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Trocken

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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18 in 16 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Trocken adj, adv

Bd. 4, Sp. 887b
Trocken, — er, — ste, adj. u. adv. keine Feuchtigkeit habend, derselben beraubt; zum Unterschiede von dürre, derjenigen Feuchtigkeit ermangelnd, welche den Lebenssaft ausmacht. Trocknes Fleisch, welches keinen Saft hat, in Gegensatz von saftigem Fleische. Trocknes Holz, welches keine Feuchtigkeit mehr in sich hat. Ein trockner Schwamm, welcher keine Feuchtigkeit enthält. Die nassen Kleider trocken werden lassen. I der Pflanzenlehre heißt eine allgemeine Blumendecke trocken (scariosum), wenn die Blättchen wenig oder keine Feuchtigkeit enthalten. Eine Steinfrucht heißt trocken (exsucca), wenn sie anstatt der fleischigen Rinde mit einer schwammichten, häutigen oder lederartigen Masse bedeckt ist, so auch eine Beere, wenn sie statt des Fleisches mit einer dicken lederartigen oder gefärbten Haut bedeckt ist, ferner eine Kürbißfrucht, wenn sie ohne Fleisch und Saft ist. Der Weg ist sehr trocken. Es ist trockener Weg, wofür man auch sagt, harter Weg. Trockene Farben, mit welchen man mahlet ohne sie aufzulösen, oder einen flüssigen Körper dazu zu gebrauchen (Pastelfarbe). Trockene Luft, welche keine feuchte Dünste enthält. Trockene Witterung, solche da die Luft trocken ist und es nicht regnet, thauet  in Gegensatz von feucht und naß. Ein trockener Sommer. Oft ist trocken auch nur, auf der Oberfläche der Feuchtigkeit beraubt. Trockene Hände haben. Eine trockene Haut, welcher es wegen Mangel an gehöriger Ausdünstung an Geschmeidigkeit fehlet. Die beregneten Steine sind schon wieder trocken. Das Geschriebene am Ofen trocken werden lassen. Trockenes Fußes durch einen Bach gehen, ohne die Füße naß zu machen. Х Hinter den Ohren noch nicht trocken sein, uneigentlich, gleichsam erst geboren sein, noch ein Kind sein, verächtlich von jungen Personen, welche sich mehr anmaßen, als sie ihrem Alter und ihrer Erfahrung nach dürften. Ein trockner Graben, in welchem kein Wasser ist. I Trocknen sitzen, an einem trockenen Orte, vor Nässe und Feuchtigkeit geschützt; auch uneigentlich, so viel Vermögen besitzen, daß man ohne Sorge leben kann. Trocken sitzen, an einem trockenen Orte. Х Sein Schäfchen ins Trockne gebracht haben, uneigentlich, sein Vermögen, sein Erworbenes in Sicherheit gebracht haben. I engerer Bedeutung verstehet man unter trocke= nem Brote das bloße Brot nicht mit Butter oder etwas Ähnlichem bestrichen. Eine trockene Mahlzeit, bei welcher nicht getrunken wird. Mit trockenen Augen, ohne Thränen. Kein Auge blieb trocken, alle mußten weinen. Ein trockener Husten, welcher mit keinem Auswurfe verbunden ist. Eine trockene Messe, in der römischen Kirche, welche nur der Priester hält und bei welcher das Abendmahl nicht gereicht wird. Uneigentlich 1) Trockenes Vieh, in der Landwirthschaft, welches keine Milch giebt; in Gegensatz des Melkviehes. Die Kuh stehet trocken, sie giebt keine Milch. 2) I gesellschaftlichen Leben. Ein trockener Mensch, einer mit dem man sich nicht angenehm unterhalten kann , der das, was er sagt und thut, auf keine Weise gleichsam schmackhaft macht, würzt; auch umgekehrt Einer, der mit anscheinendem Ernste witzige, beißende und lächerliche Dinge sagt. Oft wird daher auch trocken für ernsthaft gebraucht. Bei einem Spaße, welchen man macht, sehr trocken aussehen, dabei keine Miene verziehen, durch Geberden nichts hinzuthun, um ihn etwa zu erhöhen. Ein trockener Scherz, welcher auf solche Art angebracht wird. Eine trockene Erzählung, bei welcher der Erzähler kalt, ohne Lebhaftigkeit bleibt und welche keine Unterhaltung gewährt. »Wie oft erweckt man uns in den ersten Jahren durch trockene und langweilige Erklärungen einer Glaubenslehre, einen Ekel an der Religion.« Gellert. Einem trocken die Wahrheit, seine Meinung sagen, ganz geradezu, mit bestimmten Worten, ohne gefällige Einkleidung; wo man auch sagt, mit trockenen oder dürren Worten. Einen trocken empfangen, ohne gefällige freundliche Worte und Mienen. Ein trockener Empfang. 3) Bei den Mahlern ist trocken, nach Ad., Härte im Übergange vom Lichte zum Schatten habend, wenn Licht und Schatten nicht durch Halbschatten verbunden sind. Nach Eberhard aber ist wol richtiger die Darstellung eines Künstlers trocken, »wenn er in seinem Werke nichts weiter darstellt, als was unentbehrlich ist, um den nachgeahmten Gegenstand kenntlich zu machen, wenn er also nicht daran so vieles als ästbetisch (geschmacklich) möglich ist, andeutet, das die Einbildungskraft auf angenehme Nebenideen (Nebenvorstellungen) leitet.« Vergl. Hart. Trocken mahlen. Bei den Bildhauern ist ein Werk trocken, wenn demselben das Weiche, Markige fehlet. Außerdem gebraucht man noch trocken 4) auf verschiedene Art. So nennet man trockene Vergoldung einen leichten Anstrich mit in Königswasser aufgelösetem Golde. Trocken gebundene Pinsel, bei den Bürstenbindern, weiche Pinsel, Farben damit anzustreichen, wie auch, damit zu mahlen. Der trockene Fall, im Mühlenbaue, der Fall des Wassers bei einem unterschlächtigen Wasserrade, von der Oberfläche des Fachbaumes bis auf den Spiegel des Wassers unter dem Rade; in Gegensatz vom nassen Falle. Der trockene Wechsel, im Handel, wenn derjenige, welcher das Geld giebt, solches nicht an einen andern giebt, sondern an eben dem Orte zu seiner Zeit mit Gewinn wieder bekommen soll. I der Scheidekunst, auf trockenem Wege behandeln, gewinnen , ohne sich dabei einer Flüssigkeit, z. B. des Scheidewassers  zu bedienen. I O. D. lautet es auch trucken und truchen, im N. D. dröge, im O. S. treuge
5452 Zeichen · 67 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    TROCKEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    TROCKEN s. TRUCKE.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trocken

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Trocken , -er, -ste, adj. & adv. welches überhaupt dem feucht und naß entgegen stehet, 1. Eigentlich, auf der Oberfläche…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trocken

    Goethe-Wörterbuch

    trocken [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Trocken

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Trocken , vom Wein: vollständig vergoren, ohne rückständigen Zuckergehalt; vom Kopf und von den Beinen des Pferdes: trai…

  5. modern
    Dialekt
    trocken

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    trucke n , trocke n [trùkə allg. ] Adj. 1. trocken, ausgedörrt. Spw. Im e truckene n Jo h r verdirbt ke in Bur was man p…

  6. Sprichwörter
    Trocken

    Wander (Sprichwörter)

    Trocken 1. So trocken wie Sanct-Gallen (s.d.), so trocken wird der Sommer fallen. ( Luzern. ) 2. Trockener als trocken k…

  7. Spezial
    trocken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    tro|cken adj. 1 (ohne Feuchtigkeit) süt (süc, -a) 2 (regenfrei, dürr) süt (süc, -a) 3 (dürr) sëch (sëc, sëcia) 4 (von Sp…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trocken

223 Bildungen · 198 Erstglied · 24 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von trocken 2 Komponenten

troc+ken

trocken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

trocken‑ als Erstglied (30 von 198)

trockenfaul

SHW

trocken-faul Band 1, Spalte 1745-1746

Trockenhefe

SHW

Trocken-hefe Band 1, Spalte 1745-1746

Trockenmalz

SHW

Trocken-malz Band 1, Spalte 1745-1746

Trockenung

SHW

Trocken-ung Band 1, Spalte 1745-1746

Trockenästung

Meyers

trocken·aestung

Trockenästung , die Beseitigung abgestorbener, daher trockener Äste durch Abschneiden mit der Säge unmittelbar am Stamm zur Verhinderung des…

trockenamme

DWB

trocken·amme

trockenamme , f. , nd. drögamm Mensing 1, 871 , zu trocken C 1 c δ , eine amme, die nicht stillt, kinderwärterin im gegensatz zur säugamme: …

trockenanstalt

DWB

trocken·anstalt

-anstalt , f. : schlächtereien und trockenanstalten für fleisch v . Hesse - Wartegg zw. Anden u. Amazonas 2 300; trockenanstalten für die fi…

trockenbad

DWB

trocken·bad

-bad , n. , schwitzbad, vgl. trocken D 4: laconicum, hypocaustum, badstübken, truckenbad Orsäus nomencl. method. (1623) 246 . —

trockenbagger

DWB

trocken·bagger

-bagger , m. : je nachdem die zu bewältigenden erdmassen unter wasser oder über tage liegen, unterscheidet man naszbagger und trocken bagger…

trockenbar

DWB

trocken·bar

trockenbar , adj. , zum trocknen geeignet: das ... punische wachs der alten, dem beim gebrauch zur malerei noch gewisse harze und trockenbar…

trockenbeere

DWB

trocken·beere

-beere , f. , rosine: indem man dem most eines fasses mehrere bütten ausgelesener, schon zu einer fast teigartigen masse zerstampfter trocke…

trocken als Zweitglied (24 von 24)

betrocken

KöblerMnd

*betrocken , sw. V. nhd. betrügerisch gestalten im Pelzhandel Hw.: s. betrockinge E.: s. be, ?

Bültrocken

Adelung

buelt·rocken

Der Bültrocken , des -s, plur. car. eine Art Winterrocken in den Vierlanden bey Hamburg, welcher in Niedersachsen häufig zu Saatrocken gekau…

staubtrocken

DWB

staub·trocken

staubtrocken , adj. ' so trocken wie staub ' oder ' so trocken, dasz sich staub entwickeln kann ': auf staubtrockner landstrasze. im übertra…

strohtrocken

DWB

stroh·trocken

-trocken , adj. , trocken wie stroh; im anschlusz an stroh 3 c: unter sprödem, strohtrockenem unkraute Rosegger schr. (1895) III 4 , 415; de…

Ableitungen von trocken (1 von 1)

Trockene

Adelung

Die Trockene , plur. car. ein im Hochdeutschen nur selten gebräuchliches Abstractum des vorigen Wortes, für Trockenheit. Im Oberdeutschen au…