wache,
f. ,
verbalsubst. zu wachen,
das in der älteren sprache hinter wacht zurücktritt und erst im neuhochdeutschen seit Luther
über dies das übergewicht erhält. II.
herkunft und verbreitung. I@11) wache
ist mhd. (
selten) wache,
ahd. wacha (
häufiger wahta),
auch in den meisten andren germanischen sprachen —
nicht im gotischen wo nur wahtwô
vorkommt —
vertreten: anord. vaka Fritzner 3, 842,
norw. voka Aasen 941 (
neben vakt),
schwed. dialectisch vaka Rietz 787 (
sonst vakt),
ags. wacu
in nihtwacu Bosworth-Toller 721,
engl. wake,
ndl. waak,
nd. wake (
neben wacht).
im dänischen, wo sonst vagt
neben vaagen,
findet sich vage '
das schwimmende seezeichen'. I@22)
im althochdeutschen kommt wacha
in den beichten (
s. die stellen unter II, 1)
in rein abstracter bedeutung vor, daneben erscheint wahta
als vigilia, statio, custodia, excubiae. eine strenge scheidung der beiden wörter nach der bedeutung ist nicht möglich, so steht nahtwacha
neben nahtwahta. Notker
hat wacha
agrypnia, vigilia, pervigilium (Graff 1, 674)
neben wahta.
im früheren mittelhochdeutschen tritt wache
in auffälliger weise zurück (
s. nachher den beleg aus dem jüng. Titurel, bei A. v. Halberstadt 29, 132
Bartsch ist wache
nicht gesichert, Wickram
hat schiltwach).
dasz das wort damals doch lebte, zeigt sein wiederauftreten im 14. 15.
jahrh. und der neuhochdeutschen zeit; auch ist wache
in der zusammensetzung schiltwache
weiter verbreitet. im nhd. tritt nun, während eine bedeutungsdifferenz gegenüber wacht
kaum wahrzunehmen ist, ein unterschied in der mundartlichen verbreitung von wache
hervor. einige der jetzigen dialecte kennen wache
nicht, sondern nur wacht,
deshalb ist auch in der älteren litteratur der betreffenden gegenden dies wort herrschend. andre wieder haben wacht
aufgegeben, das hier erst neuerdings wieder als litteraturwort eindringt. im bairischösterreichischen gilt wacht,
das auch für das schriftsprachliche wache
gesetzt wird Schmeller
2 2, 842. Schöpf 793. Lexer 249 (
in der mundart von Imst nach Schatz 132
neben wocht
auch woch).
im alemannischen ist wacht
verbreitet, doch kommt daneben auch wache
vor, für den Aargau gibt Hunziker 284
beide formen an. weit üblicher als im oberdeutschen ist wache
im mitteldeutschen, doch herrscht es nicht ausschlieszlich, so hat z. b. das hessische wacht Crecelius 887.
im ostfränkischen steht wache
neben wacht;
auch die Nürnberger chroniken und Hans Sachs
gebrauchen beide formen. aus dem kölnischen führt Hönig 166 wâch
an. sein hauptgebiet hat aber wache
im thüringischen und obersächsischen und von hier aus hat es auch litterarisch seinen ausgang genommen. wie schon früher Mathias v. Beheim,
so bedient auch Luther
sich der form wache
und zwar durchgehends, wacht
kennt er nur in scharwacht.
in der bibel steht bei ihm wache,
in übereinstimmung mit der älteren (
auf ostmitteldeutschem boden entstandenen)
übersetzung, während die Züricher bibel und meist auch Dietenberger
dafür wacht
einsetzen. Jerem. 51, 12 nemet die wache ein, setzet wechter, bestellet die hut (Koberger, Dietenberger
und Züricher bibel hier abweichend);
klagel. 2, 19 schütte dein hertz aus, in der ersten wache gegen dem herrn (Koberger an den anfang der wachen,
Züricher bibel und Dietenberger in der ersten wacht);
Marc. 6, 48 umb die vierde wache der nacht (Koberger umb die vierden wach der nacht,
Züricher bibel umb die vierdte wacht der nacht, Dietenberger umb die vierdte wache der nacht);
Luc. 12, 38 und so er kompt in der andern wache (Koberger ob er kumt zu der andern wach,
Züricher bibel und so er kumpt in der andern wacht, Dietenberger und so er kompt in der andern wacht).
wenn trotzdem dasz wacht
als militärisches wort vom süden aus vordrang (
worüber unter wacht
noch näher zu handeln ist)
und dies wort auch in Mitteldeutschland boden hatte, doch wache
die herrschende form der schriftsprache geworden ist, so ist das hauptsächlich dem einflusz der sprache Luthers
zuzuschreiben. denn auch im norden ist wacht
das gewöhnliche wort und hat noch dazu einen anhalt an dem verbum wachten;
in den jetzigen nd. dialecten tritt wake
hinter wacht
zurück. in der litteratur dringt wache
langsam vor. im 16.
jahrh. ist wacht
bei den Süddeutschen das gewöhnliche, doch fehlt auch wache
nicht ganz, wobei veränderungen durch die drucker mit in anschlag zu bringen sind, so kommt z. b. in Fronspergers
kriegsbuch (
gedruckt zu Frankfurt)
neben gewöhnlichem wacht
doch auch wache
vor. noch im 17.
jahrh. halten sich beide worte ungefähr die wage. wacht
findet sich nicht nur bei den Elsässern Rompler
und Moscherosch,
den Rheinfranken Zincgref
und Grimmelshausen,
den Hessen Werder
und Schupp,
dem Rheinländer Spee,
den Nürnbergern Birken
und Harsdörffer,
sondern auch dem Obersachsen Fleming,
den Schlesiern Opitz, Mühlpforth, Lohenstein, Günther,
während wache
bei Gryphius, Hoffmannswaldau, Weise, Paul Gerhardt
vorkommt, die Niederdeutschen Dach und Rist
gebrauchen beide formen. von wörterbüchern haben Schönsleder, Hulsius, Dentzler
nur wacht, Krämer
verweist von wache
auf wacht;
dagegen hat schon Emmelius (1592)
und der Nürnberger Güntzel
nur wach. Schottel 1439
führt wache
vigilia und wachte
custodia neben einander an, für Stieler 2394
aber ist wache
das eigentliche schriftsprachliche wort, wacht
wird nur nebenher 2395
erwähnt. von jetzt an dringt wache,
unter dem bestimmenden einflusz der ostmitteldeutschen sprache, mächtig vor. alle wörterbücher geben beide formen an und zwar verweist Rädlein
noch von wache
auf wacht,
auch der Süddeutsche Kirsch
behandelt wacht
mit ausführlicher bedeutungsangabe, wie auch Steinbach
noch einen selbstständigen artikel wacht
hat, alle übrigen dagegen begnügen sich damit die form wacht
anzuführen, besprechen aber das wort unter wache. Adelung
schlieszt dann wacht
ganz aus, indem er es als ein veraltetes '
noch im niedersächsischen und einigen gemeinen mundarten'
übliches wort bezeichnet. diese äuszerung Adelungs
traf aber nicht einmal für seine zeit das richtige, in der wacht
wenigstens den dichtern noch durchaus geläufig war, noch weniger für die unsrige, in der wacht
in bestimmten wendungen sogar der allgemeinen schriftsprache wieder zugeführt worden ist. doch bleibt wache
immer das eigentliche schriftsprachliche wort und hat auch die reichste bedeutungsentwicklung gefunden. IIII.
gebrauch. II@11)
ursprünglich bezeichnet wache
in rein abstracter bedeutung den zustand des wachens: (
ich sündigte) in unzîdin sclâphun, uncîdin wachun.
Mainzer beichte, Müllenhoff- Scherer
denkm.3 242, 6 (
ähnlich in unrehtero wacha
Wessobrunner beichte, daselbst 297, 151, an der virsûmide ... rechter wache
Bamberger beichte, daselbst 304, 183); dia arbeitsamen wachâ,
pervigilia laborata. Notker
bei Graff 1, 674.
in der späteren sprache erscheint diese bedeutung (
geläufig in der zusammensetzung nachtwache,
die dann wieder auf das einfache wort einwirken konnte)
sehr selten, kommt aber bis auf die neueste zeit bei dichtern vor: gein zageheit der verdroʒʒen reit sunder slâf in sorgelîcher wache, wan er disen bracken vinden wolde.
jüng. Titurel 1274
Hahn; als er, von langer wache ermüdet, kurz vor tag entschlief. Wieland 21, 268 (
Klelia 5); du, das strebende ziel nächtlicher wachen und thränen blinkender stunden, wie flammt dir einzig mein herz, vaterland, vaterland! Voss
bei Herbst
J. H. Voss 1, 283; hei, so trink' nur: .. in nacht und nebel sinken die sinne dir bald: ohne wach' und wissen, stracks streckst du die glieder. Rich. Wagner 6, 206 (
Siegfr. II). wache für etwas: sollte denn ein geschmackvoller bescheidner lebensgenusz, sollte ein sorgenfreies alter eine zu grosze belohnung der wachen für den wohlstand und selbst für die annehmlichkeiten des lebens seiner mitbürger seyn? Berens
bei Herder 17, 411
Suphan. II@22)
durch eine erweiterung des bedeutungsinhalts kann wache
dann die achtsamkeit auf äuszeres, namentlich auf drohende gefahren, aufmerksamkeit, wachsamkeit bezeichnen. II@2@aa)
in der älteren sprache wird es so gern mit bedeutungsverwandten substantiven verbunden, namentlich mit hut: es geschach ... in der nacht des teufels gewalt mit grosser ungestüm also, das iederman ze wach und warnung kam bitz an den tag. Mülichs
Augsburger chronik, städtechr. 22, 22, 24; man solle kein hut, wache oder acht nachlassen, sie sey wie klein sie sey. Luther 3, 324
b; aber das ist die rechte wache in gottes wort wachen, damit man den teufel und seine gifftige pfeile zu rück schlegt. 6, 253
a; mir wasen die gantzen nacht in grosser stull (
stille) und wach. Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 77; derhalb wirt durch die frummen manch schaden undterkummen durch fleissig hut und wach. Hans Sachs 4, 320, 32
Keller; mit angeschlossenem objectiven genetiv: der trach ist gewest ungestümb, er schewst umb das gebirg herümb und thut alle winckel beschawen zu huet und wach seiner jungfrauen. Hans Sachs 13, 352, 21
Keller-Götze; drumb ist in aufferlegt zur busz des esels hut und wach. Wackernagel
kirchenl. 3, 1211, 22. II@2@bb)
die neuere sprache kennt wache
in der allgemeinen bedeutung '
wachsamkeit'
kaum mehr. das wort ist jetzt eingeschränkt auf die aufmerksamkeit, die sich bei einnahme eines postens auf einen bestimmten gegenstand richtet und die einnahme des postens selbst z. b. die wache
am krankenbett, bei einem toten, bei gefangenen, gegen einen feind u. s. w. am verbreitesten ist es in den nachher zu besprechenden festen verbindungen. doch kommt es auch sonst vor z. b. in präpositionellen wendungen: er erbot sich zur wache; er wurde bei (auf) der wache vom schlaf übermannt; ziemt es dem hunde des hirten auf seiner wache zu schnarchen? Chr. Stolberg
ged. (1779) 219; als ich ... die jetzige sicherheit der guten kinder unter meiner wache mit den gefahren verglich, denen sie so unbefangen entgegen schliefen. Thümmel
reise 6, 124 (1799). II@33)
besonders versteht man aber unter wache
den als eine regelmäszige einrichtung bestehenden sicherheitsdienst. so gibt es auf den schiffen eine wache,
an den küsten eine strandwache,
in den städten eine brandwache, feuerwache,
meist auf thürmen, eine thorwache,
eine nachtwache,
namentlich werden auch beim kriegs- und lagerleben viele wachen
unterschieden; man hat da auszer der feldwache
eine hauptwache, scharwache, schildwache, verlorene schildwache, beiwache, vorwache, schnarchwache (Wallhausen
kriegskunst zu fusz 133
f.)
u. s. w. in den städten waren früher alle bürger verpflichtet an der sicherheitswache theilzunehmen: und ist dirre kouff beschechen in sölicher msz, daz mich darumb die ietzgenanten von Arouw lidig geseit und gelassen hant aller stúren und diensten, so ich inen hinanthin järlichen und täglich tuon solt und müste, es sye von tagwan, von reisen, von wachen oder von andern diensten.
urkundenb. der stadt Aarau 225
Boos; er bestellet auch mit seinen turnern und wachtern, das sie tag und nacht gar fleiszig musten sein mit irer wart und wach, und die vor oder nach wachten, die musten bei der nacht alle stund melden.
d. städtechr. 2, 284, 8 (
Nürnberg, 15.
jahrh.); so sein alle Tyroler als purgfrider schuldig in allen sorgfeltigen kriegsleuffen, solang die weren, das furstlich schloss Tyrol tag und nacht bei den thorn und allen wehern und all ander weg und notturften, darzue mit der wach im gschloss ... in iren costen zu bewaren.
österreich. weisthümer 5, 3, 10 (
Tirol 1505); die statt mit der wach versehen,
fare le guardie della città. Güntzel 824;
Bernardo. war eure wache ruhig?
Francisco. alles mausestill.
Shakespeare Hamlet 1, 1; ja, vorsicht ist uns not. ein sorglich ding ist solche wache, wo der kopf drauf steht. Uhland
Ludwig d. B. 4, 3. II@44)
zu dem unter 2,
a besprochenen wache
gehört die verbindung wache haben '
auf der hut sein'
in der älteren sprache, die nicht mehr lebendig ist (
vgl. dagegen das poetische wacht haben),
von unsrem die wache haben
verschieden: wöllt sich aber ichtz gegen euch ... unfreundlichs zulenden, darob ir huet und wach haben und auch uns nach bestendiger erkundigung mit furderlicher anzaig eröffen wöllt. Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkriegs a. Rotenburg 414; wache halten
gehört theilweise zu 2,
b)
theilweise zu 3) (
namentlich die wache halten),
ohne dasz hier eine strenge scheidung möglich ist, da wache halten
als '
den sicherheitsdienst versehen'
dann auch wieder übertragen gebraucht wird. II@4@aa) die nacht über wache halten,
to keep watch and ward. Ludwig 2358; die soldaten halten beym thore wache,
milites ad portam in statione sunt. Steinbach 2, 908; haltet gute wache!
stand upon your gard! Ludwig 2358; schlechte wache halten,
locum negligentius adservare. Frisch 2, 411; auff welchem (
platz) hinder dem feldgeschütz drey fendlein fuszknecht mit auffrechten eyngesteckten spiessen und auch fendleinweisz wach halten. Fronsperger
kriegsb. 1, 60 (1573); der hielt sich stets in seiner sach, an allen orten rechte wach, wart seines ampts nach rechter pflicht und fürchtet gottes angesicht. Ringwald
christl. warnung (1590) K 8
b; ach herr, mein gott, das kömmt von dir! du, du must alles thun; du hältst die wach an unsrer thür und läszst uns sicher ruhn. P. Gerhardt 118, 27
Gödeke; führ ich gleich an des himmels dach, so bist du da, hältst hut und wach. 288, 26; in was für einer art sich Opitz je bestrebt, wann er jezt niedersteigt, wann er sich dann erhebt ... die schönen jezt besucht, am fenster wache hält, von dar sich vor den thron durchleuchter herren stellt. Bodmer
krit. ged. 11
neudr.; ein echter biber musz sein amt getreu verwalten, bald bauen, und bald wache halten, und melden, wann ein mensch sich naht. Hagedorn 2, 18; ein alter haushahn hielt auf einer scheune wache. 2, 122; im hofe, den ein säulengang umfaszt, hält eine riesenschaar bey tag und nacht die wache. Wieland 17, 150 (
Idris u. Zen. 3, 46, 6); um neun uhr schliefen alle bewohner des hauses; nur die hebamme hielt auf ausdrücklichen befehl des gnädigen herrn wache bei der wöchnerin. Holtei
Christian Lammfell 1, 324; man verabredete, dasz fortwährend jemand bei der toten weilen und ich die erste wache halten sollte. G. Keller 2, 76 (
gr. Heinrich); wache halten, wird .. auch von denjenigen gesagt, welche bey begehung eines diebstahls zu desto ungestörterer vollbringung desselben auf der hut stehen, und achtung geben, ob vielleicht jemand darzu kommen möchte. Zedler
univ. lex. 52, 110. II@4@bb)
übertragen auch von abstracten: vorbey, verwegner dieb! denn unter diesem dache, in jedem winkel hier, hält armuth treue wache. Lessing 1, 21; ... beim Zeus, ich rede nicht ein wort! geduld hält wache zwischen meinem willen, und aller kränkung (
there is between my will and all offences a guard of patience).
Shakesp. Troil. u. Cress. 5, 2, ob ich je zum Rheine kehre, heimathdurstig, wandermatt, ob die freiheit je, die hehre, wache hält auf dieser statt? Freiligrath 1, 446. II@4@cc)
ferner von dingen, die einen festen posten bei etwas einnehmen, gleichsam als hüter: ... der sonnen ..., so im himmel wache hält. Hoffmannswaldau
hochzeitged. 39; von geistern wird der weg dazu (
zum thurm) beschützt, zwey greife halten wache an der pforte. Schiller 12, 139 (
Piccolomini 3, 4); die wache (
am strand) hält ein eichbaum düsterkühn und färbt den kleinen hafen dunkelgrü
n. C.
F. Meyer
Huttens letzte tage 6; zittert und wackelt vielleich wirklich der grosze obelisk, weil es ihm graut, sich auf solchem gottlosen boden zu befinden, er, der gleichsam ein steinerner Schweizer in hieroglyphenlivree jahrtausendelang wache hielt vor den heiligen pforten der Pharaonengräber und des absoluten mumientums? Heine 6, 285
Elster. II@4@dd) über etwas wache halten
s. v. w. über etwas wachen: welcher ... sein amt mehrere jahre treulich verrichtete, indem er über einen bessern, reinern geschmack wache hält und das barbarische immer mehr zu verdrängen weisz. Göthe 29, 222 (
ital. reise); das alte verhältnisz der hörigkeit und leibeigenschaft, über dem und über dessen misbräuchen die regenten nicht immer die gehörige hut und wache hielten. Arndt
erinnerungen3 312; die stadt hier däucht mich Metz, der feinde burg, wo sie die wache halten über's land. Grillparzer 6, 104 (
weh dem, der lügt 5);
selten mit ob: sie zielen wohl auf Metz, wo jene teufel ob ihrem land die plumpe wache halten. 6, 97 (
weh dem, der lügt 4). II@4@ee)
bestimmung durch ein adjectiv: als die erstgeburt unter seinem baum wegging, auf dem er (
der recensent) sasz und litterarische wache hielt. J. Paul 5,
vorr. xvi (
grönl. proc.). II@55)
die bedeutung '
bewachung'
hat wache
in unter wache stehen, unter wache stellen: so werden .. die pferde und knechte in den inneren raum (
der wagenburg) gebracht und nebst den geldwagen unter wache gestellt. Krünitz 232, 444;
bei in der wache sein (
esse in custodia militari, Lünemann
d.-lat. handwb.6 2079)
u. dgl. spielt die locale bedeutung (8)
mit herein. II@66)
an wache
als sicherheitsdienst schlieszen sich weiter eine reihe von verbindungen an. II@6@aa) die wache haben. Adelung: wer hat die wache an den thoren? Schiller 12, 283 (
Wallenst. tod 3, 6); mehre von ihnen wohnten im hause selbst und hatten allnächtlich der reihe nach die wache. Freytag 4, 90 (
soll u. h. 1, 7). II@6@bb) die wache thun, wache thun: der wachen thun musz,
guetable. Rondeau; sah ich's etwa nicht selbst mit an als ich zu Brandeis die wach' gethan, wie ihm der kaiser selbsten erlaubt zu bedecken sein fürstlich haupt? Schiller 12, 49 (
Wallenst. lager 11); der rath hat waffen ausgetheilt, schon haben sich ihrer hundert angeboten, wache bei ihm zu thun. 12, 363 (
Wallenst. tod 5, 1). II@6@cc) die wache versehen: die wache versehen die rathsherren,
munus vigiliarum obeunt senatores. Hederich 2560; gehet! schawt, das die wach sey versehen, das uns die feindt nit heimlich nehen, uns überfallen in dem leger! Hans Sachs 6, 74, 28
Keller; versehe meine wache wol, bin niemals süssen weines voll. S. Dach 890
Österley; ähnlich die wache übernehmen, annehmen, verrichten, bestellen: wache annehmen,
vigilias suscipere. Stieler 2395; er (
der tod) läszt dem soldaten nicht zu, dasz er seine wache bestellen ... könte. Hoffmannswaldau
begräbnisged. 73. II@6@dd) die wache versäumen, verschlafen, verlassen (
vgl. 7,
b)
u. dgl. übertragen, mit angeschlossenem genetiv: während der minister und ich hier ein stündchen weilten, hatten unsre bedienten die wache der schlitten verlassen und mehrere sachen waren gestohlen. Arndt
erinnerungen3 176. II@6@ee) wache stehen,
das nach unsrem sprachgefühl hierher zu stellen wäre, hat sich unter einflusz von wache halten
aus auf der wache stehen
entwickelt (
s. unter 4);
ähnlich das seltenere die wache gehen. II@77)
in andren verbindungen ist wache
nicht mehr rein abstract, sondern es macht sich daneben eine locale auffassung geltend. wache
kann so die bedeutung '
stand, ort der wache'
annehmen II@7@aa) die wache einnehmen, besetzen, beziehen: nemet die wache ein, setzet wechter, bestellet die hut.
Jer. 51, 12; nun lasz uns beyde gehn, vor allen die wach besetzen diese nacht! Hans Sachs 6, 75, 12
Keller. II@7@bb) von der wache kommen,
to come off from the gard. Ludwig 2358; von der wache weg laufen,
stationem deserere. Steinbach 2, 908; von der wache abziehen,
sortir de garde. Rondeau; also kamen sy gestern früe vor tags gemüdigt von der wach die sy irem herren die gantzen nacht gelaist hettend. Wirsung
Calixstus (
Augsburg 1520) N 4
a. II@7@cc) des nachts auf die wache gehen,
noctu in vigiliam ire. Steinbach 2, 908; es ziehen andere auf die wache,
alii in stationem succedunt. 2, 908; einen auf die wache stellen,
collocare, constituere aliquem in specula. Stieler 2394; auf die wache sollst du nicht ziehen. Göthe 5, 260 (
divan).
übertragen: verkappte jesuiten schleichen in allen gestalten umher .. jeder musz jetzt auf die wache ziehn, um der ächten lehre, dem protestantismus den rücken frei zu halten. Tieck
novellen (1853) 4, 108 (
jahrmarkt);
ungewöhnlich mit accusativ die wache gehen:
Hero. ... und wenn man dich erblickt?
Leander. man hat wohl nicht.
Hero. des heil'gen ortes hüter, die wache gehen sie zu dieser zeit. Grillparzer 5, 58 (
des meeres u. d. liebe wellen 3). II@7@dd) auf der wache seyn,
vigilias agere, excubias habere. Stieler 2394; ein soldat der auf der wache ist, der aufgezogen ist. Ludwig 2358; auff der wach stehen,
wach halten. Güntzel 823; vor dem lager auf der wache stehen,
in statione pro castris collocatum esse. Steinbach 2, 908; am letzten dienstag war ich auf der wache ... ich bin gerade von 12—2 uhr auf den posten gekommen. Auerbach 18, 69 (
schatzk. II); er liesz sich nicht verdriessen zu stehen auff der wach': er flohe weder schiessen noch stürmen noch gefecht. Rist
Parnasz 257.
übertragen: immer geh' ich nun den fährten dieses edeln wildes nach und vor seinem lager steh' ich jeden abend auf der wach'. Uhland
ged.2 303;
dafür auch zu, zur wache stehen,
in eigentlichem und übertragenem gebrauch: dasz anmuth und verstand, und unbefleckte jugend, so hier (
bei der braut) zur wache stehn, das thor eröffnen musz. Picander
ged.3 1, 48; hier bleibt das eh-bett rein; man fragt nach keinen hütern, weil keuschheit und vernunft darum zu wache stehn. Haller
ged. (1753) 30; was auch der pfaffe sinnt und schleicht, der prediger steht zur wache, und dasz der erbfeind nichts erreicht ist aller Deutschen sache. Göthe 3, 146; ein volk von denkern? und sprecht plappernd nach, was ihr gehört von nicht'gen unterweisern, Gervinus, Menzel stehen wie zur wach', bald abgelöst, in engen schilderhäusern. was heute gut, weicht morgen schon vom platz. Grillparzer 1, 98.
die verbindung wache stehen,
die vor dem ende des 17.
jahrh. wol nicht vorkommt, wird zuerst von Frisch
verzeichnet, in statione esse 2, 411,
dann von Adelung. wache
kann hier nicht, wie Hildebrand in der
zeitschrift für deutschen unterricht 8, 787
wollte, alter prädicatsnominativ (
mit persönlicher bedeutung)
sein, sondern erklärt sich nur aus einer umbildung der älteren formeln unter einflusz von wache halten,
also eigentlich '
die wache durch stehen verrichten' (
vgl. theil 4, 1, 4657 gevatter stehen
für älteres zu gevatter stehen,
wo gevatter sein
u. dgl. vorschwebte).
dies wache stehen
hat, vom militärischen sicherheitsdienst seinen ausgang nehmend, eine weitere verbreitung gewonnen: ich suche was, und weisz die stelle, wo solches anzutreffen ist, jedoch wie stärcker mich gelüst, je schärffer sind die unglücks-fälle, dasz ich vergebens wache steh, und auch umbsonst zurücke geh. Chr. Weise
polit. näscher (1686) 38; wie kommen wir durch die hartschiers und garden, die in dem innern hofraum wache stehn? Schiller 12, 371 (
Wallenst. tod 5, 2); heute steh' ich meine wache vor des paradieses thor. Göthe 5, 257 (
divan); .. lasset niemand, so lang die unterredung dauert, ein. laszt Lucius und Titinius wache stehn (
let Lucius and Titinius guard our door).
Shakesp. Cäsar 4, 2; entfernte sie sich einen augenblick vom fenster, so muszte ich wache stehen. Göthe 20, 99 (
W. Meisters lehrj. 7, 8); ich werde sorgen, dasz niemand wieder in diese laube eindringe, und, wenn sie es wünschen, selbst am eingang bei der palme wache stehen. Heyse
nov. 1, 24 (
anf. u. ende);
von hunden, auf den hinterfüszen stehen: der junge (
pudel), namens Pantalon vertrieb dem herrschen manche stunde. er konnte tanzen, wache stehn, den schubkarrn ziehn, ins wasser gehn. Pfeffel
poetische versuche 2, 8;
von dingen (
wie wache halten
c): die ahnen ungezählet, die, um und um gewappnet und gestählet, in langer reih' im vorsahl wache stehn. Wieland 21, 184 (
Klelia u. Sin. 1, 235); sie (
die reisenden) sahen schon die riesen des winters, die schweizer- und tyroler - alpen, im lager; die göttersöhne standen, mit lauwinen und katarakten und wintern bewaffnet, wache um das göttliche land (
Italien). J. Paul
Titan 4, 66. II@88)
rein örtlich kann dann wache
das gebäude bezeichnen, in dem die wachmannschaft sich aufhält, domus stationariorum Nieremberger.
vielfach in zusammensetzungen, wie hauptwache, thorwache.
verbindungen sind in die wache gehen, auf der wache bleiben, in die wache (
in arrest) gebracht werden, auf der wache sitzen
u. dgl.: die jungfer Demuth musz in die wache; sie soll ausgestäupt werden auf öffentlichem markte. Arnim 1, 116 (
Isabella); 'sie müssen mich melden, oder ich schreie laut nach dem herzoge'. 'so sie sich rühren', sagte Grossinger (
der wachhabende offizier) heftig, 'lasse ich sie in die wache werfen'. Brentano 4, 203 (
vom brav. Kasperl); seine leidenschaft ist, allenthalben händel anzufangen uud in gemeinen trinkstuben zank zu erregen; er freut sich dann, einige stunden auf der wache zu sitzen, um nachher als graf Birken ausgelöst zu werden. Tieck
novellen (1852) 1, 175 (
die reisenden); und als ich des morgens früh erwacht, wie wundr' ich mich über die sache! da sasz ich armer jüngling, zu Kassel auf der wache. Heine 1, 281
Elster. übertragen ist bergisch en de wach schleppen
bei seite bringen Frommann 5, 139, 15. II@99) wache
kann ferner auch persönlich die wachmannschaft bezeichnen, entweder in ausgesprochen collectiver auffassung oder so, dasz es unbestimmt bleibt, ob die wache aus einer oder mehreren personen besteht. diese bedeutung hat sich seit beginn der nhd. zeit geltend gemacht und tritt namentlich auch bei den unter 3)
aufgeführten zusammensetzungen hervor. insbesondere versteht man unter wache
die in den städten zur aufrechterhaltung der ordnung bestimmte und in gewissen gebäuden untergebrachte wachmannschaft: die wache zieht auf, zieht ab, tritt ins gewehr,
wenn der ruf: wache 'raus
ertönt ist u. s. w., er ist von der wache angepackt worden,
fu arrestato dalla ronda, patruglia. Krämer 1202; eine soldatenwache, eine bürgerwache, eine wache von landvolck. Ludwig 2358; besofne wache,
madentes vino excubiae. Nieremberger; Eneas und auch Athenor haben geöffnet das statthor, dardurch die feindt sind einbrochen und haben unser wach erstochen. Hans Sachs 12, 312, 11
Keller; als wir kamen an den ort, dar der feinde wache vorhanden war, theten wir all erschieszen. Liliencron
hist. volkslieder 4, 507, 26; legst deiner engel wache rings umb ihn her, dasz kein beschwer, ohn dich an ihn sich mache. S. Dach 303
Österley; ... die wach ist sinnen losz, geschläfft durch starcken wein. A. Gryphius (1698) 1, 108 (
Katharina); zwar es würde dann vor mir sich kein spiel am thore rühren, keine wache präsentiren. Goekingk 3, 65; die wache hält ihm an der schwelle kreuzweis die hellebarden vor. Göthe
Faust 2.
th. 4740; dargegen müssen sie (
die von der wache befreiten) die ersten ausz den lägern, wann die wach abzeucht, auff sein. Fronsperger
kriegsb. 3, 107
b; Sigmund ... ward mit guter vergnügung durch die wache gelassen, welche dazumal ihre brücke nicht aufgezogen, weil die meisten auf einen anschlag ausgezogen waren. Chr. Weise
klügste leute 165 (1675); ich will nach der wache schicken und den mündel in ketten und banden schlagen. Gellert 3, 324 (
loos i. d. lotterie 5, 5); unter der hülle des däumlings ging sie ungesehen durch die wache im vorsaal, in die gemächer ihres frauenzimmers. Musäus
volksmährchen 1 (1804) 254; so erzählte der roszhändler ihm den vorfall, der die einsetzung der wache in seinem hause veranlaszt hatte. H. v. Kleist 3, 81 (
Kohlhaas); wir müssen den sturm benutzen, um fort zu ziehen (
zu fliehen) ... ich habe die pferde bestellt, unsre wache ist fortgelaufen, jeder zu den seinen. Arnim
kronenwächter 1, 134; wurde ein soldat beim unterricht gefragt: .. warum rufst du die wache in's gewehr, wenn ein groszer geschlossener zug .. vorüber zieht? Auerbach 18, 117 (
schatzk. II); durch's Spandauer thor kamen an die hundert geritten .. die wache vom thor trat nicht einmal in's gewehr. Alexis
hosen8 159. wache
bei den bienen: wache, bienenwache, ist der hauffe bienen, der den tag über, wenn die witterung warm ist, rund um den flader sitzet. es scheint, dasz sie jeden ankommenden genau durchforschen, und sonderlich in aufgabe haben die raubimmen abzuhalten. Overbeck
bienenwb. 89.
in den städten war wache (
vgl.wacht 8)
eine genossenschaft, in der die verpflichtung zu wachen reihum ging, dann auch, local gewendet, ein entsprechender bezirk: in dieser zeit (
dem 16.
jahrh.) gliederte sich die junge stadt Glaucha in drei quartiere, die man wachen nannte. Hertzberg
geschichte der stadt Halle 2, 278. II@1010)
das persönliche (
collective) wache
erscheint auch in einer reihe von festen verbindungen. II@10@aa) die wache stellen, liefern, geben: die husaren stellten die wache; so hat, wenn die erste grenadier-compagnie die wache giebt, die zweyte die reserve-wache.
wachtverordnung für die national-bürger-garde zu Leipzig (1813) 12; um sein schwert wider die zu ziehen, welche jetzo die wache zum heiligen grabe geben. Hippel 1, 39 (
lebensl. 1). II@10@bb) die wache aufführen,
to mount the guard. Ludwig 2358; die wache abführen,
descendre la garde. Rondeau; die wache verdoppeln,
to double the guard. Ludwig 2358; die wache verstärken,
renforcer la garde. Rondeau; die wache ablösen,
succedere aliis in stationem. Frisch 2, 411; die wache aufheben, einziehen
u. dgl.; wo die wachen auff und angeführt, soll den jhenigen, so wachen sollen, angezeigt werden, dasz sie gut ordenliche wach halten, nicht schlaffen. Fronsperger
kriegsb. 3, 112
b; ward also diese nacht die wache mit trommel und pfeifen in die stadt und den wällen aufgeführet. Schweinichen 1, 119; meinst du nicht dasz er schon die wach auf dich verstärcke, und alle deine tritt auffs heimlichste bemercke? A. Gryphius (1698) 1, 55 (
Leo); jeder zugang ist besetzt, und alle wachen sind verdoppelt. Schiller 5, 2, 423 (
don Karlos 5, 6); gebt mir euer wort, die wache sobald ich es wünsche wieder aufzuheben. H. v. Kleist 3, 60 (
Kohlhaas);
bildlich: die fahrlässige mutter hatte, bei der unruhe im hause, die wache vor dem herzpförtlein der geliebten tochter gerade zu unrechter zeit eingezogen. Musäus
volksmährchen 5 (1805), 304;
in übertragenem sinne ist eine wache aufführen
beschimpfenden lärm vor dem hause jemandes machen, pipulo aliquem diferre ante aedes, convicium alicui facere ante ostium. Serz 171. II@10@cc)
an stelle des collectivbegriffs macht sich vielfach der mehrheitsbegriff geltend, so dasz, wenn der plur. wachen
gebraucht wird, er auf die einzelnen glieder der wachmannschaft zu beziehen ist. während Steinbach 2, 908
schreibt wache ausstellen,
excubias disponere, auf alle zugänge wache stellen,
ad omnes aditus milites disponere, heiszt es dafür bei Frisch 2, 411 wachen ausstellen,
milites in statione ponere, excubias disponere: stellt gute wachen aus, besetzt die höhn! Schiller 13, 225 (
jungfr. v. Orl. 2, 1); nur weile nicht, bis man die wachen stellt sonst kömmst du nicht mehr durch nach Mantua.
Shakesp. Rom. u. J. 3, 3; man stellt im schlosse wachen, wie in kerkermauern, selbst vor des kaisers fürstliches gemach. Grillparzer 7, 112 (
bruderzwist 4); laszt die pferde absatteln! stellt wachen aus, auf dreihundert schritt um die herberge. H. v. Kleist 2, 193 (
Käth. v. H. 3, 2);
Alba. du hast die wachen vertheilt und beordert?
Gomez. aufs genaueste. Göthe 8, 250 (
Egmont 4). II@10@dd)
in andren verbindungen dagegen ergab sich die singularische auffassung von wache. einem die wache geben,
ihn wegen eines vergehens von soldaten bewachen lassen Adelung.
häufiger die wache setzen: der personal-arrest wird getheilet in den engen, als stuben- oder haus-arrest, wenn einem die wache gesetzt wird, und den weitern, wenn er nicht aus der stadt oder den gerichten weichen darf. Hayme
jurist. lexicon 19;
diese wache
pflegte ein einzelner soldat oder gerichtsdiener zu sein und wurde namentlich einem wechselschuldner ins haus gesetzt, um ihn zur erfüllung seiner verbindlichkeiten anzuhalten. Zedler
univ. lex. 52, 110: die comödien kann ich ihnen nicht schicken, und wenn sie mir die wache wollten setzen lassen. Gellert 4, 219;
in Preuszen gebraucht man einem die wache ansagen
für '
ihn zur rede stellen'
eigentlich '
ihm mit execution drohen' Frischbier 2, 450. II@1111)
auch abgesehen von den im vorausgehenden besprochenen verbindungen ist im 18.
jahrh. wache
in der bedeutung wachende person, namentlich im sicherheitsdienst, schon ganz eingebürgert. in der entwicklung dieses die einzelperson bezeichnenden wache
aus dem ursprünglichen abstractum stimmt das deutsche mit anderen neueren sprachen überein, vgl. franz. (
mit übergang zum m.) garde,
ital. guardia,
engl. watch.
das deutsche wörterbuch nimmt von dieser bedeutung, die sicher älter ist (
vgl.wacht 9),
erst spät ausdrücklich notiz: wo kann eine wachsamere wache gefunden werden?
quis excubitor potest inveniri vigilantior? Nieremberger: die wachen beziehen nur mit schauer diesen posten. Schiller 5, 2, 424 (
don Karlos 5, 6); musz alles mausstill um ihn (
Wallenstein) seyn. den befehl haben alle wachen, denn er denkt gar zu tiefe sachen. 12, 40 (
Wallenst. lager 9); es war die wache, die die stunden rief. H. v. Kleist 2, 457 (
Hermannsschl. 4, 4); schlummerstille herrscht im lager, ohne regung ruht das heer, einsam spähend sieht die wache auch nicht einen feind umher. Brentano 7, 301 (
Victoria 1); verklommen steht am thor die wach' und haucht in die erstarrten hände. A. v. Droste-Hülshoff
werke 2, 386; indessen bemühte sich die wache mich so gut sie wuszte zu trösten und zu stärken, ich aber beschwor sie um gottes willen, sie sollte schweigen und nichts zu mir sprechen. Göthe 34, 353 (
Benv. Cell. 2, 12); eine feierliche, erwartungsvolle stille war über die schar verbreitet, einzelne wachen nur hörte man von zeit zu zeit weit über das gebirge rufen. Eichendorff 2, 225
Dietze; bei der stange schritten die beiden wachen auf und ab. G. Keller 1, 370 (
gr. Heinrich); die wache, welche von der waffe gebrauch gemacht hat, ist der irrigen ansicht, dazu nicht berechtigt gewesen zu sein. v. Liszt
dtsch. strafrecht4 181.
im seewesen ist die dritte wache
s. v. w. der dritte steuermann. Bobrik 244. II@1212) wache
kann auch ein zeitabschnitt sein, eigentlich die zeit, während deren sich dieselben personen auf der wache befinden. die alten theilten die nacht in vier wachen
vigiliae ein, diese eintheilung begegnet auch im neuen testament: die schrifft teylet die nacht ynn vier teyl und nennet die teil der nacht wachung adder wartung ... ein iglich wache hat drey stund. Luther 1, 209, 30
Weim. ausg. (
sieben buszpsalmen 1517);
dagegen unterschieden die alten Hebräer nur drei wachen,
die erste, mittlere und dritte oder morgenwache: also kam Gideon und hundert man mit jm an den ort des heers umb die zeyt wenn die mittelsten wache angehet, und weckten die wechter auff.
richter 7, 19
var.; stehe des nachts auff und schrey, schütte dein hertz aus, in der ersten wache gegen den herrn, wie wasser.
klagel. 2, 19; und in der virden wache der nacht quam her zuo en wandernde uf dem mere.
M. v. Beheim
evang. Matth. 14, 25; ob her kuomit in der anderen wache, und ob her in der dritten wache kuomit.
Luc. 12, 38 (
ähnlich bei Luther); ach, lieber, ach, bleib noch! es kündet der hahn die erste der nächtlichen wachen nur
an. Bürger 34
b; als Spartas held sein kleines heer entschlummern hiesz, und um die zweite wache gewaffnet seyn zu heiszer rache. Seume 597; die Ungarn ... theilten die nacht in wachen, lagerten sich im grase und überlieszen sich schweigend dem wein und schlaf. Freytag 17, 382 (
bilder 1, 7);
auf den deutschen schiffen wird tag und nacht in sechs wachen,
jede vier stunden während, eingetheilt, die als tag-
oder morgenwache 4—8, vormittagswache 8—12, nachmittagswache 12—4, plattfuszwache 4—8, erste wache 8—12
abends und hundewache 12—4
nachts bezeichnet werden. Bobrik 714. II@1313)
an stelle der verpflichtung zu wachdienst in den städten trat vielfach eine abgabe, die dann auch mit wache
bezeichnet wird: so mag man in (
den fremden) wol ain jar versuchen, das man sech, wie er ain weis hab, und sol darnach steur und wach und alle rent geben und mit der stat leiden übel und guet.
österreich. weisthümer 5, 352, 2 (
Tirol 15.
jahrh.); dabey auch füro hin mein leptag mit stewr, wach und ander anlegunge gewärtig sein sol und wil.
Augsburger urkunde v. 1462,
d. städtechr. 5, 284
anm.; die zölle, die wachen, ja alle steuren zur gemeinen vertheydigung sollen ihm erlassen seyn, weil er das glück gehabt hat, ein plätzgen, welches man sich als frey gedenkt, zu erhalten? Möser
patriot. phant. (1778) 2, 208. II@1414) wache
heiszt auch ein vor dem hafen liegendes, den wachdienst verrichtendes schiff.