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gewürz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewürz n.

Bd. 7, Sp. 6829
gewürz, n. jüngere, mit dem ausgang der mittelhochd. zeit zu tage tretende collectivbildung zu dem alten in starker und schwacher flexion (vgl. althochd. wurz, gen. plur. wurzo Graff 1, 1049 gegen: mit der wurzen, der wurzen saf Lexer 3, 1012), mit umgelauteten und unumgelauteten obliquen formen (von der würze gegen ab der wurze mhd. wb. 3, 828a) überlieferten fem. wurz (s. d.). das grundwort ist dem allgemeinen schriftgebrauch jetzt abgestorben, nachdem es bei einzelnen stilisten und in gewissen isolierten wendungen seinen besitzstand zähe vertheidigt hatte; lebt in einzelnen compositionsformen (vgl.haselwurz, nieswurz im gegensatz zu dem alten reichthum entsprechender zusammensetzungen) und im mundartlichen gebrauch mit dem begriff der pflanze noch heute fort, der in der bairischen zwiderwurzen übertragene bebedeutung zeigt (vgl. auch nagelwurz). ein compositum des grundworts hat einer bedeutungsverengerung, der dieses selbst in bestimmten zusammenhängen zustrebte, einen besondern ausdruck gegeben und lebt mit diesem ebenfalls in der schriftsprache fort s. wurzel. zu würze s. sp. 6832. 11) die ältesten belege, 1@aa) in denen das grundwort litterarisch bezeugt ist, weisen gerade diese engere bedeutung auf, den begriff von radix, mit welch letzterem unsere bildung auch etymologisch sich berührt, vgl. auch griech. ῥίζα. 1@a@aα) das gotische waurts ist nur in dieser bedeutung überliefert: at sunnin þan urrinnandin ufbrann, jah unte ni habaida waurtins, gaþaursnoda Ulfilas Marcus 4, 6 (μὴ ἔχειν ῥίζαν; sie ni habetun wurzalun Tatian 71, 3, daʒ er nit het die wurczeln cod. Tepl.; die weil es nicht wurtzel hatte, verdorret es Luther); desgl. 4, 17; Lucas 8, 13 vgl. Römer 11, 16. das althochdeutsche hatte für diese bedeutung neben der zusammensetzung wurzala (wurzwalu vgl. auch Much in 'wörter und sachen' 4, 171) auch noch im besondern die schwachen formen des grundworts in den dienst gestellt vgl. radix, wurza; radices, wurzun, vocab. S. Galli s. Steinmeyer-Sievers 3, 4; vgl. auch die belege bei Graff 1, 1059. anders das altsächsische, das hier starke formen zeigt: erdon ni habda that it thâr mahti wahsan efta wurteô gifâhan. Heliand 2392 u. a. im mittelhochdeutschen kreuzen sich hierfür starke und schwache formen: ein krût Gâwân dâ stênde sach, des würze er wunden helfe jach. dô rebeizte der werde nider zuo der erde: er gruop se, wider ûf er saʒ ... si sprach 'kan der geselle mîn arzet unde rîter sîn ... gelernt er bühsen veile tragn'. zer frouwen sprach Gâwânes munt 'ich reit für einen rîter wunt ... disiu wurz sol in wol ernern unt al sîn unkraft erwern. Wolfram Parzival 516, 24 ff. vgl. auch der Marner (grosze Heidelberger liederhandschr. 1172 Pfaff) u. a.; sang hat boum un wurzen da. Hadlaub 1216 Pfaff; von wurz und grunt, mit haut und hâr Aventin (chronik 2, 108) 4, 807; vgl. auch (1, 167) 373; (1, 139) 303 u. a. hemmungserscheinungen in dem allgemeinen vordringen der ableitung wurzel (s. d.), sind nicht blosz im gebrauche des grundworts wahrzunehmen. sie erwachsen auch der entwicklung des collectivs vgl. das vordringen des theilbegriffes radix im bedeutungsgehalt des neutrums sp. 6836; vgl. auch die deutungsversuche der wörterbücher: gewürtz ... kompt her von wurtzelen Henisch 1610 u. a. 1@a@bβ) die umfassende bedeutung der pflanze tritt am grundwort in älteren glossen zutage: olus, wurz in der Hrabanischen sippe gegen chol, khol der Keronischen s. Steinmeyer-Sievers 1, 220; herbas wurzi, herba wurz Tegernseer glossen des 11. jahrh. zu Vergil, georgica 3, 283; 4, 272 s. Steinmeyer-Sievers 2, 638. 644; gramina, wurz, cras Oxforder, Karlsruher glossen zu 5. Mos. 32, 2; dazu vgl.: iʒ ist gilich corne senafes ... thaʒ ist minnista allero wurzo inti ist boum Tatian 73, 2 (minimum quidem est omnibus holeribus et fit arbor Matth. 13, 32; wirt mer, den alle di kole cod. Tepl., wenn es aber erwächst, so ist es das grösset unter dem kol Luther); endi imu biforan strôidun thena weg mid irô giwâdiun endi mit wurtiun sô sama. Heliand 3675; (vgl. alii autem caedebant ramos de arboribus et sternebant in via, hiewun zwig fon boumon inti strewitun in wege Tatian 116, 4; brachun thar thie bouma Otfrid 4, 4, 36; thie esti ... in then weg legitun 4, 5, 4; vgl.este cod. Tepl. Matth. 21, 8; zweige Luther.) 1@a@gγ) die mittelhochdeutschen belege bringen diesen begriff der pflanze nur selten mit der gesammtheit der ihr anhaftenden züge zur geltung: wurze des waldes und erze des goldes und elliu apgründe diu sint dir, hêrre, künde. Spervogel s. minnes. frühl. 30, 27; vgl. auch Wolfram Willehalm 37, 5; die ästhetischen wirkungen werden gelegentlich in bildern und vergleichen gewürdigt: swâ guoter hande wurzen sint in einem grünen garten bekliben, die sol ein wîser man nicht lâʒen unbehuot. er sol in spilen vor als ein kint mit ougenweide zarten. dâ lît gelust des herzen an, und gît ouch hôhen muot. sî boese unkrut dar under, daʒ breche er ûʒ besunder. Walther 103, 13 Lachmann. 1@a@g@11)) der gegensatz der attribute guot und boese dürfte schon auf die richtung weisen, in der der mittelhochdeutsche gebrauch vor allem sich bewegt, vgl. auch M. Heyne deutsche hausalterthümer 2, 92. diese richtung, wenn sie auch zum theil im heimischen boden wurzelt, ist doch zunächst in wendungen ausgeprägt, die sich an fremde vorlage heften. 1@a@g@1@aa)) im rahmen litterarischer überlieferung hält sich eine verwendung des subst., die schon der Heliand darbietet: habdun mêðmô filo gisald wiðer salBun, silubres endi goldes werðes wiðer wurtion, sô sia mahtun awinnan mêst, that sia thena lîk-hamon liobes hêrron, suno drohtines salbôn muostin. 5788; (vgl. thia biminzsalbun, aromata Tatian 216, 2, armathei cod. Tepl. Lucas 24, 1; specerei Luther); dazu vgl. mit allgemeinerer verwendung: beʒʒer sint dîne spunne danne der wîn, unte der stank dînero salbon, der ist uber alle stankwurze Williram hohes lied 65, 3 (wie schön sind deine brüste ... lieblicher denn wein, und der geruch deiner salben übertrifft alle würtze Luther hohes lied 4, 10); vgl. auch Williram (90, 1 ff.) s. 40 Seemüller; s. auch bei gewürzgarten. 1@a@g@1@bb)) vom wirklichen leben berührt scheinen andere verwendungen, die auch schon bei Williram zu tage treten: die arzat wurze stinkent vile drâho in unseren porton ... also daʒ pomum mandragorae (vgl.alraun theil 1, sp. 246) ... haustum in vino machet dîe slâffelôson dormire et requiescere hohes lied (128, 1) s. 58 Seemüller (die lilien geben den ruch Luther); vgl. auch s. 59 u. a.; dazu vgl.: und erstiket vom pradem von stund an ... da setzeten sie den dritten pruder auf ein sail auf einen knebel und ... verpunden im sein antlutz mit würtzen ... und liesz in auch hin ab genen zwaien zu hilf Nürnberger jahrbücher des 15. jahrh. s. dtsch. städtechr. 10, 313. es ist die heilkraft, die vor allen anderen eigenschaften der pflanze den gebrauch des grundwortes in der mhd. dichtung bestimmt: dô er die erzenîe, wurzen und krût genôʒ er wart der sorgen vrîe nâch sînem schaden grôʒ. Gudrun 540, 1; sie kômen dâ si funden ligen den rîter wunden mit triwen Gâwânes hant die wurz ûf die wunden bant. Wolfram Parzival 521, 22; vgl. auch 481, 15; 518, 9; 483, 7; Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 1154, 7 ff.; desgl. Gottfried Tristan 12753 (zu 16109. 6953 s. u. bei krût); Rud. v. Ems Barlaam 253, 25. hierher gehören auch magische wirkungen heidnischer (zauberlistige worz Mor. 1, 563 bei Lexer 3, 1011) und legendenhafter art, vgl. passional 337, 90 ff. Köpke; zum medicinischen gebrauch aus späterer zeit vgl. wurtz bei P. Probst 101 neudr.; hat aller kreuter und wurzen natur ... erforscht Aventin (chron. 1, 213) 4, 524 (2, 45), 679 u. a. 1@a@g@22)) von dieser seite her wird die wurz als pflanze in den dienst der kochkunst gestellt. nicht als eigentliches nahrungsmittel, vgl. vielmehr: si begunden balde suochenwurzen und ander krût. si wolden bî in nerendaʒ Sigebandes trût ... eʒ was ein vremede spîsedie im diu juncvrouwe truoc. Gudrun 82, 1; vgl. Parzival 485, 21; 501, 13; haben alda nur wasser trunken und frücht von den päumen und kreuter und würz, nichts gesottens gessen Aventin (chronik 2, 340) 4, 1061. dagegen sind es die reizwirkungen, die der pflanze als einer zuthat zu den speisen den weg bahnen: erhöhung der verdaulichkeit, des wohlgeschmacks und auch des äuszern ansehens: 1@a@g@2@aa)) swer wurtze und krût bekennen kan und bluomen art, der lât die stân, die süeʒes smackes habent niht. Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 1783, 1; vgl. auch 1784, 2; vgl. auch Lohengrin 1007; wie ieclîch brâte sûse und traht nâ würzen smegge. Reinfried v. Braunschweig 2844; vgl. auch (muschat und ander maniger slachte wurze) veterbuch 58 Palm; ein hirn sol man nemen und mel und epfele und eier und menge daʒ mit würzen buch v. guter speisz 3 (litt. ver. 9, 2) desgl. 18 u. a.; mache ein condimente von wine und von honige. do rip denne würtze in pfeffer und anis 18; ½ ℔ saffrans it. 2 ℔ ingwers it. ½ ℔ negelein, it. 2 ℔ pfeffers, it. 1 ℔ ziminrörn ... item so vil seck darein man die kuchenspeis tut; it. ain groszen beutel mit 4 beutelen zu den wurczen Nürnberger ordnung was gehört zu speisen 2000 person auf 8 tag (mitte 15. jahrh.) dtsch. städtechr. 2, 347 u. a.; hönigs, weirauchs und anderer wolschmeckender kreuter, holz und würzen Aventin (chronik 2, 45) 4679. vgl. auch das verbum würzen mhd. wb. 3, 830b f. s. unten gewürzen, gewürzt. 1@a@g@33)) in all diesen verwendungen tritt, soviel der numerus bestimmbar ist, der plural entgegen, singularformen begegnen nur spärlich, vgl.: waʒ es daʒ ein snider ... oder waʒ antwerksmannes er waʒ, eime herren hiesche daʒ er umbe in verdienet hette ... von koufende würtze oder duch Closener s. dtsch. städtechron. 8, 125; der kirchher sol mit ime bringen ein halb pfund speiswurtz, ein halb ingwer, ein halb negelin, das die speis desto bas gerate weisthum v. Greszweiler s. weisth. 1, 705; vgl. mit spetzerige und gestossener wurtzen Straszburger verordn. (1470) Brucker 308. der plural faszt eine mehrheit zusammen, deren glieder in den seltenen fällen, in denen sie gekennzeichnet sind, weniger auf heimische pflanzen weisen als auf fremdländische, wie sie in den groszen umwälzungen, der kreuzzüge und später der entdeckung des seewegs nach Ostindien immer näher gerückt wurden. damit tritt in dem begriff der würze und wurzen die anschauung der lebenden pflanze immer mehr zurück hinter der getrockneten und gebrauchsbereiten. desgleichen wird der gesammtbegriff der pflanze durch die betonung derjenigen einzelnen theile zurückgedrängt, die dem zwecke insbesondere dienen, und hier bietet sich für die wurz gelegenheit, den begriff der wurzel stärker hervortreten zu lassen, die in manchen fällen ja der eigentliche träger der aromatischen eigenschaften ist oder dafür gehalten wird. bei dem begriffe gebrauchsbereit, ist zunächst nur an den zustand zu denken, in dem die einzelnen gewürzarten aufbewahrt werden. auszerdem kommenvor allem für das collectiv (s. u.) — bestimmte, nach einem gegebenen verhältnisz zusammengesetzte mischungen in betracht, die für bestimmte immer wiederkehrende zwecke vorräthig gehalten wurden. und endlich wird eine zubereitete und abgekochte masse mit würze bezeichneteinem subst., dessen ausgangspunkt gesondert liegt, das sich aber mit formen und verwendungen vielfach im kreise von wurz verliert (vgl. condimentum sp. 6835; vgl. gewürzsuppe): swer malzes pfligt, die wîle eʒ lît dur derren ûf dem slâte, der lobe mîn bier unz er besehe wie im sîn wurz gerâte, strophe u. d. namen d. j. Spervogel s. ms. fr. 246, 4; der guten mete machen wil, der ... neme zwei maʒ waʒʒers und eine honiges ... und siede denne die selben wirtz ... und schume die wirtz mit einer vensterechten (siebartigen?) schüʒʒeln, da der schume inne blibe und niht die wirtz buch v. guter speise 6. 1@bb) unter den deutschen bedeutungsverwandten berührt sich mit dem grundwort am engsten 1@b@aα) das so viel mit ihm zusammengestellte kraut vgl. krût Graff 1, 594; mhd. wb. 1, 890b; Lexer 1, 1758; s.kraut theil 5, sp. 2105 ff. 1@b@a@11)) dieses substantiv ist im gegensatz zur wurz den älteren germanischen dialecten nicht eigen, fehlt auch in der gotischen überlieferung und tritt hauptsächlich in der sprache Notkers für den begriff herba auf. in den canonischen glossen erscheint abgesehen von dem problematischen carteras (nach Graff: kruoteras) Steinmeyer-Sievers 1, 220 in entsprechenden verbindungen der begriff des unkrauts, dem gegenüber die concurrenzworte spröde bleiben: zizania krud (chrut) upilaz Steinmeyer-Sievers 1, 269; dazu vgl. fêkni krûd Heliand 2557; doch ist ebenda der gleiche begriff schon durch das subst. ohne attribut ausgedrückt: thô slôgun thâr oft krûd an gimang, weridun imu thena wastom. Heliand 2410; desgl. 2523; 2548. 60. 1@b@a@1@aa)) auch bei diesem substantiv entwickelt sich aus allgemeineren bedeutungen der begriff der arzneipflanze, der dann in den dienst der körperpflege und der kochkunst überführt, vgl.: der liûment virtutum der also suôʒʒe ist also der stang dînero chriûtero Notker psalm 44, 9 (Hattemer 2, 159); hierauf beruhen mittelhochd. zusammenstellungen mit wurz, die einen bedeutungsunterschied beider substantive nicht erkennen lassen: der zôch im ain guoten garten ... dar inne zôch er wurze unt crût. kaiserchronik 6858 E. Schroeder; diu erkennet maneger hande wurze und aller krûte kraft und arzâtliche meisterschaft. Gottfried Tristan 6952; desgl. (s. o.) Gudrun 540, 1; würze kriuter mangerleie des man mohte erdenken dâ mite man êren solt den gast, diu vürstinne schuof daʒ des dâ niht gebrast. daʒ wart verzert, dar nâch hieʒ man wîn schenken. Lohengrin 1007; und fuort auf seinen flüglen mangerlai edel würz und kräuter Konrad v. Megenberg 187 desgl. 186 (s. u.); dazu vgl.: saltzeʒ wol, nim aschlauch und minzen dar zu. des kruteʒ nim genuc buch von guter speise 15; nim krut und stoʒ daʒ 14, 17; vgl. auch s. 4; beslahe sie mit eiern und mit krute 16 u. a. 1@b@a@1@bb)) der übergang vom begriff der gebrauchsbereitschaft zu dem der verarbeiteten masse hat bei kraut nur bedingte geltung: hacke peterlin, salbey. nim gestoʒʒen ingeber, pfeffer enis saltz zu maʒʒen. mache einen derben teic noch der groeʒʒe der stucke und werf daʒ krut uf die stücke und bewirke sie mit dem teige buch v. guter speisz 8 vgl. 12. nur solche mundarten, die überhaupt krût bevorzugen (s. u.), nehmen auch an dieser entwicklung lebhafteren antheil, vgl. theil 5, sp. 2110; vgl. auch: zwei punt spiiskruyt ... trogien ... anniskonfeckt rechnung für die auslagen des Aachener contingents (1383) s. Laurent 285, 8. 1@b@a@22)) der allgemeine alt- und mittelhochd. gebrauch von krût unterscheidet sich gegen die wurz dadurch, dasz dieses umfassende vorstellungen von der pflanze, die der wurz mehr und mehr verloren gehen (s. o.), festhält und immer mehr zur geltung bringt: 1@b@a@2@aa)) so die ganze äuszere erscheinung: thaʒ kint wuahs untar mannonso lilia untar thornon; so bluama thar in cruteso scono theh zi guate. Otfrid 1, 16, 24; iro lîb fervare ze êrist also chrût, iro lîb pluôe ioh ze êrist, sicut herba transeat, mane floreat Notker psalm 89, 6 (Hattemer 2, 325); vgl. gleich wie ain gras das doch bald welck wird Luther psalm 90, 5 gegen alse daʒ crut vorget Trebnitzer psalmen (Pietsch s. 75); dazu vgl. (Hattemer 2, 371) Notker psalm 103, 14 (crut Trebnitzer psalmen, saat Luther). 1@b@a@2@bb)) in zusammenstellungen tritt krût vielfach als der weitere, wurz als der engere begriff auf (s.wurzel), vgl.: hierher gehört wohl schon: die wurze iohc daʒ ander cruth loben dich herro gotes truht. loblied a. d. heiligen geist (Diemer 355); sicher ist: wenn si diu kräuter eʒʒent, sô schadent si den wurzen niht, wan si peiʒent si neur oben ab Konrad v. Megenberg 159; desgl. (s. o.) Parz. 23, 23. 1@b@a@2@cc)) dahin geht auch die werthung der pflanze als eines nahrungsmittels; im gegensatz zu oben (sp. 6831) vgl.: daʒ si dâ heime ir vater krût het gâʒ ob sînem tische für Lemberslindes vische. meier Helmbrecht 1604; vgl. Seifried Helbling 1, 957 Apollonius 10190 Singer; darauf man in der kuchen flaisch, kraut und ander ding hack und anricht dtsch. städtechron. 2, 316 u. a.; vgl. sauerkraut, weisskraut u. a. 1@b@a@2@dd)) aus allen diesen zügen erwächst dem kraut im gegensatz zu dem späteren collectiv gewürz die befähigung, als bevorzugter vertreter des begriffs der heimischen, in ihrer lebendigen erscheinung erfaszten pflanze zu gelten im unterschiede zu dem im getrockneten und zubereiteten zustande eingeführten handelsartikel; vgl. weinessig, zwiebeln, gewürtz, citronen ... schalen, ein blättlein von lorbern, oder andere feine kräuter der frantzösische koch (1665) 117 (in Nic. de Bonnefons delices de campagne: espiceries ... ou bien peu d'herbes fines 269); desgl. 272 u. a. vgl. vor allem den krautgarten im gegensatz zum gewürzgarten (s. d.); vgl. die zusammensetzung gewürz kraut (s. o.) u. a. 1@b@a@33)) auch in landschaftlicher hinsicht grenzen sich die substantive ab, indem die nördlichen mundarten kraut auf kosten von wurz und später von gewürz in allen richtungen und bis zur ausschlieszlichkeit bevorzugen, so auch in der bedeutung eines zubereitungsmittels der speisen: sin confett ut der apotecke oder ander gut gekrude mut he geben Berlinisches stadtbuch s. 16; von crude ende specerien zollfreiheit für Kempen (1403) s. Hans. urk. buch 5, 382; daʒ alle und ietzliche kauffleutte ... in unser lande Preussen domit reisen ... mit golde ... eisen und also allerlei metall, saffran, pfeffer, ingwer, nelken, muschkaten, blumen und also allerlei cruude erneuerung des stapelprivilegs von Thorn 1428 s. Hans. urkb. 6, 428; desgl. 6, 75; 5, 288. 284; 6, 575; vgl. auch gewürtz cruit 6, 230; vgl. md. gekrûde Lexer 1, 803/4. 1@b@bβ) für die ältere sprache kommt ein zweites subst. in betracht, das mundartlieh noch heute beachtung fordert: gestüpp, vgl. stuppi pulvis Graff 6, 616; gestüppe mhd. wb. 2, 2, 649b; Lexer 1, 935 s. gestüpp oben sp. 4267. 1@b@b@11)) hier liegt der berührungspunkt mit wurz von vorneherein in dem gebrauchsbereiten (getrockneten und gestoszenen) zustand der pflanze, der bei kraut nur in einer späteren sonderentwicklung (vgl.kraut = schiesspulver) zu beobachten ist. vielleicht, dasz die collectivbildung an diesem eindringenden subst. auf die weiterbildung von wurz zu gewürz wirkte. 1@b@b@1@aa)) der älteste beleg stellt beide substantiva zusammen: von würzen manec gestüppe was ûf den kultern gesaet. Wolfram Parzival 790, 12 (s. u.). 1@b@b@1@bb)) an stelle des gewürzes erscheint das subst. bei Matthesius: Zilla hat ihr trisinetlein und gestüp auff ire essen gestreut Sarepta 10a; dazu vgl. der gerach dê inger salwen üwertrüft alles gestäpp Siebenbürgische übers. des hohen liedes (4, 10) s. Frommanns mundarten 6, 103; myrrhen sammt mêningen gestäppen 5, 1; noch weiter geht schon Konrad v. Megenberg: daʒ würmel hât ain wunderleich kraft, wan wer ir dreu iʒt, an dem verlischt aller unkäuscher gelust ... ich wolt, daʒ si all gaistleich läut aeʒen für ander gestüpp 297; in electuariis, di man ze däutsch latwergen haiʒt, und in edelm gestüpp 293. 1@b@b@22)) für das fortleben dieser engeren bedeutung sind vor allem mundartlich gefärbte belege beizubringen. im bairischen (Schmeller 22, 720) überwiegen formen ohne präfix: air mit pfefferstupp Tegernseer kochbuch (Germania 9, 202); fürs schwäbische vgl.: thue ein gestüpp daruf württemberg. kochbuch (ztschr. d. a. 9, 367); zum siebenbürgischen: gestüpp, das gewürze Schuller beitr. z. einem wb. der siebenb. sächs. mda. 22. 1@cc) von alters her künden aber auch fremdsprachliche namen die fremdländische herkunft der meisten einschlägigen pflanzen an: eins graben lop gezukkert ist, gehoneget sueʒer wan benit, vür balsmen wirde eʒ tiuret, den aromaten lit eʒ vür, der würze tugent eʒ über wiget. Hermann Damen 1, 2 s. minnes. v. d. Hagen 3, 196b; pigment und zerbenzînen smac, müʒʒel unt arômatâ. durch süeʒen luft lag ouch dâ drîakl und amber tiure ... cardemôm, jeroffel, muscât, lac gebrochen undr ir füeʒen durch den luft süeʒen. Wolfram Parzival 789, 261. 1@c@aα) wie hier, so zielten auch sonst solche bildungen in erster linie auf die geruchswirkungen der pflanzen und auf den hygienischen dienst, den diese im orient erfüllten. 1@c@a@11)) so arômât, bei dem der biblische text am deutlichsten als ausgangspunkt zu fassen ist und der über die aromata der vulgata hinweg auch in der älteren bibelübersetzung eine rolle spielt (zum Tatian s. o., vgl. auch sp. 6835). für den litterar. gebrauch vgl. wîrouches ruch ûʒ arômâte mariengrüsze 194 u. a. Lexer 1, 96; vgl. auch: dû saelden wünschelgerte und apotêke wünneclich, der tugent arômât würze dich geblüemet hânt in manger wîs. Konrad v. Würzburg goldene schmiede 1314. 1@c@a@22)) eng damit berührt sich das ebenfalls dem griech. entstammende balsame, mit dem es gelegentlich auch zusammengestellt erscheint: dœ hiet he'm die wonden met wîne und met pigmente dwân ... an hen streic man dar nâ balsâmum und arômatâ man salfde hen met beiden. Eneide v. 8242 Behaghel (8196 bei Myller); vgl. auch: si hât ein küssîn, daʒ ist rôt: gewünne ich daʒ für mînen munt ... eʒ smecket, sô manz iender regt, alsam eʒ volleʒ balsmen si. Walther 54, 14; vgl. Konr. v. Würzburg goldene schmiede 193; vgl.balsam krût s. mhd. wb. 1, 890b. 1@c@a@33)) weiter führt das lat. pigmentum. 1@c@a@3@aa)) schon althochd. viel angezogen (vgl. piminta Graff 3, 337) wird es in der Tatianübersetzung als ersatz für aroma gebraucht: bîminza 214, 2; bîminzsalbun 212, 7; 216, 2; vgl. dagegen minze als lehnwort zu mlat. menta Lexer 1, 2158; si choften bîgmenten si wolte ir herren salben. leben Jesu s. Diemer 265, 17 u. a.; vgl. mhd. wb. 2, 517; zur besonderen verwendung in der heilkunde vgl.: si namen pigmenten manc guot blaster ... mit aloe und mit mirren bewarten si di herren. Rolandslied 260, 27 W. Grimm; vgl.(s. o.) Eneide 8193; desgl. 11908. 1@c@a@3@bb)) als genuszmittel (vgl. mit fünf pimenten rein sol si [diu latwerge] gemenget sîn minnes. 2, 258 v. d. H.) dient das subst. vor allem der zubereitung des gewürzten weins (gepîmentêr wîn) s. gewürzt: trinkt ouch ir, eʒ ist guot ... eʒ ist lûter unde tünne, gesmac unde raeʒe und sint sîne waeʒe süeʒe unde starke. eʒ muoʒ kosten manic marke diu vil edele pigment. Heinrich v. d. Türlin krone 2517; vgl. auch Wolfram Willehalm 276, 6; dazu vgl.: dasz in der spätern latinität, pigmentum nicht allein süssen wein ... sondern auch irgend eine stark schmeckende specerei, irgend ein aus lieblichen gewürzen verfertigtes leckerbischen, bedeutet Lessing (z. gesch. u. litt. 2) 123, 53. 1@c@bβ) umfassender von vornherein sind andere lehnworte: 1@c@b@11)) so die verhältniszmäszig spät belegten bildungen zum lat. species (vgl. auch pro speciebus Aachener stadtrechnungen 212, 3 Laurent); vgl. specie mhd. wb. 2, 2, 490a; spezerîe Lexer 2, 1073; vgl. auch spetziger oder apoteker vocab. v. 1482; die spis speciren, specificare Diefenbach 545a; ich tet, sam die kraemerin tuon, ... guot würz' in minem korbe lak ... zimt unt pfeffer guot negelin, muscat und imber ... der wirt der sprach 'waʒ tragt ir veil' ich sprach: 'der spezerie ein teil'. minnes. v. d. Hagen 3, 304b; er tuot ain kouf nach dem ander, als ob er für gen Flander, es sig linwat, spezri ald tuoch, und slecht ihm daruff den gesuoch. des teufels netz 9041 Barack u. a.; vgl. auch die belege zur bibelübers. sp. 6839; und würcz es den mit guoter specerie alemann. büchlein v. guter speise 206 Birlinger; stosz das gewürtz oder specerei zuo pulver Ryff spiegel der gesundheit 187a; das wort spezerei musz wol für eingebürgert gelten. sonst haben wir auch gewürz dafür Campe verdeutschungswb. 274a. 1@c@b@22)) das condiment, das noch später belegt ist, übernimmt nicht den ganzen umfang der bedeutungen seines lat. urbildes (vgl. condimentum als parallele der wörter zu gewürz), es zielt vielmehr auf etwas zubereitetes nach art der salsen und der pfeffer: diu klâren condiment sint mir dicke tiure bî mînem kleinen viure. S. Helbling 2, 9; süeʒʒe milich und sehs totern und zwe haubt knobelouches ... stôʒ si mit ein wenic saltzes ... und saffran tu dar zu. und giuʒ daʒ condiment uf die gans buch von guter speise 16; desgl. s. 9. 11. 12. 13 u. a.; ein condimentlin. mal kümmel und eins mit pfeffer und mit eʒʒige und mit honige und mach eʒ gel mit saffran und tu dar zu senf. in disem condimente maht du sultzen persilen, bern, und clein cumpost oder rüeben buch v. guter speise s. 17; aber ein condimente, nim aschlauch (allioprasium) und scheln ribin mit saltze mengin mit wine oder mit eʒʒige und drückeʒ uʒ. dise salse ist gut zu rindernern braten 13. 22) in diesen so weit gezogenen bedeutungskreis tritt nun die collectivbildung mit sichtbaren einengungen des bedeutungsumfangs. der gegensatz zwischen dem gesammtbegriff der pflanzen und ihren einzelnen theilen, wie er bei wurz und kraut (wurzel und blattgrün) sich bemerkbar macht, gewinnt keine besondere geltung. vereinzelt tritt gewürz für die pflanze im ganzen umfang des begriffes ein: mater herbarum, mutter des gewürcz Münchener handschr. v. 1449 bei Schmeller a. a. o.; perlen, corallen saffran, und andere gewürtz, blümlin, kraut und wurtzel Ryff spiegel u. regiment der gesundheit 225; das gewürtz oder wurtzlen ... aromata ut radices Henisch 1610; den bethen, die in gärten stehen, da blumen und gewürtz auffgehen, giebt seiner wangen glantz nicht nach. Opitz (geistl. poem. hohes lied) 20. gewürze (bot.) wurzellilien, amomen Gilow botan. u. nieder dtsch. wb. 3, 1135. im gegensatz dazu kommt in mundartlicher färbung der theilbegriff der wurzel auch an gewürz zum ausdruck: als ... das getreidt ein gattung würmlein, welche man ... ingere zu nennen pflegt, unden an dem gewürtz in der erden merklich verwüstete Michael Stettler beschreib. d. thaten in gantzer Helvetia (1627) 1, 278 vgl. Frisch 2, 461a; dasz es sich etwann mit dürrem gewürz der kräuteren erhalte J. G. Altmann v. d. helvet. eisbergen (1751) 190; ich will auch zugeben, dasz etwelche davon aus kleinen gewürzen und zeserchen der kräuter bestehen 197; vgl. Adelung (2, 671), der diesen gebrauch als oberdeutsch bezeichnet. doch das sind nur vorübergehende oder in engeren grenzen haftende erscheinungen. für den gemeingebrauch tritt die anschauung der lebenden pflanze, die bei der verwendung von kraut und wurz durchschlägt, beim collectiv, das in gebrauchsbereitem zustande erfaszt ist, ganz zurück. bei ihm handelt es sich um präparierte, getrocknete und zerkleinerte erzeugnisse, wie ja gerade in dem begriff des pulverisierten der berührungspunkt mit gestüppe liegt (s. o.). gegen fremdsprachliche bildungen grenzt sich das collectiv darin ab, dasz es mehr dem thatsächlichen leben dient, während die ersteren mehr litterarische geltung haben. in anderer weise als kraut, das in der neuern sprache unter den nahrungsmitteln immer mehr boden gewinnt, tritt gewürz gelegentlich mit einigen lehnworten in wettbewerb: Anna Laymanitlin ... die was in langer zeit ... vor der welt geacht ungessen und truncken ... schickt die hertzogin von Bayern ... nam sie und sperrt sie in ain gemach ... sahen etlich junckfrawen durch ain löchlen hinein, was sie thet. da hett sie guoot ladwergen und guoote stercke speisz unter dem gewandt hangend ... secklen in den kleidern mit gwurtz und lebzelten Augsburger chronik des G. Preu s. dtsch. städtechron. 19, 21; guot gewürtz werden auch in der gestalt anderer confect mit zucker uberzogen Ryff spiegel der gesundheit 129; vgl. auch: von obst, früchten, gewürtzen und andern so man nach der mahlzeit auffsetzt onomast. latinogerm. (1609) 78; vgl.confect bei Simon Rot; vgl.gewürzkorn; sonst zielt das coll. auf reizmittel und hierbei auch nicht entfernt so viel im dienste der heilkunde, wie wurz, balsam, pigment, als vielmehr der kochkunst. 2@aa) unter den ältesten belegen steht 2@a@aα) die überlieferung im Apollonius des Heinrich von Neustadt voran (handschr. 14/15. jahrh.): man pflag ir wol mit reicher kost rueben und kumpost trug man nicht ze tisch; wilprett und edel fisch was mit gewurtz den heren wol perait. 11410 Singer. 2@a@a@11)) kennzeichnend ist das verhalten der ältesten kochbücher: im buch von guter speise (herausgeg. im Stuttgarter litt. ver. 9, 2) zeigt der erste, ältere und in sich abgeschlossenen theil nur das grundwort, während die im zweiten theil (lere von der kocherie) vereinigten späteren recepte neben dem plural würtze (menge eʒ wol mit würtzen s. 20. 21. 25. 26. 28 tu würtze dazu 20. 27. 25; strau würtze doruf 25 vgl. 26) auch das collectiv vorweisen: ein apfel dor in würfelehe gesniten. und ein wenic smaltzes dor in getan und ein wenic gewurtz gebreit uf ein blat von teige gemacht 20; desgl. 29. im alemannischen büchlein v. guter speise (15. jahrh.) überwiegt schon das collectiv: tuo darnach ain guoten löffel vol honig daran beschaidenlich und ouch ander gewürz 193 Birlinger; desgl. 191 (vgl. aber saffran und guot wurcz 202) u. a.; desgl. im württemberg. kochbuch (geschrieben 1460): mach ain pfeffer, nim essig und gewürtz und lasz es sieden (ztsch. d. a. 9) 367 Wackernagel. gegen: allen würtzen behält er die krafft (der geprente wein) in allen appodegken, besprengt man sie damit 367. 2@a@a@22)) umfang und inhalt des neuen collectivbegriffes ist innerhalb dieser küchensprache mehr aus abgrenzungsversuchen und indirecten schlüssen zu gewinnen, als aus eigentlichen inhaltsangaben (s. 3) wie in: ain wenig gibt man gewürz, imber darauf Tegernseer kochbüchl. 206. 2@a@a@2@aa)) in formelhaften verbindungen erscheint gewürz zumeist als bekannte, aber nicht näher bezeichnete mischung, deren zusammensetzung je nach der art des gerichtes, dem sie zugefügt wird, wechselt; vgl. sp. 6843/44. 2@a@a@2@a@aα)) ain füllin zuo einer gans ... fül di mit knobloch, gestossen speck und pfeffer. auch mach ein füllin von reckolterber und speck und aier und ain wenig brott und gewürcz alemann. büchl. v. guter speise 187 Birlinger; päts (gebähtes) prot und gewürcz Tegernseer kochb. 203. 206. 207; brott ... und speck und gewürz alemann. büchl. 193. 195 vgl. 187; schmalz und gew. 178; essig und gew. 206; wein und gew. 206. 2@a@a@2@a@bβ)) tuo honig und gewürcz daran alemann. büchl. 191; honig und gew. Tegernseer kochb. 202 (mehrfach) 203. 207 gewürz oder zucker alemann. kochb. 192; zu der veigensuppen ... 2 prot gepät, 1 trucken honig, gewürz und saffran Tegernseer kochb. 202; gew. und saffran 203. 204; haniff, gwurz und gilbt 202; gew. und gilbt 203. 206 u. a.; 1 hand voll khüm, weinper und gewürz 203. 2@a@a@2@bb)) auch aus den näheren bestimmungen, die zur verbalthätigkeit des würzens treten, mag einiges geschlossen werden: bewürcs und saltz und färbs und tuo gehackten peterlin und sälbei oder baumwurtzen oder ander ding darein alemannisches kochbuch 198; und man sol ... das würczen mit wisen ingber, zimtrinden und nuss und ain wenig negelin darzuo 205; dasz man ein guote saure gallrei mache, mit zimmet angewürtzt Ryff new kochbuch für die krancken (1555) 43; u. a. 2@a@a@33)) deutlich ist am ersten gebrauch des collectivs die zusammenfassende bedeutung und die richtung auf eine mehrheit zu beobachten, es entspricht dem plural von wurz. die zeit, in der diese bildung auftritt, bezeichnet zugleich einen höhepunkt in der einführung und auch noch in der werthschätzung ausländischer gewürze. 2@a@a@3@aa)) in dem gegensatz, der unter solchen voraussetzungen zwischen älteren und neueren würzmitteln fühlbar wird, vertieft sich auch die grenzlinie im gebrauch von kraut und gewürz. ersteres tritt mehr für die heimischen pflanzen ein, die man auch im lebenden und blühenden zustand vor augen hat, während gewürz die fremden pflanzen betont, die im getrockneten zustande eingeführt werden; vgl. von kreutern so mann ausz den gärten in die kuchen braucht, dienen in sonderheit lactic, burtzelkraut, wegrich-, burretsch ... von gemüszkräutern binetsch, mangolt Ryff new kochbuch für die krancken (1555) 21; du magst an statt des gewürtz auch ein blättlein oder etlich salbei hinein thuon 70; nimm scharffes auszerlesens zimmets, schönes erlesens mastix, haselwurtz, der edlen frembden spica nardi, balsam frucht, edles ungefelschtes saffrans, paradeisz holtz, der rinden Cassie lignee, oder ... als vil scharffes zimmets dafür ... stosz das gewürtz oder specerei zuo pulver Ryff spiegel der gesundheit 187a. 2@a@a@3@bb)) zum wandel im gebrauch und in der werthschätzung der einzelnen reizmittel giebt schon das buch von guter speise manche anhaltspunkte. speisen mit fremdländischen namen, die an die erlebnisse der kreuzzüge anklingen, fordern andere zuthaten als die älteren heimischen gerichte. vor allem aber sehen die späteren losen recepte zum süszen den zucker vor, während der ältere zusammenfassende theil noch mit dem honig auskam: wol macht du es mit honig süss machen alemann. kochbuch 190. und welcher werth für den contrastbegriff dem fremdländischen pfeffer neben dem heimischen (mineralischen) salz zugemessen wurde, zeigen nicht nur die kochrecepte sondern auch die zinsrodel, die im 15. jahrh. mit vorliebe die abgabe einer quantität pfeffer zur pflicht machen, s. weisthümer 1, 523. 690; 2, 16. 439. 491. vgl. noch aus Göthes dichtung und wahrheit: die symbolischen gaben, welche auf das genaueste nach dem alten herkommen gefordert wurden, bestanden gewöhnlich in solchen waaren, womit die darbringende stadt vorzüglich zu handeln pflegte. der pfeffer galt gleichsam für alle waaren, und so brachte auch hier der abgesandte einen schön gedrechselten hölzernen pokal mit pfeffer angefüllt (1, 1) 24, 34. auch die küchenordnungen unter den hofordnungen des 16/17. jahrh. (s. unten sp. 6849) zeigen deutlich, wie sorgsam und sparsam man auch an so bevorzugter stelle mit dem kostbaren artikel des gewürzes umging; vgl. auch gewürzlade in gewürzbüchse sp. 6855. 2@a@bβ) auffallend ist, wie rasch sich die anfänglich so deutlich hervortretende collectivkraft an dieser bildung verflüchtigt, gegen: der thurknecht soll auch alles desz, was sonsten auf unser gemahll von gewurz und andern verordnet ... quittanz von sich geben Küstriner ordnung (16. jahrh.) denkm. dtsch. kulturgesch. II, 1, 81; vgl.: das sie weder an gewurtzen noch anderm zu warmen wine ... ohne sonderlichen und auszgedruckten bevehlich ettwas vorgeben 49; die gewurtz aber wirt hochgedachter ... den köchen stetz auff eine wochen laszen nach der gewichte zustellen (Mecklenburger verordn. 1524) 197. vgl. auch hernach die könige Juda gros geprenge getrieben uber den leichen mit köstlichem reuchwerck, allerlei guter edler gewürtz, alles darumb den stinckenden schendlichen tod zu dempffen Luther vorrede auf die gesang zum begrebnis 8 (1546) 372b Jena; man kan bei dir viel cypern finden, und narden saffran, kalmes auch, gewürtze, myrrhen, weiherauch. Opitz (geistl. poemata hohes lied) 3, 17. es scheint, dasz die zusammenstellung mit dem in dieser hinsicht weit beweglicheren kraut auch dem in die schranken eines collectivs gewiesenen gewürz die bahn frei gemacht habe: 2@a@b@11)) herr doctor, so ilend schnell mit üwer kunst! so hab ich hie allerlei confekt, römische stück, gewürz und krüter, die ir wissend mit bracht weltwiser kluogheit zu temperieren Niklaus Manuel (krankheit der messe) 222 Bächtold; cuminum ist ein speisz ... und kein artzney, darumb als ein speizs soll sie geben werden: die gewürtz dergleichen, ander der gleichen kreutter mehr, die grosz tugent haben, und grosz ding vollbringen in viel kranckheiten Paracelsus (de caduco matricis) 4, 412; die einheimischen kräuter ... die einheimischen gewürtze v. Rohr hauszwirthschaftsbuch 1058 u. a. 2@a@b@22)) dem entspricht die individualisierende verwendung des sing.: auch steht daherumb ein schönes kreütlein, welches ... Sathar wirt genennet ... hat eine so guote angenehme schörpfin, alsz ein gewürtz haben solt Rauwolf 1, 59; die pletter haben holdseligen lieblichen geschmack wie ein ander gewurtz Sebiz vom feldbau 209; was für ein gew. Eras. Francisci lustige schaubühne 3, 815; der ingwer ist ein sehr bekannt gewürtz v. Rohr hauszwirthschaftsbuch 1052. 2@a@b@33)) und so muthet der collective gebrauch des sing. mehr und mehr fremd an: geladen mit wein und brot und anderem gewürtz Wickram 3, 95; mit guten deckeln versehene schachteln von holtz oder blech, um allezeit von dem selbst zubereiteten gewürtze etwas vorräthig darinnen aufzubehalten Chomel 4, 1068; was sie (die hausfrau) von gewürtze und andern sachen, die sie in das haus braucht, und in ihrer haushaltung nicht selbst erbauen kan, einkaufft, musz sie an rechten orten und zu rechter zeit ... en gros einkauffen v. Rohr hauszwirthschaftsbuch 39; desgl. 1056 (gegen gewürze 1049 u. a.); sammt einem trefflichen vorrath an allerhand gewürz und trockenen zugemüsze J. C. Edelmann selbstbiographie 344 Klose; desgl. (in der zusammenstellung mit collectiven s. u.) Pontius u. Sidonia; Sterzingerspiele 191. 135; Paumgartners briefe 187; Paracelsus 4, 18 (gegen 4, 12); Brockes ird. vergn. 1, 248; Lichtenberg verm. schr. 3, 67; badische wochenschr. 462a; auf das ... schloss, das er mit gewürz und andern bedürfnissen versah Pfeffel pros. vers. 2, 112; desgl. 7, 119; alles sein gewürtz und andere früchte Erasmus Francisci höllische Proteus 805; all sein gewürz (all her spices) A. W. v. Schlegel kaufmann v. Venedig 1, 1; wann der phönix ist bejahret und nimmt an den kräften ab, bauet er von zimmetrinden für sich selbst ein flammengrab. auf des höchsten berges spitzen soll er im gewürze sitzen, mit dem schwarzen trauerkleid angethan, und doch erfreuet, dasz der holden sonne glanz ihn durch ihren brand erneuet. Wilhelm Müller (der phönix) 417 Hatfield; ganz ähnlich (ebenfalls mit beziehung a. d. phönix) F. Reuter 2, 346. 2@a@gγ) mit dem vordringen der collectivbildung und mit ihrer entwicklung nach der individualisierenden seite wird das grundwort entbehrlich und stirbt der schriftsprache ab. die einzelheiten dieses processes sind beim letzteren zu verfolgen. 2@a@g@11)) hier sei auf die bibelübersetzung hingewiesen, in der Luther durchaus noch am alten fem. festhält, während schon die Züricher bibel (von 1531 gegen die v. 1525) das collective neutrum durchführt, vgl. Byland 73b; vgl. bringe dem man geschencke hinab, ein wenig balsam, und honig und würtz, und myrrhen 1. Mos. 43, 11 (gewürtz Züricher bibel); desgl. hohes lied 4, 16 (vgl. oben); gold, edelsteinen, würtze, schilde und allerlei köstliches gerete Luther 2. chron. 32, 27 (aromathen Koberger u. a.; specerei Eck; gewürtz Züricher bibel und Dietenberger); desgl. 1. könige 10, 25. an anderer stelle bevorzugt Luther lehnworte: bereiteten specerei und salben Luc. 23, 56 (armathi cod. Tepl., wolriechender salben Augsb. bibel); desgl. 24, 1; Joh. 19, 40. auch in Luthers originalschriften taucht das collectiv nur vereinzelt auf: das nur damit gefastet hiesse, wenn man nicht fleisch esse, aber die weil die besten fische mit kostlichsten latwergen und gewürtz das 5.—7. cap. S. Matth. (1532) 123a; vgl. auch (s. o.) schriften 8, 372b Jena. 2@a@g@22)) formen ohne präfix erhalten sich am längsten für bestimmte bedeutungsfärbungen. abgesehen von dem fem. würze, in dem sich der begriff des zubereiteten extractes isoliert (vgl. oben sp. 6832; bierwürze theil 2, sp. 2; vgl. Frisch 2, 461c; vgl. wert, wêrt, cerevisia mustea Schambach 295a), treten sich bildungen mit und ohne präfix unter dem gegensatz eines concreten und eines abstracten begriffs gegenüber: damit nun die mundtköche sich nicht beschweren, als thu es ihnen in zurichtunge gutter speise an wurtz mangeln, so haben s. f. g. ... monatlich ein genandts, mitt welchem man gar woll zukommen kan, verordnett ... auch die gewurtze ... nirgend andersz alsz zu s. f. g. eszen ... geben und wenden hofordnung Joh. Albrechts v. Mecklenburg (1524) s. denkm. dtsch. culturgesch. II, 1, 221; der zukker schleimet sehr, taugt nicht zu allen speissen saltz ist die beste würtz, das saltz ist hoch zu preissen; doch nimt ein kluger koch die mittelmas in acht, das durch zu viel gewürtz sein essen nicht verderben. Rompler 1. gebüsch 153. anders im folgenden, wo die gegenüberstellung beider bildungen der steigerung dient: wiederholung gleichartigen inhaltes im wechsel der äuszeren form: mehr blumen bringt herbei! ... ja selbst die blumenbeete schmückt mit blumen! thut würze zum gewürz. Grillparzer (Sappho 2, 2) 45, 158. 2@a@g@33)) der abstracte begriff gewinnt in bestimmtem zusammenhange die richtung auf ein nomen actionis, und die präfixlose form wird in diesem falle durch das verbum würzen gestützt; vgl. auch würtzung: die ihr ... mit vorgenandter würtzung prügelt der frantz. koch (1665) 66 (avec les assaissonemens sous dites bei Nic. de Bonnefons); vgl.würtze Chomel 4, 1068; Schedels waarenlex. 16, 299 u. a. dasz eine solche entwicklung auch dem collectiv nicht unmöglich ist, zeigt vielleicht: etlich thuond zum gewürtze ein wenig saffran Augsburger verdeutschung des Platina (1542) 33a, sofern der safran nicht zu anderen würzkräutern zugegeben, sondern mit dem ziel der würzung für sich allein verwendet wird. sicher läszt sich das neuerdings bei A. Bode verfolgen, vom ausgangspunkt der entwicklung bis zum endpunkt: die pflanze dient in getrocknetem und grünem zustande als hauptsächlichstes gewürz beim einlegen von gurken gewürzkräuter (1899) 14; als gewürz von speisen, im besondern von wurstwaren, findet der knoblauch häufig verwendung 31 dazu vgl. würze 10. 24. wie weit davon die form des subst. (gewürze bei Rosegger) berührt ist, vgl. sp. 6843. 2@a@g@44)) für den concreten begriff treten die formen ohne präfix mehr in die mundartlich gefärbte sprache zurück: nütz si, was würtz du hast, pfeffer oder ingber Straszburger auszug aus Platina (1530) C 3b; polei oder andere würtz A 3a; saltz und schwartz würtz C 2b u. a.; muscatnüsz, negelein ... und andere gute würtze O. v. Demeringen übers. d. Montevilla (3. b.) 210; im ganzen Teutschen land ist kein breuchlicher wurtz in kuchen und apotecken, als der ingwer teutsche speiszkammer (Straszburg 1555) 94; von specerei und wurtz ... in iren kuchen 92; unsere köch wollen stets die wurtzsack neben dem saltzfasz in der kuchen haben ebenda; zucker, honig, feigen, würz, balsam und zimmet Bodmer mahler der sitten 1 (10) 113; vgl.gewürz ... in gemeinen leben würze; im nieders. kruut Adelung a. a. o. auch in isolierten formen hält sich das grundwort, so in den zahlreichen zusammensetzungen auf dem gebiete der botanischen namen, vgl. haselwurz, niesswurz u. a.; vgl. die reichhaltigen listen in wörterbüchern, so noch bei Stieler 2586/7 u. a. 2@bb) in den wörterbüchern 2@b@aα) ist das collectiv von anfang an im vorsprung. vom grundwort nehmen nur wenige ältere buchungen kenntnisz: mit würtz besprengen, condire oder bewürtzen Dasypodius deutsch-lat. theil S 7a; gegen: gewürtz, das die speisz geschmack macht, condimentum, conditum ebenda; dazu vgl.: würz & gewürz, das it. die würze, aromata, species, condimentum Stieler 2587; vgl. auch würzich und würzhaft 2588; würtze (die) aroma ... gewürtze (das) aromata, condimenta Steinbach 1055; würze, gewürze, aromata, condimenta Frisch 2, 461; vgl. auch würzkrämer -nelken ebenda; gewürtze, würtze oder würtzwaaren Chomel 4, 1065. 2@b@a@11)) unter den fremdsprachlichen parallelen wird 2@b@a@1@aa)) das oben besprochene aroma am häufigsten angezogen: 2@b@a@1@a@aα)) gewürtz, aroma niederdtsch. glossar. Diefenbach-Wülcker 620; aromata wolgeschmackte gwürtz Cholinus-Frisius (1541) 92b (andere parallelen dagegen bei pigmentum, species, condimentum); vgl. auch aromaticus (s. u.); aromata gewürtz Garth-König (1658) 127b; desgl. (aroma) König gazoph. 108; teutsch-lat. wörterb. (1713) 52; (aromata) Aler 1, 944b; vgl. Zedler 10, 1401 u. a. 2@b@a@1@a@bβ)) aroma wolriechen krutt oder gewurtz Joh. Murmellius pappa (1517) 103; aroma gewirtz und specerei Pinicianus A 2b; specerei, gewürz, aroma ... condimentum especerie Emmel nomenclator quadr. 82; Frischlin 38a; aromata, gewürtz, specerei onomast. lat.-germ. (Nürnb. 1609) 79a; gewürtz, aroma, aromata ... sause, jus, conditura, condimentum, ἡδισμα Henisch 1610; gew. aroma, condimentum: espices, espiceries Jablonski (1721) 243; aroma, vgl. (s. u.) Kirsch, Matthias. 2@b@a@1@bb)) condimentum, auch species sind in einigen älteren buchungen ausschlieszlicher angemerkt, in jüngeren treten sie ergänzend neben aroma: gewürtz, species Dasypodius deutsch-lat. F 2b; gewürtz, das die speisz geschmackt macht, condimentum, conditura S 7a; gewürtz (das) speceri, condimentum Maler 180b; vgl. auch 201d; vgl. auch Emmel a. a. o.; condimentum ... gewürtz Hadrianus-Junius nomenclat. 46; B. Faber thesaur. erud. (1622) 323; Felbinger R 5a; G. M. König gazoph. lat. 247; gewürtz, aroma, condimentum, amomum Kirsch 2, 152b; desgl. Matthias 182b. 2@b@a@1@cc)) die neusprachlichen buchungen 2@b@a@1@c@aα)) knüpfen vor allem an umbildungen des lat. species an: gewürtz, des espices Hulsius (1596) G 2a; desgl. (1614) 165a u. a.; gewürtz, spezie, speziaria, des épices ou épiceries Rädlein 385b; vgl. auch L. Frisch nouv. dict. des passag. 2, 280, 1; dazu vgl. gewürtz, des espices ou des espiceries, aromata, species Duez (1664) 200a; desgl. Rondeau 2, Uu 4a. 2@b@a@1@c@bβ)) von anderer seite hernamentlich aus englischen buchungenfügen sich dazu die grocery und allgemeiner die im nordgermanischen wurzelnde drogerie, die dem gebrauchsbereiten (getrockneten) zustand des materials gerecht wird: gewürtz, specerei-waare, droguisterey, spices, drugs, druggery, grocery-wares teutsch-engl. wb. (1716) 777; ähnl. Arnold4 427b; gewürz l'aromate, drogue odoriférante, les épices, épiciers Schwan 1 (1783) 750b. 2@b@a@1@c@gγ)) aus dem holländischen endlich wird das oben besprochene kraut entgegen gebracht: gewürtz, specerey, gekruid Kramer 2, 97c ; vgl. auch kruyderer unter gewürzkrämer. 2@b@a@22)) die herausarbeitung des begriffs eines reizmittels zeigt sich in weiterer und engerer fassung. 2@b@a@2@aa)) allerlei gwürtz das der speisz einen guoten geschmack gibt, condimentum Maler 201d; ganz ähnlich schon Dasypodius s. o.; gewürtz ... fructus herbarum ... quibus stomachus juratur & appetitus excitatur Henisch 1610; gewürtz ... diejenige specereien, welche theils um der gesundheit theils um eines guten geschmacks willen an die speisen gethan werden, sie seien wurtzeln, früchte, blumen oder rinden Jablonski 243; desgl. Chomel 4, 1065 (gewürtze ... müssen einen angenehmen scharffen geruch und geschmack haben, überhaupt hitziger flüchtiger und geistiger natur sein, den säfften und geistern leben und bewegung geben, incitieren, verdünnen, eröffnen und zertheilen). 2@b@a@2@bb)) diese allgemeine bedeutung wird von anderen in die pluralform gelegt, die dem sing. andererseits die richtung auf abgewogene zusammensetzungen und bestimmte mischungen (vgl. sp. 6837) zuweisen: gewürz, gewöhnliche benennung für piment, nelken und pfefferkörner, wenn es heisst, das fleisch soll mit wasser, wurzelwerk und gewürz zusammengesetzt werden Thiel 4, 431. 2@b@a@2@cc)) vielseitig ist Adelung, der auch auf die oberdeutsche verwendung des collectivs im sinne von wurzeln hinweist und der mannigfaltigkeit engerer und weiterer fassungen des begriffes aroma gerecht wird; im besondern sieht er die ausländischen küchenpflanzen als hauptträger des begriffes an s. 2, 671; dazu vgl. Gilow de planten, botanisches u. niederdtsch. wb. 3 (1878) 1134. 2@b@a@33)) unter den verbindungen werden vor allem 2@b@a@3@aa)) attributive gebucht. 2@b@a@3@a@aα)) mannigfaltige formen entspringen der werthbestimmung, die hier besonders beliebt ist: gut, auffrichtig gewürtz, aromata sincera nativa Henisch; desgl. Stieler 2588; unverfälschtes gew. aroma sinc. Aler, Kirsch, Matthias; gefälscht gew. aromata adulterata Henisch; gefälschte würze Stieler; köstlich gewürz, aromatic drogs teutsch-engl. wb. (1716) 777. auch in sprichwort und redensarten greifen solche verbindungen über: hunger ist das beste gewürz Stieler 2588 gegen der hunger sei ein gewürtz der speise Henisch; salz ist das beste gewürz Adelung; ein mässig früstück ist ein gut gewürz zum abendtessen Henisch; das ist theuer gew. (die waare ist gepfeffert) Wander 1, 1684. andere buchungen lassen die werthbestimmung von der gewinnung, von der wirkung, noch häufiger von der zubereitung oder aufbewahrung abhängen: das feinste gewürtze wird aus Ost-Indien gebracht Jablonski 243; desgl. Chomel 4, 1066; de aromaticis, von wolriechenden krutern oder gewurzen Joh. Murmellius pappa (1517) 103; wolgeschmacktes gew. Maler 201d; süsses gewürtz hedysma Matthias 182b; frisch gewürtz aromata recenta, mustea Henisch. Stieler; alt verlegen gew., ar. situ ac vetustate corrupta ebenda; dazu vgl. ganz oder ungestossen (würtz bei Henisch) aromata solida ebenda; gestossen gew. Henisch, Stieler, Aler. 2@b@a@3@a@bβ)) auf die herkunft der gewürze nehmen die buchungen im gegensatz zum litterarischen gebrauch (s. u.) erst spät bezug, so wird erst die letzte wendung des weltverkehrs in einer formel gestreift: englisch gewürz, du poivre de la Jamaique, piment des Angles ... coques d'Inde aromatique, tête de clou, girofle; gewürz, engl., fructus amomi Holfert volksthüml. namen d. arzneimittel4, 75; anders: modegewürz, Jamaicapfeffer, nelkenpfeffer myrthus pimenta Schmeller 22 1015; neugewürz s. u. theil 7, sp. 666; vgl.neue würze Müller-Fraureuth 418. 2@b@a@3@a@gγ)) zu den mischungen und zusammensetzungen vgl. neunerlei gewürz Holfert 75; gemischte gewürze, in der küchensprache épices benannt, benutzte man zu farcen Thiel 4, 432. 2@b@a@3@bb)) verbindungen mit verbis sind wenig angemerkt: das gewürtz ... mit einem messer klein zerschneiden Henisch; es gehört mit zum fundament der küche, das gewürtz ... vernünfftig zu gebrauchen wissen Jablonski, Chomel. gelegentlich beziehen sie sich auf einen vorübergehenden gebrauch des subst.: conficirn, allerlei samen und gewürtz ... mit zucker uberziehen Simon Rot D 4b; confect ... uberzogen samen oder gewürtz, zeltel, tüfel ebenda. der besonderen stellung des subst. innerhalb der kochkunst entspricht hier nur: etwaʒ gewürz etwar an thuon, condire Maler 180b; gewürz an die speise thun assaisonner une viande d'epice Rondeau, desgl. Schwan. 2@b@a@3@cc)) dagegen zweigen von hier präpositionalverbindungen ab: etwas mit gewürtz ... einmachen, condire Henisch; Stieler, desgl. (aromatiser) Rondeau; eine speise die mit gewürtz bereitet ist, spiced meat ... s. würtze teutschengl. wb. (1716) 777; wein, der mit gew. starck vermenget ist, hipocras ... ebenda; aromaticus, das nach gewürtz reucht König 108; das wie gewürtz riecht, schmeckt Aler 1, 944b; dazu vgl.: das von wolgeschmacktem gwürtz gemachet ist ... aromaticus Maler 201d; pulver, das aus allerhand gewürzen bereitet ist, aromaticum Rondeau; mit gewürz handeln, trafiquer en épicerie ebenda. 2@b@bβ) mundartliche buchungen liegen aus dem westen des oberdeutschen und md. gebietes vor, während das bairischösterr. (s. Schmeller 22, 1015) das grundwort bevorzugt: gewürz (kwerts, kewirts), nägelgewürz Martin u. Lienhart 2, 860; gwirts, gwîts fränk. gwerts H. Fischer schwäb. wb. 3, 640; neugewärz henneberg. s. Spiesz 172 u. a. nach osten greift das collectiv im mitteld. weiter aus: gewürze Albrecht Leipziger mda. § 132, Müller-Fraureuth 418; dazu vgl. aus dem colonistengebiet: jewörz E. L. Fischer plattdtsch. mda. im preusz. Samlande 53; gewirz Haltrich 43. niederdeutsche buchungen sind selten (vgl. aber sp. 6840), selbst das grundwort bleibt dort zurück (vgl.wort Schambach 305a; wǫrt Woeste 329 u. a.) dagegen vgl. das collectiv zu kraut (vgl. gekrûte, gekrûtere Schambach 61b; gekrue Woeste 75). mit verschobenem dental ist das collectiv bei Chyträus vermerkt: de peper und dergeliken gewörtz nomenclat. lat.-sax. 489; ebenso sind lehnformen auch aus heutigem kölnisch angemerkt: gewööz Hönig 65a; vgl. auch: gewürts Siebs Helgoland 225. 2@cc) in ihren formen prägt die verhältniszmäszig junge bildung wenig gegensätze aus. 2@c@aα) der stammvocal erscheint in älterer überlieferung zunächst unumgelautet: gewurtz Apollonius 11410; dtsch. städtechron. 19, 21; büchl. v. guter speise 20 (gegen würze); krutt oder gewurtz J. Murmellius pappa 103; gewurz, gewurtze ordnung markgraf Johanns v. Küstrin s. denkm. dtsch. culturgesch. II, 1, 81 und 130 u. a., desgl. (herzog Bogislaws v. Pommern) 168 u. a.; (Mecklenburg) 263 u. a. dasz diese schreibung noch nicht das fehlen des umlauts verbürgt, zeigen die varianten der Sterzinger spiele: gwurtz im reim auf das fem. kurz 135; gburcz auf kyrcz 191. der umlaut ist bezeichnet: gwürz Münchener handschr. v. 1449 bei Schmeller a. a. o.; Überlinger zunftordnung v. 1461; Wyle 279; Rösch v. Geroldshausen; niederd. gloss. bei Diefenbach-Wülcker 620; desgl. in allen wörterbüchern, vgl. auch die belege bei Luther, Ryff, Wickram, Tschudi, Paracelsus u. a. ungerundeten vocal zeigt Pinicianus: gewirtz (1521) A 2b; dazu vgl. gewirts, gewerts, gewörz u. a. in mundartlichen buchungen. der dental zwischen der liquida und der affricata (gewürtz) findet sich bis ins 18. jahrh. fast ohne ausnahme. 2@c@bβ) eines collectivsuffixes entbehren die älteren belege ohne ausnahme (s. o.); die ersten schwankungen zeigen sich in norddeutschen hofordnungen (s. u.); doch vgl. das gewurtz (Pommern) denkm. dtsch. culturgesch. II, 1, 169; (Mecklenburg) 263. 265. 223; auch die wörterbücher älteren stils zeigen gleiches bild; vgl. dazu gewürtz Schottel 634b; gewürz H. Braun dtsch. orthograph. wb. (1793) 123a. 2@c@b@11)) auch flexionssuffixe haften anfänglich nicht fest; vgl. noch die gewürtz Zeiller episteln 1, 453; von gewurz Küstriner hofordnung 81; an gewurtz Pommersche 132; mit gewurtz Mecklenburger; mit gewürz verdeutsch. des Platina (1542) 32b. 33b (daneben auch gewürtze); Ryff, Wickram u. a. 2@c@b@22)) der auslautende vocal als bildungssuffix taucht in mitteldtsch. quellen zuerst auf; hierher gehört wohl auch das gewurtze in den pommerschen hofordnungen s. denkm. dtsch. culturgesch. II, 1, 168. 243. 130; dazu vgl. gewürtze bei J. Felbinger (1646), in Neukirchs samml. 5, 2; in Schochs komödie v. studentenleben, bei Steinbach, Lichtenberg; gewürze Frisch. im nachfolgenden oberdeutschen belege könnte die annäherung an den begriff des nomen actionis mitgewirkt haben (s. o.): am rain bei purpurnen eriken, unter brombeerlaub wuchert die süszwurzel; das ist des hirtenknaben leckeres gewürze Rosegger schriften des waldschulmeisters 67. flexivisches e begegnet auch in oberdeutschen drucken: mit gewürtze verdeutsch. d. Platina (Augsburg 1542) 34a. 43a. 35b (unter dem gew.); aus mitteldeutschem gebiet vgl. Opitz Argenis 2, 115; Comenius 113; desgl. von gewürtze Chomel 4, 1068; v. Rohr 39. 1056 (gegen ein gewürz). 2@c@gγ) in der flexion begegnen vereinzelt schwache formen: ein krämer solcher gwürtzen Cholinus-Frisius; die pluralerweiterung des neutrums bucht H. Fischer für das schwäbische: gewürzer. 33) gewürz als reizmittel in der neueren sprache. 3@aa) gliederung nach art und herkunft. 3@a@aα) wie schon die älteste küchensprache zeigte, weitet oder verengt sich der begriff im wandel der zeiten, unter verschiedenen gesichtspunkten und zusammenhängen. 3@a@a@11)) bemerkenswerth sind die formen der verengerung des umfangs: 3@a@a@1@aa)) von altersher war der pfeffer ein hauptträger des begriffes: vgl. oben zu den zinsrodeln u. anderen abgaben (sp. 6838): unter den trockenen gewürtzen ist der pfeffer fast das gemeinste J. E. Elsholtz neuwes tischbuch (Köln a. d. Spree 1682) 244; von allen gewürzen ist der pfeffer am meisten bekannt und gefordert F. Elssner unsere nahrungs- und genuszmittel (1885) tafel 5; vgl. auch unten sp. 6844 u. a.; daneben treten safran als heimisches und der ingwer als eingeführtes gewürz in den vordergrund: saffran und andere gewürtz Ryff spiegel und reg. d. gesundheit 225; saffran erzele ich nicht unbillich unnder dem gewürtze, die weil sein krafft an der farbe und geschmacke seer gesunde ist verdeutschung des Platina v. d. eerlichen wollust des leibs (1542) 16b; durch das wort gewürtz werden bei uns eigentlich nur aromata als pfeffer, ingwer und dergleichen verstanden Elsholtz 244; in dem gegensatz des fremden gegen die heimischen gewürze (s. u.) steht der ingwer meist in verbindung mit dem zimmt (auch röhrlen kurz genannt), wird aber aus dieser führenden stellung seit dem wandel der schiffahrtsverhältnisse durch die nägelein (s. gewürznelken) verdrängt, die später als bevorzugte vertreter des begriffes gelten: negelin, imber, zimmet und dergleichen guot gewürtz Ryff 129; negelin, zimmetrinden, imber, muscatnusz stehen in der verdeutschung des Platina (1542) dem saffran, knoblach, zwifflen, fenchel, kümmich, enisz, oelmägen, coriander, müntze, dille, petersilie gegenüber. bei Thiel 4, 432 sind die exotischen als die eigentlichen gewürze bezeichnet. 3@a@a@1@bb)) engere begriffe mit einem wechsel des inhaltes oder der zusammensetzung je nach der zweckbestimmung begegnen in den recepten der küchensprache, bei der es nicht immer möglich ist, aus der zusammenstellung mit anderen terminis (s. o.) oder aus den syntaktischen verbindungen (s. u.) anhaltspunkte zu gewinnen; vgl.: nim flaisch oder wiltbrAet ... schneid speck mit salvien klein dran, kochs in ainem hafen, und wans schier kocht wirdt, thuo guots gewürtz dran verdeutschung des Platina (1542) 32b; capaunen ... soll man ... sauber waschen, füllen mit wolschmeckendem gewürtz, kreuter und spicken und pfeffern ebenda u. a.; mit brü und gewürtz gemischet 33b; thuo agrest und gewürtz dran ebenda: geschnittenen speck mit gemeinem gewürtze darüber (avec les espiceries ordinaires) der frantzösische koch (1665) 106 u. a.; mehrfach aber ist die zusammensetzung näher bestimmt: wilt du gewürtz daran thon, so nimb imber und rOerlen, als vil du wilt, zuoletzt nimb ein zwifelin verdeutschung des Platina 33a (nim pfeffer und zimmetrörlin ebenda); ein wenig rohen rahm und etwas gewürtz, dessen zubereitung ich euch hernach weisen wil ... maasz der specereien zu allerhand pasteten und küchengewürz. nehmet dreiviertel pfeffer, ein viertel ingber, von näglen, muszkaten und canel von jeglichem zwei loth, stosset es alles wol zusammen ... thut ... saltz dazu ... diese vermischung ist gut zu allerhand würtzungen der frantzösische koch (1566) 22; in der küchen pfleget man auch condimentum generale, ein gemeines condiment oder trisinet aus etlichen gewürtzen vermenget, zur hand zu haben, mit welchen man bei abwürtzung der speisen desto geschwinder fort kommen kan. man nihmt zum exempel von pfeffer und ingwer jedes 8 loht, von muscatnusz, zimmet und neglein jedes 2 loht: dieses alles wird wol durcheinander gestossen und gesiebet, so habet jhr eine mixtur zu allerhand würtzungen dienlich, und dörffet nicht allemahl ein jedes gewürtz besonders abpassen J. S. Elsholtz neuwes tischbuch 265; vgl. auch bouquet garni bei Thiel 4, 432 s. unter gewürtzhaft. 3@a@a@22)) einen weiteren kreis zieht neuerdings die bestimmung der eigenschaften und der chemischen bestandtheile: die gewürze ... sind durchweg von scharfem geschmack, wie z. b. der pfeffer, senf, die meisten auch von starkem geruch, wie petersilie, gewürznelke, zimmt, weil sie dadurch ebenfalls anregend und zum gebrauch der mit ihnen gewürzten nahrungsmittel einladend einwirken C. Hartwich die menschl. genuszmittel 1; gewürze, die ein aetherisches oel als gemeinschaftlichen, charakteristischen bestandtheil enthalten (gewürznelken, nelkenpfeffer, pfeffer, wachholder, kümmel, petersilien, calmus); gewürze welche einen flüchtigen stoff von der formel C20 H12 O2 ... (anis, fenchel, sternanis, esdragon ... zimmt), gewürze welche eine allyl-verbindung ... enthalten (senf, knoblauch, meerrettig, zwiebel, asad) Fr. Rochleder die heilmittel und gewürze in chemischer beziehung (1852) s. XIII. 3@a@a@33)) in der erfassung gleichartiger wirkungen ist mancher beobachter geneigt, den begriff des gewürzes weit zu ziehen, weiter als ein anderer zugeben möchte, der auf die stellung im system der naturerscheinungen achtet. 3@a@a@3@aa)) durch das wort gewürtz werden bei uns eigentlich nur aromata ... verstanden: hergegen das lat. wort condimenta sich viel weiter, begreiffende zugleich alles das ganze, was entweder die speisen abzumachen oder bei den speisen aufzustellen breuchlich ist J. S. Elsholtz neuwes tischbuch (Cöln an der Spree 1682) 244; zur darstellung seiner fabricate verarbeitet er aber nicht nur die eigentlichen gewürze, sondern auch eine grosse anzahl anderer esswaren oder zur zurichtung der speisen dienender naturproducte, als knoblauch, zwiebeln, charlotten Dinglers polytechn. journal (1860) bd. 156 s. 443; wir können den begriff der gewürze noch weiter fassen und alle stoffe dazu rechnen, die dazu dienen sollen, die lust zum gebrauche der nahrungsmittel anzuregen C. Hartwich die menschl. genuszmittel einl. 1. 3@a@a@3@a@aα)) Chomel, der zwischen zusammengesetzten condimenta oder gewürtze (tunken und salsen ... bei den alten) und einfachen unterscheidet, sagt von den einfachen: diese kommen entweder aus den vegetabilibus, animalibus oder mineralibus. die aus den vegetabilibus kommen, sind entweder radices wurtzeln, als ingber, zwiebeln, knoblauch, oder cortices, rinden als zimmetrinden, oder blätter, als lactuc, sauerampfer, oder blumen, als saffran, borragen, kressen und capern oder früchte, als pfeffer, muscatennüsse, nägelein, cardamomen, senff, oder säffte, als zucker, oel, essig, agrest. aus den thieren hat man den honig und aus den mineralien saltz 4, 1067. 3@a@a@3@a@bβ)) so zieht die praxis auch da, wo sie auf wenige hauptträger des begriffes zielt, doch einen verhältniszmäszig weiten umfang: Elsholtz behandelt (s. 245 ff.) pfeffer, muszcaten, zimmet, neglein, cardamome, saffran, ingwer, zucker, honig und saltz unter den gewürzen, noch weiter geht v. Rohr; er rechnet mandeln, pingen und pistacien, ja sogar die castanien zum gewürz 1056; vgl. auch: ferner gehören zu dem gewürtze, das fleissig in der küche verthan wird, die grossen und die kleinen rosinen ebenda. die citronen sind bei den speisen ein sonderbar angenehm gewürtze ebenda. dazu vgl.: schickte mir der liebreiche bruder Rectus ... eine solche menge ... der herrlichsten gebackenen früchte, als pflaumen, aepfel, birnen u. s. w. sammt einem trefflichen vorrath an allerhand gewürz, und trockenen zugemüsze, als pfeffer, ingber, muszcaten-blumen und nüsze, wirtz-nelcken, cordemomen, zimmt, zucker, schwaden, weitzen-gries J. C. Edelmann selbstbiographie (1752) her. C. A. W. Klose (1849) s. 344. 3@a@a@3@bb)) unter diesem gesichtspunkt ist neben zucker und honig vor allem das salz umstritten: salz ein mineralisches erzeugnisz ist wohl eine würtze, aber nicht gewürtz zu nennen, da es weder dem charakter noch dem zweck der gewürtze entspricht J. C. Schedel allgem. waarenlex. 16, 299; vgl. auch die verbindungen sp. 6851. eigenartig ist das verhalten des frantzösischen kochs (1665) zum original (delices de la campagne). dieses rechnet das salz nicht unter die gewürze, und der Deutsche folgt dem, wo er wörtlich übersetzt, vgl.: die ihr ... mit butter saltz und gewürtz siedet 66 (sel et espiceries); mit saltz und etwas küchengewürz 114 (peu d'espice) u. a. s. oben 6844. wo aber der Deutsche nur ein wenig freier wird, verräth sich, dasz er selbst das salz zum gewürz rechnet: mit saltz und andern gewürz 66 (de sel et d'espices selon le goust); auch kein ander gewürtz als saltz darzu thun 88 (n'y mettant rien que le sel pour tout assaissonnement) u. a. dazu stimmen auch: vom saltze. dies kan mit gutem fuge ... das edelste und im menschlichen leben höchst nöthige gewürtz genennet werden Elsholtz 253; was für ein gewürtz is wol edler, als das liebe saltz, dessen wir übler entrathen können, als aller andren gewürtze Erasmus Francisci lustige schaubühne 3, 815; unter allen arten der gewürtze ist das saltz wohl das unentbehrlichste v. Rohr 1057; es strömt gewürz, das lieblicher erquickt, als was uns Banda's inselgruppe schickt, schmackhaft durchdringt es unser täglich brot. Göthe (die ersten erzeugnisse d. Stotternheimer saline) 47, 125; vgl. auch Ritter urkunde 1, 441; Hehn6 191. 3@a@bβ) die gliederung unter dem gesichtspunkt der herkunft läszt den gegensatz zwischen einheimischen und fremden (auszerdeutschenauszereuropäischen) stoffen erkennen, der auch unter dem gesichtspunkt der volksgesundheit und der vaterlandsliebe bedeutung gewinnt: ich wolte abbringen die böse gewonheit sich zu schminken ... und aufbringen, dasz man wie vor etlich hundert jahren, an stat des zuckers und der gewürtze nur hönig, saltz gebrauchet Harsdoerffer frauenzimmergesprächspiele (1) 11 (1644); ich rathe abzuschaffen den überflusz des gewöhnlichen gewürzgebrauches, so da ist pfeffer, ingwer ... mandeln, oliven, capres u. dergl.; man kan ja die speis mit salz, coriander, kümmel, majoran, timian, salbey, meerrettig, knoblauch, zurichten ... an statt der capern braucht man eingemacht cucumern, rothe rahnen wider erst. Simpl. (1713) 3, 137 f.; es solten unsere teutschen köche curieuser sein zu versuchen, ob man nicht durch den gebrauch der einheimischen kräuter, manch gewürtze, so aus fremden landen zu uns kömmt, ersetzen und entbehren könte v. Rohr 1058 (erzählung vom schwed. general graf Königsmarck); die fremden gewürtze sind eben nicht gar zu lange in Deutschland gebräuchlich. die alten waren mit denen inländischen gewürtzkräutern zufrieden, wie sie denn auch gesünder sind. denn mit denen fremden gewürtzen haben wir viel neue kranckheiten bekommen. wir haben an würtze sonderlich das saltz, hiernach salbei, timian, lavendeln und zwiebeln Chomel 4, 1068; ausländische gewürze ... solle (man) ... den Indianern lassen, damit wir unser geld behielten ... der häufige gebrauch dieser gewürze zu denjenigen ursachen gehört, warum das menschliche leben immer mehr und mehr abnehme schauplatz der natur 3, 392; unsere innländische gewürze können auch schaden ebenda; daher wir die feinen gewürze als zimmt, nelken, zimmtblüthen, cardomomen, pfeffer, piment, ingber, maccisblumennüsse aus Ostindien und Südamerika erhalten; doch sind auch unsere europäischen länder an gewürzreichen pflanzen nicht arm: saffran, anis, fenchel, coriander, kümmel, rosmarin, thymian, majoran, salbei, wachholderbeeren, citronenschalen, zwieblen u. s. w. gewähren angenehme den magen sanft reizende zusätze zu vielen unserer speisen J. C. Schedels allgem. waarenlex. 16, 299. 3@a@b@11)) unter die einheimischen gewürtze referrir ich die garbe, die theils in die biersuppe, theils an das schöpsenfleisch gebraucht wird, die wacholderbeeren ... die lorbeerblätter, allerhand gedörrt kräuterwerck, als majoran, salbei, rosmarin, thymian ... zwiebeln und chalotten v. Rohr 1058/9; sein (des kümmels) saame ist eins der schönsten und unentbehrlichsten deutschen gewürze J. F. A. Volborth handlex. f. küchengartenfreunde (1802) s. 115; die inländischen oder europäischen gewürze sind anis, basilicum, beifusz, coreander, dill, estragon, fenchel, knoblauch, kümmel, lorbeerblätter, majoran, paprika, petersilie, pfefferkraut, rosmarin, safran, salbei, sellerie, senfkörner, thymian, wachholder, zwiebeln Thiel 4, 432; gewürtze (deutsches) wird bei einigen die alantwurzel genennet 4, 1068; anis, dill, dragon, petersilie, kümmel, führt C. Hartwich (menschl. genuszmittel) als heimische küchenkräuter auf. 3@a@b@22)) die elektrische sonne konnte hier aus einem trocknern, sanfter gemischten erdreich feinere gewürze, mildere speisen, eine reifere organisation befördern auch an menschen und allen thieren Herder (ideen z. philos. der gesch. d. menschheit 1, 6) 13, 46; unsere vorfahren, die, als die exotischen gewürze anfingen in grösseren mengen und leichter nach Europa geschafft zu werden, im überschwange des vergnügens darüber einen wahrhaften kultus mit zimmet und muskat trieben O. Bierbaum mit der kraft 73. 3@a@b@2@aa)) für die älteste zeit war der orient der ausgangspunkt der auszereuropäischen gewürze: wovon die litteratur noch lange zeugnisz ablegt: 3@a@b@2@a@aα)) sahend ein hauffen Ismaelitern kummen von Gilead ... die truogend gewürtz, balsam und myrrhen Züricher bibel v. 1531 1. Mos. 37, 25; die ewgen berge Jacobs lagert er in den ost, weil daher die kostbarkeiten der gewürze, des goldes u. f. damals kamen Herder (v. geist der Ebreischen poesie 2. th.) 12, 146; die italienischen städte, die bei den kreuzzügen mitzogen, suchten nicht den leichnam des herren, sondern die gewürze und schätze an seinem grabe (ideen 4, 20) 14, 454. 3@a@b@2@a@bβ)) wiesen oder mattenkümmel ... ist ein seer wollbekannter gebreuchlicher samen ... armen und reichen nutzlicher als kein gewürtz ausz Arabia oder Indien Ryff spiegel der gesundheit 227b; das riecht immer noch nach blut; alle gewürze von Arabien können diese kleine hand nicht anders riechen machen Wieland Shakespeare (Macbeth 5, 1) 6, 282 (alle wohlgerüche Arabiens Voss [1810] 1, 106 u. a.); 'ach' säd der rekter ... 'sie meinen den vogel phönix, der in Arabien sich ein nest aus köstlichem gewürze bauet'. 'das ist partout eine unmöglichkeit ... wie kann auch der geschickteste vogel sich aus nägelken, barschen peper, kamum un muschkatennät en nest bauen' Fr. Reuter (stromtid II cap. 22) 2, 346 (zur sage vom vogel phönix vgl. Konr. v. Megenberg 186; vgl. Wilhelm Müller s. o. 3@a@b@2@a@gγ)) nicht von den gewürzen Asiens, nicht von der weichlichkeit Luculls entsprang dieses miszverhältnisz; sondern von der grundverfassung Roms, da es als eine stadt das haupt der welt seyn wollte Herder (ideen 3, 14) 14, 181; es ist zu bewundern dass diese Indianische art gewürtze an seinem aüssersten ende viel saamen zu tragen geneigt ist Boorhave chymie (1762) 139; der same ist gelb, aromatisch und weit gesunder ... als das indianische hitzige gewürz Badische wochenschrift (10. 7. 1807) 462a; ein anblick prickelnder als ... Indiens gewürze. Halm fechter v. Ravenna (2) 64. 3@a@b@2@bb)) mit den umwälzungen des 15. jahrhunderts treten die seewege als zufuhrstraszen des gewürzes in den vordergrund; das indische gewürz gabelt sich seit der entdeckung Amerikas (vgl. kochgewürz theil 5 sp. 1562) in ost- und westindisches; die seefahrenden nationen wechseln als importeure untereinander ab: Portugiesen, Spanier, Holländer, Engländer. 3@a@b@2@b@aα)) es wird berichtet von den gewürtz-reichen inseln Ceilon, Madagascar, und einigen andern, dass dieselbe, sonderlich zu der zeit, da die gewürtze blühen oder im besten wachsthum stehen, einen so lieblichen und kräftigen geruch von sich geben, dass wenn ihn der wind denen ... see-fahrenden leuten entgegen führet, auff etliche meil weges dieselben dadurch ... erquicket werden Scriver seelenschatz 2 (1701) 37; auch giebt es niederlagen von ost- und westindischen gewürzen sammt einer lesebibliothek Kotzebue dtsch. kleinstädter (2, 2) 60; der Teutsche lacht ... wenn er über einem kleinem hökerladen, wo allenfalls ein wenig pfeffer und einige schwefelstücken feil sind, alle gewürze und wohlgerüche Ost- und Westindiens ausgeboten findet E. M. Arndt reise durch Frankreich 2, 125; vgl. auch die exotischen ... gewürze ... aus Ost- und Westindien Thiel 4, 432. 3@a@b@2@b@bβ)) es wird viel fisch im meer geben ... vil mandelen umb Speir, vil honig in der Eifel, vil hopffen in Saxen ... kümmich in Malta, maulbeerbletter zuo Messana ... zimmet in Zalon, pfeffer und imber in Calicuth ... myrrhen in Arabien, thuoch von Antorff, gewürtz von Lisabona ... zucker zu Palermo ... Fischart aller praktik groszmutter 27 neudr.; im 14. und 15. jahrhunderte trieben die Venezianer einen sehr vortheilhaften handel mit gewürze und andern ostindischen waren ... der grosse gewinn machte die habsucht der Portugiesen rege Garve übers. des Adam Smith. nationalreichth. (7) 3, 218 (1795); wenn das produkt seiner natur nach ... seinen markt überall in allen theilen der bewohnten erde, suchen kann, wie z. b. die edeln metalle ... die feinen gewürze der Mollukkischen inseln Lotz revis. d. grundbegriffe d. nationalwirthsch. 3, 312 vgl. auch gewürznelken (s. u.); aber der durst nach golde nnd gewürzen, das traurige bedürfnisz selbst, Spaniens hoffnungen von seinem zuge, die erwartungen des hofes und der theilnehmer quälen ihn unerbittlich Herder (Adrastea 5, 2) 24, 296; es war aber nicht das gold allein, was Columbus suchte ... (vielmehr auch) eine reihe von stoffen, die gleichmässig als arzneimittel und gewürze dienten, von denen der zimmet, der kampfer, der pfeffer, der ingwer, der calmus, der galgant, kardomomen, gewürznelken, muskatnüsse ... die wichtigsten Carl Hartwig bedeutung der entdeckung v. Amerika für die droguenkunde (1892) 3; wo ich nicht sehr irre, so sind die zeiten, da Europa die systeme so von den Deutschen nehmen musste, wie das gewürz von den Holländern, ihrem ende sehr nahe oder vorbei Lichtenberg verm. schr. 3, 67; vgl. gewürzholländer Jean Paul (Siebenkäs) 2, 166; das sogenannte englische gewürz oder amömlein (sem. amomii), welches man sonst auch Jamaischen pfeffer, modegewürz oder nelkenpfeffer ... nennt K. G. Hagen lehrbuch d. apothekerkunst 1, 326; englisches gewürz Oken 3, 1942; als das neue gericht bei der zungen vorbeikam ... beugte sie sich zur Hulen und fragte leise: 'viel pfeffer?', worauf diese antwortete: 'nein, liebe Zunz, englisch gewürz'! diese beruhigende erklärung schien von der alten richtig verstanden zu werden Fontane (vor dem sturm 40) 1, 1, 425; piment, nelkenpfeffer, englisches gewürz F. Elssner unsere nahrungs- und genuszmittel tafel 5; gewürze, allerlei, englisch, pimenta aromatica Pritzel u. Jessen dtsch. volksnamen d. pflanzen 525. 3@bb) für die gewinnung der im collectivbegriff vereinigten erzeugnisse kommtentsprechend dem eben gekennzeichneten vorwiegen fremder ursprungsorteweniger der anbau als der kaufmännische vertrieb zur geltung: 3@b@aα) der anbau der gewürze wird von der litteratur mehr unter bestimmten voraussetzungen gestreift, so bei der schilderung fremdartiger landschaften: die köstlichsten gewürze und die seltensten gewächse mancherlei art blüheten in seinem schatten dort maler Müller 1, 29. 3@b@a@11)) auf heimischen boden führt als ältestes zeugnisz ein denkmal in lateinischer sprache: schon unter den pflanzen, deren anbau Carl der grosze befahl (volumus quod in horto omnes herbas habeant. capitulare de villis 70) und unter denen neben den nahrungsmitteln die heilmittel überwiegen, begegnen auch gewürzpflanzen, von denen einige später als vertreter der heimischen kräuter immer wiederkehren: costum (nach Gareis s. 61 f. frauenminze, kostwurz), salviam (salbei), rutam (raute), abrotanum (eberraute ... stabwurz), ciminum (kreuzkümmel ersatz für pfeffer), rosmarinum, careium (kümmel) ... dragantea (schlangwurz, estragon), anesum (anis), cruca alba (weisser senf), puleium (polei — pfefferminze), petresilinum, anetum (dill), fenicolum (fenchel), sinape, menta (minze), die verschiedenen laucharten und koriander vgl. Gareis 61—66. 3@b@a@22)) dieser heimische anbau wird auch in der neueren fachlitteratur, seltener in der schönen, gestreift: gutsbesitzer ... welche die angebauten handelsgewächse, farbekräuter, gewürze u. s. w. anboten G. Freytag (soll und haben 1, 5) 4, 59; als küchengewächse werden petersilie und sellerie noch ziemlich allgemein gebaut F. Höck nährpflanzen Mittel-Europas 59; wenn auch den bekanntesten und gewöhnlichsten arten, wie dill, petersilie und majoran überall, selbst in den kleinsten gärten gern ein plätzchen angewiesen wird, so sind jedoch beifusz, estragon, salbei und ähnliche seltener anzutreffen, trotzdem ihr gewürz sehr begehrt wird A. Bode gewürzkräuter (1899) einl.; vgl. gewürzbau, -kraut, -pflanze. 3@b@bβ) als handelswaare nimmt das subst. im lauf der zeiten die verschiedensten formen des vertriebes an: die bayrische landts und policeyordnung führt kauffleut, kramer, auch ... landtfahrer und hausierer als solche auf, die gewürtz ins land bringen s. bayr. landr. v. 1616 s. 623; vgl. auch gewürzkrämer, -händler, -kram, -handel, -waaren u. a. 3@b@b@11)) zum wandernden krämer vgl. oben sp. 6835 (zu specerei); vgl.: alde, herr wirt, wir farn dahin, auff ander merckht stett unser sinn. wir khumenn herwider nit in kyrcz; bisz iar pedurfft ir ander gburcz, so pring wir euch venedigisch guett. Sterzinger spiele (1511: Wiener neudrucke 9) s. 191 desgl. 135; unnd neben dem fellis seie auch ein futteral mitt allerlai gebrennten wassern und gewürtz gewest, das hett er nitt dahintten gelassen Balth. Paumgartner an seine frau (1593) s. 187 Steinhausen. 3@b@b@22)) auch über see bringt der händler diese waaren zu seinen kunden, doch nur im rahmen der sehilderung ausländischer verhältnisse; für gewöhnlich gilt die schiffahrt hier nur dem groszhandel: vgl. (s. u.) gewürzinsel, -land, -kapitän; vgl.: do kamen die mit den zwölf schiffen für die stat, unnd theten ... als si kaufleut wären von Cippern, und verkaufften do gewürtz und seidene tücher Pontus u. Sidonia (1498) a 3a; über Venedig kamen also gewürze, seide, alle östliche waaren der üppigkeit Herder (ideen 4, 20) 14, 452; erst müssen alle deine frachten, dann die kisten mit koffee gewürz und goldstaub in den see. Pfeffel poet. vers. 7, 119; sollt' ich nicht gleich an schlimme felsen denken, die an das zarte schiff nur rühren dürfen, so streut es auf den strom all sein gewürz, und hüllt die wilde fluth in meine seiden. A. W. v. Schlegel übers. d. kaufmann v. Venedig 1, 1 (scatter her spices). 3@b@b@33)) der kleinhändler dagegen wird mehr und mehr seszhaft im städtischen verkaufsladen (vgl.gewürzgewölbe, -kram, -laden u. s. w.): wo sich verlüff, das ainer sinen aide oder ere übersähe, mit valsch gewicht, gewürtz, schmaltz oder anderm Überlinger zunftordnung v. 1461 (ztsch. gesch. Oberrh. 18, 27); die innlendische kaufleut und kramer in stätten und märckten mögen gleichwol jederzeit, doch mit solcher masz und geding gestossen gewürtz fail haben und verkauffen dass ... (sie) das verhandene gewürtz der notturfft nach beschawen lassen sollen bayr. landrecht (1616) 624 (landts u. policey ordnung IV, 5); hingegen aber niemand ohne einen eigenthümlichen brauhof eine stärkere handlung und craam in gewürz und andern materialien ... zu exercieren befugt sein brauerschaftsprivileg (Eisenach 1733) Thüringer geschichtsquellen 9, 175; ich wog gewürz ab, zählte den knaben nüsse und welkpflaumen zu, gab klein geld heraus Grillparzer (der arme spielmann) 135, 253; da wohnen die seifensieder, dort ist ein schlachthaus, hier in der rue des Lombards duftet es von gewürzen und droguerien Gutzkow briefe aus Paris 1, 230; eben hab' ich von deinen vorzüglichen gewürzen und seifen gesprochen, mein teurer Basini Arthur Schnitzler der schleier der Beatrice (1901) (2. act) 59. 3@b@gγ) bemerkenswerth sind die substantiva, mit denen das collectiv in diesem zusammenhang sich verbindet: 3@b@g@11)) von manichem redlosen biderman, dem ich gehollfen hab in kurtz mit meinen salbn und guetem gwurtz, di ier alhie vor euch secht sten. Sterzinger spiele s. 135; was wir an gewurtz, zucker und sonsten auszerhalb mussen kauffen laszen 132 pommersche hofordnung (denkm. dtsch. culturgesch. 2, 1) 130; gersten, linsi, bonen, dürrfisch, wiltpret, vögel, gewürz, strow und was man dorfft, fand man genug im zimlichen kouff Tschudi eidgenöss. gesch. 2, 2a; vgl.(s. o.) gew. und schmalz; stahlen und raubten ... fleisch, wein, geflügelwerck, gewürtz, essig, traidt, mehl, kertzen, holtz, dann jhre besoldung war klein Aeg. Albertinus landstörtzer Gusman 63; in ortschaften ... wo sie für salz und gewürze sich proviant eintauschten Ritter erdkunde 1, 441; gewürtz und peltzhandel Lichtenberg aphorismen 4, 119; ich hatte versucht, sie in meine interessen einzuführen, und mit wie gutem willen hörte sie mir zu! aber sie war was besseres gewöhnt als getreidehandel, drogen und gewürze P. Heyse (Helene Morten) II, 4, 202; vgl.(s. o.) die belege aus Gutzkow und Schnitzler. 3@b@g@22)) vor allem sind es kostbare stoffe, mit denen das gewürz zusammengestellt ist, so die seide (vgl. schon Pontus u. Sidonia a 3a, Herder 14, 452; Schlegel s. o.) und das gold: mit kamelen ... die gwürtz und gold die menge trugend Züricher bibel von 1531 2. chron. 32, 27; (vgl. sp. 6839); ist auch am selbigen ort, die ungarische legation ankommen, und kOestliche geschenck gebracht, von goldt, silber, edelgestein, gewrtze, uñ andern kleinodien Bünting Braunschw. chronik (1620) 132; gold und silber, gewürze und bequemlichkeiten mögen viel gutes hervorbringen, nur nicht neues leben für die poesie Herder (wirkung d. dichtk.) 8, 411; vgl. auch (s. o.) Lotz 3, 312; gold und gew. Hartwich bed. d. entdeckung von Amerika für die waarenkunde 3. 3@b@dδ) der werth, der in solchen zusammenstellungen dem collectiv beigemessen wird, kommt auch in anderen verwendungen zum ausdruck: 3@b@d@11)) zum schwanken in der preisbildung vgl.: es sol im einer nicht darfr wnschen der angelrochen drr, noch jm begeren vil der steuren welche das gwrtz nur musz vertheuren. Sebiz vom feldbau (1580) vorrede; vgl. Fischart s. Goedeke s. 259; die grossen häuser der Fugger ... bestimmten ohne wettbewerb die preise für zucker und gewürze des orientes G. Freytag (bilder a. d. dtsch. vergangenheit 2, 2, 8) 19, 244. dagegen vgl.: unsere vorfahren verdarben sich mit den billig gewordenen, früher nur den reichsten zugänglich gewesenen gewürzen den magen, wie ein parvenü O. J. Bierbaum empfinds. reise im automobil 73. 3@b@d@22)) der zeit der werthsteigerung entspringen die mehrfach angemerkten hofordnungen. sie zeigen, wie der einkauf des kostspieligen stoffes mit vorsichtsmaszregeln umgeben wird und wie der verbrauch an gewürz immerwährender aufsicht unterliegt: item, was schmalltz, gewurtz, zamis (zuomüese?) auch dergleichen in unser kuchen und zergadem gekauft wirdet, soll der, so es kauft, vom kauffmann ain zedl ... uberlifern ... hauszvogt und kuchenschreiber solch empfangen gewürtz, schmalltz etc. auch einschreiben hofordnung Ottheinrichs v. d. Pfalz (1526) s. denkm. dtsch. culturgesch. 2, 2, 163; u. a.; desgl. (s. oben sp. 6838) Küstriner hofordnung (16. jahrh.) 2, 1, 81; vgl. auch (pommersche hofordn.) 161. 130; (Mecklenburger hofordn.) s. 197 u. a.; es solle auch unser raht, cammerjunckher ... bei unserm khoch daran sein, dasz er die eszen ... sauber und wol zurichte und dabei nichts unnüzlichs, alsz schmalz, butter, salz, gewürz undt dergleichen verschwendten ... thue hofordnung der pfalzgräfin Hedwig von Sulzbach (1636) 2, 208. 3@b@eε) mit der werthsteigerung der gewürze steht auch die gefahr der verfälschung in zusammenhang, für die schon unter den buchungen mehrere attributive verbindungen zeugten (s. o.); vgl. auch: als sich ... befunden hat, dasz etliche ... falsch ungerecht gewürtz ins landt bringen ... gebieten wir ... dasz verständige personen verordnet werden, die allerlei gewürtz und specereien, in den iarmärckten und sonst bei den ... so das gewürtz zuvorkauffen fürlegen, alles fleisz beschawen und probieren, auff dass es gerecht, frisch und unverfälscht sei bayr. landrecht (1616) 623; es sol auch keiner ... ainich gestossen gewürtz mehr in unser fürstenthumb bringen ... welche aber mit gewürtz in das landt handtieren wöllen, die sollen das ungestossen, gantz und ungevälscht offentlich feil haben 624 u. a. vgl. gewürzmühle; eine amtliche erhebung hat dem verf. vor langer zeit gelegenheit gegeben, eine grosse anzahl erhobener proben gemahlener gewürze auf ihre reinheit zu untersuchen Dinglers polytechn. journal bd. 167 (1863) 228; dass ... nichts fremdartiges vorkommt, was nicht in dem unverfälschten gewürz ebenfalls gefunden wird ebenda; eichenrinde ... als beimischung gepulverter gewürze Fr. Elssner unsere nahrungsmittel tafel 8. vgl. aber auch: piment, also selbst dieses billige gewürz wurde kaum zu einem dritteil rein angetroffen Dinglers journal a. a. o. 3@cc) die verwendung der im collectivbegriffe zusammengefaszten stoffe 3@c@aα) läszt das merkmal des heilmittels stark gegen das genuszmittel zurücktreten. 3@c@a@11)) Paracelsus arbeitet in seinen schriften noch mit dem subst.: ein ursach seins gleichen saltz zur zerstörung. auch die rässen, als gewürtz, imber, pfeffer (sollen das salz im körper auflösen) chirurg. schr. (1618) 152; vgl. das gewürtz in der schmiersalbe gegen die Franzosen 152; vgl. auch: dieselbigen mittel aber sein viel und mancherlei, ja fast unzehlige, als köstliche oliteten? kräfftige wässere, heilsame salben, herrliche krauter, ... warme bäder, schöne gewrtze, gute baum früchte ... Prätorius pfilosopfia Salustiana G 5a; wer will solche warnung lesen? ... wol an so muosz man sie wie die artzet die pillulen mit zucker und gewürtz bedecket, den krancken darreichen K. Scheidt übers v. Dedekinds Grobianus 5; salat, gewürtze, speisz und wein, salbei und fenchel stärcken fein, betonien und würtze-safft dem haupt und magen geben krafft. gesundheitsregel (für den april) im jäger brevier (1857) s. 67f. 3@c@a@22)) bemüheten sich starck ihn mit essige und gewürtze wider zu sich selbst zu bringen Opitz übers. v. Barclays Argenis 2 (1. b.), 15; welchen genannter medicus Vega wieder geholffen: indem er dem einen gestossenen pfeffer, wie essig, eingegeben ... daneben auch einiges gutes rauchwerk und gewürtz unter die nasen gehalten Erasmus Francisci lustige schaubühne 2, 494; merkwürdiger weise sind die südlichen länder mit dem ungesundesten clima nicht nur das vaterland der pest und epidemien, sondern auch ... der kräftigsten gewürze, sodass die natur gift und gegengift auch hier einander so nahe gelegt hat F. Rochleder heilmittel und gewürze 158; die gewürze sollen den körper bei der aufnahme der nahrungsmittel unterstützen. wir geniessen sie mit den letzteren zusammen, um diese wohlschmeckend und dadurch auch den körper zu ihrer aufnahme willig zu machen. deshalb wirken sie auch auf die nerven des magens direkt reizend ein und befördern die absonderung der verdauenden säfte C. Hartwich die menschl. genuszmittel. einl. 1; vgl. auch Rochleder 157. 3@c@bβ) wie im vorhergehenden, so ist noch mehr auszerhalb der heilkunde die geruchswirkung am gewürz herausgearbeitet: wiltu wolschmeckend obst machen, so spalte einen baum entzwei ... schneide holtz herausz, unnd lege drein welcherlei gewürtz du wilt ... so wird die frucht wolriechend und schmeckend von dem (!) gewürtz, die (!) du darinnen hast Coler hausbuch (6, 12) 205a; vgl. die zusammensetzungen gewürzblatt, -duft u. a. 3@c@b@11)) Pickelher schneidet von dem krantze gewürtze mit unter den taback Schoch komoedia v. studentenleben (1660) G 8 (vgl. dagegen: schöne blumenkrenz, mit vergulten gewürz gezieret Ph. Hainhofer reisetagebuch [1617] balt. studien 2, 2, 45); vgl.würtzkräutern J 1a; dafür beflisz sich nun die wohlgezogne magd ein rauchwerk von gewürz der Venus anzuzünden. Bodmer character der teutschen gedichte (neudruck Heilbronn 1883, s. 34); vgl.gewürz und räucherwerk schauplatz der natur 3, 391; vgl. auch gewürzrauch. 3@c@b@22)) gleich wie die gewürtz einen geruch hinterlassen, wann man sie anregt; also geben auch die frommen ... einen wind ihrer tugend von sich Zeiller (77. ep.) episteln 1, 453; die kunst, fürtz für gwürtze darzuschieben, des papsts kaat für biesam zulieben. Fischart jesuiterhütlein C 3a. 3@c@b@33)) der fürstensaal duftet ... nicht von gewürzen und köstlichen wassern, sondern ... von frischgeschnittnem eichenlaube Herder (recensionen) 5, 330; schüttl' ihre duft'gen glocken und trag' laue gewürze hin zu meiner kaltgesinnten. Fr. Rückert 1, 313; in dem schosse süsser moose, singend, von gewürzen duftend, wie das lied des Salomone. Brentano (romanzen 118) 9, 128 Morris. 3@c@gγ) das genuszmittel mit dem anreiz auf den gaumen: die ananas, die tausend feine gewürze in ihrem geschmack vereint Herder (br. z. bef. d. hum. 8.) 18, 115. 3@c@g@11)) mannigfach wird die wirkung auf die verdauung dargestellt: denn saur heisz gewürtz, bringt saur heisz fürtz Fischart Gargantua 82 neudr.; der gleiche reim (mit bezug auf zwiebeln und pfeffer in einem polnischen gericht) 62; vgl. auch: die polnischen kopen von gewürtz, auch von rettich und zwibeln die fürtz, werden den luft vergifften aller praktik groszm. 28; aus waʒ tränckern, essen, gewürtzen und staub im lufft ... solche geberung seiend des steins, des griesz ... Paracelsus (artzney 6. buch) 4, 12; deszgleichen vom fleisch, in dem sonderlich eine steinische herte verborgen ligt ... und noch viel mehr vom gewürtz, da trefflich harte und schwere tartarische kranckheiten wachsen 18; wie unser gaum mit lust von dem gewürz das süsse feuer spühret; so wird die nas' auf gleiche art gerühret durch den geruch der nelken. Brockes irdisches vergnügen in gott 1, 248; wie sehr mir der genusz der schärfsten gewürze zur gewohnheit geworden ist H. Steffens was ich erlebte 5, 371; gewürze ohne krafft ein speise ohne safft, ein sattel ohn gort ein kramer ohne wortt, der kompt nicht fort. s. Wander 1, 1684. 3@c@g@22)) in andere bedeutungskreise als oben (s. sp. 6849) führt hier die zusammenstellung mit substantiven, die wiederum reich entwickelt ist: kundt lezelter den ofn haitzn wol. het dar zuo hönig, gwürtz und mel. G. Rösch v. Geroldshausen wunschspruch 643 Tischmaler; da waren schnegken flaisch fisch und von schmaltz und öle gebackens gesottens und gebratens, mit senf geseltz gewürtz und sultze ingemachet Wyle translat. 279; besträwete dasselbige in sonderheit überflüssig mit ingber und andern guten gewürtzen Kirchhof wendunmuth (2, 107) 156 Österley u. a.; vor allem sind es einzelne nahrungs- und genuszmittel, mit denen das collectiv hier bald in engere berührung, bald in schroffer abgrenzung zusammentritt: 3@c@g@2@aa)) gew. und gemüse: wie die köche in den nassen jahrgängen mehr scharfe gewürze in die wässerigen gemüse reiben als in trockenen Jean Paul (Siebenkäs 3) 13, 54; auch der vielleicht vereinzelt ... als gemüse, meist aber doch wohl nur als gewürz benützte knoblauch F. Höck nährpflanzen Mitteleuropas s. 30; die küchenzwiebel, eine pflanze, die bei uns ... mehr als gewürz, denn als eigentliche gemüsepflanze in betracht komt 56; desgl. 34. 3@c@g@2@bb)) den belegen für die einordnung des salzes unter das gew. (sp. 6845) stehen litterarische zusammenstellungen gegenüber, die deutlich unterscheiden: das menschen fleisch kocht in den töpffen, mit saltz und gwurtz beim fewr gesotten, etlichs auch an den spissen gbrotten. Burkart Waldis (Lycaon v. Wolffenbuttel) neudr. 49, 18; wir hatten auff eine zeit ain junges wildes schweinlein auffgefangen ... auffgezogen, gemästet, und endlich verzehret ... saltz brauchten wir wenig und von gewürtz gar nichts, dan wir dörfften die lust zum trunck nicht erwecken, weil wir keinen keller hatten Grimmelshausen Simpliciss. (1, 11) 30 Kögel; demnach mir aber zum öfftern am saltz, schmaltz und gewürtz mangelte 137. 3@c@g@2@cc)) gew. und butter: das sie das gewurtze, kochwein, butter ... nicht zur unweise oder uberflusz gebrauchen pommersche hofordnung s. denkm. dtsch. culturgesch. 2, 1, 168; weill aber mit gewurtz viell butter zu ersparen (Mecklenburger hofordn.) 221; auch nicht alle speisen mit putter kochen, sondern biszweilen auch gewurtz darzu brauchen 223. 3@c@g@2@dd)) mannigfaltig ist die verbindung mit dem wein: dem prior 6 stuck 2 masz 2 semel, auch dise visch in gelber prüe gesotten sein aigen gewurz und wein darzu haben Knebel chronik v. Kaisheim 104. 3@c@g@2@d@aα)) es hat an stat des fleisches und der milch ... wein und nebent diesem auch viel gewrtz, verzukkerte konfecten J. Rist friedewünschende Teutschl. (1, 2) 54; hierauf setzte sie ihm alsobald eine neue tafel vor: und etwas ... weines, mit köstlichen gewürtzen darauf Zesen Assenat 214; bei geselschaft, gesang und seiten spiel gewürtz, wein, meth, wandere, such kurtzweil von hertzen, lebern, und dem haupt lasz blut, das weib sei dir erlaubt. Prätorius Blocksberg (1668) 490. 3@c@g@2@d@bβ)) das sie weder an gewurtzen noch anderm zu warmen weine ... ohne sonderlichen und auszgedrucktem bevehlich ettwas vorgeben hofordnung des markgr. Johann v. Küstrin (1561) s. denkm. d. dtsch. culturgesch. II, 1, 49; man praepariret unterschiedene brandweine von kräutern und gewürtze, als von kümmel, fenche ... u. s. w. v. Rohr hauszwirthschaftsbuch (1751) 283; Hermann ... ging dann in die küche, entflammte dort ein mächtiges feuer und bereitete ein stärkendes getränk aus wein und wärmenden gewürzen Immermann 7, 225. 3@c@g@33)) unter den syntaktischen verbindungen verdichten sich hier einige zu festeren formen. im gegensatz zu den belegen für die ursprungsbestimmung (s. sp. 6847) und auch entgegen den buchungen (sp. 6841) treten die attributiven verbindungen dabei ganz zurück; vgl. vereinzelte formen wie: fenchel und guot süsz gewürz verdtsch. des Platina 35b; thuo guots gewürz dran 32b; drein 35a; vgl.(s. u.) mit süssem, gutem, wolschmeckenden gewürz lösliche oder concentrierte gewürze, werden in Rouen von Bonière hergestellt und in den handel gebracht ... sollen die anwendung der rohen gewürze zu speisen und dergl. entbehrlich machen und enthalten die wirksamen und aromatischen stoffe der gewürze in concentrierter form ... nicht allein pfeffer, piment, zimmt, nelken und dergl., sondern auch knoblauch, zwiebeln und ähnliche gewürze werden auf diese weise extrahiert Heppe waarenkunde (1863) erg. b. zu Schedel6 s. 58; vgl. Dinglers polytechn. journal bd. 156 (1860) 443; gemischte gewürze Thiel 4, 432. 3@c@g@3@aa)) dagegen treten einige objectverbindungen vor: tuo guot gewürz darinn alemann. kochbuch 193; — daran 191; — daruff 190; güss das gewürcz darüber 206; thuo ein wenig gewürtze daran verdeutschung des Platina (1542) 37b; stree gewürtz darein 34b; sprenge gewürtz über das ... kalbfleisch 34b; desgl. 36a, 51b; allerlei gewürtze zu candiren v. Rohr hauszwirthschaftsbuch 1103. 3@c@g@3@bb)) vor allem aber überwiegen präpositionalverbindungen und zwar fast ausschlieszlich die präp, mit: beströw es mit gewürz alemann. kochbuch 192, desgl. 185; (mit zucker — winber — mandelkernen) 196/7; besaige es mit gewürcz 185; sprenge es mit süssem gewürtze verdeutschung des Platina 43b; mit gutem gew. 42b; den pfawen fült man mit guotem gewürtze 34a; erfülle sie mit guotem gewürtz und kreutern 35b; mit wolschmeckend. gew. 32b; fleisch mit gewürtz ... schleckerhafftig zubereitet, bedeutet nutzbarkeit, aber doch mit unruhe Ryff traumbuch Artemidori 64a; vgl. fische m. gew. Luther s. o., vgl. auch Kirchhof 156; das gesottne würzt er mit gewürze, welches er zerstösset mit dem stempfel im mörser, aromatibus Comenius orbis sens. pict. 113; dagegen vgl.: bei essen, weil sie bei dem trunck nicht übel schmecken solten, allerhand frantzösischen potagen und spanischen olla potriden zugeschweigen, welche durch tausendfältige ... zusätze, dermassen verpfeffert, überdummelt, vermummet, mixtiert, und zum trunck gerüstet waren, dasz sie durch solche zufällige sachen und gewürtz mit ihrer substanz sich weit anders verändert hatten Grimmelshausen Simpl. (1, 30) 82 neudr.; ja, ja, die braunen köche ziehen dir locken aus, zum lieblichen gewürz der brühen beim hochzeitsschmaus! Hölty (Apoll u. Dafne 1770) 93. 3@dd) manigfaltig sind die spielarten bildlichen gebrauchs. 3@d@aα) in vergleichen wird das collectiv meist nicht unmittelbar gegenübergestellt, häufiger vielmehr als theil einer höheren einheit oder als ziel von verbalhandlungen, die den vergleichspunkt in sich schlieszen: 3@d@a@11)) oder wär' ich wie ein garten voll gewürtze beider arten! dasz mein Jesus für und für sich ergetzen könt' in mir. Angelus Silesius heilige seelenlust 141 neudruck; nur die 30 000 francs jährlich, welche der kaiser als lebenslängliche dotation seinen senatoren zugewiesen, sind ein neues und starkes gewürz, um die ergebenheit und treue des senats recht schmackhaft werden zu lassen Th. Mundt Paris 2, 190; der witz und scherz ist, wie ein stark gewürze, nicht jeder stunde, jedes tages zuthat. K. Immermann (die prinzen von Syrakus 2) 14, 33; nun ist es aber die höchste zeit, was ich im juli nach den unvergesslichen Bismarcktagen für sie auf dem herzen hatte, auszuschütten, wenn es auch etwas eingetrocknet und verdorrt ist, wie altes gewürz im apothekerkasten O. Ribbeck (1892) s. 310 briefwechs.; ich kennt em nu sei geschäft fihren, wie gewerz Streff (Niebergall) des burschen heimkehr s. 50. 3@d@a@22)) der gottseligen armen hertz ist in der arbeit wie ein gewürtz, das gerieben oder zerstossen wird, welches desto kräfftiger riechet Scriver seelenschatz 2, 183; also sol auch eines ieglichen menschen geburts-stunde, als eitel perlen und statliches gewrtze auffgefangen ... werden Butschky Pathmos 15; unsre staatskörper sind also thiere, die unersättlich am fremden, gutes und böses, gewürze und gift, caffee und thee, silber und gold verschlingen Herder (ideen 3, 11) 14, 37; Hertz hat über ihre briefe ... ein eignes gleichnisz gebraucht. man soll ein gericht haben, wo bambusrobr in zucker und gewürz eingemacht wird. diesem gleichen ihre philosophischen schriften W. v. Humboldt an Schiller 61 Leitzmann; man kann sich eben sein glück nicht anrichten, wie eine leibspeise, gerade mit dem gewürz, das einem am besten schmeckt Paul Heyse (mutter und kind) II, 8, 239; wer immer dreck in seinem zeug hat, oder das unverträgliche mischt, ist wie ein koch, der das rattengift zwischen die gewürze stellt, aber die pinsel sind rein, gott segne sie! G. Keller (grüner Heinrich 3, 11) 2, 143. 3@d@bβ) wie bei der specerei (vgl. Fischart Gargantua 22) fehlen auch hier die wendungen nicht, die ganz im bilde bleiben: das ander, so in sack oder taschen desz glaubens unsers pilgrams gehört, ist das gewürtz, nemblich zimmet, muszcat, nägelein und dergleichen, mit denen er biszweilen die ungeschmackige speisen anmachet und verbessert Aeg. Albertinus landstörtzer Gusman 589; deinen leichnam wil ich pflegen, mit gewürtz und myrrhn belegen, und jhn ehrn mit grossem fleisz. Angelus Silesius heilige seelenlust 86 neudruck; o seliger frühling der pfingsten ... durchrausche die höhen und tiefen, durchwandle so nahe wie fern, dasz seine gewürze dir triefen, die kirche, den garten des herrn. Gerok (pfingstgewitter) palmblätter 139; die jungen herren lernen verse machen so wie man düten macht; wenn sie uns nur aber auch darin einiges gewürz überreichten Göthe br. 13, 205; auch das wie abgenüzt, wie schaal! gibts kein gewürz für stumpfe gaumen mehr und keinen reiz für abgespannte nerven! Halm fechter v. Ravenna (2) 58; lieber gott! wenn saure schweisztropfen gewürz und meister schmalhans koch ist O. Ribbeck (an Ritschl 1852) 256. 3@d@gγ) diese vorstellung des sinnlichen reizes ist nun der ausgangspunkt manigfacher übertragener verwendungen des collectivs: 3@d@g@11)) schon Luther führt den sinnlichen reiz in das religiöse über: dadurch sol uns ... solches creutz lieblicher leidlicher werden, das unser lieber got uns so viel gewürtz und labwasser wil in unsere hertzen geben 32, 31 Weim. 3@d@g@22)) häufiger ist die übertragung auf annehmlichkeiten des lebens: wahre und aufrichtige freundschafft bleibt ihnen fremd und unbekandt, welche doch von vernünfftigen, für das höchste gut unter zeitlichen dingen und vor ein süsses gewürtz menschlichen lebens, wird gehalten Erasmus Francisci lustige schaubühne 1, 1037; ihre musicalische ubungen, und gewürtze der freundschaft verstehe, die aufrichtige sprachwechslungen zu wiederholen 3, 2; der immer in sich lebend, strebend und arbeitend, bald die unschuldigen gefühle der jugend in kleinen gedichten, das kräfftige gewürze des lebens in mancherlei dramas, die gestalten seiner freunde und seiner gegenden ... mit kreide auf grauem papier auszudrücken sucht Göthe br. 2, 234; dasz sie gewiszermaszen dem herzoglichen hause entführt worden war, schadete ihrem rufe in einer welt nicht, welcher alles gewürz zu den lebensumständen lieb und angenehm war Immermann 6, 162; zuweilen, wenn es die zeit trifft, wünscht sie mir gesegneten kaffee, alles in vollem ernst, jedoch nicht ohne das gewürtze von freundlichkeit G. C. Lichtenberg br. 1, 26 3@d@g@33)) namentlich auf litterarische wirkungen ist dieser begriff übertragen: die wahrheit braucht die anmuth der fabel; aber wozu braucht die fabel die anmuth der harmonie? du willst das gewürze würzen. gnug, wenn die erfindung des dichters ist; der vortrag sei des ungekünstelten geschichtsschreibers, so wie der sinn des weltweisen Lessing (fabeln 1, 1) 1, 195; die feinere fabel, da das thier als philosoph räsonniret, mag für uns feinere menschen sein, deren gaum von stärkern gewürzen gereizt werden musz, wenn er an dieser milchspeise geschmack finden soll Herder (bild. dicht. u. fabel) 15, 544; ich unterstehe mich (gesteh ich) grosser sachen indem mein schlechter brief, der kein gewürze kennt, blind hin, unangesagt, auf eure tafel rennt. Neukirchs gedichtssamml. 5, 2; den neuen musenalmanach habe ich noch nicht gesehen, da ihm das gewürz der bosheit und verwegenheit mangelt so fürchte ich, dasz er sich mit seinem vorjährigen bruder nicht werde messen können Göthe br. 12, 346; es geht in's fluchen, schimpfen und schlagen über, und der vorhang fällt zu. leute von sitten werden höchstens in einem anfall von leidenschaft in einem fluch ausbrechen, und das sind die beiden arten, die ich dem drama vergönnen möchte, doch nur als gewürz 2, 67; vgl. auch: bedienen sie sich der blassenden instrumenten als eines gewürzes und einzeln br. 4, 168; (das) war der hauptinhalt von Hansli's salbungsreichem, mit gewürz durchspicktem zuspruche J. Gotthelf Hans Joggeli (1848) 67.
102005 Zeichen · 2119 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewürz

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Gewürz , des -es, plur. die -e, 1) Eigentlich, die Wurzeln einer Pflanze oder eines Baumes, in welcher Bedeutung es …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gewürz

    Goethe-Wörterbuch

    Gewürz jeweils einmal Dat/AkkSg -e 1 Würzware zum Schmackhaftmachen von Speisen; meist für einen (exotischen) Pflanzenst…

  3. modern
    Dialekt
    Gewürz

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Gewürz [Kwerts, Pl. –ər Co. ; Kəwìrts, –ər Str. ; Kəwerts Betschd. ] n. Gewürze. — Bayer. 2, 1015.

  4. Sprichwörter
    Gewürz

    Wander (Sprichwörter)

    Gewürz 1. Das beste Gewürz kommt aus Sorgenland. 2. Gewirze ohne krafft, eine Speise ohne safft, ein Sattel ohne gort, e…

  5. Spezial
    Gewürz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|würz n. (-es,-e) (Würze) spezies f.pl. , saus f.pl. , erbes aromatiches f.pl. , erbes da saú f.pl.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewuerz

126 Bildungen · 124 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gewuerz

ge- + wurz

gewuerz leitet sich vom Lemma wurz ab mit Präfix ge-, mit Umlaut-Wechsel.

gewuerz‑ als Erstglied (30 von 124)

Gewürzäpfel

PfWB

Gewürz-äpfel Pl. : 'eine würzig schmeckende Apfelsorte', Geweʳzäppel [ KU-Diedk ]. —

gewürzapfel

DWB

gewuerz·apfel

gewürzapfel , m. : gewürzäpfel, New-York-renette, maatapfel Gilow de planten, botanisches u. niederdtsch. wb. 3, 1135 .

Gewürzart

GWB

gewuerz·art

Gewürzart botan: Art von Gewürzpflanzen LA II 9A,170 M112,51 Morph Plp N13,144,3 Morph Plp Elke Dreisbach E.D.

gewürzbau

DWB

gewuerz·bau

gewürzbau , m. vgl. oben sp. 6848; vgl.: durch und durch wehet eine milde luft des lieblichsten bezirks von Canaan; ländlich trauliche verhä…

Gewürzbeet

GWB

gewuerz·beet

Gewürzbeet als Teil eines Apothekergartens, metaphor für ein gebräuchl Betätigungsgebiet (iUz neuen Experimenten) wie .. Dr. Bucholz [ Arzt …

gewürzbeschauer

DWB

gewuerz·beschauer

gewürzbeschauer , m : in H. Fischers schwäb. wb. ist aus Breinings Alt-Besigheim für d. 17 . jahrh. die städtische amtsperson des gewürzbesc…

gewürzbirne

DWB

gewuerz·birne

gewürzbirne , f. : gewürzbirne, eine sorte der sommer- und herbst-birnen Gilow 3, 1134 ; vgl. kräuterbirne theil 5 sp. 2114.

Gewürzbirnen

PfWB

gewuerz·birnen

Gewürz-birnen Pl. : 'eine würzig schmeckende Birnensorte', -beere [ KU-Diedk LU-Friesh ]. Rhein. IX 670 Z. 7. —

gewürzblatt

DWB

gewuerz·blatt

gewürzblatt , n. : überall gewürzblätter, kein blatt ohne gewürzhaften geruch V. Hehn reisebilder aus Italien u. Frankreich 128 . vgl. aber …

gewürzblume

DWB

gewuerz·blume

gewürzblume f. vgl.: flechte, moos, farrenkraut und die reichste gewürzblume; jedes blühet an seiner stelle in gottes ordnung Herder ( br. z…

gewürzbrand

DWB

gewuerz·brand

gewürzbrand , m. : bouquetlosen weinen wird das fehlende aroma durch allerhand beigaben zu ersetzen gesucht ... durch gewürzschwefel oder du…

gewürzbüchse

DWB

gewuerz·buechse

gewürzbüchse f. 1 1) vgl. wurzbuhse ( aus fürstl. Schwarzenberg. inventar des 16. jahrh. ) Lexer 2, 1012 ; würzbüchsen Schmeller a. o. 1@a a…

gewürzbüschel

DWB

gewuerz·bueschel

gewürzbüschel von H. Fischer 3, 640 gebucht und mit der würzweihe an Mariä himmelfahrt in verbindung gebracht, vgl. kräuterbüschel theil 5 s…

gewürzdüte

DWB

gewuerz·duete

gewürzdüte , f. 1 1) was dem ruhm und der unsterblichkeit manches schriftstellers ein gröszeres hindernisz in den weg legt, als der neid ...…

gewürzduft

DWB

gewuerz·duft

gewürzduft , m. : wie die einzige balsampappel in unserm park gewürzdüfte ausathmet, indess noch die warmen regentropfen von ihr fallen Jean…

gewürzel

DWB

gewürzel , gewurzel , n. collectiv zu wurzel ( s. d. ) wie gewürz zu wurz, doch auch ohne umlaut und zum verbum gestellt: gewürzel Oken 7, 1…

gewürzen

DWB

gewürzen , verstärktes würzen ( s. d. ); vgl. angels. gewyrtian, to season with herbs Bosworth-Toller 473 a ; vgl. gewürzt ; die bestecken u…

gewürzen

FWB

1. ›(eine Speise) würzen‹; ütr.: ›etw. beschönigen‹.; 2. ›sich wo einwurzeln‹.

gewürzessig

DWB

gewuerz·essig

gewürzessig , m. : gewürzessig, acet. aromaticum Holfert volksth. namen d. arzneimittel 4 75.

gewürzet

FindeB

gewürzet part.adj. Will. SGPr.

gewürzextract

DWB

gewuerz·extract

gewürzextract : ferner ist in haushaltungen die selbstbereitung der gewürzextracte oder flüssigen gewürze zu empfehlen Thiel 4, 432 ; vgl. a…

gewuerz als Zweitglied (1 von 1)

Allerleygewürz

Adelung

allerley·gewuerz

Das Allerleygewürz , des -es, plur. inusit. ein Gewürz, welches für Körner des Amomum oder Cardemomum ausgegeben wird; aber vermutlich die u…

Ableitungen von gewuerz (1 von 1)

Gewürze

Campe

Х Das Gewürze , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).