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Strafen

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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20 in 18 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Strafen

Bd. 4, Sp. 416
Strafen, verb. regul. act. welches 1. * Ursprünglich, körperliche Beschädigung, oder körperliche Schmerzen zufügen, bedeutet zu haben scheinet, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Im Schleßwigischen sagt man noch, einen Baum strafen, ihn ausschneiteln, welches noch ein Überbleibsel der ersten ursprünglichen Bedeutung zu seyn scheinet. Von der Zufügung körperlicher Schmerzen überhaupt scheinet es auch noch Luther Es. 53, 7 gebraucht zu haben, da er gestrafet und gemartert ward, thät er seinen Mund nicht auf. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist strafen, ein Übel um einer vorher gegangenen unrechtmäßigen oder doch unweisen Handlung willen zufügen, da es denn von allen Arten solcher zugefügten Übel üblich ist. Jemanden strafen, ihn wegen eines Verbrechens, um eines Versehens willen strafen. Jemanden am Leben, am Leibe, an der Ehre, an Gelde strafen; zuweilen sagt man auch, ihn um Geld strafen, welches Vorwort um doch denn am häufigsten ist, wenn die Geldsumme bestimmt wird: jemanden um zehn Thaler, um vier Groschen strafen, wo an nicht gebraucht werden kann. Ein Kind mit der Ruthe strafen. Mit Gefängniß, mit Hunger strafen. Gott strafet die Menschen oft mit Blindheit, mit Feuer, mit Krieg u. s. f. Ingleichen mit der vierten Endung des Verbrechens. Den Ehebruch, den Diebstahl, ein Versehen strafen. Strafe mich Gott! oder Gott soll mich strafen! nämlich, wenn ich nicht die Wahrheit rede, eine in den niedrigen Sprecharten übliche leichtsinnige Betheuerung. 3. Zuweilen bedeutet es auch, jemanden seine Mängel und Gebrechen mit Worten entdecken, ihm einen Verweis geben. Die Menschen wollen sich meinen Geist nicht mehr strafen lassen, 1 Mos. 6, 3. Stumme Hunde sind sie, die nicht strafen können, Es. 56, 10. So dein Bruder an dir sündiget, so strafe ihn, Luc. 17, 3. Herodes wurde vom Johannes gestraft, Kap. 3, 19. Wohin auch die Redensart gehöret, jemanden Lügen strafen, eigentlich der Lügen, ihn beschuldigen, daß er lüge. Bin ich gut genug, daß sie mich ins Gesichte Lügen strafen? Gell. Da es denn in den gemeinen Sprecharten oft für tadeln überhaupt gebraucht wird. Ich finde an der Sache nichts zu strafen. Ich kann ihn deswegen nicht strafen, tadeln. Ich will meine Wege vor ihm strafen, Hiob 13, 15; wo es bey Michaelis heißt: ich will dreist meinen Wandel vor seinem Angesicht bekennen. So auch das Strafen. Anm. Im Schwed. straffa,n. straffe, Holländ. straffen. Es kommt weder bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern, noch in andern verwandten Sprachen, ausser den schon angeführten vor, scheint aber ursprünglich eine gewaltsame körperliche Behandlung bezeichnet zu haben, und mit streiffen, so fern dieses ehedem auch streichen, peitschen, bedeutete, straff, dem Schwed. sträf, rauh, strenge, den Ital. Intensivis strappare, wippen, und strappazzare, und dem Griech. σρεφειν, verwandt zu seyn. Ohne Zischlaut gehören auch Notkers drepa, tödten, unser treffen, und das Niedersächs. dreffen, schlagen, und drapen, züchtigen dahin. Die dritte Bedeutung des wörtlichen Verweises scheinet keine bloße Figur der vorigen, sondern eine eigene Bedeutung zu seyn, in welcher es mit dem vorgesetzten st aus dem alten bey dem Notker, Ottfried und andern häufigen refsan, mit Worten tadeln, verweisen, schmälen, im Nieders. noch rispen, gebildet worden. Dieses refsan und rispen ist ein Intensivum von einem veralteten refen, welches zu rufen gehörete, und eine Onomatopöie nicht nur der menschlichen Stimme, sondern auch anderer ähnlich lautender Bewegungen war, wie aus reiben, greifen, raffen u. s. f. erhellet. Auf ähnliche Art ist im Lateinischen corripere, verweisen, von[] rapere, und reprehendere, in eben demselben Verstande, von prehendere.
3713 Zeichen · 55 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    strâfenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    strâfen stn. von sînem swester kinde wart im ein strâfen getân Nib. 2185,4. vgl. Bon. 65,42.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Strafen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Strafen , verb. regul. act. welches 1. * Ursprünglich, körperliche Beschädigung, oder körperliche Schmerzen zufügen, bed…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    strafen

    Goethe-Wörterbuch

    strafen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    strafen

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    strafe n [trófə Su. Co. ; tryofə M. ; trûfə Dü. K. Z. ; trôfə Bf. Str. Lauterbg.; trùfə Winzenh. ] 1. strafen. Gott…

  5. Sprichwörter
    Strafen

    Wander (Sprichwörter)

    Strafen 1. Besser frey straffen, denn heimlich Hass tragen. – Henisch, 1204, 49; Petri, II, 37. 2. Es lässt sich niemand…

  6. Spezial
    strafen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    stra|fen vb.tr. 1 (züchtigen) castié (-iëia) 2 (bestrafen) straufé (-fëia), dé na straufunga, puní (punësc) 3 castié, dé…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit strafen

25 Bildungen · 15 Erstglied · 7 Zweitglied · 3 Ableitungen

strafen‑ als Erstglied (15 von 15)

strafenfurcht

DWB

strafen·furcht

-furcht , f. , ' furcht vor strafe ': oft würde müsziggang zu kaltblütigkeit, freundschaft zu interesse, wohlthätigkeit zu leichtsinn, gütig…

strafengel

DWB

straf·engel

-engel , m. , angiolo vindicatore Kramer dict. 2 (1702) , 993 c ( Campe ) insbesondere mit beziehung auf 1. Mos. 3, 24 : so geh ich traurig …

strafenleer

DWB

strafen·leer

-leer , adj. , von einem ort, wo es keine strafen giebt: wohl sänkt ihr gern mit euren lastern einst hinunter in das strafenleere nichts Hau…

strafenmasz

DWB

-masz , n. , anstatt des gewöhnlicheren strafmasz ( s. unten ): über die bestimmungen des strafenmaszes allgem. deutsche bibl. 52, 92. —

strafenreich

DWB

strafen·reich

-reich , adj. : sie ( die bäurinnen ) wern gern reich, so kriegens streich, für Hoffenreich hiesz Straffenreich Fischart Eulenspiegel 9558 H…

strafenswerth

DWB

strafens·werth

strafenswerth , adj. vituperalis, reprehensibilis; also besonders in der verblassten bedeutung von strafen verb. 5 Diefenbach gloss. 493 b ;…

strafenswürdig

DWB

strafens·wuerdig

-würdig , adj. , vgl. das vorige: (eine schrift) als ein strafenswürdiges pasquill (anzeigen) allg. deutsche bibl. 112, 215; so will Minerve…

strafensystem

DWB

strafen·system

-system , n. : ( versuch, ) das grausame strafensystem der peinlichen gerichtsordnung (zu mildern) Alten handb. 4, 841 . —

strafentheorie

DWB

strafen·theorie

-theorie , f. , s. unten straftheorie: die menschliche str. kann ... in der lehre von der erlösung Christi nichts entscheiden allg. deutsche…

strafentilger

DWB

strafen·tilger

-tilger , m. : zweck der sendung Christi ..., dasz er der ... strafentilger hätte werden sollen allg. deutsche bibl. 42, 324. —

strafentscheidung

DWB

strafentscheid·ung

-entscheidung , f. : geldstrafen fallen dem fiskus desjenigen staates zu, von dessen behörden die str. erlassen ist reichsstempelgesetz vom …

strafen als Zweitglied (7 von 7)

abstrafen

DWB

abs·trafen

abstrafen , punire, was sich vom einfachen strafen unterscheidet wie abbern, abdreschen, abprügeln von bern, dreschen, prügeln, also den vol…

anstrafen

DRW

ans·trafen

anstrafen bey einem ... ruegsambt angestraffet 1684 Wissell,Hdw. I 399

ausstrafen

DWB

aus·strafen

ausstrafen , probe punire: wenn der vater das kind ausgestraft hat, wirft er die rute ins fewer. Luther 3, 237 .

bestrafen

DWB

bes·trafen

bestrafen , punire, nnl. bestraffen, schw. bestraffa, reprehendere, s. strafe . einen missethäter, verbrecher bestrafen; einen schwer, hart,…

meinstrafen

DRW

meins·trafen

meinstrafen, v. zu 1mein und mhd. strāfen "schelten" falsche Beschuldigungen äußern, beschimpfen, beleidigen, lügenstrafen (I) wenne eyner …

verstrafen

DWB

vers·trafen

verstrafen , verb. , poenam mereri; das gefängnisz mit gelt verstrafen, poenam carceris pecunia redimere Stieler 2183 ; bei Adelung und Camp…

Ableitungen von strafen (3 von 3)

bestrafen

DWB

bestrafen , punire, nnl. bestraffen, schw. bestraffa, reprehendere, s. strafe . einen missethäter, verbrecher bestrafen; einen schwer, hart,…

gestrafen

DWB

gestrafen , verb. , verstärktes strafen ( s. d. ), mhd. gestrâfen. 1 1) strafen, bestrafen: wan in aber ain bischof oder probst nit gestraff…

verstrafen

DWB

verstrafen , verb. , poenam mereri; das gefängnisz mit gelt verstrafen, poenam carceris pecunia redimere Stieler 2183 ; bei Adelung und Camp…