Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hengen swV.
1.1 ‘(einem Tier) die Zügel/ die Leine hängen lassen, frei geben’
1.2 übertr.
2 übertr. ‘jmdm. nachjagen, nachstreben’ (ursprünglich Ausdruck aus der Jagd: ‘ Pferd/ Hund auf eine Spur lassen’ )
3 ‘geschehen lassen, gestatten, nachgeben’
3.1 abs.
3.2 jmdm. etw. (Gen., Akk., ze etw.)
3.3 ohne Gen./Akk.
3.4 ohne Dat.
3.5 mit daz -Satz ‘gestatten, verfügen’
4 ‘einem etw. gelingen, vonstatten gehen’
5 ‘hängen’
5.1 intr.
5.2 tr.
5.2.1 ‘etw. hängen an, in, ûf, über etw.’
5.2.2 als Tötungsart ‘jmdn. aufhängen’ , auch ‘kreuzigen’ ( → henken 2 )
5.3 subst.
6 ‘an etw. hängen, festhängen; festhalten’
6.1 in einem Vergleich
6.2 refl.
1 ‘hängen lassen’ 1.1 ‘(einem Tier) die Zügel/ die Leine hängen lassen, frei geben’ dem rosse er gehanchte, / ze Genilune er sprancte StrKarl (S) 2413. 6260; henget dem orse, vart vorbaz! Kreuzf 5888; do henkt er sinem rosse der userwelte man WolfdD (H) 1619,1; UvEtzAlex 9054; Herb 11561; ein edel hunt, den [l. dem?] man nâch wilde henget Loheng 5543. – ohne Dat.: man suͦche, man lâzze, man henge, / man beize, man iage, man schieze Hadam (Sch) 43,1. 561,2; hie mite sô neicter daz sper, / mit dem zügel er hancte, / er hiu unde sprancte Tr 9161; die helde begunden sprengen alle do die ros / und nach irem willen hengen WolfdD (H) 2011,2; UvEtzAlex 3627. – ûf jmdn. ~ ‘die Zügel frei lassen und jmdn. anlaufen’ die helde begunden sprengen die ros mit den sporn, / und ufeinander hengen WolfdD (H) 282,2; wan in Hector kam ûf dem wege / mit nîde zuo gesprenget. / er hete ûf si gehenget / sô drâte bî der wîle, / daz si mit sneller île / von im ervolget wâren KvWTroj 35080 1.2 übertr.: wirf in die mitte dînen sin, / habẹ [halte] und henge, vürhte got, / sô gât dîn leben mit sælden hin Winsb 30,9; [ milte ] kan wol hengen unde haben, si kan wol halten unde lân RvZw 120,3; [im Zuge einer allegorischen Jagd:] ich henget hin mit sorgen Hadam (Sch) 65,1 2 übertr. ‘jmdm. nachjagen, nachstreben’ (ursprünglich Ausdruck aus der Jagd: ‘ Pferd/ Hund auf eine Spur lassen’): er [der Teufel] im [dem Menschen] henget mit gedänken unz in den willen und in den glust BdN 298,18 3 ‘geschehen lassen, gestatten, nachgeben’ 3.1 abs.: iedoh must er hengen, / erne mahtez [den Aufbruch] niht gelengen Wernh D 2221; gedenchet wol [...], / daz diu êwige maget / Josêbe wart gemahelôt, / unt daz si muoste durch nôt / volgen unde hengen Wernh 3127; Marcus sprichit [...]: / ‘hengit [ sinite Mc 10,14] , nit enwerit ir, / die kleynen kvmmen lat zuͦ mir, / wan ir ist sicherliche, / daz wiszit, godis riche!’ PrHess 68,227 3.2 jmdm. etw. (Gen., Akk., ze etw.) ~ : waz ist daz wort [...] / des Ôzias dem lûte gehenget hât JJud 998; Clêmens von ir wancte, / nehainer minne er ir gehancte, / [...] er wolt ir gerne entrinnen Kchr 2826. 5785; ich iu vil gerne henge / iurs willn Georg 318; PrOberalt 32,9; KvHeimUrst 312; LebenChristi 29; îeuueren úbelen uuíllon héngon íh íu Will 72,4; zedehainen sinem willen er im gehanchde PrWack 22,1 3.3 ohne Gen./Akk.: gehengen wir deme flaiske unde deme tieuuile, daz uirliuset uns den sege TrudHL 105,2; ir selbes willen si nu wielt, / alse ir der oheim hangete: / nieman si nihtes drangete Elis 5561; AvaJo 21,4; Rol 5985; Seuse 503,7 3.4 ohne Dat.: div ewige maget / Josebe wart gemæhelot, / des sie hengen muste durh not Wernh D 2948; wil ez ieman noch mit minnen scheiden, des heng ich, / ê daz deheiner slahte zorn gein ir beswære mich KLD:UvL 20: 7,1; du des nicht hengest des dir geraten ist PrOberalt 107,8; Elis 1557; Krone 23500. – mit Gen. sîn für es: wan im [dem Teufel] was ie [...] leit / swâ iemen dehein guot geschiht, / und enhenget sîn niht / swâ erz mac erwenden Greg 312; nu seht daz sîn gewalt ist guot / dâ von daz er dâ mit tuot / schaden dâ sîn got hengen wil WälGa 4805; Rol 8954 3.5 mit daz-Satz ‘gestatten, verfügen’ nu van Bullion Gallerant / Karle deme koninge hat bekant / [...] dat he dede enbunden / Morant inde wolde gehengen / dat man in vore muͦste brengen [vorführen] MorantGalie 2411; so gehengen inde willen wir, dat [erg. Subj. sie ] vns bidden inde manen UrkCorp (WMU) 75,14; des hain wir geheint [...] vme Arnols bede [...], dat he [...] dat vorsprochen koren [Korn] sal gelden ebd. 836,30 4 ‘einem etw. gelingen, vonstatten gehen’ er sprah [zum Schenken] : ‘ [...] dû solt trinchen sciere, / die vursten suln alle wol sehen, / waz dû mir dâ woldest geben. / nû lâ unz sehen, wiez dir henge [...] ’ Kchr 7500 5 ‘hängen’ 5.1 intr.: von sinen sieten henget smer Hiob 6278; an dem vleysche hengin di adamanten MarcoPolo 63,16; der rouch [...], der gerynt und blibit hengende an deme roste ebd. 9,12. – übertr.: hye sayt uns der lerer zunge / daz alle di meinunge / di Job indiseme buche hat, / dar an hænget [davon abhängt] unde stat / daz wol understunden nu / in disem lebene loufet zu / bosen luten und ungemut / groz gelucke und grozes gut Hiob 354. – Part.-Adj. ‘angehängt, angefügt’ vnder meinem hengentem jnsigel UrkCorp (WMU) 3339,16 5.2 tr. 5.2.1 ‘etw. hängen an, in, ûf, über etw.’ darvmme hengen die siechen ir jnsigel an disen prief UrkCorp (WMU) 1808,24. N692,19. 516,23; do gebôt ime got, daz er einen chupferinen slangen hiezze wrchen unde daz er in an eine hohe roͮte hancte Spec 101,2; man henge eynes esils burde an synen hals EvBerl 140,19; BdN 438,16; SalArz 35,10; Macer 15,14; an eynen gar cranken vadem / hiz er hengen eyn scharfez swert Hiob 6161; dorumme ist [...] merklich, das man den hoppin henge in den wyn Pelzb 140,12. 140,4; ûf die widen hengen wir unseriv seitspîl Spec 40,4. – übertr.: er wolt nicht chlag uber in hengen [Anklage gegen jmdn. verhängen] / und das gericht auch nicht lengen Märt 1375 5.2.2 als Tötungsart ‘jmdn. aufhängen’, auch ‘kreuzigen’ ( → henken 2): crucifige! crucifige! / henge in, herre, henge in Pass I/II (HSW) 5907. 6153; dy juden rifen mit schalle: / ‘ [...] henget en an eyn cruͤcze.’ EvBerl 319; den dieb sal man hengen SSp (W) 2:13,1; do sprach der rabe Dizelin: / ‘herre, henget den neven min.’ ReinFu K,1864. K,1854 5.3 subst.: da von [...] / irkoren hat eyn hengen [ elegit suspendium Iob 7,15] / mine sele durch dy not Hiob 2534 6 ‘an etw. hängen, festhängen; festhalten’ 6.1 in einem Vergleich: an ain ander hangten / die vinde als die cletten WhvÖst 8132 6.2 refl.: calopus ist ain tier, daz sich hengt mit seinen hörnern [...] in die püsch BdN 132,9; sô ez sich dâ gehengt, sô schreit ez vast ebd. 132,11; dovon sprach sant Augustinus: ‘der do fri ist von irdenschen gedencken, der henget sich an die ding die gottes sint’ Tauler 426,14; Hiob 11839; wen iz ist kein kinde spil / vechten wider des tuvels sil [Geschirr] / ouch sich czu gote hengen / an underscheit, nicht lengen TvKulm 3133
MWB 2 1357,50; Bearbeiterin: Herbers