weich,
adj. aus der in weichen (
s. d.)
enthaltenen wurzel germ. wiq '
nachgeben'
ist das adj. als a-
stamm mit hochstufe des vocals gebildet wie bleich
zu *blik '
heller schein'
in bleichen, los
zu *lus '
lose sein'
in verlieren Kluge
nomin. stammbild.2 § 172.
die etymologie richtig schon brem. wb. 5 (1771) 221.
dem got. und fries. fehlt die bildung, den übrigen westgerm. sprachen ist sie mit dem nordgerm. gemein: ahd. weih Graff 1, 710,
mhd. weich
mhd. wb. 3, 616; Lexer 3, 736;
asächs. mnd. wêk Schiller-Lübben 5, 656;
mnl. weec Verdam 685;
nnl. week Franck (1912) 781;
ags. mengl. wâc Bosworth-Toller 1147; Stratman 661;
anord. veikr (
von da mengl. waik,
engl. weak) Fritzner 3, 896,
schwed. vek,
dän. veg,
norw. veik Falk-Torp 2 (1911) 1360.
im deutschen ist weich
zu allen zeiten häufig, doch bleibt nach kräftigem anstieg im 16.
jahrh. das 17.
merklich zurück und auf einen neuen, stärkeren anstieg in der classischen zeit bringt erst das 19.
jahrh. die masse der belege, fast ⅔
der gesammtzahl. der überblick über die verbreitung in den mundarten wird dadurch erschwert, dasz die idiotika das wort als selbstverständlich vorhanden vielfach übergehen, z. b. bucht Hentrich
eichsf. 78 mûlwaiΧ,
aber nicht das simplex. bezeugt ist bo(a)ch Schmeller
cimbr. 174; wǫach (bǫach) Bacher
lusern. 232; waəch Schmeller
bair. 2, 833; wâx Heilig
taubergr. § 105; wâiΧ Meisinger
rapp. 224; Lenz
handsch. 52; Martin-Lienhart
els. 2, 782; wâëch Crecelius
oberhess. 900; wêΧ Gerbet
vogtl. § 133, 2; weik Schambach
gött. 292; Bauer-Collitz
wald. 112; wîek Leihener
cronenb. 134; wêk Buchrucker
elberf. 173; Danneil
altmärk. 246; Dähnert
plattd. 543;
brem. wb. 5, 221; Frischbier
preusz. 2, 461; wkh Fischer
saml. 117; wok Siebs
helgol. 304.
im alem. ist weich
nahezu verdrängt Hunziker
aarg. 290,
die bedeutungsentfaltung von (ge)lind
schweiz. id. 3, 1315
f. deckt sein ganzes gebiet. dagegen hat wêk
altes fries. gebiet mit dem vordringen des nd. in allen bed. erobert Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 530.
die formen des adj. bieten keine schwierigkeiten und sind mit dem gesagten erschöpft. attr. und präd. gebrauch halten sich bis mitte des 17.
jahrh. die wage. seitdem hat der attr. gebrauch immer stärker das übergewicht, im 19,
jahrh. ist er etwa dreimal so häufig wie der präd. subst. und adv. gebrauch (
hierfür in älterer zeit neben weich(e)
auch weichlich,
s. d.)
sind, wie die steigerungsformen, seit ahd. zeit belegt (Graff 1, 711),
bleiben aber selten und ohne eigene entwicklung, wie denn die bedeutungsentwicklung durch die grammatischen kategorien nirgends sichtbar bestimmt wird. bedeutung. aus der etymologie folgt als grundbed. '
weichend, nachgiebig'
im gegensatz zu hart, spröd, trocken, stark, fest, männlich: so hatt nit mögen gesein ... waiches on hertes A. v. Eyb
sp. d. sitten (1474) A 1
a; hart und weych gehört zuosamen Franck
sprüchw. (1541) 2, 24
a; ein weich und kein hert noch spör wachs Riederer
sp. d. rhet. (1493)
l 5
b; mit aller holting, wegk, hart und droge, so idt de wind roret Kamptz
die familie v. Kamptz, urk. 40 (1514); sie hatte geweint, und wenn weiche personen dadurch meist an anmuth verlieren, so gewinnen diejenigen dadurch unendlich, die wir gewöhnlich als stark und gefaszt kennen Göthe I 20, 131
Weim.; eine andächtige umarmung verknüpfte den weichen
sohn und den festen greis Jean Paul 6, 14
Hempel; sehnsucht nach den antiken errege der weiche Canova, doch dein männlicher ernst trifft, o Donato, das herz Platen 1, 288
Redlich. die wichtigkeit des adj. im haushalt unserer sprache deutet schon die damit nicht erschöpfte fülle der gegenworte an. es wird um so häufiger gebraucht, als sich keines der synonyma (lind, kraftlos, lasz, maszleidig, mürbe, feucht, zäh, geschmeidig, zärtlich, mild, zart)
vollkommen damit deckt, sondern jedes zur abrundung des begriffs gelegentlich weich
neben sich nehmen musz: lind unde weich reht als ein wachs K. v. Würzburg
Pant. 1992; menschlichem geist, der ... noch waich und kraftlos ist Berth. v. Chiemsee
t. theol. 432; weich und lasz oder maszleidig werden Frisius
dict. (1556) 1139
b; die Sachsen ... bisweilen wenn sie so gar weich und mürbe gemacht ... zugesagt von jhren teuffels diensten ... abzustehen Spangenberg
mansf. chron. (1572) 69
a; kracht es (
das pulver) aber nicht, so ist es weich und feucht Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) Z 5
a;
lentus ... weich, zähe Garth
lex. (1657) 449
b;
doux zart, weich, geschmeidig Chomel
ökon. lex. 3, 446; dieser sklave scheint auszerordentlich weich und zärtlich Lenz
sic. vesper 23
Weinhold; der öffentliche (
charakter) starr, unbeugsam, schroff, der privatcharakter milde, weich Jhering
geist d. röm. rechts 2 i 206; weich und zart lag es (
das tüchlein) in seiner festen, braunen hand Zahn
die da kommen und gehen (1909) 135. II.
sinnlicher gebrauch wiegt zu allen zeiten vor. I@AA.
die eigenschaft weich
wird in der masse der fälle durch den tastsinn festgestellt. gelegentlich wird das ausdrücklich gesagt: fluxi sunt, tactu prope carnulenter sie sind weich anzugreifen Kirsch
cornucop. (1739)
s. v. carnulentus; ist ... manches so lieblich nicht anzusehen, und so weich und fleischicht nicht anzufühlen Hippel
ehe (1792) 149.
die drei dimensionen im reiche des tastsinns treten bei Comenius
gut hervor: ob etwas warm oder kalt sey, wirstu mit anrühren, ob es nasz oder trocken, mit greiffen, ob es hart oder weich, mit zusammendrucken ... erfahren
janua aurea (1643)
nr. 321.
organ des tastsinns ist die haut, wobei es sprachlich ohne belang ist, dasz thatsächlich jede empfindung im centralorgan wahrgenommen und erst von diesem aus wider localisiert wird. bei ihrer wechselnden innervation ist die auszenhaut mit ihren verschiedenen stellen an den tastempfindungen sehr ungleich betheiligt und das macht sich im wortgebrauch von weich
stark geltend. I@A@11)
am feinsten tastet die zunge, sie stellt unter mitwirkung des gaumens die eigenschaft der weichheit an speisen fest: do bleib im neiswas in dem munde als ein vil kleines weiches knölleli Suso 50
Bihlmeyer; ich mus mich weicher speise fleiszen Eyering
prov. 3, 59; die weecken kese gern yt Schueren
teuth. 172
Verdam; schüttet die äpfel hinein, lasset sie ein wenig weich sieden Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 155
a; es sy waz brotz daz ist, es sy weiche oder herte
Straszb. zunftordn. 87
Brucker; das weich vom brod, die brosam Pomey
indiculus 134; einem jungen kinde ... mus (
man) weyche waysene müser einstreichen Agricola
musica instr. 2; eins dages ich zu gaste was, da man frisch waiche ayer as Sachs
fab. 1, 226
neudr.; weych gesotten eyer Frischlin
nomencl. 173
a; weiche, weichgekochte eier Schwan
n. dict. 3 (1787) 1018
a; ihr fleisch aber weich und lind zu machen, paitzen sie solchs in dem wasser der bittern mandeln Stranitzky
ollap. 173
neudr.; graue haare, wegschleichen der zähne und lob der zeiten, wo das fleisch noch weicher gekocht wurde Lichtenberg
verm. schriften 2, 448; (
der geschmack) richtet sich nach denen speisen, an die er gewöhnet wird, und er wird weich und schwach, oder hart und stark, nachdem es dieselben sind
discourse der mahlern 2, 140.
übertragungen, die von hier ausgehen, bleiben stets in der sinnlichen welt: weiche speisen, welche leicht zu verdauen sind Adelung 4, 1443; ein streich macht den stockfisch nicht weich Eyering
prov. 1 (1601) 662; 'n harten kerl up'n weken kese Kern
u. Wilms
Ostfriesl. 87;
aus der Eifel: hat man einem die wahrheit gesagt, so heiszt es ... dem han ich ken weech eier geschelt
rhein. geschichtsbl. 6, 39; wenn sie (
die muttersöhne) dann in fremdes land geführt werden ... da sind sie wie weiche eier, die durch die finger flieszen Freytag 20, 58. I@A@22)
wichtigster träger des tastsinns, fast so fein wie die zunge und weit beweglicher, ist die hand. dasz mit ihrer hilfe die eigenschaft weich
festgestellt wird, findet sich wider gern ausgesprochen: gieb mir die hand — wie weich! wie warm! Ramler
lyr. ged. (1772) 299. I@A@2@aa)
mit der hand wird weich
befunden vor allem organische substanz. I@A@2@a@aα)
zunächst der menschenleib und seine theile, die beiden kategorien nicht immer sicher zu trennen: (
der abt) nicht auf ir weiches leiblein steyge, sunder sy auf den seinen Arigo
dec. 38
Keller; macht er ein pantzerfleck auf die hirszhäutin arszbacken, meint das hertz steck daselbs, da der leib am weichsten, dicksten und geschwollensten ... wer
Garg. 400
neudr. seit K. v. Würzburg
troj. 19998
Keller gern von der haut als ganzem: een week fell '
eine zarte haut' Dähnert
plattd. 543.
wo hände und finger weich
genannt werden, wird seit Gottfried
Tristan v. 3549
zugleich an das unter der haut liegende fett- und muskelpolster gedacht: ein seit die man berürt mit negeln, wird heller gespürt dann eine mit fingern weich Agricola
mus. instr. 204; sie seufzt, und reicht zum unterpfand die weisze, weiche, warme hand Hagedorn
poet. werke 2, 149; nie hat dich, du rauhe rechte, weiche frauenhand gedrückt Uhland 1, 186
Schmidt; eine hand weich wie welkende malvenblätter Keyserling
Beate (1903) 116.
während hier die weiche hand
zum traditionellen lob der frauenschönheit gehört, wird sie beim mann zum vorwurf: er prangte mit seinen — weichen händen Moscherosch
ges. 1, 148; ganzen ständen ward es schon zum fluch, dasz das volk an den weichen, reinen händen der berufsgenossen solche schwielen nicht entdecken konnte Riehl
d. arbeit 214.
leib und bauch heiszen weich
in doppeltem sinn: sô in ein mensch iʒt, sô macht er im den leib vertig und waich K. v. Megenberg 349
Pfeiffer, und daran anschlieszend ein glimpfname für leichten durchfall: laxus waych in dem bauch Brack (1483)
a 7
a; ein weicher, der den durchlauff ein wenig hat Frisius
dict. (1556) 79
a.
anderseits ist der bauch als ungeschützte körpergegend vom sprichwort verwerthet: nachpar nostri habent etiam weiche beuch et eque zu wagen Luther 25, 452
Weim.; der bauch ist jhm so weich als mir Bas. Faber
thes. (1587) 228
a,
daran angelehnt: er hett gleich so ein weichen halsz, als graff Albrecht Franck
chron. (1538) 85
a.
aus weycke rybbe Schueren
teuth. 316
Verdam; hypochondria das weich der seiten Frischlin
nomencl. 73
b ist das subst. die weiche
entwickelt, s. d. weich
von menschenhaar ist stets anerkennung: Cheruska, fass mich wohl, du heimat jener locken, wie gold so hell und weich wie seide H. v. Kleist 2, 410; seinen goldnen abendschein gosz er (
der frühling) dir aufs weiche haar Lenau 72
Barthel; dein weich haar so dicht und so weich B. v. Arnim
Brentanos frühl. 47.
seltener heiszen tastbare organe unter der körperoberfläche weich: sich racte sîner aderen zuht von grôʒeme zorne der in twanc: si wurden weich unde slanc von der hitze manichvalt
passional 274, 22
Hahn; die weichen glieder wurden fest und eisern Strachwitz
ged. XIII; wenn ihre rippen weich geworden sind Glassbrenner
Berlin 1, 8.
tieferliegendes wird nur bei anatomen oder von naturwissenschaftlichem interesse aus benannt: die nervi so do gon von dem vorderen teyl des hirns, die seint die weichesten und besten Gersdorff
feldb. d. wundarznei 2, 1
a; wan ... verwundt würdt die weyche muoter, das ist die nechste haut an dem hirn, die in latein würt genant pia mater Braunschweig
chir. 3
a; die weichen därm, durch welche die speysz falt Frisius
dict. (1556) 749
b; der pulsz ist weich, klein, grob und unordenlich Ruoff
hebammenb. 194; (
das knochengerüst) steht mit allen übrigen theilen, den halbharten und weichen, in verbindung Göthe II 8, 33
Weim.; das blut wird ungehemmt ... durch die weichen kanäle flieszen Schiller 1, 159; weiches gehirnmark 2, 140; weicher gaumen Sömmering
bau d. körpers 5, 22; weiche gaumendecke Pierer
realwb. 8 (1829) 643. I@A@2@a@bβ)
vom thierleib wird weich
seltener und minder mannigfach gebraucht: ein weicher wurm zernaget ein hart holz Franck
sprüchw. 1 (1541) 130
a; fisch ... so man die weychen oder zarten nennet Eppendorf
Plinius 9, 116; (
die elefanten haben) ein harte haut uff dem rucken, und weyche beüch 8, 47; zerreyszt er im den bauch, da das pfärd am weichsten ist Gesner
thierb. (1563) 16; sein Hinz, der liebling junger katzen, so glatt von fell, so weich von tatzen Hagedorn
poet. werke 2, 121.
reich entwickelt ist der gebrauch von haar, haut und federkleid der thiere: wie weiche har hat das ketzlein Luther 2, 120
Weim.; wann alle thier, welche weiche haar haben, verzagt ... seyn Harsdörffer
frauenz.-gespr. 1, G 6
b; hasenfelle ... deren haar hier weichgebeizt wurde Moritz
A. Reiser 62
neudr.; wilde ochsen ... mit dem weichsten seidenhaar Ritter
erdkunde 2, 179; händtschuoh, ausz waichem corduwan leder gemacht Frey
gartenges. 9
Bolte; linde und weiche fell, zart leder Calepinus XI
ling. 74
a; die weiche brust der schwanen Spee
trutzn. 5.
ein bes. fall ist zum sprichwort entwickelt: jung vögel haben weych schnebel Franck
sprüchw. 1 (1545) 81
b,
und so noch Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 301. I@A@2@a@gγ)
von pflanzlicher substanz wird alt allein das holz weich
genannt, zunächst in freiem gebrauch: des paums stam ist sänft und waich K. v. Megenberg 328
Pfeiffer; iclicher merker mag einen weichen busch uszroden Grimm
rechtsalt.4 1, 128 (
Wetterau 1385); nach den waychen rtlin Salomonis die bluotigen scorpion Roboams U. Regius
leibeigensch. C 4
a; der jungen weichen schosz von wachholderstauden Gäbelkover
arzneib. 2, 31; man flochte auch wohl von denen weichen wurtzeln der bäume schilde Fleming
vollk. t. soldat vorb. 3 § 4; ihre glieder waren, wie wenn über einen weichen jungen wald leichter wind hinrauscht Frenssen
Hilligenlei 237.
vom jungen baumstamm her bildlich: des meydlein weiche alter Arigo
dec. 38
Keller; bist ein jünglich, noch weich an jahren Sachs 15, 46
Keller; Boyen stand in dem weichsten, eindrucksfähigsten lebensalter Meinecke
Boyen 1, 32.
in gewerblicher sprache ist der gegensatz von weichen
und harten hölzern
fest geworden: das so genannte weiche holz, als fichten, tannen, kiefern Darjes
cameralwiss. (1756) 596; week holt: darunter verstehet man ellern, birken, haseln Dähnert
plattd. 543; sodann überlegen, ob man sie (
die thür) von weichem oder hartem holz mache Göthe IV 34, 225
Weim.; die harten holzarten sind fester und dichter und haben daher ein gröszeres spezifisches gewicht als die weichen, indem ihre fasern näher an einander liegen Prechtl
techn. enz. 3 (1831) 87; das gewicht der kohlen bei gleichem umfange ist verschieden, je nachdem sie aus harten oder weichen holzarten gewonnen werden, daher man sie auch in harte oder weiche kohlen eintheilt 94; ein stuhl aus weichem holz Hauptmann
biberpelz 5,
oder verkürzt: ein weicher, unangestrichener tisch Stifter 5 i 75.
widerum bildlich: bedenkt, ihr habet weiches holz zu spalten Göthe i 14, 12
Weim. sonst von pflanzlicher substanz jung und vereinzelt, nur bei dichtern und gelehrten: für mich trägt dieser baum so weiche süsze blätter Ramler
fabellese 1, 256; mit weichern kränzen zieret uns dichtern Apollo das haar Herder 27, 32; weiche samenbehälter Göthe II 6, 67
Weim.; weiche cassia ... weiches basilienkraut (blätter weichhaarig) Dietrich 2, 619. 6, 398; eine kartoffel in die erde gelegt wird weich Stöckhardt
chemische feldpredigten 1, 5. I@A@2@bb)
anorganische masse heiszt weich, I@A@2@b@aα)
wenn sie in ihrer art durch lockere structur auffällt: darzuo hett der regen die ... riemen, damit die geschosz und spiesz gebunden waren, weych gemacht Carbach
Livius (1551) 369
b.
gewerbe und wissenschaft verwenden das wort gern, sobald eine härtere unterart des gleichen stoffs im bewusztsein lebt: das sy ain fuoder waichs salz geben süllen und mügen üm siben pfenning Wienner Lori
bair. bergrecht 16 XIX; weiche seide ... wird die durch das kochen ... von ihrem gummösen wesen befreyete rohe seide genannt Jacobsson
techn. wb. 4 (1784) 621; dafür lindi
und rûchi sîde
schweiz. id. 3, 1316; es tritt daher hier zunächst der unterschied in der herstellung harter ... und weicher kammgarne für thibet, merino, musselin
etc. aus feineren und gekräuselten wollen auf Prechtl
techn. enz. 23, 610; weich getraid oder weich korn, ist
avena, im gegensatz hart getraid,
triticum, siligo, hordeum Frisch 2, 430
c; weiche seife Jacobsson 8, 166
b; weichen, in lange fäden ziehbaren schwefel Liebig
chem. br. 132; lange bevor das ächte chinesische porzellan in Europa erzeugt werden konnte, hat man eine gattung feiner thonwaare ... fabriziert, das man als surrogat des ächten porzellans betrachtete und darum auch weiches porzellan nannte Prechtl 18, 416.
so können selbst metalle weich
genannt werden, blei
von H. v. Türlin
krone 13601
bis jetzt: blei ist als münzstoff zu weich Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 35,
namentlich im bilde: weich alsô daʒ blî und geslaht Rothe
rittersp. 100
Bartsch, die andern später und seltener: weich gold, das sich gern biegen laszt Frisius
dict. (1556) 145
b; (
dagegen weiches '
das gold' Puchmayer
gramm. d. zigeunerspr. 1821
ist verderbnis aus steiches Kluge
rotwelsch 1, 354); wolt auch wohl an die orth kommen seyn, da das weich geld und cronen wohlfeil waren G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 55
Bieling; jetzt, gesellen, frisch! prüft mir das gemisch, ob das spröde mit dem weichen sich vereint zum guten zeichen Schiller
glocke v. 86; die so genannte weiche bronze, woraus zuweilen bildsäulen gegossen werden, ist reines, oder mit zinn ... legiertes blei Prechtl 3, 156; der stahl ... ist im natürlichen zustande (nach dem glühen langsam erkaltet) fast so weich als schmiedeisen 5, 9; weiches silber, eine art schlaglothes, aus 8/9 probesilber und 1/9 zink Liechtenstern
sachwb. 10, 290.
von geschmolzenem metall: weiche schlacken (hüttenwerk) flüszige schlacken von der bleiarbeit Jacobsson 4, 621
a; (
das sprichwort) heist das eysen schmieden fein, dieweils noch heisz und weich thut sein Eyering
prov. 1, 17; auch stahl wird weich gemacht Lohenstein
Ibrahim 10, 189; trieb dann die nägel, welche es (
das hufeisen) in seiner weichen dehnbarkeit noch immer leicht hindurchliesz, an ihre plätze Immermann 1, 123.
bildlich: dieser jüngere sohn Friedrich Wilhelms I. war von weicherem und zerbrechlicherem metall, als die übrigen spröszlinge Häusser
d. gesch. 1, 255.
hyperbolisch: eure glänzend zarten blicke machen stahl und eisen weich Arnim 21, 139.
stein wird weich
genannt seit dem 17.
jahrh.: weicher stein
lapis tractabilis Stieler 2471; marmor
med. maulaffe 9; kalkstein Göthe III 2, 191
Weim.; seifenstein G. Forster 2, 297; schleifstein Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 194; tuff Moltke 1, 176; kreide W. Müller
ged. 274
Hatfield; G. Keller 1, 60; alabaster 1, 224,
doch bleibt der innere widerspruch bewuszt: als er nun hieb, gab der stein nach, als ob er ganz weich wäre Grimm
sagen 1, 106. I@A@2@b@bβ)
wenn sie knetbar ist. gleich beim frühesten auftreten dieses gebrauchs, vom schleim H. v. Neustadt
gottes zuk. 2538,
mit dem nebensinn des ekelhaften, und so seit 1414 (Diefenbach
gloss. 330
c)
ganz gewöhnlich vom koth: foria siecher oder weicher koth Frischlin
nomencl. 75
a; wenn ihr sie (
die nesseln) auf stroh leget, so werden sie weich als dreck Hertzog
schiltwache B
b,
darum in euphemismen geradezu für diesen: ich glaub, dasz einer under euch mit einem fusz hie stand zu weich Fischart
Eulensp. 6096
Hauffen; weiche materie Weise
erzn. 51
neudr.; mit der nase ins weiche gefallen Lessing 1, 357.
noch häufiger: ein weiches wachs
erste d. bibel 7, 42
Kurrelmeyer; in weich wachsz kan man drucken was man wil Lehman
floril. 1, 147,
am liebsten im bilde: da ward das eysen weich als ein wachs
heiligenleben, sommerth. 48
b,
das oft in seelisches übergreift: unsern gott fur eyn weych wachs haben Luther 12, 240
Weim.; ihre entschlüsse sind weich wie wachs Bauernfeld 1, 32.
verwandte vergleiche: wenn er wie weiches schmeer zur sommerzeit besteht Reinhold
reime dich a 5; so wêk as bott'r Danneil
altm. 246; wîsz sin si (
die meerschaumpfeifen) wie chlabaster und weich wie anke Hebel 1, 3
Behaghel. spärlicher und jünger ist weich '
knetbar'
in freiem gebrauch: ein töpfer, der den weichen thon mit mühe erbeitet
weish. 15, 7;
entspr. Herder 13, 30; Göthe I 23, 251
Weim.; salb Alberus
dict. 13
b; bech Herr
feldbau 191
a; pflaster Ludwig (1716) 2420; masse Oken
naturgesch. 1, 143; teig Grimm
Michelangelo 1, 131. I@A@2@cc)
hier grenzt weich
an ausgesprochener technische nachbarbegriffe und wird durch sie eingeschränkt. I@A@2@c@aα)
körper die auf druck nachgeben, aber danach in ihre lage zurückkehren, heiszen seit anfang des 18.
jahrh. elastisch,
vorher wird der begriff durch weich
mit gedeckt: dies steht für lat. lentum K. v. Megenberg 328, 24
Pfeiffer, vitilis Frisius
dict. (1556) 1392
a; Dentzler (1697) 2, 345
a,
die grenze zieht Liechtenstern
sachwb. 10, 290: weich ist nicht nur dem harten dadurch, dasz es dem eindrucke, ohne doch nothwendig den zusammenhang zu verlieren, leicht nachgiebt, sondern auch dem elastischen dadurch entgegengesetzt, dasz es die spur des eindrucks behält.
elastische körper, die nur in einer dimension entwickelt sind und mhd. (
selten) biegelich,
etwa seit Stielers
zeiten biegsam
heiszen, werden in älterer sprache gleichfalls weich
genannt: weiche ding sein gutt zu piegen A. v. Eyb
d. schr. 1, 10. porös
ist nicht vor 1716
zu belegen, vorher: voll löcheren, lucke, weich wie schwümm Frisius
dict. (1556) 1117
a. I@A@2@c@bβ)
flüssigem kommt die bez. weich
nur zu, wo der gegensatz des festen bewuszt ist. so übersetzt die erste d. bibel libamina
der vulgata: die waichen opfer
4. kön. 16, 13 (Luther: tranckopfer — speiseopfer), quecksilber
heiszt Mathesius
Sar. vorr. 3
b weich silber, Lenau 93
Barthel nennt das meer weich
im gegensatz zum festland, Stifter 3, 312
die fluth im gegensatz zum ufer.
meist tritt der gegensatz auch im ausdruck zu tage: ein weicher tropf hölet auch die stein ausz Franck
sprüchw. 1, 130
a; wie? kommet das lastige wasser aus stein? das weiche beginnet in kiesigter härten Harsdörffer
frauenz.-gespr. 7, 243; das schwert ... hieb harten stahl wie weiche milch entzwei Gries
Ariosts Rol. 3, 47; die poesie fährt nicht auf brausender eisenbahn, sondern strömt in weichen wellen durch die länder J. Grimm
kl. schr. 7, 565. '
flüssig'
braucht andere bezeichnungen, zur abrundung des begriffs steht weich
daneben Humboldt
kosmos 1, 171,
neben wesserig (
von wolken) Luther 16, 323
Weim., neben glatt und sanft (
vom Tokaier) Brockes 4, 293.
im gegensatz zu hartem
ist weiches wasser
solches, das wenig kalk und erdige theile gelöst enthält: eins säwrlet, das ander gesaltzen, das dritt spör, das vierdt weych, das fünfft nach mosz ... schmeckt Guarinonius
grewel d. verw. 613;
sonst ist weiches wasser
vorwiegend md./nd.: Adelung 4, 1443; Dähnert 543; Frischbier 2, 461.
die benennung geht aus von dem hautgefühl zunächst der hand. I@A@2@c@gγ) weich
vom wein ist '
zäh, dickflüssig, verdorben',
von anfang des 15.
jahrh. (Diefenbach
gloss. 422
b. 620
c)
bis in lebende mundart (Martin-Lienhart 2, 782): ist ein wein waich und so zehe, dasz man ihn aufhaspeln könde Grimmelshausen 3, 53
Keller. die fäden des essigpilzes bilden in solchem wein eine masse, die sich wie gallerte anfühlt. I@A@33)
nächst zunge und fingerspitze tastet die rote haut der lippen am feinsten. im wortgebrauch von weich
wird das deutlich am kusz: vergebens ob ich schon den weichen mund geküsst Neukirch
in Hoffmannswaldaus
u. a. ged. 2, 69; er umschlang sie und küsste den weichen mund des errötenden mädchens Novalis 4, 169
Minor. als verwandte zärtlichkeit greift die mit brust und arm gefühlte umarmung auch sprachlich zu gleichen ausdrucksformen: ein morgenländischer bassa in den weichen armen einer ... Circasserin Wieland
Agathon 1, 4; die jahre der jugend lebt' er im schosze der zärtlichen mutter in weicher umarmung Klopstock
Messias 2 (1780) 529; weich in vaterarmen liegend Grillparzer 5, 169.
gern im poetischen bild: ich sehe dich im schosz der freude, im weichen arm des glükes schon Schubart
briefe 1, 129
Strausz; aus des frühlings warmen, weichen armen risz das schnelle unglück ohn erbarmen ihn hinunter in das tiefe meer Lenau 97
Barthel. I@A@44)
die unverhüllte haut des gesichts empfindet I@A@4@aa)
luft, nebel und winde als weich: hier weht gar eine weiche luft, es grunelt so und mir behagt der duft Göthe I 15 i 166
Weim.; die weiche heitre luft durchdrang ihn Novalis 4, 218
Minor; die nachtluft empfing die herren, die aus dem hause traten, dunkel und weich Heyse 4 (1872) 185; du glaubst nicht, wie gut der nebel thut, wie sanft, wie weich er sich einem anschmiegt B. v. Arnim
Günderode 1, 139; jetzt, abends 10 uhr, eine weiche kühle mit lauem winde Bismarck
br. an s. gattin no. 361; weicher sturm, der breit durch die straszen fährt Böhlau
altweim. gesch. 36.
im vergleich des heiligen geistes mit einem sanften wind schon Ringwaldt
evang. F 2
b,
anderseits mit modernem übergang zu den seelischen folgeerscheinungen des milden klimas: in dem weichen, süditalischen hafen Brundisium Fouqué
alts. bilders. 4, 11; der weiche süden und der frische norden verliehn ihr (
der kunst) willig reiche, goldne gabe Platen 1, 644
Redlich. I@A@4@bb)
der ausdruck greift über auf die zeiten, zu denen solche luft weht: meine absicht dich einmal zu überraschen, ist durch die weichen regnenden tage bis jetzt verhindert worden Göthe IV 34, 40
Weim.; du wirst ... den weichen sommer in Frankreich nicht mehr erleben Laube 4, 51; weich und lau umflosz die blaue nacht die entzückte erde Jean Paul 15/18, 523; es war inzwischen so recht weiche, dunkle nacht geworden Frenssen
Jörn Uhl 462.
fest geworden ist die formel weicher winter,
zuerst Nic. v. Jeroschin 12 892
Strehlke, auch weiterhin bei Ostpreuszen: Henneberger
landt. 10; Dach 342
Österley, bei Nd.: städtechr. 7, 38 (
Magdeburg) 14, 859 (
Köln); Joh. Schulte
briefe an s. sohn 64 (
Hamburg),
und Md.: Nigrinus
inquisition (1582) 291; Rädlein 1, 1065
a. I@A@4@cc)
die luft ist das bestimmende bei der sprachlichen einschätzung von klima: das köstliche nichtsthun der Italiener ... deren weiches clima ... ersatz ist für alles Zimmermann
eins. 4, 42,
und wetter: auch soll man nicht hetzen bey weichem wetter Fleming
vollk. t. jäger (1719) 309; wo das weiche wetter bleibet (
werde ich) ende fever jagen Friedrich Wilhelm I.
an Leopold v. Dessau 26. jan. 1733
no. 618
Krauske; er hat wohl gethan bey diesem weichen wetter keinen caviar zu schicken Göthe IV 11, 29
Weim. vorwiegend wider bei Nd.: Schütz
hist. pruss. 1 H 1
a; Neocorus 2, 383
Dahlmann; Dach
bei Fischer-Tümpel 3, 85
und dort mundartl. fest: brem. wb. 5, 221; Dähnert 543; Bernd
pos. 347; Danneil 246; Schambach 292; Frischbier 1, 403. 2, 461,
doch auch sonst als '
thauwetter': wo jehling ein leunen oder weichs wetter an vielle Tucher
baumeisterb. 253
Lexer; bey weichem und dauwetter Chemnitz
schwed. krieg 1, 39; weil er solche eisbildende regen kannte, dasz ihnen gewöhnlich weiches wetter zu folgen pflegt Stifter 2, 249. I@A@4@dd)
übertragungen schlieszen sich an: Othakers folck durch weiche gute tage ... verartet was Kantzow
pomm. chron. 1, 25
Gäbel; nur in dieser weicheren luft konnte der heldengesang sittlich emporwachsen Scherer
lit.-gesch. 27; die Wiener luft ... legt sich dir weicher ums herz Fontane I 4, 211; sie hat die weiche anmut eines frühlingsabends Schnitzler
Anatol (1901) 57. I@A@55)
schon der weiche winter
und das weiche wetter
werden auch mit dem fusz gespürt: weiches wetter, regnichtes, bei welchem der boden weich, kothig ist Campe 5, 634
b. I@A@5@aa)
in stehenden ausdrücken heiszt der boden selbst weich,
wie hier: ein wol gedöuwet ertrich, daʒ weich ist Tauler
pred. 63, 31
Vetter; das schwere (
erdreich) trägt mehr als das leichte, das harte mehr als das weiche
allg. haush.-lex. 1, 32
a; was noch von weicher erden darunter ist, beist es (
das quecksilber) zu schlamm Ercker
min. erz. 47
b; ein leymgruben oder weichen grund Sebiz
feldbau 11;
dazu bildlich: die Schwaben stuondend uff weichem grund (
waren im nachtheil) Uhlands
volksl. 337; es sind viele jäger in der irrigen meynung, man könte abmercken, wenn ein tragbares thier auf weichem boden gienge, was es trage Göchhausen
not. ven. 19; (
er) schlug schwer auf einen boden nieder, der nicht weich war Zahn
die da kommen 182.
daneben allg. ausdrücke in freiem wechsel: du trenkest seine furchen, und feuchtest sein gepflügtes, mit regen machstu es weich
psalm 65, 11,
gleichfalls vom ackerboden: ht gêts guət, s is waiΧ Martin-Lienhart 2, 782;
vom ufer Eppendorf
Plinius 9, 120; platz Josephus
jüd. kr. (1569) 149
b; land Lenau 594
Barthel. dazu übertragen: mancher schwere kampf mag meiner hier warten, aber die weicheren wege habe ich all mein leben lang nicht gesucht Dahlmann im
briefw. mit Grimm u. Gervinus 2, 270. I@A@5@bb)
die mit dem fusz getretene, natürliche bedeckung des bodens heiszt weich: schnee Maximilian
Teuerd. 90; Müllner
dram. 3, 10; staub Sachs 1, 23
Keller; Storm 5, 165; rosen Ziegler
Banise 236; Lohenstein
Arm. 1, 65
a; blumen Bodmer
abh. v. wunderbaren 389, ernte Schiller 2, 26; moos Rollenhagen
froschm. C 6
a; Göthe I 2, 75
Weim.; Lenau 28
Barthel; gras Ramler
fabellese 1, 143; O. Ludwig 2, 121; rasen Novalis 4, 55
Minor; matte Zahn
die da kommen 227; sand Fouqué
held d. nordens 1, 17; schlamm Allmers
marschenb. 1/2, 76.
neuerdings schlieszt sich die künstliche bedeckung des bodens hier an: ungehört auf den weichen teppichen des kleinen zimmers war Erikson ... eingetreten Keller 2, 225;
entspr. flaum Rückert 3, 108; purpursammt Hebbel I 6, 187.
zum folgenden können adv. wendungen überleiten wie: kommst du (
glück), und ich ruhe gleich, o so tritt den boden weich Lessing 1, 92. I@A@5@cc)
die tretende sohle ist weich
bekleidet oder der schritt durch die gangweise des schreitenden weich: in weichen pantoffeln schlürfende (
tritte) Holtei 3, 41; es tappt die diel' entlang, es stampft wie männertritt auf weichen sohlen Droste-Hülshoff 2, 20
Cotta; und behend entgegen mir den breiten sandweg, weichen trittes, schreitet er Mörike 1, 187. I@A@66)
die sitzfläche wird, obwol minder empfindlich, von je durch weiche
unterlagen verwöhnt: es sitzt sich auf dem pferde fein weich
Reinicke Fuchs (1650) 343; die patres im paterstüblein auf weychen pfulstern sitzen Agricola
sprichw. (1534)
q 4
a; lasz unsre fürsten schlummern in weichem stuhl Klopstock
oden 1, 161;
entspr. sessel Storm 1, 165; sopha Herder 5, 168; kissen Storm 1, 151
und auch hier wider gras Gellert 1, 142; rasen Götz 48, 2
neudr.; moos Brentano 5, 165.
adverbial: hart arbeiter die macht ich arm, die feyrer setzt ich weich und warm Sachs 22, 218
Keller-Götze; sieh, da hat er dir seine jacke hingelegt, dasz du weicher sitzen sollst Heyse 4 (1872) 4.
übertragen heiszt weich sitzen '
behaglich leben' Dähnert
plattd. 543; Raabe
Horacker 58.
schon weiter greift: er mag gern weich liegen und sitzen Ludwig (1716) 2421. I@A@77)
am genusz des weichen lagers
sind auszer rücken und seiten meist auch die empfindlichen wangen betheiligt, entspr. ist es früh (
seit H. v. Neustadt
Apoll. 6206)
und gut ausgebildet. das weiche bett (
in dieser attr. fügung von Schumann
nachtb. 279
Bolte bis Göthe I 45, 57
Weim. am häufigsten)
wird erweitert zum weichen federbett W. Spangenberg
gansk. 2, 174; Weise
pol. näscher 47, wollustbett Neumark
fortg. mus. lustw. ehr. 16,
gesteigert zum weichen wolzuogerichteten bett Kirchhof
wendunm. 1, 76
und zum weichesten bett Moscherosch
ges. 2, 456,
vom sprichwort verwertet: alte leut sollen jre stercke suochen in der kanten, in weychen betten und hinder dem ofen
sprichw. klugreden (1548) 120
a; mancher könt daheim aufm weichen guten bett ligen, und ligt doch anderswo lieber aufm strosack Lehman
flor. pol. 1, 435,
von witzchen umspielt: habe ein so groses und weiches bette, dasz man beynah ohne böse gedancken sich nicht hineinwerfen kan Lichtenberg
briefe 1, 16.
auch das vogelnest wird darunter begriffen: weil die vögel nester machen, kinderbettlein zart und weich Spee
trutzn. (1649) 101.
das weiche lager,
von erwachsenen Schönaich
Heinrich d. vogler 8,
kindern Steffens
was ich erlebte 5, 229,
kranken Göthe I 1, 300
Weim., wird zu contrastwirkungen benutzt: und todesangst wälzt sie auf ihren weichen lagern Hölderlin 1, 35
Litzmann; das harte lager eines jünglings auf rosen — -knospen sollte man weich aufblättern Jean Paul 49/51, 371,
und steht auch bildlich: müh und arbeit war ihm ein weiches lager Herder 23, 412.
das cultivierte lager wird in allen seinen theilen weich
genannt: windeln Frey
gartenges. 134
Bolte; hövetküssen Lauremberg
scherzged. 185
Schröder; purpur Lohenstein
Agripp. 3; federn Besser 2, 806; decken Voss
Od. (1781) 46; flaum Blumauer
ged. 34; pfühl Göthe I 1, 88
Weim.; kissen Schiller 2, 49; teppich H. v. Kleist 2, 62; polster Droste-Hülshoff
Walther 206; backenlehnen Langbein 31, 123.
bildlicher gebrauch schlieszt wider an: liebhabereien sind wie weiche pfühle, die man sich auf einem harten lager unterschiebt Göthe IV 24, 104
Weim.; auf dem weichen friedenspfühle schlummern Arndt 1, 146; und dann kommt dein sohn, der dir für dein alter ein weiches kopfkissen stopfen sollte, und überhäuft dich mit schande Hebbel
Maria Magd. 2, 1.
von naturlagern ist das weichste das moos: auf weichem mose liegen wir, und blumenkränze wind ich dir I.
M. Miller
ged. (1783) 60,
daneben werden gerühmt klee Jacobi 1, 161; blumenschoosz Matthisson 1, 53; gras Tieck 1, 394; ziegenfell S. Gessner 1, 101.
adverbial: übrigens lag das kindlein weich in baumwolle gebettet Immermann 1, 65
Hempel; die heimath hätte weicher sie begraben Lenau 81
Barthel. übertragen: in der that kann der leser nicht weich genug gehalten werden, und wir müssen ihn ... auf den händen tragen mit unsern schreibfingern Jean Paul 49/51, 332. I@A@88)
mit der körperhaut ringsum werden kleider gespürt, dahin leitet vom vorigen über: es haben auch etlich mehr antzeigt zu vormeyden, als weich lager und kleyder Luther 6, 269
Weim. hier wird Matth. 11, 8
wichtig: sihe, die da weiche kleider tragen, sind in der könige heuser,
citiert von Tauler
pred. 328, 24
Vetter bis Moscherosch
ins. cura 117
neudr. zur weichen kleidung Mathesius
Sar. 10
a treten die sonderungen weych hembd Alberus
dict. o 4
b; leibrock Bürger 150
Bohtz; wolle Arndt 1, 181; toga Stägemann
kriegsges. 6; hauskleid Raupach
ernste dram. 5, 61; binde G. Keller 6, 68; weich in des raubthiers köstliche hülle geschmiegt Gaudy 2, 7. I@A@99)
schläge werden mit dem rücken gespürt, der davon weich
wird: ich mein, du lostist gern streich. sol ich dir machen din hut weich?
schausp. d. mittelalt. 2, 346
Mone. in grober drohung: der rück sol dir so weich wern als der bauch Eyering
prov. 1, 536,
sonst stets mit acc. des resultats: schlag sie dann weich, so hat sie rhuo Scheidt
grob. 4030
neudr.; man musz jhn auf die stockfisch mühl schicken und weich klopffen Lehman
flor. pol. 1, 373; eine weich schlô Hunziker
aarg. 290,
der bei umsetzung ins pass. zum nomin. wird: wir werden vom schicksal hart oder weich geklopft, es kommt auf das material an Ebner-Eschenbach 1, 72. I@BB.
manches könnte mit dem tastsinn weich
befunden werden, während man sich doch meist begnügen wird, die feststellung mit dem auge vorzunehmen: weiche krause haarlocken vorn auf der stirnen Corvinus
fons (1646) 60; das wundergrüne, zartliche, weiche ... wollichte laub der bäume Treuer
Dädalus 1, 204; ich öffnete sein hofthor, einen ländlichen überbau mit gedroschenem stroh gefüllt, und schob ihn sanft in dessen weich gewölbte bauschung hinein Arndt
schr. an s. l. Deutschen 3, 136.
gelegentlich bestätigt das verb diese vermuthung: wenn wir die hände betrachten, finden wir weiche lange finger Göthe IV 17, 223
Weim.; man sieht ... bald weiche hügel B. v. Arnim
Göthes briefw. m. e. kinde 3, 166.
in weiteren fällen würde der tastsinn ein anderes lehren: durch sanfte, langweilige meiszelschläge den athmenden stein mit einer weichen menschenhaut zu umgeben Sturz 1, 48; wer hat den starren widerstrebenden stein in so weiche, so geschmeidige fleischmassen hingegossen? Schiller 3, 578; ein gott ... in weichem marmor festgehalten Heinse 4, 258
Schüddekopf. demgemäsz steht weich
bei neueren gern von schönheitsformen. I@B@11)
meist von schönen linien des menschenleibs: weder schönes maasz, noch jenes weiche fehlet, das alter Griechen leichte hand, von grazien geführt, mit hartem stein verband Uz 363
neudr.; seine züge sind weich, oft äuszerst lieblich Droste-Hülshoff 2, 368
Cotta; ihr weich niedergehendes profil Jean Paul 15/18, 176.
vorwiegend attr. von frauen-angesicht
das. 310; wangen Hölderlin 2, 149
Litzmann; stirn Beer
s. werke 144; gesichtsschnitt Gutzkow 11, 48; umrisz Storm 1, 48; leidenszug 208; ausdruck Hirschfeld
mütter 2; mund Frenssen
Sandgräfin 125; augen 244; formen der glieder Zahn
die da kommen 187.
vereinzelt steigerungsformen: der dünne bart hat sich ... zu einer weichern, rundern gestalt klimatisieret Herder 13, 218
und anwendung auf gesichtsfarbe: ihre wange färbte das weichste roth, welches das feine gefühl des herzens nur darauf hauchen kann Klinger 5, 226. I@B@22)
bewegungen des menschenleibs heiszen weich
schon seit der renaissancezeit: weibisch und weich geber Hutten 4, 7; von weicher anmuth fern, auf unbeflogner spur, entzieht ihr (
meiner muse) kühner schwung sich kriechender natur Uz 302
neudr.; (
jungfrauen) denen zu dem weichen busenwallen heldenstärke die natur verliehn Schiller 1, 227; er affektire einen gewissen schwankenden weichen gang vornehmer wollüstlinge Jean Paul 7/10, 109; eine so edle und reine, wiewohl oft zu weiche und spielende eleganz Solger
nachgel. schr. 1, 6; das kam von ihren weichen bewegungen her B. v. Arnim
Göthes briefw. m. e. kinde 1, 77.
in einem fall braucht auch die sprache des gewerbes weich
von einer menschlichen bewegung, die gazeweberei: der erste oder weiche tritt, französisch
pas doux (so genannt, weil er leichter zu treten ist), zur bildung des offenen faches; der zweite oder harte tritt,
pas dur (welcher mehr kraftanstrengung erfordert ...) zur hervorbringung des kreuzfaches Prechtl
techn. enz. 20 (1855) 392.
die bewegungen von thieren werden nur in seltener ehrung ihrer schönheit weich
genannt: wie so sanft, gelenk und weich liegt ihr (
der leopardin) cörper ausgestreckt Brockes 6 (1739) 225; der (
schwan) biegsam auf den weichen flügeln mit hingeflochtnem halse ruht J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 71; weich schwimmt er (
der vogel) in lauen lüften Grillparzer 5, 159.
von da lenkt über zur schönheit der unbeseelten natur: mit weichen flügeln senkt der sommerabend sich hold ermattet auf die stille flur 2, 197. I@B@33)
von naturformen werden, jedoch erst im 19.
jahrh., zweige und saaten weich
genannt: wie im windesrauschen die weichen zweige hin- und herwogen B. v. Arnim
tageb. 95; noch weicher erscheint die trauerweide mit den überhängenden zweigen Vischer
ästh. 2, 87; die weid' am ufer steht, die weichen äste ringend Lenau 90
Barthel; wie der wechselnde wind nach allen seiten die hohen saaten im weichen schwung niedergebogen durchwühlt Mörike 1, 92
Göschen; noch jünger vom gesammtbild der landschaft: man sieht ... bald weiche hügel B. v. Arnim
Göthes briefw. m. e. kinde 3, 166; jene (
gebirgsformation) ist wild zerklüftet, diese weich geschwungen und rund in ihren umrissen Vischer
ästh. 2, 18; grün und weich und ruhig lag die ganze Fichtau Stifter 2, 55; südwärts lief der hügel in weicher rasensenkung hinab Laube 3, 160; den flusz Adur ... begränzt dieses b moll der haide, welches mir in seiner weicheren idealisierung einer nördlichen landschaft das heimweh schärfte Bismarck
briefe an s. gattin nr. 364.
von da ins sociale leben übertragen: (
sie fühlten) wie sanft ihnen dieses niedersteigen von den bunten, spitzen hofgletschern in die weichen thäler der mittlern stände that Jean Paul 7/10, 348. I@B@44)
vom blick des menschen und menschlich gedachter wesen: Laurens schatten, sieh mich nicht so weich an, bet nicht für mich Klinger
Otto 82, 19
Seuffert; doch will ich mich ihm entziehen, trifft sein blick mich weich und warm Grillparzer 2, 66; er (
der junge tag) sieht so weich und mild nicht drein, als er H. v. Kleist 2, 105. I@B@55)
die schlagschatten verlieren in der dämmerung ihre scharfen umrisse, hier zuerst erscheint weich
von lichtwirkungen: bisz der tag kül werde und der schatten weich Heyden
Plinius 276.
nachmals poetisch gehoben: weiche nebel trinken rings die thürmende ferne Göthe I 1, 78
Weim.; wenn der sterne schein ... wolken löschen, fällt das licht weich, in flockigem gewimmel nieder Müllner
dram. 2, 18; der weiche mondenstrahl, der goldnen birken duft, dringen da nicht ein B. v. Arnim
Göthes briefw. m. e. kinde 2, 69; eine gegend, die keine andere poesie aufzuweisen hat, als die ... einer weichen, traumhaften beleuchtung Droste-Hülshoff 2, 343; der harte himmel löste sich und flosz in weiche schleier ineinander Stifter 2, 112; drauszen hatte indesz die mondnacht den garten in ihren weichen duft gehüllt Storm 1, 259; wie weich und mondscheinhaft der schein der kerze in den ringen ihres schwarzen haares spielte Heyse 4 (1872) 22.
junge wissenschaft greift zur gleichen metapher: die harten
β-strahlen gehen durch dicke metallplatten hindurch, während die weichen
β-strahlen hierbei völlig zurückgehalten werden Chabachpaschew
beh. d. gynäk. tumoren (1913) 7. I@B@66)
in der kunst spielt das fürs auge weiche
eine rolle: worin liegt sie (
die schönheit) denn nun? nicht darin, dasz uns das weiche und runde überall zum anschlieszen einladet? Solger
Erwin 1, 23,
zu festem gebrauch ausgebildet ist es in der malerei, und hier liegt möglicherweise der technische ausgangspunkt: ein bild der heiligen Veronica ... mit niederländischem weichem heitern pinsel gemahlt, wird gerühmt Göthe I 49, 16
Weim. weich malen, weiche malweise, manier
bez. wie franz. tendre(ment)
ein malen mit verschmolzenen farben und umrissen Jacobsson
techn. wb. 4 (1784) 620
f.; Adelung 4, 1444;
F. Schlegel
Europa 2, 98; Justi
Winckelmann 2 ii 357.
vereinzelt in zeichnung, plastik und architektur: man kann ... auch nur die umriszlinien der lippen zeichnen, und man wird finden, dasz man ordentlich von der weichsten, schönsten linie zu steifern ... verzognern kommt Lavater
phys. fragm. 1, 61; Kalon und Hegesias haben härter ... gearbeitet, Kalamis weniger streng, noch weicher Myron Göthe I 46, 44
Weim.; der styl des tempels ... hat in der ausführung der ornamente weniger graciöses und weiches Ritter
erdk. 1, 728.
gern von lit. darstellung: (
Homers) darstellung vereinigt ... die schärfste bestimmtheit mit der weichsten zartheit der umrisse
F. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 127; diese scenen haben etwas weiches, schmelzendes Schiller
schr. d. Götheges. 9, 155. I@CC.
dem gefühl liegt das gehör nahe, Herder 5, 63
spricht es aus und fügt hinzu: seine (
des gehörsinns) bezeichnungen z. e. hart, rauh, weich, wolligt ... tönen alle, als ob mans fühlte.
historisch ist weich
aus dem gebrauch beim tastsinn in den des gehörs gelangt, erst neuerdings in der anwendung auf schälle in freier natur: helle, wunderbar weiche töne gingen und kamen über das wasser, als atmete und lebte die dunkle fläche Keyserling
Beate (1903) 21; gleich darauf stiesz sein fusz an liegendes stroh. er merkte an dem weichen, vollen rauschen, dasz es hafergarben waren Frenssen
Jörn Uhl 292,
viel älter und verbreiteter von musik und sprechstimme. I@C@11)
mit dem begriff weich
arbeitet die gesammtcharakteristik der musik bei Klopstock: die unlehrbare bildung der töne begreift besonders das in sich, was das sanfte oder starke, das weiche oder rauhe, das langsame und langsamere, oder das schnelle und schnellere dazu beytragen, dasz die töne völlig zu solchen gedankenzeichen werden, als sie seyn sollen
gelehrtenrep. 137.
entspr. in der charakteristik einzelner musikwerke: der. süsze trost, der im trio weicher und zarter als im andante sich vernehmen läszt Jahn
Mozart 4, 133; guitarren und tausend weiche gesänge zogen durch die nacht Eichendorff 2, 313,
ihrer elemente: es windet sich der liebe geist um deiner glieder ebenmasz wie um die worte des gesangs die weiche melodie herum Platen 1, 134
Redlich, der vortragsweise: sie werden gar fein linde, sanft, lieblich und weich gesungen Agricola
mus. chor. (1533) A 5
b; sternhell glänzet die nacht, sie klingt von weichen gesängen Göthe I 1, 242
Weim., einzelner stimmen: weich frawen stimm Apherdianus
meth. disc. (1601) 52; die weiche kehle eines kastraten Ayrenhoff 6, 119; wenn er ihre weiche stimme mit dem flügel begleitete Moltke 1, 83; ein so weiches organ Bauernfeld 6, 57,
und töne: in hochgefärbten tönen, wo die stimm im klagenden weichen f erstirbt Schubart
ged. 2, X.
die vogelstimme wird sprachlich gleich behandelt: singt, nachtigallen im weichsten laut Voss 5, 226.
nach der mitte des 18.
jahrh. setzt die charakteristik von instrumentalmusik im gleichen sinn ein: wurde der menuet ... in diese weiche form gegossen Schubart
ästh. d. tonkunst 266; wohl lauschte er gern den weichen melodien der italienischen meister Moltke 1, 255.
von einzelnen instrumenten wird nam. die flöte weich
genannt: drauszen sang des hirten weiche flöte Lenau 106
Barthel, demnächst die orgel Göthe I 34 i 63
Weim.; geige Lenau 99
Barthel; Scherer
lit.-gesch. 120;
der flügel Arent
u. a. mod. dichtercharaktere 275.
viel früher bereitet sich weich
als bezeichnung der molltonart vor (moll
ist noch älter, s. th. 6, 2480; Riemann
musiklex. (1909) 354. 933): ist ein unvolkomene secunda, welche einen weichen laut von sich gibt Agricola
mus. chor. C 3
b,
die zuerst von J. Mattheson
generalbasschule (1735) 118. 132,
vollk. capellm. (1739) 14. 358
entschlossen gebracht wird; weiche tonart P. E. Bach
clavier 1, 27; Heinse 6, 32
Schüddekopf; Göthe I 41 ii 137
Weim.; Jacobsson 6, 580; tonleiter Adelung 4, 1443; weicher dreiklang Heinse 5, 59; Jacobsson 5, 411. I@C@22)
zur sprechdichtung kann überleiten: je sanfter, je weicher, ja gar je schwächer die poesi ist ... je besser schickt sie sich zur music Ramler
einl. in d. schönen wiss. 3, 28.
die anwendung auf den inhalt der poesie ist aber nicht die regel: (
der du) meinen vers nicht achten wiltst, weil ich ihn habe weich geschrieben Stieler
geh. Venus 16
neudr.; Clemens ... singt so feurig und weich seine liebe B. v. Arnim
Cl. Brentanos frühl. 61.
um so beliebter ist die auf metrische kunstform: wiewol es nun nicht allzeit ziert ... dasz der vers zart und weich sey Buchner
anl. z. poeterei 26; die weich oder hart klingenden sylben Petrasch
lustsp. 1, 297; das weiche sapphische sylbenmaasz Gerstenberg
lit.-denkm. 128, 207; die weiche elegie Klopstock
briefe 2
Lappenberg; geblieben ist mir nur, was glutenwild ich einst gegossen hab in weiche reime Heine 1, 13
Elster. I@C@33)
in der anwendung auf das gesprochene wort richtet sich weich
seit alter zeit oft auf den inhalt: Valerius der guote man vil weiche antwurte im dô bôt
passional 120, 93
Köpke; ein weich red ... in vil schmeichlerey verwickelt
Terenz (1499) 27
b; was nutzt disz weiche klagen? Gryphius
trauersp. 20
Palm; was ein entflohner prinz mit weichem munde sagt, heiszt dir ein götterspruch Gottsched
d. schaub. 5, 221; so sollen wir, auf eignem grund und boden, weich wort nur senden, uns verbindlich machen ... auf kriegeseinbruch? Shakespeare
k. Johann 5, 1; eu'r herz zu spalten und den risz zugleich zu heilen durch ein weich gewähltes wort Hebbel I 1, 202.
wo der inhalt der rede neben der charakteristik durch weich
angegeben ist, geht diese schon mehr auf das akustische: ihr könnt mich ... nicht miszverstehn, sagte er im weichen ton Tieck 19, 205; hege ich denn nicht alles, sprach der alte herr mit weicherer stimme ... mit der vollsten liebe? E. Th. A. Hoffmann 3, 262
Grisebach; nun sie wieder müssen eilen in das öde schattenreich rufest du so dringend weich ihnen nach, sie möchten weilen Lenau 71
Barthel. so in scen. bem. neuerer dramen: Hauptmann
Rose Bernd 82; Schnitzler
Anatol 157.
seit den classikern scheint die anwendung auf klang und gefühlston der stimme regel: die reinigkeit und das weiche der aussprache Wieland
Agathon 2, 47; sie öffnet ihren mund, und lieblich flieszt der weiche ton, der sich um s herz ergieszt Göthe I 16, 140
Weim.; an deiner stimme hing ich fest, an deiner lippe weichem ton Platen 1, 126
Redlich; die Walliserin aber sagte mit einer weichen stimme Arnim 2, 282; der komödiant hatte jenen weichen bürgerlichen biedermannston Immermann 5, 61; sie sprach es mit ihrer weichsten stimme Ebner-Eschenbach 3, 107; die worte kamen weich und wohllautend von den lippen Frenssen
Sandgr. 208.
soweit die neuere prosa der sprache der wissenschaft nahe steht, kann sie weich
zur gesammtcharakteristik eines idioms benutzen: wenn die französische (
sprache) so weich und zärtlich wäre Gottsched
vern. tadl. 1, 12; der rauhe Spartaner spricht (
in Ciceros übersetzung) sogleich weicher Herder 15, 350; die weichen klänge der Berliner mundart Gutzkow 11, 46; das weichere schwäbisch Keller 5, 78.
von einzelnen lauten nur gelehrt: durch eine weichere aussprache war schon frühe glossa nicht selten in glosa verwandelt Savigny
gesch. d. röm. rechtes 3, 521; die serbische sprache vertauscht das e im männlichen participium mit einem weicheren vocal J. Grimm
kl. schr. 4, 104; widrige begriffe mit sanft und weichen lauten gepaart W. v. Humboldt 5, 417.
im phonetischen sinn fest geworden ist weich
als bezeichnung der media
im deutschen text älter als dieses (1698:
zs. f. d. wortf. 15, 25)
und als das gegenpaar tenuis — harter laut (1753:
th. 4 ii 500),
wol als lehnübersetzung von lenis
zu beurtheilen: das harte mit harten, das linde und weiche mit weichen buchstaben geschrieben wird, als dapfer, drucken, nicht tapfer, trucken Harsdörffer
t. secr. 1 Nnn 1
b; dasz man nicht mehr den unterschied eines b und p, d oder t vergessen, und fragen dürfe, ob ein d weich oder hart seye Heräus
ged. 269; be wie das
lat. b,
d. i. weicher als p, und härter als w Gottsched
d. sprachkunst 19; weiche buchstaben in der grammatik, welche zu ihrer aussprache weniger anstrengung erfordern, als ihre ähnlichen harten. so sind b, d und g die weichen buchstaben von den harten p, t und k Adelung 4, 1443; denke dir Bösenbergs obersächsische aussprache hinzu, die so gern das weiche hart und das harte weich macht Seume 2, 8; wir schlenterten (oder schreibt man's mit einem weichen d?) Jean Paul 1, 330. IIII.
von der musik führt die brücke zum übersinnlichen gebrauch: es lebt bei anderm menschenvolk die kunst des sanges, welche weich die seele löst Freytag 3, 125. II@AA.
im übergang stehen II@A@11)
fälle in denen theile des menschenleibs körperlich genannt, seelisch gemeint sind, am häufigsten das herz,
präd. seit dem 12.
jahrh.: iʒ machit ein hardeʒ herze weich, dat sich wider got hât gisat
d. wilde mann, v. d. girheit 6
Köhn; von desir rede, alsô ich las, wart ir herze weicher sam ein was Brun v. Schonebeck 8241
Fischer. bei Luther
durch alle gebrauchsweisen zu verfolgen: ewr hertz möcht sonst weich werden und verzagen
Jer. 51, 46; durch yhre weyche und verzagende hertzen an got 18, 481
Weim.; ein menschlich hertz ist eitel eisern ... wenns gottlos ist, widerümb wenn es erschrickt ... ist nichts weichers, furchtsamersnoch blöders 28, 591; sie griffen das volk am aller weychesten an, am herczen 34 ii 531.
er bildet damit aus, was im kern schon die mystiker haben: sin dürre, steinin, stehelin herze muʒ warm, weich, fürig und göttelich werden Tauler
pred. 123, 25
Vetter. weiterhin bieten innerhalb des präd. gebrauchs nur die acc. fügungen besonderheiten: man musz nicht sowohl das herz der kinder weich machen ... als vielmehr wacker Kant 10, 440; (
die natur) schuf das weiche herz der schönen zur liebe nur so weich Wieland 1, 324; ein schauer faszt mich, thräne folgt den thränen, das strenge herz es fühlt sich mild und weich Göthe I 14, 6
Weim.; ich habe, liebste eltern, euer und mein herz gestern so weich gefunden J. v. Müller 4, 210.
die nomin. fügungen sind im ganzen häufiger und älter: mensch, wenn dein hertz für gott wie wachs ist weich und rein: so druckt der heilge geist dasz bildnüsz Jesu drein Scheffler 5, 264; doch seinen freunden bleibt sein herze weich und milde Gottsched
d. schaub. 1, 235; sein hertz ward ihm für freuden weich Lichtwer
fab. 74; weich geboren, hat mein verstand sich nach und nach ausgedehnt und unvermerkt das herz aus seinen besitzungen verdrängt Novalis 1, LXIII
Minor. die zu allen zeiten häufigste attr. fügung weiches herz
wird mannigfach gewandelt: obgleich ihr herz aus sehr weichem zeuge gemacht war J. E. Schlegel 3, 412; mein damals gewisz auch für das gute weiches und empfängliches herz Bräker 1, 47; mein herz ist weiches wachs in ihrer hand Schiller 13, 261; Johannes hat doch ein zu gutes herz, fast zu weich Hauptmann
eins. menschen 39.
die verwerthung anderer organe zum ausdruck des seelischen ist minder ergiebig: thränen
werden weich
genannt von Arigo
dec. 82, 11. 256, 30
bis R. Wagner 1, 73
stets in attr. fügung, gelegentlich mit umstellung: schon lag er still und bleich, doch in seiner augen höhlung war eine thräne weich Lenau 111
Barthel. auf empfindlichkeit und offenes verständnis beziehen sich: zu unsern zeyten seyn unser oren so gar zart und weych worden durch die mennige der schedlichen schmeychler Luther 7, 4
Weim.; sag mirs jhm bad, do sind mir die ohren weich Eyering
prov. 3, 291,
auf verstocktheit: gott ... unser harte köpfe eyn mal wird weich machen Luther 18, 293,
auf standhaften muth und empfänglichen sinn: doch deine felsenbrust wird nicht durch thränen weich Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie 150; im blut'gen feld der schlacht musz ich ihn suchen, den jüngling, den mein herz sich auserkor, und ihn mit ehrnen armen mir ergreifen, den diese weiche brust empfangen soll H. v. Kleist 2, 110; wenn auch die feuerwerke seines witzes für weiche augen blendend waren bis zum verletzenden Justi
Winckelmann 2 i 201,
auf zärtlichkeit: sehr gerne heilige ich hände, die sich so weich und innig, wie die eurigen verknüpfen Grabbe 1, 352
Blumenthal. einem eine weiche seite abgehen, ablaufen
heiszt '
ihm beikommen, wo er empfindlich ist' Bödiker
grunds. 256; Rondeau 709; Schwan
n. dict. 3, 1018.
das sprichwort geht von nd. mundart aus: Dähnert 543.
ein halbmundartliches da gab er weich Hauff
mann im monde 45
Krausz; ich wuszte wohl, dasz du weich geben würdest Scherr
Nemesis 1, 97
könnte etwa contaminationsbildung aus weich werden
und nachgeben
sein. II@A@22)
körperliches geräth steht als träger seelischer leistungen: ein feder ist zu weich für gewalt, ein gewetzt schwerd kan mehr thun Lehman
flor. pol. 1, 364; durch seine (
W. Grimms) weichere feder erhielten auch die hausmärchen ihre liebliche form Treitschke
d. gesch. 2, 70; (
die erwartung) ist das weiche, lockere band, das ... unsre empfindungen ... bindet Herder 15, 343; von einem lande, wo Friederich den weichen zepter führt Lessing 1, 136. II@A@33)
körper und seele des menschen sind in der erscheinung ungetrennt. wenn darum weich
als umfassende bez. des ganzen menschen steht, so kann auch das zu übersinnlichem gebrauch hinleiten. weich
bed. dabei zunächst '
körperlich hinfällig': langeʒ bat tuot den siechen weich
Reinhart Fuchs 2025
Grimm, und ist durch den satzzusammenhang näher bestimmt, entweder negativ '
ohne rechte kraft, gesundheit': so were doch muglich, das ein grausam weib einen weichen man zu einer nodtwer dringen mocht
Carolina 1, 76
Kohler-Scheel; er war aber sunst ein weycher man an dem ich stets gepulvert hat Sachs 14, 326
Keller; alsô was unser vrouwe sente Maria krank und weich an dem lîchnamen
d. pred. d. 14.
jahrh. 46, 39
Leyser; weich '
kraftlos'
z. b. wenn man von einer schweren krankheit zu genesen anfängt Stalder 2, 441,
oder positiv '
verweichlicht': noch di gemain unkeuscher noch di diener der aptgoter ... noch di waichen (
molles)
cod. Tepl. 1. Kor. 6, 9; wir sind solche zertlinge und so weiche marterer, wenn uns nur ein bein wehe thut ... so künnen wir himel und erden vol schreien Luther 5, 45
a Jen.; dann sonst kein zart weich volck, in ebnen und warmen landen erzogen, da gewohnen ... möchte Stumpf
Schwytzerchr. 601
a; der weiche Indier badet Herder 13, 223
gerade innerhalb dieser bed., in der jetzt weichlich (
s. d.)
stark concurriert, stellt sich in unmerklichem übergang der gedanke an sittliche laxheit, schwelgende phantastik und verzärtelnde geistescultur ein: dasz dergleichen wollüstiges leben nur weiche leuth mache Stranitzky
reisbeschr. 13
neudr.; der weiche orientale bepolstert sein paradies um wohlgeschmückte tische Göthe I 37, 256
Weim.; der Grieche zur zeit des Theodosius ... war ein weicher, unkriegerischer, immer noch feinfühlender mann Freytag 17, 105.
endlich werden ganze wesen weich
im seelischen sinn genannt, während die umgebung im satze die erinnerung an den körperlichen sinn des wortes wachhält: also ergreyf ich den got, wo er am waychsten ist Luther 10 iii 155
Weim.; ich will ... Robert ... besuchen: er wird mir schon weich zwischen dem finger und daumen und bald will ich mit ihm siegeln Schlegels
Shakespeare 6, 324; welchen knirschenden bisz in sein weichstes leben that jetzt ein böser genius! Jean Paul 15/18, 310; der ward in dr erste brü waiΧ '
mit s. hochmuth ists aus, sobald man ihn kräftig anfaszt' Martin-Lienhart
els. 2, 782. II@BB.
in übersinnlicher verwendung ist weich
meist ohne tadel. II@B@11)
so stets in der dem vorigen zunächststehenden formel weiche seele: das sein die weichen, hertzlichen selen, dorinnen got sein wolgefallen tregt Staupitz 1, 61
Knaake; die weiche seele Leonardos Wackenroder
herzenserg. 65; nicht die zarte jungfrau wähle, nicht der hirtin weiche seele Schiller 13, 286.
die formel steht nicht über jede wandlung fest: (
der geist von Hamlets vater) tritt geharnischt auf; aber, wie mir scheint, ist nur seine hülle gepanzert, seine innere seele aber ist weich und blos Börne 2, 183; die menschliche seele ist ein eigen ding. namentlich sind die weichern für die eindrücke des entgegengesetzten empfänglich
M. Meyr
erzähl. aus dem Ries 1, 45. II@B@22)
desgleichen steht weich
ohne vorwurf von stimmungen, affecten, gefühlen. II@B@2@aa)
im allgemeinen: weich am gefühl Bodmer
Noah 10; das hörte die tochter mit weichem gefühl Schiller 11, 225; Wlasta, kannst du fühlen weich? Grillparzer 6, 217; es hofft der feind den frieden sich von dieser weichen stimmung Collin
Regulus 54; die (
farben) von der minusseite stimmen unruhig, weich, sehnend Göthe II 5 ii 196
Weim.; und läszt unentschieden ihr geschöpf in einem unentschiedenen weichen ... zustande II 6, 27; weicher sinn beschlieszt uns eng Arnim 22, 69; bei der weichen und alles hintenher, wenn auch nicht vorher erwägenden manier J. Grimm
briefw. m. Dahlmann 1, 34. II@B@2@bb)
im einzelnen: vol mit müterlicher weicher liebe Arigo
dec. 102
Keller; mein mund, in qualen nach und nach ermattet, wird nie mehr betteln gehn um weiche liebe Platen 1, 69
Redlich; das weiche mitgefühl mit den schwächen unsres geschlechts Herder 17, 152; eine weiche heiterkeit glänzte von ihrem gesichte Göthe I 21, 229
Weim.; seine weiche trauer 22, 176; jede kraft in meinem busen lösen sie in weichem sehnen Schiller 13, 284; mit weicher beschämung ... sah ich rückwärts
briefe 1, 249; sie kamen verändert zurück, voll weichen mitleids Jean Paul 15/18, 234; nichts unangenehmeres als zwei gatten, die einander mit weichen nachgiebigkeiten quälen Immermann 4, 107; die höchste weichste milde im vergeben Droste-Hülshoff
br. an Schücking 210; das ist immer so, dasz aus dem harten steine zorn der weiche funken wehmuth kommt Stifter 2, 161; weiches, süszes heimathgefühl Frenssen
Sandgräfin 245; die gute meinung, die ich für euch trage, wär wol die mutter einer weichern neigung Gött
mauserung 105. II@B@33)
von einzelwesen steht weich
unter umständen als lob, so bei jugendlichen menschen: von jugend uf, dieweyl man noch weych und zart ist Frisius
dict. (1556) 1
a,
und völkern: der missionar nannte sie (
die Griqua) weich, empfänglich, unbedachtsam, leicht vergessend Ritter
erdk. 1, 393,
ferner stets in religiösem zusammenhang: wir neigen uns dir, herre ... prüeve nôt und bis weich
buch Daniel 6403
Hübner; es ist ein zertlich weich ding umb ein gewissen Luther 23, 562
Weim.; wir seynd weych, willig und begirig gottes warheyt anzuonemen Karlstadt
bei Luther 18, 455
Weim.; so ward ich doch gott ergebener und weicher Hippel
lebensl. 1, 274,
vom seelenzustand nach schmerzlichem erleben: jetzt, da ... tausend leiden mich weich und meine kraft ermattet haben Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 151; die krankheit, welche den mann weicher stimmte Stifter 5 i 104,
von der offenheit gegen ästhetische eindrücke: und wem nit alles diss das harte herze bricht, den wird, ich weisz gewisz, die schönheit weicher machen Birken
ostl. lorbeerh. 71; was sucht ihr mächtig und gelind, ihr himmelstöne, mich am staube? klingt dort umher, wo weiche menschen sind Göthe I 14, 42
Weim.; eine weiche musikalische natur IV 29, 220; einer ihrer weichen redner Gutzkow
dram. 12, 19.
doch schlägt hier der wortgebrauch schon zur kritik um, in bitterer parodie auf die philanthropen: ich war von der natur weich organisiert, einer flammenden einbildungskraft antworten leis antönende nerven J. v. Voss
liebe im zuchth. (1807) 45; der weiche poet, welcher den kränzen erliegt (
von Göthes Tasso) Hebbel I 6, 451,
wider einwandfrei, wenn der charakterzug durch entgegengesetztes ergänzt wird: so grosz und so schlicht, so streng und so weich, eine herrliche fürstengestalt Treitschke
hist. aufs. 1, 109.
sonst steht weich
von männern ohne tadel nur, wenn die stimmung vorübergehend ist: in den augenblicken, da mein herz ... weich, ganz weich war Göthe I 17, 166
Weim.; meine einsamkeit hat was weiches und wohlthuendes für mich Knebel (1784)
von und an Herder 3, 15; weine nicht, alter freund — du machst mich sehr weich Iffland 1, 66; er wurde sichtlich weich und sprach Hoffmann 6, 156
Grisebach; freilich hat Schiller auf mich gewirkt, denn er hat dich zärtlich und weich gestimmt B. v. Arnim
Göthes briefw. m. e. kinde 1, 273; wenn ein Coriolan vorübergehend zärtlich und weich wird O. Ludwig 5, 142.
um so ausgiebiger von der frau: (
die macht der liebe hat) ofte die starcken man, ich will geschweigen der weichen freülein, überwunden Arigo
dec. 128
Keller; wann sie ist in der lieb neu und waich Eyb
ehzuchtb. 48, 29
Herrmann; das weibliche geschlecht ist ... weich Nigrinus
v. zauberern 163; ihr (
frauen) seid ein weiches völkchen G. Freytag 6, 303; weich und schamhaft fährt's durch ihre sinnen Droste-Hülshoff
Walther 2, 229; wittwe Bolte, mild und weich, sprach: sieh da, ich dacht es gleich W. Busch
Max u. Moritz 53. II@B@44)
eine besondere bedeutung '
gütig'
reicht nur vereinzelt in neuerer sprache, zufrühst im subst. neutrum: beide weich unde hart muste man in (
den Kuren) legen vor, biʒ daʒ sie vielen uf die kor, daʒ sie den touf entpfiengen
livl. reimchr. 2444
Meyer; von Swarzburg bischof Gerhart der hielt sine burger zart senftmuotig unde weich
hist. volkslieder 1, 177
Liliencron; zerschmettrest und machst waich der gotlosen zorn beiszig Schede
psalmen 17
neudr.; wenn er (
Göthe) von werken ... fast mittelmäsziger art durch eine weiche geräumige unbestimmtheit das beste zu sagen ... sucht Jean Paul 52/53, 3. II@B@55)
ansätze zu tadelnder bed. sind schon im vorigen mehrfach enthalten. stets steht zwischen lob und tadel die formel zu weich:
sie will tadeln, bedarf aber dazu einer modification des adj. gern vom herrscher, seelsorger, erzieher, stilisten und von frauen: (
der bischof) nachdem er zum regiment zu weich was und ime die stiftsgenossen deshalben weinig gehorsams erzeigten Kantzow
chr. v. Pommern 1, 364
Gäbel; den wolffen kannstu nit zu hart seyn, den schwachen schaffen kanstu nit zu weych seyn Luther 8, 687
Weim.; wer aber seinem kinde zu weich ist, der klaget seine striemen
Sir. 30, 7; allein, wie könnt' ein jüngling, weich erzogen, vielleicht zu weich, in solcher noth sich helfen? Grillparzer 6, 21; dasz sie ihr sanftes, ihr Gellertsches temperament dem stile zuweilen aufopfern, und ihn etwas zu weich und zu zärtlich machen Schubart 8, 53; es war zeit, dasz der gnädige herr hereintrat, sonst wäre die gnädige frau gar zu weich geworden Möser 3, 51.
erst modern von der eigenen person: ich bin zu weich, um mein eigner herr zu sein Forster 7, 164; meine zu weiche seele Jean Paul 7/10, 269. II@CC.
zum vorwurf wird weich,
wenn es an stellen verwendet wird, an denen man energie, widerstand gegen gefühle, strenge sitte erwartet. II@C@11)
als tadel des willens, charakters und temperaments bedeutet weich '
energielos': wie weiʒ er mich sô weichen, daʒ er sus ûf mich broget? Stricker
Karl 8982
Bartsch; die frawen ... von natur alle wanckel, unstät und weyche seyn Arigo
dec. 579
Keller; Müller ist weich in weltlichen verhältnissen Forster 8, 138; die frische luft fehlt dem kreis, in dem wir leben, wir alle sind weich und stubenkrank Freytag 7, 175; auszerdem war er eine weiche natur, ohne die zur leitung eines so groszen ressorts nöthige energie Bismarck
gedanken 1, 327; das kernige volk der Deutschen wagte sich also an den ungeheuren urwald, den der weichere Slave nicht angetastet hatte Wimmer
gesch. d. d. bodens 111. weicher mut
ist in älterer sprache geradezu '
energielosigkeit': eya bisz frisch und unverzagt: nie weicher muot kein eer bejagt
der ew. weisheit betbüchl. (1518) 99
a; sein krigsvolck ruo und wollust pflag, gewnnen sy so waychen muot Schwarzenberg
Cicero 153
b.
andere färbungen des sinnes liegen nahe, so '
nachlässig': sol man drumb nicht weych werden noch ablassen Luther 19, 556
Weim. weich
erscheint geradezu als hüllwort für das unhöflichere hinlässig: ich besorge, es werde gegen gott ubel verantwurtlich sin, das mine herren von Momingen, die dem frommen man sin leben redten möchtind, alls sumig und waich sind A. Blarer
briefw. 1, 189. weich
im blick auf künftige gefahr wird zu '
furchtsam, verzagt': die herten, niht die weichen
Parz. 382, 14; sît niht weicher dan ein wîp
pass. 276, 13
Hahn; es ist ein weiche riter, der von überkraft des heres einest hinder sich gewichet Suso
d. schr. 365, 15
Bihlmeyer; da die Franzosen den ernstlichen ... willen des hauptmans ... ersahen, wurden sie waich und verzagt W. v. Schaumburg 133
Keller; et qui weich, die wollen fur yhm fliehen Luther 34 i 315
Weim.; der war ... den seinen gantz hart, gegen die feinde weich und feig, zu streiten gar verzaget Hennenberger
landt. 56; er damit den Moysen erschrecken und weichmachen möchte Ayrer
proc. 238; noch frech wagen, noch weich zagen hat iemals gar viel nutz getragen Logau 1, 4, 86
Eitner. im blick auf lebensweise und denkart kann es '
schlapp'
bedeuten: weich land, milter himel, weyche gemüt Franck
Germ. chron. vorrede aa 6
b; eure majestät wissen, dasz ich nicht weich und milde bin Laube 2, 52.
von herrschern, ärzten, erziehern ist es '
allzu nachsichtig': dem man hat nichts gefeylet, denn das er zu weiche fursten gehabt hat Luther 18, 91
Weim; unter der weichen herrschaft der ängstlichen Wettiner Treitschke
d. gesch. 1, 265; weiche ärtzt machen stinckend wunden Waldis
Esopus 1, 327
Kurz; von da Liscov 334; viel under ihnen, die in ihrem leben zärtlich und weich auferzogen ... ruffeten ihren lackayen Moscherosch
ges. 1, 292; um so weicher ward es von Margot, der amme ... behandelt Laube 2, 129.
in neuerer sprache stellt sich die bed. '
inconsequent'
ein: der hat gar keinen muth, der weisz gar nicht zu hoffen, und dieser wird zu leicht in seinem schlusse weich Besser 1, 71
König. weich
von thieren tadelt willensschwäche und schlappheit: so ist diu murên waichs willen und læʒt sich piegen zuo der unkäusch K. v. Megenberg 166, 8
Pfeiffer; (
die rothschimmel) sind weiche und matte pferde Hohberg
georg. cur. 3, 98
b; ein weicher hund ist, der wind und wetter nicht wol vertragen ... kann Heppe
lehrpr. 303. II@C@22)
als tadel des gefühlslebens bed. weich '
schwach': in der kirche ward ich vollends bis zum weinen weich Bräker 2, 141; indessen ist sie doch weicher als billig
Caroline 1, 235
Waitz; w werden '
gerührt werden' Schöpf
tirol. 807;
entspr. Hunziker
aarg. 290.
der begriff schattet sich hier ab, je nachdem leib oder seele von leid, schmerz, stimmungen, träumen, liebe, ästhetischen eindrücken oder worten afficiert werden: das nicht jemand weich würde in diesen trübsaln
1. Thess. 3, 3; ich könnte noch auf dise mainung, die überwindung des schmerzens betreffend, noch vil hundert exempel fortragen ... welchs billich die waiche unleidliche menschen erschamroten solt Fischart
pod. trostb. 62
Hauffen; schwermuth und traurigkeit machen die seele ... schlaf und eröfnen sie allen weichen und zärtlichen regungen Wieland
Agathon 1, 252; das würckliche kann ich so ziemlich meist tragen; träume können mich weich machen Göthe IV 3, 48
Weim.; wohl ist es keiner von den weichen thoren, die eine falsche weiberthräne schmelzt Schiller 12, 411; um den süszen, sanftgeschwellten mund zieht sich ein weiches dämmerndes verlangen Droste-Hülshoff
Walther 213; der Deutsche ist weich und sentimental. er will die poesie ins leben ziehen Grillparzer 9, 139; er war weich und gegen beredtsamkeit nicht gepanzert Bismarck
gedanken 2, 166. II@C@33) weich
von sitte und sittlichkeit ist '
üppig, lax, wollüstig': weich in worten? weich in sitten und geberden? weich am hertzen. was ist weicher dann jener leib, der keine andere, dann eitel weiche geberden hat? Moscherosch
ges. 2, 95; die tugend will durch seine weiche lehre begriffen seyn Lohenstein
Arm. 1, 109
a; ein weicher kerl, einer der sich auf die weiche, oder wollüstige seite legt Ludwig 2420.
die übertragung aus der sinnenwelt ist mehrfach noch deutlich: sîn blic tæt entblecken an êren die weichen von vorhten erbleichen U. v. Liechtenstein 404, 22
Lachmann; ach, schmolz der väter tugendkraft so weich!
F. Schlegel
Athenäum 3, 165.
die bed. schattet sich ab, je nachdem personen oder thaten weich
genannt werden. im ersten fall geht sie aus von negativen färbungen wie '
lässig im guten': der lîp ist zuo geistlichen sachen weich unde ungehaldich
ged. d. 12. jahrh., litanei v. 9
Maszmann; '
unfähig zum guten': sie mainen, der mensch werde weich und faul durch den wein, arbeit zu leiden Quadt v. Kinkelbach
t. nation herrl. 103; '
unsittlich': werden gottlos und weich, bereit zur lasterfahrt Opel - Cohn 30
jähr. krieg 416; '
ohne mark': es ist wieder ein weicher wollüstiger dichter aufgestanden Boie
bei Weinhold 224.
in positiver färbung kann sie sich steigern bis zu '
verbrecherisch': er fand gar weich leut darin, die schmackten und stunken vor groszen sünden
der heil. leben (1471)
winterth. 59
a; (
dasz der fromme arme gegen glück unempfindlich ist) das ketzert und martert den weychen reichen über die masz
sprichw. klugr. 67
b; weiche leute hieszen ehemals auch verbrecher Campe 5, 635.
meist bleibt sie jedoch bei '
verweichlicht'
stehen: ein weibisch volck, ein weyche schar, on hertz, on muot, on tugent gar Hutten
clag u. vormanung v. 1174
Balke; so veracht Maximus Balbinum als einen weychen, wollüstigen müszigganger Franck
Germ. chron. 31
b; die Longobarden waren durch lange ruhe weich geworden Klopstock
gelehrtenrep. 300.
von einem thun irgendwelcher art ausgesagt ist weich
in freiem gebrauch alt: du bist worden zornbleich, ze dînem bruodir ist dîn triwe weich
genesis 24, 18
Diemer, und mannigfaltig: '
sittlich minderwerthig': daʒ vierd werch ist, daʒ der heilig gaist unsriu waichiu krankiu werch und unsern kurzen fürsatz sterkt und lengt K. v. Megenberg 69, 31
Pfeiffer; '
überfeinert': grobheit ist den männern lieber als die weiche sittenart Grob
dicht. vers. 70; '
läppisch': wie der papillon ... das leben in der weichen jagd nach einem zweiten papillon verspielen Jean Paul 39, 34.
häufig ist es in den formeln weiches leben,
in der es von Murner
badenf. 10, 61
bis F. Schlegel
Europa 2, 127 '
verwöhnt'
bedeutet, und weiche sitte,
die von Gottsched
d. schaub. 4, 3
bis Schubart
ged. 2, 282 '
verzärtelung'
bezeichnet. hier auch der comp.: luft und sitten sind weicher J. v. Müller 1, 28.
sprachlich gleichwerthig ist weich
bei bezeichnung eines nichtsthuns, es bedeutet hier, stets in attr. gebrauch, '
bequem': des weichen, rüwigen und weibischen müsziggangs achte dich nicht Albertinus
weckuhr 75
b; eine weiche trägheit Ramler
einl. in d. schönen wiss. 3, 20; jedoch, der weichen ruhe überdrüssig, ersann der tauber eine reise sich H. v. Kleist 4, 16; der weiche gepriesene schlaf Arndt 6, 40
Rösch. IIIIII.
zusammensetzungen: bapp-, blei-, brei-, butter-, dotter-, dreck-, durch-, ehren-, ekel-,
erd-, feder-,
fest-, feucht-, flaumen-,
flöten-, forellen-, gefühls-, glied-,
hand-, härmlein-, herz-, kissen-, kummer-, leder-,
liebe(s)-, lied,
lutt-, maien-, mark-,
matsch-, maul-, pfirsich-, pflaumen-, sammet-,
sattel-, scharling-, schleier-, schwanen-, seiden-,
sohlen-, thränen-, über-, un(g)lied-, verzeihungs-, wachs-, wehmuth-, windel-, winter-, wollen-, wollust-, zorn-, zugweich.