossa
gesch. e. jugend 557
insel. gelegentlich auch von frauen gesagt '
sich um einen mann bemühen': dô diu vrowe von Nârisôn ir nôt überwant von gehülfiger hant, do begunder urloubes gern. desn wolte sî in niht gewern: wan an im stuont al ir muot. si bedûhte des, er wære guot ze herren in ir lande: und endûhtez sî niht schande, sî hete geworben umb in. und mich entriege mîn sin, swie ez doch deheiniu tuo, dâ hœret grœzer wîsheit zuo dazs umbe den wurben von deme sî niht verdurben, dan sî sich den liezen erwerben von deme sî müesen verderben Hartmann v. Aue
Iwein 120
Benecke-Lachmann (
v. 3811
u. 3815); alle frawen vmb in werben söllen Arigo
decamerone 402
lit. ver.; zwar wirbt sie tAeglich um mich, doch ihre knste sind unschuld, ein freundlichs aug' und ein freundliches herz Giseke
poet. w. (1767) 169
Gärtner; (
Helena:) ... pfui, Demetrius! dein unglimpf würdigt mein geschlecht herab. um liebe kämpft ein mann wohl mit den waffen. wir sind um euch zu werben nicht geschaffen (...
fie, Demetrius! your wrongs do set a scandal to my sex: we cannot fight for love, as men may do; we should be woo'd, and were not made to woo)
Shakespeare (1797) 1, 205; nun, da er (
Lohmann) leer war, warb sie (
frau Breetpoot) um ihn H. Mann
d. blaue engel (1948) 242.
übertragen: die freiheit schläft im wüstenzelt und glänzt im sternenschein; doch muss man um sie werben, wo's immer sei Herwegh
ged. e. lebendigen (1841) 21; wer um sie (
Brunhilde) wirbt, der wirbt zugleich um seinen tod, denn führt er sie nicht heim, so kehrt er gar nicht wieder heim Hebbel
w. 4, 16
W.; mit welcher wärme, wie begeistert und schwungvoll schildert Dante die braut, mit der Franciscus sich vermählt, die armuth, die verachtete geliebte, um die elfhundert jahre niemand geworben Döllinger
akadem. vortr. (1888) 1, 96. II@B@1@b@a@bbββ)
als besondere wendungen finden sich um jemandes hand werben
um jemandes hand anhalten: sie fordert ein edikt von ihrem vater, dasz jedem prinzen königlichen stamms vergönnt seyn soll, um ihre hand zu werben Schiller 13, 351
G.; schwestern, rathet mir! man wirbt um meine hand Göthe I 16, 231
W.; (
gräfin Capulet:) mit einem wort: der junge Paris wirbt um deine hand (
the valiant Paris seeks you for his love)
Shakespeare (1797) 1, 28; es steht ... zu ändern, denn ein held, reich, mächtig, rühmlich, wirbt um deine hand Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 14; der könig Frankreichs wirbt um deine hand Grabbe
s. w. 2, 430
Bl.; auch dir soll ich schmerzen bereiten ..., dir, Agnes, der ich ihre jugend gestohlen, als ich mich verleiten liesz, um deine hand zu werben? Holtei
erz. schr. 2 (1861) 249; ich will ... für euch um die hand der jungen witwe werben Laube
ges. schr. 4 (1876) 68; mein herz, voll treue bis zum sterben, ... darf so um deine hand ich werben? R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 1, 274;
auch: für diese wirbt der abgesandte Kastiliens bei könig Alphons feierlich um seines sohnes hand Börne
ges. schr. (1829) 1, 110;
und um jem. herz werben '
sich um jem. liebe bemühen': wer sich eines frauenherzens dauernd versichern will, der musz immer neu darum werben Fontane
ges. w. (1905) I 4, 414; selbst wenn ich töricht und unedel genug gewesen wäre, meinem verlangen zu folgen und ohne rücksicht auf ihren mann, der mein freund war, um ihr herz zu werben, ich hätte unter den blicken dieser leidenden, zarten, eigensinnig in ihrem schmerz verbissenen frau mich schämen müssen, ihr anders als mit mitleid und vorsichtiger schonung entgegen zu kommen H. Hesse
Gertrud (1910) 274. II@B@1@b@bβ)
durch andere präpositionen; so vom mhd. bis ins ältere nhd.; werben nach jem.: wie kung Etzil nâch Kriemhilden warp
Nibelungenlied 1083
überschr. (J) bei Lübben
wb. 193
b; also wanne yme (
der turteltaube) sin gegate stirbet, das ess nach keime anderen wirbet sundern vort alleine blibet Rothe
lob d. keuschh. 47
H. Neumann (
v. 1629); darum schickte hertzog Przemislaff an hertzog Barnim und lies nach ir werben, das er sie mochte zur ehe bekhomen Kantzow
chron. v. Pommern (letzte bearb.) 163
Gaebel; syt das der adel ist verdorben, hondt sy nach burgers tOechtern geworben Murner
narrenbeschw. 257, 20
Spanier; vnd als ... Maximilian ledig ward, het er ein weg vn zuogang zuo werben nach dem frewlin von Britānien Seb. Münster
cosm. (1550) 165; gedacht der künig Henricus viii. sein ehelich gemahel ... zuo Aendern, sintemal er sie bisz inn die zwaintzig jar gehabt, vnd nach ainer andern Anna warb Joh. Nas
eins vnd hundert 2 (1570) G 1
b; ich dennoch wil in deinem dienst ersterben nach frembder lieb nit werben Forster
fr. teutsche liedl. 15
ndr.; also erhert sie unser liebe fraw, das konig Andreas von Unger nach ir warb
Zimmer. chron. 21, 191
Barack; nun wolt hertzog Rudolf ... nach herrn Barnabas ... tochter ... ze eegemachel werben Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 460; so ein herr sein tochter vermAechlen wolt, luod er alle die zugast, die nach iren wurben Stumpf
Schweizer chron. (1606) 148
a; an jem.: hievon begonden in vil scharf ir pfile enbinnen (!) seren. der wile wart in keren nach ir ein teil zu wite, das er in rechter zite an sie gedachte werben ouch. alsus quam der sünden rouch und wolde in vollen machen swach
passional 284, 47
Köpke; gegen jem.: dô muoste ich werben baz dann ê gein der vil klâren lôsen alze lange ein teil Wenzel v. Behein
in: dt. liederdichter d. 13. jhs. 584
Kraus. II@B@1@cc)
mit akk.-obj., belegt vom mhd. bis ins 19.
jh.: ob wir werben wellen die hêrlîchen meit
Nibelungenlied 54, 4
Bartsch - de Boor; mit den legaten ... so jhme das polnische frAewlein wrben Micraelius
Pommerland (1640) 2, 515 (6.
buch); der kOenig bemhet sich hOeflich, die Aelteste (
tochter) einem sehr vornemen Castilianer zu werben und zu erwerben Harsdörffer
gesprächsp. 6 (1646) 307; die schönste maid, die du ersiehst, all säuberlich und nett, vom fusz zu haupt, von haupt zu fusz, die wirb mir für mein bett! Bürger
s. w. 86
b Bohtz; denn bescheidenheit ist fein, wenn das mädchen blüht, sie will zart geworben sein, die den rohen flieht Göthe I 6, 24
W.; denn ich habe das mädchen als meine braut nicht geworben, sondern sie glaubt, als magd in das haus zu gehn
ebda I 50, 258; sie (
die freude) ist ein weib, sie bietet sich nicht an, sie will gesucht, sie will geworben sein Platen
ges. w. (1839) 170; aber für die tochter kämpfen noch dieselben helden, welche die mutter werben und erringen halfen Scherer
lit.-gesch. 7132;
vereinzelt auch mit umkehrung der geschlechter: (
Käthchen:) ich? ihr hohen herren! wessen (
braut)? (
kaiser:) dessen, den dir der cherub geworben H. v. Kleist
w. 2, 311
E. Schmidt; im bilde: für meine gedichte ... bitte mir einige liebhaber zu werben (
juli 1785) Schubart
br. bei Strausz
w. 9, 145. II@B@22)
sich bemühen, bewerben (
um ein amt, eine bezahlte stelle);
vgl.werber 2 b.
in dieser bedeutung vom spätmhd. bis ins 19.
jh. belegt. II@B@2@aa) um etw. werben: die zwen werben umb den solt hie (
wollen als söldner eintreten) (1444)
städtechron. 2, 87 (
Nürnberg); darumb, wenn du sehest, das am henger, bOettel, richter, herrn oder fursten mangellt und du dich geschickt fundest, solltistu dich datzu erbieten und darumb werben Luther 1, 255
W.; vnser cster ist gestorben, han auch jhr viel darumb geworben, ist jn doch allen abgschlagen B. Krüger
aktion v. d. anf. u. ende d. welt (1580) H 4
a; derhalben damit er jn im lande behielt, macht er (
könig Matthias) ihn (
den mönch Gabriel von Veron) zum bischoff zu Agria ... vnd vbergieng vieler frsten kinder, die darumb warben Rätel
Curäi chron. d. herzogth. Schl. (1607) 193; umb eine und andere gewisse vacirende stelle oftmahls per casus obliquos werben, sich selbst obtrudiren oder einbetteln ... das kan nimmermehr justificiret und gelobet werden J. A. Quensted
ethica pastoralis (1678) 163; der jngling um das ampt warb Eschenburg
beispielslg. z. theorie (1788) 1, 40; ich glaubte um einen posten bei der öffentlichen bibliothek in Kassel werben zu können Jacob Grimm
kl. schr. (1864) 1, 9; wenn der gröszte mann des zeitalters, ... um das consulat werbend, ein patricier wäre Niebuhr
röm. gesch. 2 (1812) 343; nun hast du sogar das amt erhalten, um welches so viele geworben haben Stifter
s. w. (1901) 3, 273; vielleicht wirbt noch ein jüngerer sohn des hauses um eine fähnrichstelle in des kaisers heer G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 9;
substantiviert: das vneerlich werben oder nachin lauffen vmb eeren oder sunst Aempter
ambitus Maaler
teutsch spraach (1561) 489; in der biographie ist alles gegeben, ausser der art des werbens um das konsulat Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 428. II@B@2@bb) nach etw. werben:
candidati ... die nach Aempteren stellend oder sunst nach einem stand werbend Frisius
dict. (1556) 180
a;
spirare tribunatum nach dem zunfftmeisterampt stellen oder wAerben, vnderston zunfftmeister zewerden
ebda 1234. II@B@2@cc) werben, etw. zu werden:
candidatus tribunitius der bittet oder nahin wirbt zunfftmeister zewerden Frisius
dict. (1556) 1328
b. II@B@33)
jem. für eine funktion gewinnen. II@B@3@aa)
für eine arbeit, eine tätigkeit anwerben (
vgl.werber 2 c
α und werbung 2 b
β αα). II@B@3@a@aα) jem. werben
findet sich in dieser verwendung bereits im spätmhd. belegt, häufiger dann erst wieder im jüngeren nhd.: darumb haben wir dein knecht geworben
altdt. passionssp. a. Tirol 158
Wackernell; wir wellen auch, wer ... ainem sein knecht oder sein dirn aus seinem prot in das sein wirbt oder nimbt, das der werber oder der nemer des gegen dem gericht soll unentgolten sein (15.
jh.)
österr. weistümer 1, 326; und wenn ein richtär ehafte teiding berueft, so sol er di vorsprechn selbs werbn (
Essenbach, o. j.)
weistümer (1840) 6, 118; von oktober bis mai arbeiten zwanzig- ... tausend leute in der Campagna, welche ... aus dem auslande geworben werden Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 172; der herrschaftliche förster Frelikowski lief herum und warb bereits treiber C. Viebig
d. schlafende heer (1930) 93; in Berlin wollte er geeignete mitarbeiter werben E. Mühsam
namen u. menschen (1949) 100.
substantiviert: die finstere gestalt Butler's, das werben der mörder, ist in einer lange und stark anregenden steigerung dem zuschauer in die seele gedrückt G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 70.
übertragen: was hat die liebe nicht vor dichter schon geworben Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 118; jem. werben zu
oder als etw. '
jem. zum helfer (
u. dgl.)
zu gewinnen suchen': und ich folgt' ihm so gern, als nun er zur magd mich geworben Göthe I 50, 261
W.; diese politische erwägung veranlasse mich, ihnen als der gegenwärtig stärksten partei entgegen zu kommen, indem ich ihren führer zum collegen zu werben suchte, ob für die finanzen oder das innere, sei mir gleichgültig Bismarck
ged. u. erinn. 2, 210
volksausg.; die bemühungen ... (
von) Lothar Bucher, Karl Marx zum mitarbeiter am 'staatsanzeiger' zu werben Bebel
a. meinem leben (1946) 3, 11; der muszte sich an die mächtigen im gottesreich wenden, an die apostel, die mutter des herrn oder an die heiligen ... diese hatte er als seine fürbitter zu werben G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 235; jem. werben zu
bzw. für etw. '
jem. für ein aufgabengebiet, eine unternehmung gewinnen': ja Christ hat uns zu seinem dienst geworben Tieck
schr. (1828) 2, 16; immer wieder sandte sie (
d. römische kirche) ihre bekehrer zu den halben Christen wie zu den heiden; wo das apostelamt nicht half, warb sie die fränkische axt zum volkskriege G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 231; jetzt soll er mit Karl, den er für die wirthschaft des freiherrn geworben, auf dem neuen gut eine bessere ordnung einrichten
ebda 5 (1887) 4; für diese gesandtschaft warb mich Maximinus durch bitten zum begleiter
ebda 17 (1888) 146;
hierher auch: und ðie im thal verderben in trüber sorgen haft, er möcht' sie alle werben zu dieser wanderschaft Eichendorff
s. w. (1864) 1, 236; ein aus der mitte der bursche erwählter platzmeister regelt und ordnet den tanz, wirbt tänzer zu extratouren Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 155. II@B@3@a@bβ) werben
ohne obj. (18.
u. 19.
jh.): ich aber bin nach Rom gereist, um ein ächter Deutscher zu werden, und wenn ich könnte, würde ich eine neue irruption germanischer völker in dies land, zumal nach Rom veranlassen. die Italiener sollten mir dienen, und in Rom wollte ich insonderheit werben (27. 12. 1788) Herder in:
schr. d. Goetheges. 5 (1890) 119; für korrespondenzen werde ich sorgen. hier denke ich O. und Cybulski dafür zu engagieren und in Halle ... soll auch geworben werden (14. 12. 1847) Emma Herwegh in:
br. v. u. a. Herwegh (1896) 67. II@B@3@bb)
insbesondere im militärischen bereich. hierher vielleicht schon: darnach het der purkgraf Fridreich von Nürmberg ein krieg mit der stat von Rotenburg. si teten grosz schäden ze paider seit an ainander mit prant ... do der purkgraf sach, daz die von Rotenburg ie nit anders wolten, do pesamnet sich der purkgraf und warb all herren von Pairen auf die von Rotenburg, und machten vor Rotenburg vier veld und lagen vor der stat und teten der stat grossen schaden
sächs. weltchron. 361, 17
Weiland; und: sunder er het gevolget seiner hausfrawen, Luitpurga genant, kuniges Desiderii etwen zu Lombarden tachter, und hyet Avares, dy yeczunt Ungeren hayssent, gewarben wider das reich und hyet vil veintlicher sachh ... geübet Andreas v. Regensburg 608
Leidinger; seit dem älteren nhd. sehr geläufig für '(
truppen, soldaten)
anwerben',
besonders seit dem 17.
jh. reich belegt (
vgl.werber 2 c
β und werbung 2 b
β ββ). II@B@3@b@aα)
mit akk.-obj.: ja es beschiehet auch ... ein groszer nutz aus diesem, dasz i.
f. g. ... auch knechte und reiter werben lassen Schweinichen
denkw. 101
Ö.; die ... eine grosse menge kriegsvolck ... werben liessen
theatr. amoris (1626) 74
f.; ein officier, wenn er soldaten werben will, musz mehr auf das innerliche und auf ihre tugenden, denn auf ihre taille sehen H. v. Fleming
teutscher soldat (1726) 145; ... bothen (
die österreichischen stände) ihre katholischen mitstände zu einer ähnlichen widersetzung auf und fingen an, truppen zu werben Schiller 8, 61
G.; dieser prinz warb einige tausend schwarze ... krieger Ritter
erdk. (1822) 1, 448; schon hatte herzog Ulrich 16 000 Schweizer geworben, und es war zu fürchten, die alte feindseligkeit zwischen dem eidgenössischen und dem schwäbischen bunde möchte wieder aufwachen Ranke
s. w. (1867) 1, 252; ich höre, dass unser ... kurfürst ... eine brandenburgische armee wirbt Fontane
ges. w. (1905) I 1, 17;
im bilde: Cupido lAesset volk zu seiner leibwacht werben J. Grob
dichter. versuchg. (1678) 55; denn schon warb ich ein heer, und so weit sich ein deutsches gefühl regt, treten in schaaren bereits meine vertheidiger auf Platen
ges. w. (1839) 151
b; o freund, ich selber würbe gern ein heer zu wunderbarem, nie gewagtem feldzug Carossa
rumän. tageb. (1926) 24;
in freierer anwendung: vor ... jahren gaben die avisen, dass ... in Thüringen ein regiment junge weibes-bilder ... geworben worden ... Morea zu bevölckern
zeitungs lust u. nutz (1697) 239;
und im bilde: wer wollte sich nicht zur weiberfahne werben lassen, wo man so gut und sicher dient? Hippel
üb. d. ehe (1792) 195.
oft findet sich das part. prät. attributiv gebraucht: einer von Eggenberg wolte etlich geworben volck der liga zu hulff wider den kOenig in Franckreich fhren, durch keys.
m. landen mit deren verwilligung Zinkgref
apophthegmata (1628) 152; nahete Kemeny Janos mit seinen übrigen gewerbeten völckern auch ihn [!] grossem ernst G. Kraus
siebenbürg. chron. 2, 119 (
fontes rer. Austriac. I 4); woselbst eine anzahl bawren verschantzet lagen vnd bey drittehalbhundert man geworbenes volcks bey sich hatten Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 158,
ähnl. ebda 1 (1648) 25; wann ein feind new geworbene völcker führet, so nicht exerciret vnd zum krieg tüchtig vnd abgerichtet seynd Böckler
schola militaris (1665) 15 (
vgl. dazu: neu-
ò frischgeworbene mannschafft
soldatesche, militie nuove, fresca- ò nuovamente levate Kramer
t.-ital. 2 [1702] 1325
b); so ist es auch einerley, ob es eigene oder geworbene soldaten sind H. v. Fleming
teutscher soldat (1726) 314; das dänische militair, damals meist aus geworbenen deutschen soldaten bestehend, war verhaszt Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 180; er stand an der spitze eines geworbenen heeres, das nur ú durch geld zusammengehalten werden konnte Ranke
s. w. 2 (1867) 76; die geworbene armee, mit welcher Friedrich der grosze Preuszen vor zerstückelung und unterjochung schützte, wäre eine unmöglichkeit gewesen, wenn der adel nicht die handhabe dazu bot, in gestalt des officiercorps Bismarck
polit. reden 1, 151
Kohl; vgl. auch: die armee Friedrichs des groszen, wo unsere officiere aus geworbenen abenteurern aller länder gute Preuszen schufen
ebda 1, 337;
vereinzelt auch substantiviert: also steht er unentschlossen, während dort geworbne schon ziehn in's feld auf flinken rossen, lustig mit trommetenton Lenau
ged. (1857) 1, 284. II@B@3@b@bβ)
ohne angabe des objekts: er (
könig Abya) warp mit hohen muote uf ein strit mit aller craft: gein Jeroboam herschaft gewan er ein vil michel her, vier hundert tusent wol zewer, die uzzerwelt waren an manheit und jaren. do wider warb Jeroboan und gewan achte hundert tusen man Rudolf v. Ems
weltchron. 477
Ehrismann (
v. 33990
und 33997); er wolte nicht ... vnter das schwedische joch kommen, sondern anfangen zuwerben vnd seine festungen selbst besetzen Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 6; man sagt hir, er wirdt händer (!) mitt dem könig in Preüssen bekommen, dasz dieszer könig gar starck wirbt Elis. Charl. v. Orleans
br. (1719) 151
Holland; sie (
die werber) müszen zehren, wo sie werben Stephanie
s. lustsp. (1771) 5; und ich wär' bald für ungeduld wieder heim gelaufen zum schreibepult, wenn nicht eben auf allen straszen der Friedländer hätte werben lassen Schiller 12, 26
G.; warum würde denn noch so stark geworben, wenn's friede wäre? Engel
schr. (1801) 5, 14; der herzog läszt im ganzen lande werben, doch fehlt es so an führern als soldaten Bauernfeld
ges. schr. 3 (1871) 55; schon war das reich überschwemmt von den werbenden, aufstachelnden, katzenpfötigen emissären der Franzosen W. Raabe
s. w. I 3, 201
Klemm; das reiche Veji konnte ... mit erfolg in Etrurien werben: und freywillige ... hatten sich ... eingefunden Niebuhr
röm. gesch. 2 (1812) 74; das war der ursprung der 'eisernen division'. unter diesem namen wurde für sie geworben
qu. a. d. j. 1935;
substantiviert: davor kann ich (
ein werbecorporal) nicht, ich habe starke bleszuren am kopf; von zwey drey gläsern wein habe ich einen rausch, und beym werben musz man trinken Stephanie
s. lustsp. (1771) 46.
in dichterischer sprache findet sich mitunter das bild der werbenden (
zum kampfe aufrufenden)
trompete: und die trompete lassen wir werben, wie zu der freude, so zum verderben Göthe I 14, 49
W.; horch, die trompeten werben Körner
w. 1, 142
Hempel; trompeten nur hör' ich werben so hell durch die frühlingsluft, zur hochzeit oder zum sterben so übermächtig es ruft Eichendorff
s. w. (1864) 1, 397; die trommeln wirbeln, die trommeten werben Uhland
ged. 6174;
in andere bereiche übertragen: Satan geht herum und wirbet; wohl dem, welcher zeitlich stirbet! Schmolcke
s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 721; eine trummel wrde er (
mein college) ihm (
dem herausgeber der '
belustigungen') umgehAengt haben, und so hAette er werben mssen Schwabe
belust. (1741) 3, 286. II@B@44)
jem. als anhänger zu gewinnen suchen, propaganda treiben (
vgl.werber 2 d
und werbung 2 b
γ). II@B@4@aa) '
jem. als freund, (
partei-)
anhänger oder für eine sache gewinnen bzw. zu gewinnen suchen'
ist seit dem frühnhd. belegt II@B@4@a@aα)
in der wendung jem. werben: he! warst du der, als du gefährten warbst? Bürger
s. w. 151
b Bohtz; glauben sie mir, an den fürsten liegt es nicht allein, wenn sie ihren adel nicht so werben, wie ich sie (
anrede) geworben habe Klinger
w. 8 (1809) 168; auch der Alzeller soll uns nid dem wald genossen werben Schiller 14, 304
G.; die meldung Northumberlands, der verschworene wirbt Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 190; die 15 subscribenten, die ich hier, in Drakenburg und in Hannover geworben habe Hölty
ged. 257
Halm; schon unter den weltlichen Griechen, den nüchternen Römern hatte die begeisterung zahlreiche treue blutzeugen geworben G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 225; der herzog von Lüneburg ... warb allenthalben freunde und rüstete sich auf das stattlichste Ranke
s. w. (1867) 1, 247; aufgabe der propaganda ist es, anhänger zu werben, aufgabe der organisation, mitglieder zu gewinnen
qu. a. d. j. 1933;
auch mit ausdrücklicher angabe der sache, für die jemand geworben wird; angeschlossen durch für: es wäre das klgste, was er auf seinen reisen thun kOennte, weise leute zu werben fr seine hundert nationen (17. 1. 1782) Gleim
briefw. 2, 324
Körte; ja, freund, mein vorhaben ist auf nichts geringers gerichtet, als in Holland und England zöglinge für mein institut zu werben Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 3, 210; wer hirt ist, wintre ruhig seine heerde und werb' im stillen freunde für den bund Schiller 14, 336
G.; so kann man in seinem 'neuesten' wohl verfolgen, wie er (
Gottsched) ... den armseligen hofpoeten Casparson in Cassel, die baierischen reimschmiede und aehnliches aus dem staube hervorzieht ..., die fremden bald mit lobsprüchen, bald mit tadel für seine schule wirbt Gervinus
gesch. d. dt. dichtg. (1853) 4, 20; ich schlug es (
das buch) still und gedankenvoll zu, dachte zwar nicht sehr tief, war jedoch, wenn auch nicht klar bewuszt, für die bande geworben Keller
ges. w. (1889) 1, 199;
bzw. der person, als deren freund, anhänger etc. jem. geworben
wird (
ausgedrückt durch den dativ): so halte ich mich an die lehren des kammerraths ... bey ihm will ich in die schule gehen ... ich habe ihn mir geworben, und der fürst wies mich selbst an ihn Klinger
w. 8 (1809) 184; und jener fuhr fort: er beschwöre daher den landsmann um des gemeinen besten willen, er möge ihm zu rath und that seyn und ihm getreuliche gespanen zu werben suchen aus allen schwäbischen gauen Aurbacher
volksbüchlein (1835) 203; es lag nahe, den tod mit seinem gesinde einen reihen aufführen zu lassen, er wirbt sich, durch pfeifen und geigen, nachfolger
mythol. 42, 707;
umgekehrt feinde wider jem. werben: wirbt feinde wider mich, wo er sie finden kann J. E. Schlegel
w. (1761) 1, 249.
hieran schlieszen sich wendungen wie stimmen, gute meinung werben: (
Metellus:) gewinnt ihn ja für uns. sein silberhaar wird eine gute meynung uns erkaufen und stimmen werben, unser werk zu preisen (
and buy men's voices to commend our deeds)
Shakespeare (1797) 2, 45; da von vielen seiten wünsche und vorschläge eingegangen sind (
für die verleihung von ehrendoktorwürden), so wird wahrscheinlich eine liste in der facultät circulieren und darüber abgestimmt werden; ich habe bereits stimmen geworben, und die intrigue ist in vollem gange (25. 6. 1837) W. Grimm
a. Lachmann, briefw. 2, 884
Leitzmann; nur kurze zeit lasz dir das gewand gefallen, welches wir dem fremdling im hofe spenden; unterdesz wirbt dir mein herr im volk gute meinung G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 18. II@B@4@a@bβ) werben um jem.: darffst weder vmb pabst noch cardinal für hin werben Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 13
ndr.; anno domini 1017 hat hertzog Gerhart ... und bischoff Wernherr ... ein ... pratick miteinandern gemacht ... und wurbend heimlich umb mehr anhAenger (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. 1 (1734) 5; gott wirbt vmb vns, nicht wir vmb jhn Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 1, D 3
b; werbe nicht ängstlich um freunde! Knigge
umg. m. menschen (1796) 2, 157; nicht nur um die vornehmen sorgten sie (
die christlichen priester), beflissen warben sie auch um die dürftigen G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 228; denn man wirbt von dort um uns Bismarck
ged. u. erinn. 1, 208
volksausg.; so lange wir diese haltung annehmen, bedarf man unser noch und wird um uns werben
ebda 1, 140.
substantiviert werben um die stimmen (
vgl. dazu oben α,
letzte beleggruppe): übrigens soll die heftigste bewegung unter den bundestagsgesandten selber stattfinden. niemahls noch so viele persönlichkeiten, solch ein werben um die stimmen Dahlmann
a. Jac. Grimm in: briefw. 1, 250
Ippel. II@B@4@bb) werben '
propaganda treiben', '
reklame machen'.
in dieser bedeutung vom 18.
jh. bis in die moderne zeit bezeugt. II@B@4@b@aα)
in allgemeineren anwendungen. II@B@4@b@a@aaαα) werben für jem. (etw.) '
für jem. (
etw.)
propaganda machen': die gestalt selber des jungen fürsten warb für ihn Haller
Usong (1771) 37; wer ist von eitelkeit so frey, um nicht für seinen glauben gern zu werben? Schiller 5, 2, 326
G.; den bären denkt er sich in den rauhen Ardennen nach osten zu, den löwen in dem milden, gesegneten Flandern herschend; die verschwornen werbend für ihre partei zwischen der Somme und Elbe Jac. Grimm
vorr. z. Reinhart Fuchs (1834) clviii; und werben für die heil'ge stadt wie jener mönch von Amienz Geibel
w. (1888) 1, 193; zunächst bekämpfte er (
Zwingli) alle jene partei-verbindungen mit den auswärtigen mächten, selbst mit dem papst. er soll gesagt haben: der cardinal von Sitten, der für den papst warb, trage nicht mit unrecht rothen hut und mantel Ranke
s. w. (1867) 3, 45; mit Baiern verhandelte der staatskanzler (
Hardenberg) insgeheim schon seit dem januar ... die königin, kroprinz Ludwig, Anselm Feuerbach und mehrere andere einfluszreiche männer warben rührig für die gute sache Treitschke
dt. gesch. (
61897) 1, 447; wie käme das bayrische budget dazu, in seinen reichsmatrikularbeiträgen dafür zu zahlen, damit in München die preuszische ansicht geltend gemacht werden kann, damit für sie geworben werden kann, damit sie dort anklang findet? Bismarck
reden 6, 55
Böhm; ferner musz man die bewegungen des herrn von Ellendt genau verfolgen, der sich jetzt in Deutschland herumtreibt und für die sächsische lösung (
der litauischen königsfrage) wirbt A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 361;
substantiviert: man habe, sagt er ..., 'insinuirt', seine 'vorlesungen' sein der jugend schädlich, sie und das buch sein auf verstecktes werben für katholicismus angelegt Voss
antisymb. (1824) 2, 312; briefe verkünden mir (
dem polnischen könig), dasz im reich unter dem adel ein starkes werben für den hochmeister ist G. Freytag
ges. w. 11 (1887) 117; irgendwo zeigen sich meistens mängel in unserer befähigung zum praktischen werben für den deutschen gedanken in der auszerdeutschen welt (1912) Rohrbach
d. dt. ged. i. d. welt (1916) 196. werben gegen jem. '
gegen jem. propaganda machen': der Kugler warb nur eifrig gegen ihn O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 70. II@B@4@b@a@bbββ)
absolut gebraucht: sie (
die jungen nationalsozialisten) begannen (
in Österreich) zu werben und gleichzeitig zu drohen, dasz wer nicht rechtzeitig sich bekenne, später dafür werde bezahlen müssen St. Zweig
welt v. gestern (1947) 429;
oft im part. präs.: von Lyon verwiesen, zog die gemeinde (
der Waldenser) werbend und predigend nach verschiedenen richtungen
qu. a. d. j. 1932;
das auch in adjektivischer verwendung auftritt: man kann sagen, dasz die anstalt seit der zeit erst zu ihrem hohen glanze durch Wolkens werbende talente gekommen ist Lose
schattenrisse (1783) 1, 213; die annahme des kaisertitels durch den könig ... war ein politisches bedürfnisz, weil er ... ein werbendes element für einheit und centralisation bildete Bismarck
ged. u. erinn. 2, 139
volksausg.; der geist der rücksichtslosen strenge gegen sich selbst, der in seinem (
Kants) systeme waltete, war eine werbende macht für sich auch ohne die schwere rüstung der abstrakt-schematischen beweisführung, deren Kant nirgends entraten zu können glaubte Meinecke
Boyen (1896) 1, 81; zwischen dichterischer arbeit und werbendem eifern für eine idee E. Mühsam
namen u. menschen (1949) 25;
und substantiviert: weil alle die haufen klein sind, in die sich die parteien trennen, so ist es ein ewiges hetzen, werben, compromittiren (14. 3. 1803) Göthe IV 16, 199
W.; das christliche werben (
der inneren mission) gibt sich da zum deckmantel einer ganz weltlichen industrie ... her Gutzkow
ritter (1850) 4, 49; bis zuletzt hatte das werk (
die herausgabe von Bachs sämtlichen werken) unter der teilnahmlosigkeit der menge gelitten, die zahl der subskribenten, deren es am ende des ersten jahres dreihundertundfünfzig gegeben hatte, ging nicht hinauf; ohne das begeisterte werben Franz Liszts und Hausers ... wäre sie nicht einmal innegehalten worden Schweitzer
Bach (1948) 234. II@B@4@b@bβ)
in der sprache der modernen wirtschaft neuerdings häufig für älteres '
reklame machen',
das durch werben
mehr und mehr zurückgedrängt wird (
vgl.werbung 2 b
γ γγ). II@B@4@b@b@aaαα) werben für etw. '
für einen artikel oder eine sache reklame machen': in origineller weise wurden 114 eternitrohre im freigelände (
einer ausstellung) aufgebaut, um für diesen asbest-zement-kunststoff zu werben
Berliner zeitungen a. d. j. 1957; in bayerischen dirndlkleidern sollen die stewardessen der deutschen lufthansa vom 21. bis 27. september auf der route nach New York ... ihren dienst versehen. mit dieser tracht werben sie für den touristenverkehr und speziell für das Münchner oktoberfest
ebda. II@B@4@b@b@bbββ)
in absoluter anwendung: rationeller werben
titel einer schrift, herausgegeben vom verein dt. maschinenbauanstalten, Frankf. a. M. 1955; soll das fernsehen werben?
Berliner zeitungen a. d. j. 1956; Thompson (
eine grosze werbeagentur) arbeitet mit 35 niederlassungen in 21 staaten und wirbt in allen ... ländern der welt. dabei sind vielschichtige probleme zu lösen ...
ebda 1957; und wenn nach gründlichen untersuchungen und überlegungen endlich die beantwortung der ... frage heranreift: wie wollen wir verkaufen? (also: wie wollen wir werben?) — dann weisz man bei Thompson genau, wohin die reise geht
ebda; öfter im part. präs. in zusammensetzungen: handbuch für den werbenden buch- und zeitschriftenhandel (1956)
titel; einerseits dürfte das (3000.—
dm für eine fernsehminute während der reklamesendung) nicht reichen, um die echten kosten zu decken,
d. h. wenn man sie echt kalkuliert, andererseits ... dürfte es sich aber auch die werbende wirtschaft überlegen müssen, ob sie einen solchen ... tarif anlegen will, um sich an einen doch nur sehr begrenzten teilnehmerkreis zu wenden
Berliner zeitungen a. d. j. 1956; aber, was noch schwerer wiegt, auch die werbende wirtschaft, soweit sie verbandsmäszig organisiert ist, hat sich bisher heftig gegen all diese pläne einer fernsehwerbung (
im bayerischen rundfunk) gewehrt. gerade die privatwirtschaft musz sehen, wie hier mit einer öffentlichen monopolstellung miszbrauch getrieben wird
ebda. II@B@4@b@gγ)
in übertragener bedeutung im sinne von '
locken'
vereinzelt in modernem dichterischem gebrauch: berauscht und fiebernd stand ich auf, machte licht und warf mich auf die arbeit, liesz menschenstimmen und instrumente werben und flehen und drohen, wiederholte das lied der sehnsucht in neuen, fiebernden melodien H. Hesse
Gertrud 215
dt. buchgem.; auch werbend '
lockend': lust und mühe der vergangenen tage, hoffnungen und schlaflose nächte, leidenschaft und sehnsucht jener zeit standen losgelöst und verkleidet mir gegenüber, die erregungen heimlicher stunden klangen frei und werbend in das haus (
das theater) an tausend fremde herzen H. Hesse
Gertrud 333
dt. buchgem.; dann schlosz ich mich ein, spielte die heisze werbende musik meiner oper, die ich plötzlich wieder liebte und verstand
ebda 353; Dürers apokalypse ist die stärkste je gewagte nordische antithese (mag man sie 'faustisch' nennen) zum südlichklassischen ideal, das um dieselbe zeit werbend und lockend zu Dürer herantrat Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 45; der sprechchor ist künstlicher und einstudierter, er ist gewaltsamer werbend als der gesang
V. Klemperer
l. t. i. (1949) 246.