DINGEN vb. (1)
ahd. dingôn,
mhd. dingen.
as. thingon;
mnd. dingen;
mnl. nnl. dingen
(nnl. st. vb.); afrs. thingia;
ae. þingian,
me. thingen;
an. isl. þinga,
norw. dän. tinge,
schwed. tinga.
abl. von ding
n. A. (2)
schwaches verb II. im prät. auch starke flexion, vereinzelt im 16. jh.: 1521 dungen
(3. pl. prät.) aktensamml. basler ref. 22 D./R., häufiger seit dem 17. jh.: dung,
seltener dang, dungen, gedungen.
im part. prät. herrscht die starke form seit dem 18. jh. vor, die übrigen formen tendieren im 20. jh. wieder zur schwachen flexion. (3)
bis ins frnhd. in breiter und differenzierter verwendung, seit dem 17./18. jh. weitgehend eingeschränkt, in der bedeutung II C 1
noch bis ins 20. jh., auch hier veraltend. (4)
neben ahd. dingôn,
mhd. dingen
als -ôn-
bildung steht ahd. mhd. dingen ‘
hoffen, streben nach, bitten um’ als -jan-
bildung ebenfalls zu ding
n. A (Karg-Gasterstädt
ahd. thing –
nhd. ding. ber. verh. sächs. ak. d. wiss. zu Leipz., phil.-hist.klasse, bd. 104, h. 2 (
1958)
15 f.).
in der bedeutung ‘
hoffen’ bei Otfrid einmal auch die -ôn-
bildung: 863/71 Otfrid
V 23,237 E. die -jan-
bildung stimmt mhd. lautlich mit der -ôn-
bildung überein, setzt sich aber nhd. nicht fort. dagegen hat mnl. und ält. nnl. dingen
neben der bedeutung ‘prozessieren usw.’ auch die bedeutung ‘
streben nach’. (5)
im part. prät. stimmt dingen
lautlich überein mit ahd. gidingôn,
mhd. ält. nhd. gedingen
vb. ‘gerichtlich verhandeln, appellieren, etwas vereinbaren u. ä.’
und ist daher im part. prät. nicht immer sicher von dieser konkurrenzbildung zu trennen. I
zu ding
n. A 1 ‘
gerichtsversammlung’. A
zu gericht sitzen, öffentlich reden. 1
frahd. und as. sich mit jmdm. beraten, besprechen; zweiwertiges tätigkeitsverb: 8./9.jh. (
reges, qui in ea (d. i. spelunca)) latitant dingont
(Jos. 10,22) ahd. gl. 1,380,20 S./S. 822/40
(Joseph) geng im thuo .. thingon uuið thena thegan kêsures
Heliand 75723 ATB. 863/71 thie wisun man, ../ mit in gistuant er
(Jesus) thingon joh filu halingon Otfrid
I 17,42 E. 2
gericht halten, einen rechtsstreit führen; einwertiges tätigkeitsverb mit fakultativer adverbialbestimmung: v1022 uuanda reges sâzen in tribunali, dâr sie dingotôn, alde dâr sie iura plebi scaffotôn Notker
1,1,84 ATB. u1300 bi konigis banne mus nymant dingin
neumarkter rechtsb. 145 M. 1575 daß die herrn iren dinghof besitzen und mogen manen und dingen wie von alters
weist. Rheinprovinz 1,1,31. 1672 ob iemand wer, so zu dingen oder zu thedingen .. hett
weist. 6,532 G. 3
über jmdn. oder etwas vor gericht verhandeln, prozessieren zweiwertiges tätigkeitsverb mit objekt. a
klage oder anklage erheben; mit präpositional-, seltener genitivobjekt: v1022 stant ûf, got, fone tôde, unde dingo über dîe terrenos, die uber dih dingoton
(ps. 81,8) Notker
3,2,588 ATB. hs.2.h12.jh. an der urteile, da got mit uns allen dinget
speculum ecclesiae 147 LGF. u1305 nu man wolle dingen umme den dip
freib. stadtrecht 121 E. 1366/1424 aeb einer dinget vor zynß auf guiter
urk. u. akten Koblenz 87 B. 1408 umb alda gericht zu besitzen ind zu dyngen up die punte herna geschreven
weist. Rheinprovinz 2,1,112. 1662 wan jemand ein anderen am send mit recht zu besprechen und gegen ihnen zu dingen begert
qu. sendgerichte 42 K. –
mhd. jmdm. (vor gericht) dingen
jmdm. beistehen: u1170 Durndart
(schwert) muz mir hiute dingen
(im kampf) Konrad
rolandslied 4046 W. u1280/90 dâ von tet man der vil edelen megde bekant,/ ir müeste ein kempfe vor gerihte dingen
Lohengrin 350 R. b
etwas gerichtlich beantragen, einklagen oder entscheiden; mit akkusativ-, präpositionalobjekt oder objektsatz: u1300 der echt ist recht alsus/ auß geruft und gedinget:/ wer dein haupt pringett,/ dem gibt man an der stund/ rotes gold Heinrich v. Neustadt
Apollonius 931 DTM. hs.E15.jh. wan der clager nach den dreien clagen dingt, er habe mer zu clagen
bamb. recht urkb. 20b Z. 1610 ist .. dem landtvoigt .. auferlegt, hinführo .. bei rthlr. alle brüchen zu dingen und einzunehmen
urkb. Dithmarschen 393 M. ein ding dingen
gerichtssitzung halten: 1336 di viͤr benke, do man inne dinget daz lantdink
dt. rechtsdenkm Schlesien 60 G./G. n1574 landgedinger, wilche .. durch die scheffen gehalten und zugleich gedingt werden
weist. Rheinprovinz 2,2,141. –
phraseologischer gebrauch. jmdm. recht, wandel dingen
u. ä. als verteidiger (vorsorglich) ein berufungsverfahren für jmdn. beantragen: 1261 so dinge her
(vorsprecher) ime daz wandel
corp. altdt. originalurk. 1,84 W. 15.jh. ich ding wandel und reht, herr der richter,/ dem meinem unredenten preller
(penis) fastnachtsp. 2,785 LV. 1727 spricht der kläger: ich dinge meinem freunde
N. gottes recht
corp. jur. feudalis germ. 2,272 L. (sich) an jmdn. dingen
einen zeugen beantragen, jmdn. zur zeugenaussage auffordern, an jmds. hand dingen
eidesleistung verlangen: 1279 dhe ghene, dhe .. in dhen ersten tuch
(zeugen) dhinghede
norddt. stadtrechte 1,84 LGF. 1762 obwohlen einem jeden frei stehet, an seiner gegenpart h[and] zu dingen
schweiz. id. 2,1387. vgl. ebd. 13,547. auf ein gut dingen
es (vorläufig) gerichtlich einziehen: E14.jh. sol ein meiger vff das guͦt dingen
weist. 4,159 G. 1660 es mag die herschaft auf die gueter dingen
weist. Rheinprovinz 1,1,195. (jmdm.) nach dem hals dingen
u. ä., tod durch erhängen beantragen: 1428/30 de bodel dingede na deme bande
jb. ver. mekl. gesch. 55,110 L. 1602 do der herr graf .. denselbigen .. nach dem hals dingete
apologia, verantwortung Embden 308. –
vereinzelt strafzahlung leisten: 1741 diejenigen, so die verwirkte brüche nicht gutwillig dingen wollen
corp. constitutionum regio-holsat. (
1749)
1,205. 4
rechtliche forderungen an jmdn. stellen; dreiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt oder objektsatz und präpositionalobjekt oder direktiver ergänzung. jmdn. vor gericht zitieren: u1280/5 ich eische fvr minen herren
N. .. vmb sogetan schvlde als im her
(vor gericht) gedinget ist
schwabenspiegel 206b L. zeugenschaft, eidesleistung u. dgl. von jmdm. verlangen: u1280/5 dinget aber einer dez herren man an in, daz er sin gezivg si vmbe ein lehen
schwabenspiegel 172b L. 1646 soll man nit weiters .. umb dieselbe sach an inne
(zeugen) kundschaft zedingen haben
rechtsqu. Bern II 3,300. –
gerichtlich zuerkennen: 15.jh. dat man .. sal dat gut weder dingen in den hoiff
weist. Rheinprovinz 2,1,86. hs.A18.jh. soll der scholtiss die guter .. an die herrn dingen
ebd. 2,2,70. B
appellieren, eine höhere gerichtsinstanz anrufen. vorwiegend obd., besonders bair. öst. 1
dreiwertig mit genitiv-, akkusativ- oder präpositionalobjekt und direktiver ergänzung; urteile vor eine höhere instanz ziehen oder dorthin überweisen: 1252/4 der vrteil dinget der frauwen vorspreche anz riche
corp. altdt. originalurk 1,43 W. u1528 das vrteyl wil ich dingen/ fur gottes barmhertzigkayt
kirchenlied 2,1050 W. hs.1744
öst. weist. 2,203. 2
zweiwertig mit objekt oder direktiver ergänzung. a
mit genitiv- oder präpositionalobjekt (
meist von),
auch artikellos urteil dingen
ein urteil anfechten: u1312 swer einer urtail dinget
denkm. münch. stadtrecht 255 D. 1694 ob ein theil .. davon
(von dem urteil) appelliren, oder dingen wurde
samml. baier. bergrecht 545a L. – mit akkusativobjekt angefochtene urteile, zweifelhafte fälle überweisen: 1351
(der prokurator soll vollmacht haben,) urtail ze horen, urtail ze dingen
in: Stolz
Südtirol (1927)3,2,43. u1613 das man nicht erfinden mecht mit dem rechten, das soll man dingen
öst. weist. 8,481. b
mit direktiver ergänzung zur angabe der berufungsinstanz oder einem entsprechenden richtungsadverb: 1294 man schol auch niendirt furbaz dingen auz dem gerihte vmme dehainrslahte sache, die zu dem marchtrehte gehornt
corp. altdt. originalurk. 3,187 W. 1584 wer am wassergericht dingmassig wierdt, der dingt nit weiter als zum Schärnstein
öst. weist. 13,387. 3
einwertig, fakultativ mit adverbialbestimmung; berufung einlegen: 14./16.jh.? doselbs in den nachrechten, so der ander tail dingen wolt
weist. 6,129 G. II
zu ding
n. A 2 a ‘
beschluß, vertrag’. A
frieden schließen, kapitulieren und abgeleitete bedeutungen im wesentlichen mhd. 1
als besiegter zu verhandlungen genötigt sein; einwertiges tätigkeitsverb mit fakultativer adverbialbestimmung: u1147 von hunger unt von getwange/ muosen di burgære dingen
kaiserchr. 15892 MGH. 1473/8 wer do
(im kampf) genesen woltte, der muͤest mit flucht oder mit viantz dingen Fuetrer
gralepen 1226,4 DTM. z.j.1519 ok Ulzen moste dingen do
hist. volkslieder 3,274b L. 2
vereinzelt jmdn. in jmds. gewalt bringen; dreiwertiges tätigkeitsverb: u1170 er
(Roland) wolte mere unt erde/ cinshapht bringen,/ unter des kaiseres uanen dingen Konrad
rolandslied 3696 W. 3
jmdn. zur kapitulation zwingen, unterwerfen, brandschatzen zweiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt: 1279/98 her wolte .. /Dhuringhen, lant unte stete,/ durch lantgreven Hermanne dhingen/ und im zo svere bringen
braunschw. reimchr. 5726 MGH. hs.u1525
(die ortschaft) Ulsten, das haben sy gedynget ader geschaczt
script. rer. pruss. 5,516. 1566 zu baiden thailen
(der heere) vil sein gedinget worden
zimmer. chr. 21,58 B. hierher?: u1280/90 ist daz uns der sig gevelt, wir wellen mit iu dingen/ alliu kristenlîchiu lant
Lohengrin 4837 R. B
eine vereinbarung treffen. 1
verhandeln, ein resultat aushandeln; zweiwertiges tätigkeitsverb mit objekt. a
mit persönlichem objekt (mit jmdm.);
verhandlungen führen, einen vertrag schließen: u1195 als ich mit iu gedinget hân,/ daz silber daz wil ich iu geben Hartmann
Heinrich 101278 ATB. 1362 do dingete der kunig von Tennenmarken mit des riches botten
(Straßb.) chr. dt. städte 8,145. v1565
(sie) dingen mit jm
(Judas) vnnd bieten jm ein gelt Mathesius
hist. Christi (1568)1,109b. 1719 als er mit dem koche der bewirthung halber dunge Ettner
maul-affe 944. 1842 ein anderer fürst hätte lange mit ihnen
(ratsherren) dingen mögen Alexis
Woldemar 2,151. b
mit sachobjekt (akkusativ-, selten genitivobjekt, häufig objektsatz); etwas vereinbaren: 1187/9 sinen vrunden allen,/ di’t
(heirat) dingen ende verlien Heinrich v. Veldeke
Eneide 3999 DTM. 1509 also bestalt Andolosia ain guͦt schiff vnd dingt mitt dem schiffman, das er yn vnnd seyn volcke .. solt fuͤren gen Engeland
Fortunatus 102 HND. 1719 daß .. drinen
(im friedensvertrag) gedingt werden solte, daß er Spanien quittiren solte Elisabeth Ch. v. Orléans
br. 4,329 LV. oft im zustandspassiv es ist gedingt, daß ..
oder attributiv gedingter lohn
u. ä.: 11.jh.
(aliae victu invigilant et foedere) pacto .. gidingotero
(exercentur agris) ahd. gl. 2,643,34 S./S. 1294 ez wart ovch do baidinthalp gedingot vnd gereht, daz ..
corp. altdt. originalurk. 3,268 W. 1532 den
(fuhrleuten) soll ir gedingter und geredter lonn .. bezalt
(werden) samml. baier. bergrecht 223a L. 1780
constituta pecunia. von gedungener zahlung Hinterberg
erinn. 2,2. 1908
gedingeter lohn ist gut fordere
n Fischer
schwäb. wb. 2,215. –
subjekt im sing., einer vereinbarung ausdrücklich zustimmen, etwas zusagen: hs.M13.jh. der
(bruder, der) vmb dheinrslahte geshefde wirt vz gesendit, vnd er dinget, daz er des selbin tagis mvge widir chomin
regula st. Benedicti 116 S. 1585 welcher (wie er hat gedingt,) / wann ers geliehen
(geld) wider bringt/ .. Ringwaldt
warheit 27. 2
jmdm. etwas vermachen, überschreiben, besonders von grundbesitz im erb- und lehenrecht; dreiwertiges tätigkeitsverb mit persönlichem dativ- und sächlichem akkusativobjekt: E12.jh. also er
(vater) im
(kind) sin guot unde sin erbe lazen unde dingen wil
altdt. pred. 3,252 Sch. 1285 daz graue Eberhart ir sol dingen, .. alle dú lehen, die er hat
corp. altdt. originalurk. 2,121 W. 1519 vnd du dingest etwz im in dinem verhessen Murner
instituten 96a. C
durch miet- oder kaufverträge rechte erwerben oder verpflichtungen eingehen. 1
mieten, kaufen; zweiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt. a
mit persönlichem objekt. α
jmdn. in ein arbeitsverhältnis übernehmen, auch vorübergehend für eine dienstleistung in anspruch nehmen; meist in bezug auf gesinde söldner, handwerker: E12.jh. der herre .. gwan im wercliute in sinen wingarten unde dinget der ieslichen umb einen pfenninc
altdt. pred. 3,44 Sch. 1341/2? wer .. dem andern sin gedingten erbeiter uzzer hant zuͤhet
würzb. polizeisätze 57 H. 1507 die hab ich .. auf ein jar czu einer kellnerin gedingt Tucher
haushaltb. 160 LV. 1785 Wilhelm hatte sich einen lohnkutscher .. gedungen Goethe
Meister 1,127 ak. 1874 der gedungene lootse trat an bord Aubel
polarsommer 244. 1966 dann hat er angefangen, knechte zu dingen
Scholochow, ernte 36. –
im schweiz. auch jmdn. einladen: schweiz. id. 13,556. β
jmdn. zur ausführung einer schandtat, eines verbrechens gewinnen: 1523 vnd dazu widder euch dingeten den Bileam .., das er dich verfluchet
(5. Mose 23,4) Luther
bibel 8,628 W. 1716 damit ich nicht einen gedingeten lobsprecher abzugeben scheine
in: Marperger
küch- u. keller-dict. 859a. 1958
(er) selbst hatte den mörder .. gedungen Niekisch
leben 105. b
mit sächlichem objekt. α
einen kauf aushandeln: u1300 ez sol auch niemant chein tuch verchaufen noch dingen auf dem hause, untz di tuch elleu gezeichent werden
nürnb. polizeiordn. 164 LV. 1477 wolte derselbe olman sin ol nit geben noch billichen dingen
straßb. zunft-verordn. 407 B. 1612
(er) dinget und bezalt alsbald die haut Mechtel
limb. chr. 193 K. –
sachgüter als arbeitslohn erhalten: 1510/30
(ein knecht erhält) zu lohn funfzehen mark geldtt ohne das, was ehr von hembden, stibeln, schuen noch dazu dingett Grunau
preuss. chr. 3,300 P. β
häufig mieten, pachten, von grundstücken, wohnung, fahrzeugen u. dgl.: 1340 swer ein haws, ein stadel, ein garten oder swelcherlay aigen dingt oder bestet und leichaef daran geit
denkm. münch. stadtrecht 355 D. 1533
(er) hat ein eckerlin, wislin gedinget
(nachschr.) Luther
w. 37,223 W. 1778 hab dem alten so eben ein quartier .. gedungen
F. Müller
Faust 44 DLD. 1916 der ochsenwagen war gedungen Bonsels
indienfahrt 65. γ
einen dienst, eine arbeit annehmen: 1415/6 sal her
(der verarmte ritter) danne eyn hantwerg dinge? Rothe
ritterspiegel 2175 ATB. 1572 daß .. kain maister .. mher dann ainen baw auf ainmal dingen und annemen .. soll
frankf. zunfturk. 2,89 Sch. δ
etwas in auftrag geben, meist im part. prät.: 1415 item 11⁄2
m. dem cleynsmyt vor 9 slosse czum Sthueme, als dy der voyth gedinget hatte
ausgabeb. marienb. hauskomtur 190 Z. 1780 ob ein narr vielleicht dafür/ meinen lobgesang gedungen? Goeckingk
ged. 1,138. 1860 scheint der meuchelmord, hauptsächlich der gedungene, rasch zugenommen zu haben Burckhardt
(1929)5,325. 2
sich verdingen; zweiwertiges tätigkeitsverb mit direktiver ergänzung; auch refl. verwendet. a
dienste nehmen, eine stellung annehmen; vorwiegend obd.: u1170 nu rit du, helt, unter minen uan:/ ich hilue dir gerne hinnen,/ wilt du, helt, dingen/ dar zu dem chunige Marsilien Konrad
rolandslied 4234 W. hs.M14.jh. nu dyngtes tu dich czu myr um eynen pfennynk?
(Matth. 20,13) evangelistar 1,15 F. v1551
(er) dinget zuͦ eim zimerman zuͦ Bassel Brennwald
schweizerchr. 2,531 L. 1781 das
(handgeld) muß .. bezahlt seyn, sonst ding ich nicht in diesen krieg Pestalozzi
2,95 B. jünger noch im schweiz. und bad. –
aus einem amt ausscheiden, eine sitzung aufheben u. dgl., selten: 1.h14.jh. den nuwen scheffen sall men setten, wanner der ander affgewiest iss ind gedingt uiss dem scheffenstvil
arch. gesch. Ndrhein 1,84 L. b
im älteren nd. und preuß. sich durch verhandlung freien abzug verschaffen: 1301/19 wold er
(herzog) si genædiclich/ von der veste lâzen dingen Ottokar
öst. reimchr. 30576 MGH. u1462 die gesellenn .. dingeten sich von danne
script. rer. pruss. 4,140. 3
fachsprachlich im bergbau im gedinge, d. h. im akkord arbeiten; einwertiges tätigkeitsverb mit adverbialbestimmung: 1521 so .. in fuͤndigen oder vnfuͤndigen zechen zu dingen fuͤrgenomen wirdt
samml. baier. bergrecht 168b L. 1548 wo aber auf gewin und verlust gedinget wirdt
ebd. 261b. 1719
DRW 2,961. 4
jmdm. etwas leihen, verkaufen u. ä.; dreiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt und dativ- oder präpositionalobjekt: 1293 swer di sint, di si
(brandstifter) behaltent, oder di in pfenning dingen, di in potschaft werbent ..
corp. altdt. originalurk. 3,120 W. 1485 dieselben vaß, die alhie also an die eich
(eichamt) gedingt werden
nördlinger stadtrechte 487 M. –
jmdm. eine arbeit übertragen: 1346 swer den andern anspricht umb schaden, den er genomen hat an zimmer oder an paw, daz er an in gedingt hab umb lon
samml. hist. schr. 4,417 F. 5
bestimmte arbeits- oder dienstleistungen in anspruch nehmen; dreiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: E14.jh.
(er) bricht .. sine husunge neder und dinget eyn ander hucz uf di hofestat Rothe
rechtsb. 190 R. 1484 dingt ain man kaufmanschaft uber lant und das sich der fuerman der selben kaufmanschaft auf seinen wagen unterwunden hat, ..
öst. weist. 9,784. besonders sich oder jmdn. in kost und logis geben, auf einem fahrzeug einmieten zwecks beförderung: u1456 mein herr .. dinget mich in die kost zu ainem biderben man
(Augsb.) chr. dt. städte 5,123. 1697 weil der postilion nicht viel personen geladen hatte, so dingete ich mich auff dieselbe
(postkutsche) Reuter
Schelmuffsky 293 TND. 1799 sie hatte die idee, daß sie sich .. bey euch auf eine zeitlang in kost dingen wollte
in: C. Schlegel
br. 1,248 W. im obd. und rhein. vieh auf einen fremden weideplatz geben: 1695 ein khu darauf
(weideplatz) zu dingen
rechtsqu. Bern II 1,2,141. 1761 vych und khüe in diese landschaft abzunemen und zu dingen
ebd. II 1,2,185. vgl. schweiz. id. 13,553. rhein. wb. 1 1366. D
um etwas handeln. 1
feilschen, einen preis herunterhandeln; einwertiges tätigkeitsverb mit fakultativer adverbialbestimmung: u1187/9 sus wart er
(fisch) ûf einen tisch/ vür die herren geleit./ ../ dâ wart ein kurzez dingen Hartmann
Gregorius 3288 N. u1440 do sal er nicht dingen oder die lude ubernemen
frankf. amtsurk. 65 B. v1661 er dingt und marckt nicht viel, sondern gibt was man fordert Schupp
lehrreiche schr. (1684)1259. 1810 meine herren, dingen sie doch nicht so gewaltig, die theologie ist ohnedies wohlfeil genug Jahn
w. 1,222 E. im 20. jh. ungewöhnlich: 1949 kaum je gab es ein dingen und feilschen Th. Mann
ges. w. [1960] 11,282. 2
durch handeln etwas erlangen, erreichen wollen; zweiwertiges tätigkeitsverb mit objekt. a
mit akkusativ-, genitivobjekt oder objektsatz; auch refl. verwendet. bedingungen stellen, sich etwas ausbedingen: n1231 sô wil ich dingen/ daz du mich habst für einen got Reinbot
3509 K. 1466 so dinge ich mir ganczen und vollen gewalt, .. sein einteyl wider czu verendern
(testament) (Nürnb.) chr. dt. städte 1,208. 1763 wird daher dergleichen schaden
(durch insekten) nicht selten bey pachtung der holländereyen .. von denen pächtern mit deutlichen clauseln frey gedungen
allg. forstmagazin 2,154 S. b
mit präpositionalobjekt (um etwas);
um etwas handeln, jmdm. etwas abhandeln wollen: v1300 dû .. dingest mit im
(gläubiger) umbe sîn eigen guot Berthold v. Regensburg
2,39 P./S. 1650 diß häufflin sandt
(der mensch),/ vmb welches eitelkeit vnd tandt/ vnd fluch vnd laster dingen Gryphius
in: kirchenlied 1,386a F./T. 1783 als du .. in den schlingen/ des todes lagst – ließ ich dich um dein leben dingen? Gotter
ged. (1787)2,471. 1863 er mußte .. mit seinem .. jugendfreund .. um den sündenlohn markten und dingen Hebbel
II 4,259 W. H. Albrand