rasen,
verb. insanire. 11) Megenberg
bezeichnet das wort als ein düringisches: (
nieszwurz) benimt auch den siehtum, der melancolia haiʒet, daʒ haiʒent die Dürgen râsen, wenn ain mensch mit im selber redet gämleicheu dinch. 400, 7;
aber es war zu seiner zeit ein allgemein mittel- und niederdeutsches wort: dementare, rasen Dief. 172
a;
insanire, rasen,
in niederrheinischer form raesen, raisen, raissen 300
b;
furire, rasen 253
b;
fantasiare, eisen, gruwen, rasen, doven
nov. gloss. 166
b;
mnd. rasen Schiller-Lübben 3, 423
a; unde sopen sik rasede (= rasende) dul.
d. städtechron. 16, 453, 3 (
Braunschweig, anf. des 16.
jh.);
niederl. raesen
i. rasen,
furere Kilian,
dessen bedeutung auf der vorstellung einer ungestümen bewegung beruhte, wie sie in altnord. râs
lauf, rennen, râsa
ungestüm laufen, ags. ræs
angriff, sturm, ræsan
anstürmen, râsettan
emporlohen, engl. race
lauf, mnd. râs
heftige strömung, niederl. raes
aestuarium (Kilian)
erscheint. obwol das verbum auch frühe in oberdeutschen quellen sich findet: mich dunket, daʒ ir râset (: gelâset).
ges. abent. 3, 618, 205; swer tobende râse mit dekeiner sunden mâse. H. v. Langenstein
Martina 283
a, 15;
war es doch dort im 16.
jahrh. noch so wenig allgemein bekannt, dasz der Basler nachdruck von Luthers neuem testament es seinen lesern erklären muste: rasen, toben, unsinnig, fast zürnen. Fromm. 6, 43
b;
und die aussprache stand daselbst noch nicht fest, indem man theils geschärft sprach und demgemäsz rassen
schrieb: so gehn wir umb umschanzen, prassen, rassen, danzen.
Garg. 50
b,
theils den stammvocal lang nahm und ihn in ô
übertreten liesz: delirare, raszen, rosen, roszen Dief. 172
a (
aus oberd. vocc.); die wurden ganz unsinnig rosen, liefen im land harum zuo tosen. Wickram
bilg. P 3,
bl. 55;
erst seit dem ende des 16.
jahrh. hat sich überall das wort in der heutigen form, auch in den oberdeutschen mundarten, festgesetzt. 22) rasen
heiszt 2@aa)
intransitiv: vernunftlos sich gebaren, unsinnig reden oder handeln, von sinnen sein und es äuszern: da er
aber solchs zur verantwortung gab, sprach Festus mit lauter stimme, Paule, du rasest, die grosze kunst machet dich rasend (
μαίνη,
Παῦλε! τὰ πολλά σε γράμματα εἰς μανίαν περιτρέπει). er aber sprach, mein thewr Feste, ich rase nicht (
οὐ μαίνομαι), sondern ich rede ware und vernünftige wort.
ap. gesch. 26, 24. 25; da sprach Achis zu seinen knechten, sihe, jr sehet das der man unsinnig ist, warumb habt jr jn zu mir bracht? hab ich der unsinnigen zu wenig, das jr diesen her brechtet, das er neben mir rasete?
1 Sam. 21, 15; aber was frage ich darnach? sie toben oder rasen, ich wil nicht wehren, das sie verdeudschen was sie wöllen, ich wil aber auch verdeudschen, nicht wie sie wöllen, sondern wie ich wil. Luther 5, 142
b; wann darnach euch die köpfe vom wein erhitzet waren, da fiengt jhr an zu jauchzen, zu rasen und zu lören, wie unsinnige leuthe.
Phil. Lugd. 3, 225; der raset, der den tod herbei wünscht.besser in schande leben, als bewundert sterben. Schiller
Iphigenie in Aulis 5, 3; man rast
in liebe, in der fieberhitze (
vergl. dazu unten 5,
b, α): der kranke raset noch immer fort,
aegrotus usque delirat, deliramenta loqui pergit. Stieler 1523; vor liebe rasen,
ex amore insanire. Steinbach 2, 217; ich musz hin! und da will ich mich wieder gescheidt oder völlig rasend gaffen. Göthe 8, 51; bin ich der einzig nüchterne und alles musz um mich her in fiebers hitze rasen? Schiller
jungfrau von Orl. 2, 5; Laura, träum ich? ras ich? die gedanken überwirbeln des verstandes schranken.
das geheimnis der reminiscenz; ich werde rasend, toll; ist das ein wunder? fort wächst der flötenton (
des Cupido), schall der posaunen (
des Mavors), ich irre, rase schon; ist das zu staunen? Göthe 5, 17; sie tanzt mich rasend — ich werde toll — sprich, weib, was ich dir schenken soll? H. Heine 18, 44; in schwärmerei, begeisterung, als dichter rasen: schwärmerei, die unter dem schutze einer schulmetaphysik wagen darf, mit vernunft zu rasen. Kant 3, 316; mit vernunft rasen heiszt: der form seiner gedanken nach zwar nach principien verfahren, der materie aber oder dem zwecke nach die diesem gerade entgegengesetzten mittel anwenden. 10, 211; wie die poeten oft über ihre eigenen werke vor bewunderung auszer sich gerathen und nicht mehr die spur verfolgen können, auf der sie bis zu dem hohen fluge gerathen sind; das nennt man dann ein heiliges rasen. Bode
Montaigne 3, 41; geht wo ein schulregent in einem flecken ab, mein gott! wie rasen nicht die tichter um sein grab; der tod wird ausgefilzt, dasz er dem theuren leben nicht eine längre frist, als achtzig jahr gegeben; die erde wird bewegt, im himmel lerm gemacht. Caniz 98;
endlich auch von dem tollen treiben junger, noch nicht zu verstande gekommener leute: rasen
etiam notat ineptire, petulantem, lascivum et protervum esse, ut juvenes, quando prae impotentia mentis lasciviunt, grassantur et bacchantur. hinc proverb. er hat noch nicht geraset, darum soll er meine tochter nicht haben,
fervorem juvenilem nondum exuit et ideo matrimonio aptus haut est. Stieler 1522; junge leute rasen gerne mit einander,
adolescentes fere mutuas nugas agunt, cum lupis ululant, intemperanter inter se agunt. 1523; alle haben wir einmal in der jugend geraset.
exemplarischer priester (1690) 271. 2@bb)
ein ungewöhnliches transitives rasen,
durch unsinniges thun bewirken: hätt ich (
spricht Jupiter) ihnen (
den menschen) nicht das zeugungswerk mit so viel reiz verbunden, dasz sie es für das höchste glück des menschlichen lebens halten und in dieser sinnverwirrung mir immer neues spielwerk daherrasen. Klinger
theater 3, 410. 33) rasen,
sich unsinnig gebaren aus zorn, wuth, schmerz, im höchsten grade zürnen, toben; in mehrfachen fügungen. 3@aa) rasen vor zorn,
irae rabie agitari. Frisch 2, 87
b; gieb achtung, wenn er raset,
attende eum in rabiem prolapsum. Steinbach 2, 217; wenn er sich dagegen verhärten sollte? so werde ich nicht zürnen — ich werde rasen. Lessing 2, 16; der wilde raszt schon an den mauern. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 128; das flämmchen selbst, das ihr so eifrig angeblasen, giebt euch zum argwohn stoff, und macht euch heimlich rasen. Wieland 22, 291 (
Oberon 6, 77); begegn ihm, dasz er glaubt, du könntest ihn entbehren; zwar wird er rasen, doch das wird nicht lange währen. Göthe 7, 9; sie raset und rennet und theilet die menge. 1, 253; wie er schalt, mir fluchte, lästernd raste. 40, 399;
statt der person die leidenschaft als subject: ohne begnadigung fiel der feind, und ohne verschonung; überall raste die wuth und die feige tückische schwäche. 293. 3@bb) gegen, wider einen rasen: wieder einen rasen,
in aliquem insanire. Steinbach 2, 217;
Mellefont. sie rasen, Marwood —
Marw. du erinnerst mich, dasz ich nicht gegen den rechten rase. Lessing 2, 31; wenn ich nicht gegen das unendliche rasen will. Herder
z. phil. 4, 3; mir kam ein schreckliches gerücht zu ohren, der könig rase gegen kind und mutter. Schiller
don Carlos 4, 13; doch mit verruchten mörderhänden gegen mein theures kind, mein eignes blut zu rasen — abscheulich!
Iphigenie in Aulis 2, 2. 3@cc) einen rasend machen, rasend sein, werden: rasend machen,
rabie accendere, er ist rasend worden,
furor eum invasit Frisch 2, 87
b; gedult zu hoch angespannt, wirt rasend. Agr.
spr. 321
b; ist ein andrer nicht um so viel reicher? (
sagt ein geizhals). ein andrer um so viel reicher! ich möchte rasend werden. Lessing 1, 148; 's ist zum rasend werden! so was kann mich fluchen und schelten machen wie ein weib. Fr. Müller 2, 124; ich möchte mir selbst was zu leide thun! sie werden mich am ende noch rasend machen! Göthe 11, 97; ihr seid rasend. der feind bricht auf allen seiten rein und ihr hadert! 8, 148; der mären war der koch nit fro, den braten warf er auf die erden, und thet als wolt er rasendt werden.
Grobian. R 4
b (
v. 4486); so ein lied, das stein erweichen, menschen rasend machen kann. Lichtwer
fabeln 1, 21; ein ungeheures wildes schwein, das oft die winzer rasend machte, ging auf den raub. 2, 10; der teufel hohl das menschengeschlecht! man möchte rasend werden. Göthe 2, 289; so geht es fort, man möchte rasend werden! 12, 72. 3@dd)
dieses rasen
in dichterischer sprache selbst transitiv: gräuel .. die allen wahnsinn übertreffen, den die menschen von ihrem beginnen gerast haben. Klinger 3, 23; indessen hatte seine gemahlin zeit, eine scene der verzweiflung mit ihrem buhlen zu rasen. 133; wie waget das werthlose, nichtsnützige ding zu rasen, das nichts als die sprache und gestalt von menschen hat? er raset ketzerei und verdirbt unsre jugend. 6, 148. 3@ee)
unpersönliches rasen: es rast ein sinn aus seinen worten, der uns verräther schilt. Klinger 2, 47. 3@ff)
gerne steht auch rasen
von aufgeregten elementen, krieg, aufruhr u. a., im gesteigerten sinne von toben
oder wüthen: ich geb euch (
winde) macht, vom abend bisz zum morgen, vom morgen bisz zur mitternacht mit eurer wuth zu rasen. Picander 1, 147; rannen nicht viel der bäche, da sie, die erobrung, raste? Klopstock 2, 74; aber rasete nicht schon öfters des krieges verderbend gewitter gegen Theresiens heiliges erb? Mastalier
ged. (1782) 50; dumpf donnernd, wie die hölle in Aetnas tiefen rast. Matthisson
ged. 132; s ist heut Simons und Judä, da rast der see und will sein opfer haben. Schiller
Tell 1, 1; wenn der sturm in dieser wasserkluft sich erst verfangen, dann rast er um sich mit des raubthiers angst. 4, 1;
vergl. aber dazu auch unten 5,
b, β. 44) rasen,
von einem schrankenlosen verlangen: die, deren gaist und herz, von frechem übermuth und hochfart aufgeblasen, (als meine todfeind) mich mit tyrannei und wuht zu tödten, rasen. Weckherlin 176; warum von der göttinnen schlimmster dich, dich von der ehrbegier beherrschen lassen? .. sieh! und nach dieser rasest du! Schiller
Phöniz. v. 555; leyerklang aus paradises fernen, harfenschwung aus angenehmern sternen ras ich in mein trunken ohr zu ziehn.
hist.-krit. ausg. 1, 224. 55) rasen
blosz von ungestümen und heftigen bewegungen, wie toben, stürmen (
vergl. dazu die urbedeutung des wortes oben 1);
schon in oberdeutschen quellen des späteren 16.
jahrh. bezeugt, die stelle aus Garg. 50
b oben unter 1; (
die kinder) thund anders nichts dann spielen, raszen. Wickram
bilg. 44
a;
gern auch in der neueren sprache. 5@aa)
von personen: nun sprang sie auf, und raste, die schellentrommel in der hand, um den tisch herum. Göthe 19, 212; nahe um die stadt unter dem ersten thore rasete die schuljugend. J. Paul
flegelj. 1, 160; doch hör ich auf schalmaien den schäfer nur blasen, gleich möcht ich mit zum reihen und tanzen und rasen. Göthe 11, 146; die kinder kamen einen augenblick zu uns, aber sie rasten gleich wieder davon; eine schar buben raste aus dem thore der schule hervor; die eltern sollten ihre kinder nicht so herum rasen lassen. 5@bb)
mit sächlichem subjecte, wo aber die bedeutung mehr in mischung mit anderen vorhergenannten auftritt. 5@b@aα)
von den heftigen bewegungen der leidenschaften, krankheiten in uns, mit anklang an die bedeutung 2
oben: die gluth der liebe rast durch meine sinne. Klinger 2, 386; die wilde gluth der liebe rast in meinem blute. 394; die pest oder ein böses fieber rasen in einem gesunden vollsaftigen körper, den sie anfallen, schneller und heftiger. Göthe 18, 217; das alles raste zusammen in meinem durch liebe und leidenschaft, wein und tanz aufgeregten blute. 26, 24; liebeswuth, weinesgluth, rast im blick, sträubt das haar! 2, 27; dann fängts auf einmal an zu rasen, ein mächtger geist schnaubt aus der nasen, es wildzt die innere natur. 92; doch nie gelängs, die innre gluth zu dämpfen; schon rasts und reiszts in meiner brust gewaltsam. 3, 29. 5@b@bβ)
von dingen auszer uns, strom, sturm, feuer, geschossen u. s. w. und ihrem dahinstürmen, übergang in die bedeutung 3,
f liegt nahe, und die beispiele können nicht immer scharf gesondert werden: ein wilder sturm raste. Klinger 5, 152; indesz der tyrann der musik, die orgel, wie ein orkan darein (
in den choral des volks) rast und tiefe fluhten wälzt. Heinse
Ardingh. 1, 56; das dampfrosz schnaubte und raste über die weite thallandschaft, wie ein pferd aus Beelzebubs marstall. Freytag
soll und haben 1, 383; lasset meer und wellen rasen, wellen gehn zum himmel nächst. Spee
trutzn. 76, 15; raset und brauset ihr heftigen winde. Picander 3, 138; es rast das schnelle mordmetall, und reihen krieger trifft der fall. Lichtwer
schriften 277; der donner rast in seinem arm. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 347; sein ehrgeiz war ein mild erwärmend feuer, noch nicht die flamme, die verzehrend rast.
Wallensteins tod 3, 3; rast nicht die welt in allen strömen fort, und mich soll ein versprechen halten? Göthe 12, 87; wie rast die windsbraut durch die luft! 206. 66) rasen,
in bezug auf die tollheit der wölfe und hunde, ist wenig gebräuchlich: item in dem selven jair .. was ein plage ind ein raserie umbtrint Coellen (
um Köln herum) 4 milen van rasen wolven, die honde, perde, verken, ganse ind ouch etzliche luide ind ander beesten bissen, die ouch rasen wurden.
d. städtechron. 14, 906, 17; der hund raset,
canis rabiosus est. Steinbach 2, 227; ein rasender hund,
canis rabidus, rabiosus Frisch 2, 87
b;
niederl. rasen als de honden,
rabire Kilian. 77)
das part. präs. rasend,
substantivisch, adjectivisch, adverbial. 7@aa)
subst. ein rasender: der rasende,
furens, furiosus, insanus, vesanus, delirus, lymphatus, phreneticus, die rasende,
foemina furiosa, fatua, furens, improvida Stieler 1523; warumb ist dieser rasender zu dir komen?
2 kön. 9, 11; sie haben als rasende einen anfall gethan,
velut vecordes illati sunt. Steinbach 2, 217; schon glaubte der rasende sein ziel getroffen zu haben. Lessing 1, 166;
der reisende. träumt ihr, oder raset ihr?
Christ. keins von beiden. denn für einen rasenden wäre meine rede zu klug, und für einen träumenden zu toll. 334; du hieltest dieses wort dem rasenden zu gute. Picander 1, 215; der ist ein rasender, der nicht das glück festhält in unauflöslicher umarmung, wenn es ein gott in seine hand gegeben. Schiller
Maria Stuart 3, 6; Sauvage führte den streich, der rasende. 3, 8; zu welchem rasenden macht man den herzog!
Piccolomini 5, 1; hat sich dir was im kopf verschoben? dich kleidets, wie ein rasender zu toben! Göthe 12, 144;
neutr. das rasende,
von der that eines rasenden: wer hat das rasende gethan? Schiller
Maria Stuart 3, 8. 7@bb)
adjectivisch: rasend,
furiosus, rasend in einer krankheit,
phreneticus. Frisch 2, 87
b; rasender weise,
furiose. ebenda; ein rasender mensch,
homo furiosus. Steinbach 2, 217; die rasenden begierden,
cupiditates furiosae. ebenda; rasender zorn,
ira furibunda. ebenda; wir haben hie einen rasenden unsinnigen narren. Luther 8, 239
a; der rasende nordwind hatte seine stärke in einer stürmischen nacht an einer erhabenen eiche bewiesen. Lessing 1, 159; so entstanden die beiliegenden blätter und ein lied der drei rasenden sänger. Arnim
Hollins liebeleben 71
Minor; das tolle zeug, die rasenden gebärden, der abgeschmackteste betrug, sind mir bekannt, verhaszt genug. Göthe 12, 129; diesen (
mast) umschlang ich und trieb, von dem rasenden sturme geschleudert.
Odyss. 14, 313; rasendes zeug,
unsinniges. Adelung; glauben sie solch rasendes zeug nicht! Lessing 1, 240; du würdest .. aus lust und liebe in den flammenden abgrund steigen, in den ein rasendes gesetz die indischen frauen zwingt. Schlegel
Lucinde s. 9;
an blosz verstärkende bedeutung anstreifend, aber immer auf grund der vorstellung des stürmens: rasendes glück hat er. Klinger 1, 154; mit rasender eile fliehen; mit rasender schnelligkeit fuhren die gedanken durch sein haupt. Freytag
soll u. haben 2, 390; in trunkenem muth treibt er seine pferde zum rasenden wettlauf mit andern gespannen. 115; rette dich aus dem getümmel der stadt, und dem rasenden lärme, welcher die rauschenden freuden in stolzen mauern begleitet! Zachariä
tagesz. s. 73; wo bin ich? rasender betrug — ich habe das rechte kabinet verfehlt. Schiller
don Carlos 2, 8. 7@cc)
adverbial: nach etwas rasend trachten,
rabide aliquid appetere. Steinbach 2, 217; den feind rasend angreifen,
impetum in hostem rabiose facere. ebenda; und das mädchen lieb ich noch immer so rasend, wie jemals. Göthe 20, 226;
eben auch nur verstärkend stehend: rasend viele leute; er hat einen rasend groszen zulauf; rasend,
als adv. gerne für sehr
gebraucht Schm. 2, 137
Fromm.; er hat rasend viel geld. Campe. 88)
der infinitiv substantivisch: der herr wird dich schlahen mit wahnsin, blindheit und rasen des herzen.
5 Mos. 28, 28; das rasen in einer krankheit,
phrenesis Frisch 2, 87
b; das ist das göttliche und heilige rasen in der ode. (Schönaich)
ragout à la mode oder das neolog. wörterb. erste zugabe (1755) 13; doch ist in der dichtkunst allezeit eine sorgfalt, und mitten im poetischen rasen eine bescheidenheit nöhtig. Drollinger 200; der liebt nicht, der mich nur aus rasen lieben kann! A. Gryphius (1698) 1, 211 (
mit bezug auf einen genossenen liebestrank); die in Pindars glut geblasen, und der seelen edles rasen in verwegnen bildern malt. J. E. Schlegel 4, 195; auch ich, von ihr (
der einfalt) verführt, vom hochmuth aufgeblasen, hielt für die wahrheit selbst ein philosophisch rasen. Lessing 1, 188; das schädliche rasen,
furor perniciosus. Steinbach 2, 217; vor rasen blind sein,
furore occaecari. ebenda; da kömmt der bluthund her; dampf geht aus seiner nasen, das herz, das mörderloch, quillt ein vergifftes rasen. Picander 1, 214; sie zürnte fast zum rasen, dasz der vermeszne, der mit profanem gesicht in ihren reizen gewühlt, noch odem in seiner nasen behalten sollte. Wieland 5, 91 (
n. Amadis 15, 11); doch willkommen sei des fluches rasen, denn so liebt er mich, wie er mich schmähte. Göthe 40, 399; das rasen der windsbraut, des sturmes, das rasen des stromes, des feuers; nicht wie ein strohm, der aufgeblasen mit murren, brausen, stürmen, rasen durch die erschreckten ufer fährt. Picander 3, 29; doch plötzlich kehrt ihr (
der winde) sanftes blasen sich in ein ungezähmtes rasen. Drollinger 10.