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bier

mhd. bis spez. · 26 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
32 in 26 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
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78

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

bier n.

Bd. 1, Sp. 1821
bier, n. cervisia, ein wort recht gemacht, um unterschiede der völker und stämme zu lehren. der goth. form, wenn sie überhaupt schon bestand, entrathen wir ganz, dem ahd. pior, bior (Graff 3, 206) entspricht mhd. nhd. nnl. bier, fries. biar, bier, ags. beor, engl. beer, altn. bior. neben ihm gilt aber ein andrer ausdruck ags. ealo (gen. ealeves) und ealoð, engl. ale, alts. alo (aus alofat Hel. 61, 8 zu folgern), altn. öl = alu, dat. ölvi, schw.n. öl, so dasz bei den Hochdeutschen kein alo, bei Schweden und Dänen kein bier erscheint. wichtig ist es aber in England wie im alten norden beide benennungen zusammen anzutreffen, die edda sagt Alvism. 35: öl heitir með mönnom en með âsom bior, öl heiszts bei männern aber bei asen bior, woraus nicht auf bestimmte stämme geschlossen werden darf; Hŷmisqv. 8 läszt sich der riese brûnhvît biörveig auftragen, Völuspâ 43 wird biorsalr, Oegisdr. 18 biorreifr gesagt, öfter aber öl für trinkgelag, ölr, ölteitr, ölreifr für trunken, ölskâl, ölkrâs für becher; in den ags. gedichten steht beorsele Cœdm. 214, 2, beorþegu Andr. 1533, beore druncen Beov. 955, beorhyrde cod. exon. 297, 28, on beore 330, 14, ealu scerven Beov. 1539, ealovæge Beov. 956. 985. 4038, ealogâl Cœdm. 145, 19, ealovose cod. exon. 330, 10. die Angelsachsen müssen schon beide wörter aus dem festen lande mitgebracht und in Scandinavien beide nebeneinander gegolten haben, bis zuletzt beor dort ausstarb. Aus Deutschland verbreitete sich die benennung bière nach Frankreich, birra nach Italien, und franz. cervoise, it. cervogia bestanden daneben fort, in Spanien cerveza allein; das armor. biorc'h, gal. beoir scheinen aus England eingeführt. ealo und öl aber begegnen im litt. alus, lett. allus, est. öllot, finn. olut, lapp. vuol, haben also rings den äuszersten norden eingenommen; das auslautende t in olut vergleicht sich jenem ags. ealoð. zwischen beide, alu und bior, tritt nun bei sämmtlichen Slaven die einstimmige benennung pivo n. und erscheint zugleich im litt. pywas, neben alus, dergestalt, dasz alus mehr den haustrunk, pywas das stärker gebraute getränk bezeichnet, gerade wie auch in England beer für stärker gilt als ale. Diese beiden, pywas und pivo, reihen sich an das gr. πῖνον und alle können die wurzel piti und πίνειν, πιεῖν nicht verleugnen; ihnen auch unser bier unmittelbar beizugesellen, hindern dessen an- und auslaut. ags. bere, goth. baris hordeum, d. i. lat. far, farris oder gr. πυρός waize, haben nichts bei dem wort zu schaffen. man würde wagen, für bior beor bier beer ein goth. bius, nach analogie von dius tior deor tier deer zu vermuten und dadurch aufklärung des dunkeln bausen, buisen potare (sp. 1200) heranzuführen (vgl. bierbause); doch eine solche goth. form müste erst gesichert dastehen. stärkere gründe rathen die verwandtschaft zwischen pivo und bier zu behaupten und gerade zu ihren gunsten den schon sp. 1052 berührten verhalt des lat. bibere zu πιεῖν und piti anzuschlagen. bibere, und nicht anders die romanischen bere bever boire haben B statt des P im skr. pâ, gr. πίνειν, sl. piti, während poculum, potus, potare das P von ποτήριον, πότος bekennen; hier müssen formen verschiedner sprachabstufungen zusammenflieszen. wenn nun schein gewinnt, dasz unser bior, bier gleich jenem bere und boire aus dem lat. infinitiv bibere gebildet wurde, so bestärkt eben sein B diese abkunft am sichtlichsten. stellen, die Ducange 1, 671 unter biberis beibringt, zeigen, dasz man frühe im mittelalter bibere substantivisch oder ein subst. biberis für potio verwandte, z. b. Benedicts regel cap. 35 (Hattemer s. 85) gewährt singulos biberis (biberes) et panem, was Kero durch einluzziu trinchan, gerade mit dem inf. verdeutscht. so konnte leicht seit der näheren berührung der Deutschen mit den Römern schon in den ersten jahrhunderten unsrer zeitrechnung aus bibere ein subst. biber, biver, das sich in bior, bier abschlif, eingeführt werden und sein sonst unerklärbares R wäre das älteste beispiel eines in die deutsche wortform gezogenen infinitivischen R, deren wir später so viel aus dem romanischen holten. die Slaven erzeugten ihr neutrum pivo sprachgemäszer. man vgl. auch in gr. wörterbüchern βρῦτον, κόρμα, κοῦρμι. Was alu und ealu angeht, so wird es gleichfalls, wegen der ähnlichkeit des biers und öls, aus oleo, oleum und oliva herzuleiten und namentlich das in ealeves, ölvi vortretende V aus dem in oliva zu erklären sein; dasz ein goth. alêv oleum bestand, ein ags. ele oleum von ealo cerevisia, ein litt. alèjus oleum von alus verschieden war, verschlägt nichts. in allen diesen wörtern müssen fremde, unsern vorfahren mit der sache von ihren nachbarn zugeführte benennungen anerkannt werden, die sie dann wiederum, in deutschem gepräge, andern nachbarn überlieferten; ein echtdeutscher ausdruck für zubereitetes getränk war goth. leiþus, ahd. lîd poculum, das noch heute im südlichen Deutschland lebt. eine zahllose menge einzelner benennungen und gleichsam eigennamen für die an jedem ort gebrauten bierarten ist späterhin entsprungen, die nicht vom wörterbuch aufzunehmen sind, sondern in die geschichte der besonderen landstriche oder in eine sammlung der sitten und gebräuche des volks gehören, vgl. Garg. 59a.b. Stieler 146. Man unterscheidet altes und neues bier, gutes, starkes, süszes, bitteres, saueres, braunes, rothes und weiszes, helles, klares, dickes, fettes, feisztes und dünnes, halbes, doppeltes; Fischart sagt, ein weinmäszig, wolgebrawet, glitzend, schmutzig, dunkel, dick, kleberig, woldewig, augenblendig bier: und hüet euch vor dem neuen pier. fastn. sp. 313, 4; nu trank ich an einem neuen pier. 756, 25; die frauen lieber helsen dan spinnen, und lieber wein trinken dan saurs bier. 316, 24; rots und auch weiszes bier. Ayrer fastn. sp. 78b; es heiszt bier brauen, bier fassen, füllen, zapfen, schenken, ausbieten; zu bier gehen, beim bier sitzen; es war gut bier, aber der zapfen ist ab; das bier schmeckt gern nach dem fasz; das bier geht ab, verschlägt, cerevisia fugit. Henisch 372; biere, die viel gähren, haben viel hefen; er bietet es aus wie sauer bier. oft werden wein und bier, brot und bier, bier und taback verbunden: bier und wein folgt dem zapfen; so trink ich lieber wein denn pier. fastn. sp. 736, 17; ich gewinn euch pier und prot, davon werden euch die wenglein rot. 617, 10; treue gibt bier und brot, untreu gibt angst und noth; wer sitzt beim bier und kalten wein, der lasz die metz ein metze sein; wie man bei bier und tabak über besiegte sich hebt. Göthe 1, 408. ein starkes bier, ein beizender toback. 12, 49; redensarten: und sie handeln auch so mit blödem, verzagtem gewissen, das mich dünkt, sie wolten, es were das bier wider im fasse, und hetten sie es nicht angefangen, halt ich, sie soltens nu wol lassen anstehen. Luther 3, 338b; ich gleube sicher, were das bier wider im fasse, sie lieszens jetzt wol anstehen. 5, 23a. br. 4, 25; ich spreche aber zu im (dem legaten), sie haben dir dein mutter zum bier geführt, du onmechtiger plauderer, denn damit richtestu nichts aus. 4, 440b; dem bier ist recht geben, wer schade, das ers besser haben solt. 6, 10b; was ein landfarer gewesen und mit dem lotterholz umbgelaufen, da sasz er zuo bier. Eulensp. cap. 66; die stube kalt, das bier warm, das ist ein wirt, dasz gott erbarm; es ist kein man, der nicht gern schlempt, und die schnauzn im bier schwempt. Greg. Wagner com. untreu sein eigen herrn schlecht. 1547. act 2 sc. 1. je toller das bier gebrauet wurde, je besser es mir schmeckte. Simpl. 2, 168; ich meinet, wann du einem in ein bier sehest, du solst es sauer machen. Ayrer proc. 2, 6. s. afterbier, dorfbier, erntebier, hausbier, kindelbier, klebebier, klosterbier, lagerbier, merzbier, mittelbier, nachbier, pechbier, pfingstbier, sommerbier, stadtbier u. s. w. statt jener losen adj. auch zusammengesetzt dünnbier, braunbier, warmbier u. s. w.
7874 Zeichen · 149 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    BIERstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    BIER stn. bier. — wahrscheinlich hängt das wort mit dem goth. baris , dem ags. bere , engl. barley , altn. barr zusammen…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    bier

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ° meybêr , -bier Bier für die Erntearbeiter (= ° stoppelhāne, Cod. trad. Westfal. 6, 214; Steinfurt: Nd. Kbl. 90, 11).

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Bier

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Das Bier , des -es, plur. die -e. 1) Ein aus mehlartigen Samen besonders aus Gersten- oder Weitzenmalz durch die Gährung…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Bier

    Goethe-Wörterbuch

    Bier würziges, stärkendes u anregendes alkohol Getränk Hopfenmehl .. Dieses ist eigentlich das Bitteringrediens des B-es…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Bier

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Bier , ein seit den ältesten Zeiten beliebtes, durch weinige Gährung eines Malzabsuds mit Hopfen gewonnenes Getränk. Die…

  6. modern
    Dialekt
    Bier

    Bayerisches Wörterbuch · +11 Parallelbelege

    Bier Band 2, Spalte 2,900–902

  7. Sprichwörter
    Bier

    Wander (Sprichwörter)

    Bier 1. 'At Bier un a Man an 'at Wat un a Kân. ( Nordfries. ) – Firmenich, III, 3, 4. Das Bier im Manne und der Verstand…

  8. Spezial
    Bier

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Bier n. (-[e]s,-e) bira (bires) f. ▬ ein großes (kleines) Bier bestellen comané na gran (picia) bira; das Bier ist sein …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit bier

884 Bildungen · 649 Erstglied · 233 Zweitglied · 2 Ableitungen

bier‑ als Erstglied (30 von 649)

Bierauto

SHW

Bier-auto Band 1, Spalte 835-836

Bierbank

SHW

Bier-bank Band 1, Spalte 835-836

Bierbauch

SHW

Bier-bauch Band 1, Spalte 835-836

Bierbrauer

SHW

Bier-brauer Band 1, Spalte 835-836

Bierdeckel

SHW

Bier-deckel Band 1, Spalte 835-836

Bierdunst

SHW

Bier-dunst Band 1, Spalte 835-836

Bierfahrer

SHW

Bier-fahrer Band 1, Spalte 835-836

Bierfaß

SHW

Bier-faß Band 1, Spalte 835-836

Bierfilz

SHW

Bier-filz Band 1, Spalte 835-836

Bierfuhre

SHW

Bier-fuhre Band 1, Spalte 835-836

Bierfurz

SHW

Bier-furz Band 1, Spalte 835-836

Biergarten

SHW

Bier-garten Band 1, Spalte 835-836

Biergaul

SHW

Bier-gaul Band 1, Spalte 835-836

Biergeruch

SHW

Bier-geruch Band 1, Spalte 835-836

Bierglas

SHW

Bier-glas Band 1, Spalte 835-836

Bierhahn

SHW

Bier-hahn Band 1, Spalte 835-836

Bierhalle

SHW

Bier-halle Band 1, Spalte 835-836

Bierhefe

SHW

Bier-hefe Band 1, Spalte 835-836

Bierherz

SHW

Bier-herz Band 1, Spalte 837-838

Bierhobel

SHW

Bier-hobel Band 1, Spalte 837-838

Bierjunge

SHW

Bier-junge Band 1, Spalte 837-838

Bierkeller

SHW

Bier-keller Band 1, Spalte 837-838

Bierknecht

SHW

Bier-knecht Band 1, Spalte 837-838

bier als Zweitglied (30 von 233)

Bockbier

RDWB1

Bockbier n (Lakune) крепкое мартовское пиво

Abschneidbier

DRW

Abschneidbier Erntebier SchwäbWB. VI Nachtr. 1494 Faksimile

afterbier

DWB

after·bier

afterbier , n. kofent oder nachbier, sonst auch halbbier genannt, schon in dem mhd. gedichte Rüdigers des Hunthofers von dem schlegel 416 br…

alantbier

DWB

alant·bier

alantbier , n. mit alant versetztes bier: bier, alat und lautertrank. Wickram rollw. 98 .

Amtsbier

Campe

amts·bier

† Das Amtsbier , des — s, o. Mz. dasjenige Bier, welches manche Beamte als einen Theil ihrer Besoldung erhalten, oder welches sie ohne Abgab…

Awtbier

MeckWBN

Wossidia Awtbier n. wie Backbeerenbier Gü Güstrow@Wokrent Wokr .

Backawtbier

MeckWBN

Wossidia Backawtbier n. wie Backbeerenbier Sta Stargard@Neuendorf Neuend .

balbier

DWB

bal·bier

balbier , m. tonsor, für barbier, nach einem häufigen wechsel zwischen r und l, auch oft mit übergang des b in w, balwier, balwierer, wie z.…

barbier

DWB

bar·bier

barbier , tonsor, bartscherer, bartputzer, balbier, was man sehe.

Bauerbier

Adelung

bauer·bier

Das Bauerbier , des -es, plur. inus. in einigen Niedersächsischen Gegenden, dasjenige Bier, welches ein neuer Wirth den Bauern seines Dorfes…

berbier

KöblerAfries

ber·bier

berbier , M. nhd. Barbier ne. barber (M.) I.: Lw. afrz. barbier E.: s. afrz. barbier, M., Barbier; vgl. lat. barba, F., Bart; vgl. idg. *bʰa…

Bire(n)bier

Idiotikon

Bire(n)bier Band 4, Spalte 1505 Bire(n)bier 4,1505 o.

Bockbier

Pfeifer_etym

bock·bier

Bockbier n. ein Starkbier, dessen Bezeichnung von der niedersächsischen Stadt Einbeck, früher Eimbeck, herzuleiten ist und zunächst Eimbecki…

Brobier

Idiotikon

Brobier Band 5, Spalte 304 Brobier 5,304

brömmelbier

DWB

brömmelbier , n. eine strafe, die ehmals unverheiratete meister dem handwerk zu entrichten hatten.

Buttelbier

Adelung

buttel·bier

* Das Buttelbier , des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, in den gemeinen Sprecharten, Bouteillen-Bier, aus welchem Worte es auch zusamme…

Ableitungen von bier (2 von 2)

Biere

Meyers

Biere , Dorf im preuß. Regbez. Magdeburg, Kreis Kalbe a. S., hat eine evang. Kirche, eine Zuckerfabrik, Braunkohlenbergbau und (1900) 2532 E…

Gebiere

Wander

Gebiere Eyn fruntlich gebiere 1 sonder gunst ist zwar eyn arth von Judas kunst. – Weinsberg, 37. 1 ) Gebaren, Haltung, Schein.