ablegen,
deponere, nnl. afleggen,
gegensatz von anlegen. kleider, gewand, rock, gürtel, hemd, hut, mantel, schwert, waffen, schuhe vom leibe, haupt, von den schultern und füszen ablegen,
sanfter als abziehen,
was sonst in einigen fällen gesagt wurde. legen sie ab!
wird dem eintretenden gesagt; der gleich erfreute himmel sieht mit ergötzung zu dem lustigen getümmel, legt stürm und wolken ab, zeucht gold und purpur
an. Fleming 64;
bei den setzern, den nicht mehr gebrauchten satz ablegen, eine columne ablegen. sich ablegen,
ausziehen. seine natur ablegen,
exuere hominem; er (
der Franzose) legte den Franzosen so weit als möglich ab. Klinger 8, 163. die rosse gaben sie den dienern sie zu warten, und giengen, abgelegt, in einen schönen garten. Werders
Ariost 15, 76, abgelegt,
depositis armis. joch, last, bürde, kette, fessel, sattel von hals, nacken, rücken ablegen: bitten gott, das er das joch der heiden von in aus gnaden ablegen wöll. Frank
weltb. 144
b. das pferd hat die eisen vom huf abgelegt, das unwillige ros seinen reiter abgelegt,
abgeworfen. das weib seine frucht abgelegt,
geboren: ein jeglicher baum hat seine früchte und leget sie zu gewisser zeit ab.
pers. rosenth. 8, 151.
Figürlich das aufliegende, auferlegte verrichten: einen gang oder weg ablegen,
der befohlen, den man zu leisten schuldig war: eh dasz faule schläfer den kopf nach dem wege aufrichten, so haben hurtige gänger ihren weg schon abgeleget.
pers. baumg. 9, 5; nach abgelegter reise oder botschaft, einen grusz ablegen, den feldzug ablegen, nach abgelegter expedition. den besuch ablegen,
welchen man zu erstatten hatte: als sie sich verpflichtet fühlte rings in der nachbarschaft besuch abzulegen. Göthe 17, 229; so wurde kein besuch in der nachbarschaft abgelegt. 17, 245; ich hatte gäste zu empfangen, besuche in der nachbarschaft abzulegen. 21, 202; bei einem besuche in Köln, den ich abzulegen das glück hatte. 39, 357; der besuch, den der ewige jude bei Spinoza abgelegt hatte. 48, 12; ich komme meinen glückwunsch abzulegen. Schiller 365; meinen schuldigen dank.
überhaupt eine schuld (
von sich) ablegen,
zu der man verpflichtet ist, der natur die schuld ablegen (
sterben), der natur solche schuldigkeit abzulegen.
Simplic. 1, 27; der natur ihren tribut ablegen. Opitz 2, 303; der da wolt für uns unsre hauptschuld ablegen. Weckherlin 314; dasz sie die schuld, so ich noch schuldig bin, wo ich sie nit bei leben ablege, auf sich nchmen soll. Luther
br. 5, 423; die überbesserung mit barem geld ablegen.
Frankf. ref. 1, 45, 18; welchem (
kaiser) die Dänen und Polen die lehenspflicht abgeleget. J. E. Schlegel 4, 292; meine gedanken ihre schuldigkeit werden ablegen. Weise
kl. leute 18; zins, kosten und schaden ablegen; rechnung, rechenschaft ablegen; diese göttliche gebot durch Gregorium angezeigt zeucht er mit den haren, das im die schwarten krachen, zu der busze, die der bapst ablegen kan. Luther 1, 49
a. eid, zeugnis und gelübde ablegen, er legte einen theuern eid, die nonne das gelübde ab; das gebet, einen vortrag, eine rede, predigt ablegen,
halten; die erste probe gut ablegen. tugend oder laster, leidenschaften ablegen: er legte alles menschliche gefühl, alle eigenschaften ab, die ihn ausgezeichnet hatten; lege doch einmal diese grille, diese einbildung von dir ab; trauer, sorge, furcht, empfindlichkeit, neid ablegen,
niederlegen; laszt uns ablegen die werke der finsternis.
Röm. 13, 12; so leget ab alle unsauberkeit und bosheit.
Jac. 1, 21.
in solchem sinn drückt es auch ein stärkeres abschaffen, abwerfen, niederwerfen aus: der bapst hab macht, die gelübd gott gethan abzulegen (
verschieden von dem vorigen gelübde ablegen,
abstatten) und wandeln. Luth. 1, 357
a; hat der keiser mit seiner kraft zu der erden abgelegt etlich schlösser geacht unüberwindlich. Frank
chron. 216
a; daʒ sal eines koneges ammetman rehtfertegen unde abe legen.
weisth. 3, 484; (
Deutschland) ist jetzt worden ein gemach, drinnen laster, schand und schmach, was auch sonsten aus man fegt, andre völker abgelegt. Logau 1, 121, 18. Ein kind, einen erben ablegen
heiszt wegen der künftigen erbschaft abfinden, vgl. abschichten.
im bergbau und forstwesen, die arbeiter ablegen,
des dienstes entlassen; 500 pfarrer, giftige papisten abzulegen (
amtes entlassen). Luthers
br. 5, 204; einen ablegen,
ihn zurückweisen: kamen die frauwen, welch im ir garn bracht hetten wol ein jar zuvorn, so legt ers stets mit worten ab. B. Waldis
Esopus 4, 68.
bl. 289
a;
im gartenbau, reiser, pflanzen, nelken ablegen,
sonst auch einlegen, absenken,
zweige davon in die erde biegen, dasz sie wurzel schlagen. Nicht selten bleibt der acc. unausgedrückt, weil ihn der zusammenhang ergibt: er legt sehr ab (
das gesicht, gehör),
wird stumpf; sie hat abgelegt (
entweder ein kind oder figürlich das eisen),
heimlich geboren; er legte nachts im kloster ab (
die bündel),
kehrte ein, (
vgl.ablager.) Werders
Ariost 4, 54 (capitò a una badia),
was dann den schein intransitiver bedeutung annimmt. Beachtung fordern die constructionen mit dem dativ, einem ablegen
bedeutete erstatten, bezahlen, büszen, schuld entrichten: kumt er an ein arzat, den sol er im ablegen, und hat er übrig cost mit sim libe, die sol er im och ablegen.
weisth. 1, 817; und da ich ihm nicht leget ab, vermeint er mich umbzubringen. Ayrer 280
a; alte jungfern, böse jungfern, dieses macht die ungeduld dasz gott ihnen nicht legt abe einen mann, die klare schuld. Logau 2, 100, 5;
aber auch abbruch thun: es gerate mit meinen sprüchen wie es wolle, so viel sie auch dem ablasz ablegen, vermane ich dich doch, dasz du dermaleinst nicht in meine torheit geratest. Luther 1, 104
b;
oder entsagen, versagen: wer den lüsten abelegt, dem kan alles wol gedeien. Logau 1, 77, 11; wem gott wol wil, kan die städte stürmen mit posaunen, wem gott ablegt, kan nichts richten, ob er braucht cartaunen. Logau 2, 176, 96.
Charlotte. und strengen ihr gedächtnis
an. Richard. es ist wol wahr.
Charlotte. da ihnen ihr gedächtnis ohnehin so sehr ablegt. Lessing 2, 527; mein stubennachbar der fleiszige theolog, dem seine augen leider immer mehr ablegten (
versagten). Göthe 25, 165; lies ihn mir vor, liebes kind, du weiszt dasz bei licht meine augen ablegen. Tieck 8, 216; das gesicht legt mir ab (
vergeht, versagt mir); die kräfte legen mir ab,
gleichsam ihren dienst.