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uzen

mhd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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16 in 12 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

uzen v.

Bd. 24, Sp. 2618
uzen, v. , von Uz 2 gebildet, wie hansen und hänseln von Hans, hienzen von Hinz, heinzen und heinzeln von Heinz (Wackernagel kl. schr. 3, 132; 150), lienlen von Lienel, Leonhard (Schmeller-Fr. 1, 1482). eigentlich 'jemand einen Uz nennen, dafür halten'. die bezeichnung wird von südwestlichen gegenden ausgegangen sein, in denen die koseform Uz besonders heimisch war. für hebräische und italienische wörter, von denen man u. abgeleitet hat, bleibt in der geschichte des deutschen wortes kein raum. nebenform huzen (s. d.; Andreä Erfurter wörter, sprachwart 1, 379; Hertel Thür. 250; Müller-Weitz 252; vgl. Müller-Fraureuth obers. wb. 1, 552b); von schreibungen sei uhzen (Niebergall, M. Meyr, Lucas, Sanders, Sachs-Villatte) erwähnt. aa) veraltet in der stärkern bedeutung der verachtung (vgl.uzenputzen) mit objectsacc.: so ein underton ein kleines wörtlein wieder die obrigkeit utzet (ein die obrigkeit verächtlich machendes wort gebraucht) Joh. Brenz bei Fischer 6, 312. wenn u. in jüdischer sprechweise verächtlich 'mit du ansprechen' heiszt (Fischer a. a. o.) oder in einigen mundarten u. 'verhöhnen, quälen' bedeutet (Regel Ruhla 276; Schuller beitr. zu einem siebenbürg.-sächs. wb. 69), wäre zusammenhang mit dieser bedeutung möglich. bb) eine im elsässischen (wb. 1, 87) ausgebildete bed. nimmt die dummheit der gemeinten person zum ausgangspunkt und gelangt zum begriff des überlistens: bes. im kartenspiel; er wurd nit guzt ist schlau; einen an eps u. einen unerfahrenen zu einem schlechten geschäfte verleiten; se han ne an disz rosz guzt ihm das pferd angehängt; eim eps abuzen durch redensarten abschwindeln; für den utz zum schein unter anwendung eines geschäftskniffes. auch im Westerwald (Schmidt 287) wird u. auf den handel bezogen: was uzt du dich mit ihm? 'treibst dich lange mit ihm herum?' in der gegend von Frankfurt a. M. bedeutet ... uzen 'mystifizieren, einen wie einen dummen behandeln' Schambach 255b. cc) die seit Estor (der teutschen rechtsgelahrtheit 3. teil, 1422, Frankfurt 1767: 'u. vexieren') verzeichnete, heute gemeinsprachliche bedeutung vexieren, foppen, necken, zum besten haben, aufziehen, schrauben, frozzeln stellt sich zunächst als eine abschwächung von a dar. es ist ganz derselbe vorgang wie bei foppen. an die stelle von verachtung, verhöhnung tritt gutmütiger spott, übermut, laune, feine ironie. mundartlich und umgangssprachlich ist u. in dieser bed. heute dem ganzen sprachgebiete eigen (Kretschmer wortgeographie 547), nur in Österreich wird dafür das auch in Bayern bekannte frozzeln gebraucht. literarisch hat erst die sturm- und drangperiode dem vulgären worte (Kindleben 203; Genthe slang 65) den weg frei gemacht, doch bleibt es immer an der grenze des vulgären. Adelung und Campe haben es nicht verzeichnet: (amme) schwazt er (Voltaire) schon wieder von sterben? ... er will uns doch nur uzen H. Leopold Wagner Voltaire am abend seiner apotheose (1778) 4 literaturdenkmale 2; vgl. uzerei (1776) bei maler Müller; du sahst nicht, dasz die schelme dich uzten C. F. Bahrdt pastor Rindvigius (1790) 1, 97; an der Mosel sammelte ich folgendes kleine idioticon: ... utzen, utzer 'zum besten haben' K. J. Weber Deutschland (1828) 4, 104; wann se se ach noch uhze wolle ... Niebergall dram. w. 156; ähnlich in vielen volksmäszigen redensarten wie: wolln se mir vielleicht u.? Hans Meyer der richtige Berliner (19046) 127b; se wolln mir wohl u.? wenn sie mir u. wollen, denn suchen se sich mann andern aus Brendicke 187b; wer den u. will, musz früh aufstehen Wander 4, 1502; Ruckert 188; habe ich deswegen am hellen vormittag meinen schwarzen frack angezogen und ein paar frischgewaschene weisze hosen geopfert, um deinetwegen die groszherzogin zu u. und mir ihren unwillen zuzuziehen? W. v. Chézy erinnerungen 3, 326; ... von dem ich mich nicht werde u. lassen (erklärt durch äffen) H. Jahn scenen aus dem badeleben in Karlsbad (1850) 263; 'auch wenn wir Willemänner', sagte mir ein alter bergmann aus Wildemann, 'mit den Clausthalern auf der grube zusammen kommen, so entsteht allemal eine utzung unter uns', d. h. sie necken sich und ziehen sich auf mit ihrer aussprache, was sie 'sich utzen' nennen J. G. Kohl deutsche volksbilder (1866) 77; er hatte a gesagt und muszte b sagen, und ohnehin wollte er sie ja uhzen (foppen)! M. Meyr erz. aus dem Ries (1868) 1, 223; alle die lustigen figuren aus dem niederen Berliner volksleben ... traten jetzt auf die bretter ... und wurden nicht müde einander zu schrauben, zu u., zu verhöhnen Treitschke d. gesch. 5, 392; mich 'uzte' der ... kommandeur ... manchmal mit der nächtlichen ausreiszerei Scheibert mit schwert u. feder (1902) 104; G. Hauptmann und Pippa tanzt (1906) 69; sie glaubte, ich wollte sie u. Löns das zweite gesicht (1912) 10; waren sie doch nicht gesonnen, von einem burschen ... sich in gegenwart eines fremden u. zu lassen W. Weigand die ewige scholle (1927) 180. mit sächlichem subject: das hat mich geuzt Staub-Tobler 1, 632 (das habe ich als uz empfunden). absolut ohne object: 'stille mit der fiedel!' uzte der geleiter Fr. L. Jahn 1, 479 E.; 'albern' Müller-Fraureuth obers. w. 2, 604a. reflexiv: sich mit einem u. elsäss. 1, 87b; da werst du di ober doch u. Ruckert 188 (zum besten haben, irren). substantiviert: der Spiegelschwab, der das utzen nicht lassen konnte Aurbacher volksbüchlein 2, 234. zs. einen aus-, veruzen Vilmar 428. dd) eine weiterbildung ist úzeln Schuller beiträge zu einem wb. der siebenbürgisch-sächs. ma. 69; hess. izeln 187. rückbildung aus uzen c ist uz, m. a) 'feiner spott, ironie' Fischer 6, 312; en uz 'eine posse, mit welcher man jemanden aufzieht' Wegeler Coblenz 89; 'der spott' Schmitz Eifel 232; Bauer-Collitz 77b; 'fopperei' luxemb. (1906) 455; Waldbrühl rhingscher klaaf 214; Hönig 188a; Kehrein 419; 'spott, aber auch schwank und komik überhaupt' Vilmar 428; uz 'mystification' (Frankfurt a. M.) Schambach 255b: geh, das ist doch wieder purer uz W. O. v. Horn des alten Schmiedjacobs geschichten 2, 106 u. ö. zs. uzkarte (zu neujahr) Follmann 525b. b) der, die uz 'person, die gern vexiert' Schmeller-Fr. 1, 182 = uzer; uzbruder, -vogel ebda, Kehrein 419, Wegeler 89, Hönig 188a. c) üz 'ein einfältiger mensch, der sich leicht mystificieren läszt' Schambach 255b. vgl.uzen b. d) hebutz, f., meist scherzhaft für die hebamme. elsäss. 1, 87b. gebirgutzel ebda.
6450 Zeichen · 151 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ûʒenadv. präpos. adverbium.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    ûʒen adv. und präpos. außen, aus ahd. ûʒân, ûʒen Graff 1,536. 537. Gr. 3,208. ûʒene Diemer 380,17. vaterunser 2248. 1. a…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    uzenv.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    uzen , v. , von Uz 2 gebildet, wie hansen und hänseln von Hans, hienzen von Hinz, heinzen und heinzeln von Heinz ( Wacke…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Uzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +2 Parallelbelege

    Uzen , Parallelform von Hänseln , d. h. jemand als kleinen Hans oder kleinen Ulrich (Utz) behandeln.

  4. modern
    Dialekt
    uzentr. v.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    uze n [útsə n allg. ] tr. v. foppen, necken, zum besten haben: er wurd arich geuzt. Uze n < Utz Koseform von Ulrich, die…

  5. Sprichwörter
    Uzen

    Wander (Sprichwörter)

    Uzen Wer den uzen (foppen) will, muss früh aufstehen. Jüd.-deutsch : Das is e Cromerche (ein Vocativus). ( Tendlau, 309.…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit uzen

58 Bildungen · 5 Erstglied · 49 Zweitglied · 4 Ableitungen

uzen‑ als Erstglied (5 von 5)

ûʒenân

Lexer

uze·nan

ûʒenân adv. BMZ aussen, ausserhalb Lanz. Marlg. Ls. ( lies 3. 32,324). ûsnan Netz 387. ûsznen Chr. 4. 164,28. 165,8.

ûʒendunge

Lexer

ûʒ-endunge stf. diffinitio Dfg. 181 b .

ûʒenen

Lexer

uze·nen

ûʒenen , ûʒen , iuʒenen , iuʒen swv. BMZ BMZ ahd. ûʒenôn u. ahd. ûʒôn —: refl. mit gen. sich fortmachen von, sich entäussern, enthalten. ûʒe…

ûʒenvël

Lexer

uzen·vel

ûʒen-vël stn. schuopen was sîn ouʒenvel Apoll. 4343 A.

uzen als Zweitglied (30 von 49)

muzen?

KöblerAhd

*muzen? , sw. V. (1a) Vw.: s. *gimuzit, ungimuzit

bauzen

BWB

-bauzen Band 1, Spalte 1,1529

anschnauzen

DWB

anschnauzen , n. invectio: Amalia gieng mit gefasztem muthe nach der hausthüre, selbige dem vater zu eröfnen und scheuete sein anschnauzen g…

Aufkreuzen

Campe

auf·kreuzen

Х Aufkreuzen , v. trs. wie ankreuzen, durch Kreuze machen auf etwas bemerken; ungewöhnlich. Das Aufkreuzen. Die Aufkreuzung.

b(e)späuzen

Idiotikon

b(e)späuzen Band 10, Spalte 667 b(e)späuzen 10,667

bauzen

DWB

bau·zen

bauzen , βαΰζειν , baubari, latrare, ein, wie gauzen, den schall bau bau, gau gau wiedergebendes wort, auch mit übergang des U in V, F dem b…

bekreuzen

DWB

bekreuzen , cruce signare: das gesicht, die stirne, brust bekreuzen; sich bekreuzen, wenn gefahr oder schreckhaftes naht, sich abergläubisch…

Beschmuzen

Campe

Beschmuzen , schmuzig machen. Die Kleider beschmuzen. Die Wand, den Tisch, die Bücher beschmuzen. Sich beschmuzen, sich schmuzig machen. Das…

biuʒen

Lexer

biuʒen , bûʒen , bieʒen stv. III. BMZ stossen Rab. 621. Ls. Lachm. zu Nib. 1823 ; nach Dwb. 2,268 ( s. auch 594,12) wäre aber ein solches vb…

diuzen

KöblerMhd

diu·zen

diuzen , st. V. Vw.: s. diezen (1)

durchkreuzen

DWB

durch·kreuzen

durchkreuzen , n. die vordertheile der schiffe waren auswärts, die hintertheile einwärts gekehrt, um den feindlichen schiffen das durchkreuz…

ëbenhiuʒen

Lexer

eben·hiuzen

ëben-hiuʒen swv. ib. intr. nebenbuhlerschaft üben Renn.; refl. mit dat. od. ze einem, sich mit frechheit an die seite stellen Neidh. (86, 23…

Elefante(n)schnauzen

Idiotikon

Elefante(n)schnauzen Band 9, Spalte 1388 Elefante(n)schnauzen 9,1388

entiuʒen

Lexer

enti·uzen

ent-iuʒen swv. refl. mit gen. entäussern. als lange schol man in umb die wette pfenden, untz er sich sein enteuʒʒet Np. 40 ; vgl. entûʒenen.…

gekriuzen

Lexer

ge-kriuzen swv. kreuzigen Spec. 75 ;

gispriuzen

KöblerAhd

gispriu·zen

gispriuzen , sw. V. (1a) nhd. stützen, abstützen, unterstützen, stärken, fördern ne. support (V.) ÜG.: lat. adiuvare Gl, fulcire Gl, guberna…

hiuʒen

Lexer

hiu·zen

hiuʒen swv. BMZ sich gegen einem h., sich erkühnen, ihm die spitze bieten Mart. ( lies 2,75). vgl. ëbenhiuʒen. mit über-, wider-.

irspriuzen

KöblerAhd

irspriuzen , sw. V. (1a) nhd. stützen, abstützen, stärken, unterstützen, stemmen, erquicken, abweisen ne. support (V.), strengthen ÜG.: lat.…

kauzen

DWB

kau·zen

kauzen , mit mehrern bedeutungen verschiednen ursprungs. 1 1) kauzen, auch sich kauzen, kauern. Stieler 936 , Adelung, es ist z. b. thür., s…

kreuzen

DWB

kreu·zen

kreuzen , 1 1) ans kreuz schlagen, mhd. kriuzen, ahd. krûzôn, nl. kruyssen Kil., dän. krydse, nhd. von kreuzigen verdrängt: das man Jhesum c…

kriuzen

Lexer

kri·uzen

kriuzen swv. BMZ krouzen Karaj. , md. krûzen: ans kreuz schlagen, kreuzigen Karaj. Mai , Roth pr. chreutz in heute! Antichr. 174,32. man chr…

kruzen

KöblerMnd

kru·zen

kruzen , sw. V. Vw.: s. krǖzen (1)

pfauzen

DWB

pfau·zen

pfauzen , verb. was fauchzen, pfuchzen Albrecht Leipz. mundart 111 . Fromm. 5, 383 ; schwäb. was pfausen Schmid 60 .

pfuzen

BWB

pfuzen Band 2, Spalte 2,696f.

pouʒen

Lexer

pouʒen swv. BMZ Rab. 621 s. biuʒen.

Priuzen

KöblerMhd

Priuzen , N.=ON nhd. Preußen (N.) Hw.: vgl. mnd. Prūssen E.: s. Priuze W.: nhd. Preußen, N.=ON, Preußen, DW- L.: Hennig (Priuzen)

Pruzen

KöblerMnd

Pruzen , ON Vw.: s. Prūssen

Ableitungen von uzen (4 von 4)

beûzen

FindeB

beûzen adv. s. bûzen adv.

entûʒenen

Lexer

ent-ûʒenen swv. refl. mit gen. entäussern Swsp. 290,3. s. entiuʒen.

ûʒene

BMZ

ûʒene swv. entäußere. ahd. ûʒonôm Graff 1,539. ist der schade alsô grôʒ daʒ he sich des pferdes getrôsten wil, sô gestellit he iʒ vor daʒ di…

veruzen

PfWB

ver-uzen schw. : ' verspotten, zum Narren halten ', veʳuze (-ūdsə) [verbr.]; vgl. veräksern , veräpfeln 1 a, vergackeiern , verhänseln , ver…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „uzen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/uzen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „uzen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/uzen/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „uzen". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/uzen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_uzen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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