ankommen ,
advenire, supervenire, incedere, invadere, aggredi, nnl. aankomen.
der begrif kommen,
seiner natur nach intransitiv, kann erst durch ihm verknüpfte partikeln transitiv werden, wie auszer ankommen bekommen, überkommen,
lat. supervenire
lehren. 11)
ganz intransitiv bleibt auch ankommen
wenn es kommen an einen ort,
franz. arriver
ausdrückt, in welchem fall unsere ältere sprache auch einfaches kommen,
nicht ankommen
verwendet: wir kamen an zu Tyro,
venimus Tyrum. apost. gesch. 21, 3; auf welchen tag eben der herzog von Frankrepas, der fürst zu Erquicklingen starkbeleitet ankamen. Fischart
Garg 133
a; die zeit war komen
an. Fleming 53; der wagen, das schif ist eben angekommen; wir kamen zu pferde an; ihr sollt alle gesund und glücklich ankommen; das erwartete buch kam gestern nicht
an. 22)
gleich intransitiv ist weiter die häufige unpersönliche redensart: es kommt darauf an,
es läuft darauf hinaus, in eo vertitur; es kommt so genau nicht darauf an; es kommt viel darauf an,
multum interest; es kommt auf leib und leben an; es käme auf den versuch an; es kommt nur auf deinen willen, entschlusz, befehl an,
in te situm est; es kommt alles auf den guten willen an,
liegt daran; es kommt nur auf wenige tage an, so sind wir neu und besser als jemals gekleidet. Göthe 14, 220; es käme darauf an, ob wir nicht diese leute auf dem schlosz spielen lieszen. 18, 238; eigentlich kommt alles auf die gesinnungen an, wo diese sind, treten auch die gedanken hervor, und nachdem sie sind, sind auch die gedanken. 23, 284; ich wills drauf ankommen lassen.
dazu kann auch ein persönlicher dat. treten: es kommt mir darauf an, es musz uns viel darauf ankommen,
mea, nostra interest; auf ein paar hundert thaler kommts ihm dabei gar nicht an; es kommt mir mehr auf gute behandlung als auf groszen lohn an,
sagt die neue dienstmagd; am ende kommt mirs auch auf einen kus nicht
an. Wieland 10, 175. 33)
anderemal scheint ein zwar unausgedrückter acc. in gedanken zu ergänzen, also dem an
praepositionskraft beizumessen: ihr habt gut reden, ihr! kommt an! was gebt ihr mir? so tret ich meine stell euch ab. Lessing 2, 209; er kann ja allenfalls den schwager auch nur fragen, welches diese gründe sind. denn komm an, scheckchen! sage du selbst. 10, 212; komm an! komm an!
Z. nieder mit ihnen! nieder! Schiller 505.
in solchem komm an!
liegt doch mehr als bloszes komm,
etwa die ausforderung, lockung, heran, an mich, an uns zu kommen
und einen angrif zu wagen. komm an scheck!
lockt einen gaul heran. es heiszt auch in diesem sinn: er soll nur ankommen, laszt ihn einmal ankommen! da ist nicht anzukommen =
beizukommen, an den, an das ist nicht zu gelangen. da bin ich übel (
oder ironisch, schön) angekommen,
an das bin ich übel gerathen: konnte ich nicht umhin den vorfall einem manne zu erzählen, aber wie kam ich an! er sagte das sei sehr übel gewesen. Göthe 16, 50. schau, ob du kommest an (
dazu gelangest) ein essen fisch zu han. Ayrer 54
b; so wie ihr mich hier seht, habe ich etliche jahr, weil ich nicht anders ankommen (
an keine andere stelle gelangen) konnte, als hund dienen müssen. Tieck 10, 189; er ist endlich gut angekommen (
untergebracht, angestellt worden). ankommen
für das heutige auskommen,
ausreichen scheint in folgender stelle gebraucht: dasz arme gesellen in dieser schweren zeit mit solcher besoldung, wie zu Braunschweig, nicht mögen ankommen. Luthers
br. 4, 205.
engl. come on,
fortkommen. 44)
deutlicher wird diese fügung, wenn, wie häufig geschieht, der acc. ausgedrückt ist. goth. aggilus fraujins anaqam ins,
supervenit eos. Luc. 2, 9
d. i. qam ana ins,
venit super eos, und so erlangt anaqman
transitivbedeutung, des herrn engel kam, trat an sie, überkam sie. beispiele des ahd. anaqueman
hat Graff 4, 666: der tôd chome die ana,
mors veniat super illos, d. i. superet, obruat illos. wie mich ein glück söt kumen
an. fastn. sp. 823, 30; und erwürgeten alles, was sie sonst ankamen. 2
Macc. 10, 17; wo ir solche ausgelaufene mönche in weltlichen kleidern .. bei euch oder in euern gerichten ankomen und befinden würdet. Luther 2, 73
b; wenn mich ein mörder auf der straszen ankeme (
auf mich stiesze). 6, 14
a; ich jag noch (gemsen) als geren als all mein lebtag, wo ich sie newr ankomen mag.
Teuerd. 55, 10,
wo ich nur an sie kommen kann; die allerbesten und stärksten wein, so er ankommen mocht. Wickram
rollw. 76
b; die von Nürnberg zohen hinder Onspach, verbrenten was sie ankamen. Frank
chron. 208
b; so si zuo etlicher zeit kein wild mögen ankummen.
weltb. 13
b; was si im sig ankämen, das gelobten si Marti, dem kriegsgott. 66
a; füren hinweg was si ankummen und übermögen, bede mann und frawen. 213
a; ire speis ist blut, wo sie solches ankommen mö
gen. Forer
fischb. 198
a; sie schlugen zu tod was sie ankamen.
Pontus 41; sie brandschatzten alles was sie ankamen.
Garg. 201
b; nam was sie ankam. 194
a; stelen und rauben was die ankamen. 228
a; die spinn und die podagram kamen einander wider an (
trafen einander). B. Waldis 2, 31; und wo du jemand kommest an, so führ sie gfangen in den berg. Ayrer 207
a.
doch in diesem sinne des antreffens veraltet später transitives ankommen
und wir drücken es heute lieber praepositionell aus: das feuer verzehrt alles, woran es kommt
statt was es ankommt,
antrift; ich kann nicht ankommen, daran kommen
statt es ankommen.
hin und wieder erscheint aber ein dat. der person: ich kann ihm nicht ankommen,
beikommen, an ihn kommen; einem grob ankommen,
ihn grob anpacken; ihm setzen beide nach, doch kömmt ihm keiner
an. Hagedorn 2, 131. 55)
dagegen hat sich dasselbe ankommen
in unpersönlicher anwendung erhalten: es kommt mich hart, schwer, sauer an,
müht, belastet mich sehr: und es kam sie hart an über der geburt.
1 Mos. 35, 17; demnach asz er, wie es in ankam.
Garg. 163
a; es komt sie wolfeil
an. 192
b; ein vogel der verschrenket im festen käficht steckt, jemehr begier ihn lenket nach dem, was freiheit heiszt, je härter kommts ihn an, wenn er sein enges haus ganz nicht erbrechen kan. Gryphius 2, 81;
nur dasz spätere den richtigen acc. meistens mit dem dat. der person vertauschen: aber den höflingen kam es schwer an, ihren verdrusz darüber zu verbergen. Wieland 3, 23; so schwer es mich ankommt, mein lieber Agathon. 3, 248; es ist mir auch schwer angekommen, ihn zu verlassen. Schiller 649; das geständnis, welches ihm so schwer ankommt. Kant 3, 341; es mag ihm sauer ankommen. 5, 394.
die dativconstruction ist unlebendiger und unumsetzbar in die praeposition, d. h. es kommt mich hart an
ist gleichviel es kommt hart an mich;
aber für es kommt mir hart an
läszt sich nicht sagen: es kommt hart an mir. 66)
noch häufiger tritt an die stelle des es
der nom. eines substantivs: angst kam die Philister
an. 2 Mos. 15, 14; zittern kam die gewaltigen Moab
an. 15, 15; krümmet sie sich und gebar, denn es kam sie ir wehe
an. 2 Sam. 4, 19; da kam mich furcht und zittern an, und alle mein gebein erschracken.
Hiob 4, 14; schrecken, angst und schmerzen wird sie ankomen.
Es. 13, 8; und es kam in eine furcht
an. Luc. 1, 12; das sie solch jamer und not ankam. Luther 4, 24
a;
so bei flüchen und verwünschungen, ankommen
wie angehn, anstoszen: und sprach, komm dich das falbel an! Alberus 47
a;
s. Köres (
Quirins) marter komm dich an! 91
b; dasz dich
s. Tönges fewr kom an! 161
b; dasz dich die höllische darr ankomm!
Garg. 149
a; und ihn kam ein groszer hunger
an. sch. u. ernst 231; dise henkersbuben kam nit ein schauderlin
an. Garg. 202
b; davon den pfaffen ein grosze forcht ankam. Wickram
rollw. 58
b; als die (
kinder) sie (
die weiber) sauer ankommen.
Garg. 67
b; der du ankamst sehr hart dein mutter (
ihr bei der geburt sauer wurdest). 199
b; dasz sie der sieg sauer genug ankam. Opitz
Arg. 2, 354; einer unter uns, den eine sonderliche andacht ankam.
pers. rosenth. 2, 22; wenn die wollust uns verläszt, kümmt uns dann die andacht
an. Logau 3, 1, 27; ei was mocht dan mich kommen an? Spee
g. t. 35.
auch hier mit allmälich vordringendem dativ: als ihr der durst ankam.
Lokman 27; erstlich kompt mir an eine lust also zu fragen. Spee 341; dasz ihnen gute worte nicht sauer ankamen. Lohenst.
Arm. 2, 1518; ist dir todesgraun angekommen und rasest du davon? Klopst. 10, 172; das kommt mir sauer
an. Gellert; der greuel kommt ihr
an. Rachel 20; zittern und entsetzen möchte einem ehrlichen kerl ankommen. Lessing 1, 233; so schnell? was kömmt ihm an? was fiel ihm auf? 2, 267; nicht einen augenblick ist mir eine furcht vor der hölle angekommen. Göthe; das lernen kommt ihr sauer
an. Gotter 3, 200; mir kommt ein eigen grauen
an. Schiller 449; ich bett es (
liebchen), kommt ein schlaf ihm an, auf weiches moos und thymian. Bürger 48
a; nun kam ob dem, was er gethan, der reue bitterkeit ihm
an. 94
b.
einige, zumal Wieland,
halten mit recht den acc. fest: wofern ihn etwann eine versuchung dazu ankommen sollte. 3, 67; wenn ihn die lust ankam, sich von seinen sklaven anbeten zu lassen. 8, 144; eine sache zu thun, die ihn aus mangel der gewohnheit sehr hart ankam. 6, 78; wenn ihn die lust zu wandern wieder ankommt. 8, 277; was für eine tollheit kommt dich an? 11, 300; vergebens käm ihn selbst die späte reue
an. 23, 104; es kam mich eine sehr wunderbare empfindung an, da wir so an dem forste hinfuhren. Klinger 1, 36.
vgl. anwandeln. 77) ankommen lassen
ist mehrdeutig: ich lasse es darauf ankommen,
lasse es geschehen, will es abwarten; ich kann es nicht darauf ankommen lassen,
musz mich dagegen vorsehen; ein thor läszt alles auf das glück ankommen; der feind zieht sich zurück, will es nicht auf ein treffen ankommen lassen; ich lasse es auf ihn ankommen,
stelle es ihm anheim; schlimm für den autor und sein werk, wenn er die wirkung derselben auf die divinationsgabe und billigkeit seiner kritiker ankommen liesz. Schiller 760. ich will ihn ankommen lassen,
seinen angrif abwarten. dasz ich ihnen die beherschung über die ganze welt werde ankommen lassen (
verschaffen).
Simplic. 1, 263.