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gezogen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gezogen

Bd. 7, Sp. 7184
gezogen , participiales adjectiv zu ziehen (s. d.) und geziehen (s. sp. 7054/5); von der frühesten überlieferung an bis auf die heutige sprache mit besonderen verwendungen beobachtet. 11) während es in der gothischen bibelübersetzung an anhaltspunkten fehlt (tauhans was ... in auþidai Ulfilas Lucas 4, 1 [ward in die wüsten gefüret Luther] liegt nicht in der linie der wendungen, die das particip vom verbum isolieren; zu Lucas 4, 16 s. u.), zeugen schon die frühesten deutsch. glossen sowohl durch die bedeutung, die das particip zum ausdruck bringt, als auch durch die form, in der es übermittelt ist, für adjectivische entwicklung. 1@aa) in den althochdeutschen zeugnissen 1@a@aα) ist das particip innerhalb der verbalflexion mit verschiedenen bedeutungsrichtungen vertreten, namentlich schon mit der übertragung auf das gebiet von nutrire, educare: 1@a@a@11)) zur gleichung mit trahere, trajicere vgl. so driror feorim kazokan ist stunton tak za habande sedalcanc sunna foracundenti naht wervan ziteo. Murbacher hymnen 18, 1 J. Grimm; (sic ter quaternis trahitur horis dies ad vesperam ...) u. a. s. Graff 5, 603; trahiciantur gizoganwerden Tegernseer glossen 10. jahrh. zu Gregors homilien (1, 17 s. 1503) s. Steinmeyer-Sievers 2, 291; dazu vgl.: zie ûʒ dîna hant unde si uʒ kezogeniu miselohtiu was Notker (zu psalm 73, 11) 2, 259a Hattemer; 1@a@a@22)) zur gleichung mit nutrire, educare vgl.: et venit Nazareth, ubi erat nutritus, tho quam er zi Nazareth, thar hêr was gizogan Tatian 18, 1 (Nazaraiþ, þarei was fodiþs Ulfilas Lucas 4, 16; da er waʒ derzogen cod. Tepl.; da er erzogen war Luther; thâr he afôdit was, tîrlîko atogan Heliand 1137; vgl. aber: hêt that gi it hêldin wel, tuhin thurch trewa 131); super aquam refectionis educavit me, er habet mih gezogen bi demo waʒʒere dero labo Notker (psalm 22, 2 generte he mich Trebnitzer psalmen; füret mich zum frischen wasser Luther) 2, 82a Hattemer. 1@a@bβ) die adjectivischen functionen des particips werden durch frühe isolierung der bedeutung gekennzeichnet; dem entspricht auch eine besondere vorliebe des particips für flektierte formen. 1@a@b@11)) compeditus cazogan, kizocan ... kafezarot (gefesselt) Hrabanisch-Keronische glossen s. Steinmeyer-Sievers 1, 92; impeditus gizoganer (gizeganer Wiener handschr. 11. jahrh.) St. Emmeraner glossen 11. jahrh. zu Prudentius (taurus cornibus deducitur) Steinmeyer-Sievers 2, 454a; desgl. 2, 396a; ducta gizoganiu Tegernseer glossen 11. jahrh. zu Vergil (Aeneis 1, 642 series longissima ... ducta, lang gereihete thaten Voss) 2, 647; dazu vgl. die verdeutschung diu gezogena (zuogezogena) für synagoge bei Notker (psalm 86, 5) Hattemer 2, 310b und (ps. 72, 23) 256a. 1@a@b@22)) vor allem ergiebig ist die anknüpfung an ziehen im sinne von aufziehen, erziehen, die schon im 9. jahrh. zur zusammenstellung des particips mit lat. substantivbildungen wie alumnus und scolaris führt. 1@a@b@2@aa)) natus (nutritus) kizogan Junische glossen 9. jahrh. s. Steinmeyer-Sievers 4, 7; confotum, kizoganan Reichenauer glossen 11. jahrh. zu Jesaias 59, 5 (quod confotum est, erumpat in regulum, wasz ausgebrütet ist Eck; anders Luther) s. Steinmeyer-Sievers 1, 621 (fota, kipruatiu 619); adultos gizogana Tegernseer glossen 11. jahrh. zu Vergils Aeneis 1, 431 (gentis adultos educunt fetus, des volks aufgewachsene brut Voss) 2, 646; das gleiche zu Georgica 4, 162 ebenda s. 643; diû êrest wordenen jungiu des fêhes mit arbeite gezôgeniu lâgen sament tôt Notker zu psalm 104, 36 s. Hattemer 2, 380b; vgl. auch so diu halp zogen sint, dei si gesaminot habet, so verlaʒʒent si sie altd. physiologus s. fundgruben 1, 35. 1@a@b@2@bb)) eruditus, gizoganer, gizoginer Tegernseer (11. jahrh.) und andere glossen (gizugener Windberger 12. jahrh.) zu Syrach 21, 26 (insipiens a janua domum introspicit, eruditus veró vir foris consistit, ein vernünfftiger bleibt eraussen stehen Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 573; vivit uxor ingenio modesta, lebet tîn chena. alles sites kezogeniu Notker (Boethius) 3, 64a Hattemer. quisquis serenus composito aevo subegit pedibus fatum, so weler in sînemo altere stillêr unde gezogenêr sâlda in versihte habeta 25b. 1@a@b@2@cc)) alumnis, kizogenen, jungoron Junische glossen 9. jahrh. zum prolog der Benediktinerregel Steinmeyer-Sievers 2, 49 vgl. alumnus fotar chind Tegernseer glossen 9. jahrh. ebenda 2, 51; (inter) scolares, gizoganen Tegernseer glossen 11. jahrh. zu Sulp. Severus s. Steinmeyer-Sievers 2, 747. desererem te alumne? solti ih mih tanne ... tîn gelouben. mîn heime gezogeno? Notker (Boethius) Hattemer 3, 23a. 1@a@gγ) auch aus der wortbildung sind mehrfache zeugnisse für die adjectivische geltung zu gewinnen. 1@a@g@11)) so die früh belegte verbindung mit der negationspartikel un: unkazogan, inperbis s. Graff 5, 605; indomitus ungizoganer Tegernseer 11. jahrh. u. a. glossen (ungazoganer Salzburger gl. 10. jahrh.) zu Jeremias 31, 18 (sum quasi juvenculus indomitus) Steinmeyer-Sievers 1, 631 (in St. EMeraner glossen 11. jahrh.: ungezaminer; Windberger 12. jahrh.: ungezemit; ain jungs ungezemts stierlein Eck; ein geil kalb Luther); effrena, unzamiu vel ungizoganiu Tegernseer glossen 11. jahrh. zu Vergils Georgica 3, 82 s. Steinmeyer-Sievers 2, 640; discolus ... ungezogener glossen zu Heinr. summar. 8, 8 s. ebenda 3, 143 u. a. 1@a@g@22)) auch ableitungen, die vom particip abzweigen, zeugen für dessen selbständige stellung gegenüber dem verbalstamm, so die substantivbildung gezogeni: vgl. urbana, gizogani, wislihiu glossen zu Rufinus s. Steinmeyer 2, 601. auf Notker, für den dieses subst. ebenfalls belegt ist (fore scamon. taʒ chît fore gezogeni Boethius s. Hattemer 3, 21b vgl. Graff a. a. o.), führt auch das in späterer zeit so weit verbreitete adjectiv und adverb gezogenlich zurück, s. sp. 7205. 1@bb) die mittelhochd. zeit, die das verbum in groszer mannigfaltigkeit der verbindungen (s. die reichen belege im mhd. wb. 3, 921b ff.) ausbreitet, zieht dem particip in der verbalflexion etwas engere grenzen. in die attributiven verbindungen dringen neuere züge zunächst in ansätzen ein, dagegen schwelgt sie in der weiterentwicklung des auf der grundlage von gezogen = adultus eruditus isolierenden gebrauchs: die verbindung wohl gezogen wird eines der beliebtesten beiworte des höfischen stils, bei dem sich auch der bedeutungsinhalt von der einstigen geistlichen prägung in die ritterliche lebensauffassung verschiebt. 1@b@aα) innerhalb der verbalflexion 1@b@a@11)) sind es raumvorstellungen, die in wechselwirkung mit dem angeschlossenen object die mannigfaltigkeit der bedeutungen des verbums bedingen; sie werden neben dem particip meist ausdrücklich bezeichnet. 1@b@a@1@aa)) anschaulich läszt sich an der sinnlichen verwendung des particips verfolgen, wie die art der bewegung sich in den haltepunkten kennzeichnet, die sie durchläuft. 1@b@a@1@a@aα)) im was deʒ houbet geleit daʒ ime sîn rûhez kinnebein gewahsen zuo den brüsten schein sîn rüke was im ûf gezogen, hoveroht und ûʒ gebogen. Hartmann Iwein 463; vgl. (ir munt was ... ûf gezogen an diu ôren) krone 115b; (ûf gezogen wol stênde brâ) ms. 3, 468b v. d. Hagen. mit sîner bloeder krefte het er ûf gezogen manic starke strâle schôʒ er ûʒ dem bogen. Gudrun 92, 1; vgl. (eine scharfe strâle hete er in gezogen) Nibel. 879, 2; (der pfeil war recht angezogen) Heinr. v. Neustadt Apoll. 5311; (nu was zem schuzze ûf gezogen fünf hundert armbrust) Parzival 569, 4. si nam daʒ swert ze handen, si gienc über Tristanden ... nu haete ouch Isôt ûf gezogen daʒ swert und trat hin über in. Gottfried Tristan 10200; die stangen er hoch auf want: er slug si nach dem werden, das si in der erden stekte wol ainer elen tieff ... di stangen hett er auff gezogen, da slug in in den elen pogen Appolonius der helt, das er der stangen ward entfelt. Heinrich v. Neustadt Apollonius 9391 Singer; dar inne was ain wasser kiel und der segel auff gezogen. 17708. 1@b@a@1@a@bβ)) von eime pantel was darüber gezogen ein hût. Nibel. 894, 1. der (Parzival) was gevar durch îsers mâl als touwege rôsen dar gevlogen. im was sîn harnasch ab gezogen. Parzival 305, 24; vgl.(daʒ si sich hâten ab gezogen) altdtsch. predigten 1, 16 Grieshaber. vor dem criuce er ûzgezogen wart von aller sîner wât, der doch den himel unbetrogen mit lichte wol gecleidet hât. lied an die seele v. 69. s. Schmellers ausgabe des heil. Ulrich einl. s. 10. 1@b@a@1@bb)) übertragener bedeutung stehen schon elliptische wendungen nahe, wie sie auch bei gezeug im sinne der fahrenden habe, des trosses und der kriegsausrüstung zu erwägen waren (s. sp. 7004). mit der abstreifung der näheren bestimmungen tritt die besondere art der bewegung im vorstellungskreis zurück und wird durch andere, allgemeinere formen des bewegungsbegriffes verdrängt: von Munsalvaesche wart gesant der den der swane brâhte unt des ir got gedâhte. z' Antwerp wart er ûz gezogn. Wolfram Parzival 825. 1 vgl. das spätere einen weg ziehen, zu felde ziehen sp. 7192; in dirre kameren eine hiʒ man di frouwen reine mit ir gesinde zihen ... lutzel liebes ir geschach, da si gezogen was dar in. Elisabeth 4971; vgl. unser ziehen (aus- und einziehen) im sinne des wohnungswechsels unter mitführung der fahrenden habe. 1@b@a@1@cc)) die eigentlichen übertragungen gehören hauptsächlich der geistlichen litteratur, namentlich der sprache der mystik an; aus der weltlichen dichtung sind vereinzelte wendungen anderer art bezeugt. 1@b@a@1@c@aα)) dîn übermuot dich hât betrogen. du hâst mich ze dienstemit rede dich an gezogen Nibel. 785, 2 Lachmann; die barmherzekeit hete in vil vesteclich an sich gezogen unde was ouch an im unbetrogen. väterbuch 21563 Reiszenberger; desgl. (arbeit ... durch die dich got habe gezogen in ... wisheit) 21076; (sît sich der ... in ir helfe gezogen hât) Ludwigs kreuzf. 2607 Hagen; die werdent so wunnenclich gezogen in daʒ joch gottes, daʒ sú vergessent der dinge Tauler predigten 27, 14; (uber alle mittel ... in das abgrunde gottes gezogen) 46, 2; (ubir sich selber in ein gotlich gesiehte) Nicolaus v. Landau sermon 39 Zuchhold; ich han ein bOese bilde in mich gezogen Tauler 18, 15; her saʒ eines mâles ob einis grôʒen herren tische und was alsô în gezogen daʒ her wônte daʒ her wêre in sîner zellen und nam di fûst und sluc ûffe den tisch Hermann v. Fritzlar s. dtsche mystiker 1, 101 Pfeiffer. 1@b@a@1@c@bβ)) so were die werlt almeistec uf ein unreht gezogen. keisere, kunige, herzogen und andere vursten harte grosz, die weren rehter witze bloʒ. pass. 673, 3 Köpke; vgl.(hete ... gelogen und Franciscum gezogen ... uf bose wort) 528, 80; (wart ... in ein bose wort gezogen) 325, 68; (welch wort im was ûf gezogen) 322, 15 (alle im reim auf betrogen); vgl.musz diu sêle gesamet sîn und ûf gezogen myst. 2, 121; daʒ er den pris da gewan, ... in einem strite vor Damas, da manech richer furste was, kunige, graven und herzogen, sin pris so hoch wart gezogen daʒ in nieman moht erlangen. Wirnt v. Gräfenberg Wigalois 7825 1@b@a@1@c@gγ)) wan im sîn wange hât durchbort des himelischen kindes tôt unde uns von der helle nôt durch sîn wange ûzgezogen. Rud. v. Ems Barlaam 79, 9 Pfeiffer: vgl. (sie sint ûz von gote gezogen) deutsch. ged. 35, 28 Diemer; (die sich von dirre welt habent gezogen [vom herausg. verbessert in: ze dirre werlt]) Heinrich v. Melk erinnerung 191 Heinzel. 1@b@a@1@c@dδ)) hier dringt für die zielbestimmungen neben den verbindungen mit in (an) und auf (vereinzelt auch durch: di mir dorch mîn herze gezogen sint Ludwigs kreuzfahrt 54) mehr und mehr die präp. zu vor: ich hân ze herzen iuch gezogen für alleʒ daʒ ûf erden ist. Konrad v. Würzburg Engelhard 2298; die vor des hete also gelogen und Marinum gezogen zur vor benanten schande. pass. 307, 56 Köpke; das gleiche bei einer mit der bedeutung adultus, eruditus (s. u.) sich berührenden wendung: wiʒ ernsthaft mit den alten, mit den chinden so lache, gezogen zu wirtschaft und vro in ungemache. tugendspiegel 380 s. kleinere mhd. erzählungen nr. 36 Rosenhagen; (vgl. auch ûf ere) mai 195, 11; wie bin ich danne sus betrogen! ich bin ze lieplichen gezogen ze ainem frOemden kinde; min vrovwe und dis gesinde und ovch der fúrste riche hant mich ze zartliche erzogen und gar ze wol. Rudolf v. Ems Willehalm 2864 Junk. 1@b@a@1@dd)) auch auf zeitbestimmungen dehnt sich dieser gebrauch des verbums, beziehungsweise des particips gern aus: want des heris widdirvart hatte sich gezoggin vil ubbir daʒ benante zil. Nicolaus v. Jeroschin 24460; vgl. diʒ hat sich war bis her gezogen Heinrich v. Hesler apokalypse 7871; anders (vgl. geziehen sp. 7055/6; gezog sp. 7181): der krieg (rechtsstreit) wert lange, und stuont ir muot, das ieglicher wold haben recht sie machten ein gar gros gebrecht. des wart ir sache hin gezogen, dur das ir keiner wurt betrogen vor den, der ir herre was. Boner edelstein 95, 9 Beneke. hier wie in dem beleg aus Rud. v. Ems ist die verbindung des particips mit der präpositionalbestimmung gelockert, sie ähneln elliptischem gebrauche, nur dasz die unterdrückten bestimmungen nachgeholt werden. 1@b@a@22)) zunächst ist aber solcher gebrauch des particips ohne präpositionalverbindungen begrenzt. vereinzelt ist die vertretung der verbindung durch persönlichen dativ: balde wart im Volatîn gezogn ... er huop sich an die vart. (var. dar gez.) Willehalm 225, 9; ebenso ungewohnt erscheint: den köcher nam er und den pogen. er ward von manigem man gezogen. Apollonius 5305; 1@b@a@2@aa)) am häufigsten treten die richtungsbestimmungen bei der bedeutung von adultus oder eruditus zurück, bei der das particip auch in der verbindung mit dem verbum substantivum vielfach adjectivische geltung hat. 1@b@a@2@a@aα)) er sprach: Rovlant hat mich gezogen, uzer sinem chunne bin ich geboren. pfaffe Konrad Rolandslied 301, 3 (v. 4428) W. Grimm; unser herre erwelte Betlehem ze siner geburt ... da wirt er geborn un wirt gezogen in Betsayda spec. eccles. s. 172. 1@b@a@2@a@bβ)) daʒ der gebure hert âdren hât von der gewonhait daʒ er mit arbaiten ist gezogen, da von mag er vil arbaiten st. Georgener prediger 118, 21 Rieder (irzogin Karlsruher hndschr.); daʒ wir uzwendik gezogen sin an unsern werken und an unsern siten und innewendik besheiden an gerungen, an willen und an bewegunge der sele die heilige regel 11, 29 Priebsch. unz er in geistlicher art also hohe gezogen wart, daʒ er wol hieʒ vollenkumen. pass. 321, 2 Köpke; 1@b@a@2@bb)) so erscheint das particip in der verbindung mit dem verbum substantivum als prädicatives adjectiv: 1@b@a@2@b@aα)) di jungin ... so sullin di sin also gezogin daʒ si gerne volgin den aldin und niht do wedir sprechin. ritterspiegel 3044 s. Bartsch md. ged. 182; vgl.wes getogen als eine juncvrouwe niederdtsch. zuchtbüchlein s. 4 s. Schiller-Lübben 6, 140. 1@b@a@2@b@bβ)) noch unter ire brust chom nehein ubel gelust, unze si waren wol gezogen. Wiener genesis s. fundgruben 18, 11 (desgl. Milstätter handschr.); sus reit er zu der mure da er die kuneginne vant. sinen helm er abe bant, und satzt in uf den satelbogen; er was hofsch und wol gezogen. Wigalois 411; tiusche man sint wol gezogen rehte als engel sint diu wîp getân. swer si schildet, derst betrogen. Walther 57, 7 Lachmann; mîn junger hêrre ist milt erkant, man seit mir er sî staete, darzuo wol gezogen: daʒ sint gelobter tugende drî. 85, 21; vgl. (wis biderbe und wol gezogen) tugendspiegel v. 25 Rosenhagen (kleinere mhd. erzähl. 36); (kiusche unde reine und wol gezogen) meisterlieder d. Colmarer handschr. 361; das gleiche (Salomonis haus) s. Adrian 425. 1@b@a@2@b@gγ)) erst spätere dichter führen dieses particip auch ohne das adverb ein: wis stete, milde, kusch, gezogen, bite got daʒ du nicht betrogen hir werdes von des slangen list. Hesler apokalypse 5909 Helm; ob der hof waer gezogen, daʒ nimer niht dâ würd gelogen, ez waere drîr schillinge wert. Seifried Helbling (2, 332) 77 Seemüller; gezogen daʒ gespraeche was. Konrad v. Würzburg troj. krieg 18008; wer sô iht ze clagen hât, an sîn wort er selber stât, ân vâr sprichet er dô, dâ bî doch alsô, daʒ gezogen sîne wort und bescheiden sîn gehôrt, ob er niht zuht des lîden wil. Ulrich v. Eschenbach Alexandreis anhang 993 Toischer. 1@b@a@2@b@dδ)) zum negierten particip vgl.: nune wart ich nê sô ungezogin; mich hât mîn ubermôt bedrogen, daʒ ic mîne vôʒe sazte in dîne schôʒe. König Rother 2267 v. Bahder; vgl. auch (sô wirt der chneht ungezogen) Karaj. 13, 6. 1@b@bβ) vereinzelt sind die oben belegten bedeutungsrichtungen des particips auch in der stelle des objects neben bedeutungsschwachen verbis zu beobachten: 1@b@b@11)) von bêder sît er manec ors gezogen brâhte schiere zuo sînes wirts baniere. Wolfram Parzival 380, 19; 1@b@b@22)) Johannes ... als er quam gezogen mit im vuert her einen bogen zu rechtem zil gespannen ... daʒ her vurte den bogen an daʒ hoeste gezogen, daʒ dutet an der sprache vollic wer und dar zu rache. Heinrich Hesler apocalypse 10556 Helm; da der engel Cherubin daʒ furige swert sin truc gezogen an der hant. Helwigs maere v. heil. kreuz v. 129. Heymann s. 112. 1@b@b@33)) swaʒ wir tuont ... daʒ solt uns billich wol gezogen machen, inwendig und uswendig st. Georgener prediger 17, 16; gezogen ude goidertieren saich man si volgen iren baneiren. Gotfrid Hagen Köln. chron. 3449. 1@b@gγ) attributive verwendungen zweigen vor allem vom absoluten gebrauch des particips im sinne von adultus, eruditus ab. die verbindungen mit präpositionalbestimmungen gehen noch wenig in attributive function über; diese entwicklung vollzieht sich erst im neuhochd. (s. u.): 1@b@g@11)) mit präpositionalbestimmungen: Claudius fürt den horen (horn) pogen mit eingezogen stralen. Heinrich v. Neustadt Apollonius 17710 Singer; desgl. (pogen mit der stralen in gezogen) 18459; so sllen die alle die da communiciren wellen sprechen ze ainem mol allain mit under gezogner stimm: 'domine non sum digna' Regensburger klarissenregel 67 Schönbach. dazu vgl. die übertragenen verwendungen: 'tugind ist di dâ vollebrenget den der si hât und sîn werc gut machit': diʒ ist gesprochen gemeinlîche von den tuginden, di dâ sint gewunnen: aber von den în gezogenen tugenden sprichit Sanctus Augustînus: 'tugent ist ein gut aneval der sêle, den nimant ubele nutzit, den got in uns wirkit' deutsche myst. 1, s. 181 Pfeiffer; (in eime abgezogenen bilde) 2, 65; do vor ir wart so rehte slaf die ufgezogene hochvart, die nach meisterlicher art vor des was gespannen. pass. 678, 55 Köpke; ein boum, der michel wunder hat. er ist hoch, lange unde breit ... bi disem bovm so merke ich das hoch uf gezogen leben, das nieman haben mag vergeben. er mus sich ben uf dem plan der tugent, und muos erbeit han, e das er uf den hochen grat mg kumen, da der bovm uf stat. Boner edelstein 4, 21 Benecke. 1@b@g@22)) bei der bedeutung adultus ist auch nachgestelltes attribut bezeugt: er scowot al bi sunter die manegen wunter fihe iouch fogele wilde iouch gezogene. Wiener Genesis s. Diutisca 3, 47 s. fundgruben 2, 15; vgl. auch: kint in echtschap getogen und geboren Dortmunder stat. 48 s. Schiller-Lübben 4, 528. dazu vgl.: er was ein man von gûten siten, gezogen unde getrûwe gar was der hêre, daʒ ist wâr. Wiener meerfahrt 38 Lambel. meist aber ist das attribut vorgestellt, ob es durch adverbialia erweitert ist oder nicht. 1@b@g@2@aa)) sô möhte ein wol gezogener man ze hove haben die stat. Walther 103, 31; desgl. (als wol gezogenem man geschiht) 299, 16; (im acc.) Jansen Enikel fürstenbuch 220; (vil wol gezogener knabe) Ulrich von Lichtenstein frauendienst 468, 5 Bechstein; (der wol gez. ellende) Gottfried Tristan 3252; des muoʒ ofte engelten manic wol gezogen klôsterman der sô getân unzuht nie gewan. Hugo v. Trimberg renner 2905 Ehrismann (var.: wol getan); in disem huse gezimet wol ain erbern wirtinne mit wolgezognen jungfrowen, die wol zuht und ere kunnent sog. st. Georgener prediger 247, 8 Rieder; dîner swester zühte und ir wol gezogen muot, sô ich dar an gedenke, wie samphte mir daʒ tuot. Nibelungen 673, 1; dazu vgl. (si swachent wol gezogenen lîp) Walther 91, 5; (nâch wolgezogener jugent) meisterlieder der Colmarer handschr. nr. 201, 6. 1@b@g@2@bb)) man sprichet: ein heime gezogen kint daʒ ist usse als ein rint ... die menschen die nüt sint uʒgegangen irs heimen ... sind rehte als rinder oder kelber zuo verstonde Tauler predigten 10, 26 Vetter; den gleichen reim aus einer Münchener handschr. des 15. jahrh. s. Schmeller 22, 1106. 1@b@g@2@cc)) ein kone wis gezogen man, her Gerart Cause: hei began dat swert nemen in beide hende, einen smeirre sloich hei durch sin zende, dat eme dat swert keirde an den oren. Gotfrid Hagen chron. v. Köln 4986 dtsch. städtechr. 12; lât boese rede und tuot diu werc ... lât schelten ungezogeniu wîp: dien mugen niht gevehten. Hartman Iwein 5012; vone den verlogenen, den ungezogenen werltminnaeren. himmelreich v. 210. s. zsch. d. a. 8, 151; desgl. (manec ungezogen knabe K. v. Haslau) ebenda 571. 1@b@dδ) von der letzten bedeutungsrichtung gehen auch substantivierungen aus: 1@b@d@11)) der künec gedulteclîche saʒ: der gezogen und der wîse sprach zem markîse. Wolfram Willehalm 179, 19; 1@b@d@22)) daʒ ist der dume der hilfet in sliume ... der da bi stat ein iegelich ding er zeiget. der dritte heizet ungezogen. Wiener genesis s. fundgruben 2, 14; dô sach der helt guot einen ungezogenenmit dem swerte stân, als er sie slahen wolte. Gudrun 1475, 3. 1@cc) weitgehende verschiebungen, die die neuhochdeutsche zeit im gebrauch des particips durchführt, kommen schon 1@c@aα) in den wörterbüchern zum ausdruck. 1@c@a@11)) die ältesten lateinisch-deutschen verzeichnisse lassen das particip wenig aus dem rahmen des verbums treten. unter dem stichwort ducere nehmen sie überhaupt keine kenntnisz von ihm; für bildungen wie ductus, ductilis, das meist mit zgig wiedergegeben wird, ebensowenig. für ducatus wird gelegentlich gebucht: auszug oder zug, so oft man auszogen ist Cholinus-Frisius (1541) 302. ergiebiger scheint das stichwort trahere: in profundum pondere trahi, under sich gezogen werden 865; studio laudis trahi, durch ruomgirigkeit gezogen oder gezöckt werden 865; tanto comitatu convivium trahitur, wirt lang verzogen, lang gehalten 864; vor allem giebt tractus anhaltspunkte: tractus geczogen Diefenbach 591a; tractam et fusam orationem ... gleich gezogen und auszgestrichen Cholinus-Frisius 865. die zusammensetzungen abstractus, dis- ex- retractus werden im lateinisch-deutschen teil des Dasypodius mit hinweggezogen, zer- aus-, hinder sich gezogen verdeutscht Pp 3a; während Cholinus-Frisius nur für zerzogen (289) und hinder sich gezogen (763) unser particip in anspruch nimmt (bei Diefenbach: abstractus ... abgezogen 5c; distractus zerzert, ungizoginer 187c). auch für die gleichungen mit petulans und derivatus verhält sich Cholinus-Frisius ablehnend, während Dasypodius das particip vordringen läszt: petulans, muhtwillig, ungezogen, frech oder geil lat. dtsch. D d 3a; derivativus, abzügig, das von einem andern gezogen ist Hh 6a (derivatus, abgezogen Diefenbach 175); paragogon, lat. derivatum, abgezogen, abgeführt von eim andern Bb 6a (vgl. paragoge, zuschub Chol.-Frisius 626). 1@c@a@1@aa)) bemerkenswert sind die festsetzungen in der richtung von adultus, nutritus, educatus u. a. hier buchen schon die bei Diefenbach verzeichneten vocabulare bildungen wie gewachsen, aufgewachsen, erwachsen, ebenso die ersten wörterbücher, oder sie lassen, wenn sie das verbum ziehen einführen, das präfix er vorgehen: adultus, gewachsen 15; educatus derzogen 195; vgl. adultus, gewachsen ... eductus, erzogen, ernehrt Dasypodius (Aa 3b und K 1b) vgl.(auffgewachsen ... educatus aufferzogen) Cholinus-Frisius, Calepinus; vgl. alumnus, ein erzogener, der von eim erzogen wirt oder ist Cholinus-Frisius 61; desgl. Calepinus 73. vgl. aber: molliter educatus, zärtlich erzogen ... malis moribus praeditus, übel gezogen Erasmus Alberus nov. dict. (1540) 24a. wie im letzteren, so lassen gegenüber dem schriftmäszig bevorzugten präfix er auch deutsch-franz. buchungen, namentlich soweit sie aus gegenden stammen, deren mundart noch heute an gezogen gegen erzogen festhält, dem präfix ge auch hier sein recht: wohl gezogen oder wohl erzogen, wohl aufferzogen, bien nourry ou bien apprit, bien esleve Duez 201; ubelgezogen oder ungezogen, ungeschliffen ... ebenda; vgl. auch nouv. dict. (Straszburg 1762); wohl, übel gezogen ... qui a des bonnes ou mauvaises moeurs Schwan. 1@c@a@1@bb)) die gleichung mit derivatus wird nicht mehr aufgenommen. die fremdsprachlichen parallelen, sofern sie nicht auf attributive verbindungen des particips eingehen, halten sich überhaupt in engem rahmen: tractus, gezogen König gazoph. 238; desgl. Henisch 1612; strictus gez. König 1113; ductus, tractus Aler 1, 944b; desgl. (dazu ductitius, ductarius) Kirsch 2, 152; — tiré, tractus Duez 201; vgl. auch Schwan 1 (1783) 752a u. a.; gezogen, ductus oder textilis, trait oder tiré Chomel 4, 1072. 1@c@a@1@cc)) darüber greifen nur einige feststellungen hinaus, wie die an ziehen, ausziehen anknüpfende: gezogen, profectus Henisch (gezogen gen Augsburg; vgl. aber: profectus sum, ich gang, gehe bei Dasypodius); in furchen gezogen, impocatus Kirsch 2, 152 (vgl. impocare, zackeren, eeren Dasypodius Q 2a); in furchen gezogen filonné Schwan. 1@c@a@22)) das schwergewicht fällt auf attributive verbindungen, die namentlich an neuerungen in der technik anknüpfend der sinnlichen verwendung des particips in neue richtungen folgen. 1@c@a@2@aa)) die verbindungen im dienste der technik. 1@c@a@2@a@aα)) voran steht: die beziehung auf das gold, dem vereinzelt auch andere metalle zur seite gestellt werden: aurum purum ... factum ... netum, geleuthert gold ... gemacht ... gezogen gold Golius onomast. (1579) s. 63; gezogen gold, aurum netum or filé Emmel nomenclator quadril. (1592) 37; — gezogen oder gespunnen gold Hadrianus Junius (1595) 193; gezogen gold, or file Hulsius (1614) 165a; desgl. Wiederhold (1669) 145b Duez a. a. o., — aurum ductile Aler 1, 944b, — aurum textile Kirsch; gezogen ... wird besonders von dem gesponnenen goldc und silber, oder auch von allerhand arten des drats gesagt Chomel 4, 1072; gezogen gold, silber, getrokken goud, zilver M. Kramer (1719) 2, 98a; gezogen blech, lamina ductilis, ἐλασμα Henisch; gezogen drath, aes ductile Aler; gezogenes gold, silber, eisen, de l'or, de l'argent, du fer trait Schwan; gezogen nennt man gegenstände, die dadurch länger gemacht worden sind, dasz man sie durch eine öffnung, die geringer als ihr querschnitt war, hindurchzwang. diese arbeit kommt besonders bei anfertigung des drathes vor. auch versteht man bei schornsteinröhren unter dem ausdruck gezogen diejenige construction, welche für schleppen und schleifen der schornsteinröhren angegeben wird Helfft wb. der landbaukunst (1836) 148. 1@c@a@2@a@bβ)) erst spät ist die schon in alten urkunden und verordnungen bezeugte gezogene arbeit im weber- und walkerhandwerk hier angemerkt: gezogene arbeit, bei den zeugwebern s. bild Chomel 4, 1072; Krünitz verweist auf damast 18, 380; dazu vgl. gezogen tafft, zeug Jacobsson 2 (1782) 87; zur erklärung bei Campe s. unten sp. 7203 gezogen heiszt sammet, dessen noppen nicht aufgeschnitten sind R. Bucher reallexikon der kunstgewerbe (1880) s. 140. 1@c@a@2@a@gγ)) gezogene federkiele Chomel; Campe 2, 372; gezogene federspulen, plumes hollandées Schwan; ähnl. Jacobsson; gezogene federn, die über heisse kohlen gezogenen und dadurch gekräuselten und etwas gelb gewordenen strausz- und geierfedern (s. auch schreibfeder) Thiel 4, 436a. 1@c@a@2@a@dδ)) gezogene lichter chandelles plongées à la broche baguette Schwan. 1@c@a@2@a@eε)) das einschneiden von zügen in die feuerwaffe giebt dem particip auch hier eine neue form des gebrauches, sie ist seit der mitte des 17. jahrh. gebucht: gezogen rohr, une arquebuse carabinée ou rayé par dedans le canon, bombarda striata Duez; gezogene büchse sclopetum striatum Stieler 258; das gleiche (gez. feuerrohr) Aler (vgl. striare, kälechtig oder schrauffechtig machen Dasypodius Mm 5a); gezogene büchse Kirsch; desgl. (büchse, rohr) Krünitz; eine gezogene büchse, une arquebuse, rayée, virolée, carabinée Schwan; vgl. auch nouv. dict. (Straszb. 1762); zu Campe s. u. sp. 7203; gezogene büchsen und flinten Jacobsson; gezogen ... mit zügen versehen Stenzel seemänn. wb. 147; gezogener theil des gewehrs, la partie rayée. vocabulaire militaire (1884) 7b. 1@c@a@2@a@zζ)) auch für die bergwerkssprache ist eine sonderverwendung gebucht: gezogen in bergwerken s.aufgethan Chomel; auffgethan, nennet man dasjenige gestein so sich von dem festen gestein ablösen will. es heist auch: das gestein hat sich gezogen, das ist, es will sich von der feste ablösen, und das kan man durch die risse ... erkennen Minerophylos (1730) 51. 1@c@a@2@bb)) zum sonstigen sinnlichen gebrauch vgl.: eingezogener, eingebogener hals, cervex inflexus Henisch; ein gezogenes maul une bouche tordue, moue Schwan; gezogene linien, la reglure ebenda; eckicht gezogen (t. de blason) vivré ebenda; gezogen ... ein wappenschild mit geschlängelten theilungslinien R. Bucher reallexikon 140. 1@c@a@2@cc)) nur vereinzelt sind übertragene wendungen angemerkt: gezogene, lang gedehnte worte, paroles traînées Schwan; mit haaren darzu gezogener verstand, senzo strachiato, sforzato, sens tiré par les cheveux Rädlein 386a. dazu vgl. aus der handelssprache: gezogene wechsel Thiel 4, 436a. 1@c@bβ) in form und schreibung hat sichabgesehen von den ältesten spielarten (s. kizogan u. a. oben sp. 7184) — schon seit der mittelhochd. zeit kaum mehr etwas geändert. vereinzelt ist das präfix abgestreift (s. o.). 22) die neuhochdeutschen verwendungen zeigen viele änderungen und verschiebungen, einbusze und gewinn. alte verbindungen mit präpositionalbestimmungen streifen letztere ab oder sterben ganz aus, neue formen treten in sinnlicher und übertragener bedeutung reichlich dafür ein. die zurückdrängung der einfachen form am verbum ziehen durch zusammensetzungen mit den präfixen be und er trifft natürlich auch das particip, wenn gleich gerade gezogen den formen bezogen, erzogen widerstand leistet. andererseits wird unser particip durch neuerungen der technik und wandlungen innerhalb einzelner berufssprachen gefördert. 2@aa) dies gilt in vollem maasze für das particip in der verbalflexion, die hier nicht erschöpfend behandelt (s. ziehen), sondern nur in einzelnen merkmalen beleuchtet werden kann. 2@a@aα) mit präpositionalbestimmungen verbunden ist 2@a@a@11)) das particip in sinnlicher verwendung noch immer triebkräftig, wie namentlich auch die entsprechenden attributiven fügungen (s. sp. 7196 ff.) zeigen. gern werden solche wendungen auch bildlich gebraucht: 2@a@a@1@aa)) wird das wasser ... auss dem sumpf gezogen Bech verdeutsch. von Agricola's bergwerksbuch (1621) 154; mich (habe) der fischer nebst dem gärtner aus dem teiche gezogen der Leipziger Aventurier (1756) 1, 32; da habe er sein wischtüchlein aus dem sack gezogen Schupp (1663) s. 9; u. a.; nachdem sie seinen schweif quer durch das maul gezogen hatte Brentano 5, 39; haben ... dem feinde die plempe ... durch die fressage gezogen W. Raabe hungerpastor 2, 51 u. a. 2@a@a@1@bb)) den kopff aus der schlinge gezogen v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 538; ... der kerl hat schon so viel geld von mir gezogen (Hermes) Sophiens reise 3, 23; seine hand von dir gezogen Brentano 3, 346; hatte ihm ... alle würmer aus der nase gezogen Laube 15, 442; der unuomgenglichen noth, welche ihn wieder seinen willen, mit den haaren gleichsam darzu gezogen v. Chemnitz schwed. krieg 2 s. 390; das menschliche trachten in all' seinen richtungen, alles wird in dieselbe furche gezogen Heinrich Laube 16, 30; man hat die berichte an das licht gezogen Ranke 30, 6; warum er meine ... originalität in das spiel gezogen hat Bismarck reden 1, 320; hat mir einen schwarm von feinden über den hals gezogen discourse der mahlern 2, 49; verdamnisz, welche sie ... sich übern hals gezogen Leibnitz dtsch. schr. 2, 379. 2@a@a@22)) die verbindungen von gezogen im sinne von profectus nehmen namentlich in friedlicher richtung ihre entwicklung. 2@a@a@2@aa)) in der kriegssprache treiben sie aber auch neue formen: wenn man zu veldt gezogen Reutter v. Speir kriegsordnung A 2b; desgl. Micraelius altes Pommerland (1640) 1, 8; (in den streit) Prätorius saturnalia (1663) 159; so ist man gegen die feindliche zeitung zu felde gezogen F. Kürnberger liter. herzenssachen (1877) 6. 2@a@a@2@bb)) zur entwicklung in friedlicher richtung vgl.: er ist gen Strassburg auff die hochzeit gezogen (für: er hat auszbadt) schöne weise klugreden (1548) 41a; Jacob (ist) zum Laban gezogen Fr. Spee güldenes tugendbuch (1640) 8; bin eine treppe höher gezogen Göthe briefe 21, 358; als sie eine gute halbe stunde dahin gezogen Gottfr. Keller 4, 248; als er diesen weg zum erstenmal ... gezogen war W. Raabe hungerpastor 1, 226 u. a. 2@a@a@2@cc)) reflexive fügungen, die mit factitiven wendungen in zusammenhang stehen, drängen sich zeitweise hier vor: der krieg sich in Italien gezogen Schupp (1663) 16; das regiment ... habe sich gestern disseits der Oder gezogen Lessing 183, 392. dorthin, soviel ich weiss, hat sich der könig mit dem hof gezogen. Schiller (Dom Carlos 1. fassung I, 1) 5, 5; vgl. auch (die wissenschaft als subj.) 11, 12; Napoleon hatte sich ... mit allen seinen streitkräften in die gegend von Leipzig gezogen E. M. Arndt schriften f. ... Deutsch. 1, 243. 2@a@a@33)) die meisten verschiebungen treffen die ausgesprochenen übertragungen. 2@a@a@3@aa)) alte formeln verkümmern oder bilden sich um: 2@a@a@3@a@aα)) so in der rechtssprache: was der vatter in gewonheit het gezogen, des verzich sich der sun mit worten dtsch. städtechron. 3, 84 u. a.; der span ward gen Rom gezogen Tschudi chron. Helvet. 1, 156; die ... obrigkeiten haben gewisse dinge sich gezogen, andere einem jeden zu eigener ... versorgung ... überlassen Leibnitz dtsch. schriften (1838) 2, 43; dass er alles fast hatt' an sich gezogen Reineke fuchs (Rostock 1650) 153; vgl. dazu: nun konnte auch die Provence ... an die krone gezogen werden Ranke 8, 59; wurden doch sogar ... mehrere alte bauerngeschlechter mit zur ritterschaft gezogen Allmers marschenbuch 1, 367; ein beträchtliches gebiet ist hier an bezogen und beziehen verloren gegangen, wenn auch gerade das particip noch am stärksten widersteht: das keine der geswornen vorleiunge auf czukunftige czeit, sunder allein auf kegenwertige czeit geczogen sol werden (referatur) verdeutsch. des jus reg. mont. 2 § 12 s. Zycha böhm. bergr. d. m. a. 2, 131; da sich die stände auf den im jahr 1621 aufgerichten accord gezogen, hätte er nicht vorüber gekonnt Chemnitz schwed. krieg 1, 388; wenn in einem testamente gesagt wird ... was ein jedes zu seinem respective studiren und ausstattung empfangen, so wird durch solches wort das studiren auf die söhne, die ausstattung aber auf die töchter gezogen allgem. haushaltslexicon 2 (1749) 705b. 2@a@a@3@a@bβ)) wendungen, wie sie fürs mittelhochd. aus der geistlichen litteratur belegt wurden, reichen kaum über das 16. jahrh. hinaus: dises klerlicher zu bewisen ... ist solche historia kurtzlich in ein tragedia gezogen Vogelsang-Cochläus trag. Joh. Hussen 10 neudr. u. a.; vielleicht möcht der spruch Pauli dahin gezogen werden theatr. diabol. (1569) 21b; märtzbecher ... eine blume, welche ... von einigen zu den narcissen gezogen wird Chomel 6, 388. u. a. auch die in der reformationszeit so verbreitete verbindung mit aus stirbt bald wieder ab und bildet sich in anderer richtung um: was die aposteln ... geschrieben haben, das haben sie aus dem alten testament gezogen Luther 10, 1, 181 u. a.; vgl. dagegen: es kann aus der erfahrung niemals ein beweis vom leeren raume oder einer leeren zeit gezogen werden Kant (kritik d. reinen vernunft 2. th. 1. abt. 2. buch, 2. hauptst. 3. abschn.) schriften 1, 3, 156 der akademie u. a.; dasz er ... daraus eine anzahl folgerungen gezogen hat Bismarck reden 2, 89; anders: lectüre ... fortgesetzt. die verneinenden ... wörter daraus gezogen Göthe III, 4, 331 Weimar. 2@a@a@3@bb)) kennzeichnend für die neuere entwicklung ist hier wie auch in andern wendungen [s. sp. 7192/3] das vordringen persönlicher bestimmungen in das object oder in die zielrichtung des particips. 2@a@a@3@b@aα)) hab solche geschicht ich mir dermassen zu gemüth gezogen Moscherosch gesichte 286; (sich zu herzen gezogen) Gottsched neuestes a. d. anmut. gelehrs. 3, 73; eine begebenheit ... aus der er sich mit ehren gezogen J. E. Schlegel 5, 426 ähnl. (aus der affaire) Brentano (lust. mus. 6.) 7, 239 (1852 ff.); hatt sich dem menschen dargeben, an sich getzogen, zu sich gelöckett Luther 10, 1, 354 (vgl. auch oben Reineke fuchs 153); den ... minister ... der den allgemeinen hasz auf sich gezogen hatte Ranke 31, 308. 2@a@a@3@b@bβ)) der hätte verdienet, dasz er ... zur verantwortung gezogen würde Ch. Weise polit. redner (1677) 148; (zu einer verantw.) S. Brunner erzähl. u. schr. 1, 350; das man die, so sich um das erzt und bergwerkrecht verstehen zu rath gezogen habe Lori (1764) s. 35 einl. desgl. Ranke 8, 127; der mit in das geheimnisz gezogen war Dahlmann gesch. d. franz. revolution 108; er hat ihn öffentlich an seine tafel gezogen Laube 14, 237; dasz der consul ... zur königlichen tafel gezogen werde Bismarck (volksausg.) 1, 3; wird darauf von dem marquis ... in ein langes gespräch gezogen O. Jahn Mozart 4, 331; Graun ... wurde 1728 in den dienst des kronprinzen Friedrich gezogen 356 anm. 22; Jacquin ... wurde durch G. van Swieten 1752 nach Wien gezogen 325 anm. 20. 2@a@bβ) im gegensatz zur älteren sprache nehmen nun auch die elliptischen wendungen breiten raum ein (vgl. die attributiven verbindungen). die ellipse trifft meist raumbestimmungen. fremd berührt die unterdrückung anderer bestimmungen, vgl.: der marschaider bekant ... er mochte wol den gemessen perg verrer gezogen haben, hett man in gelassen entscheid. des oberhofs Iglau (15. jahrh.) s. Zycha 2, 409; vgl. dazu: die urbarer sullen das ... beseczen, das wo di snur hingeczogen wirt 2, 127; vgl. auch die ergänzung eines engeren begriffs aus einer umfassenden objectbestimmung: dieses jahr ist der ander brunnen, so kaum zwölf schritt vom schlosshofthor stehet, wieder angerichtet und gezogen worden Simon Hüttel chron. v. Trautenau (zu 1488) s. 8. object und zielbestimmung sind in einem heute besonders beliebten absoluten gebrauch zu ergänzen: seine gedichte hätten alle nicht der form, sondern des stoffes wegen gezogen Gutzkow 5, 129 (vgl. attraction). die ellipse der raumbestimmung zeigt neben allgemein geltenden auch enger begrenzte formen, vgl.: so sind all seiten recht gezogen (vgl.zeuch, das C ... herunter, zeuch das d ... herauff) Agricola musica instrum. deutsch 84 neudruck; sie haben sich ... durch neigung und art des volkes unwillkürlich gezogen immer zum deutschen reiche gehalten E. M. Arndt schriften für ... Deutsche 2, 28. 2@a@b@11)) die zielrichtung bleibt unausgedrückt in wendungen wie: hett ich den stein nit gezogen, so hett ich das spil verloren schöne weise klugreden (1548) 88d u. a.; vorhin (vor den balbirern) hat man die bärt gezogen Eppendorff verdeutsch. des Plinius (1543) 7, 39; vgl. auch (s. u.) Gutzkow br. a. Paris 2, 16; Mörike 1, 235; dein kelch ist zwar gezogen, von lauter golt so rein. Fr. Spee güldenes tugend buch (1649) 8; wird gehoben mit dem seil, gezogen durch die werbel, sum tracta per trochleas Comenius orbis sens. pictus 135 u. a.; eine unbewegliche pagode mit einem faden am kinn ... man passt, der faden soll gezogen werden, er wird nicht gezogen Göthe (Rameaus neffe) 36, 65; wird ... diese glocke gezogen Arnim trösteins. 205 neudr. desgl. Gutzkow 6, 139 u. a. zum andern wirt gezogen ein lini Stifel die coss Rudolffs (1553) 9a; oft werden ... linien gezogen, ohne dasz man weiss warum Schopenhauer 1, 115; beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen; der eine winkel, der nach aussen zu, ist, wie du siehst, ein wenig offen. Göthe (Faust 1) 12, 73; er (W. Grimm) hat die grundlinien gezogen W. Scherer kleine schriften 1, 56 (womit man einen canal ... durchs ried gezogen ... hat Göthe III, 4, 277 Weimar); man hat gräben gezogen H. Laube 5, 8. und in den furchen, die Colomb gezogen, geht Deutschlands zukunft auf. G. Herwegh gedichte eines lebendigen 2, 29 (1843). 2@a@b@22)) auch der ausgangspunkt der bewegung ist zu ergänzen: das gestein hat sich gezogen ... wil sich von dem festen lösen A. v. Schönberg berginform. 2 (1693) 8 u. a.; er wird dermassen ... empfangen, dass er den kürtzeren gezogen Micrälius altes Pommerland (1640) 1, 59; u. a. wir kamen vor eine bude zu stehen, wo lotterie gezogen wurde Schiller (geisterseher) 4, 207; ich musz jede nummer, die gezogen wird, ganz exakt aufschreiben H. Heine 3, 325 Elster u. a. 2@a@gγ) die bedeutung von educatus 2@a@g@11)) wird immer mehr in der richtung auf die raumvorstellungen ergänzt, die das lat. particip andeutet und die das deutsche gezogen voraussetzt; vgl. sp. 7187; vgl. schon: wirt ... durch disze weise und ordnung gezogen und gekeret zu der warheit theologia deutsch 49 Mandel; sie hatten ... gots gesetze ... damit sie gezogen worden zum besten Luther 23, 524; die andern ... wehren sich desz leitens, müssen mit gewalt gezogen werden, wo sie hin sollen J. Barth weiberspiegel (1565) B 4b; wenn ich drauf jungen krieg und solche gross gezogen. Prätorius winterflucht der sommervögel (1678) 75; so bin ich gross gezogen, so war es bei meinem vater selig Fontane vor dem sturm (4, 2) 550; dazu vgl. das kind wird gezerrt und gezogen nach den verschiedensten seiten hin Gutzkow 5 (1872 ff.) 22. 2@a@g@22)) der absolute gebrauch des particips tritt in den schriftsprachlichen formen der neueren sprache ganz hinter aufgezogen, erzogen zurück; dies gilt für die verbalflexion mehr als für die attributiven verbindungen. 2@a@g@2@aa)) zum älteren gebrauch vgl.: die sún des künigs die wurden gezogen bei den besten der stat Mentel 2. könige 10, 6 (nutriebantur; die grössesten der stad zogen sie auff Luther); wo pistu geczogen (levado) worden, du chanst nichz in diser werlt bayr.-venezianisches sprachbuch 22 Brenner bayr. mda. 2, 399a; bol geczogen in manicher lay sach ebenda, vgl. die leise wendung zur ironie in: dein gesell ist so wol gezogen, das er noch nie mit seiner hande zuo meinem knie gerret hat prosaroman v. Tristan v. Isalde 133, 1 Pfaff (ebenso in der ältesten Augsb. ausgabe von 1484 s. dtsch. volksbücher 3, 153), und schon der Frankfurter druck von 1556, dem andere folgen, setzt ein: dein gesell ist so züchtig L 1b. 2@a@g@2@bb)) für Göthe ist solcher gebrauch des particips schon von der mundart nahegelegt: höchstdieselben hätten sich von ihm versprochen, dass sein sohn besser gezogen sein würde Göthe briefe 16, 205; vgl. dazu mit annäherung an die bedeutung dressiert im gegensatz zu freierer entwicklung der fähigkeiten: dem hunde, wenn er gut gezogen, wird selbst ein weiser mann gewogen. Göthe (Faust 1) 12, 63. 2@a@g@2@cc)) die wendung ich habe einige gute schüler gezogen (Göthe [Rameaus neffe] 36, 39; vgl. auch dasz ich einen solchen schüler gezogen habe Tieck schriften 16, 117) entspricht einem bei der beziehung auf samen, früchte, blumen gesteigerten gebrauch: in einem lande, worin viel leinsamen gezogen wird Möser 5, 96; (baumwolle) Jung-Stilling 3, 352; (nelken) Pfeffel pros. vers. 1, 1; (blume) Schiller 6, 3. 2@bb) auch die lockeren formen der verbindung des particips mit verbis werden mehr und mehr entwickelt: 2@b@aα) neben bedeutungsschwächeren verbis 2@b@a@11)) beim object: er wollte die kunst nicht in enge zellen gezogen, sondern auf dem markt des lebens gelassen wissen Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 5, 31; wenn ... wir ... in uns zurücke gehn, des lebens summe nun gezogen und einsam uns verloren sehn. der klosterbruder s. Schiller 11, 422; dazu vgl. die verbindung mit dem wie ein adjectiv gesteigerten particip: die zauberlaterne der antur macht ihre bilder nur noch gezogener und matter Jean Paul Titan 1, 32. 2@b@a@22)) neben dem subject ist hauptsächlich die bedeutung profectus vertreten. 2@b@a@2@aa)) der dichter kommt mit leichtem mut gezogen durch grüne triften. Geibel 1, 9; desgl. (so kömmt ein Nil gezogen) Heinse 2, 260 Schüddekopf; ein linien-regiment kam daher gezogen H. Laube 4, 13. anders: Herthas gruss war ... so gezogen, so langsam gekommen Gutzkow 3, 153. 2@b@a@2@bb)) sein säbel lag gezogen auf der leiche Bonaventura nachtwachen (2) s. litt. denkm. 133, 13; 2@b@bβ) zur angliederung nach art der apposition vgl.: sass er (der pastor) vorgebeugt ... die füsse unter den stuhl gezogen W. Raabe Horacker (1876) s. 67. vgl.(s. o.) E. M. Arndt schriften f. ... Deutsche 2, 28. baumschüler sind's in langen reihn manierlich stehend, gezogen fein. v. Gaudy 1, 119; ob du gleich ein andern text odder spruche her bringest, als dem zu widder aus deinem kopf gezogen. Luther 34, 2, 385; wie von lieber hand gezogen steigt sie zu der tänzrin kammer. Brentano romanzen v. rosenkranz (4, 18) 36 Morris. 2@b@gγ) ganz vereinzelt ist adverbiale verwendung: morgen Schuckhoff! (gezogen) es ist eine zwingende notwendigkeit, die mich ... hierhin treibt C. T. Behrens der taumelbecher (1911) 12. 2@cc) die attributiven verbindungen. 2@c@aα) dasz die belasteten fügungen, die vor allem präpositionalbestimmungen mit sich führen, hier eine ganz andere ausdehnung annehmen als im mittelhochd., liesz sich schon aus dem überblick über die verbalflexion schlieszen, aus der sie unmittelbar abzweigen. vor allem begünstigt wird in neuerer zeit die verbindung mit zielbestimmungen. seltener wird der ausgangspunkt gekennzeichnet: den gott des meeres auf einem von vier seepferden gezogenen wagen Wieland (Abderiten 1, 1) 19, 11; als ein kleiner, von zwei munteren grauschiMeln gezogener bauerwagen an Lores haustür anhielt Paul Heyse (Lorenz u. Lore) 2, 3, 81; vgl. auch O. Jahn Mozart 4, 604 u. a.; so kam ... ein allmähliches schwingen in die mächtige von zwei männern gezogene glocke Fontane (unwiederbringlich) I, 7, 291; einen guerillakrieg innerhalb der von der gnädigen frau selbst gezogenen schranken Gutzkow zauberer von Rom 13 (1869) 25; endlich die daraus gezogene sehr richtige folge F. Nicolai literaturbriefe 6, 281; unsere betrachtungen beziehen sich ... auf die aus den erscheinungen gezogene folgerung Göthe (farbenlehre, polem. theil 53) 59, 34 u. a. das ziel wird meist ebenfalls durch präpositionalverbindungen gewiesen, doch greifen gelegentlich vergleichsbestimmungen oder adverbialformen in diesen dienst über: seinen à la jeune France gezogenen bart streichend Gutzkow briefe aus Paris 2, 16; bisher glaubte man immer, dasz aus der gicht die romantische schule, aus einem krummgezogenen rücken die andacht zum kreuze entstand die deutsche revue (2) s. litt. denkm. 132, 23; auch jene dort weiterhin, mit dem schief gezogenen munde Th. Mundt Berlin und seine kunst 27. die belastung des particips wirkt bis in die neuhochdeutsche zeit zu gunsten der nachstellung des attributs, die beim unbelastesten ganz selten wird. auf der einen seite vgl.: nun hetten si einen gartzen oder lauffenden botten an dem hofe hübsch und wol getzogen, mit namen Piloys prosaroman v. Tristrant 153 Pfaff; dagegen vgl.: zwene nuwe hantschowe von wollin odir von ledire an sine hende gezogin Görlitzer rechtsbuch s. script. rer. Lus. 1, 433; mit unserm anhangendem insigel, durch den andern brief mit der poessel gezogen rhetorica und formulare teutsch (1528) 162a; hab ich euch das buoch geantwurt gezogen aus hebreisch in latein Mentel vorr. zu Esther; s. Kurrelmayer 7, 85; hat er seine wort und meinung gesagt aus der schrifft gezogen Luther 10, 1, 163; erkentnusz des wetters ... gezogen ... ausz den regeln der ... astrologen Reynman wetterbüchlein (1510) neudr. 1; die beschreibung ... ausz Aristotile gezogen verdeutschung von Gesners thierbuch (1563) 126; ein nutzliches biechlin in gleichnüsz gezogen von Melibeo und Prudentia seiner hauszfrawen büchlein Melibeus (Straszb. 1508) A 2a u. a.; aus neuerer zeit vgl.: gegen dreihundert grosse bogen, die sehnen gezogen bis zum halse des schützen F. Th. Vischer auch einer 1, 299. 2@c@a@11)) das vorangestellte attribut in sinnlicher verwendung. 2@c@a@1@aa)) das ü lautet mit zuosamen gezognern und engern leftzen, dann das gemein lateinisch u. V. Ickelsamer ein teütsche grammatica A 7 a; sein gewöhnlich mehr in sich gezogenes ... gesicht Rochlitz bei O. Jahn Mozart 3, 433; wenn er sonntags ... mit ... hohen über die knie gezogenen stiefeln ... nach der stadt ... wanderte Melchior Meyr erzähl. a. d. Ries 1, 12; ein groszer achteckiger stein von der gestalt eines sehr in die länge gezogenen würfels (granit) Stifter bunte steine5 15. 2@c@a@1@bb)) der daselbs in seiner hende hielte ein permentin zuosamen gelegt carth mit drien dardurch getzogen schnüren (H. Gessler) formular und tütsch rethorica (1506) o 3a; den biszher geleisteten schutz, die gleichsam vor uns gezogene maur seines (gottes) beistandes Thomas Bahr jämerliche zerstörung der stadt Pasewalck (1705) s. 12; wie es die standesgränze der bürgerlichen bezeichnete, dasz sie in dem tanzsaal nur hinter der durch eine schnur gezogenen schranke sich bewegen durften Th. Mundt gesch. d. dtsch. stände s. 454; während eine quer durch die halle gezogene wand von zypressen und jungen tannenbäumen den dunklen hinterraum von dem festlich hergerichteten vorderraum abtrennte Fontane (unwiederbringlich 22 cap.) I, 7, 197; in den schloszhof ... der hinten durch eine im halbkreis gezogene kastanienallee gar schön geschlossen ist Mörike maler Nolten (2) 327 Cottasche handbibl.; draussen an einer über die gasse gezogenen kette hing eine trübe öllaterne Paul Heyse (Beatrice) 2, 1, 328. 2@c@a@1@cc)) auch solle der schultesz und des herren knechte ... die dar getzognen pferde achten an ein gelt nach billigkeit, ob das (dem herrn für seine 'reise' gelieferte) pferd aussbliebe weisth. zu Schonterfeld 1469 s. weisth 3, 537; ein auf den strand gezogenes boot wieder flott zu machen Fontane (graf Petöfy) 1, 4, 190. 2@c@a@22)) schon hier knüpfen übertragene verwendungen an: unser nach den sternen gezogener prinz, als er seinen ... geist über die sternen schikte, hätte ... sprechen können: bene vixi Butschky hochd. kanzelley 4, 108; philosophie und theologie ... die besonders von dem zum familienrath gezogenen dorffprediger gepriesen wurden F. Schnabel universitätsjahre s. 14; in den schon zum römischen reich gezogenen spanischen landschaften Mommsen m. gesch. 2, 3; diesseits war momentan nichts zur hand als ein in ablösung unserer avantgarde in die front gezogenes kürrassierregiment Fontane vor dem sturm15, 421; die unendlich in die länge gezogene ... rückführung des thema O. Jahn Mozart 3, 341. 2@c@bβ) viel beliebter und verbreiteter sind die formen des absoluten gebrauches, der sich namentlich auf einzelne typen stützt, die als formeln anziehungskraft ausüben. vielfach sind solche wendungen als elliptische zu erkennen und auf die ursprüngliche richtungsbestimmung leicht zu ergänzen. adverbiale bestimmungen, die auch hier nicht immer fehlen, beeinflussen den bedeutungsinhalt des particips nur selten. gegen: die dünnen wolken rieselten, wie schnell gezogene schleier, über den himmel A. Stifter 3, 113; ein so kleingezogener kreis, wie der hier gegebene Platen (gesch. v. Neapel) 3, 3 Redlich; im wohlgezog'nen backenbart. Mörike (an Longus) 1, 235 (1878); schräge, schlechtgezogene beete Georg Engel Hann Klüth 67 vgl.: so far under dem dritten teil, mit einer zwerch lini durch daʒ captel, und reisz ein cirkeltrum zwischen der fasen, und der itz gezognen lini, doch daʒ sie der dicke des captels nichtʒ nem in der hOelen, darausz findt sich der uberlauf und scherpf, wie weit die get auf der negst gezognen zwerchlini Albrecht Dürer underweisung der messung (1525) G 4a; vgl. die zeitadverbien beim particip im lotteriespiel s. u. gern wird die im particip schon gegebene bedeutungsrichtung neuerdings durch ein adverb noch schärfer zum ausdruck gebracht: ein fenster ... zwischen künstlich gezogenen blumen hindurch Eichendorff 3, 127 u. a.; o priester tod, du treuer, ächter! ... du sprengst im ungeheuern schwanken des lebens scharfgezogne schranken. Kinkel (Otto der schütz 8) ged. 233; bescheidene verhältnisse, aber bestiMt gezogene grenzen Fontane der Stechlin (31. cap.) s. 378; aus der schulstube klangen klare, langgezogene geigentöne E. v. Handel-Mazzetti Jesse u. Maria 14, 184. 2@c@b@11)) elliptische wendungen, die sich mit annähernder sicherheit ergänzen lassen. 2@c@b@1@aa)) der ausgangspunkt der bewegung bleibt in festen verbindungen meist unangedeutet. fremdartig berührt die ellipse in: so erkennen wir das dasein einer alle körper durchdringenden magnetischen materie aus der wahrnehmung des gezogenen eisenfeilig, obzwar eine unmittelbare wahrnehmung dieses stoffs uns nach der beschaffenheit unserer organen unmöglich ist Kant (kritik der reinen vernunft. element. II, 1, 2, 2, 3) schriften 1, 3, 190 akademie. 2@c@b@1@a@aα)) dagegen sind beim lotteriespiel (s. o.) für die aus der urne gezogenen loose präpositionalverbindungen nicht üblich: nach beendigter ziehung werden die gezogenen nummern mit den darauf gefallenen gewinnen durch gedruckte listen bekannt gemacht E. S. Unger anleitung für lotteriespieler (Erfurt 1830) s. 3; den betrag der bereits früher gezogenen klasse s. 43; wo man eben die heute gezogenen fünf lottotreffer ... auf eine schwarze tafel geschrieben hatte Castelli 10, 31 (1844) u. a. dazu vgl. auch: dasz man schon anfängt, nicht mehr bei der stange zu bleiben, und das gesetz, dasz man die gezogene aufgabe bearbeiten musz, so umgeht Ottilie v. Göthe (an E. Schopenhauer) s. schriften der Göthegesellsch. 17, 305. 2@c@b@1@a@bβ)) wenn auch neuerdings durch gezückt (s. d.) etwas zurückgedrängt, ist das attributive gezogen mit der ellipse des ausgangspunktes (aus der scheide, vom leder) vor allem in der beziehung auf hiebwaffen (zu den stichwaffen s. gezückt) beliebt: mit klaren spruchen, alsz mit blossen auszgetzognen schwerd, on alle glossen und auszlegungen zu streitten Luther (auff das überchristl. buch ... bocks Emsers) 7, 639; doch Ferragon sprang mit gezognem schwerdte, ... zwischen dieses paar ... Gries übers. v. Ariosts ras. Roland 3, 147; und mit gezognem schwert ... ersteigt er einen pfad. Wieland (Oberon 1, 16) 22, 12; wenn das ganz und halb gezogene schwert helden wieder in die scheide drücken. Alxinger (gedichte 2: bei Laudons tode) 8, 220; und in dem gewaltig donnernden finale tritt mutig Don Juan mit gezogenem schwert seinen feinden entgegen E. Th. A. Hoffmann 1, 93 Maassen; Don Manuel (tritt zwischen sie mit gezogenem schwert) Schiller bühnenanweisung zur braut v. Messina (3, 2) 14, 82; Füllenstein kommt hinter ihm mit gezogenem schwert Grillparzer (Ottokar 2. aufz.) 65, 67; so hört man ihren schritt, und den gezognen degen, so leise sie auch gehn, ein sanft geräusch erregen. Zachariae renoMist 74 (5. ges.); erscheint er wieder mit der ... marionette, die einen gezogenen degen in der hand hält Bonaventura nachtwachen 4 s. litt. denkm. 133, 37; da wurden sie noch zorniger und drangen ... in toller wuth mit rasch gezog'nem degen auf mich ein. Hebbel (Nibelungen, vorspiel) 5, 32 Krumm; dort wird er von den herbeieilenden Braccesken gefangen, nachdem der wieder herabgestiegene jüngling ihn mit gezogener klinge verfolgt hatte Platen (geschichten des königreichs Neapel 2, 3) 384; und während die weiber laut aufschrien, die gendarmen fluchten und mit gezogenem seitengewehr ihm nachsetzten Paul Heyse (der letzte Centaur) 2, 10, 267; jetzt liess der offizier halten, sprang aus dem wagen und ging mit gezogenem säbel auf den knaben los Matthisson (erinner. 1) 2, 339; aber der brigadier verlangte seinen gewinnst, und setzte, in seiner barschen art zu scherzen, dem verlegenen Beiszgen mit gezogenem säbel zu Heinrich König clubisten in Mainz 1, 278. 2@c@b@1@bb)) breiteren raum nehmen die wendungen ein, zu denen eine zielbestimmung zu ergänzen ist. vereinzelt stehen auch hier individuelle fügungen den überkommenen zum formelhaften neigenden wendungen gegenüber: vgl. gezogene gläser eines schattenspiels J. Kerner briefe 1, 115; gegen: ich schmiegte mich in dem gezogenen kreise an deinen vater Bonaventura nachtwachen (16) s. lit. denkm. 133, 136 u. a. 2@c@b@1@b@aα)) für die bedeutung von aufgezüchtet, erzogen hat sich schon in der verbalflexion (s. o.) gezeigt, dasz gezogen in der neueren sprache die beziehungen auf pflanzen, thiere lebendiger festhält und weiterentwickelt, während es in der beziehung auf den menschen dem vordringenden erzogen weniger stand hält. das gleiche gilt für den attributiven gebrauch, doch scheint hier das geschlossene formelhafter verbindungen dem präfix ge mehr widerstandskraft zu geben. 2@c@b@1@b@a@aaα)) α)) unter den myrten ... hat er solchs gethan. denn die myrten sind zame und gezogene beume Luther (proph. Sacharja ausgelegt) 23, 524; in gänse-ställen wird kein reiner schwan gesucht, ein wohlgezogner baum trägt keine wilde frucht. Günther (der frühling im herbste)2 1072; dieselben niedrigen preise ... um welche er seine in guten jahren gewachsenen, ohne bedeutenden kostenaufwand gezogenen früchte ... verkauft J. F. E. Lotz revis. d. grundbegr. der nationalwirtschaftslehre (1811) 2, 7; unter den hellen zacken ... der kunstvoll gezogenen platanen Gutzkow zauberer v. Rom 7, 212; vgl. auch mit selbst gezogenen stieren Haller s. o. sp. 7169. 2@c@b@1@b@a@bbβ)) β)) des begunde die ersamige junkfrawe erwachen, wanne sie als ein nüchter wol gezogen mensche gar in lindem slafe geruwet hatte Joh. v. Neumark leben des heil. Hieronymus (90) s. 211 Benedict; das ist einer stad bestes ... gedeien, heil und krafft, das sie viel feiner gelerter, vernünfftiger erbar wol gezogener burger hat Luther (an die rathherren) 15, 34. erröthe nur nicht erst, du wohl-gezognes kind! wenn ietzo mund und kiel aus liebe kühner sind. Günther (an die Phillis)2 829; dasz tugend iederzeit in wohlgezognem leibe noch halb so schön und starck des pöbels regung treibe. (auf herrn Siegmund Grossjahn)2 657; dazu vgl. die aus einer anderen gruppe (s. sp. 7200) hier ein mündende verbindung: doch heute thaten die vier um der freude willen ein übriges und lockten mit recht wohlgezogenem tone das volk zum tanze Gottfried Keller (grüner Heinrich 3, 14) 2, 216; zu jüngeren adverbialformen an stelle von wohl vgl.: ein gut gezogener, seinen eltern viel freude machender ... sohn Rheinische musen 4 (1795) 95; Neptuns ... als er die schönsten götter und göttinnen beschwor, sein geliebtes söhnchen, den artig gezogenen Polyphem zu besuchen maler (Friedrich) Müller (satyr Mopsus 3) 1, 151; dazu vgl. an stelle von ungezogen: wie die ubel gezogene hündel auff dem küsz, bolster und tisch ihrer herrn sitzen Aegidius Albertinus landstörtzer Gusman (1615) 583; ein übel gezogenes kind hält sich nicht besser als ein rind. Spannutius (1720) 508; der schweizerische arbeiter hob ein solches selbstühmen an, wie es nur ganz schlecht gezogene menschen thun können G. Keller (Martin Salander) 8, 79. das particip ohne adverbiale ergänzung ist vom 16./18. jahrh. verhältniszmäszig häufig beobachtet, tritt aber auch später wieder auf: mos istius regionis et Christus sic discipulos suos excepit es ist ein gezogen volck gewest Luther (predigten nach Rörer, in der Nürnberger handschr.: mit einer groszen zucht ...) 29, 233; und bescher meinem jungen herren heute ein fromm und gezogen kind, ausz diesen töchtern, so heut wasser holen werden s. Mathesius hochzeitpredigten 53 Loesche; der gesunde tau sinkt nieder, das gezogne kind der nacht, der der matten kräuter glieder wieder steif und saftig macht. Fleming 338 Lappenberg; was wunder? theurer Heyn! dasz dich die welt verdammet, da deine sätze nicht im catechismus stehn. kann ein begriff, der nicht von Augsburgs vätern stammet, in den zu schwachen geist gezogner kinder gehn? Chr. Mylius (auf den tod J. Heyns) verm. schr. 469 Lessing; gleich wie die gewürtz einen geruch hinderlassen, wann man sie anregt; also geben auch die frommen und gezogene leut einen wind ihrer tugend von sich Zeiller episteln 1, 453; 'R. kann zehnmal zum minister hin und wieder laufen, eh er einmal über die gasse geht.' 'gezogene leute gehen nicht anders. er musz eilen! wer weis, welchen termin er hat' J. E. Schlegel (der geschäftige müsziggänger) 2, 129; es giebt einen gezogenen und einen zuchtlosen genius Gutzkow 3, 220. anders, weil mit über gebühr gezogen, verzogen sich berührend: dann freilich wäre es leichter durch einige gezogene (aus verschrobene geändert) charaktere und unsinniges gemurmel reich zu werden Göthe (an Zelter) br. 46, 157. 2@c@b@1@b@bβ)) die entgegengesetzte richtung (ab ziehen) schwebt vor in: treuherzige bürger hatten den hohen fremdling in den verwickelten Mainzer gäszchen verirrt geglaubt, und mit gezogenen schlapphüten ... sich zu führern ange boten H. Koenig die clubisten in Mainz 2, 167; ich sah ihr alles an den augen ab, und vor dem hause, da sie wohnte, ging ich mit gezogener mütze vorüber Kügelgen jugenderinnerungen (3, 2) 160. darauf wurde die zahl der geballten fäuste geringer und die zahl der gezogenen mützen gröszer G. Freytag (soll und haben 3, 2) 4, 398. 2@c@b@1@b@gγ)) verschiedenartig sind die anknüpfungen an die verbindung zusammenziehen. einerseits gehört hieher: 'hier hab ich eine rechnung' ... rief Makowitzki, geschäftig sein papier entfaltend, indem er das unbeschriebene stückchen unmittelbar unter der gezogenen summe umbog, den falz an der lippe netzte und abriss H. König clubisten in Mainz 1, 99; anders: schade, dass dieses wollüstige hingeben meiner selbst, diese auf genusz und zeitgewinn gezogene fröhliche rechnung, durch eine grille des marquis gestört wurde Thümmel (reise in d. mitt. provinzen) 4, 222. andere wendungen, die neuerdings sehr beliebt sind, zielen mit derselben bewegungsvorstellung auf das mienenspiel: eine edle wölbung: ein helles glas: ein erhobner spiegel musz andre bilder geben, als ein enges tiefes loch, als ein gezognes auge, als ein sich zusammenziehender punkt, der die welt sieht Herder (studien u. entwürfe zur plastik) 8, 92; eine runzlichte stirn, eine knotichte augenbrauenmitte, ein tiefes, holes, kleines, gezognes auge (die plastik v. 1770) 163; aus den gezogen mienen, aus tönen des jammers Herder 13 (1805 Tübingen) 73; die fein gezognen, süsz geschwollnen lippen. Göthe (Faust 2. theil) 41, 85; vgl. dagegen den schief gezogenen mund sp. 7196. 2@c@b@1@b@dδ)) umgekehrt kommt ein hinausziehen, lang hinziehen zum ausdruck in dem vielgebrauchten gezogenen ton vgl. ziehen ... von tönen, sie länger aushalten als gewöhnlich. eine silbe, ein wort ziehen Campe 2, 862; vgl. auch gezogner, gedehnter, französischer schritt Heinse 4, 206; vgl. nun: der wunderliche und gezogne ton, den er seinen worten alsdann besonders gab J. E. Schlegel 5, 258; παι, παπαι ... das sind seine (Philoktets) gezogene klagetöne Herder 3, 15 Suphan; ich höre noch immer die gezogenen flötentöne ... klagen Jean Paul 1, 349; 'woher wissen sie denn das, junger mann?' fragte er mit gezogenem tone Gutzkow ritter v. geist 1, 69; endlich rief er gezogenen tones zauberer v. Rom 3, 332; sie hörte noch etwas wie den gezogenen ton eines wächterhorns und entschlief 1, 78; und über ihm sangen die vögel in leisem gezogenem ton Gust. Freytag 1, 313; hingegen lange gezogene töne pflegen selten von ganzen orchestern ... egal gemacht zu werden Nicolai s. O. Jahn Mozart 4, 120 anm.; dazwischen lange gezogene waldhornsklänge Eichendorff 3, 188; dieser entlockte gemach der Kremonageige melodisch rieselndes silbergetön, das oft in gezogener seufzer weicheren laut hinschmolz. Voss Luise 3, 2, 502; und horchten ... dem schreien der wilden edelhirsche ... schluchzend hob es an ... dann folgte ein lang gezogener, in allen dissonanzen der baszscala tremulirender schrei Kügelgen jugenderinnerungen (3, 5) 185; liessen dem gezogenen anstrich scharf gerupfte risse folgen Vischer auch einer 1, 316; langes stillschweigen, dann ein gezogenes tiefgeholtes 'ah!' 335. 2@c@b@1@b@eε)) eine richtungsbestimmung wird auch für den in der handelssprache jetzt so verbreiteten gezogenen wechsel vorausgesetzt. 2@c@b@1@b@e@111)) 1)) an sich ist die verbindung einfach die verdeutschung der fremdwörter tratte (tratta) und trassiert, wie auch trassant, trassat und trassieren zu entsprechenden verwendungen von ziehen geführt haben. 2@c@b@1@b@e@11@aaa)) a)) die rev. wechselordnung der stadt Hamburg (1711) nennt den zieher (art. 34), spricht vom sender an effecten gegen trattes (art. 36) und regelt den fall, 'wenn jemand mit wechseln bezogen würde' art. 46; dazu vgl. ein trassirter wechsel J. A. Beck vollständ. wechselrecht (1751) 45 u. a.; der zieher 49; der bezogene 329. 2@c@b@1@b@e@11@bbb)) b)) gegenüber älteren verbindungen wie: den wechsel an sich selbst oder ordre stellen Hamb. wechselordn. (1711) art. 36 u. a. vgl. trassiren, einen wechsel auf einen anderen ausstellen, wofür man auch ziehen und beziehen, nämlich geld auf jemands namen, durch wechsel, sagt ... ich habe diese summe auf sie gezogen Campe verdeutschungswb. (1813) s. 593; trassat, der bezogene, d. i. derjenige ... auf welchen gezogen wird ebenda. 2@c@b@1@b@e@11@ccc)) c)) dazu vgl. tratta, im wechselrecht das ziehen eines wechsels ... ein gezogener wechselbrief Sperander a la mode sprach (1727) s. 754 (vgl. Menantes s. u.); tratte, die gezogene summe, das gezogene ... ziehung oder entnehmungswechsel Campe a. a. o.; ein gezogener wechsel, tratte C. Gossler anleit. zum preusz. wechselrecht (1814) s. 34; der solawechsel hat für den kaufmännischen verkehr nur ganz geringe bedeutung. viel wichtiger, weil fast ausschliesslich im gebrauch, ist der gezogene wechsel, oder die tratte, in der sich der aussteller verpflichtet, das zahlungsversprechen durch eine andere person erfüllen zu lassen J. F. Onstein der gezogene wechsel oder die tratte (1898) s. 3. 2@c@b@1@b@e@222)) 2)) richtungsbestimmungen, wie sie schon den fremden vorbildern zu grunde liegen, treten an der deutschen prägung vor allem in älteren zeugnissen auf, so schon im ältesten belege: in diesem wechsel ist der porteur oder inhaber des wechsels Erdmann Schmidt; derjenige dem er zur last gezogen, Hollstein Menantes neue briefe und ... obligationes (1723) 588; wechsel auf London zu ziehen, und diese gegen die verfallzeit durch andere auf denselben platz gezogene wechsel ... zu bezahlen Garve übers. v. Adam Smith, v. nationalreichthum 22, 74 (2. cap.); nach seiner (Einerts) ansicht sollte jeder in der form der tratte von dem aussteller auf sich selbst gezogene wechsel, wenn die identität der person des ausgebers mit der des bezogenen ... sich ergebe, als eigener wechsel ... behandelt werden protokolle der zu ... einer allg. dtsch. wechselordnung ... 1847 in Leipzig abgehaltenen conferenz (1848) s. 160; jedes auf ordre gestellte, gezogene papier s. 16; er (Heisler) betrachte ... bei bestimmung des begriffs eines gezogenen wechsels ... nicht als wesentliches erforderniss ... dass derselbe von einem orte auf einen anderen gezogen sei s. 14. 2@c@b@1@b@e@333)) 3)) überwiegend aber ist, wie dies dem formelhaften character der verbindung entspricht, gezogen ohne jede weitere bestimmung angeschlossen: so ist ... wenn aber die zahlung einem dritten aufgetragen worden, ein gezogener wechsel vorhanden allgem. landrecht f. d. preusz. staaten theil 2, 8. titel § 714 (1794); hat der aussteller die zahlung selbst zu leisten versprochen: so ist ein trockener oder eigener wechsel; wenn aber die zahlung einem dritten aufgetragen wird, ein gezogener wechsel vorhanden Mallinkrodt allgem. handelsrecht d. preusz. staaten (1800) 195. im folgenden können aus der umfassenden litteratur nur ein paar belege herausgegriffen werden, die für die begriffsbestimmung und für die verbreitung der verbindung zeugen: trockene, auch eigene (wechsel) genannt; und gezogene C. Gossler (1814) s. 8; eine kaufmännische assignation in wechselform ist ein gezogener wechsel s. 64; die herren abgeordneten von Hamburg führten aus, dass in Hamburg jedes auf ordre lautende, die eigenschaft einer zahlungsanweisung an sich tragende gezogene papier im kaufmännischen verkehr als wechsel behandelt werde Leipziger protokolle 12; die wesentlichen erfordernisse eines im inlande ausgestellten gezogenen wechsels s. 6; in ... Sachsen hat ein mandat vom 23. 12. 1829, welches bei Treitschke (encyclopädie) abgedruckt ist, die im handel und bei dem geschäftsbetrieb der fabrikanten gebräuchlichen anweisungen den gezogenen wechseln ... gleichgestellt Ladenburg d. anweisung und der gezogene wechsel (1858) s. 1; je nach der person des schuldners unterscheidet man den gezogenen und den eigenen wechsel. beim gezogenen wechsel wird eine zahlungsaufforderung ausgesprochen d. h. derjenige, welcher den wechsel ausstellt, fordert eine andere person auf, einer dritten (im wechsel) genannten person den wechsel zu bezahlen Posener rechtslexikon 2, 838; aussteller oder der trassant, welcher den wechsel auf den bezogenen zieht; der bezogene oder trassat heisst dann, wenn er seine annahme erklärt hat, akzeptant. der im kontext des wechsels genannte gläubiger ist remittent ebenda. 2@c@b@22)) strittig ist die ergänzung oder deutung des particips bei manchen verwendungen im dienst des handwerks und der technik. 2@c@b@2@aa)) auf ein in die länge ziehen weist sicher das in den wörterbüchern fast lückenlos überlieferte gezogene gold. so giebt Eck die stelle Hiob 28, 17 (gold und demant mag jr nicht gleichen Luther) wieder: es würd nit geben werden zogen gold für sie; dazu vgl.: mit gezogenem und geschlagenem gold Mathesius hochzeitspred. 28b; jungfern dieses standes ... mögen zu ihrem hauptschmuck gute güldene oder perlene borten ... nicht tewerer, so wol andere gezogene goldborten ... tragen kurfürstlich sächs. policei u. kleiderordnung (1612) s. 29; die ... sollen ... auffs hOechste gute gezogene goldborten mit perlen ziemlich besetzet ... tragen 33; argent trait, gezogen silber, argentum ductile dict. nouveau (Genf 1683) 1397. dazu vgl. auch das hinfür einich ... inwoner ... plei in stuckweise unnter zweien zentnern nicht ... verkauffen sol ... doch so ist hierinne den glasern ... zugegeben, das sie ire abschnit und abgannck von dem gezogen plei bei eintzigen pfundsweiss verkauffen mogen Nürnberger verordnung 1486 s. Baader s. 146. 2@c@b@2@bb)) ein durchziehen durch eine masse, ein herausziehen aus einer masse liegt mehrfachen verwendungen zu grunde, die die küche oder arbeiten für den haushalt betreffen. 2@c@b@2@b@aα)) ein gutt gezogen gebachens. erwell feigen und rosin in wein ... misch mehl und würtz darein, mach küchlin drausz, die zeuch durch ein teiglin, bach sie schon von allen speisen und gerichten (übers. des Platina) B 3b (Straszburg 1530); stoss ein pfund aus gezogenem mandel 37b. 2@c@b@2@b@bβ)) ebenso gehört hieher das alte talglicht: auf dem tisch derselben (der magd) brannte in einem blechernen leuchter eine gezogene unschlittkerze, auf dem schreibtisch meines vaters aber eine gegossene in einem messingnen leuchter. die gegossenen waren etwas teurer und dicker als die gezogenen, aber beide musste man alle fünf minuten putzen Theobald Kerner das Kernerhaus 14; vgl. lichter ziehen, dadurch, dasz man dochte in flüssiges talg oder wachs taucht und aus demselben wieder ziehet ... zum unterschied von lichter gieszen Campe 2, 861 (anders gezoppte kierzen [gezopft, vom gedrehten docht?] gezogene kerzen Gangler lex. d. Luxemb. umgangsspr. 180); vgl.das ziehen der lichter C. Moewes der praktische ... seifensieder ... und lichtzieher (1870) 124; werden sie von neuem eingetaucht (die dochte) jedoch auch sofort wieder herausgezogen s. 125; darum hängt man überhaupt auch die zuerst gefertigten lichte in die unterste etage, weil dieselben mehr talg abgeben als die später gezogenen s. 124. 2@c@b@2@b@gγ)) ein fewrzeug mit dem zunder, stahl oder fewreisen, fewrstein und gezogenem schwefel (ramentis sulphuratis, des allumettes, zolfanelle) Comenius janua aurea (Leyden 1644) 234 (nr. 743). s. schwefelfaden. 2@c@b@2@cc)) eigenartig ist die anwendung auf weberei und walkerei: 2@c@b@2@c@aα)) valsch werk noch getoghen werk eder ... harwerk, dat van den Russen to gemaket si eder ut anderen werke getoghen si Hans. urk. (14. jahrh.) 2, 279 s. Schiller-Lübben 4, 528; so kopet se dar getogen werk und valsche trogenisse und valsch was Livl. urk. v. 1595 ebenda 2, 89. vgl. das betrügerische in die länge ziehen der gewebe, die nach der elle verkauft wurden. 2@c@b@2@c@bβ)) gezogene hüte Schmeller 22, 1106; die Regensburgischen huter dürfen den jahrmarkt zu Amberg wieder besuchen, aber ... sie sollen ... nicht zogen hüte, noch kalhüte getheilt, vorab mit liebereien oder kränzlein feil haben, auch nicht hüte machen, denn von lauter wolle urk. v. 1512 s. Gemeiner Regensb. chronik 4, 178. im jahr 1500 wurde den hutern die mit zogen hüten hieher kamen, der verkauf nur mit der anzahl gestattet (laut rathsprotokoll bl. 22) s. ebenda; das nu hinfurder die meister egemelts hantwergs, die die gezogen hte, in wasz farben die sein, arbeiten ... ider maister in seinem haws oder herberg mit seinem gesinde unnd keinen hute ausz dem haus oder herberg zuziehen oder zumachen nit gebenn Egerer ordnung der tuchmacher v. 5. 1. 1536, absatz 2 s. Karl Siegl Egerer zunftordnungen s. 74; auszlendischen maistern ... sol nit gestat ... werden angemelte gezogene hte alhie ... fail zu haben absatz 4 s. ebenda s. 75; den in unserem ... herzogthum Franken angesessenen meistern ... des huter handwerks ... zugelassen, gezogene und ungezogene, geklopfte und atlasse, sammete und seidene hüte zu machen dabei verbothen (d. h. hier befohlen) worden, alle dergleichen hüt von lauter guter wolle und keinen darunter gemischten kühe, oder andern haaren ... zu machen 1636 bestätigung einer älteren huterordnung s. samml. der hochfürstl. Würzburger landesordnungen 1 (1776); zogen pl. eine gattung hüte, den filzhüten entgegen gesetzt. die hutmacher in Ulm beschwerten sich 1525, dasʒ die krämer zogen und hüte feil haben; nach einem beschlusse von 1526 durften mit diesen nur die hutmacher handeln, mit gezogenen hüten aber die krämer ... Schmid schwäb. wb. 550. aus diesen sich zum teil widersprechenden zeugnissen lassen sich sichere anhaltspunkte nicht gewinnen. den heutigen hutmachern ist der ausdruck fremd. wäre er auf die formgebung des hutes zu beziehen, so könnte man an bayrisch ziehen = in falten ziehen, auf das frau Marie Vogel in Göttingen aufmerksam macht (plissé gut altbayrisch gezogen), denken oder besser überhaupt an ein ziehen über eine form. die Würzburger verordnung weist auf unterschiede im stoff und dessen zubereitung. hier läge das karden, kardetschen (theil 5, sp. 210) oder krämpeln (sp. 2009) nahe, besonders sofern es sich um ein rauhen eines stoffes (s. theil 8, sp. 273) handelte, doch fehlen hierfür zeugnisse mit ziehen. dagegen hat dieses verbum für die weberei besondere bedeutung, vgl. gezogen, txetilis (Chomel) und gezogen vom sammt s. sp. 7191; vgl. auch: der eintrag von getretener sowohl als gezogener weberei geschieht je nachdem das muster es erfordert mit weiszem ... garn Göthe 23 (W. M. w. j. 3, 13) 170. 2@c@b@2@c@gγ)) alle priesterinnen ... unter denen etliche aus weiszgeflochtenen körben vier weisz-gezogene tücher nahmen Lohenstein Arminius 2, 184b; die fabrikation ist bei der garnweberei theils so einfach, ausgenommen bei den sogenannten gezogenen zeugen, dass dazu keine grosse erst in einer reihe von jahren zu erlernende kenntniss nöthig ist, und dass auch bei den façonnirten zeugen die zunftmässige erlernung nicht durchaus nothwendig ist, zeigt Schlesien. königl. preusz. spezialbefehl v. 18. oktober u. 2. dezember 1802 an die ostpreuszische kammer s. Rohrscheidt, vom zunftzwange (1898) 207; vgl.gezogene zeuge nennt man solche zeuge, die ihre blumen durch den zug des kegels oder des zampelstuhls erhalten Campe 2, 372; gezogenen sammt Karmarsch 43 235; vgl. oben sp. 7191. 2@c@b@33)) jüngeren ursprungs ist die auszer zusammenhang mit der verbalflexion stehende verwendung des particips im dienste der schieszkunst: das gezogene rohr im gegensatze zum glatten. hier würde das bayrische gezogen = in falten gezogen dem bilde nach wohl stimmen. von anderer anschauung gehen die synonyma aus, mit denen das particip zuerst verbunden ist: gerissen deutet auf die eingeschnittenen züge, geschrauft auf deren schraubenartige windung in der laufwand, in die das geschosz eingepreszt wird; gezogene büchsen gab es schon im jahre 1498, wo sie bei einem scheibenschiessen zu Leipzig gebraucht wurden; es soll sie Caspar Zöllner in Wien erfunden haben St. Behlen lex. der forst- u. jagdkunde 3 (1842) 384. der Nürnberger büchsenmacher Wolf Danner verbesserte im 16. jahrh. das bohren und ziehen der büchsen, und Augustin Kotler soll den stern- und rosenzug gemacht haben ebenda. selten sind adverbiale bestimmungen neben dem particip hier belegt: dasz sie einen guten schön gezogenen lauf nehme Leutmann nachricht von gezogenen büchsen (1733) s. 4. anzeigung eines falsch gezogenen rohrs ebenda; dagegen vgl. gezogene büchsen und flinten, deren lauf inwendig eine in einer schneckenlinie laufende rinne erhält. ein gezogenes rohr, ein solcher flintenlauf, oder auch eine solche flinte Campe 2, 372. 2@c@b@3@aa)) vom 1. august 1560 ... (ist) ein verbot des gebrauchs 'gezogener, geschrauffter, gerissener und ohngewöhnlicher büchsen' ... das motiv zu dieser verordnung war, dasz der gebrauch der gezogenen büchsen als ein 'betrug' angesehen wurde, indem dadurch die ungleichheit unter den schützen entstand Weizsäcker beitr. z. schützenwesen s. württ. vierteljahrsh. 4, 131. da sie 'alle gar ann der grennitz ligen, da ire genachpurte durchausz geschrauffte unnd gezogene büchszen haben ... daher sie inen dann mit denn glatten büchszen kein gleichheith halten könnden gesuch der büchsenschützen von Hermaringen u. Sontheim (25./11. 1587) um gestattung von gezogenen büchsen s. ebenda 4, 215. weiter ordnen und wöllen wir, dasz keiner kein geschrauffte, gezogne, oder dergleichen ungewohnliche büchsen zu den zihlstatten nicht bringen Württemb. landesordnung von 1621 titel 11, 6 s. Reyscher 12, 741 (in der ordnung v. 1552 noch nicht), vgl. 12, 229; anscheinend aber in der bei Reyscher nicht abgedruckten v. 1567; ein büchsen und windmacher aber soll zum ersten machen eine gekripffte faust büchsen und ein lannge gezogene scheiben büchsen sambt ainen purst rohr zunftordnung der schlosser in Krummau (1593) s. mitt. ver. gesch. Böhmens 39, 314; büchse ... sie sind entweder gezogen mit schnecken oder haarzügen, oder aber glatt gezogene oder ungezogene büchsen, wiewohl man diese letzteren nicht eigentlich büchsen, sondern flinten oder musqueten nennet onomatologia venatoria 1 (1772) 49; vgl. auch oben sp. 7191. J. G. Leutmann nachricht von gezogenen büchsen 1733; Friederike mit einer gezogenen büchse Göthe (aufgeregte 4, 6) 15, 66; der drall der spiralförmig gezogenen büchsen zur schlagentzündung, nach theorie und erfahrung P. W. Schmidt die jäger und schützenbüchse (1827) s. 159; an Levins platz lag eine gezogene doppelbüchse Fontane I, 1, 28. 2@c@b@3@bb)) gezogen rohr, bombarda striata teutsch.-lat. wb. (1713 Nürnberg) 78; die gezogene röhre oder büchsenläuffe Leutmann s. 3; gezogene röhre sind eben die büchsen und flintenlauffte, welche inwendig faltzen oder reiffen haben Grosskopf forst, jagd und waidwerkslex. 1759) 140; der feind schosz mit gezogenen rOehren hefftig auf uns losz ... Schnabel insel Felsenburg 4 (1743) 58; mein vater hinterliesz ... mehr als 20 bis 30 vogelröhre, hernach wohl ein dutzend gezogene pirschröhre Gottsched dtsch. schaubühne 4, 162; pürschrohr ... geschosz, so die jäger zum pürschen gebrauchen. es ist solches eigentlich ein gezogenes rohr oder eine kugelbüchse onomatologia venatoria 3, 122; gezogen rohr s. büchse suppl. 402; desgl. Heppe wohlred. jäger 151. 2@c@b@3@cc)) so wie durch die zeit sich die anfängliche vertiefung der züge vermindert, nimmt auch der spielraum der kugel zu, und das gezogene gewehr nähert sich dem schlechter schiessenden ungezogenen unterricht über den bau ... des gewehrs ... den landwehrmännern und freiwilligen gewidmet (1813) s. 13. eine ganz besondere beachtung aber verdienen die scharfen kanten der mündung des gezogenen und glatten gewehrs s. 21 Jerwis die gezogene muskete 1855; W. v. Ploennies neue studien über die gezogene waffe der inf. 1861 u. a. alle unsere debatten haben einen so trotzigen und feindseligen charakter, dasz es immer ist, als höre man dazwischen den hahn einer gezogenen flinte knacken Gutzkow (über Göthe) 4, 262. 2@c@b@3@dd)) büchse ein feuergewehr mit gezogenem lauf Rumpf 1, 189; gezogener lauf, ein gewehrlauf, dessen innere wandung (seele) von mehreren, meist vier, 2—4 millimeter breiten, 1 millimeter tiefen, spiralförmig und einander parallel verlaufenden vertiefungen (zügen) durchfurcht ist Thiel 4, 4365. die büchse oder arkebuse mit gezogenem laufe (franz. arquebuse à canon rayè, engl. arckbus with riffled barrel). der gezogene lauf ist in Deutschland, nach einigen in Leipzig, nach andern in Wien oder Nürnberg durch Kaspar Zollner oder Kullner erfunden worden Aug. Demmin die kriegswaffen (1869) s. 511. 'sie sind geladen?' Anton bejahte ... 'es sind gezogene läufe' G. Freytag (soll und haben 3, 1), 4, 382; gezogen ... nennt man mit zügen versehene gewehrläufe, vgl. ziehen, zug, drall E. v. Dombrowski deutsche waidmannsspr.2 (1897) s. 66. 2@c@b@3@ee)) ich habe gezogene kanonen für ungezogene nationen. G. Herwegh (a bout portant) neue ged. s. 80. so fühle ich auch ... wessen vorbild mich für immer auf jener bahn festhält, von der mich gegenwärtig unteroffiziere und gezogene geschütze verscheuchen wollen Nietzsche (an Ritschl 25. 10. 67) briefe 3, 31.
82246 Zeichen · 1794 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gezogenpart. adj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    gezogen part. adj. 1. erzogen, zu guter feiner sitte gebildet. der gezogen und der wîse W. Wh. 179,19. — vrowen unde wîp…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gezogenadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Gezogen , adj . u. adv . eigentlich das Mittelwort der vergangenen Zeit des Aussagewortes ziehen , welches noch in einig…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gezogen

27 Bildungen · 5 Erstglied · 20 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von gezogen

ge- + zogen

gezogen leitet sich vom Lemma zogen ab mit Präfix ge-.

gezogen‑ als Erstglied (5 von 5)

gezogenheit

DWB

gezogen·heit

gezogenheit , f. , wenig belegte substantivableitung zum vorhergehenden nu sult ir iuch scheiden.sol ez aber morgen sîn, sô sît bî ein ander…

gezogenlich

DWB

gezogen·lich

gezogenlich (gezogentlich), adverb, ( seltener ) adjectiv, abgeleitet vom adjectivierten particip. 1 1) zuerst bei Notker beobachtet ( s. Gr…

gezogenlîche

Lexer

gezogen·liche

ge-zogen-lîche , ge-zogen-lîchen adv. BMZ der wolgezogenheit gemäss, mit feiner bildung, anständig Roth. Nib. Gudr. Parz. Wig. Rud. Gen. D. …

gezogenlīche

KöblerMhd

gezogenlīche , Adv. nhd. erzogen, anständig, artig, feingebildet, höflich, zurückhaltend, beherrscht, sittsam, ehrbar, bereitwillig, gezieme…

gezogenlīchen

KöblerMhd

gezogen·līchen

gezogenlīchen , Adv. nhd. den Regeln des guten Benehmens entsprechend, guter Sitte gemäß, feiner Sitte gemäß, höflich, anständig Q.: Diocl, …

gezogen als Zweitglied (20 von 20)

undergezogen

KöblerMhd

*undergezogen , Adj. nhd. „niedergeschlagen“

voregezogen

KöblerMhd

*voregezogen , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. un- E.: s. vorgeziehen W.: nhd. vorgezogen, Adj., vorgezogen, DW-

abegezogen

MWB

abe·gezogen

abegezogen Part.-Adj. ‘abstrakt’ und mag man niht gesprechen mit abgezogner red [ oratione abstracta ] : diu väterlichait ist diu sünlichait…

abgezogen

DWB

abgezogen , abstractus: abgezogene dinge, abgezogene form. Leibn. 390 ; das abgezogne denken, die ausbeute der abgezogensten speculation. Fi…

eingezogen

DWB

einge·zogen

eingezogen , solitarius, reconditus: ein eingezogner mann; er lebt ganz eingezogen, zurückgezogen. s. einziehen .

hergezogen

KöblerMhd

herge·zogen

hergezogen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „hergezogen“, entlehnt Q.: Apk (vor 1312) (FB hergezogen) E.: s. her, ziehen W.: nhd. hergezogen, Adj.,…

hërgezogen

MWB

hërgezogen Part.-Adj. von einem Wort, ‘entlehnt’ apocalipsis ist ein wort / uz krichischen worten her gezogen HeslApk 341 MWB 2 1391,59; Be…

hërgezogen

Idiotikon

hërgezogen Band 17, Spalte 1064 hërgezogen 17,1064

magezogen

KöblerMhd

mage·zogen

magezogen , sw. V. nhd. erziehen, mäßigen Q.: JvFrst (1340-1350) (FB magezogen) E.: s. magezoge (1) W.: nhd. DW- L.: Lexer 137b (meizogen)

ungezogen

DWB

ung·e·zogen

ungezogen . part.-adj. adv. , nicht gezogen ( s. d. und ziehen). ahd. ungazogan; ags. ungetogen; mhd. ungezogen; mnd. un(ge)togen; altschwed…

unvoregezogen

KöblerMhd

unvoregezogen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. nutzlos Q.: PassIII (Ende 13. Jh.) E.: s. un, voregezogen W.: nhd. DW- L.: Hennig (unvorgezogen), Le…

unvorgezogen

Lexer

un-vorgezogen part. adj. BMZ Pass. K. 443,73.

wohlgezogen

DWB

wohl·gezogen

wohlgezogen , adj. 1) von personen gesagt für ' gut erzogen ', in gesellschaftlichem und auch ethischem sinne, wie schon mhd.: ( der ) jungh…

wolgezogen

KöblerMhd

wolge·zogen

wolgezogen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „wohlgezogen“, wohlerzogen, höflich, gebildet, edel Q.: ErzIII, Enik, SGPr, GTroj, HBir, Ot (FB wolgezo…

zesamenegezogen

KöblerMhd

zesamene·gezogen

zesamenegezogen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „zusammengezogen“, verdichtet Hw.: s. zesameneziehen Q.: EckhIII (vor 1326) (FB zesamenegezogen) E…

zesamengezogen

KöblerMhd

zesamengezogen , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. zesamenegezogen

īngezogen

KöblerMhd

īngezogen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „eingezogen“, in sich gezogen, innerlich, in sich versunken Hw.: vgl. mnl. ingetogen, mnd. ingetōgen Q.:…

ūfgezogen

KöblerMhd

ūfgezogen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „aufgezogen“, gereckt, gewölbt, stolz, ehrgeizig, übermäßig ÜG.: lat. supensus STheol Q.: EckhIII (vor 1…

Ableitungen von gezogen (2 von 2)

ungezogen

DWB

ungezogen . part.-adj. adv. , nicht gezogen ( s. d. und ziehen). ahd. ungazogan; ags. ungetogen; mhd. ungezogen; mnd. un(ge)togen; altschwed…

ungezogenlich

DWB

ungezogenlich , adv. adj. zu ungezogen, gth. v. gezogenlich ( s. d. ). mhd. ungezogenlich ( Suso d. schr. 208, 4 B.; Schmoller Straszburger …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gezogen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gezogen/dwb?formid=G15698
MLA
Cotta, Marcel. „gezogen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gezogen/dwb?formid=G15698. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gezogen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gezogen/dwb?formid=G15698.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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