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wahn

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wahn m.

Bd. 27, Sp. 602
wahn, m. erwartung, hoffnung, verdacht, meinung, unsichere annahme, einbildung u. s. w. ein in der älteren und neueren sprache gleich häufiges wort, hier aber mit starker veränderung der bedeutung. II. herkunft und form. das gemeingerm. wort lautet mhd. wân, ahd. wân, suspicio, spes, opinio, existimatio, aestimatio, placitum. Graff 1, 857; entsprechend asächs. wân, absicht, hoffnung (nur je einmal im Heliand und den gl. Lips. belegt), mnd. wân, hoffnung, vermutung, argwohn, ndl. waan, afries. wên, f. meinung Richthofen 1133, nfries. wean, ags. wén, f. und wéna, m. hoffnung, wahrscheinlichkeit, meinung, mengl. wān (aus dem nord.) Stratmann-Bradley 667 und wēne ebenda 676, nengl. (schott.) wan günstige aussicht, hoffnung (die echtengl. form zeigt das verb. ween), anord. ván, f. aussicht, erwartung, hoffnung, schwed. vn aussicht, möglichkeit, got. wêns, f. erwartung, hoffnung (ἐλπίς). am nächsten verwandt sind die adjectiva anord. vǽnn hoffnungsvoll, viel versprechend, tüchtig, schön (in den neueren nordischen sprachen dringt diese bedeutung durch), wozu auch die comp. got. (nur schwach) uswêna hoffnungslos und ahd. anawâni, urwâni gehören, und asächs. wânam, wânum (wanam?) heiter, glänzend, herrlich, eig. wol erhofft, erwünscht (es wird von naturerscheinungen, aber auch vom auferstehenden Lazarus und Christus, und zweimal von einem kinde, das auf die welt kommen soll, gebraucht, ähnlich erscheint wânlîk als 'schön'). aus den andren indogerm. sprachen vergleicht Meillet m. soc. ling. 9, 55 und Uhlenbeck etym. wb. der got. sprache2 170 lat. vēnāri jagen (urspr. erstreben?), was geringe wahrscheinlichkeit hat. meist wird wahn zu den bildungen gestellt, die zur wurzel ven begehren, erstreben, lieben, gehören: skr. vanóti, vánati wünschen, lieben, erlangen, siegen, vánas lust, avest. vanaiti siegen, lat. Venus, venustus; aus dem germ. gehören wohnen, gewinnen, wonne, wunsch u. a. hierher. dagegen leitet Bremer in Paul-Braune's beitr. 11, 274 das wort von einer wurzel vē 'glauben' ab, zu der auch wahr gehören soll. der germ. stamm *wēni- erscheint nur im deutschen als masc. (aus dem asächs. läszt sich das genus nicht sicher erkennen), sonst überall als fem., was jedenfalls das ursprüngliche ist. im deutschen wird unter dem einflusz bedeutungsverwandter wörter ein wechsel des geschlechts eingetreten sein. damit hängt zusammen, dasz das wort seinen charakter als i-stamm allmählich einbüszt; formen des plur., in denen die i-flexion nur noch zu erkennen war, kommen im ahd. und mhd. nicht häufig vor. bei Notker erscheint einmal wâna, während sich wâni überhaupt nicht sicher nachweisen läszt (Otfrid 2, 14, 89 bî thên wânin, wo aber auch wânîn, vom fem. wânî, gelesen werden kann). im mhd. tritt nur ganz vereinzelt umlaut auf: orlouge und wene der urlouge (proelia et opiniones proeliorum). Beheims evang., Matth. 24, 6, strite und wene der strite (bella et opiniones bellorum). ebenda, Marc. 13, 7. sonst ohne umlaut, also mit übergang zur a-classe: wan Leysers pred. 41, 9; won K. v. Megenberg 448, 24; wan 453, 34. im nhd. hat Luther öfters wahne (II, 5, d), Franck teutscher nat. chr. 2b won, Mathesius hist. d. Luthers 357, 12 wohn, in der neueren dichtung verwendet Arndt mehrfach die form wahne (II, 5, d). im ganzen kann der plur. als unüblich bezeichnet werden. neben der form wan, wahn (die bezeichnung der länge durch h findet sich bei Luther, bei Dasypodius und fast in allen späteren wörterbüchern) kommt seit dem späteren mhd. auch won, wohn vor; das schwäb. woun z. b. bei Herm. v. Sachsenheim mörin 2380 erscheint in der späteren litteratursprache nicht mehr. der übergang des â in ô ist hier, wie sonst vor n, besonders dem obd. eigen, kommt aber auch in md. quellen vor, wie in anderen wörtern mit â. durchgedrungen ist die form wohn nicht, weil daneben auch die ältere schreibung mit a festgehalten wurde und besonders wohl unter einflusz des verb. wähnen; nur beim comp. argwohn hat die o-form gesiegt, weil der zusammenhang mit dem verbum hier sich gelockert hatte. im 16. jahrh. überwiegt wohn bei den Oberdeutschen, z. b. Brant, Gengenbach, Murner, Wickram, Fischart, Ryff, S. Franck, Aventin, H. Sachs (der auch wahn hat), Ayrer. aber auch in md. quellen kommt wohn vor, z. b. bei Waldis Esopus 4, 75, 61. Livius bei Rihel 690. Kirchhof wendunm. 1, 519. 5, 268. volksb. v. Faust 43. jag- u. weidwerckb. bei Feyerabend 1, 37b. Agricola sprichw. 2, 11b. Schwengkfeldt catechismus Christi B 4a. Mathesius Sar. 199a. historie d. Luthers 357, 12 Lösche (meist wahn). Rebhun hochzeit zu Cana vorr. 5. Kantzow chron. 16, 91. Luther dagegen hat wahn und unter seinem einflusz ist diese form später durchgedrungen, auch der grammatiker Clajus (36 Weidling) hat wahn. von wörterbüchern haben Dasypodius 460b wohn, Maaler 505c won, Emmelius sylva Z 6a, Frischlin nomencl. 179, Hulsius 278 und noch Schönsleder prompt. mm 7b wohn. in der litteratur des 17. jahrh. kommt wohn bei Oberdeutschen und Westmitteldeutschen noch vor, z. b. Albertinus Gusman 381. hofleben 2a. Balde Agathyrsus vorr. A 2a. 87, 2. würt. herbstordnung 26. Zincgref apophth. 283. Ritter gramm. germ. nova 37. D. v. d. Werder Ariost 5, 56, 8. v. Schnüffis wald-schallmey 257. die Schlesier dagegen gebrauchen wahn; Opitz hat nur in der ausgabe von 1624 s. 103 einmal wohn, auch bei Fleming 103 begegnet nur ein vereinzeltes wohn. die grammatiken und wörterbücher bringen jetzt wahn, Stieler 2468 führt noch wohn, won als weniger gebräuchlich an, aber hauptsächlich mit rücksicht auf argwohn; auffällig ist, dasz auch Rondeau noch won (neben wahn, wan) kennt.die verlängerte form wahne (z. b. wane Alsfelder passionsspiel 38, wane, wone Diefenbach gl. 569c, wone Fischart dicht. 3, 153, 4 Kurz) hat kaum eine grundlage in der gesprochenen sprache. IIII. bedeutung und gebrauch. als die ursprüngliche bedeutung darf die von 'erwartung' angesehen werden, die sich auch gut in den etymologischen zusammenhang, in den wahn wahrscheinlich gehört, fügt (die bedeutung 'erwartung' müszte aus der von 'verlangen, sehnsucht' hervorgegangen sein). allerdings wäre es auch möglich, aus der im mhd. vorwiegenden bedeutung 'unsichere meinung' die verschiedenen bedeutungen des wortes abzuleiten, wie das gewöhnlich geschieht; da aber die bedeutung 'erwartung' im altgerm. überwiegt, im got. und nord. sogar allein vorliegt, und die verwandten sprachen eher auf diese bedeutung als auf die von 'meinung' hinweisen, dürfte es richtiger sein, hier kein mittelglied anzunehmen. die bedeutung 'erwartung' hat sich bis ins nhd. hinein in resten erhalten und der übergang zu 'unsichere meinung' u. s. w. ist ein ganz allmählicher. II@11) wân als 'erwartung'. II@1@aa) in den meisten fällen geht die erwartung auf das eintreten von etwas günstigem. die bedeutung ist daher die von 'hoffnung, auf deren erfüllung man rechnet, zuversicht' und, wenn die erwartung sich auf das günstige verhalten von personen richtet, 'vertrauen, zutrauen'; die bedeutung geht hier und da (wie bei ags. wén und anord. ván) in die von 'worauf man hoffen kann, aussicht, möglichkeit' über. II@1@a@aα) im ahd. steht wân für 'spes' (vgl. auch die composita unwân und urwâni 'desperatio') in der Benedictinerregel, den Murbacher hymnen und den Prudentiusglossen, Steinmeyer-Sievers gl. 2, 466, 6. die ältere litteratur verwendet es in entsprechender bedeutung (gern in verbindung mit bedeutungsverwandten substantiven, gedinge und wân, trôst und wân): thes wânes was sih frewenti (Zacharias nach der verkündigung Gabriels). Otfrid 1, 4, 83; doch trœstet mich mîn tumber wân, ein guot gedinge den ich hân zir tugenden der si vil begât, daʒ si mich lîhte niht enlât ûʒ ir gewalt. U. v. Gutenburg, minnes. frühl. 71, 1; herr' unser trôst und unser wân, der was alsô hin z' iu getân. G. v. Straszburg Tristan 5824; alsus geschach den beiden (Daphne und Apollo): von vorhte snel was daʒ ein, der wân daʒ ander jagte. Albr. v. Halberstadt 1, 1027 Bartsch; mîn lieber wân der half ie vil kleine, wan daʒ ich hoffet alle tage ... in dem wâne lebt ich dô, von dem wâne hât si mich gescheiden, unde bin von schulden vrô. Heinrich v. Meiszen, minnesinger 1, 13a Hagen; nitt yedem gatt noch hoffens won. Brant narrensch. 94, 29; habt ihr vergessen der wolthat, die euch Ursus bewisen hat, dem ihr mich auch zu weib verhiest und ihn im wohn weg ziehen liest? Ayrer 1434 Keller. mit abhängigem obj. genetiv: daʒ beste gelt der fröiden mîn daʒ lît an ir, und aller mîner sælden wân. Reinmar, minnesangs frühling 158, 24; si wolden got haben genomen zû helfe durch des sigis wân und wolden selbe gestriten hân. livländ. reimchron. 11874 Meyer. am häufigsten ist wahn haben, woran sich ein genetiv (des), eine bestimmung mit zu oder ein abhängiger satz anschlieszen kann: in sînan namun eigun deotûn wân, in nomine eius gentes sperabunt. Matth. 12, 21; Binabel was ain starc man, des nehete niemen nehain wân, daʒ im Tirrich vor gehabete oder dehain wîle gelebete. Konrad Rolandslied 303, 2; sô vil sô ich gesanc nie man, der anders niht enhæte wan den blôʒen wân. Reinmar, minnesangs frühling 156, 28; swie vil ich trôstes ie verlür, sô hât ich doch ze fröiden wân. Walther 95, 22; ichn habe gedingen noch wân, daʒ ich in iemer vinde in mînem gesinde. Hartm. v. Aue Iwein 7864; alrest begunde er rechendaʒ im dâ was getân. dô heten sîne vîndeze lebne deheiner slahte wân Nibel. 1917, 4; si (Margarethe) ... gap hantvest unde lant von Ôsterrîch dem herzogen, daʒ si von im unbetrogen belîben solt; des het ouch wân vil maniger witziger man — den wart daʒ sît vil leide, dô si die frouwen beide von den sachen verlurn. Ottokar österr. reimchr. 2197 Seemüller; dâmit gewan man die stat. und dô diu burc niht enhât deheinen wân noch trôst, daʒ si her Philip lôst, dô muosten sis dem kunic geben. 10578; Lîven die sint heiden; dâ sal sie got von scheiden kurzelich, des wir haben wân. livländ. reimchron. 377 Meyer; dar nach da der Zenger het wan, es solt pei dem pesten bestan, da liessens den herczagen ain und gaben in dy vanknus sein disen Fridrichen Zenger. Beheim buch v. d. Wienern 213, 15; zuo irem abgot und patron, dem falschen bösen man, han sie gehabt ein andern wohn, nun fehlts wol umb eine spann. Liliencron hist. volksl. 4, 198, 7. neuerdings hat Görres wieder von der wendung gebrauch gemacht: das sey meine sorge, ich habe wahn, dasz ich es an ein ende bringe. heldenbuch v. Iran 1, 211. wahn tragen: der bâbest vrôn Silvester hæte sich an got verlân und truoc ze sîner helfe wân. K. v. Würzburg Silv. 2788. in wahn sein von der schwangerschaft (vgl. in der hoffnung sein): eine wittib, die unfehlbar nicht schwanger, (solle) vor einem halben jar, aber welche der schwängerung halben in wahn, oder doch, dasz sie nicht schwanger nicht allerdings vergewiszert were, ehe und befohr die des wahns ab, oder, da sie schwanger, der geburth erlediget wird, sich nicht ehelich wider versprechen noch verheurathen. Schott landt- u. stadtrechte 1, 229 (Nördlingen, erneuert 1650). einen wahn gewinnen: daʒ mir ist von iu geschehen ein sölch genâde daʒ nie man von sînem herren mê gewan alsô genædeclîchen wân als ich von iu vernomen hân. Rud. v. Ems guter Gerhard 3393; so sie (Maria) doch solt und gerne wolt das aller furnhemist exempel der gnaden gottis sein, alle welt zureytzen in gotlicher gnaden zuvorsicht, lieb und lob, das alle hertzen von yhr ein solchen wahn gewunnen zu got, der do mocht mit aller zuvorsicht sprechen: ey du selige jungfraw und mutter gottis, wie hat uns got in dir ertzeigt so einen grossen trost etc. Luther 7, 569, 21 Weim. ausg. seinen wahn zu, auf jemand setzen: lasz alle dine grosze sorge vaern unde setcze czu gote dinen waen. Apollonius 65, 12 Schröder; ir (die bauerndirne) habt villeicht gesatzt ewren wan auff ainen burger oder auff ainen edelman. Rosenblüt bei Schmeller2 2, 918. einem einen wahn thun, später aufthun: 'herre' sprâchen s' alle dô 'kunde eʒ iemer werden sô, der wân, den ir uns habet getân, daʒ der möhte vür sich gân, daʒ wære unser aller ger.' G. v. Straszburg Tristan 6235; ich main, ich hab in (den preis) pas erworben mit einer hausdiern wolgetan, die tet mir auf iren wan ... der must ich holz und wasser tragen ... dreu jar noch bleib ich ungewert. fastnachtsp. 123, 18; hat im das maul geschmiert und eyn wohn auffgethan, wie dasz er im wöll verhelffen, dasz er söll alszdann oben hinan kommen und in die herrschafft eingesatzt werden. Micyllus Tacitus 121a. einem geschieht wahn: di hie der Minn mit swacher tat ir ere stæte værn ... den schol von chainem roten munt guoter trost noch wan geschehen. Suchenwirt 24, 320 Primisser. auf einen wahn 'in einer bestimmten erwartung': ûf guoter gedinge wân. R. v. Ems Barlaam 49, 35; doch swâ er ûf die sliht mohte gereden zwischen in bêden, daʒ tet er ûf einen wân, daʒ im der herzog gedæht daran, ob sich nû füegte daʒ. Ottokar österr. reimchr. 69790 Seemüller; der bischof der vil gute gab ir den sarc uf sulchen wan, wand er sante Stephan dachte in dem andern sin. passional 48, 19 Köpke; thet gleich, sam wolt sie mich ansprechen und mich gancz freuntlich schmellet on. auf solchen gueten trost und won hab ich die nacht geschlaffen wol guetes muetes und trostes vol. H. Sachs fastnachtsp. 61, 340 Götze. ohne weitere bestimmung auf wahn 'aufs geratewohl': wer auf einen pösen grunt pawt und allen frawen trawt und einen sack auf wan kaufft und mit einm narren raufft, sol es dem wol ergan, so musz er gar grosz geluck han. Schmeller2 2, 918 aus einer hs.; wann man nicht nur auff wohn straifft, sondern einem fliehenden übelthäter nachgeeylt wirdet. bayrisches landrecht (1616) 713. in der kanzleisprache begegnet wahn mit obj. gen. als 'aussicht auf etwas, zusicherung von etwas': die kurfursten ... swuren, daʒ si ein romischen kung erwelen solten weder durch lieb, noch durch laid, noch durch gut, noch durch gucz wan, noch durch kainerley weis anders, daʒ si dewch, der dem heyligen romyssen reich nücz und gut wer. Stromers Nürnberger chronik, städtechr. 1, 52, 18; botenbrot, schencke, myete, myetewon (sollen sie nicht verlangen). Straszburger zunftordnungen 79 Brucker; söllent ouch sweren an den heilgen, das sie von keinem gaste ... weder letzte, schenke, miete noch mietewon ... nemen söllent. Eheberg verfassungsgesch. der st. Straszburg 1, 26 (1405); wir heissent ouch mietwon, was man eim mit geverden, als wol geschehen möchte, ze kouffende git vast neher, dann er wol weisz und sich verstot, do es besser und me wert ist, als höfe, hüser, acker, matten, zins ... nützit uszgenomen. oder wer es, das sü iemant solichs guotes in obgeschribener mossen türer gebent zu kouffen, wann es wert were, das haltent wir ouch für miet und mietwon, were es ouch das semlichen vorbegriffenen personen geverliche ützit glopt würde ze geben in künfftigen ziten, haltent wir ouch für mietwon. 1, 92 (1433). vgl. mietwân Lexer 1, 2136, oben theil 6, 2183 (Frisch 2, 415c erklärt es kaum richtig durch 'was den schein eines geschenkes hat'). II@1@a@bβ) häufiger als das einfache wahn in dieser verwendung ist es in verbindung mit adjectiven, die an sich schon auf die bedeutung der hoffnung, zuversicht hindeuten: mir ist komen ein hügender wân und ein wünneclîcher trôst, des mîn muot sol hôhe stân. H. v. Morungen, minnesangs frühling 125, 30; mich hât ein wünneclîcher wân und ouch ein lieber friundes trôst in senelîchen kumber brâht. Walther 71, 35; diu heilige gotes kraft ... diu vergelte iu trôst unde rât unde den sæleclîchen wân, den ir uns allen habet getân. G. v. Straszburg Tristan 6201; ein meʒ begunde er zucke: dâ von die juncvrouwe sân gewan ein trôstlîchen wân, daʒ er sie wolde tôten und hulfe ir ûʒ den nôten. Albr. v. Halberstadt 16, 314 Bartsch; eʒ was ein zuoversihtic wân daʒ nâch des bluomen blüete diu fruht der süeʒen güete solte nâch wunschlîcher zuht bringen nâch der blüete ir fruht. Rud. v. Ems guter Gerhard 5418; nu merkt, wie die Heine jahen mit ippiklichem won: wir wellen den künig empfahen mit bruoder Veiten schon ... mit unsern langen spieszen, secht dasz euch kainer entgang! Liliencron hist. volksl. 3, 172, 8. häufig ist lieber wahn, das besonders (wie auch oft das einfache wahn) auf die hoffnungsselige stimmung des liebenden geht: ouch half mich sêre ein lieber wân. swanne si mîn ougen sân, daʒ was ein fröide für die swære. F. v. Hausen, minnes. frühl. 45, 32; ein niuwer sumer, ein niuwe zît, ein guot gedinge, ein lieber wân, diu liebent mir en widerstrît. Walther 92, 20; diu grœste fröude die ich hân, dast guot gedinge und lieher wân. Freidank 134, 23; doch hât mich behabet an liebem wâne noch der wân, daʒ nieman grôʒ liep enmac ân under wîlent leit gehân. U. v. Singenberg, Schweizer minnesinger 40, 11 Bartsch; wir sun hôchgemüete und lieben wân ûf gedingen hân; lânt die siufter in unfröiden sterben, wir sun nâch gelücke in fröiden werben. K. v. Landegge, ebenda 227, 19; dar zuo stiuret mich mîn vrîer muot, den ich hân, unde ein lieber wân, daʒ ich wol gedenke, wâ mit ich mir trûren krenke: wan sol ûf genâde frô bestân. 236, 30; so bœse naht ich nie gewan und wære ich niht ûf lieben wân die selben naht aldâ gewesen, jâ wæne ich nimmer wær genesen. guot gedinge derst vil guot; lieber wân noch sanfter tuot. swer lieben wân bî kumber hât, des mac mit vreuden werden rât. Ulr. v. Lichtenstein 340, 26; ich pin doch stætleich auf dem wan, daʒ ich wil in gepirge yagen, ob mir vraw Selde wolt betagen, daʒ ich von sorgen bürd erlöst, mich hetzet alleʒ guoter trost, so daʒ ich harr auf liben wan. Suchenwirt 26, 57 Primisser; hat er ainen lieben won, so sol er harren nicht lǎn. Hätzlerin 2, 15, 15. Rückert hat in seinen minneliedern die wendung wieder gebraucht: zwar thut sie, als sollte nie ein glück mir nahn, auf lieben wahn doch dien' ich ihr. ges. ged. 4, 385. am längsten hat sich guter wahn als 'hoffnung, zuversicht, zutrauen, günstige aussicht' erhalten, das auch noch im 15. 16. jahrh. nicht selten vorkommt: der künic in guotem wânedô vrœlîchen saʒ: daʒ im gelobte Sîfrit,wol gedâht er ane daʒ. der eine tac in dûhtewol drîʒec tage lanc. an sîner vrouwen minnestuont im aller sîn gedanc. Nibel. 659, 1 Bartsch; er gedâht. ob er mit sîner kraft Stîrlant betwunge, ob im sô wol gelunge, eʒ müest in doch vil kosten ... nu gedâht der sinnenbære, daʒ er in guotem wân den eidem lieʒe riten dan, als er was komen dar. Ottokar österr. reimchr. 2073 Seemüller; och hânt die Juden guoten wân daʒ siu werden ûʒ verlân bî deʒ Endecristis zît. H. v. Langenstein Martina 192b, 51; der Eckhart sprach: ist es oun zorn, das ich üch widertriben hon? der marschalk sprach: hab guoten woun. wir syent billich als guot frünt. H. v. Sachsenheim mörin 3180. tröstlich gedingen ich zue der gueten han, wie sy mich nicht well lan, unvergessen pin ich ir undertan und harr auff gueten wan. O. v. Wolkenstein 31, 18 Schatz; vält es mir heut, es trifft leicht morn; dar auf derfreuwet sich mein muot und harren ie auf guoten wan. Wittenweiler ring 12b, 24; und volgst du mir an diser fart, so leidt dein er chain wee noch hart, und lebst in guotem won! Hätzlerin 1, 123, 77; so ist es nun gemain, wan ainem ain guot won geschicht, das er offenlichen spricht, das in sein fraw trösten wil. 2, 21, 117; der ist eyn narr der kynden gytt, do er syn zyt solt leben mytt, verlossend sich uff guoten won, das inn syn kynd nit sollen lon und im ouch helffen inn der not. Brant narrensch. 90, 3; pfü dich du schnöde böse welt, du hast mich glon uff guotem won, desz ich in grossen nöten ston und allzyt gottes urtheil wart. Gengenbach 6, 798 Gödeke; wann ich nun mag din (Venus) lieby han, bliben also auff guotem won. 8, 287; al hoffnung und al guoter won, der wil unsz hie verfallen schon; wir soltens haben basz besunnen. Murner luth. narr 3290 Kurz; und förcht in warheyt dasz ... hab nie keyn guten wan. Diefenbach-Wülcker 892 aus d. Weimarer archiv (1523). einem einen guten wahn thun, aufthun: her wolde obir meer zihn unde die Sarracenen .. bekeren unde zu dem cristenglouben brengen, were das om der babist das mit etzlicher wirdigkeit belonen wolde. do wart om eyn guter wan von dem babiste unde den cardinalen gethan. Rothe düring. chron. 177; ich pult ein schones tochterlein das sie tet den willen mein ... so lang und vil ich mit ir redt, das sie mir guten wan auftet. fastnachtsp. 117, 27; weisz pedeutet guten wan, den mir di minn hat aufgethan, höflich schimpfen und frölich scherzen, und kumer und not meinem herzen hat die lieb geletzet. 778, 7; (die jungfrau) treibt doch das gspött ausz seiner kunst und thut im auff ein guten wan, samb sey er im korb der best han. doch wenn er meint, am vesten steh, nemt sie ein andern zu der eh. Hans Sachs 21, 261, 2 Keller - Götze; ew. gn. geruche czu wissen, das disz gantcz gebiette nu ausz dem bunde ist ... so das ich mich szere in den sachen beerbet habe. welde got, das is ew. gn. zcu dancke were, und noch gerne thun welde, wuste ich ew. gn. wille. wen etczliche erbar lewthe ausz dem Tauchelschen gebiette dem kompthur und mir guden wan haben gesaith. acten der ständetage Preuszens 3, 270 (v. j. 1451). auf guten wahn: ich hân der werlte ir reht getân ie nâch der mâʒe als eʒ mir stuont. der volge ich noch ûf guoten wân, alsam die tôren alle tuont. H. v. Rugge, minnesangs frühling 105, 35; zur kirchen giengen si zuhant durch beʒʒerunge ûf gûten wân. passional 14, 51 Köpke; recht als ein yeger seilet auf guten wan sein liben hunt, wirt im ein recht geverte chunt, secht, so mag er laʒʒen in auf heiles trost und auf gebin. Suchenwirt 26, 9 Primisser; ich hab getoun des wunders vil uff guoten woun, als noch dick manger jünger tuot. H. v. Sachsenheim mörin 2380; münch, pfaffen, schreiber und sust mer ander leut, die peherbergt er. nun kam ich auch auff guten won und maint, ich solt ain herberg hon die nacht in disem hausse, do waʒ der richter ausse. Beheim buch v. d. Wienern 409, 27; in meinem herzen ich des traur, sol mein dienst uf guoten won von eüch sölichen lon hǎn. Hätzlerin 2, 7, 89; so dien ich dir uff guoten won. 2, 72, 119; rote farb erfreuet mich, das freu ich mich. auff guter (l. guten) wahn! vergangen ist des maiens blüt ... ey ist es kalt, so werd es widder warm. bergreihen (1531) 32 neudr.; dann es hat auffgehalten mich (sagt der wolf) ein fraw die winterlangen nacht, auff blosz hoffnung hab ich gewacht, die mir verhiesz offt überausz, das kindlein zu werffen herausz, dasz ich ir weinend kind solt fressen. auff guten wan bin ich gesessen, bisz schir der helle tag anbrach. Hans Sachs fabeln 2, 301, 54; wir leben all auf guten wohn, des tods sorg ist doch niemand ohn. Kirchhof wendunm. 5, 268 Österley; (er) sprach, wie er von den, so uf der vesti Lentzburg werent, verstanden hette, wie si wolten sich gern ergeben ... und waʒ aber an im selber nit also ... alsus kond er nüt geschaffen, denne daʒ er uf den guten won verzert hat me denne sechs thuseng guldin. Justinger Berner-chronik 227 Studer. im ganzen haben sich also doch nur geringe reste von wahn in dieser bedeutung in die nhd. periode hinüber gerettet. in glossaren und wörterbüchern wird auf dieselbe nirgends rücksicht genommen. II@1@bb) auch die bedeutung 'befürchtung', die weit seltener vorkommt, kann unmittelbar aus der von 'erwartung' abgeleitet werden: er begunde sich sêre slân, daʒ Kornewâl des hete wân, er wolte wüetic werden. Tristan als mönch 774 Paul; also hân ich noch gên im wân, ich fürht, er well ûf stân. dâ von mach mich des wânes frî, zerstück in, als lieb ich dir sî. Enikel weltchronik 18111 Strauch; si hatten dar ûf keinen wân, daʒ iemant solde schieʒen, des wolden sie genieʒen. sie blôsten sich deste baʒ. livländ. reimchr. 8696 Meyer; ich hab der hoffweisz nit vil pflegen (sagt der pfarrer), ich kan auch do niet vil darzue, ich weisz, ob ich im recht thue. die fraw sprach: seidt on alen wan, ir habt im vast wol recht gethan, das wil ich in der warheit jehen. pfarrer v. Kalenberg 1745 Bobertag; Maria cantat. ich hor seiner (Jhesus) angest not, owe wAer ich fur in tod! ... owe owe owe der jAemerchleichen chlag, de ich muoter aine trag von des todes wane. Erlauer spiele 6, 126 Kummer. schwerer wahn: es ist alhie manigerlei rede, als solt ew. curf. gn. mit harter schwerer krangkheyt beladen ... des ich, weyl sich ew. curf. gn. schreiben so lange vorzcogen, eynen schweren wan schepffet. Diefenbach-Wülcker 892 aus d. Weim. archiv (Nürnberg 1520). II@22) als sehr alt darf auch die bedeutung von 'verdacht' angesehen werden; sie reicht im ahd. bis ins 8. jahrh. hinauf: suspicio, wan im keronischen glossar (in Pa. und gl. K.) Steinmeyer-Sievers gl. 1, 88, 36. sie ist auch aus der grundbedeutung 'erwartung' abzuleiten und mit der vorausgehenden von 'besorgnis' unmittelbar in verbindung zu bringen, als eine ungünstige annahme von einer person oder sache, von der man erwartet, dasz sie sich bestätigen wird; vgl. auch das comp. zurwân, suspicio Graff 1, 860, wo das moment des ungünstigen in der erwartung durch das präfix zum ausdruck gelangt. wahn kommt als 'verdacht' bis in die nhd. zeit vor, allerdings das einfache wort weit seltener, als in verbindung mit böse oder arg, bis schlieszlich das comp. argwohn ganz dafür eintritt. die auffassung ist meist subjectiv als 'verdacht den man gegen jemand hat', seltener objectiv als 'verdacht der auf jemand lastet' oder 'dem man sich aussetzt': joh thiu racha sus gidânnam thes huares thana wân. Otfrid 1, 8, 6; Pilatus wolta sliumo sârfon imo neman thô then wân, thaʒ er thes ni wânti,er iʒ fon imo irthâhti. 4, 21, 9; er (der fischer) hette ein wip nach wunsche gar ... wann das sie den pfaffen minte vor irem man. des het der vischer keynen wan. Keller erzählungen 351, 4; se entleyden sik des wones myt rechte (eidlich). Lübecker chroniken 2, 208 bei Schiller-Lübben 5, 766; die weyl dann durch yhr solch bcher vorprennen der warheyt eyn grosz nachteyl und bey dem schlechten gemeynen volck eyn wahn (im lat. text 'suspitio') da durch erfolgen mocht zu vieler seelen vorterben. Luther 7, 164, 4 Weim. ausg.; jungfrawen, so in verschloszne klöster versteckt, deren zucht scham und keuscheit bekandt und gar bald so mann nur ein kleinen wohn uff eine het, hertiglich gestraffet. Petrarche trostbücher 27b. auf wahn 'auf verdacht hin': solch zeugnusz ist auch nicht genug, darmit kan braucht werden betrug, die köngin mag unschuldig sein, auf won umbbracht worden allein. Hans Sachs 16, 53, 31 Keller-Götze. ohne wahn 'ohne sich einem verdacht auszusetzen': so sol auch kein meister den andern bewaschen oder beligen oder nach seinen werck sein, es sey den sach, das einer davon lieffe oder auffsagete oder im erlaubete oder in darumb bethe, so thete er es one wan. Rochlitzer hüttenordnung 33 Pfau. häufiger ist böser wahn: ich wil, âne bœsen wân, von iu die gäbe enpfâhen hie. W. v. Gravenberg Wigalois 12, 36; ein valscher man muoʒ iemer hân ze guoten liuten bœsen wân. Freidank 45, 3; seht ditz sint rechte gene, di wir etswenne vorspottet han und zu irme leben heten bosen wan und sprachen in unser wildekeit, ir leben were ein tobeheit und ir leben stunde an ere. Brun v. Schonebeck 7727; daʒ êrste ist, daʒ wir alle kristen alles übels verwîʒen noch keinen bœsen wân gên nieman haben, von dem wir niht bœses wiʒʒen. mystiker 1, 339, 23; ich han gesundigt ... mit bosem willen und mit boser gerunge, mit bosem wane, mit schelden etc. altd. predigten 1, 40, 34 Schönbach; es ist ye vordechtig und boszes wansz wirdig, das viel geringer ding ynn der schrifft szo viel mal szo klar, szo starck gegrundt ist, und dieszem grossem dinge (dasz der pabst Christi statthalter ist) kan niemant auff den heutigen tag eyn eynigen klaren grund antzeigen. Luther 7, 409, 12 Weim. ausg.; so bin ich beredt durch christlich lewt, mich zu euch zefügen, bösen wahn wider gottes wort ingefasst mit gotts hilff abzustellen. Eberlin, beitr. z. bayr. kirchengesch. 1, 269; und auf dasz ja niemants vom bapste habe ein bosen wan, so musz man in nennen den allerheiligsten man. Schade sat. u. pasqu. 1, 4, 121. Diefenbach gl. 569b suspicio, bose wan, böse wan, boʒer wan (won, wane, wone); 569c suspicium, bose wane (einige dieser formen sind wol als comp. aufzufassen, vgl. ebenda suspiciosus, bosewonig u. ä.). eine spezialisierung tritt hervor in 634c zelotypia, boser won und argdenklichkeit czwischen man und weyp. die wörterbücher kennen böser wahn nicht mehr. bei arger wahn steht von anfang an das comp. (ahd. in der ableitung argwanig Graff 1, 860) neben der wortverbindung, doch hat auch diese bis weit in das nhd. hinein sich erhalten, wobei bei den dichtern im gebrauch der formen rücksichten auf das metrum mitgewirkt haben: sô vert der rîche geladen dort mit angest und mit argem wân und swaʒ er hœrt, dâ stœʒt er an. Thomasin d. wälsche gast 2849; man sol miden unde lân manegiu dinc durch argen wân (um sich nicht einem verdacht auszusetzen). Freidank 18, 27; die (hilfe) lobtenz unde doch niht gern; si vorhten sich an ir èrn mit argem wâne krenken: wes man möht gedenken, swen man si sunder halten sæhe; ein iegelich man denne jæhe, si wolden fliehen ûʒ der nôt. Ottokar österr. reimchr. 15819 Seemüller; es tuot mich niemer rüwen gantze trüw an argen wan, wan ich nie lieber lieb gewan. Hugo v. Montfort 1, 14 Kummer; das macht dein tugent manigvalt, die mich tuot aller sorgen on, darzuo dir leben on argen won. den will ich nymmer zuo dir hǎn und alles zweifels wesen queit! Hätzlerin 1, 47, 13; fraw, gelaubent mir on argen won. 1, 106, 25; doch so du hast ein argen won, darumb, das sie zuon pfaffen gon und zuo manchem reichem man. Murner luth. narr 4600 Kurz; junckfraw on allen argen won. 4623; drümb kan ich eur ler nit recht nennen, weil ich an fruchten nit kan kennen, das si guet sein an argen won, darümb halt ich nit viel darfon. Hans Sachs fabeln 2, 318, 29 Götze; denn es stellen und zieren sich itzt fast der mehrer teil des adels so lesterlich und schendlich, das sie damit dem gemeinen man böse blut und argen wahn machen, als sey der gantz adel durch und durch kein nütz und ist doch solcher wahn im pöfel fehrlich und auch nicht gut. Luther 5, 124a; aber des khonigs ... gemahel ... merckte Jarmars tieffen ... verstand und hatte ummerzu einen argen wohn an ime und riet dem khoninge, er solte Jarmars besser acht haben. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 16 Gäbel; des abents schicket Reichart nach dem Riffiener, er aber machet sich kranck, dann er sorgt, Reichart möcht einen argen won auff in haben. Wickram von guten und bösen nachbaurn 34b. damals überwiegt schon durchaus das comp., das auch bei Diefenbach 569c u. suspicio immer vorzuliegen scheint, doch vgl. 569b suspicari, arghen waan hebben (aus einem nd. glossar). noch vereinzelt im 17. jahrh. arger wahn: ich könt auszdrücklich zwar dem ehgemal entdecken wer unser; doch es dörfft auch argen wahn erwecken in der gelibten brust. Gryphius trauersp. (1663) 348. über arger wahn als 'böse absicht' oder 'böse meinung' s. unten 3, a. b, α. übler wahn: endlich benahm des general Cajrara ankunfft zu Wien diesen üblen wahn, als ob die kayserliche völcker gäntzlich geschlagen wären. Chph. Boethius kriegshelm wider den türckischen Tulband (1686) 1, 65. nd. quade wan Dähnert 537. II@33) aus der bedeutung 'erwartung' ist dann wol auch die von 'meinung, denken, unsichere annahme' abzuleiten; wir gewinnen so einerseits das bedeutungsmoment der subjectiven entscheidung für eine annahme, wie andrerseits das der thatsächlichen unsicherheit der annahme, da es sich erst zeigen musz, ob sie berechtigt ist oder nicht. es ist natürlich nicht notwendig, dasz die beiden bedeutungsmomente bei der anwendung des wortes immer gleich stark hervortreten. die bedeutung, die sich ja auch im englischen (nicht im nordischen, wo sie sich aber beim verbum vǽna geltend macht) entwickelt hat, tritt im ahd. nicht viel später auf, als die von 'erwartung' und 'verdacht'; in den glossen zu Gregors homilien heiszt es: estimatione, in demo wane, Steinmeyer-Sievers gl. 2, 274, 7, auch Otfrid kennt das wort in dem sinne von 'meinung, sinn, unsichere annahme' und bei Notker steht es für 'opinio, existimatio, placitum'. im mhd. ist die bedeutung durchaus überwiegend, ebenso im älteren nhd.: Diefenbach gl. 397c opinio, wane, wan, won, Dasypodius 162b opinio, eyn wohn, meynung, 460b wohn, opinio, wohn oder haltung von eynem, existimatio, Maaler 505c won, sententia, opinio, Kilian 646 wæn, opinio, praesumtio, Hulsius 272 wahn, meynung, parere, opinione, Güntzel 830 waan, meinung, opinione, Schottel 1439 und Stieler 2468 wahn, praesumtio, opinio, Krämer 1205 wahn, opinione, parere, presonzione, Kramer (1719) 258 wahn (ungewisse meinung), waan und noch Kirsch, Hederich, Steinbach und Nieremberger wahn, opinio. auch Gottsched sprachk.5 115 sagt: der wahn, eine meynung. daneben gelangt die unter 5 behandelte bedeutung des wortes immer mehr zur geltung; Rädlein 1026 gibt für wahn neben 'opinion, présomption' u. s. w. auch 'imagination, fantaisie' an und Ludwig 2367 kennt wahn nur noch für 'eine eitele und ungegründete meinung'. entsprechend erklärt Adelung wahn für 'eine jede meinung d. i. urtheil nach blosz wahrscheinlichen gründen' im hochd. für veraltet. in der litteratur weicht diese bedeutung schon im 17. jahrh. zurück, ohne indes auch später ganz zu verschwinden; der zusammenhang mit dem verb. wähnen, bei dem sich die bedeutung 'meinen, vermuten' erhielt, verhinderte bei dem subst. das völlige vergessen der älteren bedeutung. auch unter einflusz der alten sprache haben neuere dichter gelegentlich wieder darauf zurückgegriffen. bei dem auftreten der behandelten bedeutung lassen sich noch mehrere schattierungen unterscheiden: II@3@aa) am nächsten wird die ursprüngliche bedeutung 'erwartung' erreicht, wenn dem denken an etwas ein bestimmter zweck zu grunde liegt, den man zu erreichen hofft, also 'absicht, vorhaben, streben, verlangen': thô gengun imu is jungaron tô, frâgodun ina sô stillo:'hwô lango skal standan noh', quâðun sie, 'thius werold an wunniun,êr than that giwand kume, that the lasto dagliohtes skîne thurh wolkanskion?efðo hwan is eft thîn wân kumen an thenne middilgardmanno kunnie te adêlienne,dôdun endi quikun? Heliand 4289 (nach Sievers ist allerdings thîn wân als 'hoffnung auf dich' zu nehmen); ir rietet ouch Tristande ouf Isôten von Irlande, sîns ôheims kunic Markes wîp, daʒ er minnet ir werden lîp. dâ prach er doch sîn treuwe an. vrou Minne daʒ was euwer wân. H. v. Neustadt Apollonius 171; wer den (stein) in dem mund tregt, der wirt ein auʒrihtær groʒer gedänk und groʒer won. K. v. Megenberg 448, 24. wahn haben: die Sîfrides degneheten dô zuo strîte wân. Nibel. 987, 4; dô sprach er zuo der vrouwen:'daʒ sol sîn getân, als wir komen widere:wir haben ritennes wân.' 1075, 4; 'wîchet' sprach dô Volkêr'und lât si her in gân, eʒ ist sust unverendet,des si dâ habent wân: si müeʒen drinne sterbenin vil kurzer zît. si arnent mit dem tôdedaʒ in diu küniginne gît.' 2012, 2; sô übele nieman ist getân, ern habe doch zer schœne wân. Freidank 126, 24; dô hieʒ man Waten den altenzuo der meide gân. swie grîs er dô wære,si hete iedoch den wân, daʒ si sich huotein kintlîchem sinne. Kudrun 340; man sagt dem kunic wærlich, daʒ er niht hete sturmes wân, er möht dâ fliesen einen man, den er nimmer mêr verklagte. Ottokar österr. reimchr. 31896 Seemüller; hie vor dô daʒ geschach, daʒ man die alten ê zebrach und uns gab die niuwen, âne haʒ mit triuwen was dô wîp unde man, si heten niht ze valsche wân. gesammtabenteuer 28, 6. wahn tragen: im rieten sîne mâgeund ander sîne man, sît er ûf stæte minnetragen wolde wân, daʒ er eine danne wurbediu im möhte zemen. Nibel. 49, 2. im wahn haben: seht ir dort einen rîten?ir sült sicher sîn, der hât in sîme herzenund ouch in sîme wân, er welle diʒ vil grôʒe heral eine wol bestân. rosengarten A 141 Holz. im wahn sein, stehen: die wisen anderwerf begunden besamenen sich bi sent Steffane und waren helpen noch in wane. G. Hagen reimchronik 5053; derart sind alle, so mit wercken umbgehen, kennen und sehen gott nicht, ist ihnen verborgen, hören allein von im und stehen im wahn und fürsatz so zu leben in iren wercken. Luther 4, 96a. der wahn steht auf, zu etwas: ze ritterschefte stêt mîn wân. Hartm. v. Aue Gregorius 1514 Paul; der tumben sin ist sô getân, ûf dise welt stêt gar ir wân. R. v. Ems Barlaam 10, 12. auf einen wahn 'in einer absicht': dô sprach von Tronje Hagne'ich tuon eʒ ûf den wân, ob wir an diser reisedeheinen zagen hân, der uns entrinnen welledurch zegelîche nôt, der muoʒ an disem wægelîden schemlichen tôt. Nibel. 1523, 1; er sprach: ir wert iuch ân nôt dâ mite daʒ ich iu dienest bôt. daʒ hân ich anders niht getân, wan ûf ritterschefte wân. Hartm. v. Aue Erec 4371; dâ vor mich got behüete ... daʒ ich sô laʒʒer und sô trâger immer wurd erfunden. swen mit helm verbunden ieman hab gegen mir ûf strîtes wân und gir, daʒ ich dem enphliehe und hinder mich ziehe. Ottokar österr. reimchr. 33045 Seemüller; do kerte sü (die taube) gegen der arche wider und floug zu dem venster in, uff den won und durch den synn, das sü die wohrheit rehte würbe und von dem wage nit verdürbe. Lutwin Adam u. Eva 3863 Hofmann-Meyer. verbindung mit adjectiven: wil er schatz an mir ertwingen, daʒ ist ein vil tumber wân. herzog Ernst B 5097; unz daʒ der burgær und der rât von den hern wart überret beidiu mit rât und mit bet, unz si si brâhten daran âne allen valschen wân, daʒ si den kunic lieʒen in und gelobten wider in, si wolden in ze herren hân. Ottokar österr. reimchr. 1756 Seemüller; 'gen Betlahem, da gahet swind, und fragt fleiʒʒig nach dem chind ...' falsch waʒ sein (Herodes) hinderlistig wan, sein hertze waʒ ertzürnet, mit poʒhait scharf gehürnet, deʒ hernach muoterchind engalt mer wenn hundert tausentvalt. Suchenwirt 41, 518 Primisser; die herberg sy da puchten auff und luffen an die trappen mit keulen, spiessen wolbetracht auff ainen pösen wan. O. v. Wolkenstein 116, 14 Schatz; was sie damals gesungen han, das haben sie aus keinem argen wahn, sondern euch zur freude gethan. Römolt vom laster der hoffart D 4b; Clarimond. ohn schertz? Charite. ja, Philliris, ohn schertz und argen wahn! Gryphius lustsp. 389 Palm; dret er den bösen uff ein fuosz, das selb man im verzihen muosz: villicht thuot ers in guotem won, ob er die bösen ab macht ston. Murner geuchm. 184 Uhl. wie in diesen verbindungen die bedeutung 'streben, verlangen' bis ins nhd. hinübergeht, so kann sie auch bei dem einfachen wort als 'meinung' (b) noch später gelegentlich nebenher hervortreten: zwar allzeit recht zu thun solt billich sein ihr (der gerechten) wohn, weil über alle welt got seinen vösten thron ... hoch in dem firmament unendlich aufgerichtet. Weckherlin 2, 153 (ps. 103, 35) Fischer; ein hoher frischer geist, der Phoebus sich ergeben ... mag, wie das pöbel-volck, nicht an der erden kleben und führen gleich dem vieh' ein immer todes leben. o nein! ein solcher hegt viel einen andern wahn, ist tag und nacht bemüht der hohheit nach zu streben. Homburg Clio (1642) X 1a; Sathan suchet mich zu blenden meinen sinn, verstandt und wahn einig von dir abzuwenden, dasz ich fehle deiner bahn. S. Dach 594 Österley; bringt die einbildung ihm (dem kind) bey, dasz er gott mit lust und wahn einig seyn müss' unterthan. 660; lebten millionen nur nach meinem wink und wahn. Göckingk ged. 1, 170; entstand in ihm der wunsch und wahn, das vög'lein mit der hand zu fah'n. Kind ged. (1808) 199. eine deutlich ausgeprägte und von der nachher zu besprechenden sich abhebende bedeutung ist es aber im nhd. nicht mehr. II@3@bb) abgesehen von dem fall, dasz ein zu erreichendes ziel vorschwebt, wird wahn auch sonst auf das denken und meinen bezogen, und zwar auch ohne dasz das moment der unsicherheit zur geltung gelangt. so ist das wort nicht allein im ahd. und mhd. gebraucht worden, sondern bis in das nhd. hinein, öfter von Luther, noch vereinzelt von Opitz und später besonders von Niederdeutschen (auszer Lauremberg, den hd. schreibenden Rist und Dach, im 18. jahrh. Gotter und Göckingk). die oben bemerkten angaben der wörterbücher lassen diese auffassung auch z. th. zu, während allerdings die wiedergabe durch 'praesumptio' bei Kilian, Schottel, Stieler schon bestimmt auf 'unsichere meinung' deutet, vgl. auch unten c. II@3@b@aα) das wort geht auf das meinen und denken im allgemeinen, vielfach geradezu unserm 'sinn' entsprechend: drank er thô, sô nan lusta;er wiht es thoh ni westa, es wiht ni quam imo ouh in wân,theiʒ was fon waʒare gidân. Otfrid 2, 8, 40; thô giang nâh ther anther,thaʒ selba meid er thâr êr, giang after imo in then wân,thô er inan sah thara ingân. 5, 6, 28; sêr joh leid ubar wânist mir harto gidân. 5, 7, 22; wer mag wânen, druhtin, thes ... thaʒ io thaʒ mohti werdan(iʒ ist rûmo oba unsan wân!), in sulicheru nôtithir man io thionôti? 5, 20, 89; ich, Uolrich von dem türlîn, hân ich chunst, diu was verborgen durch valscher rede sorgen, der nâch dienste nû diu werlde pfliget. doch hât mîn herz mir an gesiget, swie sich mîn wân gên zwîvel wiget. U. v. d. Türlin Willehalm 3, 31 Singer; on alles arges dencken hab ich sy in dem won, von ir will ich nit wencken, wann sy ist wolgetǎn. Hätzlerin 1, 94, 16; doch rat ich dir, liebs fräwlin rein, als der, die ich mit triuen main, das nymm in deinen won. 1, 123, 11; aller minschen doent, gedancken, rede, mening, sinn und waen, als ein wind und wedderhaen hen und her unstedig wancken. Lauremberg scherzged. vorr. 8 Braune. ohne wahn und witzen 'ohne sinn und verstand': wann urtheyl und verstand bey mir zu rahte sitzen, so hattest du mir zwar bethört den jungen sinn: jetzt seh' ich dasz dein sohn sey ohne wahn (1624 wohn) und witzen, du aber, Venus, selbst ein' edle kuplerinn. Opitz 1, 316 (1629). in verbindung mit adjectiven, die den begriff bestimmen: sone mohte er sînen vesten wân an ir dewedereʒ verlân. an haʒ noch ouch an minne. G. v. Straszburg Tristan 885; gedinge hœhet mir den muot; nû nidert in ein sorge,diu mir vil dicke unsanfte tuot: swen ich in hôhem wânemit vröuden bin, sô trüebet mich ein leit. Reinmar v. Zweter 2, 24, 3 Röthe; Bernhardus sich dran wol versach, daʒ sîn ummejagender wân nicht enmochte wol bestân. passional 402, 59 Köpke; her (der stein) git im kraft, der in da treit und benimpt trufheit (traurigkeit) so man seit und darzu allen bosen wan. Brun v. Schonebeck 1722 Fischer; da sprach der gsell: 'vorwar ich sag die warheit, das ich all mein tag gesehen hab kein schöner ding ... und sags on allen argen wohn (ganz treuherzig). Waldis Esopus 4, 75, 61; solches lobet jeder biederman, der christlich ist gesinnet, und nicht hat ein vorwirten wahn, wie den man itz wol findet. geschichtl. volksdichtung Braunschweigs (1600) in d. zeitschr. des Harzvereins 34, 95; die (wollust die) mit ihrem falschen scheine jung und nicht jung in gemeine leitet an verkehrten wahn. Opitz 2, 91 (poet. wälder); wann du dein wort beginnest aufzuschlieszen, es bringet viel auff einen rechten wahn, und macht die klug, so nur von einfalt wissen. psalmen Davids 235 (119, 65); freu, meine seele, dich, dein abschied nähert sich, der herr wird ietzund kommen; hab' unbesorgten wahn, es ist im hui gethan, so bist du hingenommen. S. Dach 211 Österley (s. auch die unter a am schlusz gegebenen stellen). II@3@b@bβ) in andren fällen geht wahn auf eine bestimmte meinung oder vorstellung, die man in einer sache hat: sô ist mîn wân alsô getân, und weiʒ daʒ wol, muot unde guot, swer zuo den zwein geræten tuot bescheidenheit und höveschen sin, diu vieriu würkent under in als wol als iemen ander. G. v. Straszburg Tristan 4964; noch herzeclîcher minne ich sie dann er (Tristan) Îsalden, deist mîn wân. B. v. Horheim, minnesangs frühling 112, 4; sô mac mir wol ze leide ergân, ob ich eʒ tuon, daʒ ist mîn wân. R. v. Ems Barlaam 29, 32; wan dô sîn bete was getân, done hete sî des deheinen wân, daʒ er ihtes bæte wan daʒ sî gerne tæte. Hartm. v. Aue Iwein 2916; 'vrowe' sprach dô Hagne,'und habet ir des wân, daʒ man in müge versnîden,ir sult mich wiʒʒen lân, mit wie getânen listensol ichʒ understên? ich wil im ze huoteimmer rîten unde gên'. Nibel. 840, 1; ich wêne zû Nieflande nieman sie zû hûse bliben, des hân ich wân, als ich mich an dem pfade verstân. livländ. reimchr. 5073 Meyer; ich bin doch werlich in dem wan, das du nit soltest verbergen vor mir als ich ouch ie getan han dir. H. v. Bühel Dyocletianus 8831; die blmen die man dar under sprenget ... daʒ bezeichent die guoten wân und daʒ guot wort, die man hât von eines guoten menschen heiligem lebene. Leyser pred. 41, 9; swer des anderen swert oder cleit oder becken oder schermeʒʒer, sîme glîch nâch mêr lûte wâne, von me stuben treit. Sachsenspiegel buch 3, art. 89; so ist erstlich bei dem Nurmbergischen volk diser wohn, das alle weishait, ratschlag und regiment allein von und bei gott zu suchen und zu begern seien. städtechr. 11, 785, 24; also kam er mit grossen reisen tags und nachts wider aller menschen gedencken und won zuo dem wasser Ligerim. Cäsar übers. v. Ringmann 59b; so gewinnet er (Abraham) gar ein andern newen wahn und verstand über die natur. Luther 4, 91b; es ist dennoch in Cicerone ein hoher verstand gewesen, der ausz und nach der vernunfft geschlossen hat, es sey sicherer sich auff den wahn und meinung begeben, der da helt, dasz ein ewig leben nach diesem sey, denn das alles zeitlich und vergenglich sey. tischr. 57b; es ist nicht noth zu gläuben, dasz Christus am kreuze den ganzen psalm ... gebetet habe, doch auch nicht unchristlich, ob jemand das gläube. es stehet das alles in gutem freyen wahn eines jeglichen. briefe 1, 581; uff disem guoten wohn (in diesem guten glauben) hat der vatter prior die fraw ... heim gehn lassen. Frey gartenges. 63, 16 Bolte; ein ander, der die macht des höchsten zu betrachten noch viel zu kindisch ist, mag diese kunst verachten und sagen was er will, ich bleib in diesem wahn: der himmel (die astronomie) könn uns offt was künfftigs zeigen an. Rist poet. lustgarte F 3b; mein wahn betreugt mich nit, ich achts für wahr und recht, dasz er entsprossen sey von göttlichem geschlecht. Virgils Aeneis ubers. v. Schirmer (1668) 155, vgl. unten c) α) der wahn trügt. nach, in meinem wahn 'meiner meinung nach': dô vrâgt er si ze leste, waʒ siu mæres weste aller vremdest nâch ir wâne. U. v. Zatzikhofen Lanzelet 7835; daʒ cruze ist nach mime wane unsir sele ein sigemunstervane. Brun v. Schonebeck 9763 Fischer; ein schœnir licham machit nicht gud einen man noch mime won, hat her nicht einen fromen mud. Rothe ritterspiegel 1975 Bartsch; und wer weisz vorhin nicht schon auch im gantzen land' hievon? von so vielen jahren hatt es wol, nach meinem wahn, was er stets bey mir gethan, auch ein kind erfahren. S. Dach 740 Österley; du suchst gefühl, ich zeitvertreib. nimm du den geist, lasz mir den leib! den besten kauf, in seinem wahn, hat jeder dann von uns gethan. Gotter ged. 1, 188. altmärk. n mīn wn 'wie ich glaube'. Danneil 280; in Osnabrück bī eren besten wān 'nach ihrer besten meinung und einsicht'. Strodtmann 277; he sprak to er: hir kumt de wert. he heft en spet, darto en swert: bi wane wil he mit mi striden. Gerhard v. Minden 98, 9 Leitzmann. noch mehr tritt das moment der unsicherheit in der annahme zurück in auf meinen wahn, auf meine versicherung, wahrlich: der Lucifer sprach: auf meinen wan, ich pin nicht gern des ritters an. Schmeller2 2, 908 aus einer Münchner hs.; der teufel sprach: in den Winklern welt ich auff mein wan varen gern, ob ich daʒ möht gefügen, dorch willen seiner lügen. Beheim buch v. d. Wienern 277, 10. II@3@b@gγ) schon die folgende bedeutung kommt bei wahn zum durchbruch, wenn es in verbindung mit zweifel steht: in einem zwîvellîchen wân was ich geseʒʒen, und gedâhte, ich wolte von ir dienste gân; wan daʒ ein trôst mich wider brâhte. Walther 65, 33; zweifelhafter wahn, opinio dubia. Hederich 2570; sant Francisken getât und diu zeichen, diu er hât lebende unde tôt getân, diu wâr sint âne zwîvels wân. Lamprecht Franzisken leben 362 Weinhold; an ein wegeschaid chom ich, die mir woren gar unchund, do hielt ich ein lange stund in irrem muet auf tzweivel wan. Suchenwirt 29, 13 Primisser; ellenden leib für ich auff der irren pan und hoff auff zweifels wan. Osw. v. Wolkenstein 15. 37 Schatz. derselbe dichter hat auch die verbindung zornes wan, wo wan ein durch zornige erregung gestörtes denken bezeichnet: da rett der herr auss zornes wân. 109, 21. II@3@b@dδ) dasselbe gilt für vorgefaszter, eingebildeter wahn u. dgl.: sintemal sein vorgefaster wahn ihn so sehr blendet, das er die scheinbare klahrheit der folgerey nicht sehen ... kan. Butschky Pathmos 204; weil aber die thorheit des verkehrten willens ... und der eingebildete wahn der menschen, allein dieses für hoch hält, was viel geld kostet. Hohberg land- u. feld-leben (1687) 1, 303a; er vertraute sich zugleich auff einen selbst eingebildeten wahn, als ob Darius, weil er von hoher geburt und gemüthe wäre, unmöglich ohne empfind- und bewegung einen so grossen dienst auffnehmen könte. Ch. Kormart verteütschte Cassandra (1685) 65. II@3@cc) weit häufiger deutet wahn bestimmt auf eine vorgefaszte, unsichere, nicht genügend begründete meinung hin. II@3@c@aα) auf diese grundvorstellung geht das sprichwort 'der wahn trügt' zurück: so troûg ménniscen der wân, êr Christus châme, daʒ er got wânda wesen ligna unde lapides. Notker ps. 37, 8 (zusatz); míh netrîege der wân, nisi fallor. Boethius 3, 70 (1, 174, 30 Piper); jâ wând ich vreude ân ungemach unangestlichen imer hân: seht, dô trouc mich mîn wân. Hartm. v. Aue Iwein 692; michn triege danne mîn wân, ir habt eʒ gerne getân. 2595; sus troug ouch mich mîn tumber wân, wan ich in lützel ane sach, von des genâden mir geschach vil êren unde guotes. armer Heinrich 400; ich wonde, ich dete reht daran. do trog mich leider myn won. Lutwin Adam u. Eva 565 Hofmann-Meyer; mensch, mich thrieg den aller mein won: ich sach dich zwar mit Jesu gan dort daussen in dem pämbgarten. Brixener passion 1327 Wackernell; sölicher anschleg tatends vil, darumb ich üch nuon singen wil, mich dunkt, der wan habs betrogen! Liliencron hist. volksl. 1, 556, 5; in Meiland sind si zogen mit onverzagtem muot; der won hät si betrogen, die sach ward dannocht guot. 3, 8, 10; es begab sich eins tags, dasz ein philosophus ... mit dem keyser gesprech hielt, der batt in, dasz er im etwas wunderbars von würckung der natur erzellen wölte: denn weil er ein alter, betagter, darzu ein viel beläszner und hochgelehrter mann were, vermeint er etwas gedenckwürdigs von ime zuhören: und zwar der wohn hatte in, den keyser, nit betrogen, es hebt der philosophus an zureden ... reise der söhne Giaffers 54, 25 Fischer; in seinen urtheilen und meinungen, ist er nicht so eigensinnig, weil ihn die erfahrung gelehrt hat, dasz fehlen menschlich, und dasz er offt von dem wahn seye betrogen worden. Breitinger, discourse der mahlern 1, 84 Vetter. II@3@c@bβ) wahn steht so im gegensatz zum wissen (vgl.wähnen II, 3, c, α): es (das alter) hat das wissen für den won. Hans Sachs 3, 235, 14 Keller; so warten auff zween edle knaben, so kammerschreiber empter haben. die gedancken, so ist ihr nam, einer heist witz, der ander wahn. witz ... helt durchaus nichts für warheit, es zeugs dann die erfahrenheit, der wahn aber wil klüger sein, fantasiert künstlich und fein. froschmeus. 2, 3, 3, 52; dort werden wir nicht mehr von wissenschaft zu wahn, von furcht zu hofnung, und von wunsch zu klagen irren! v. Creuz 2, 116 (die gräber 3); ich wuszte nichts, da glaubt' ich etwas doch zu wissen; nun weisz ich etwas, und der wahn ist mir entrissen. konnt' ich um solchen preis nicht sparen meinen fleisz? das wissen all weisz nichts und nur der glaube weisz. Rückert werke 6, 299 (weish. des brahm. 6, 197). verbunden (vgl. oben 3, b, α ohne wahn und witzen bei Opitz): von des milden himmels gunst, dessen spruch kein witz noch wahn, herr Flandrin, verrucken kan. Opitz ged. (1690) 2, 69 (poet. wälder 2); was dort in keuscher nacht dunkel verschlossen wacht, was ohne wiss' und wahn ich dämmernd dort empfah'n. R. Wagner 7, 57 (Tristan und Isolde). II@3@c@gγ) wahn ist eine meinung, die zwar unsicher ist und deren unsicherheit man auch selbst empfinden kann, für die man sich aber trotzdem entscheidet (im gegensatz zum zweifel); oft tritt das subjective moment ganz zurück, so dasz das wort als 'unsicherheit', 'ungewiwszheit' zu nehmen ist: wanta (ih zellu thir in wân)iʒ nist bî balawe gidân, joh ih iʒ ouh bimîdebî niheinigemo nîde. then wân zell ih bî thaʒ,thaʒ herza weist thu filu baʒ; thoh iʒ bûe innan mir,ist harto kundera thir. Otfrid 1, 2, 21; theist algiwis, nalas wân,theiʒ thuruh inan ist gidân. 2, 2, 19; als er daʒ mære het geseit, dô nam uns wunder alle besunder, wer eʒ möhte hân getân: doch rieten wir ûf einen wân (vermutungsweise) iuwern namen mit glîchem munde. Hartm. v. Aue Erec 4941; ir minnesinger, iu muoʒ ofte misselingen: daʒ iu den schaden tuot daʒ ist der wân. ich wil mich rüemen, ich mac wol von minne singen, sît mich diu minne hât und ich sî hân. daʒ ich dâ wil, seht daʒ wil alse gerne haben mich: sô müeʒt ab ir verliesen under wîlen wânes vil: ir ringet umbe liep daʒ iuwer niht enwil: wan müget ir armen minnen solhe minne als ich? minnesangs frühl. 218, 22 (hier schillert das wort allerdings in seiner bedeutung, doch liegt an der ersten stelle das hauptgewicht auf der ungewiszheit der minnesinger, ob die hoffnung, mit der sie sich schmeicheln, in erfüllung geht); ich muoʒ iu leider schrîben (von minne) in eime wâne drumbe. sô tuon ich als der tumbe, der in sîner tôrheit den herren dicke wâr seit und enweiʒ er es doch selbe niht. K. Fleck Flore 97; ir sult wiʒʒen, daʒ alle di lêrer di dâ vrevelîchen predigen, daʒ unser vrowe in erbesunden enphangen sîe, daʒ si nicht vollekomen wîsheit haben; und ouch alle di do wêrlîchen predien, daʒ si âne erbesunde enphangen sî, daʒ in der wîsheit gebrichet; wanne man sal iʒ in eime wâne lâʒen und sal temûteclîchen dâ von predien, und sal di lûte lâʒen halden zu welichem sinne si aller meist gnâde haben. mystiker 1, 19, 30; daʒ ein mensche setzet sîne sêle in einen wân, also daʒ ein mensche borget oder koufit daʒ her vur wâre niht enweiʒ ob iʒ rehte sî oder unrehte sî. 1, 115, 11; nu ist diszer artickel biszher von mir noch nie gehalten andersz denn ein wahn und guttdunckel, nit fur eyn bestendige gewisze warheit zur lere. Luther 7, 345, 34 Weim. ausg.; es ist auch keyn artickel des glaubens, ist niemant ketzer drob, ob er nit glaub, das S. Peter zu Rom yhe gesessen hab, wie wol es auch widderumb frevel ist, zu leugnen, ee es wirt grundlich widderlegt: das sicherst ist, man lasz es ein wahn und tzweyfel bleyben. 7, 673, 7; denn was man sol gleuben, da mus man gewis sein oder ie gewis dafür halten, das es gottes wort und die warheit sey on allen zweivel, sonst bleibt da nichts, denn ein ungewisser wahn und wanckelglaube. 5, 226a Jen. ausg.; dann es will nit darmit ausgericht sein, wenn du gleich glaubest, das alles was Christus gethon und was von im geschriben stehet, also warhafftig geschehen und geschriben sey worden, welchs dann nur ein historischer vernunfftglaub, ein wohn one krafft und würckung, ja allayn nur ein vergebner hinfallender gedancken wer. Schwengkfeldt catechismus Christi B 4a; die kundtschafft und zeugnusz darauff der sententz sol gehen, sol lauter, warhafftig und gewisz sein und der glaub ein wissen, keyn wohn sein. S. Franck sprichw. 1, 106b; glaub ist nicht der menschliche whan und traum, den etliche für glauben halten. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken E 6b, es ist sunst auch der gemain brauch, das die wârhait (voraus von alten und neuen mären und dunkeln wôn, auch von hörensagen aufgeraspelt) durch die gemain sage gefelscht wird. Aventin bair. chronik 1, 7, 15 Lexer; mathematika ... kan nit fählen ... hat kain irrtum, kain zwitracht, kain won nit wie die andern tail der philosophei. 1, 427; des menschen verstand liebt die warheit, und im fall er zu solcher nicht gelangen mag, begnügt er sich mit derselben ähnlichen wahn. Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 6, 134; wahn urteilet übel, mala interpres opinio. Stieler 2468; ein ehrlicher nahm steht auff der leut wahn. Lehmann 173; er (der pöbel) kennet von der welt, was aussen sich bewegt, und nicht die inn're kraft, die heimlich alles regt, sein urtheil baut auf wahn, es ändert jede stunde, er sieht durch andrer aug' und spricht aus fremdem munde. Haller ged. (1757) 79; was dem auge dar sich stellet sicher glauben wir's zu schaun, was dem ohr sich zugesellet gibt uns nicht ein gleich vertraun; darum deine lieben worte haben oft mir wohlgethan, doch ein blick am rechten orte übrig läszt er keinen wahn. Göthe 3, 57. II@3@c@dδ) besonders bezeichnet wahn die unsichere, nicht genügend begründete oder nicht allgemein getheilte meinung eines einzelnen oder mehrerer: von dirre vrowen (Maria Magdalene) haben etelîche einen wân, daʒ si ein juncvrowe wêre unde sturbe an dem lîbe ... aber di gemeine kirche hildet, daʒ si nit juncvrowe wêre. mystiker 1, 164, 12; von sinem (Hermanns) tode ist manchir leie wan unde sage, daʒ iʒ beʒʒir ist geswegin, wi her sin ende neme, wanne daʒ man da von frevelichin schrebe unde wusche. Ködiz leben des h. Ludwig 15, 13; und habent die maister zwên wân von dem stain (onyx). der ain wân ist, daʒ eʒ ain klainʒ österl sei ... ain ander wân ist (den hat Beda), daʒ onichinus oder onix ain tail swarz sei. K. v. Megenberg 453, 34; sô ist doch aller maister wân von des natûr gemainleich, daʒ der stain gevar sei sam ain nagel ... daʒ ist der sterker wân. 454, 17; das wort gottis wil ich und mag auch nicht vorlassen noch vorlaugnen. hat yemand eynen andern wahn von myr odder meyne schrifft anders vorstanden, der yrrhet. Luther 7, 5, 6 Weim. ausg.; von der Francken histori ist so mancherley wohn, dasz ich nahend daran verzagt bin. Seb. Franck teutscher nation chronic 295a; einmals ... hat er ... sich in einen streit eingelassen, und nachdem es von den worten zu streichen kommen, zween von den vornemsten ... verwundet ... hierbey frage ich: warüm ein jeder über seinen wahn, und seiner meinung eifere? Harsdörffer frauenzimmer gesprächspiele 6, 117; merck, wie die glerten disputieren und mancherley weisz arguieren! haben on zal opinion, ir yeder hat sein eygen wohn und will, er geh die rechten strasz. Hans Sachs 3, 544, 20 Keller; nach vieler meynung ruckt (beim ausbruch des Vesuvs) der grosse tag herbey, an dem der höchste vogt soll recht und urtheil hegen; wir haben diesen wahn, es sey der feuer-regen, der ausz den wolcken her viel stätte hat verzehrt, wo jetzt noch der gestanck desz asphaltites wehrt. Opitz ged. (1690) 1, 33 (Vesuvius); dem bruder nur, wie auch dem hertzog, ihnen beyden war wiszend, was ihn mocht also von dannen scheiden, am königshof und auch in Schottland war hiervon ein wunderlichs geschwätz', und unterschiedner wohn. D. v. d. Werder Ariost 5, 56, 8; der meisten lehrer wahn erregte zwang und schmerzen, was Epicur gelehrt, das kitzelt noch die herzen. Hoffmannswaldau verm. ged. (1680) 22; doch nun verhüllen ihn (gott) viel offenbarungen, und unvollkommen sind die gottgewahrungen. der glaubensweisen streit zeigt seine herrlichkeit, denn er ist eins, um den sich unser wahn entzweit. Rückert 8, 557 (weish. des brahm. 11, 46). die bedeutung geht in 'belieben, gutdünken, vorurtheil' über: das yhm ein yglicher gott abmalet nach seinem wahn und gutdüncken. Luther 24, 554, 7 Weim. ausg.; dieweil si irem gefaszten wohn nach vermainen, das die ihrigen sovil dester seliger seyen, je lenger solche gewächs ihr schöne und farb behalten. Rauwolf Raisz (1582) 52; er wisse es anderer gestallt nicht, als dasz ers für gewisz vermute, dann es könne gleichwol der himmel fallen, aber sein hertz und wohn könne ihn nicht betriegen. Albertinus verachtung desz hoflebens 2a; richter ..., die, indem sie ... blos am buchstaben hängen, bereit ständen, ihren eigenen wahn an die stelle wohl bestimmter begriffe zu setzen. Kant 3, 210 (prolegomena zu jeder künftigen metaphysik); da war niemand auff rechter ban, sie warn all ausgeschritten, ein jeder gieng nach seinen (l. seinem) wahn, und hielt verloren sitten. Luther 8, 364b; bei dem ich iezt wil bleiben lon, mich gar nit kümmern laszen was ieder sagt nach seinem won. Uhland volksl. 615 (darnach Garg. 138 neudr.); da idem sein won nur gefällt, wie würd da ain gut urtail gstellt. Fischart pod. trostb. 66, 5 Hauffen. II@3@c@eε) dem gegenüber ist der gemeine wahn eine annahme, die allgemein getheilt wird oder wenigstens beim volke weite verbreitung hat, die aber doch als unsicher gelten musz (später dann in die bedeutung 'vorgefaszte meinung, aberglaube' u. dgl. übergehend): wider den gemeinen won der leut. H. v. Muglein 105b; der vor im gieng zu allen stunden als sein gewünschter (adoptierter) sun nach gemeinem won und wissen des volkes. ebenda; von solchem schwerlichem steigen zu diesen nestern (der falken) ist ein gemeiner won entsprungen, das man vermeinet, sein nest möge nimmer meher gefunden werden. Ryff thierbuch Alberti magni L 4a; solches (dasz der basilisk durch seinen anblick töte) ist wider den gemeinen wohn und lehr der natürlichen philosophi. V 6a; also das oft auch der gemeyn wahn von got verschwyndet fur unsern ougen, ich wil des rechten glaubens geschwygen, welchen wir nye gehabt. Eberlin 3, 240 neudr.; es ist eyn gemeyner wone, daz der römisch keyser mit dreien kronen soll gekrönet werden. Wenc. Linck bapsts gepreng (1539) E 4a; er hatte dem gemeynen wohn (opinio) geglaubt, man könte das Pontisch meer von dem selbigen berge sehen. Livius bei Rihel 690; von dem gemainen won, den ime der pöfel über ide sach schnell unbedächtig schöpfet. Fischart pod. trostb. 3, 11 Hauffen; daher sol ein jäger allein auff die erfahrung und nit auff gemeinen wohn oder urtheil, so zweiffelhafftig und fehlen mag, sehen. jag- und weidwerckbuch (1582) 1, 37; wie denn der gemeine wohn ist (ital. per quel che publicamente si ragiona), die kranckheit selbs hab kein andere ursach, denn von viel melancholey oder bösem schwartzem geblüt, und auch schweren gedancken. reise der söhne Giaffers 80, 11 Fischer; ein schweres, seltzames, unverhofftes, widerspenniges thema, oder paradoxon, das ist wider den gmeinen wohn der menschen. Balde Agathyrsus vorr. A 2a; sich des gemeinen wahns zu entschlagen, und ohne bewegung ein ides ding, so den menschen ängstet und betrübet, zu betrachten. Butschky Pathmos 438; da es scheinen könnte, dasz ein gemeiner wahn mich etwa möchte vorbereitet haben, die ... erzählungen (von geistererscheinungen) ... ohne sorgfältige prüfung gerne anzunehmen. Kant 10, 453; ein fremder schreibt von uns mit ungewisser hand, sieht mit geborgtem aug' und redt mit andrem munde, ihm ist des landes art und gegend unbekandt, gemeiner wahn und ruff dient ihm zum falschen grunde. v. Abschatz ehren-gedichte 49; recht geben würd' es dem gemeinen wahn, der nicht an edles in der freiheit glaubt. Schiller 12, 241 (Wallenst. tod 2, 2). die wendung wird noch im 18. jahrh. in der ursprünglichen bedeutung ohne üblen nebensinn gebraucht: gemeiner wahn, gemeine meynung der rechts-gelehrten, opinio, sententia communis doctorum, heiszt, wenn ... die meisten, oder doch ihrer viele, ... derer vornehmsten rechts-gelehrten über eine noch zweiffelhaffte und in denen rechten oder gesetzen nicht entschiedene sache einerley meynung haben. Zedler univ. lex. 52, 858. ähnliche wendungen: es ist der allgemeine wahn, si tiene communemente da tutti. Krämer 1205; ein alter wahn, opinio vetus. Steinbach 1022; ist freylich ein alter wohn bey der welt. Balde Agathyrsus 87, 2; es ist ein starcker waan von alters her, è opinione antica. Güntzel 830; der wahn ist eingeriszen, inveteravit opinio. Stieler 2468. verwandt ist wahn als 'gerücht': als aber der keiser zwen tag lang an dem selbigen ort still war bliben und solche geschicht Vercingetorigis allein usz zukünfftigem won (ventura opinione) mercket. Cäsar übers. v. Ringmann 54a; noch behielt Labienus die seinen in der veste und meret der forcht won (timorisque opinionem ... augebat) wa mit er es zuo wegen bringen möcht. 42b. II@3@c@zζ) präpositionelle wendungen. auf einen wahn 'auf eine willkürliche annahme oder vermutung hin': der esel gurret ûf den wân, er wænet wol gesungen hân. Freidank 140, 7; vor-lengst ich das wol merken thet, sollich heimliche lieb an dir. es wolt aber nicht zimmen mir, das ich michs hett genommen an, also auff einen blosen wan in lieb ich mich dir zu erzeigen. Hans Sachs 8, 372, 24 Keller. entsprechend auf guten wahn: dan si nit ein wort recht im Aristoteles, wie ers gemaint, verstên, künnen in auch noch nit recht nennen, haben in nie recht gehabt oder gelesen, haben in nur auszüg auf iren gueten won und beduncken geschöpft. Aventin bair. chronik 1, 327, 7 Lexer. nach wahn 'nach gutdünken, aufs ungewisse, aufs geratewohl': ine sageʒ iu niht nâch wâne; gebiet ir, sô ist eʒ wâr. Wolfr. v. Eschenbach Parz. 59, 26; ouch ist eʒ alwære, swer saget, daʒ Tristan ûf daʒ mer nach wâne schiffete mit her und solte des niht nemen war, wie lange er füere oder war, und wiste ouch niht wen suochen. G. v. Straszburg Tristan 8622; diu kristenheit gelepte nie sô gar nâch wâne. die si dâ lêren solten, die sint guoter sinne âne. Walther 33, 31; von der slihte in die krumbe mac sich wol unser sin gerihten, welle wir nâch wâne tihten, warumbe er (gott) daʒ tuo und daʒ lâʒe. Lamprecht tochter Syon 3033 Weinhold; ir zimier von vedern wol bereit, wît und schœn, als man seit. die vedern wâren swarz getân, von golde gelöubert niht nâch wân. Enikel fürstenbuch 3092 Strauch; wie genendiclichen man dâ streit, daʒ daʒ von mir werd ungeseit, daʒ sol für übel nieman hân, wand ich tæte eʒ nâch wân, sît ich dâ was selben niht. Ottokar österr. reimchr. 3048 Seemüller; als ein affe uf einem dache sitzet ein prelate von rehter sache, der niht sein ampt verrihten kan und doch wil herre sin nach wan. H. v. Trimberg renner 3992; als ain pauman ze gleicher hait, ob nicht ain islich acker trait, dennoch pawet er es alles nach wan. Teichner bei Schmeller2 2, 918; dasz sie (die vernunft) nicht urtheilt nach dem wohn, sonder nach grund und der kunst klarheit, daraus entsteht weiszheit und warheit. Fischart dichtungen 10, 173 Kurz; swer niht guot meister si (der spiele den arzt nicht), oder er wirt schuldig an allen den, die er nach wane erzeniet. Berthold v. Regensburg bei Schmeller2 2, 918; hat der müller nach wan gemaszet und hat die leut geschediget. Ruprecht v. Freising rechtsbuch ebenda; da sie (die bauern) doch, als uns die obgenannten unsre gesandten räthe und diener berichtet haben, ihnen weder mit unterschlägen, neuen noch alten holzmaissen, marchbäumen, steinen noch gruben (den umfang des waldes) angezeigt, sondern nach etlichen wegen, steigen und durch rauhen wald, alles nach wahn, fürgegangen. baierische landtagshandlungen 17, 169 (Hönheimer forstordnung von 1508) Krenner; zu disen zeiten heuratet man nur nach dem gesicht, oder nach wohn, oder ausz geitz, oder ausz lieb. Albertinus Gusman v. Alfarche 381; vgl.nach dem won (ein spiel). Garg. 260 neudr. entsprechend nach gutem wahn: aber alle junge und unerfahrne astrologi machen ihre practica nach gutem wohn und gutdüncken. volksbuch v. Faust 43 neudr. die um 1600 aus der litteratursprache verschwindende wendung hat sich im bair. dialekt erhalten, wo sie 'nach gefallen, nach belieben' bedeutet: kanst mi zaln na wan; sach ist da na wan. Schmeller2 2, 918. II@3@c@hη) im ahd. mhd. und bis ins 16. jahrh. kommt die verbindung ohne wahn, sonder wahn häufig vor, die ursprünglich 'ohne unsichere annahme, ohne unsicherheit, zweifel', dann 'ganz sicher, gewiszlich, fürwahr' bedeutet. sie schlieszt sich zunächst an verba wie wissen, sagen (wo sich bei subjectiver auffassung die bedeutung 'ohne betrug, ganz aufrichtig' ergeben kann) an, wird aber auch sonst (schon im ahd.) zur betheuerung der richtigkeit des berichteten eingeschoben: giwisso wizît âna wân. Otfrid 2, 23, 21; then ubilon (baum) sie brennent,iʒ man ouh al sô wollent; then guaton afur âna wânlâʒent sie mit fridu stân. 2, 23, 18; und wiʒʒet rehte âne wân, ich leiste als ich gelobet hân. Hartm. v. Aue Erec 586; sus wart von minne der meige geêret in gezelten und ûf den plân ... dâ was fröude âne wân. U. v. d. Türlin Willehalm 302, 31 Singer; und sint ouch koufliute, als ich iu bediute, die rîchsten di man vinden kan, daʒ sag ich iu âne wân, mit zierd unde mit gewant. Enikel weltchronik 27520 Strauch; diu fiunf zeichen sun ergan vor Cristes gerihte ane wan. H. v. Langenstein Martina 188c, 82; der (Crist) wurt in dem Jordan gedoiffet, das ist one won. Lutwin Adam u. Eva 2622 Hofmann-Meyer; und hilfft mir got zuo lande, das wisse one won, des gib ich dir meyn trewe, keyn andern für dich han. lied v. hürn. Seyfrid 106 neudr.; daʒ ist ein wârheit sunder wân. Wolfr. v. Eschenbach Parz. 5, 3; dês sicher sunder wân. Walther 77, 11; daʒ wiʒʒet sunder wân: des listes niemen enbern kan. Enikel weltchronik 1561 Strauch; ir mundel rot ward auf getan mit weissen händlein sunder wan. Suchenwirt 30, 64 Primisser; in des heilgen geistes volleist Maria entphing allermeist. sich, das ist wore sonder wan und des losz dich nicht wonder han! Alsfelder passionsspiele 4715 Grein; im land so was nit ir genosz mit hohen künsten sunder woun. Herm. v. Sachsenheim mörin 679; das sagt ich im sunder wan. Rosenblut, fastnachtsp. 3, 1096. ohne allen wahn: swer weislich mit den (arzneien) werken kan, der wirt gesunt on allen wan. H. v. Trimberg renner 9896; ich sag ouch daʒ ân allen wân, Enochs alter ich geschriben hân: driu hundert und sehs und sehzic jar. Enikel weltehronik 1423 Strauch; nu erkennen mer an allen wane, dasz hie ist der wore gottes sone. Alsfelder passionsspiele 6318 Grein; do thet sich uff on alle wane die oberste himmelporten. 7208; di engel habent mir chunt getan und sagten mir an allen wan, das Jhesus wär erstanden und sei gen Galileam gegangen. Erlauer spiele 3, 1252 Kummer; nun hort, ir herren, on allen wan. fastnachtsp. 4, 256, 12; so sag ich dir on allen won. Gengenbach 2, 198 Gödeke; ein kouffmann ists on allen won. schweiz. schausp. 1, 215, 830; ich glaub gewiss on allen wahn. Liliencron hist. volksl. 4, 391, 201. noch im 18. jahrh. in alterthümelnder sprache: den (königsstuhl) theilt er dann mit Karlomann, dem bruder sein, ohn allen wahn. Herder 25, 490 Suphan (erneuerung des Ludwigsliedes). Adelung erwähnt noch die formel tausend gulden ohne wahn 'genau 1000 gulden', die er aber fälschlich zu wahn 'mangel, abgang, fehler' (s. das adj. wahn II, 8) zieht. II@3@c@thθ) namentlich ist wahn auch in der alten rechtssprache gebräuchlich und bildet hier den gegensatz zur wahrheit, der gerichtlich erwiesenen oder zu erweisenden thatsache. es bezeichnet auf seiten des klägers einen bloszen verdacht oder privatrechtlich einen nicht zu erweisenden rechtsanspruch, auf seiten des richters eine entscheidung, die rechtlich nicht gesichert ist: durch wan so kommet uf grosser schade. darumb so ist das not, das man den törichten wan do von das einer nicht weisz mit desz rechten warheit beweisze. Sachsenspiegel (Leipz. 1490) buch 3, art. 8, glosse; haissen si ine alsdan solches der herrschaft anzaigen, so sol er ain warhait fir ain warhait und ainen wan fir ainen wan rüegen und anzaigen, und mit dem wan sol die herrschaft den anzaiger ohne nachtail halten und der warhait beistehen. österreich. weisth. 4, 369, 12; dummen wahn beachtet man zu rechte nicht. Graf u. Dietherr rechtsspr. 455. nach, in, bei wahn: is richtit nymand recht nach sinem whan adir dunken, wen der do wenet, der weis nicht vor war; wenne mit whane toug der gloube nicht. sächs. weichbildrecht, glosse 243, 53 Daniels u. Gruben; daʒ orteil, daʒ er yn zwivil funden hat unde yn wane. 244, 15; swer niht envolget, und nach wane einen man an schriet von gerihtes halben, oder der sin reht nach rehte niht volfüret ...: umbe dise iegeliche sache wettet man dem rihter dise buʒe. Schwabenspiegel, landr. cap. 64 Gengler; wan eʒ ist manic man, der niht enweiʒ, waʒ umbe ein ieglich dinc reht ist. da von sol nieman urteil vinden, im sage sin gewiʒʒen, daʒ si reht sî. und zwivelt er iht dar an, so wirt er vor gote schuldic, ob er si nach wane vindet. cap. 96, § 1; id ne schal nement den anderen wröghen in dat vemeding by wane, yd ne sy witlik dem rade unde den neyburen. Braunschw. recht 118, 206 bei Schiller-Lübben 6, 584. auf wahn 'auf eine unsichere annahme, einen unsichren rechtsanspruch hin': du salt das nicht in zcwifel sprechen, das du dye gewissen warheit hast, du salt auch nicht uf eynen wan ader zcwifel mit sicherheit gezcwgen. Purgoldts rechtsbuch 6, 105 Ortloff; swer ainen herein pfent auf wan, und im der auzman nichts schuldich ist, chümpt dann der auzman herein, und enprist dem, der in pfent hat mit dem rechten, so muoʒ der purger dem auzman seineu pfant von dem füttrær ledich machen ân seinen schaden. Münchner stadtrecht art. 200 Auer. nach Adelung (der sich aber vielleicht nur auf die bei Haltaus aus dem braunschweig. recht angeführte stelle stützt) ist wahn noch 'in den provinzialrechten mancher gegenden' für vermutung üblich. II@3@c@iι) wahn wird dann auch auf das übertragen, was wir, ohne unsrer sache sicher zu sein, für etwas halten oder ansehen und nimmt so auch die bedeutung 'anschein' — bei subjectiver auffassung auch 'vorgeben' — an. dieser gebrauch bleibt jedoch vereinzelt: in hât unsælec getân aller sîner sælden wân: er haʒʒet daʒ er minnet, und vliuset so er gewinnet. Hartm. v. Aue Iwein 7072; der selbe vriunt, der niht wânvriunt, in vriundes wâne schînet. minnesinger 2, 141a Hagen; undir der vrûntschafte wân trûc er heimelîchin an mit den Prûʒin vorgeseit ein engistlîche valscheit. N. v. Jeroschin 5969 Strehlke; gott muosz uns also alles verkeren ... das wir den schatten und wahn fur das ding besitzen und wähnen müssen, wir haben milch im napff, so scheint uns nur der mon darein. Franck paradoxa (s. o.) 61a; die jenigen, so da heimlich oder unvermutet werden umgebracht, ob sie solches wol verbühret, gewinnen doch nach ihrem tode gemeinlich einigen schein und wahn der unschuld. Francisci der hohe trawr-saal 42. von einem product dichterischer phantasie: er kann zur linderung wahrer pein sich wahn ja dichten und fröhlich seyn. Herder 25, 362 Suphan (klagl. über menschenglücks.). II@3@c@kκ) eine verinnerlichung des begriffes der unsicheren annahme (indem die unsicherheit in die menschliche seele verlegt wird) erscheint im luxemburg. wōn Gangler 485, das 'zweifel, unschlüssigkeit' bedeutet. diese bedeutung kann auch mndl. wæn haben. Oudemans 7, 817. II@3@c@lλ) als zum folgenden überleitend mögen einige stellen aus der litteratur des 17. jahrh. angeführt werden, wo wahn noch als 'annahme' genommen werden kann, aber durch die prädicatsaussage als falsch bezeichnet wird: der menschen wohn ist falsch, betrüglich die verjährung, als ob des glicks allmacht ... Weckherlin 2, 225 (od. 3, 8, 1) Fischer; Lysand. wie, ist er mit Celinden durch festen schlusz der eh' gesonnen sich binden? Carden. ach nein! der wahn ist falsch! Celinden lib' ist todt. Gryphius trauersp. (1663) 322; wie? bildest du dir ein, dasz ich freywillig dir so lange nicht gedinet? dein wahn ist falsch! 464; dasz wir auch alles, was von uns herrühret, in höchsten würden halten, und also unsrem wahn, ob selber gleich falsch, auf allerley weise beypflichten. Harsdörffer frauenzimmer gesprächspiele 6, 118. II@44) der allmähliche übergang des begriffs der unsichern annahme zu 'falsche, verkehrte annahme' zeigt sich in verbindungen wie falscher, thörichter, leerer, eitler wahn, wo das adjectiv ursprünglich den begriff bestimmt, während es mehr und mehr nur pleonastisch erscheint. wahn kann dabei auf eine bestimmte meinung in einer sache gehen oder die ganze richtung des denkens bezeichnen; in der neueren zeit tritt auch die bedeutung 'einbildung, bethörung' (7) in diesen verbindungen hervor. II@4@aa) falscher won und betrug, ein falsche eynbildung, phantasma. Maaler 505c; einen falschen waan under die leuthe bringen, seminare opinione. Güntzel 830; falscher wahn, error. Kirsch 2, 378; als diu bibliâ noch seit: dâ vint man sunder valschen wân alliu dinc geschriben an. Reinfrit v. Braunschweig 15917; folgest du nach dem falschen wǎne des püfels und gemainen folches. N. v. Wyle translat. 86, 15 (nr. 2) Keller; lepra proprie est impietas, falscher waen, misszglauben, unrechter vorstandt gottes. Luther 9, 557, 10 Weim. ausg.; also ... verfüret und bezaubert er (der teufel) die leute geistlich mit seinen irrewisschen, so er ins hertz gibt, das er inen einen falschen wahn und dünckel macht, wenn sie dis oder das thun, so und so leben, so seien sie recht daran und gehen stracks gen himel. 7, 57a Jen. ausg.; dieweil, wie Seneca wil, die natürliche lüste und begierde endlich seind, was aber ausz falschem wahn kompt, hat kein endung noch auffhörens. problemata Aristotelis (Frankf. 1568) O 8b; das dis, so mäniglich für schädlich und verdammlich äuserem ansehen nach geachtet ist, den mit falschem won erschreckten leuten zu trost, unschädlich und unschultig erwisen werde. Fischart pod. trostb. 4, 27 Hauffen; dise bescheisser bescheissen und vergifften die seel, mit falschem wohn und glauben. Garg. 259a (413 neudr.); vor zwey dingen soll man sich hüten: vor falschem wohn, der sey ein feind der erkantnusz der warheit und ein mutter aller irrthumb und blindheit und vor eigennutz. Zincgref apophth. 283; ein alter falscher wahn ist es, dasz man vermeynet, die Frantzosen seyen so nüchtern und mässig. Philander (1650) 1, 230; ein irrthum ist ein falscher wahn von der wahrheit, oder falschheit eines urtheils, und also eine ungegründete meinung. Chr. Wolff vern. gedancken v. d. gesellschafftl. leben (1725) 307; man musz sich hüten, dasz man nicht ... eine überredung, das ist, einen falschen wahn, als wenn wir die richtigkeit der sache erkenneten, die wir doch bey weitem noch nicht sehen, vor eine überführung hält. vern. gedancken von den kräfften des menschl. verstandes4 200; viel wern durch falschen won betrogen, auch viel durch das gelück abzogen. Hans Sachs 3, 83, 31 Keller; erklären sie (die unmündigen) doch und bezeugen der bösen falschen wohn, und deiner feinden schmach. Weckherlin 1, 318 (ps. 8, 2) Fischer; es ward ein falscher wohn dabei, dasz man ihm (herzog v. Lothringen) d'chur sollt geben. Opel u. Cohn, 30jähr. krieg 319, 3; kein gott sol bey dir nicht gefunden werden ausser einig mir: lasz den falschen wahn, bete keinen an auff der gantzen erden. Opitz psalmen Davids 159 (81, 9); der und jener bleibt betrogen, welcher solchen falschen wahn pflegt zu bringen auf die bahn: dahmen were nicht zu trauen. Homburg Clio 1 (1642) P 4b; hör' auf! du ängstigest, erschütterst mich. ich weisz, dasz man vor leeren schrecken zittert; doch wahres unglück bringt der falsche wahn. Schiller 12, 184 (Piccolomini 5, 1); Ottokar. was ängstigt dich? ich will dir jeden falschen wahn benehmen. Agnes. du sprachst von mord. Ottokar. von liebe sprach ich nur. H. v. Kleist 1, 44 (fam. Schroff. 2, 1); dasz der jüngling auch nicht etwa, der thörichte, um dieses briefs mit einem falschen wahn sich schmeichele. 2, 471 (Hermannsschl. 4, 9). es kann auch auf etwas bezogen werden, das man mit unrecht annimmt, etwas nur eingebildetes: wenn sich nun der verstand aus unwissenheit betrügen lässet, und den falschen wahn oder schein für das wahrhafte, wesentliche gutt ergreift. Butschky Pathmos 343; jetzt mag sauer sauer bleiben, lust-stadt soll sich uns verschreiben: dasz toback wie marcipan ist kein falscher wahn. Reinwald studenten-spiegel (1720) 45. irriger, verkehrter wahn u. dgl.: mít témo írreglichen wâne, errore. Notker Boethius 1, 8 (1, 19, 24 Piper); das durch ihre lebhafft und zierlich-gefärbten fabeln ... gantze länder und königreiche in irrigen wahn geführet werden. Butschky Pathmos 835; doch das schlimmste find' ich den dünkel des irrigen wahnes, der die menschen ergreift: es könne jeder im taumel seines heftigen wollens die welt beherrschen und richten. Göthe 40, 134 (Reineke fuchs 8), vgl. auch irrwahn (irrewahn Bucholz Herkules 1, 492a); das ein jeder, der wider die regel der christlichen warheit seinen verkerten bösen whan halsstarriglich verteidinget, für ein ketzer zu achten. andere gegensprüche Johan Tetzels bei Luther 1, 12b (1555); es ist ain verkerter wahn der gantzen welt. S. Franck de vanitate 100a; dasz es meine feinde sehen ... die mir durch verkehrten wahn allen unmuth angethan. S. Dach 184 Österley; nicht so, liebste. lasz dir sagen, es ist ein betrogner wahn, der dich heiszt umm etwas klagen, das dir doch nicht fehlen kan. Fleming 543; der mensch belustiget sich in dieser welt vielmehr mit falscheit, nichtigem schein, und trüglichem wahn, als mit der warheit. Harsdörffer frauenzimmer gesprächspiele 7, 389. II@4@bb) dummer, thörichter, närrischer, toller wahn: wan wie stât mir mîn houbet! dazn ist niht ze wol getân. sie betriuget lîhte ein tumber wân, ob siʒ niht geloubet. Walther 116, 7; zwore das was ein tumber wan. Lutwin Adam u. Eva 524 Hofmann-Meyer; das ist ein kintlicher won. 451; swenne der man den vollen an rîchtuom hât, von tœrschem wân kumt daʒ er wænt bedürfen mêre. Thomasin d. wälsche gast 2736; das eitel an im selbs nieman nütz golt und silber hat der törecht won der menschen so grosz gemacht, dasz man drum under die erd gräbt, fert und all berg auszhölert. S. Franck sprichw. 2, 144a; wenn je, in thör'gem wahn befangen, mein herz sich abgewandt von dir, — wenn je ein sündiges verlangen, ein weltlich sehnen keimt in mir. R. Wagner 2, 43 (Tannhäuser); der unverständige wahn, welcher alles für unglük schilt, was seinem verlangen entgegen stehet. Butschky Pathmos 23; so lạst euch nuon yr kụnig uont hern weisen, braucht rechte witz, und kai nærrischen wân. Melissus psalmen 14 (2, 10) neudr.; zäum unsern tollen wahn, gib warheit unserm munde, thue alle meynung ab, die nicht ausz festem grunde: der du unfehlbar bist, die grundfest' und verstand, mach' uns den rechten weg den du gebähnt bekandt. Opitz poem. (1629) 1, 74; lieb und zorn erhizt die jugend, toller wahn und eitelkeit stihlt der menschen beste zeit, mittel-strasse führt zur tugend. v. Abschatz verm. ged. 131; so bald die zarte blum ist von dem stiel gebrochen: so bald er hat erreicht, wonach er war gekrochen: so wird der tolle wahn verschwinden wie ein traum, und geben der vernunfft ein wenig platz und raum. Rachel sat. ged. (1742) 85; wie kömmst du (saget sie), o armer schwacher man, auff diesen tollen sinn und unbedachten wahn, dasz du dich rüsten kanst mit solchen schweren waffen? Virgils Aeneis übers. v. Schirmer (1668) 90. II@4@cc) eitler, leerer, blinder wahn: lasz doch den eitelen wahn fahren, quit that fanciful persuasion. Ludwig 2367; hier pflegen aber diejenige, welche mehr auf eitlen wohn, als auf die tugend, ehr gottes ... gehen, thorecht vorzuschüzen. Laurentius v. Schnüffis wald-schallmey 257; der eitle wohn, der kitzel fremder sachen, die doch mehr nichts als wind und schatten seyn. Fleming 103; lasz meinen geist den eiteln wahn der erden nicht verderben. S. Dach 333 Österley; ich unglückselger! eitler wahn bethörte mich, wohlfeilen ruhm zu suchen in dem Frankenkrieg. Schiller 13, 239 (jungfr. v. Orl. 2, 6); ihr träumtet schon in eures herzens eitelm wahn den freigebohrnen Franken in der knechtschaft schmach zu stürzen. 13, 242 (2, 7); fahr' hin, du eitler wahn (ehrgeiz), der mich bethört! ich soll das glück in meiner heimat finden. 14, 347 (Tell 4, 2); die ihr das deutsche hemmtet, dem recht euch widerstemmtet, um eitlen wahn und lohn. F. v. Schlegel2 10, 155; dich frage ich, gepries'ner engel gottes, der meines heil's bedingung mir gewann: war ich unsel'ger spielwerk deines spottes, als die erlösung du mir zeigtest an? — vergeb'ne hoffnung! furchtbar eitler wahn! um ew'ge treu' auf erden — ist's gethan! — R. Wagner 1, 326 (Holländer); der Welfe strebt so kühn als der Waiblinger; doch nicht kämpft er um eitlen wahn, der schon von selbst verfliegen wird. Grabbe 2, 163 Grisebach (k. Friedrich Barbarossa 2, 1); ein lärer eitler wan, der betreugt weib und man. H. Sachs 4, 139, 7 Keller; und die treue, sie ist doch kein leerer wahn. Schiller 11, 289 (bürgschaft); und in dem ersten schritte schon erscheinen die hoffnungen, der lohn ein leerer wahn. Brentano 2, 307; ich halte den vor einen gelehrten mann, der etliche wenige wahrheiten gewisz weisz, die er zum gemeinen nutzen anwenden ... kan, im übrigen aber das gemeine sprüchwort rechtschaffen verstehet, dasz die welt von leeren wahne angefüllet sey. Thomasius einleitung zu der vernunftlehre (1691) 78; nach unsers hertzen dunckel und blinden wohn. Mathesius Sarepta 199a; ein stieff-kind sey durchaus der mutter nichts verbunden ... nein! dieser blinde wahn, der voller bosheit steckt, ... ist mir, gott lob! bis jetzt noch nicht in sinn gekommen. Günther 765; die furcht, ein blinder wahn, bewegt das volk. Schiller 12, 535 (M. Stuart 4, 9); o thorheit zu beweinen, dasz, blinden wahns, will meinen der mensch, er sei nun frei. F. v. Schlegel2 10, 136; dieselbe gasse, wo im wilden streite voreinst der blinde wahn, der hasz gewüthet. K. Beck ged. (1870) 192. II@55) es dauert ziemlich lange, bis bei wahn die bedeutung 'falsche, unbegründete meinung', die schon seit der mhd. zeit vielfach durchschimmert, völlig zur herrschaft gelangt. indem dies geschieht, verändert sich das wort auch insofern in seiner auffassung, als es von seiten dessen, der die meinung hat, keine unsicherheit mehr zuläszt, sondern er von ihrer richtigkeit überzeugt sein musz. Chr. Wolff sagt: dise ungegründete meinung von der gewisheit unserer erkäntnis wird ein wahn genennet. vernünfft. gedancken von gott (1720) 213 und verlangt unterscheidung von meinung. dagegen kennen Jablonski und Zedler univ. lex. 52, 857 wahn noch als das fürwahrhalten von etwas dessen man nicht gewisz versichert ist, also im sinne von meinung, vermutung. die unterscheidung dringt aber schlieszlich durch: wahn ist das fürwahrhalten von etwas, dessen unwahrheit nachweisbar ist, und unterscheidet sich von meinung darin, dasz man sich in letzterer noch der ungewiszheit des urtheils bewuszt ist, bei ersterem aber sich dessen versichert hält. Pierer med. wb. (anat.) 8, 616. wie unter 3 bemerkt wurde, schwanken auch die wörterbücher des 18. jahrh. noch; Ludwig definiert zwar wahn als eine 'eitele und ungegründete meynung', gebraucht aber in den angeführten redensarten noch eiteler wahn, falscher wahn. Adelung spricht es dann entschieden aus, dasz das wort 'jetzt nur noch im nachtheiligen verstande von einer ungegründeten, irrigen meinung gebraucht wird' und bezeichnet die ausdrücke ein falscher, ein irriger wahn als reste der älteren bedeutung 'indem dergleichen beysätze jetzt überflüssig sind'. für die anwendung des wortes gilt noch, dasz es überwiegend dem höheren stil, vor allem der dichtersprache, eigen ist, der umgangssprache dagegen fast ganz fehlt. es berührt sich im begriff mit dem allgemein üblichen irrthum, läszt aber das moment des subjectiven überzeugtseins von der richtigkeit der annahme mehr hervortreten, woraus sich besondere anwendungen ergeben. II@5@aa) während nach der älteren auffassung wahn den gegensatz zum wissen bildet, tritt das wort jetzt in gegensatz zur wahrheit. die begriffe werden häufig verbunden oder einander gegenübergestellt; vereinzelt schon im mhd.: stille und offenbare, zu wane und zu ware, beide in ernste und in spot. Herbort v. Fritzlar troj. krieg 3504. auch später kommt diese gegenüberstellung vor, vgl. die oben sp. 616 aus Luther und Harsdörffer angeführten stellen. häufig seit dem 18. jh.: das ihm eigne in seiner person ... ist verflochten, dunkel, und mag ihm also (sei's wahn oder wahrheit!) eigen bleiben. Herder 9, 521 Suphan; ja der wahn hat, so lange er dauert, eine unüberwindliche wahrheit, und nur männliche tüchtige geister werden durch erkennen eines irrthums erhöht und gestärkt. Göthe 22, 106 (W. Meisters wanderj. 2, 5); so ist aber alles leben zwischen wahn und wahrheit, zwischen schein und wirklichkeit auf einer schmalen linie hinlaufend. Tieck novellen (1853) 8, 174 (der alte vom berge); die thorheit geht der weisheit hier zur seite und bei der wahrheit steht der wahn. Schubart 1, 84; wer möchte sich an schattenbildern weiden, die mit erborgtem schein das wesen überkleiden, mit trügrischem besitz die hofnung hintergehn? entblöszt musz ich die wahrheit sehn. soll gleich mit meinem wahn mein ganzer himmel schwinden ... Schiller 11, 12 (verschl. bild v. Sais); königin (zum arzt). es ist genug! das rasen hab' ein ende! zu eurem kranken kommt! ... ob wahrheit oder wahn, ob kraft, ob ohnmacht, es sei im klaren, und es sei geheilt, Grillparzer 4, 229 (treuer diener 3); ob wahn, ob wahrheit dein panier! wer löst's, wem glaube dein herz? A. Grün 1, 202 Frankl; zurückedenken jener trüben zeit, die mit dem unrecht auch das recht erschüttert, die mit der wahrheit auch den wahn befreit! Halm 1, 107; wahrheit und wahn. wo wächst die wahrheit? hinter dem zaum im feld, tief in der wiese, im wald. überall, überall. aber über sie her weht seine halme der wahn, die brotfrucht. Bierbaum irrgarten der liebe 429. II@5@bb) an wahn in diesem sinne schlieszt sich ein conjunctivsatz oder ein nebensatz mit dasz an: wann yme (Seth) was der wone by, wenne des oleybomes zwy nach siner art trüge fruht, so solte von dötlicher suht sin vatter Adam erston. Lutwin Adam u. Eva 2749 Hofmann-Meyer; dannoch dær wán im hærtzen ynen háft, yr' heuser wærn fụr uont fụr sein wærhaft. Melissus psalmen 188 (49, 12) neudr.; sie lieszen sich gar von dem wahn bethören, den männern beichten, sey nicht recht, und von dem weiblichen geschlecht sollt' eine stets der andern beichte hören. Hagedorn 2, 147; dasz d. Eck ... durch solch falsch rühmen ein wahn macht, er halts anders, denn doctor Carlstadt. Luther briefe 1, 319; ouch was des ingesindes wân, daʒ her Gâwein wære erslagen. daʒ begunden si alle klagen. Wirnt v. Gravenberg Wigalois 20, 9; der wân ist manegen liuten bî, daʒ ir leben daʒ beste sî. Freidank 115, 4; ir macht mir jetz ain phantasey, und sagt der menschen willen frey zuowölen ewig straff und lohn, ich hab gehört ain sölchen won, das gott inn seiner ewigkeit weszt alle straff und säligkait. Schwartzenberg 155, 1b; welch eine pflanze dort verführet mich zum wahn, dasz pflanzen leiber seyn, und seelen unterthan? v. Creuz 2, 159; nicht dem dünkel unterthan, such ich, ferne von dem wahn, dasz das glück im range liege, rang nur in der geisterwelt. Göckingk ged. 1, 49; dann droht ein andrer wahn mit näherer gefahr: dasz in der menschenwelt nichts sei unwandelbar. Rückert werke 8, 113 (weish. d. brahm. 3, 52); und ist ein won darbey gewesen, das, wo ein solch wichtlichen sey, da sey eyttel glück und gedeyen. Agricola sprichwörter (1529) 2, 11b; der wahn, dasz in diese natur gottes wesen auf irgend eine weise unmittelbar, und anders, als durch die angegebenen zwischenglieder vermittelt, eintrete, stammt aus finsternisz im geiste, und aus unheiligkeit im willen. Fichte reden an die deutsche nation (1808) 100; indem der kriticismus ... durch die art selbst, wie er den kampf führte, beständig den wahn voraussetzte und stehen liesz, dasz jene dogmatische art zu philosophiren eigentlich die wahre philosophie seyn müszte. Schelling 1, 4, 350. entschiedener wird die unrichtigkeit der annahme hervorgehoben, wenn ein nebensatz mit als ob angeschlossen wird: wir (götzen) ... habend gfüert so guoten schin, als wärend wir gott selber gsin. der ein hat dröwt, der ander glacht und sölchen won den menschen gmacht, als ob wir wärend weisz ich was. N. Manuel klagred 10 Bächtold; wie alt ist nicht der wahn, wie alt und ungerecht, als ob dir, weibliches geschlecht! die liebe nicht von herzen gienge? Gellert 1, 64; dasz, nach Platons positiver versicherung, nichts thörichter und erbärmlicher seyn kann, als der unglückliche wahn, worin wir andern gemeinen menschen befangen sind, als ob die erde, worauf wir herum kriechen, die wahre erde ... sey. Wieland 34, 101 (Aristipp 2, 17). im älteren nhd. kommt in gleicher verwendung auch nur ob vor: die deutsche geistlichkeit war theils dem wahn gar hart ergeben, ob stünd es ihr nit minder frey im ehestand zu leben. Weller deutscher adler (1666) 189. neben als ob dient auch als wenn zur anknüpfung: eine vielfältige sage ist unter den leuten, als befinde sich in Siebenbürgen ein gewisses volk, so sich der braunschweigischen oder sächsischen sprache gebrauchte, ja bey denen auch ... eben der wahn im schwange gienge, als wenn sie von den ausgeführten hammelischen kindern entsprossen wären. Joh. Tröster das alt- und neu - teutsche Dacia (Nürnberg 1666) 114. auch nur als mit inversion: diese stehen in dem abergläubischen wahne, als erfordre pflicht und gewissen, dasz sie ihre weiber ebenfalls für vernünftige creaturen halten. Rabener sat. 1, 92; sonst beut noch, der im frevel den fürstenhut geraubt, im wahn, als wär' er herzog, dem henker stolz das haupt. Schwab ged. 2, 192. statt des abhängigen satzes kann auch ein infinitiv mit zu folgen, wenn das subject des haupt- und nebensatzes das gleiche ist: schmeichelt euch nicht mit dem wahn, ein herz durch liebe zu bessern, das zu bessern die tugend mit ihrem reitze zu kurz kam. Bodmer Noah (1752) 23 (1, 537). II@5@cc) dasz was man fälschlich annimmt, kann auch durch einen angeschlossenen genetiv ausgedrückt werden: zwǎr sy begund in trucken, zuckenusz dem schlauff .. der knab erschrack usz laurens won. Hätzlerin 1, 20, 36; da wohnt der süsse schlaff, der alle pein kan temmen, ernewern unsern muth, die sinnen überschwemmen mit wahn der waren lust. Opitz t. poemata (1624) 157; sanftes mitleid, wahn der liebe, ach dasz er uns ewig bliebe! aber ach, sein zauber sinkt. Herder 29, 79 Suphan; ihr wollt den ruhm der Numantiner erben, und vor des hungers grausenvollem bann im wahn der unbesiegbarkeit ersterben. Fouqué Bertrand du-Guesclin 1, 141; du allein nur konntest lehren uns den schönen wahn seliger musik der spharen, stiller ocean! Lenau ged. 1, 245 (1857); so war doch diese verblendete vorstellung von so gar übernatürlicher wirckung, dasz er besorgen müsse, es möchten durch den anblick derselben die leute noch mehr in dem von ihm geschöpfften wahne der zauberey gestärcket werden. Faust des christl. meynenden 12 neudr.; eben das ist mir bürge, dasz ich nichts, das ganze aber alles sey. was für ein werk, zu dem ... so viel blinde werkzeuge gehören, die alle im wahne des freien handeln und doch nicht wissen, was? oder wozu? Herder 5, 585 (auch eine philosophie) Suphan; wenn nebler und dunstlinge im wahne ihres hochwerths sich einen buchzwang anmaszen. Jahn volksthum 386. anreihung einer durch von angeschlossenen bestimmung: Jupiter (in Amphitryons gestalt). auch der Olymp ist öde ohne liebe. was giebt der erdenvölker anbetung, gestürzt in staub, der brust, der lechzenden? er (Jupiter) will geliebt sein, nicht ihr wahn von ihm. H. v. Kleist 1, 392 (Amph. 2, 5); königin. und glaubst du wirklich, dich hab er gemeint? nach mir blickt er, der übermüth'ge, freche! kammerfräulein. ei, gnäd'ge frau, was thut's? der wahn schon schmeichelt von solcher werbung und von solchem ritter. Grillparzer 4, 54 (konig Ottokar 2); der wahn etlicher von ihrem hohen geschlecht, und uralten ahnen, ist hier ... bedeutet. Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 6, 276; die gauckeleyen, womit der herr in seinem wahn von der ehrlichkeit und fähigkeit des betrügers eingenommen worden. F. C. v. Moser der herr u. d. diener 191; so erschnappt der schüler eine art von vernunft, ehe noch der verstand an ihm ausgebildet wurde ..., wobei seine gemüthsfähigkeit noch so unfruchtbar, wie jemals, aber zugleich durch den wahn von weisheit viel verderbter geworden ist. Kant 1, 100; nach seinen schlüssen würde alles, was wir metaphysik nennen, auf einen blosen wahn von vermeinter vernunfteinsicht dessen hinauslaufen, was in der that blos ... den schein der nothwendigkeit überkommen hat. 2, 50 (kritik der reinen vernunft). II@5@dd) gebrauch des wortes. II@5@d@aα) wahn kann auf eine falsche meinung gehen, die ein einzelner oder mehrere in einem bestimmten falle haben (häufig schon in die bedeutung 'einbildung, bethörung', unten 7, übergehend): es ist unser keiner der nicht offt und dick mit falschen gedancken und wahnen von ihm (dem teufel) bezaubert wird. Luther tischr. 205a; also dasz sie irrige und gottlose lehre und wahne für rechtschaffen und göttliche warheit annemen und halten. 204b; hat d. Eck etwas geträumet, er mach ein prophetien daraus, so es ihm geliebt. ich bin nicht müszig, allen seinen wahnen zu antworten. briefe 1, 321; es ist so gar weit fele alles was die alten von der Germanier region sagen, dasz einer gedencken muosz, sie haben ire trAeum und won geschriben ausz unverstandt, odder mit willen gelogen. S. Franck teutscher nation chron. (1539) 2b; oder steckt villeicht der won Pythagore in inen, das sie achten, ein seel fare nach verdienst von einem leib in den andern. kriegbüchlin des friedes 45a; und wiewol etlich haidenisch hochgelert, als Aristoteles Plato Epicurus, in selbs fürgenomen haben, gleichsam die welt alweg und unbeschaffen solt sein ... ist dennoch solch der weisen diser welt won und kunst von iederman, auch den kindern und alten weibern nummêr verspot und ganz verworfen. Aventin bair. chronik 1, 45, 29 Lexer; viel rhümen sich nur selber, schenden, tadlen, und richten andere bücher ... schleichen und mengen ire wohn und ketzerey mit in ire commentarios. Mathesius historie d. Luthers 357, 12 Lösche; was? sind nicht auch leut gewesen, ja vileicht noch, die der unschuldigen kalhait abgesagt und sie für ain übelstand und schmach gedeitet hetten, wa nicht der sinnreich Sinesius sie het vertretten und den leuten disen won ausgeredet? Fischart pod. trostb. 53, 3 Hauffen; frefle zeugen sprengten mich an, mich uonbewuosts zeiend' aus wân. Melissus psalmen 129 (35, 11) neudr.; die, so torrecht in ihrem wohn, für bilden eine sonn und mohn zu Rom und Madrit diser erden. Weckherlin 2, 224 (od. 3, 7, 5) Fischer; es glaube keiner nicht disz was der dichter wahn von diesen orten spricht, Vulcanus habe sie zu seiner werckstatt innen. Opitz ged. (1690) 1, 35 (Vesuvius); ihr abtrünnige gedanken! ... bleibt gefangen, wo ihr seit! gläubt, ihr treffet weit und breit, kein so schöns gefängnis an. was macht euch doch für ein wahn aus so lieber wohnung weichen? S. v. Birken Pegnesis 1, 325; der lehrer mund bestimmt schon unsre künftgen schlüsse ... gleich einem schiffer, der an klippen hangen blieben, wohin ihn see und sturm, und nicht sein zwek, getrieben, klebt unser junger wahn an ihrem irrthum fest. v. Creuz 2, 109 (die gräber 3); wenn ein bedachter schlusz den eiteln bau zernichtet, den mein gehirne sich nach seinem wahn erdichtet. J. E. Schlegel 4, 71; tempelherr. sie wüszte nicht, was sie gebohren sey? — sie hätt' es nie von ihm erfahren, dasz sie eine christinn gebohren sey, und keine jüdinn? Daja. nie! tempelherr. er hätt' in diesem wahne nicht das kind blos auferzogen? liesz das mädchen noch in diesem wahne? Lessing 2, 295 (Nathan d. weise 3, 9); ihr würd'gen herrn, ihr rechnet, hoff' ich, mir nicht dieses mädchens thorheit an! dasz sie ein wahn bethört, ist klar, wenn euer sinn auch gleich, wie meiner, noch nicht einsieht welcher. H. v. Kleist 2, 138 (Käth. v. Heilbr. 1, 2); du hoffst, dasz ich dich lese? wahn! mein kind. ich stöb're durch die blätter, wie der wind. C. F. Meyer Huttens letzte tage 64. oft geht auch wahn auf eine falsche ansicht, die weiter verbreitet ist oder allgemein getheilt wird: ir bergleut habt auch noch den wahn, wenn einem von toden leuten treume, so sol er ein fundgrübner werden. Mathesius Sarepta 161a; Lichtenberg hält sich ... über den wahn auf, nach welchem man aus den knaben ... alles spielweise zu machen sucht. Kant 10, 417 (üb. pädag.); Clarimond. dich, geist von meinem leben, dich, Amarillis, dich! soll man den flammen geben! Lisis. man lasse mich bestehn den ungeheuren wahn; keusch find ich unversehrt durch lichte kohlen bahn. Gryphius lustsp. 400 Palm; von licht zu licht! bis das verständnisz löscht alle düstern wahne aus. Arndt ged. (1860) 166; drum klinge, lied vom Rhein! ... fort! fort die alten schmerzen! der alten wahne tand! alleinig steh'n wir da für's ganze vaterland. 413. II@5@d@bβ) wahn kann darum geradezu die verkehrten anschauungen der menge, unwissenheit, aberglauben bezeichnen: hast dich mit aller kraft dem unverstand, dem wan, der grobheit widersetzet. Rompler v. Löwenhalt reimgetichte 127; maszt sich des pöbels wahn das urtheil nicht von grossen seelen an? Uz werke 103 (45, 3) neudr.; in euch müszt ihr euch erlösen von der lüge, von dem wahn, von dem bunten tand des bösen, dem die welt ist unterthan. Arndt ged. (1860) 364; Lucian entlarvte die falschen götzen des wahns. Wieland Lucian 1, xxxix; die worte des wahnes. Schiller 11, 320 (überschrift); die schranken der vernunft sind dann einmal durchbrochen, und der wahn drängt sich bei tausenden durch dieselbe lücke durch. Kant 10, 54 (bestimm. des begr. einer menschenrace); manche nebel des wahns ... hoffen wir durch dies urtheil zu zerstreuen. Herder 23, 5 (Aurora) Suphan; ich muszte verschlucken und einreiben, was der wahn von jahrhunderten in den köpfen der leute an geduldsmitteln für kranke zusammengebracht hat. Arnim 3, 162; da nun vernunft allen, urtheilskraft wenigen zu theil geworden; so ist die folge, dasz der mensch dem wahne offen steht, indem er allen nur erdenklichen chimären preis gegeben ist, die man ihm einredet. Schopenhauer 2, 80 (welt als wille u. vorst.) Grisebach; sie sagen: wer den vater schlägt, der sohn, dem wächst die hand, mit der er schlug, zum grabe heraus! — 's ist dummer wahn! Zach. Werner, 24. februar2 93. sprichwörtlich: der wahn macht die gantz welt zu schelmen. Lehmann 2, 83, 135 bei Wander 4, 1741; der wahn regiert die welt. Petri 2, 111, ebenda; die welt wil nur geäfft, betrogen und mit wahn regiert werden. Albertinus fürstl. lustgarten 3, 247; wahn! wahn! überall wahn! wohin ich forschend blick in stadt- und welt-chronik, den grund mir aufzufinden, warum gar bis aufs blut die leut' sich quälen und schinden in unnütz toller wuth! R. Wagner 7, 314 (meistersinger 3). namentlich wird es von verkehrten anschauungen und aberglauben in religiösen dingen gebraucht: oder schiltst närrisch du all alten? so seh, wie solches magst erhalten daheim bei deiner priesterschaft, die nur am alten won stäts haft. Fischart kehrab 304; es ist ein endlicher verstand mit wahn und dunkelheit umfangen, eh er, o wahrheit, dich erkannt, und ihm dein leitstern aufgegangen. Hagedorn 1, 10; o glücklich land, wo wahn und finsternisz verschwinden! Gellert 1, 10; der weise, der voll muths, wann aberglaube schrecket, und wahn die halbe welt mit schwarzen flügeln decket, allein die wahrheit ehrt. Uz 104 neudr.; dunkle zweifler, freche spötter und der gottesläugner wahn überzeuge du im wetter. Schubart 1, 26; da sah'st du (gott) schon dein ebenbild im menschen fast verblichen; sah'st uns von wahn und laster wild, und weit von dir entwichen. 2, 84; dasz den wahn kühn der forscher und frei, aus der natur bezirk, und der religion, verstiesz. Voss 3, 21; körper und stimme leyht die schrift dem stummen gedanken. durch der jahrhunderte strom trägt ihn das redende blatt. da zerrinnt vor dem wundernden blick der nebel des wahnes und die gebilde der nacht weichen dem tagenden blick. Schiller 11, 88 (spaziergang); krieg führt der witz auf ewig mit dem schönen, er glaubt nicht an den engel und den gott, dem herzen will er seine schätze rauben, den wahn bekriegt er und verletzt den glauben. 11, 336 (das mädchen v. Orleans); doch hinter ehrnem wahn verschanzt herrscht hier allein der pfaff, das seil, worauf so frech er tanzt, er hälts beständig straff! Platen 69 (verm. ged.); jetzt ist das aug' euch (den völkern) aufgethan, ihr seht den nackten stecken, und wendet euch von eurem wahn zum wahren gott der schrecken. Rückert ges. ged. 3, 452 (1837); von manchem wahne ist das volk geheilt durch jenen klugen arzt, genannt jahrhundert. wie hat man sonst geglaubt und sich verwundert! doch jetzt sind von der bildung wir ereilt. Immermann 11, 298 Hempel; zu eines menschen (des papstes) füszen lag fürst und volk im wahn, und beteten mit küssen all' einen götzen an. Schwab ged. 2, 81, (der mensch) der nacht entronnen und dem alten wahn; zerrissen sind der thorheit eitle netze, und offen liegt und frei des glaubens bahn. K. Förster ged. 2, 124; da scheinst du mir ein mönch aus alter zeit, der einst geschmachtet in des wahnes banden. K. Beck ged. (1870) 111; ich hab' in kalten wintertagen in dunkler hofnungsarmer zeit ganz aus dem sinne dich geschlagen, o trugbild der unsterblichkeit. nun, da der sommer glüht und glänzet, nun seh' ich, dasz ich wohl gethan; ich habe neu das herz umkränzet, im grabe aber ruht der wahn. G. Keller 9, 183. II@5@ee) wahn wird dann auch auf das übertragen, was fälschlich geglaubt oder angenommen wird und nimmt so die bedeutung 'etwas blosz eingebildetes, unwirkliches, trugbild' an: dasz sie (die menschen) ausser got nicht sollen haben, dann ein lehr stro, einn won, einn seelosen schein, weil sie das wesen aller ding nicht haben. Franck sprichw. 2, 194b; oder mus der geist selbst materie seyn? ... unsterblichkeit wäre ein wahn. der geist müste vergehen. Schiller 1, 76; der wüste grewel sitzet schon an heylger statt das ist kein wohn. Gengenbach 13, 1002 Gödeke; der vater ist geschaffen nit, desgleichen nit der sone, der hailig gaist zugleich damit ist kain geschöpf noch wone. Fischart dicht. 3, 153, 4 Kurz; befind' ich allezeit, dasz ihre (der liebe) tyranney nur sey ein blosser wahn und blinde fantasey. Opitz ged. (1690) 2, 82 (poet. walder 2); wer zweifelt, sehe mich nur an, ob Amor sey ein blosser wahn. Fleming 514 (oden 5, 22); man hat mich offt bereden wollen, die liebe sey nichts als ein wahn. ebenda; ich weisz dasz es (das gerücht) ein wahn ist — doch so wenig noch bin ich verhärtet gegen furcht und hoffnung, dasz mir das herz in meinem busen wankt. Schiller 15, 2, 489 (Demetrius); wohl lächelst du der alten tage; wohl ward das schöne trug und wahn. W. Hertz ges. dicht. 59; wem solche zaubertiere frommen, desz reinheit achte ich für wahn. R. Wagner 2, 126 (Tannhäuser). II@5@ff) nur gelegentlich hat wahn die bedeutung 'fehler, vergehen' entwickelt (an der ersten stelle könnte auch an wahn 'mangel' — s. das adj. wahn II, 8 — gedacht werden): am jungsten gricht, do er (gott) wirt kon, wil rechnung hon von iederman. der kleinest wan dann kumpt an tag. Schade sat. 2, 162, 184; ich fehlte, ja, doch wissenlos. ich brachte, als ich den wahn erfuhr, mich selbst zum opfer. Körner 3, 120 (Rosamunde 5, 10). II@66) für sich zu behandeln sind einige verbale verbindungen, in denen wahn theils die bedeutung 'unsichere meinung', theils (in der neueren sprache überwiegend) die von 'falsche meinung' hat. II@6@aa) einen wahn hegen, schöpfen, fassen, gewinnen, empfangen u. dgl.: finstern wahn hegen. Bödiker grundsätze der deutschen sprachen (1690) 255; mancherley kleine vögel wohnten in ihren zweigen und sangen sehr angenehm, dem wahn zu trotz, den man in Europa hegt, als ob es den vögeln in den heiszen ländern an harmonischen stimmen fehle. Wieland suppl. 5, 237; einen falschen wahn schöpfen, malam opinionem imbibere. Stieler 2468; einen wahn schöpfen, prendre une opinion, s'entêter d'un sentiment. Rondeau; ausz gethaner predig und schein seiner heiligkeit schöpfften die nonnen einen wohn ihm glauben zu geben. Kirchhof wendunm. 1, 519 Österley; welche (reime), damitt mans basz betracht, und man vielleicht nicht fasz den won, dasz man darzu thu oder von, haben dieselb wir unverruckt ... also lan bleiben in der summen. Fischart ritter v. Stauffenberg 749; dasz der leser ... von dem gantzen buch einen vorbericht, und durch solche sinnreiche erfindung des kupferblats, ein belieben zu dem werk gewinne, massen der erste wahn, den wir durch dergleichen betrachtung zu sinne fassen, sehr mächtig ist, und lange zeit ... beharret. Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 6, vorrede § 12; ein geitzhalsz der geitzt und wuchert immer fort, faszt ihm eine falsche opinion und wahn vom geitz, als zum exempel, 8 pro cento sey nicht unrecht. Dannhauer catechismus milch 1, 285; sie liegen und tichten unternander von S. Peter das hundert ins tausent, das ich den wahn habe kriegt, das weder S. Peter noch S. Paul habe den ersten stein an der kirchen zu Rom gelegt. Luther 8, 229a; doch ich wohl einen wahn hab empfangen, so die Leipzigschen vermochten, mich von Wittemberg treiben wurden ... denn ich wohl merke, wie sie nit müde, sondern e. f. g. universität zu Wittemberg zu zerstören suchen. briefe 1, 518; doch hat mir dieses nicht den eiteln wahn erwecket. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 1022. II@6@bb) im wahne sein, liegen, stehen, stecken, bleiben: die begrbent in (Friedrich 2) ... als heimliche, daʒ vil lüte und herren in manigen landen wol 40 jor in dem wone worent, er were nüt dot, und woren sin wartende. Closeners chr., d. städtechr. 8, 148, 12; als aber das volck im wahn war (προσδοκοῦντος δὲ τοῦ λαοῦ), und dachten alle in iren hertzen von Johanne, ob er vieleicht Christus were. Luc. 3, 15; es walten auch härnahch von dem algemeinen namen diser fölker, dehn si izund führen und Deutsche genännet wärden, viler-hand meinungen: einer ist in dem wahne, dasz das wort deutsch von däm worte Twiskon ... hähr-rühre. Zesen Rosemund 194 neudr.; da man im wahn war, ich käme, um zu predigen, fand ichs am besten, diesmal es höchsthöflich abzuwenden, dasz ich nicht predigen könne. Herder an Heyne (von und an Herder 2, 175); ostfries. he was (oder stun) in de wân dat ... ten Doornkaat Koolman 3, 505; doch glaubt, ob der werbung seid ihr im wahn. R. Wagner 7, 329 (meistersinger); sie liegen alle in dem verteuffelten wahn, dasz sie sich einbilden und andere überreden, es seye nicht möglich zu thun und zu lassen, was gott in Christo von ihnen fordert. Chr. Democritus eröffneter weg zum frieden (1709) 1028. jederman steht in dem wahn, dasz ihrs gethan habt, all the world presumes you to have done it. Ludwig 2367; er steht in einem falschen wahne, falsam fovet opinionem. Steinbach 2, 1022; in dem wahn stehen, opinionem habere. Nieremberger; wolt ja nicht stehn in disem wohn. Rebhun hochz. zu Cana vorr. 5; Walter. wie viele kassen habt ihr? Adam. fünf, zu dienen. Walter. wie, fünf? ich stand im wahn — gefüllte kassen? ich stand im wahn, dasz ihr nur vier —. H. v. Kleist 2, 27 (zerbr. krug 4); er steht im wahn, dasz die, die hier gesessen, Sibylle, meine mutter, sei gewesen. 2, 257 (Käthchen v. Heilbr. 5, 9); also stehet Johanns ym wahn, und versucht yhn also. Luther 20, 224, 35 Weim. ausg.; stehen in dem wahn, die krafft der predigt stehe in ihrem vermOegen. Mathesius Sarepta (1578) 128b; dasz Pythagoras in dem wahn gestanden, dasz ... eines jeden seele in dessen thiers leibe wiederkehre, mit welches sitten ... wir behafftet gewesen. Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 1, 13; auf diejenigen ..., welche in dem wahn stehen, ihres vaterlands ruhm sey der ihrige. 6, 275; die guten leute stehen in dem wahn, es sey allemahl ein unehrerbietiges ... verfahren, wenn man etwas grosses ehrwürdiges ... und eine ... verächliche sache ... mit einander vergleichet. Liscov 217; die verbindung mit dem major — du und die welt stehen im wahn, sie sei eine hofkabale —. Schiller 3, 391 (kab. u. liebe 2, 1); steht der junge herr dort etwan auch in dem wahn, ein dichter der ersten classe zu seyn? v. Thümmel reise 9, 16 (1803); da ich in dem wahn stand, denen die sich mit naturwissenschaften abgeben, sey es um die phänomene zu thun. Göthe 54, 305 (gesch. d. farbenl.); wenn er (Göthe) mit seinen inneren erfahrungen abschlosz, so blieben die leser stets in dem holden wahne, als ob er ganz verschwände hinter den gestalten, die von dem blute seines herzens getrunken hatten. Treitschke d. gesch.3 1, 197; er steckt im wahn, imbuit illius mentem opinio. Dentzler 2, 340; er steckt in dem wahne, in hac opinione est. Steinbach 2, 1022; in einem bösen wahn stecken, avoir de mauvais sentiments. Rondeau. meynen, achten, auff dem wohn sein. Emmelius sylva Z 6a. II@6@cc) an, in, auf den wahn kommen, geraten: und begunde iedoch hier under ir siuften unde ir süeʒen segen ûf den wec der minne wegen: er kom benamen an den wân, diu zwei diu wæren getân, durch niht niwan durch minne. G. v. Straszburg Tristan 801; so dasz der chirurgus in den wahn kam, es müsse ein geschwür daselbst verborgen liegen. Ettner unwürd. doctor 180; ihr aug ist schwarz wie reifer schlee; schier komm ich auf den wahn, wann ich ihr lang ins auge seh, sie hat mirs angethan. Hagedorn 3, 75; wie ihr zu dem wahn gekommen, deutsche, dasz für euern baum ihr die eich' habt angenommen. zu begreifen weisz ichs kaum. Rückert ges. ged. 5, 8; in einen irrigen wahn gerathen, ingannarsi, impressionarsi qualche cosa falsa. Krämer 1205; auf den wahn gerathen, in opinionem venire. Steinbach 2, 1022; noch ein ander gerieth auf den wahn, als wäre Rübezagel ... so viel, als Rove den tag. Praetorius Rüben-zahl (1672) 322; indem sie unvermerkt auf den wahn gerathen, sie hätten zu allem so gutes recht als die eltern. Chr. Wolff vern. ged. v. d. gesellschafftl. leben (1725) 144: ich weisz nicht, wer zuerst auf diesen wahn gerieth. Hoffmannswaldau heldenbr. (1680) 86; nur eine ... gänzlich miszleitete zeit konnte in den wahn verfallen, eine solche anschauung ... für religiös zu halten. Wundt ethik 410. II@6@dd) in, auf den wahn bringen: die leüt in ein fantasey oder won bringen, argwönig machen, afferre opinionem. Maaler 505c; einen auf den wahn bringen, alicui opinionem facere. Steinbach 2, 1022; also redet er (Tristan) alle seine vorgeredete wort gar weislichen an dem ende, und er pracht sy all auff den won, das sy geschworen hetten, er wer ein geborner, natürlicher narr. Tristrant 187, 17 Pfaff; darauf hat die gewohnheit sie auf den wahn gebracht, sie haben nicht mehr witz vonnöthen. Breitinger, discourse der mahlern 1, 46 Vetter. in den wahn setzen: da es nun einmal darauf ankommt, den zuschauer (in einem panorama) ganz in den wahn zu setzen, er sei in der offenen natur. H. v. Kleist briefe an seine braut 17 Biedermann. II@6@ee) in, bei, auf dem wahn lassen: auf dem wahn lassen. Dentzler 2, 310; darumb wer mein rath, wir wolten den könig in dem wohn lassen, als ob ... buch d. liebe 243, 4; die wolte die flöhende lieber bei ihrem wahne laszen, als sich zur unzeit offenbahren. Zesen Simson (1679) 402; da fiengen sie (die erlegte beute) zu theilen an, der löw liesz sie auff ihrem wahn, bisz das ein jedes sein gebür wolt nemen, da brammst er herfür, und fing ihn an zutragen drein, er sprach: das erste theil ist mein. Alberus fab. 7, 12; und lies die münch all in dem wahn, als ob es wär gros sünd gethan. Fischart dicht. 1, 225 Kurz (Dominicus 3691); ich that als schlief ich ungestört, und liesz, erwacht, die guten seelen im wahn, ich hätte nichts gehört. Wieland 18, 259 (der konig der schwarzen inseln); fröhlich hörte der jüngling des willigen mädchens entschlieszung, zweifelnd, ob er ihr nun die wahrheit sollte gestehen, aber es schien ihm das beste zu seyn, in dem wahn sie zu lassen. Göthe 40, 310 (Herm. u. Dor.). II@6@ff) den wahn aufgeben, fahren lassen: lasz doch den eitelen wahn fahren, quit that fanciful persuasion. Ludwig 2367; den wahn fahren lassen, opinionem deponere. Steinbach 2, 1022. aus dem irrigen wahn gerathen, disingannarsi. Krämer 1205; se détromper, se désabuser. Rädlein 1026. II@6@gg) einem den wahn benehmen: einem den waan benemmen, levare d'opinione. Güntzel 830; einem den wahn benehmen, alicui opinionem excutere. Steinbach 2, 1022. Adelung; o starcker gott benim ihm diesen wahn. Opitz psalmen Davids 26 (10, 6); wenn sich einer mercken läszt, dasz er Arelius wegen seines reichthums estimiert, und nicht gewahr wird, dasz dieser schatz mit unendlicher verdrieszlichkeit begleitet ist, so benimmt er ihm den wahn mit der folgenden fabel. Bodmer, discourse der mahlern 1, 38 Vetter; in vielen fällen, wo es nur auf ihn ankam, den leuten den wahn, er könne wunderdinge wirken, zu benehmen. Wieland 32, 141 (Agathodämon 3); als die lewte das getümmel ... horeten, wüsten sie nicht anders, es weren ire fursten ... gekhomen. aber die Denen brachen inen den wohn balde und erslugen sie, berawbten und verprenten alles. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 91 Gäbel. einen aus dem wahn bringen u. dgl.: bringen ab dem falschen wohn, levare falsa opinione. Dasypodius 460b; einen aus dem wahn bringen, ex opinione aliqua oratione movere. Stieler 2468; er läszt sich aus seinem irrigen wahn nicht heraus helffen, he would not be disabused. Ludwig 2367. aus dem wahn ziehen, reiszen, wecken: und dasz, um ihn von hier und aus dem wahn zu ziehen, unnöthig, nymffen und halb götter zu bemühen. Gryphius lustsp. 422 Palm; er glaubt sich jetzt von dir gehaszt, und stellt vielleicht sich an die spitze der empörer. reisz ihn aus seinem wahn, such ihn zu rühren. Schiller 15, 1, 31 (Phädra 1, 5); ich war ein glücklicher. als ich noch seine stimme nicht gehört. er selber hat mich aus dem wahn geweckt! was sprech' ich da vom wahn? hoffnung auf den menschen und vertrauen auf den bruder soll wahn gewesen seyn? Grabbe 2, 29 Grisebach (herzog von Gothland 1, 2). II@77) jetzt steht die in den vorigen abschnitten behandelte, von Adelung und Campe noch allein als üblich bezeichnete bedeutung 'ungegründete meinung' nicht mehr im vordergrund, das wort hat vielmehr meist die von 'einbildung, berückung, bethörung' angenommen, die sich schon in der älteren sprache vorbereitet. wie wahn schon früher besonders eine vorgefaszte, ohne rechtes verständnis von der sache gewonnene ansicht bezeichnet, so weist es jetzt, nachdem man darunter eine falsche, aber doch bestimmt angenommene meinung versteht, auf einen zustand hin, in dem man überhaupt nicht in der lage ist sich ein richtiges urtheil von den dingen zu bilden, sondern in einer täuschung befangen ist. II@7@aa) am nächsten steht das älternhd. wahn dieser bedeutung, wenn es ein rein subjectives urtheilen bezeichnet, eine meinung, die man sich in willkürlicher weise von den dingen zurecht macht: es ist ein ding gleich wie mans acht. allein der won ist reich oder arm. wie ein ieder ein aug, urtheyl, wag und achtung vor im hat, also sind im alle ding. S. Franck sprichw. 1, 142a; wer wol wänet, dem ist wol. wer einen won eins dings hat, der hat dasselbig mehr, dann der es warlich hat, und aber nit acht, dasz ers hab. wer sich selbs schön acht, oder einen won der weiszheyt hat angezogen, der ist für war im selbs, nach der achtung seines hertzens, mehr schön, dann der gleich schön und weisz ist, sich aber nit für schön und weisz helt. 2, 143a; reichtumb, ehr, gwalt und dergleichen ding, die fren vom rechten ab, die selben ding seind ausz won der menschen theur, wiewol sie an in selbs verächtlich seind. 2, 187a. ähnliche sprichwörtliche wendungen: es ist nur ein won, das man meint, der most schmack basz ausz der krausen, dann ausz dem glasz. Garg. 259b (414 neudr.); wer nach dem wahn lebt, der wird nimmer reich. Petri 2, 738 bei Wander 4, 1742; wahn erheischt viel, nothdurft wenig. Simrock 11120. vgl. ferner: all unser thun bestehet auff blosser einbildung und wahn. Philander 1, 164; wahn ... ist eine eingebildete meinung. Gueintz d. rechtschreibung (1645) 155; dann ob sie wol an stand und ehre, welches beydes mehrtheils nur ein wahn ist und von dem urtheil des menschen herrühret, etwas vor andern waren. S. v. Birken Pegnesis 1, 125; massen der wehrt desz goldes und silbers nicht in dem wahn bestehet, wie etwan anderer edelgesteine, sondern in seinem würcklichen nutzen. Francisci die lustige schaubühne 2 (1679), 34; der wahn der menschen ist die innerliche meynung und urtheil von einem sich selbst gemachten werth oder unwerth einer person oder sache. Klingner sammlungen zum dorf- u. bauern-rechte 3, 510; wahn ist ... eine leere einbildung, die keinen grund hat. Zedler univ. lex. 52, 856; der ist eyn narr der sich vertröst uff won, und meynt er sig der gröszt. Brant narrensch. 29, 2; kein spiegel treuget mehr, als den der wahn uns zeiget. Hofmannswaldau heldenbriefe (1680) 41. II@7@bb) bestimmt wird wahn von Kant als eine selbsttäuschung, die ein richtiges urtheil von den dingen ausschlieszt, definiert: wahn ist die täuschung. die blose vorstellung einer sache mit der blosen sache selbst für gleichgeltend zu halten. so ist es bei einem kargen reichen der geizende wahn, dasz er die vorstellung, sich einmal, wenn er wollte, seiner reichthümer bedienen zu können, für genugsamen ersatz dafür hält, dasz er sich ihrer niemals bedient. 6, 350 (relig.); unter dem wahne, als einer triebfeder der begierden, verstehe ich die innere praktische täuschung, das subjective in der bewegursache für objectiv zu halten. 10, 304 (anthrop. § 84). diese auffassung herrscht in der späteren wissenschaftlichen sprache: stellte er (Kant) hierin dieselbe wahrheit dar, die schon Platon unermüdlich wiederholt und in seiner sprache meistens so ausgedrückt: diese den sinnen erscheinende welt habe kein wahres seyn, sondern nur ein unaufhörliches werden, sie sei, und sei auch nicht, und ihre auffassung sei nicht sowohl eine erkenntnisz, als ein wahn. Schopenhauer 1, 536 Grisebach; nennen wir also anschauung jede sinnliche vorstellung, welche im bewusztsein das treue und helle bild eines wirklich vorhandenen gegenstandes abspiegelt ...; so ist dagegen wahn jede vorstellung von entgegengesetztem charakter, welche also entweder ihre objekte falsch vorstellt, oder ein bild liefert, dem überhaupt kein naturding entspricht. Ideler grundrisz der seelenheilkunde (1838) 2, 427. von hier ist es nur ein schritt, wahn als krankhafte erscheinung aufzufassen (vgl. unten i): der unterschied zwischen wahn und wahrheit liegt in der differenz ihrer lebensfunctionen. der wahn lebt von der wahrheit; die wahrheit lebt ihr leben in sich. man vernichtet den wahn, wie man krankheiten vernichtet, und der wahn ist also nichts, als logische entzündung oder verlöschung, schwärmerei oder philisterei. Novalis 2, 89 Tieck; wahn ist im gewöhnlichen sprachgebrauch die bezeichnung jeder verstandesschwäche, sinnenbethörung und gemüthszerrüttung, wodurch der mensch als vernunftwesen seiner heiligsten rechte verlustig geht. Ideler grundrisz der seelenheilkunde (1838), 2, 426. II@7@cc) als 'leere einbildung' steht wahn nicht nur im gegensatz zur wahrheit (oben 5, a), sondern auch zur wirklichkeit: wie in Rom auszer den Römern noch ein volk von statuen war, so ist auszer dieser realen welt noch eine welt des wahns, viel mächtiger beinahe, in der die meisten leben. Göthe 49, 71 (maximen u. reflex.); wenn ihr die schuppen vom auge fallen (wenn sie erfährt, dasz ich nicht der prinz bin), wer weisz, ob der wahn siegt, oder die wirklichkeit! Gutzkow ritter vom geist2 2, 254; nicht komm' ich, bruder, anzuklagen, zu richten wirklichkeit und wahn. W. Hertz ges. dicht. 79. II@7@dd) häufig wird wahn von den menschlichen leidenschaften, dem hochmut und stolz, der einbildung und schwärmerei, der liebe und dem hasz, der hoffnung und verzweiflung u. s. w., gebraucht, unter deren banne die klare überlegung und die richtige beurtheilung der verhältnisse verloren geht: so jammert dich ... desz reiches das verdirbet durch misztreu. hasz und wahn. Opitz ged. (1690) 2, 103 (poet. wälder); der den der ehrgeitz jagt, der sich ins weite feldt der leichten lüffte wagt mit flügeln, die ihm wahn und hochmutt angebunden. Gryphius trauersp. (1663) 12; wen blinder eyfer wiegt, dem traumt von ungelücke ... erwach und streich dir doch die schuppen vom gesichte, kein kluger macht sich selbst durch wahn und dunst zu nichte. Hofmannswaldau verm. ged. (1680) 18; ist etwan eine kunst, in welcher thorheit, zanck, verwirrung, hasz und dunst und wahn und vorwitz herrscht. Günther bei Steinbach 2, 1023, ein halber kenner verdient, zum höchsten, nur das mitleid kluger männer, wenn er voll meisterschaft, voll hochmuth, neid und zwist, an witz ein Polyphem, an wahn ein Argus ist. Hagedorn 2, 139; doch Idris unser held, bewaffnet mit ideen, blieb kalt, und sah — aus tugend oder wahn — die schöne nixe gar mit widerwillen an. Wieland 17, 27 (Idris u. Zen. 1, 29, 7); wie den bezauberten von rausch und wahn der gottheit nähe leicht und willig heilt; so war auch ich von aller phantasie, von jeder sucht, von jedem falschen triebe mit einem blick in deinen blick geheilt. Göthe 9, 138 (Tasso 2, 1); doch so treiben es die menschen! zu hohen würden sieht man tausende aus freier wahl sich drängen, in vermesznen entwürfen schwindelnd sich versteigen, doch bald legt den wahn des haufens flattersinn, und ihres unvermögens stiller wink bringt schimpflich sie zum widerruf. Schiller 6, 168 (Iphig. in Aulis 1, 2); drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das herz zum herzen findet! der wahn ist kurz, die reu ist lang. 11, 308 (glocke); gefährlich ist's den leu zu wecken, und grimmig ist des tigers zahn, jedoch der schrecklichste der schrecken das ist der mensch in seinem wahn. 11, 318 (ebenda); süszer trost in heiszen stunden, da die liebste. die mir lebt, zitternd vor mir stand in wunden und doch nicht vor mir erbebt ... deine flamme war die meine, beide faszte uns der wahn. Brentano 2, 252; wovon so viele einzig leben, was stolz und wahn so gerne hört, des vaters namen war es eben, was deiner thatkraft keim zerstört. Grillparzer 1, 121; Medea. geh nicht (zum vliesz), o Jason! Jason. hartnäckige! kann nichts dich denn bewegen, zu opfern meinem entschlusz deinen wahn? Medea. man ehrt den wahn auch dessen, den man liebt. 3. 26 (Argonauten 4); Lohengrin. Elsa, halt' ein! beruh'ge deinen wahn. Elsa. nichts kann mir ruhe geben. dem wahn mich nichts entreiszt, als — gelt' es auch mein leben! — zu wissen — wer du sei'st? R. Wagner 2, 139 (Lohengrin); was dich umglisz mit hehrer pracht, der ehre glanz, des ruhmes macht, an sie mein herz zu hangen, hielt mich der wahn gefangen. 7, 57 (Tristan und Isolde); diese ... darstellung der sittlichkeit bringt dagegen keine gefahr der schwärmerei, welche ein wahn ist, über alle grenze der sinnlichkeit hinaus etwas sehen d. i. nach grundsätzen träumen (mit vernunft rasen) zu wollen. Kant 7, 129 (kritik der urtheilskraft); so auch ist jede lebhafte freude ein irrthum, ein wahn, weil kein erreichter wunsch dauernd befriedigen kann. Schopenhauer 1, 137 Grisebach; Juliane ... dasz mich vater und mutter verstieszen, als ich mich des beständigen besitzes ihres nichtswürdigen herzens zu schmeicheln wahn genug hatte; ... das ist hölle! K. G. Lessing die mätresse 18, 16 (1, 11) neudr.; kommt nun vollends zur schwäche der lage die schmeichelei des wahns und kann der leere jüngling seine angeborne lyrik sich selber für eine höhere romantik ausgeben: so wird er ... J. Paul vorschule der ästhetik 1, 36. vom menschlichen leben überhaupt mit seinen hoffnungen und enttäuschungen: des menschen bahn ist schnell gemessen, und bald vergessen der kurze wahn. Platen 68 (parzenchor); mein treiben ist ein traum, ein wahn, so gestern und so heute: und wenig hab ich nur gethan, was ich nicht bald bereute. K. Beck ged. (1870) 247. II@7@ee) mit abhängigem genetiv, der die leidenschaft, unter deren einflusz sich der mensch befindet, näher bezeichnet: das lehrt uns Hiero ... der seinen bürgerstand und königsstand erwogen, und als er sie verglich, den ersten vorgezogen. den unerfahrnen nur berauscht der hoheit wahn, spricht er, der sinnen lust ist für den unterthan. Hagedorn 1, 38; wie sprang, von kühnem muth beflügelt, beglückt in seines traumes (hier: lebenshoffnungen) wahn, von keiner sorge noch gezügelt, der jüngling in des lebens bahn. Schiller 11, 28 (die ideale); verflucht, wer sich den wahn der freundschaft läst bethören! Gryphius trauersp. (1663) 34; ach! dasz es doch bliebe, dies paradies! der wahn der liebe ist gar so süsz. Körner 1, 230; aber seit ein namenloses sehnen, süsz und quälend, seine brust entzweit, seit der wahn des nie erblickten schönen ihn berauscht mit allvergessenheit. A. W. v. Schlegel 1, 42; ich kenne dich, du rascher wilder knabe, ich seh' dich an und meine pulse stocken. du bist ich selbst, wie ich gestrebet habe in meiner hoffnung wahn vor grauen jahren. Chamisso ged.8 546; da krochs heran, regte hundert gelenke zugleich, will schnappen nach mir, in des schreckens wahn lasz ich los der koralle umklammerten zweig. Schiller 11, 225 (taucher); doch brennend durch die stirn heraus ein blutroth kreuz erschiene. als die zwei das zeichen sahn, fällt sie an der verzweiflung wahn, sie glaubten sich schon in der hölle. A. W. v. Schlegel 1, 228; da, wie schwindel ihn umgrauset, ruft in der verzweiflung wahn er den, der im felsschlosz hauset, er den geist des berges an. Rückert ges. ged. 3, 56 (1837); der junge bursche ... kann ein Orestes werden, wenn ihn der wahn der leidenschaft ergreift. Hehn Italien 136. II@7@ff) verbindung mit adjectiven (falscher, eitler, blinder wahn, die vielfach hierher gehören, s. oben 4). II@7@f@aα) frommer wahn: stets heiter, bethete sie, voll von frommen wahn, in allem, was geschah, der götter willen an. C. F. Weisze trauerspiele (1776) 2, 9; jetzt sind freilich aufgeklärter diese menschen, und sie töten nicht einander mehr aus eifer für die himmlischen intressen; — nein, nicht mehr der fromme wahn, nicht die schwärmerei, nicht tollheit, sondern eigennutz und selbstsucht treibt sie jetzt zu mord und totschlag. Heine 2, 374 Elster. kranker wahn: dort sinnt, in banger nacht, ein sklav von flücht'gem ruhm, von amt auf ämter hin. der märtyrer der titel, des kranken wahnes eigenthum, schämt sich, vor lauter ehr, auch nicht entehrter mittel. Lessing 1, 90; ferne bleib', o jüngling! bleibe stehen; ich gehöre nicht den freuden an. schon der letzte schritt ist, ach! geschehen, durch der guten mutter kranken wahn, die genesend schwur: jugend und natur sey dem himmel künftig unterthan. Göthe 1, 244 (braut v. Korinth). stolzer wahn: doch ich, von falscher zärtlichkeit bestochen, von stolzem wahn geblendet, ohne dich das wagestück zu enden. Schiller 5, 2, 409 (don Karlos 5, 3); nicht einen strohhalm weit sind sie aus sich und ihrem stolzen wahn herausgegangen. Grabbe 3, 12 Grisebach (Napoleon 1, 1); bald bringt man auf die bahn gereitzt durch aberwitz und dünckelvollen wahn ein unerhörte lehr'. Gryphius trauersp. (1663) 11. trunkener wahn: selig preis ich Polyxenen in des herzens trunk'nem wahn, denn den besten der Hellenen hofft sie bräutlich zu umfah'n. Schiller 11, 371 (Kassandra); und sollte dieses stolze herz empfinden, muszt' es Aricia seyn, die mich besiegte? vergasz ich ganz in meinem trunknen wahn das hindernisz, das uns auf ewig trennt? 15, 1, 21 (Phädra 1, 1). schwärmerischer wahn: gnadenwirkungen ..., bei denen wir uns blos leidend verhalten, deren vermeinte erfahrung aber ein schwärmerischer wahn ist, der blos zum gefühl gehört. Kant 6, 381 (religion). rasender wahn: zerrissen hab ich alle frühern bande, vertrauend eines schwures leichtem pfande. wo waren die sinne? was hab ich gethan? ergriff mich bethörend ein rasender wahn? Schiller 14, 53 (braut v. Mess. 2, 1). irrer wahn: der liebe kummer ... der jetzo sie in irrem wahn durch hain und wildnisz treibt; sie sieht nicht den geliebten nahn, sie fragt noch, wo er bleibt. A. W. v. Schlegel 1. 236; du führest mich die rauhe bahn, den himmel zu erringen, zum tagesglanz aus irrem wahn! K. Förster ged. 1, 397. II@7@f@bβ) guter wahn: o lieber Andres Hofer, wahre dich vor dieser schlange, die du leider nährest in gutem wahn an deiner reinen brust; zu tode sticht sie dich mit ihrer zunge. Immermann 17, 58 Hempel (trauerspiel in Tirol 2, 6). schöner wahn: ach! des lebens schönste feyer endigt auch den lebens-may, mit dem gürtel, mit dem schleier reiszt der schöne wahn entzwei. Schiller 11, 308 (glocke); der freiheit ihren ew'gen bund zu flechten, betratst du (Hofer) kühn die grosze heldenbahn ... der schöne glaube war ein schöner wahn. Körner leier u. schwert 3. freundlicher, froher, holder wahn: er sagte ..., man solle den kindern nichts weisz machen ... ich ... blieb in meinem herzen der wahrheit getreu: wir sollen es mit den kindern machen, wie gott mit uns, der uns am glücklichsten macht, wenn er uns in freundlichem wahne so hintaumeln läszt. Göthe 16, 50 (Werther); wenn dürstend eine karawane hinaus in alle wüste lauscht, und jetzo meint, in frohem wahne, zu hören wie die quelle rauscht. Lenau Savonarola 30; o liebes-zwang! der welt holdester wahn, wie ist's um dich gethan. R. Wagner 7, 95 (Tristan und Isolde). süszer wahn: dasz du mir auch diesen glauben, und wär' es nur ein süszer wahn, wegzuvernünfteln gesucht hast. Wieland 37, 163 (Euthanasia); der phantast ... will in seinem süszen wahne nicht gestört sein. Hoffbauer psychol. untersuch. über den wahnsinn 3 (1807), 62; laszt lächelnd wenigstens ihr einen wahn, in dem sich jüd' und christ und muselmann vereinigen; — so einen süszen wahn! Lessing 2, 197 (Nathan d. weise 1, 1); macht dann der süsze wahn der süszern wahrheit platz. 2, 198 (ebenda); wer grübe sich nicht selbst sein grab und würfe froh die lebensbürd hinah, wenn süszer wahn nicht wäre? Herder 29, 59 Suphan; o dank, dank diesen freundlich grünen bäumen, die meines kerkers mauern mir verstecken! ich will mich frei und glücklich träumen, warum aus meinem süszen wahn mich wecken? Schiller 12, 488 (M. Stuart 3, 1); mich soll der glaube nimmer locken. sie (die bibel) brennt; ihr zauber ist besiegt ... jetzt wär's zu spät, mich zu bedenken, im herzen noch den süszen wahn unschlüssig feig herumzuschwenken. Lenau Faust3 32; das herz der völker sehnt sich bang zurück nach süszem wahn und buntem kirchentande. K. Beck ged. (1870) 184. besonders von den liebesgefühlen: eine musenliebe, wie die ihrige, endet sich gewöhnlich wie die leidenschaft eines unerfahrnen paars von turteltaubenseelen, die einander statt alles andern brautschatzes einen unermeszlichen schatz von zärtlichkeit zubringen, und in dem süszen wahne, dasz die liebe sie ewig speisen und tränken werde, aller vorkehrungen gegen die bedürfnisse des lebens vergessen haben. Wieland 24, 16; was nur auf süssen wahn und blosse schönheit paaret, das dauret selten lang und ist nicht wohl verwahret. Rachel sat. ged. 7, 533 neudr.; aus den keuschen heil'gen schatten dringt verhaszter ton hervor. wild gelächter statt der liebe süszem wahn! Göthe 2, 29 (cantaten); ich allein musz einsam trauern, denn mich flieht der süsze wahn. Schiller 11, 369 (Kassandra); was hälfe mir (Raphael) mein schweigen! viel tausend blätter (mit dem bilde der Fornarina) zeigen des herzens süszen wahn. K. Förster gedichte 2, 220; o was wird die mutter sagen? wie das ganze dorf mich schmähen, wie die mädchen meiner spotten, ach und wie mein armes herz seinen süszen wahn beweinen! Waiblinger 7, 219. seliger wahn: kein feuchtes auge voll vertrauen, voll liebesweh, voll sel'gem wahn, doch wohl auf immergrünen auen blickt mich manch süszes veilchen an. 7, 4. heiliger wahn: durchleuchtest mir das herz mit heil'gen wahnen, zum stolz der tugend meine kraft zu mahnen. Arndt ged. (1860) 73. II@7@gg) wie im vorausgehenden die bedeutung 'einbildung, bethörung' mehrfach zu der von 'begeisterung, schwärmerei' gemildert erscheint, so kann das wort auch auf den kühnen flug der dichterischen phantasie angewendet werden: er (der kunstler) sieht sich die gestalten an, als wären sie sein zumeist, was er geschaut, in hellem wahn lebt's fort in seinem geist. Schwab ged. 1, 234; nur er, der die bahnen des sternenalls schwinget, versteht, was in wahnen des busens erklinget. Arndt ged. (1860) 330; mein freund, das grad' ist dichters werk, dasz er sein träumen deut' und merk'. glaubt mir, des menschen wahrster wahn wird ihm im traume aufgethan: all' dichtkunst und poeterei ist nichts als wahrtraum-deuterei. R. Wagner 7, 317 (minnesinger 3). II@7@hh) andrerseits tritt eine steigerung des begriffs 'einbildung' hervor, wenn das wort auf einen zustand hinweist, in dem man seiner sinne nicht völlig mächtig ist, also 'vorspiegelung, sinnestäuschung' bezeichnet. schon im mhd. und älteren nhd. kann wahn öfters so genommen werden, vgl. oben 5, d, α die aus Luther und Franck angeführten stellen, ferner: ouwî waʒ ich êren pflac, die wîl ich slâfende lac! mir hât getroumet michel tugent: ich hete geburt unde jugent ... in allem disem wâne sô bin ich erwachet. Hartm. v. Aue Iwein 3540; wie? irr' ich? haucht der mund? ists wahn? rührt sich die leich? Gryphius lustsp. 293, 9 Palm; ich kan es wachend kaum so kunterbund gedencken, als wies mier in den wahn der schlaf pflegt einzusencken. bald mahlet er mier flachs, bald krüg' und flaschen für; da es doch alles falsch: wie ich hernach verspür. Prätorius philosophia colus 152. ausgeprägt ist die bedeutung bei Klopstock, Wieland und später (für ihre herausbildung ist besonders bezeichnend der augen wahn bei Schiller): über dem strome bebte der todte, plötzlich befällt ihn immer wiederkehrender wahn: jünglinge tanzten, und mädchen nach flötenspiel' am gestade. Klopstock 2, 201 (die vergeltung); dasz fantasie, von schwärmerey erhitzt, die sinne selbst verfälscht, ist längst bemerket worden ... allein was Idris fühlt, ist weder wahn noch traum. Wieland 17, 292 (Idris 5, 103); dem guten ritter däucht was ihm geschieht ein traum. er schaut erstaunt umher, und sucht sich's wahr zu machen: doch alles was er sieht bestätigt seinen wahn. 23, 179 (Oberon 10, 23, 1); jetzt sehn wir noch zu ganzen heeren, die uns'rer waffen glücklicher betrug vor kurzem noch im finstern dunkel schlug, von ihrer flucht zurückekehren. ihr schneller blick erkennt in dunkler schlacht des helmes list, der schilde falsche zeichen. jetzt musz der augen wahn dem klang der stimmen weichen, jetzt siegt des feindes übermacht. Schiller 6, 367 (zerstörung Trojas); Johanna. mir war's, als hätt' ich die geliebten schwestern, Margot und Louison, gleich einem traum an mir vorüber gleiten sehen. — ach! es war nur eine täuschende erscheinung! ... Margot (hervortretend). sie ist's, Johanna ist's. Louison. o meine schwester! Johanna. so war's kein wahn — ihr seid es — ich umfasz euch. 13, 299 (jangfr. v. Orl. 4, 9); in Narcissus' wahn versunken könnt' ich ewig schauen, trunken auf die quelle hingeneigt. A. W. v. Schlegel 1, 11; da dacht ich wieder: dieses bild ist trug, ein angstgespenst nur ohne wesenheit, das dein erhitztes hirn ins äusz're trug; und schlug die augen zu nach langer zeit, und schlug sie wieder auf, — er war verschwunden, ich dünkte mich vom bösen wahn befreit. Chamisso ged.8 477; das wär' ein wahn, ein traum, was ich so warm umfasse? Tiedge 1, 42 (Urania 2); morgenthau rührt mir die wange weckend, bald zerrinnt der wahn; und der erste hahnenschrei ... bricht den lieben traum entzwei. Brentano 5, 256; so hielt der traum mich still und lange versenkt in ruhigen genusz. da endlich drückt' er wang' an wange und schied mit einem sel'gen kusz. ich war erwacht, ich eilt' ins freie, seltsam bewegt von lieb' und wahn. Schwab ged. 1, 31; 'wer aber wird den weg mir zeigen?' ruft Karl im wahn des traumes aus. Rückert ges. ged. 3, 60 (1837). II@7@ii) wahn als auf täuschung beruhende einbildung, vorspiegelung u. s. w. konnte leicht als krankhafte erscheinung genommen werden, vgl. oben 7, b. in der neueren wissenschaftlichen sprache wird das wort darnach auch für die fixen ideen und hallucinationen der geisteskranken gebraucht. indem das wort dann unter einflusz von wahnsinn gerät, bezeichnet es auch den zustand selbst, in dem sich der kranke befindet: wahn und wahnsinn sind überhaupt nicht so weit von einander, als man glaubt. so lange der wahn sich in einem winkel der seele aufhält, und nur wenige ideen angreift, behält er diesen namen; verbreitet er seine herrschaft weiter und macht sich durch lebhaftere handlungen sichtbar, so nennt man ihn wahnsinn. Herder 17, 231 (briefe z. beförd. d. humanität 4) Suphan; denn eben hierdurch unterscheidet sich der phantast von dem wahnsinnigen, dasz dieser seinen wahn fortwährend für wahrheit hält, der phantast aber bald von ihm zurück geführt wird. Hoffbauer psychol. untersuch. über den wahnsinn 3 (1807), 54; ich komme zuletzt zu dem eigentlichen wahnsinn, der ... in den meisten fällen durch eine fixe idee bestimmt wird. es liesze sich wohl auch das gegentheil denken, nämlich ein unregelmäszig abwechselnder wahn. Herbart 6, 447 Hartenstein; da von der bestimmten art des wahns die rede war, bei welcher der kranke sich eine ihm fremde persönlichkeit zueignet. 448; daher geht der vollständigen ausbildung der seelenkrankheiten jedesmal ein schwanken und zweifeln voraus, wo der mensch von wahn und wirklichkeit wechselseitig angezogen in seinem selbstbewusztsein irre wird. Ideler grundrisz der seelenheilkunde (1838) 2, 436; zieht die conception der falschen ideen derartige consequenzen für das ganze wissen und glauben nach sich, und ändert sie zurückwirkend noch frühere aus erfahrungen abstrahirte erkenntnisse um, so ist das irresein der intelligenz, das 'irrdenken', der wahn vollendet. Emminghaus allg. psychopathologie 203; die wahnvorstellungen von depressivem und expansivem inhalt verbinden sich nicht selten mit einander ... in diesem zusammenhang entwickeln sich oft fixe wahnideen ... je häufiger der wahn vorgebracht wurde, um so leichter verdrängt er entgegenstehende vorstellungen. Th. Kirchhoff lehrb. d. psychiatrie (1892) 113. wahn in diesem sinne durch adjectiva bestimmt: in ihrer (der wahnsinnigen) rückerinnerung sind lücken, welche sie dann mit fictionen ausfüllen, die entweder, stets die selben, zu fixen ideen werden: dann ist es fixer wahn, melancholie; oder jedesmal andere sind, augenblickliche einfälle: dann heiszt es narrheit, fatuitas. Schopenhauer 1, 260 Grisebach; so führt er (der wahnsinnige) aus dem dargebotenen material ein systematisches kunstwerk auf, welches ..., gegen alle angriffe mit streitgerüsteter dialektik vertheidigt, nur deshalb zusammenstürzen musz, weil es aus nebel und dunst gewoben war. man nennt dies den raisonnirenden wahn. Ideler grundrisz der seelenheilkunde (1838) 2, 418; den religiösen wahn (vorher: der religiöse wahnsinn) der Mohammedaner und Heiden durch alle seine grotesken erscheinungen zu verfolgen. 2, 453; Heinroth hat unter dem zu allgemeinen namen des stillen wahns (ecstasis melancholica) ein so meisterhaft gezeichnetes bild von der erotomanie gegeben ... 2, 539. so auch in zusammensetzungen: liebeswahn, eifersuchtswahn, gröszenwahn, querulantenwahn, verfolgungswahn u. dgl. Höfler krankheitsn. 775a. II@88) schlieszlich mag ein schwäbisches wohn 'freude, lust' erwähnt werden, das im 16. und 17. jahrh. vorkommt und auf einer vermischung von wonne mit wahn (obd. wohn s. oben sp. 602), bei dem wol an die alte bedeutung 'erwartung, hoffnung, zuversicht' anzuknüpfen ist, beruht. das wort wird, soweit das genus erkennbar ist, immer als masc. gebraucht: züch mich usz todes schlunde, das ich din lob mach kunde der statt Zion, mit fröud und won din heil uszkünde menigklich. L. Jud, Wackernagels kirchenl. 3, 832, 8; denselben tag hab ich fürgenommen, sobald ich werd gen Buchhorn kommen, gleich heut zu halten guten wohn. Frischlin Wendelgard 1, 2; gott schickt uns diese freud und wohn nach traurigkeit, die wir erfahren. 4, 2; gib frewd und wohn den ohren mein, durch die vil milte güte dein, auff das frolocken meine beyn, die hart von dir zerschlagen sein, ach wöllest wenden dein gesicht, und mein boszheit anschawe nicht. Diliager catholischs gesangbüchlein 1589, s. 121; darumb solt ihr nicht verzagen, unser creutz, nott und pein wird bald verkehret werden in voller frewd und wohn. Wolkan, lieder auf d. winterkönig 22, 3 (von Th. Hoffmann). häufig bei Weckherlin (Fischer 2, 530), gern in verbindung mit andren substantiven, dank und wohn, trost und wohn, freud und wohn, lust und wohn, auch wortspielend mit wohnen: die najaden gleicher weisz schwomen in herzlichem wohn mit dem Neckar, so sie führte. 1, 100 (od. 1, 1); auch wirt, wan alles flaisch soll wieder aufferstehen für des höchsten gericht. der bösen jamer recht angehen, da ihrer keiner wirt auff höben sein gesicht: kein sünder wirt ja dann der frommen wohn beflöcken, noch sich under die zunfft der gerechten verstöcken. 1, 300 (ps. 1, 6); wann dein zorn (ihrer thorheit lohn) sie tieff wird in den abgrund stürtzen, erfillend uns mit danck und wohn. 1, 307 (3, 11); hat meine sehl bald trost und wohn, mein feind den fall empfangen. 1, 320 (9, 3); wolan, so lasset nu mit wohn uns unserm got lobsingen. 1, 322 (9, 12); jedoch der höchst besitzend seinen thron ob dem gestirn; der seiner kirchen wohn, dem seine kirch ein tempel ausserlösen hat alle ding für seinem angesicht. 1, 327 (11, 4); o höchster, ... in dessen zelten wahrer lohn, in dessen wohnung wahrer wohn allein zu suchen und zu haben. 2, 30 (15, 1); mit frewd und wohn. 2, 34 (16, 12); die heyligen, des höchsten knecht mit wohn darinnen (in des höchsten stadt) wohnen. 1, 340 (46, 4); ... der edel berg Syon, einst unser wohn, und deine wohnung. 1, 351 (74, 3); da ein unsäglicher wohn die seel (seelig) ergötzet. 1, 375 (113, 7); so stöllet er sich auch mit wohn und wunder ein. 2, 56 (19, 8); der wirt (recht weisz und reich) mit wahrem lust und wohn und reichem lohn (glickseelig) innerlich und eusserlich gezieret. 2, 57 (19, 17); ... dan ihr hertz mit süsz-wahrhafftem wohn und ewig-süsser frewd wird allzeit überfliessen. 2, 73 (22, 29). II@99) wahn als 'mangel, fehler' (besonders am holz) gehört nicht hierher, sondern ist eine substantivierung des adj. wahn, s. d.
146535 Zeichen · 2437 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wahn

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Wahn , des -es, plur. inusit. 1. * Eine jede Meinung, d. i. Urtheil nach bloß wahrscheinlichen Gründen, ohne Rücksic…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wahn

    Goethe-Wörterbuch

    Wahn [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wahn

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Wahn , Dorf im preuß. Regbez. Köln, Landkreis Mülheim a. Rh., an der Staatsbahnlinie Deutzerfeld-Horchheim, hat eine kat…

  4. modern
    Dialekt
    Wahnm.

    Mecklenburgisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Wahn m. 1. a. Spr. Vermutung, bloßer Verdacht: 'nement ... schal hir weme ane beclaghen ofte schuldigen by wane' (1362) …

  5. Sprichwörter
    Wahn

    Wander (Sprichwörter)

    Wahn 1. Allein der Wahn ist reich oder arm. – Lehmann, II, 26, 8; Petri, II, 5; Eyering, I, 30; Körte, 6407; Simrock, 11…

  6. Spezial
    Wahn

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wahn m. (-[e]s) 1 (falsche Vorstellung) ilujiun (-s) f. , ingian (-s) m. 2 (Wahnsinn) strambaria (-ies) f. , matité (-s)…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wahn

219 Bildungen · 209 Erstglied · 6 Zweitglied · 4 Ableitungen

wahn‑ als Erstglied (30 von 209)

Wahnsinn

SHW

Wahn-sinn Band 6, Spalte 203-204

wahnsinnig

SHW

wahn-sinnig Band 6, Spalte 203-204

wahnächs

DWB

wahn·aechs

wahnächs , adj. aus seiner rechten stellung oder lage gekommen, verschoben, verdreht, verkrümmt, z. b. von einem baufälligen haus, einem nas…

wahnahme

DWB

wahnahme , f. falsche, nicht das richtige masz bezeichnende eichung, zu dem adj. wahn. im mnd.: aff sy bier in wanamigen vaten verkoft hebbe…

wahnahmig

DWB

wahn·ahmig

wahnahmig , adj. zu dem vorausgehenden: vortmer geschege ouck, dat dy gnanten Czervstern vad nicht vulamich weren .., des dy van Magdeburg, …

wahnart

DWB

wahn·art

wahnart , f. schlechte art, unart, zu dem adj. wahn. von Adelung und Heynatz 2, 608 als landschaftlich erwähnt. dän. schwed. vanart.

wahnback

DWB

wahn·back

wahnback , m. ein schmächtiger mensch, der keinen breiten rücken hat. eine possessive zusammensetzung, zu dem adj. wahn und nd. bak rücken. …

wahnbar

DWB

wahn·bar

wahnbar , adj. , ostfries. wanbār ' fehlbar, fehlsam ' ten Doornkaat Koolman 3, 506 . aus wan- und dem adj. bār ' offen, klar, lauter ' oder…

wahnbauch

DWB

wahn·bauch

wahnbauch , m. , steir. wanbauch ' leerer, schlapper bauch; auch spitzname für einen mageren menschen '. Unger-Khull 617 .

Wahnbaud'

MeckWB

Wahnbaud' f. Wohnbude, kleines Haus, vgl. Baud' 1: 'in ... waneboden' (Wi 1518) Schill.-Lübb. 6, 314 a ; 'die ... auf dem Spiegelberge hiese…

wahnbefangen

DWB

wahn·befangen

wahnbefangen , part. adj. durch seine einbildung getäuscht: er glaubt das ziel zu sehen, wahnbefangen, und steht am punkt, von dem er ausgeg…

wahnbegriff

DWB

wahn·begriff

wahnbegriff , m. 1 1) ein nd. wanbegrip ' falscher begriff ' ten Doornkaat Koolman 3, 506 ist mit dem adjectivischen wan- gebildet. auch ndl…

wahnberauscht

DWB

wahnberauscht , part. adj. durch einbildung völlig bethört: ein meineid rief in jedem ihrer küsse den zorn der götter auf ihr haupt herab; i…

wahnbesitzung

DWB

wahn·besitzung

wahnbesitzung , f. , in der alten rechtssprache, ein unvollkommener besitz: facit, quod statutum loquens de possessione non etiam includat q…

wahnbethört

DWB

wahnbethört , part. adj. : wer ihn hört, und wahnbethört sänge dem vogel nach, dem brächt' es spott und schmach. R. Wagner 7, 265 ( meisters…

wahnbett

DWB

wahn·bett

wahnbett , n. , als jägerausdruck, das vom wild verlassene ( leere ) lager. eine blosze zusammenrückung mit dem adj. wahn. meistens vom hirs…

wahnbild

DWB

wahn·bild

wahnbild , n. ein bild, das nicht auf wirklichkeit beruht, aber als wirklich angesehen wird, blendwerk; eine leere einbildung. ein zuerst 17…

wahnbildung

DWB

wahn·bildung

wahnbildung , f. entstehung krankhafter einbildung: dasz die geisteskranken von dem Goethe'schen satze: 'was dem einen widerfährt, widerfähr…

wahnbisz

DWB

wahnbisz , m. krankheit der thiere, bei der sie bissig werden, zu dem adj. wahn. mnd. wanbete koller bei den pferden. Schiller-Lübben 5, 585…

wahnbraut

DWB

wahn·braut

wahnbraut , f. vermeintliche, fälschlich als solche angesehene braut ( junge frau ), mhd. wânbrût: Karsîen was ir tochter trût: sie nam Tris…

wahnbruder

DWB

wahn·bruder

wahnbruder , m. der fälschlich als bruder von jemand angesehen wird, mhd. wânbruoder: biʒ zwei des marschalkes kint ... under in zwein wurde…

wahnbürtig

DWB

wahn·buertig

wahnbürtig , adj. unehlich erzeugt, mnd. wanbordich Schiller-Lübben 5, 585 , wanbördig ( aus älterer sprache ) Dähnert 537 . Schambach 278 :…

wahnburt

DWB

wahn·burt

wahnburt , f. unehliche ( eigentlich mangelhafte ) geburt, vgl. geburt 4) e ) theil 4, 1, 1905, mnd. wanbort Schiller - Lübben 6, 314 , zu d…

Wahndelikt

DERW

wahn·delikt

Wahndelikt, N., ›Verhalten von dem der Täter irrig annimmt es falle unter eine Verbotsnorm (z.B. einfache Homosexuali- tät)‹, 19. Jh., s. Wa…

wahndicht

DWB

wahn·dicht

wahndicht , adj. undicht. ostfries. wandicht ten Doornkaat Koolman 3, 507 , zu dem adj. wahn.

wahndiele

DWB

wahn·diele

wahndiele , f. ein brett, das aus der mitte eines baumstamms geschnitten ist, aber noch schiefe kanten hat. Bobrik 723 a . Gödel etym. wb. d…

wahnecke

DWB

wahn·ecke

wahnecke , f. , dasselbe wie wahnkante. Beier handw. lex. 464 . Zedler univ. lex. 52, 861 . Jacobsson 4, 573 . Campe.

wahn als Zweitglied (6 von 6)

Diätwahn

RDWB1

Diätwahn m (Lakune) увлечение диетами, безумие по части диет

Putzwahn

RDWB1

Putzwahn m (Lakune) ~ haben - кто-л. помешан на чистоте

Säuferwahn

RDWB1

Säuferwahn m белая горячка

irrwahn

DWB

irr·wahn

irrwahn , m. irriger wahn, falsche meinung, opinio erronea. Frisch 1, 491 b : alle die gründe .. mit denen die wahrheit den menschen vom irr…

mietwahn

DWB

miet·wahn

mietwahn , m. erwartung eines geschenks zur bestechung ( vgl. miete 2), mhd. mietewân Lexer handwb. 1, 2136 : durch forcht, durch nyd, durch…

Privatwahn

Wander

privat·wahn

Privatwahn Der Privatwahn soll dem gemeinen Wahn weichen. – Lehmann, 499, 4.

Ableitungen von wahn (4 von 4)

gewahn

MeckWB

gewahn ä. Spr. gewohnt: 'Dat bin ick an yuw nicht gewahn' Schlue 35; jung gewahn, old gedahn Mantz. Ruh. 6, 78; in der heutigen Mda. nur hd.…

Unwahn

RhWB

Un-wahn: onw:n Unfug Prüm-Stdt .

unwahnlich

MeckWB

unwahnlich , unwahntlich a. Spr. ungewöhnlich: 'unwanlyke arbeyth' (1529) Jb. 9, 85; 'mith unwantliken klederen' (16. Jh.) Beitr. Rost. 4, 2…

wahne

DWB

wahne , wähne , f. abstractbildung zu dem adj. wahn ' mangelnd, mangelhaft, leer, nicht voll '. zu grunde liegt ein ahd. wana ( nicht belegt…