verdingen,
verb. durch vertrag binden, festsetzen. ahd. uirdingôn Graff 5, 191,
mhd. verdingen,
im ahd. mhd. nur in schwacher flexion nachgewiesen, nhd. tritt daneben auch starke flexion hervor, bis in die neuzeit neben der seltneren schwachen festgehalten (
vgl. ähnliches bei dingen
theil 2, 1169).
belege für die starke form bei Frisch 1, 199
b; Stieler
führt dingen
als schwach und stark auf, denkt sich also wol auch verdingen
schwankend, belege für die starke form aus Göthe
und Platen
s. unten. eine ähnliche entwickelung im nd., wo mnd. verdingen
und dingen
durchaus schwach, neund. aber stark ist. s. Schiller-Lübben 1, 519. 5, 338. 11)
ursprüngliche bedeutung '
etwas an das gericht, ding bringen'.
so noch ahd. er uirdingôt,
proclamat, macht die sache durch das gericht bekannt, part. uirdingôt,
provocatum ad judices Graff 5, 191. 22)
aus dieser später nicht mehr nachgewiesenen bedeutung entwickelt sich die abgeleitete '
in rechtsgültiger form bestimmen'.
meist ist in verdingen
die alte bedeutung von ver,
fort, hinweg noch nachzufühlen, daher verdingen
unter rechtsgültiger form hinausgeben, übertragen. 2@aa)
von menschen, in fremde dienste geben: er verdingte ihm seinen sohn als knecht; er verdingte ihn auf ein schiff;
gern, besonders in älterer zeit, auch von andern dingen, als dienst, mit angabe des ortes, der sache, wozu man einen verdingt, durch präpositionen, in ein contractliches verhältnis zu etwas geben: so verdingte ich uns auch zugleich in die kost.
Simpl. 2, 13, 8; da ward ich .. verhandelt, verzollet, auf einen wagen verdingt. 2, 180, 8. 2@bb)
von dingen, jemandem etwas vertragsweise überlassen, übergeben, vgl. Schmeller 1, 213
Frommann: mhd. und wer daʒ uber fre ... und eʒ iendert anders kauft oder verkauft dingte oder verdingte, ê eʒ auf den viehmarkte kmt, der muoʒ geben .. 1 pfunt haller.
Nürnb. polizeiordn. 324 (14.
jh.);
nhd. die wirthin verdingte jhm etliche schaaf ... da sie nun also miteinander verdingt hetten.
wegkürzer 18
b; die mode wil nach ihren sinnen auch gantz desz leibes glieder zwingen; kein beszrer rath: das kinderzeugen ist nur Frantzosen zu verdingen. Logau 3, 252, 197 (666
Eitner); bald verdungen jene zwen matrosen ihren dienst an einen reichen fischer. Platen 330;
mit folgendem infinitiv und zu: ein edelmann verdinget einem mahler, ein saal zu mahlen. Wickram
rollwagenb. 104
b; wolt er einem guten frommen mann von seinet wegen die fahrt verdingen auszurichten. 17
a; wie ... mir der pfarrer etliche stücke zu bessern verdingen wolte.
Simpl. 1, 235, 31
Kurz; einem den acker zu graben verdingen,
alicui locare agrum fodiendum. Maaler 416
d; verdingen,
architecto domum aedificandam locare; einen weinberg zu arbeiten verdingen,
vineam fodiendam locare Stieler 320.
in scherzhafter wendung: theils sitzen dort (
in der messe) und schlaffen als ob sie es verdingt hätten.
Simpl. 1, 421, 29; da sahe ich die handwercker in ihren werckstätten arbeiten, als wann sie es verdingt hätten. 2, 90, 2
Kurz (
als ob sie es für lohn thäten, als ob sie contractlich gebunden seien). 33)
der begriff des contractlichen geht verloren, es bleibt '
übergeben, versetzen': er (
war) ebensobald mit seinem degen fertig und verdingte dem corporal eine solche wunden in kopff, die ihn des unkeuschen und erhitzten geblüts alsobald entledigte.
Simpl. 3, 70, 18
Kurz. 44)
nicht immer hielt in verdingen ver
die wegweisende bedeutung fest, im mhd. und mnd. zeigt sich ver
zur bedeutungslosigkeit verblaszt, verdingen,
einen vertrag abschlieszen: mnd. se hebben gerovet und gebrent, wat nicht vordyngen kunde. Beninga
chr. 691. Schiller - Lübben 5, 331;
ferner mnd. einen, etwas verdingen,
durch vertrag sich vorbehalten, in seine gewalt bringen: Holofernes sede to siner schar, het dat volk hir alzo schone wyff, dat schal mengen joden kosten zin lyff, de vrouwen wille wy alle vordingen unde myt uns to lande bringen.
Josef von den sieben todsünden 6906
bei Schiller-Lübben 5, 338;
übertragen: gude werk — wultu de sele vordyngen, dine gave mostu mede bringen. 3394 (5, 339) (
willst du eine seele loskaufen, so muszt du gute werke zum jüngsten gerichte mitbringen);
mhd. sueʒer gruoʒ, der mich ie meit, unt künde ich den verdingen, so wolde ich hôhes gemuetes sîn in vröuden zallen dingen.
minnes. 3, 453
Hagen. 55)
reflexiv, sich verdingen,
durch vertrag sich in fremden dienst begeben: ich verdingte mich aber nicht länger als von einem vierteljahr zum andern.
Simpl. 1, 357, 22; fremdling, verdüngst du dich wohl zum miethlinge?
Odyssee 18, 356,
in der bearbeitung von 1781: fremdling, willst du dich wohl bei mir zum knechte verdingen?; ich hatte mich dem dienst der schönsten aller schönen drei jahre sonder minnelohn verdingt. Wieland 22, 98 (
Oberon 3, 6); zu einem verdingen,
während sonst dativ üblich: der knecht sich zuricht, wider in Engelland zu schiffen, sich zu den patronen verdinget, zu fahren bisz gen Lunden an das port.
buch d. liebe 258, 2;
beliebt ist der ausdruck sich auf die post
u. ähnl. verdingen,
sich als passagier einschreiben, heute nicht mehr üblich: (
das schiff) worauf ich mich in Constantinopel verdungen.
Plesse 3, 395; ach was zu einer unglückseligen stunde hatten sich die guten leute auf die post verdingt. Weise
kl. leute 56 (63); in Siena erwartete ich die ordinäre römische post und verdung mich darauf. Göthe 34, 51. 66)
part. prät.: wir thun auch abe die verdingten messen (so dr.
M. hernach winckelmessen genennet hat). Luther 2, 1, 6.