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Sünde

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
28 in 18 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Sünde f.

Sünde f.

Sünde f. (im Sinne des Christentums) ‘Verstoß gegen ein göttliches Gebot’, (allgemein) ‘Übertretung des Sittengesetzes, Verstoß gegen Verhaltensnormen, Verfehlung, Irrtum’, ahd. sunta (8. Jh.), mhd. sünde, sünte, sunte, asächs. sundia, mnd. sünde, mnl. sonde, sunde, nl. zonde, afries. sende, sinde, aengl. syn(n), engl. sin; aus dem Mnd. stammen wohl anord. schwed. synd. Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten. Schröder in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 56 (1928) 106 ff. versucht, eine Verbindung von Sünde mit dem alten unter Schande (s. d.) behandelten rechtssprachlichen Ausdruck herzustellen. Er erschließt germ. *skṃtjō ‘Scham’ und ein zugehöriges (mit Übergang von m zu n vor Dental) *skantō ‘Schande’, das nach (sonst kaum belegtem) Ausfall von k schwundstufiges germ. *sundjō ergeben habe. Andere sehen in den germ. Formen frühe Entlehnungen in die Kirchensprache aus lat. sōns (Genitiv sontis) Adj. ‘schädlich, sträflich, straffällig, schuldig’, Subst. ‘Schuldiger, Missetäter’ (Ausdruck der römischen Rechtssprache; zur Etymologie von sōns s. unten); vgl. de Vries Nl. 869, ebenso Walter Lehngut im Altwestnord. (1976) 87, der als Ausgangsform für das Germ. vlat. *sontia vermutet, eine als Fem. Sing. aufgefaßte Substantivierung des Adjektivs. Doch nach Frings in: PBB (H) 81 (1959) 427 und vor allem nach Seebold in: Die Sprache 15 (1969) 14 ff. ist germ. *sundjō bzw. (mit Aufgabe des Dentals) *sunjō im Sinne von ‘Schuld für eine strafwürdige Tat’ als alter germ. Rechtsausdruck aufzufassen, der in die Kirchensprache zur Wiedergabe von lat. peccātum ‘Sünde (gegen Gott)’ aufgenommen wird, vgl. ahd. sunta, suntea, asächs. sundia, afries. sende, sonde und aengl. syn(n) ‘Schuld, Vergehen, Sünde’. Als verwandte Bildungen stehen daneben ahd. sunna (9. Jh.), asächs. sunnia ‘wahrer Zustand, gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Entschuldigung, Notwendigkeit’, anord. syn ‘Wahrheitsbekräftigung’, auch ‘Einspruch, Leugnung’, nauðsyn ‘gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Notwendigkeit, Zwang’ und got. sunja (aus *sundj-) ‘Wahrheit’ (vgl. auch got. bisunjanē Genitiv Plur. ‘der ringsum Seienden, der Herumwohnenden’). Sie sind mit anord. sannr, saðr ‘wahr, schuldig’, asächs. sōð ‘wahr, Wahrheit’, aengl. sōþ- ‘wahr’ (germ. *sanþ-, *sund- ‘wahr’), außergerm. mit lat. sōns (s. o.), griech. ónt- (ὄντ-) ‘seiend’, aind. satyáḥ ‘wahr, wirklich’ zu *sṇtió-, vgl. aind. sánt- ‘seiend, gut, wahr’, Part. Präs. zu ásti ‘ist’, zusammenzustellen und auf die unter 1sein (s. d.) angegebene Wurzel ie. *es-, schwundstufig *s- ‘sein’ bzw. auf das zugehörige Part. Präs. ie. *sont-, *sṇt- zurückzuführen. Dabei ist für die den Begriff ‘Sünde’ wiedergebenden Ausdrücke eine Bedeutungsentwicklung von ‘das Seiende, Wahre, die Wahrheit’ über ‘festgestellte Schuld, (richtige) Sachverhältnisse, die den gegnerischen Aussagen entgegengestellt werden, Widerspruch, Verneinung’ zu (im christlich-kirchlichen Sinne) ‘Vergehen gegen Gottes Gebot, Böses’ anzunehmen. – Sünder m. ‘wer eine Sünde begeht’, ahd. suntāri (11. Jh.), mhd. sündære, sünder. sündhaft Adj. ‘einer Sünde entsprechend, mit Sünde behaftet, sündig’, steigernd im Sinne von ‘sehr’ (vgl. sündhaft dumm, sündhaft teuer, 19. Jh., doch wohl älter und bereits Ende 17. Jh. sich anbahnend), ahd. sunt(i)haft (8. Jh.), mhd. sündehaft. sündig Adj. ‘mit Sünde behaftet, gegen Gottes Gebot, gegen Sitte und Moral gerichtet’, ahd. suntīg (8. Jh.), mhd. sündec, sündic; dazu (oder als Weiterbildung von mhd. sünden Vb.) sündigen Vb. ‘eine Sünde begehen’, mhd. sündigen; versündigen Vb. ‘schuldig werden’, meist reflexiv ‘sich in Schuld verstricken, sich gegen Gott vergehen, Fehler machen’, mhd. versündigen ‘(sich) in Sünden stürzen, durch Sünden verderben’. Sündenbock m. ‘Mensch, dem unberechtigt alle Schuld zugeschoben wird, ohne daß er wirklich schuldig ist’ (Ende 18. Jh.), eigentlich ‘der Bock, der (nach 3. Mos. 16) die Sünde des Volkes stellvertretend in die Wüste trägt’ (seit dem 17. Jh. belegt), daher auch ‘schlimmer Sünder’ (17. Jh.). Sündenfall m. ‘(schwere) Versündigung’, mhd. sündenval, besonders (nach christlichem Glauben) ‘das Sündigwerden des Menschen’, eingeleitet (nach der Bibel 1. Mos. 3) durch den ‘Abfall von Gott’ des ersten Menschenpaares Adam und Eva (seit 17. Jh.).
4260 Zeichen · 131 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SÜNDEadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    SÜNDE adj. sündlich. sô ie næher, sô ie sünder und ouch schentlîcher swsp. vgl. Schmeller 3,266. eʒ ist gar sünde der ei…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹sündef.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 sünde (sunne) , ° sönde (westl.), f. , Sünde als religiöse Verfehlung, sündige Handlung; formelhaft verbunden: s. unde…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sünde

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    Die Sünde , plur. die -n, ein Wort, welches ehedem eine jede Übertretung des Gesetzes und die Handlung, durch welche das…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Sünde

    Goethe-Wörterbuch

    Sünde [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sünde

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Sünde , das Widersittliche unter religiösem Gesichtspunkt. Obwohl Paulus, der die Lehre von der S. begründet hat, als An…

  6. modern
    Dialekt
    Sünd(e)

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Sünd(e) [Sìnt, Sent fast allg.; Séin Geisp. ; Sein M. ; Se K. Z. ; Sent u. Se Hf. ] f. Sünde. Unter Kindern: s is t e …

  7. Sprichwörter
    Sünde

    Wander (Sprichwörter)

    Sünde 1. A dieu sünd, A dieu schand. – Gruter, III, 3; Lehmann, II, 32, 8; Simrock, 10030. 2. Alle Sünde büsst sich selb…

  8. Spezial
    Sünde

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Sün|de f. (-,-n) 1 (auch ‹fig› ) picé (piciá) m. 2 (Verfehlung) colpa (-pes) f. , fal (fai) m. ▬ eine Sünde begehen fá n…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit suende

298 Bildungen · 279 Erstglied · 14 Zweitglied · 5 Ableitungen

suende‑ als Erstglied (30 von 279)

sündecheit

Lexer

suendec·heit

sündec-heit stf. wan erʒ kriuze ûf im leit, daʒ er al der werlde sündicheit ûf sînen rucke nimt und treit Teichn. A 165 c .

sündeclich

Lexer

suendec·lich

sündec-lich adj. BMZ s. v. a. sündec Exod. Freid. Ulr. Wh. 132 b ( s. unter sûm). Elis. 9592. 98 ;

sündehaft

Lexer

suende·haft

sünde-haft adj. BMZ mit sünde behaftet Parz. Barl. von sündehaften schulden Msh. 3,28 a . 420 a . swenne ich sündehafter in den riuwen bade …

sünde lassen

DWB

suende·lassen

sünde lassen , mehr in älterem gebrauch: swer sünde lât ê si in lâze, der vert der wîsen strâze Freidank 36, 17 Grimm; seine sünden lassen, …

sündelĩk

MNWB

suende·lik

° sündelĩk , sünt- (Kerngebiet zunächst Westfalen, in der Reformationslit. Einfluß der Lutherform), adj. , 1. mit Sünden behaftet , sündig, …

sündemâse

BMZ

suende·mase

sündemâse swf. flecken, mit denen die sünde uns beschmutzt ( vgl. die beispiele mâse 2.), in folgender stelle noch mit festhaltung des urspr…

sündemeilic

Lexer

suende·meilic

sünde-meilic adj. s. v. a. sündenmælic. âne sundemeilige ( gedr. sundemæilige) minne Mar. 159,25. vgl. sündenmeil.

sünden

FWB

1. ›aufgrund der dem Menschen religiös vorgegebenen Sündenverfallenheit sündigen‹; 2. ›im christlich moralischen Sinne sündigen, Sünde begeh…

sündenaas

DWB

suenden·aas

sündenaas , n. , als bezeichnung des sündigen menschen, s. sünde VII 3 a: kan man gleich in dieser zeit alle fülle reichlich haben vor das g…

sündenablasz

DWB

suenden·ablasz

sündenablasz , m. , zu sünde I E 1: von einem protestantischen prediger läszt sich ... nicht behaupten, dasz er in dem punkte des sündenabla…

sündenamt

DWB

suenden·amt

sündenamt , n. : aber doch ist solch sündenampt und todampt gut und fast vonnöthen Luther 63, 16 Erl. —

sündenangst

DWB

suenden·angst

sündenangst , f. , die aus dem sündenbewusztsein erwachsende furcht vor gottes strafe: sie können alle ... dem beschwereten gewissen in ... …

sündenapfel

DWB

suenden·apfel

sündenapfel , m. 1) die verbotene frucht des paradieses, nach 1. Mos. 2 ( s. sünde I A 3): bevor noch des erzvaters mund den sündenapfel ber…

sündenbabel

DWB

suenden·babel

sündenbabel , f. , jüngere übertragung aus offenb. Joh. 14-19; von sittlich verkommenen groszstädten, aber gern scherzhaft spöttisch. besond…

sündenbad

DWB

suenden·bad

sündenbad , n. , bildlich für taufe: da wir unter der sünden gefangen lagen ..., da sei Christus kommen und für uns in das sündenbad getrete…

sündenbahn

DWB

suenden·bahn

sündenbahn , f. : barbarisch auf die sündenbahn pflegt mich die welt zu leiten G. Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 45 ; so w…

suende als Zweitglied (14 von 14)

busensünde

DWB

busen·suende

busensünde , f. schoszsünde, lieblingssünde, die einer gern und wiederholt begeht.

erbsünde

DWB

erbs·uende

erbsünde , f. peccatum originale: und die seel ist verwüstet durch die erbsünd der vereinung halb mit dem leib. Keisersberg christl. künigin…

Gewohnheitssünde

Adelung

gewohnheit·s·suende

Die Gewohnheitssünde , plur. die -n, eine Sünde, welche aus Gewohnheit begangen wird, oder zur Gewohnheit geworden ist.

Herrensünde

Wander

herren·suende

Herrensünde Die Herrensünde müssen die Bauern beweinen. Die Untergebenen müssen sehr oft die Vergehungen der Obern büssen. It. : I peccati d…

jugendsünde

DWB

jugend·suende

jugendsünde , f. peccatum juvenile. Steinbach 2, 776 ; es wäre dieses ein fehler gewesen, welchen man kaum mit dem gelinden namen einer juge…

Laßsünde

Adelung

lass·suende

Die Laßsünde , plur. die -n, in der Römischen Kirche, eine läßliche Sünde oder Erlaßsünde, eine geringe Sünde, welche leicht erlassen oder v…

prîncipâlsünde

MNWB

principal·suende

° prîncipâlsünde , f. : größte Sünde, Hauptsünde , de prîncipâl- und hö̂vetsünde des dü̂vels ( D. v. Soest ed. Löer 63) .

Schooßsünde

Adelung

schooss·suende

Die Schooßsünde , plur. die -n, in der Theologie, eine figürliche Benennung solcher Sünden, welche jemand am häufigsten und liebsten begehet…

schwachheitssünde

DWB

schwachheit·s·suende

schwachheitssünde , f. ( vgl. schwachheit 3), den vorsätzlichen oder bosheitssünden entgegengestellt ( Adelung ): ( man würde ) die sicherhe…

Straßensünde

Adelung

strassen·suende

Die Straßensünde , plur. die -n, in den Rechten, Sünden, d. i. Verbrechen, welche auf der Landstraße begangen werden; z. B. Versehrung der Z…

todsünde

DWB

tod·suende

todsünde , f. , mhd. tôtsünde, peccatum mortale. voc. 1482 996 b . ( vgl. tödlich I, 3 und todessünde): in tôtsünden vallen meister Eckhart …

zungensünde

DWB

zungen·suende

zungensünde , f. Kramer 2, 1486 b : ihre jungfräulichen zungensünden Rabener w. 1, 204 . vgl. unter zungenfehler. —

Ableitungen von suende (5 von 5)

besünde

BMZ

besünde swv. erkläre für einen sünder, rechne als sünde an. got besünde si niht MS. 2,110.

gesünde

Lexer

ge-sünde stf. sünde Rcsp. 1,221 ( 1411 ).

unsünde

FindeB

* unsünde adj. s.v.a. unsündic TürlWh.

ursünde

DWB

ursünde , f. , todsünde, hauptsünde (ur- C 4 c): die sieben ursünden Kramer 2 (1702) 1221 c ; Schleiermacher I 3, 383; übertragen: u. des eg…

versünde

BMZ

versünde swv. 1. stürze in sünden, verderbe durch sünden. in riuwet, swenner sichs verstât, daʒ er die sêle versündet hât Vrid. 51,22. Renne…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „suende". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/suende/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „suende". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/suende/pfeifer_etym. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „suende". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/suende/pfeifer_etym.
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