über: über den see fahren,
passare il lago. Kramer
dict. 2, 729
b; und es begab sich auff der tage einen, das er in ein schiff trat, sampt seinen jüngern, und er sprach zu jnen, lasset uns uber den see faren.
Luc. 8, 22; denn wie der Geszler hier, so schafft es frech der Landenberger drüben überm see. Schiller
Tell 1, 2.
von: des muos ich ungetrunken gân von eime sê.
minnes. frühl. 23, 14.
zu: und die schwein am sonntag auf das Egerdach, am montag in das Herztal geen Laibis zum see.
tirol. weisth. 1, 230, 8; bis zu dem see. 3, 86, 29;
vgl. in sewe, zu sewe
in urkunden aus den jahren 1293, 1304,
s. Kehrein
alt- u. mitteld. wörter 56
b. 22)
das offene meer, weltmeer, mare, oceanus, jetzt als 'die' see
von dem masc. see,
lacus, geschieden, s. I, 2. 3.
in diesem sinne got. noch nicht bezeugt; ahd. gern verstärkt: wentilsêo, mâreo sêo
u. ä., doch auch sêo
allein, vgl. Grimm
gramm. 3, 382
und unten. das mhd. verwendet hierfür sowol das masc. als auch (
mitteld.)
das fem., im mnd. hat se (
stets fem.)
gewöhnlich diese bedeutung. im nhd. scheint see
in dieser bedeutung auf niederdeutschem einflusse zu beruhen, vgl. die ausdrücklichen angaben von Kramer
und Stieler
unter I, 3,
a; den ältesten wörterbüchern (Dasypodius
und Maaler)
ist sie noch fremd. vgl. auch: see
nobis est lacus qui ex fluvijs colligitur locis humilioribus, praesertim iuxta vel inter montes. alijs vero, Germanis praesertim maritimis, vel mare (
quod nobis est meer),
vel stagnum marinum significat. Gesner
de pisc. 103. 2@aa)
mare mer .. dy sehe, see Dief.
gloss. 349
b;
occianum .. see, west
vel grosze see. 391
c;
pelagus .. das meer o. der see, dat meer of die zee. 421
a;
pontus dasz mere, see, sik. 447
a; see,
mare, salum, sal, aequor, pelagus, fretum, pontus. Kilian; sêuues ioh kistillent kioʒun (
pontique mitescunt freta).
Murb. hymnen 25, 4, 2; das meer oder die see ist fast nicht anders zu vergleichen, als wenn man wasser in eine mulde oder schüssel schüttet. Döbel 4, 90
a; see, meer
oder weltmeer, '
der allgemeine name für alles gewässer, welches auszerhalb der kontinente liegt, im gegensatz der binnengewässer, wie flüsse und landseen'. Bobrik 621
a. —
ein plural ist in diesem sinne eigentlich nicht zu erwarten, doch findet er sich zuweilen (
ohne wesentlichen unterschied der bedeutung): die grosze kälte, welche wir in diesen eisigten seen (
dem südlichen eismeer) antrafen. Forster
reise um die welt 1, 74; das wetter ward täglich rauher und liesz uns gleichsam schon zum voraus empfinden, wie schrecklich in diesen seen der winter seyn müsse. 89; das ist der athem gottes, der schwebet ob den seen. Strachwitz
ged.8 234 (
meeresabend).
ferner scheint er vorzuliegen in dem namen Herwîc von Sêwen (
gleichbedeutend mit von Sêlande,
s. daselbst)
Kudr. 706, 1
u. ö., s. darüber Grimm
gramm. 4, 289.
[] 2@bb) see
bezeichnet aber auch einzelne mehr oder weniger abgeschlossene theile des weltmeers, so besonders in fester zusammensetzung mit den namen der himmelsgegenden: die ost - see,
il mare orientale. die west - see,
il mare occidentale, it. mare baltico. die süd-
ò suder-see,
il mare meridionale, it. il mare germanico. die nord-see,
il mare settentrionale, it. mare germanico. Kramer
dict. 2, 729
c.
von diesen sind heute Nordsee
und Ostsee
als eigennamen in festem gebrauche (
vgl. daselbst): itzt aber heiszet es (
das baltische meer) die Ostsehe, oder das Pomerische meer; die Ostsehe heiszet es zu unterscheide des Westermeeres, das die unsern die Westsehe heiszen, welches das grosze teutzsche meer ist. das aber unser meer eine sehe heiszet, ist die ursach .. weil es nirgentz keinen ausgangk hat, und wie ein sehe gestalt ist, hat man es die sehe geheiszen (
folgt das unter I, 3,
a mitgetheilte). Kantzow 2, 397. Südsee
bezeichnet den südlichen theil des stillen oceans; fälschlich als masc. gebraucht: jetzt denkt er des Südsees nördliche grenzen zu spähn, und die kunde der fluthigen halbwelt ganz zu vollenden. Baggesen 2, 335 (
vergl. die holländische Zuiderzee). Westsee (
mare Balthicum Stieler 1990)
ist nicht mehr üblich. ferner: die eis - see,
il mare glaciale ò hiperboreo. ebenda (
jetzt dafür eismeer).
andre werden mit adjectiven benannt: die stille see,
il mare pacifico. die spanische see,
il mare di Spagna. ebenda. die mittelländische see: die gesellschaft war auf dem kriegsschiffe Grönland eingeschifft, welches nach der mittelländischen see bestimmt war. Niebuhr
kl. schr. 1, 21; liesz sich doch in der chinesischen see ein pelikan an bord des Ruriks greifen. Chamisso 3, 84
Koch; selbst von binnenseen groszen umfangs sagt man die see,
z. b. die Caspische see: nach dem die holstein. gesellschafft vom munde der Wolgen auf die kaspische see zu seegel gienge. Fleming 592 (
son. 2, 48
überschr.); Wolg. der berühmte flusz in Reussen, .. lauffet zwischen diesen völckern und den Tartarn in die Caspische see. A. Gryphius 1, 179.
so noch jetzt, doch ist in diesen letztern verbindungen jetzt see
weniger üblich, meist dafür theils ocean (der atlantische, grosze
oder stille, indische ocean),
theils meer (das mittelländische, Caspische, schwarze meer).
da see
in diesem sinne auch determinierung zuläszt, so wird die grenze gegen see,
m., lacus, oft flieszend; in der ältern sprache, wo auch die geschlechter nicht scharf geschieden werden, kann daher oft nur der zusammenhang die bedeutung von see
klarstellen, vgl.: dort lauffen drey schiff in jenem (
var. jener) see (
der Nordsee). Soltau
hist. volksl. 2, 6 (
Stortebekerlied 13). 2@cc) die see
im gegensatze zum festlande: uuê iu, scrîberâ inti Pharisei, lîchezerâ, ir dâr umbiganget sêo inti erda (
quia circuitis mare et aridam. Matth. 23, 15).
Tat. 141, 13; der hemel, dei see ind alle dat ertriche.
köln. quelle des 15.
jahrh. bei Frommann 2, 451
b; sô waʒ sô himil fuarit,joh erdûn ouh biruarit, joh in sêwe ubar al:got detaʒ thuruh înan al. Otfrid 2, 1, 36; thaʒ was engilo werdjoh himilrîches alles, erdûn joh thes sêwes. 4, 35, 16; diu werlt hât manic wunder ûf dem lande und in dem see. Marner xiv, 34; dasz die reiche schosz der erde nicht, versteint, unfruchtbar werde, ziehn sich aus der erd' und see dünste stetig in die höh. Brockes 1, 167.
so besonders in manchen festgeprägten redeweisen wie über land und see (meer),
in der ältern sprache über see und sand,
s. unten h. —
andrerseits wird see
den gewässern des binnenlandes gegenübergestellt: und .. sollen nicht allein die strohmfische, sondern auch die in der see, sobald sie dises gemisch .. geschmekt, bey hauffen herzu schwimmen. Butschky
Pathmos s. 584; die glut, die alles hell, die alles lebhafft macht, beflosse stadt und land, bedeckte see und flüsse. Brockes 1, 116. 2@dd) see
mit adjectiven: 2@d@aα)
stehende epitheta ornantia, besonders in der ältern sprache: dat ero ni uuas noh ûfhimil ... noh mâno ni liuhtanoh der mâreo so.
Wessobr. geb. 5 (
denkm. 1,
vgl. dazu Müllenhoffs
anm.2 s. 254
bez.3 II, 5).
am beliebtesten sind die wilde see: die wilde, ungeheure see,
il mare grande, vasto, mare magno, it. l'oceano. v. hoch-see. Kramer
dict. 2, 729
c; ock heth dat in deme lande to Saszen
[] tuschen Döringen und der wilden szee.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 161
b; bösz seen (
säen) und pflantzen ist auff den gepflasterten steinwegen morasten und wilder see oder klippen.
Leyer-Matz (1668) 224; dasz es eine grosze resolution ist, bey dieszem wetter undt jahrszeit sich auff die wilde see zu begeben. Elisabeth Charlotte 3, 489; si truog eʒ dannen unt warf daʒ in den tobenden wilden sê.
Trist. 11699; urloup nam ouch Tristan ... und vuor ûf der wilden sê. Heinr. v. Freiberg 5721; was wird dir nicht die wilde see vor eckel, schmertz und angst erregen. Günther
bei Steinbach 2, 557;
ähnlich die grause see: doch welcher held bey mir die grause see durchstreicht, beym Zeus! das weisz ich nicht. Uz
s. 302
Sauer (
sieg des liebesg. 3, 191).
ferner mnd. solte se: over de solte se,
s. Schiller - Lübben
a. a. o.; und he dortoch alle dat land wente an de solten se.
d. städtechron. 7, 62, 19.
ebenso mhd.: si giht, ich sul ir bringen ûʒ dem gesalzen sê den cêten wil si schouwen durch ein wunder.
minnes. 2, 385
b Hagen; ûf dem vrischin habe nâ bî der gesalznin sê. Nic. v. Jeroschin 12071; ouch in der selbin kelde was ûf der gesalznen sê ... gevrorn îs so starke. 25784.
ferner ungeheure see,
oceanus vastissimus Stieler 1990; grosze, breite, weite see: grimmid the grôto sêo.
Heliand 4317; sie vôren zô Constinopole, der vil mêren burge, über de sê vil breit.
Rother 810; nun bedenck man und ermesse nebst der unumschrenckten see eb'nen fläche, weiten grösse ihrer fluten tief' und höh. Brockes 1, 234; jeder tropf der weiten see zeiget gottes macht und höh.
ebenda. 2@d@bβ) hohe see '
heiszt das offene meer, wo man kein land mehr sieht oder in der nähe hat'. Bobrik 621
a,
so genannt, weil es den anschein hat, als ob die see vom ufer aus in die höhe ginge: die offenbare see, die hohe see
alias, hoch - see ...
oceano. Kramer
dict. 2, 729
c; sie ... wuszten mit ebensoviel kühnheit als geschicklichkeit das dem untergange nahe fahrzeug ... zu wenden und die hohe see zu gewinnen. Keller 7, 222; wie ich genem den enker abe und gesegele ûʒ der habe wider ûf den hôhen sê.
erlösung 905; den nie in hoher see das brausen wilder wellen, noch der trompeten schall in bangen zelten weckt. Haller
ged.10 45.
gleichbedeutend ist: die offenbahre see, da man nichts als himmel und wasser sieht,
oceanus, pelagus, das weite meer. Frisch 2, 253
b;
dafür jetzt die offene see: sie (
die schwalben) folgen den schiffen, wenn diese vom lande abgehen, gerathen hernach unvermerkt auf die ofne see, und müssen als dann nahe beym schiffe ... bleiben. Forster
reise 1, 35; auf solche weise war denn die lange zeit, welche wir in ofner see ohne land zu sehen ... zubringen muszten, nichts anders als eine stete reihe von mühseeligkeit und elend zu nennen. 93.
ferner freie see: wir ... halten es jetzt für mehr als wahrscheinlich, das diesz treib - eis unmittelbar in freyer see hervorgebracht werde. 71;
in anderm sinne: denn weder herren noch damen baden hier unter einem schirm, sondern spazieren in die freie see. H. Heine 3, 107
Elster. vgl. auch die volle see, auf voller, völliger see,
il pieno (
alto)
mare, in pieno ò alto mare. Kramer
a. a. o. mnd. vul see,
pleine mer, hochwasser. seebuch, glossar von Walther 125
b; item an de westkost maket vul see oestnortosten mane. III, 1
und sehr oft. —
dagegen bezeichnet geschlossene see (
wol nach dem lat. gebildet)
die see im winter, weil sie dann (
wenigstens für die früheren unvollkommneren segelschiffe und noch jetzt im gebiete der polarmeere)
unfahrbar, also für den schiffsverkehr verschlossen ist: geschlossene see,
mare clauso cioè nell' inverno. Kramer
dict. 2, 729
c;
mare propter hyemem clausum. Stieler 1990. — reine see '
wenn im grunde der seen keine untiefen vorstehen'. Jacobsson 4, 117
b. 2@d@gγ)
bezeichnungen für besondere zustände: ungestümme, wilde see,
mare undabundum, violentum, jactabundum. ebenda; ich besinne mich, wie die zürnende see mit meiner Bellona
[] zankte, dasz der kiel krachte. Schiller
Fiesko 5, 1; ein mann, furchtbarer als deine zürnende see. 5, 2; dâ si manic herzensêr lîdent unde manic wê ûf dem wüetunden sê. Ottokar
reimchron. 49582; alle götter in der höh fleht sie, lindernd öl zu gieszen in die sturmbewegte see. Schiller 11, 345 (
Hero 212); wie eine sturmbewegte see, so wogt und wallt mein sinn. Ludwig 1, 58; aber ohne sie (
diese heirat) ist die empörte see nicht halb so taub, ... als wir (
entschlossen sind), die stadt zu halten.
Shakesp. könig Johann 2, 2.
gleichbedeutend: eine harte (hole) see, ungestümme see,
mare turbato, ondeggiante, tempestoso, burascoso. Kramer
a. a. o.; wann dar etwan eine holle see gehet, so bricht sie auf dem vorgedachten grunde. Manson
seebuch (
ähnlich adverbial, s. e. — hohle see
s. auch 3). — krause see,
vergl.kraus II, 4,
b (
theil 5, 2090). —
das gegentheil zu diesen: stille see,
mare quietum pacificum Stieler 1990 (
als eigenname s. b): ich musz ein spiegel sein, darein die jugend schauet, wie oft auf wilder see sich wind und sturm erregt. Hofmannswaldau
bei Steinbach 2, 557. glatte: bis endlich die heiterkeit des schönen morgens, und die neuheit unsrer fahrt, durch die noch glatte see, die oberhand gewannen. Forster
reise 1, 7.
so auch todte see
von heftig rollenden wellen, nach starken stürmen, s. Karmarsch-Heeren
3 7, 619: bis auf den grund hat der orkan das meer ganz umgewühlt, das wasser klatschend bis an's sternenheer hinauf gespült. der riese sturm hat sich am nächsten tag verschrumpft als zwerg. der feuchten bahn bebt nach der rutenschlag im wogenberg ... der schiffer nennt den schwall seit alter zeit die tote see. Liliencron
ged. (1895)
s. 61 ('
todte see').
weiteres s. unter 3. 2@d@dδ)
farbenbezeichnungen. die grüne see: ich möcht so gern spazieren wol an die grüne see. Erk
liederh. 65 (2
königsk. 5).
häufiger die blaue see. weisze see
im vergleich s. 4. 2@ee)
verbale wendungen mit see
als subject: es läuft an den see-canten und ufern die see oder das meer alle tage glatt vom ufer ab. Döbel 4, 90
a; dasz die daselbst wohnenden menschen genau wissen, wenn und zu welcher stunde sie ebbe oder fluth haben, wie lange die see aussen bleibet, und trocken ist, und wie lange sie am ufer stehet.
ebenda; vielerley sachen finden, welche die see mitgebracht, und hinter sich gelassen.
ebenda; sonst bleibet die see in ihren ufern.
ebenda; es ist nichts daran gelegen! rief sie: so viel weiberthränen mehr oder weniger, die see wird darum doch nicht wachsen. Göthe 19, 133; als sie die sê dar ubir trûc.
livl. reimchron. 1228; wer sich mit grossem guth darff auff ein höltzlein setzen, und kennt zuvor die see und ihren tieffen schlund, wie sie so manches schiff versencket in den grund. Rachel 39; und ob ihn gleich die see gantz kahl und blosz gemacht. 40; nun bettet sich, nun glättet sich die see und schlummert ein. Strachwitz
ged.8 234; wenn die see nun wieder tobt, niemand mehr den meister lobt. Keller 3, 259.
besonders sind hier einige technische ausdrücke zu erwähnen: 'die see läuft kurz,
wenn sie kurze wellen macht, lang,
wenn die wellen lang sind; stampft, brauset,
wenn sie schäumend an das ufer oder die klippen schlägt; rastet,
wenn sie still ist; komt gegen den wind an,
wenn die wellen gegen den wind schlagen. dieses geschieht, wenn der wind in einem sturm hurtig umsetzet. die see wird hohl,
wenn die wellen sich zu heben beginnen. die see ist stille, sie rollt,
sagt man, wenn ihre wellen gegen ein ebnes ufer anlaufen'. Jacobsson 4, 114
b; die see funkelt
oder feuert,
leuchtet bei nacht, phosphoresciert, unter verschiedenen umständen, s. Bobrik 622
a; sie see geht süd oder nord
u. a., die wellen sind nach der betreffenden himmelsgegend gerichtet, wenn nämlich der wind aus der entgegengesetzten kommt. ebenda; da pfleget sich die see, wann sie holl gehet, zu brechen. Manson
seebuch 25 (
vgl. oben d, γ);
[] auf der wester-seiten des fahr-wassers ist es rein, auf einen göttlings - schusz nahe den klippen, wo man die see aufbrechen siehet. 53; zugleich gieng die see fürchterlich hoch und brach oft über dem schiffe. Forster
reise 1, 66; die see ging von den vergangenen stürmen noch hohl. Chamisso 3, 36
Koch. 2@ff) see
als object. 2@f@aα) die see befahren,
navigare il mare. gall. cingler. Kramer
dict. 2, 729
c;
dafür poetisch auch: wenn in der schlacht oft unsre zornigen schiffe die see durchwühlten. Hölderlin 2, 162
Köstlin. 2@f@bβ)
technische ausdrücke: die see bauen,
häufig befahren. Bobrik 94
b; die see einstechen,
die seefahrt antreten, abfahren. Jacobsson 4, 114
b; die see halten,
in der see bleiben, sich vom ufer entfernt halten. 116
a. Bobrik 622
a: vermuhtet man kennung bey nachtzeiten oder im duncklen wetter, setzt man seinen cours so süden zum westen, die see zu halten. Manson
seebuch 5.
dafür in gewöhnlicher rede auch: es gelang uns erst am 4. oktober die see zu behaupten. Chamisso 4, 36
Koch. — die see kehren,
dreggen, verlorene oder auf dem meeresgrunde liegende gegenstände mit dem dreganker aufsuchen, s. Bobrik 241
b. 2@f@gγ)
redensarten: wir wöllen .. die meer entweder auszfüllen oder zusammen graben, die see pflästern, das meer durchziehen.
Garg. 220
b; brenn mir nur den see nit ab,
de eo dicitur, qui laedere cupit et non potest. Er. Alberus
diction. cc;
so auch die see pflügen
sprichwörtlich. etwas vergebliches thun, dafür: dann alle (
wunderwerke des alterthums) sind zerflossen gleich wie zu frühlingszeit des wassers staub der schnee, und wer sie heute sucht, der pflüget auff der see. Tscherning
ged. frühling 139. 2@gg)
mit präpositionen. 2@g@aα) an der see wohnen,
habitare vicino ò sul lido del mare, eine stadt, so an der see ligt,
città maritima. Kramer
dict. 2, 729
b; dô sie nu quâmen an die sê, dô sâhens einen marner. Heinr. v. Freiberg
Tristan 4056.
so auch: van der Moselen van Metze nidderwart durch dat stift van Coellen bis an die see.
d. städtechron. 13, 389, 10. 2@g@bβ) auf der see fahren,
andare, navigare per mare. Kramer
a. a. o.; dat beste schip steit in der have, dat ergeste vlüt up der sê. Tunnicius 303; dê up der sê is, en heft den wint nicht in synen handen. 524; unde de torne steyt up der see.
seeb. viii, 4; mädchen sind güter auf der see; es giebt klippen und sandbänke; die einzige sichere assecuranz für sie ist der ehestand. (Kleist)
jugend-lustsp. s. 62
Wolff; iedoch was sie der verte ungewone ûf der sê. Eilhart v. Oberge 2317
Lichtenstein; dennoch swebter ûf dem sê.
Parz. 58, 3; ich schiffte wider ouf den sê. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 4318; alsus hûb er sich ûf die sê.
livl. reimchr. 838; dô sâhin sî ouch ûf der sê schif dort here strîchin. Nic. v. Jeroschin 5322. (auf der see pflügen
s. unter f, γ.) 2@g@gγ) aus der see,
dal mare. Kramer
a. a. o.; und dô lîʒen si schif bereiten .. und fûren ûffe di sê und fûren ûʒʒe der see und fûren in den Rî
n. d. mystiker 1, 222, 38; unde is de wint ute der see, so lenset inwart myt enem cleynen segel.
seebuch xiv, 1; bornstein, zumal den man ausz der see schöpffet. Mathesius
Sarepta 56
b; solte die kunst ahngehen, dasz man ausz der sehe wider fischen, wasz versuncken, wer es etwasz groszes undt schönnes. Elis. Charlotte 3, 630. 2@g@dδ) bei: item an de[n] Schylde vaste by de zee licht eyn grot dorp.
seebuch xiv, 13; meint wenn die ufer, berg, und land, so bey der see liegen am rand, dem wind und wasser wolten weichen, würd das saltzwasser gar einschleichen. Rollenhagen
froschm. Ff 2
b. 2@g@eε) durch die see schneiden,
solcar' il mare. Kramer
dict a. a. o. 2@g@zζ) in: in eimo glase lieʒer sich in den sê.
Annol. 216 (
vgl. 218: in daʒ meri); si besencten sich in den sê.
Vorauer Alex. 834. (
dafür im Straszburger Alex.: der sencte sich an der stunt nider an des meres grunt. 1154); grner klee jagt den snee ... in den sê wilder meres flte. Osw. v. Wolkenstein 35, 1, 44; pesser wer versincken in den see. 42, 1, 6;
[] (
da) sprang Thermutis .. in den see, schwamb schwächlich an das gestade.
buch d. liebe 185
b;
mnd.: 5 mylen in de zee van deme lande.
seebuch ii, 15; umme der rudzen (
klippen) willen, de dar liggen anderhalve myle in de zee. ix, 54; en schip, dat dar is in de see van Poytouwe up 72 vadem. x, 4;
sprichwörtlich: alle rivierken lopen in de sê. Tunnicius 64: swer in die sêwe waʒʒer treit, deist verlorn arbeit.
Freidank 77, 16;
so auch: nach ist miner sunde me dan wasszertroppen in dem sehe.
Alsfeld. passionssp. 2003. 2@g@hη) über die see,
per il mare. Kramer
a. a. o.; es ist gewisz woll ein zeichen von einer trewen schwesterlichen liebe, dasz Amelisgen undt ihr eüch resolvirt, über die see zu gehen, Caroline zu besuchen. Elis. Ccharlotte 2, 67; ich bin auch zimblich curieux, allein nichts konte mich ausz curiositet über die see führen. 3, 563; sie aber ist weggezogen, und weit in das land hinaus. hinaus in das land und weiter, vielleicht gar über die see. Göthe 1, 95. 2@g@thθ) um: in quamen vil der Thenen, Frisen, Normane, Schotthen, und noch me von allen landen alum die se.
Ludw. kreuzf. 557. 2@g@iι) zu: der handel und wandel zur see,
traffico, negotio per mare (
maritimo). Kramer
a. a. o.; zur see meister seyn,
mare ditionis suae facere. Apin. 492; (
er) lieff hinder sich zu dem fahr in die schiff zu dem see.
buch d. liebe 185
a; wenn man vom schwedischen sand-hafen will zur see lauffen. Manson
seebuch 6; den schaz si truogen dan zuo dem sêwean diu guoten schiffelî
n. Nibel. 1061, 3; bistu zur see gewest, wann sie kein wind beweget? Rachel 11; wer einmahl auff das meer sich hat zur see begeben. 12; vornehmlich aber in der eh, von der der wahlspruch also lautet: bald sturm, bald stille wie zur see. Günther
bei Steinbach 2, 557. 2@hh)
in einigen festen verbindungen entbehrt see
gewöhnlich des artikels. 2@h@aα) in see gehen, stechen,
vom hafen in das offene meer hinaussegeln. Bobrik 622
a; (in see) gehen, lauffen mit einer mächtigen flotte. Kramer
dict. 2, 729
b; sich in see, zur see rüsten,
apprestarsi, allestirsi in mare. 729
c; da wir schon lange in see waren. Forster
reise 1, 41; einige Solandgänse ... nebst verschiedenen wilden enten kamen von da in see. 42; in see
auch auszerhalb dieser fügungen in technischer sprache: die mannschaft des
engl. schiffes Wolfe, .. welches von der mannschaft in see auf 35
0 s. b. und 27
0 ö. l. verlassen war und von capt. Knoll in see aufgefunden und gerettet wurde.
Weserzeitung nr. 4884 (17.
aug. 1859)
s. 3
b. 2@h@bβ) über see;
im mhd. überaus häufig: lietz her heidine manober sêo lîdan.
Ludwigsl. 11; duo Moyses daʒ liut Israêl mit trukkenim weg geleite ubir sê.
Annol. 856; eʒ was ein küniginnegeseʒʒen über sê.
Nibel. 325, 1; sus kêrte Riwalîn zehant mit zwelf gesellen über sê.
Tristan 469; dar umbe der künic Marke vuor über sê gein Karke. Heinr. v. Freiberg 6667; daʒ sie in santen ubir sê.
livl. reimchron. 307: her bischof here, doit si seiden of erdrenct si unt sent si over se. Hagen
boich von Colne 1238 (
d. städtechr. 12, 57);
nit vorliebe von der kreuzfahrt: möht ich die lieben reise gevaren über sê. Walther v.
d. Vogelweide 125, 9;
so besonders mnl.: Reinaert wille morghin vroe palster ende scaerpe ontfaen, ende wille te Rome gaen, ende van dane wille hi over see.
Reinaert 2799 (
und oft);
daher wird land über see
geradezu eine bezeichnung des heil. landes, vergl.: van den lande van Overzee,
titel eines stroph. ged. von Maerlant (1291
ged.).
ein anderes über see
s. 4,
g. bildlich: ihr eltern seyd getrost, schickt euer hertzenleid und trauren über see: ist euer kind verlohren, so denckt es war zuvor einmal auch ungebohren. Opitz 2, 120.
[] 2@h@gγ)
in der ältern sprache häufig über sand und see (
wofür jetzt gewöhnlich über meer und land): were de jenne binnen landes, de dat bespreken wolde, so moste he dat bespreken binnen jar und dage, were he ock aver see unde sand, so were he siner clage unvorsumet.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 25
a; die uysslendich oever sant unde sehe weren.
s. ebenda; und die leute ... lieffen uber see und sand, zum heiligen grabe, gen Rom, Compostell. Mathesius
Sar. 68
a; nach der sündflut aber, da ... Noah kinder ... nach dem muster Noah kastens schiff baweten, und uber see und sand furen. 161
b; ein vatter ... lesset es jhm blut sawer werden, reyset uber sand unnd see, waget leyb unnd leben.
d. 130.
psalm Z 3
a. —
dafür auch: um die waaren über land und see zu fahren. Brockes 1, 301.
vergl. auch: der regen tropft leis auf see und sand. Liliencron
d. haidegänger s. 57.
selten fehlt der artikel in andern verbindungen. 33)
bei den anwohnern der (
Nord-)
see wird die see
auch für woge, welle gesagt: see '
eine welle oder wasserwoge' Bobrik 621
a.
so besonders in den niederdeutschen und friesischen mundarten, vgl. I, 5 (
ebenso engl. sea,
dän. sø).
in diesem sinne wird sehr gern der plur. angewandt. in der nhd. schriftsprache schon im 17.
jahrh.: die seen kamen gantz das schwache schiff zu decken. Fleming
s. 204 (
hier vom kaspischen meere).
jetzt ganz gewöhnlich: das wasser lief sogleich wieder hinaus mit erstaunlicher fahrt und zwar in einer einzigen fürchterlichen see (woge), welche alles mit sich fortrisz.
Weserzeitung 1853,
nr. 2932, 2
c; da das wasser jetzt höher gestiegen war, war die see (woge) um desto mächtiger und schrecklicher.
ebenda; die ungeheuren seen oder roller bildeten sich im Zonnegat und im fahrwasser von Louthoir. 3
a. —
technische ausdrücke für besondere arten: 'lange seen
sind solche, die in einer groszen strecke und in paralleler richtung auf einander folgen, ohne sich zu brechen. kurze seen
sind solche, die einander dicht und schnell folgen, oft übereinander herrollen, und sich brechen'. Bobrik 621
a; grund-see,
die den grund mit in bewegung setzt, und sand und schlamm aufwirft, nur in seichtem wasser; hohe see
s. ebenda; kabbelsee,
wenn die wellen bei plötzlich umspringendem winde gerade gegeneinander laufen. 358
a; klopfsee
oder sturzsee
heftige welle, die das schiff von der seite trifft. 399
b. 621
b;
dagegen heiszt eine schwere von vorn treffende welle stampfsee.
ebenda; wider-see,
auch surf,
brandung, der zurücklauf einer welle nach der see zu. ebenda. vielfach bezeichnet derselbe ausdruck sowol die einzelne welle als auch collectivisch den zustand des meeres, so besonders hohle
oder schwere see,
wenn die wellen sehr hoch (
hohl)
gehen und mit heftigem stosze gegen das schiff schlagen. 341. 618
b. 44) see
in vergleichen und bildern. hier wird gern das fem. gesetzt, auch wo die bedeutung eher das masc. zu verlangen scheint. 4@aa)
in vergleichen: des estrîches künde gap liehten ougen wîse, als ob ein sê mit ünde sich unden wegt und doch bedaht mit îse wær. Piper
höf. epik 2, 486, 18 (
d. j. Titurel 414 b); er ras't wie see und wind, wenn beide kämpfen, wer mächt'ger ist.
Shakesp. Hamlet 3, 3; es heb't die gelbe sat die halmen in die höh ... wie eine flache see, mit sanft-beweg'ten wellen. Brockes 1, 121; ein dichter nebel hatte sich wie eine weisze see durch's thal ergossen. Mörike 2, 22. 4@bb) see
übertragen auf gröszere oder kleinere mengen, zunächst von andern flüssigkeiten. see von blut: ich will .. dich in zwey und siebentzigmal hundert tausend stücke zersplittern, dasz du in einer see von deinem eignen blut ersticken sollest. Gryphius
horribilicr. s. 77
neudruck; ich sach enmitten durch den plân ein rôten sê von bluote gâ
n. Heinzelin v. Konstanz
d. minne lere 171; wir sind durch eine see von blut geschwommen. Liliencron
neue ged. 230.
von wein: eine grosze see von rothem wein schwimmt in der stube. Tieck
don Quixote5 1, 345 (4, 6); das klügste däucht ihm demnach, în eine see von Lünell den nebenbuhler zu stürzen. Wieland 5, 16 (
Am. 12, 19). 4@cc)
von andern gegenständen, die sich der see
vergleichen lassen, so von der wüste im ausgeführten bilde: [] so wie man sagt, dasz in Arabiens wüsten der wand'rer, der sich lang' im sand geplagt, ... mit einem mal ein blühend eiland trifft, umbrandet von der see der trocknen wellen. Grillparzer
4 8, 221 (
jüd. v. Tol. 5).
von der saat: die see der saat wogte im winde
oder ähnl. —
von einer volksmenge: der strom des volkes, der eindämmung der brücke entnommen, ein weiter, tosender see, sich ergieszend in alles deckender überschwemmung. Grillparzer
4 11, 253.
anderes: deine augen sind ein gefrorener see, wenn sie den meinen begegnen. Liliencron
adjutantenr.2 42.
s. ferner feuersee, flammensee (
theil 3, 1603. 1719): welch eine last von gluht, welch eine feuer-welt! welch eine flammen-see (
die sonne)! Brockes 7, 97; rothglühend schleudert deine hand den blitz aus finstrer höh: und donner stürzt sich auf das land, in einer feuersee. Uz
s. 204
Sauer. die wolke als see
in der mythologischen bildersprache s. Meyer
myth. § 119. 4@dd)
auf abstractes übertragen; oft im ausgeführteren bilde: um die helle mit himmelblau und himmelroth ausgewölbte see seines innern durch keine hineingeworfne fleischstücke dunkel und schmutzig zu machen. J. Paul
Hesp. 2, 172; etwas mehr greifbaren inhalt boten die leichten plaudereien, mit denen Heine die Pariser über die geschichte der deutschen religion, philosophie und literatur zu belehren suchte; hier war der schüler Hegel's doch nicht so ganz steuerlos wie auf der hohen see der politik. Treitschke
d. gesch. 4, 421; nu dol daʒ, wîser meister, ... ob ich in dînes sinnes sêwe iht schepfe ... sus swebt in dîner künste sê mîn arke.
minnes. 2, 9
b Hagen (
Wartburgkr. 29); dû widerstâst den wellen ûf tobender sünden sêwen.
gold. schmiede 575; zim tiuschin hûse ein bruoder, den gotes minne ruoder ab dem tobenden sêwe schielt ... wan daʒ süntlich gewille (
gewoge) wirfet uns nû her nû hin. Hugo v. Langenstein
Martina 292, 41; durch solche flut und see der widerwertigkeit, die, herr, von deiner lieb und gnaden quellen fliessen. Weckherlin
ged. 69 (
ps. 18, 63); doch ist mein muth noch nicht dahin, die see der schlachten zu befahren. Göckingk 1, 209; see sonder ufer und grund (
gott)! aus dir quillt alles; du selber hast keinen zuflusz in dich. E. v. Kleist 2, 33 (
frühl. 290). 4@ee)
gewöhnlich einfach mit folgendem genitiv oder von (see von etwas): das auge schlieszt, das hertz eröffnet sich, ... so bald es den geruch der frischen rosen spüret, und schwimmt in einer see von lust. Brockes 1, 65; das holde sonnen-licht ... gosz eine see von glantz auf das benetzte land. 120; so stürtzt er über kopff in zweiffels tieffen see. 358; der wollusttrunkne blick verirrt, geblendet, taumelnd und verwirrt, in einer see von reitz und wonne. Wieland 10, 180 (
d. urtheil d. Paris); ihm ward in ihrem aug' ein himmel aufgethan, wo sich in eine see von liebe die seele taucht. 22, 131 (
Oberon 3, 61); er schwimmt in einer see mehr denn gewünschter wonne. A. Gryphius 15 (
Leo Arm. 1, 4, 263). 4@ff)
dafür auch zusammensetzungen, z. b.: weh! weh mir Asien! ach! weh! weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen, wo ich bey dieser schwermuths-see, bey so viel ach selbst mein bethränt gesicht verspeyen (
kann). Lohenstein
Ibrahim Bassa (1689) 1; von jenen freuden-quellen, ... die dort der seel'gen seelen heer, aus einer anmuths-see, aus einem freuden-meer, ... in stets vermehrter lust und anmuth werden träncken. Brockes 3, 594; der nimmer stille flusz der dinge, die zerstöhrlich, entladet sich von selbst, versenckt sich unaufhörlich in die verwesungs-see, in das zertrennungs-meer. 4, 366. 4@gg)
vereinzelt begegnet die redensart über see,
betrunken sein,
vielleicht dem engl. half seas over
nachgebildet: mein kamerad zechte unten noch eins mit dem herrn fähnrich .. und kam mir sodann nach. er war etwas über see und schlief sogleich ein. Seume 2, 123
Hempel.