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Sünde

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
28 in 18 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Sünde

Bd. 19, Sp. 207
Sünde, das Widersittliche unter religiösem Gesichtspunkt. Obwohl Paulus, der die Lehre von der S. begründet hat, als Anfang der allgemeinen Sündhaftigkeit nach jüdischer Weise den Sündenfall Adams voraussetzt, so leitet er doch zugleich die S. spekulativ aus dem Fleisch (s. d., S. 679) ab. Damit war das Problem gegeben, an dessen Auflösung die Kirchenlehre sich zerarbeitete, indem sie den historischen Anfang mit dem moralischen Ursprung in Einklang zu bringen suchte. Die neuere Dogmatik verwendet die Sündenfallerzählung nur in bildlich-typischem Sinn und findet die natürliche Voraussetzung der S. in dem ursprünglichen Übergewicht des menschlichen Trieblebens, eigentliche S. aber erst in der unter Abweichung vom erkannten göttlichen Willen mit Freiheit erfolgenden Nachgiebigkeit gegenüber jenem. Die kirchliche Lehre leitet den Anfang aller Sündhaftigkeit her vom Sündenfall (s. d.), dessen Folge die Erbsünde (s. d.) ist. Aus dieser gehen die Tatsünden (peccata actualia) hervor. Die Moraltheologie unterscheidet vornehmlich Begehungssünden (p. commissionis) und Unterlassungssünden (p. omissionis); innere oder äußere Sünden (p. interna vel externa), sofern es sich um Gedanken und Begierden oder Worte und Taten handelt; Sünden der Bosheit, Übereilung und Schwachheit (p. voluntaria, in voluntaria, ex infirmitate), wenn direkt böser Entschluß und Absicht, oder mangelnde Erkenntnis und Überlegung, oder Aufregung und Leidenschaft zugrunde liegt; läßliche (Erlaß-) oder leichte Sünden (p. venialia) und schwere oder Todsünden (p. mortalia). mit Bezug auf geringere oder größere Einwilligung. Erkenntnis und Wichtigkeit der Sache, so daß die einen leichter Nachlaß finden, die andern jedoch den Verlust des Gnadenstandes und den ewigen Tod, d. h. die Verdammnis, nach sich ziehen. Materiell heißt die S., wenn die Übertretung gänzlich unbewußt und unfreiwillig, daher formell nicht schuldbar ist. Als besondere Gattungen der Sünden werden angeführt die sieben Hauptsünden (Hoffart, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit, Zorn, Trägheit), weil aus ihnen die andern Sünden entspringen, die sechs Sünden wider den Heiligen Geist nach Matth 12,31 f., die vier himmelschreienden Sünden (vorsätzlicher Totschlag, Sodomie, Unterdrückung der Armen, Witwen und Waisen, Vorenthaltung des gerechten Lohnes, 1. Mos. 4,10) und die neun fremden Sünden, dh. die Mitwirkung bei Sünden andrer Vgl. die Dogmatiken und Jul. Müller, Die christliche Lehre von der S. (6. Aufl., neue Ausg., Brem. 1889, 2 Bde.); C. Clemen, Die christliche Lehre von der S. (Göttingen 1897, Bd. 1); Tennant, The origin and propagation of sin (Cambridge 1902).
2652 Zeichen · 46 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SÜNDEadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    SÜNDE adj. sündlich. sô ie næher, sô ie sünder und ouch schentlîcher swsp. vgl. Schmeller 3,266. eʒ ist gar sünde der ei…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹sündef.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 sünde (sunne) , ° sönde (westl.), f. , Sünde als religiöse Verfehlung, sündige Handlung; formelhaft verbunden: s. unde…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sünde

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    Die Sünde , plur. die -n, ein Wort, welches ehedem eine jede Übertretung des Gesetzes und die Handlung, durch welche das…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Sünde

    Goethe-Wörterbuch

    Sünde [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sünde

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Sünde , das Widersittliche unter religiösem Gesichtspunkt. Obwohl Paulus, der die Lehre von der S. begründet hat, als An…

  6. modern
    Dialekt
    Sünd(e)

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Sünd(e) [Sìnt, Sent fast allg.; Séin Geisp. ; Sein M. ; Se K. Z. ; Sent u. Se Hf. ] f. Sünde. Unter Kindern: s is t e …

  7. Sprichwörter
    Sünde

    Wander (Sprichwörter)

    Sünde 1. A dieu sünd, A dieu schand. – Gruter, III, 3; Lehmann, II, 32, 8; Simrock, 10030. 2. Alle Sünde büsst sich selb…

  8. Spezial
    Sünde

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Sün|de f. (-,-n) 1 (auch ‹fig› ) picé (piciá) m. 2 (Verfehlung) colpa (-pes) f. , fal (fai) m. ▬ eine Sünde begehen fá n…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit suende

298 Bildungen · 279 Erstglied · 14 Zweitglied · 5 Ableitungen

suende‑ als Erstglied (30 von 279)

sündecheit

Lexer

suendec·heit

sündec-heit stf. wan erʒ kriuze ûf im leit, daʒ er al der werlde sündicheit ûf sînen rucke nimt und treit Teichn. A 165 c .

sündeclich

Lexer

suendec·lich

sündec-lich adj. BMZ s. v. a. sündec Exod. Freid. Ulr. Wh. 132 b ( s. unter sûm). Elis. 9592. 98 ;

sündehaft

Lexer

suende·haft

sünde-haft adj. BMZ mit sünde behaftet Parz. Barl. von sündehaften schulden Msh. 3,28 a . 420 a . swenne ich sündehafter in den riuwen bade …

sünde lassen

DWB

suende·lassen

sünde lassen , mehr in älterem gebrauch: swer sünde lât ê si in lâze, der vert der wîsen strâze Freidank 36, 17 Grimm; seine sünden lassen, …

sündelĩk

MNWB

suende·lik

° sündelĩk , sünt- (Kerngebiet zunächst Westfalen, in der Reformationslit. Einfluß der Lutherform), adj. , 1. mit Sünden behaftet , sündig, …

sündemâse

BMZ

suende·mase

sündemâse swf. flecken, mit denen die sünde uns beschmutzt ( vgl. die beispiele mâse 2.), in folgender stelle noch mit festhaltung des urspr…

sündemeilic

Lexer

suende·meilic

sünde-meilic adj. s. v. a. sündenmælic. âne sundemeilige ( gedr. sundemæilige) minne Mar. 159,25. vgl. sündenmeil.

sünden

FWB

1. ›aufgrund der dem Menschen religiös vorgegebenen Sündenverfallenheit sündigen‹; 2. ›im christlich moralischen Sinne sündigen, Sünde begeh…

sündenaas

DWB

suenden·aas

sündenaas , n. , als bezeichnung des sündigen menschen, s. sünde VII 3 a: kan man gleich in dieser zeit alle fülle reichlich haben vor das g…

sündenablasz

DWB

suenden·ablasz

sündenablasz , m. , zu sünde I E 1: von einem protestantischen prediger läszt sich ... nicht behaupten, dasz er in dem punkte des sündenabla…

sündenamt

DWB

suenden·amt

sündenamt , n. : aber doch ist solch sündenampt und todampt gut und fast vonnöthen Luther 63, 16 Erl. —

sündenangst

DWB

suenden·angst

sündenangst , f. , die aus dem sündenbewusztsein erwachsende furcht vor gottes strafe: sie können alle ... dem beschwereten gewissen in ... …

sündenapfel

DWB

suenden·apfel

sündenapfel , m. 1) die verbotene frucht des paradieses, nach 1. Mos. 2 ( s. sünde I A 3): bevor noch des erzvaters mund den sündenapfel ber…

sündenbabel

DWB

suenden·babel

sündenbabel , f. , jüngere übertragung aus offenb. Joh. 14-19; von sittlich verkommenen groszstädten, aber gern scherzhaft spöttisch. besond…

sündenbad

DWB

suenden·bad

sündenbad , n. , bildlich für taufe: da wir unter der sünden gefangen lagen ..., da sei Christus kommen und für uns in das sündenbad getrete…

sündenbahn

DWB

suenden·bahn

sündenbahn , f. : barbarisch auf die sündenbahn pflegt mich die welt zu leiten G. Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 45 ; so w…

suende als Zweitglied (14 von 14)

busensünde

DWB

busen·suende

busensünde , f. schoszsünde, lieblingssünde, die einer gern und wiederholt begeht.

erbsünde

DWB

erbs·uende

erbsünde , f. peccatum originale: und die seel ist verwüstet durch die erbsünd der vereinung halb mit dem leib. Keisersberg christl. künigin…

Gewohnheitssünde

Adelung

gewohnheit·s·suende

Die Gewohnheitssünde , plur. die -n, eine Sünde, welche aus Gewohnheit begangen wird, oder zur Gewohnheit geworden ist.

Herrensünde

Wander

herren·suende

Herrensünde Die Herrensünde müssen die Bauern beweinen. Die Untergebenen müssen sehr oft die Vergehungen der Obern büssen. It. : I peccati d…

jugendsünde

DWB

jugend·suende

jugendsünde , f. peccatum juvenile. Steinbach 2, 776 ; es wäre dieses ein fehler gewesen, welchen man kaum mit dem gelinden namen einer juge…

Laßsünde

Adelung

lass·suende

Die Laßsünde , plur. die -n, in der Römischen Kirche, eine läßliche Sünde oder Erlaßsünde, eine geringe Sünde, welche leicht erlassen oder v…

prîncipâlsünde

MNWB

principal·suende

° prîncipâlsünde , f. : größte Sünde, Hauptsünde , de prîncipâl- und hö̂vetsünde des dü̂vels ( D. v. Soest ed. Löer 63) .

Schooßsünde

Adelung

schooss·suende

Die Schooßsünde , plur. die -n, in der Theologie, eine figürliche Benennung solcher Sünden, welche jemand am häufigsten und liebsten begehet…

schwachheitssünde

DWB

schwachheit·s·suende

schwachheitssünde , f. ( vgl. schwachheit 3), den vorsätzlichen oder bosheitssünden entgegengestellt ( Adelung ): ( man würde ) die sicherhe…

Straßensünde

Adelung

strassen·suende

Die Straßensünde , plur. die -n, in den Rechten, Sünden, d. i. Verbrechen, welche auf der Landstraße begangen werden; z. B. Versehrung der Z…

todsünde

DWB

tod·suende

todsünde , f. , mhd. tôtsünde, peccatum mortale. voc. 1482 996 b . ( vgl. tödlich I, 3 und todessünde): in tôtsünden vallen meister Eckhart …

zungensünde

DWB

zungen·suende

zungensünde , f. Kramer 2, 1486 b : ihre jungfräulichen zungensünden Rabener w. 1, 204 . vgl. unter zungenfehler. —

Ableitungen von suende (5 von 5)

besünde

BMZ

besünde swv. erkläre für einen sünder, rechne als sünde an. got besünde si niht MS. 2,110.

gesünde

Lexer

ge-sünde stf. sünde Rcsp. 1,221 ( 1411 ).

unsünde

FindeB

* unsünde adj. s.v.a. unsündic TürlWh.

ursünde

DWB

ursünde , f. , todsünde, hauptsünde (ur- C 4 c): die sieben ursünden Kramer 2 (1702) 1221 c ; Schleiermacher I 3, 383; übertragen: u. des eg…

versünde

BMZ

versünde swv. 1. stürze in sünden, verderbe durch sünden. in riuwet, swenner sichs verstât, daʒ er die sêle versündet hât Vrid. 51,22. Renne…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „suende". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/suende/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „suende". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/suende/meyers. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „suende". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/suende/meyers.
BibTeX
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