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dingen

ahd. bis spez. · 26 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
41 in 26 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

dingen

dingen

Ding n. ‘germanische Volks- und Gerichtsversammlung, Sache, Gegenstand, Angelegenheit’, ahd. thing (8. Jh.), mhd. dinc, asächs. thing, mnd. mnl. dinc, nl. ding, aengl. þing, engl. thing, anord. þing, schwed. ting und (im grammatischen Wechsel) got. þeihs ‘Zeit’ gehen zurück auf die zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ gehörende Gutturalerweiterung ie. *tenk- ‘ziehen, dehnen, spannen, Zeitspanne’. Zur gleichen Wurzel stellen sich lat. tempus ‘Zeitabschnitt, Zeit’ und air. tan ‘Zeit’. Westgerm. und nordgerm. *þenga- bezeichnet die ‘Volksversammlung aller Freien’, die über Krieg und Frieden beschließt, den Heerführer oder König wählt und in der Recht gesprochen wird. Got. þeihs als Übersetzung für griech. kairós (καιρός) meint ‘eine für einen bestimmten Zweck festgelegte Zeit’. So bedeutet auch germ. *þenga- in vorliterarischer Zeit (wie noch ahd. thing in seinen ältesten Belegen) ‘Zeitpunkt’, dann die zu einem bestimmten Zeitpunkt angesetzte allgemeine Volksversammlung. Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Völkerwanderungszeit, wie sie sich deutlich in der Errichtung des fränkischen Feudalstaates zeigen und zum Zerfall der alten Volksversammlung führen, lassen sich an der Bedeutung von ahd. thing nachweisen: thing ist vor allem die ‘Gerichtsversammlung’, an der ein bestimmter Personenkreis teilnimmt; daraus abgeleitet bezeichnet es den ‘Versammlungs- oder Gerichtstermin und -platz’, die ‘Gerichtsverhandlung’ und deren Ergebnis ‘Urteil, Vertrag’, dann auch (unter dem Einfluß von lat. causa, rēs, negōtium) die zu verhandelnde ‘Rechtssache’, den ‘Fall’, ‘Ursache’, ‘Grund’. Damit hat sich thing von der alten Bedeutung ‘Volksversammlung’ gelöst, und der Weg zu (nhd. herrschendem) ‘Sache, Gegenstand, Angelegenheit, Geschehen’ ist beschritten; als Terminus der mittelalterlichen Logik kann es für ‘Wesen, Begriff’ u. dgl. stehen; vgl. Karg-Gasterstädt Ahd. Thing – Nhd. Ding (1958). Eine ähnliche Entwicklung erlebt das Wort in allen germ. Sprachen (vgl. aengl. þing ‘Beratung, Versammlung, Gerichtshof, Prozeß, Tat, Ursache, Gegenstand’, engl. thing ‘Ding, Sache, Wesen, Angelegenheit’). Jünger ist die Verwendung für Personen oder Sachen, die nicht benannt werden können oder sollen (14. Jh.) und der (umgangssprachlich und mundartlich übliche) herabsetzende Gebrauch, vgl. kleines, armes, grünes Ding ‘Mädchen’ (17. Jh.), Plural Dinger. Ding als philosophischer Erkenntnisgegenstand (18. Jh.); Ding an sich (Reimarus 1760); mit rechten Dingen zugehen ‘auf natürliche Weise geschehen’ (18. Jh.). – Unding n. ‘etw. Widersinniges, Torheit’, mhd. undinc ‘Böses, Schlechtes, Übel, Unrecht’, zusammengesetzt mit verneinendem un- (s. d.). dinglich Adj. ‘gegenständlich’, mhd. dinclich; vgl. ahd. thinglīh (10. Jh.), mhd. dingelich ‘gerichtlich’. Dings n. m. f. distanzierende oder abschätzige Bezeichnung für Personen und Sachen (16. Jh.), Ersatzwort für Eigennamen (18. Jh.), vgl. auch Dingsda n. m. f. (19. Jh.). dingfest Adj., vorwiegend dingfest machen ‘festnehmen, in seine Gewalt bekommen’ (19. Jh.); vgl. dazu das Gegenwort mhd. dincvlühtec ‘sich dem Gericht entziehend’. Dingwort n. ‘Substantiv’ (um 1900). dingen Vb. ‘in Dienst nehmen’, ahd. thingōn ‘Gericht halten, Urteil sprechen, streben’ (8./9. Jh.) und thingen ‘streben, hoffen, Gericht halten, eine Entscheidung herbeiführen’ (9. Jh.), mhd. dingen, auch ‘durch Verhandlung ausbedingen, mieten’, woraus sich die heute noch geläufige Bedeutung entwickelt. abdingen Vb. ‘abmieten, abhandeln, vom Preis herunterhandeln’, mhd. abedingen ‘ein Übereinkommen treffen, abhandeln’.
3573 Zeichen · 103 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    dingen

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +6 Parallelbelege

    dingenAWBEWA sw. v. I, Otfrid, Notker, Bittgesang und in Gl.: ‚hoffen, vertrauen, streben nach, 653 ding – dingenS654 et…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    dingenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    dingen stn. das unterhandeln, dingen. dâ wart ein kurzeʒ dingen man war bald des handels einig Greg. 3116.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    dingensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    dingen , sw. V. nhd. „dingen“, gerichtlich verhandeln (sowohl vom Richter wie auch von den Parteien), Gericht halten, ve…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dingen

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Dingen , verb. irreg. act. Imperf. ich dung, Mittelwort gedungen; welches ehedem in eben so vielfachen Bedeutungen üblic…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    dingen

    Goethe-Wörterbuch

    dingen schw u st Formen nebeneinander (Prät ‘dingtet’ NatT 1226 ; PartPrät ‘gedingt’ DjG 3 1,62,8 Labores juv [1759] B4,…

  6. modern
    Dialekt
    dingen

    Bayerisches Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    dingen Band 3, Spalte 3,1731–1733

  7. Sprichwörter
    Dingen

    Wander (Sprichwörter)

    Dingen 1. Dingen ist noch nicht kaufen. Holl. : Dingers zijn geene koopers, maar koopers dingers. ( Harrebomée, I, 137. …

  8. Spezial
    dingen

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    dingen veraltet Doch kaum kommt er in Sizilien an, wird er als Mörder gedungen. - Стоит ему прибыть в Сицилию, как его н…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dingen

233 Bildungen · 2 Erstglied · 226 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von dingen 2 Komponenten

din+gen

dingen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

dingen‑ als Erstglied (2 von 2)

dingen als Zweitglied (30 von 226)

hantdēdingen

KöblerMnd

*hantdēdingen , sw. V. nhd. totschlagen, Missetaten verüben Hw.: s. hantdēdingære E.: s. hantdēdich?

hinterdingen?

KöblerMhd

*hinterdingen? , V. nhd. „widerreden“ Hw.: s. hinterdingen (2) E.: s. hinder, dingen W.: nhd. DW-

ümmebedingen

KöblerMnd

*ümmebedingen , sw. V. nhd. bedingen, auswirken Hw.: s. ümmebedinginge E.: s. ümme (1), bedingen (1)

a(n)bedingen

Idiotikon

a(n)bedingen Band 13, Spalte 587 a(n)bedingen 13,587

abdingen

DWB

abdingen , detrahere de pretio, einen nachlasz abhandeln. er läszt sich nichts davon abdingen. ich wollt euch nicht gerathen haben, mir vor …

abe dingen

MWB

abe dingen swV. 1 ‘mit jmdm. etw. vereinbaren, sich durch Verhandlung mit jmdm. über etw. einigen’ . 2 ‘eine Abgabe entrichten, eine Geldbuß…

abe dingen

Lexer

abe·dingen

abe dingen rechtlich übereinkommen: so sol er abdingen umb pfenning mit dem herren nach des weins wert Usch. 120 ; ausbedingen Jer. 47 a . 1…

abeteidingen

KöblerMhd

abe·teidingen

abeteidingen , sw. V. nhd. abteidigen, abwendig machen, abwerben Hw.: vgl. mnd. afdēgedingen Q.: Chr, DRW (1342), WeistGr E.: s. abe, teidin…

abgedingen

DRW

abgedingen rechtlich abkommen geschieht aber abgedingen [wegen Verbrechen], da sol des gotzhauz ambtman und der vogt bei einander sein 1427 …

abgeteidingen

DRW

abgeteidingen nd. afgedegedingen rechtlich abgewinnen dem ys dat nar tho behaldene myt syner eynen hand over den hylghen dan et eme yen man …

abverdingen

DRW

abverdingen als Schongeld (Loskauf von Plünderung) abfordern wat man oc der stat viygenden af verdinghede 1331 HildeshUB. I 451 (nr. 823) Fa…

afbedēgedingen

KöblerMnd

afbedēgedingen , sw. V. nhd. losmachen (sich) E.: s. af, bedēgedingen L.: MndHwb 1, 16 (afbedēgedingen)

afdedingen

KöblerMnd

afdedingen , sw. V. Vw.: s. afdēgedingen

afdēgedingen

MNWB

afdēgedingen , -gedēgedingen , -dēdingen , swv. , 1. durch gerichtliche Entscheidung entziehen, durch Vertrag, im Recht, durch Unterhandlung…

afdingen

MNWB

afdingen , swv. , 1. am Preise, an der Schuld abziehen, über Nachlaß verhandeln. 2. Intr. u. refl. sich durch Vertrag, Lösegeld freimachen, …

afdēgedingen

KöblerMnd

afdēgedingen , sw. V. nhd. durch gerichtliche Entscheidung entziehen, durch Vertrag bzw. durch Unterhandlung erzwingen Hw.: vgl. mhd. abetei…

afleddingen

KöblerMnd

afleddingen , sw. V. Vw.: s. aflēdigen

afverdingen

KöblerMnd

afverdingen , sw. V. Vw.: s. afvördingen*

afverdēgedingen

KöblerMnd

afverdēgedingen , sw. V. Vw.: s. afvördēgedingen*

afvordēgedingen

MNWB

afvordēgedingen (-ver-) s. afvordingen, swv. , auf dem Rechtswege, im Vertrag abgewinnen .

afvordingen

KöblerMnd

afvordingen , sw. V. Vw.: s. afvördingen*

afvordēgedingen

KöblerMnd

afvordēgedingen , sw. V. Vw.: s. afvördēgedingen*

afvördingen

KöblerMnd

afvördingen , sw. V. nhd. „abverdingen“, jemandem vertraglich etwas zusichern, Abrede tun über zu liefernde Arbeit Hw.: s. afvördēgedingen E…

afvördēgedingen

KöblerMnd

afvördēgedingen , sw. V. nhd. abgewinnen durch Vertrag bzw. Rechtsweg Hw.: s. afvördingen E.: s. af, vördēgedingen L.: MndHwb 1, 23 (afvordē…

anbedingen

DRW

anbedingen von einer Bedingung abhängig machen mit anbedingten worten RheinfeldenStR.(1530) 237 Faksimile in anbedingten schulden, um welche…

anbeteidingen

DRW

anbeteidingen anbeteydingt, gemanet adir angesprochen 1383 SchlesLehnsUrk. I 78 Faksimile

andēgedingen

MNWB

ande·gedingen

andēgedingen , andēdingen , swv. , anklagen , ansprechen, rechtlich in Anspruch nehmen , gerichtlich angreifen, (durch Verhandlung) zur Teil…

Ableitungen von dingen (5 von 5)

bedingen

DWB

bedingen , pacisci, conditionibus circumscribere, was ahd. bloszes dingôn oder gidingôn ausdrückte, auch mhd. erscheint bedingen nur sparsam…

erdingen

DWB

erdingen , per litem exigere, impetrare, einklagen, erklagen: so solt und möcht alsdann der obgem. junker die güter indingen ( eindingen ) 3…

gedingen

DWB

gedingen , verstärktes dingen, oder an gedinge angelehnt, mhd. gedingen, ahd. gidingôn und gidingian, ags. geþingian Grein 1, 472 ; hd. noch…

verdingen

DWB

verdingen , verb. durch vertrag binden, festsetzen. ahd. uirdingôn Graff 5, 191 , mhd. verdingen, im ahd. mhd. nur in schwacher flexion nach…