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stich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stich m., nomen actionis

Bd. 18, Sp. 2673
stich, m., nomen actionis auf -i zur idg. wurzel *steig (Walde-Pokorny 2, 614). diese bildung musz älter sein als die ablautsentgleisung in westgerm. stekan (die ein aoristpräsens *stigṓ erschlieszen läszt Kluge urgermanisch 156); denn alte i-abstracta haben im germanischen regelmäszig die schwundstufe, s. v. Bahder verbalabstracta 25. doch hat die überführung des verbs in die e-reihe den zusammenhang zwischen stich und stechen nicht gelockert. von den altgerm. dialekten weisen allein das ags. und das fries. eine stärkere verbreitung und reichere bedeutungsentwicklung auf: ags. stice, seit 9. jh. belegt, prick, puncture, stab, thrust with a pointed implement, pricking sensation, stitch Bosworth-Toller 918b; Murray 9, 1, 983c; afries. stek(e) (mit senkung des wz.-vokals in anlehnung an das daneben stehende vb. steka v. Helten altostfries. gramm. § § 173 und 10 δ) Richthofen wb. 1047a. das got. überliefert, in abgezogener verwendung, die genau das griech. vorbild ἐν στιγμῇ χρόνου nachahmt, ein einziges zeugnis: in stika melis 'in einem augenblick' Luc. 4, 5 (neben einmaligem staks, m., στίγμα Gal. 6, 17); das as. und das ahd. kennen nur höchst spärliche glossenbelege, die vorzugsweise der Prudentiusübersetzung angehören: punctis stikion Wadstein kl. as. sprachdenkm. 98a, 38 und 104a, 24; ictu stiche ahd. gl. 2, 36b St.-S.; ictibus stihin 2, 427a; pugionem stich 2, 511b; hastile fixum stich 2, 508b; s. auch Graff 6, 637. in die skand. sprachen wird das wort, zugleich mit redensarten und zusammensetzungen, erst im 16. jh. aus dem dt. übernommen: norw.-dän. stik (Falk-Torp 1162), schwed. stick (Hellquist ordbok 867a; F. A. Dahlgren gloss. öfver förldrede ord 805a). mndl. ist steke, ndl. steek verbreitet und lebendig, mnd. stēke, nnd. stek (stēk Doornkaat-Koolman ostfries. 306b; steek und steke brem.-ndsächs. wb. 4, 1019; stek Mensing schlesw.-holst. 4, 827; Richey hamb. 290; stek, steke Dähnert plattdt. 460a). neben stich stehen in hd. quellen in dem bedeutungskreise A 5 a und b stick, sticke, sticken, vor allem in der formel keinen stich (kein[en] stick, sticke, sticken) sehen (dabei stick auch als ntr.). diese geminierten bildungen sind wohl als ableitungen von dem intensivum sticken, vb. (s. u. sp. 2737), mindestens als kreuzungen damit, erklärlich. das nd. zeigt im gleichen bedeutungsbereich kein stek(e), sondern nur stick, sticken (s. u. sp. 2688). im mnd. vereinzeltes den sticken (acc. sing.) neben steke im sinn von 'seitenstechen' (s. u. stich A 4 b α sp. 2684), vgl. auch stik 'knoten' (: stick) bei Tilo von Kulm 3058 unten B 12. die älteren mhd. zeugnisse (mhd. wb. 2, 2, 624b; Lexer 2, 1186) erscheinen in der klassischen dichtung des 13. jh. und beziehen sich zum gröszten teil auf den bezirk des ritterlichen fechtens, zu einem kleinen auf die stechende wirkung von tieren und pflanzen, versprengt uneigentlich auch von der sonne. bei diesen wenigen, scharf gesonderten bedeutungen beharrt das wort fest bis ins 15. jh. in jener periode der zu städtischen volksfesten ausgeweiteten turniere ritterlicher spätkultur und des sich straff organisierenden, die neue wehrform verkörpernden landsknechtwesens (über gegen 1500 gängig werdende wörter kriegerischen gehalts vgl. Sperber zeitschr. f. dt. altert. 59, 49) erhält stich erhöhte expansionsenergie: der gebrauch im militärisch-ritterlichen umkreis nimmt zu und wird ausgebaut, auszerdem erwachsen, bes. in dem jh. von 1450-1550, mannigfache neue verwendungen, vor allem zahlreiche feste verbale verbindungen. dagegen bringt das 17. jh. nur wenig neugut, und auch die sprachbewegungen des 18./19. jh., insbes. klassik und romantik, haben wenig einflusz auf die entwicklung des wortes gehabt (einige anscheinende neuschöpfungen des 18. jh. sind z. t. wohl wesentlich älter und werden in den im zeitalter des rationalismus aufkommenden encyclopädien lediglich erstmalig verzeichnet); nur in mhd. blütezeit eignet das wort einer gehobenen sprachschicht, seit der reformationszeit jedoch gehört es zum festen bestand der mundart und der umgangssprache. bezeichnend für das wort ist eine innere labilität, die sich in fast allen sparten des weitverzweigten begriffsfeldes in einem ständigen gleiten der bedeutung von der handlung zum ergebnis, vom vorgang zum betroffenen objekt bemerkbar macht. AA. stich verrät fühlbar die zugehörigkeit zur sphäre des kampfes. die mit einem spitzen gegenstand ausgeübte handlung richtet sich in meist feindlicher absicht gegen ein widerstand leistendes objekt. gemeint ist A@11) der vorgang des stechens; im eigentlichen sinne; durchweg von personen; eine stichwaffe wird zur bekämpfung eines gegners benutzt. A@1@aa) als einzelhandlung; ohne nähere bezeichnung der waffe, schon im 12. jh.: nu vernement, waz Alexander sprach, als in Pincun gestach: du solt lugenâre wesen unde ich sol des stiches wol genesen Vorauer Alexander 1364 Kinzel; in der ritterlichen epik der blütezeit weit verbreitet: fünf stiche mac turnieren hân Wolfram v. Eschenbach Parz. 812, 9; her Kei im einen stich stach Heinrich v. d. Türlin krone 27141; Prethemesus gap einen stich dem ritter, der si fuorte Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 32420; so durchlaufend bis heute: Vlysses gab jhm (dem eber) den ersten stich Schaidenreisser Odyssea (1537) 83a; doch ... wider zu der wiegen gieng, das kind auffrichtet und es hinden am rucken mit etlichen stichen verletzt Montanus schwankbücher 90 lit. ver.; dasz ihm ausz anstifftung Macrini ein tödtlicher stich zuthail worden Frz. A. graf v. Brandis d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 49; der eine ... gab sich ... einen stich in den bauch C. Stieler zeitungs lust u. nutz (1697) 156; drei stiche sollen seine brust durchbohren Göthe I 9, 340 W.; zum glück pariert ich seinen stich mit meinem linken arm, um den ich in der eile den mantel schlug Wieland s. w. (1856) 20, 17; wie er auf die aufforderung, sich zu ergeben, sich zur wehr setzte, traf ihn der gegner mit einem tödtlichen stich in die brust L. Häusser dt. gesch. (1854) 2, 788; da schlägt die glocke an und Giuliano empfängt den ersten stich in die brust H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 83; sprichwörtl.: ein stich ist bald geschehen in einen nackenden menschen Tappius adag. (1545) g 5a. A@1@a@aα) genannt werden, bes. in älterer zeit, als stichwaffe meist der speer, der spiesz, die lanze (vgl. Schulz f. leben2 1, 166): sie neigeten über schilte zu stichen nu diu sper Nibelungenlied 1548, 1 L.; (er) leget sein spehr wider in ein, aber der stich weltzet ('glitt ab', s.wälzen 2 c, teil 13, sp. 1430) Amadis 1, 368 lit. ver.; ... wie ein kolb zum stich nichts soll, oder ein spiesz zum hawen Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 301; (es) erbott sich endlich Heinrich von Ramstein, ein edelknecht, auf einen stich mit der lanze ... sich mit ihm einzulassen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 427; seltener das schwert, das zunächst hiebwaffe ist (vgl. Schwietering z. gesch. v. speer u. schwert im 12. jh. 53) und beim turnier meist erst gebraucht wird, wenn die speere verstochen (s. verstechen teil 12, 1, sp. 1634) sind: die es (das schwert) füren solten, lassen es in der scheyd stecken, trincken dieweyl, auff daz sie nit die ersten seyen, den das schwert den stich biet S. Franck trunkenheit (1531) g 4a; hierauf gabe er ihr mit seinem schwerd einen stich A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 120, vgl. hierzu die folgenden synonymen paarungen: ictus ein stich, hieb nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 213; ähnlich Zehner nomencl. (1645) 286; yctus stich o. slack voc. lat.-germ. bei Diefenbach gloss. 641c; dolch und messer: schon bei Frisius: sicas vibrare einen streich oder stich mit dem sticher oder tolchen thuon dict. (1556) 1375; (die diebe) gaben jhm einen stich mit einem brodmesser an den hals A. Pape bettel- vnd garteteuffel (1586) m 7v; einen stich mit dem messer in die rechte brust Lohenstein Arminius (1689) 2, 1091; ... als sie einen dolch aus dem busen zog ... sie holte mit der bewaffneten hand aus und ach! ich erwachte mit dem stiche Lessing 2, 275, 15 Muncker; in neuerer zeit öfter der degen: ein stich mit einem langen degen M. Kramer 2 (1702) 919c; Bernhard griff an den degen: ich warne euch ..., sonst wird euch eure ambassade nicht vor einem stich in die kehle schützen G. Freytag ges. w. 12, 7. A@1@a@bβ) redensarten: zu stich kommen 'gelegenheit zum stechen, d. h. zum angriff haben': aber der haubtman schrei die knecht an, si solten drücken, das si die veint zu rück drüngen und wider zu stich kamen Wilwolt v. Schaumburg 113 lit. ver.; numquam potui meo telo ad scopum collimare ich hab nicht könden zu stich kommen Nic. Frischlin fac. sel. (1600) 8; heute noch mundartl. schwäb. mit einem zu stich kommen 'fertig werden' Fischer wb. 5, 1749. in der fechtersprache auf den stich fechten: bei diesem lernte ich auf französische art auf den stich fechten Wolfg. Menzel denkwürdigkeiten (1877) 71. A@1@a@gγ) zahlreich und vielgestaltig sind feste, formelhafte, durch und angereihte, meist zwei-, seltener dreigliedrige verbindungen von stich mit anderen begriffen der fechtkunst und des kampfwesens (demgegenüber beim vb. stechen nur eine einzige: gehauen und gestochen, vgl.stechen 1 b α und 21 a, teil 10, 2, sp. 1226 und 1268). als älteste erscheint, das neben- und gegeneinander von speer und schwert widerspiegelnd, seit dem 12. jh. stich und schlag: neweder slac noh stich bedurfet ir dar umbe niht mêre kaiserchronik 4912 Schr.; mit sîner hant het er getân manegen stich unde slac Wolfram v. Eschenbach Parz. 20, 11; ane stich und ane sbertes slach das her alles totes lach Heinrich v. Burgus der seele rat 2517 Rosenfeld; Gannelon ... thet ... eil mit hertten stichen vnd schlegen hertzog Aymon (1535) 105a; es (das mit schwertern und spieszen versehene rad, das den brückenzugang sperrt) wühtet stäts mit grimmigen schlägen und stichen buch der liebe (1587) 390d; in neuerer zeit selten, meist archaisierend: (ein ritter,) der Gottfried heiszt und wie viele seines standes mit stichen und schlägen aus der jugend in sein alter kommen Scheffel ges. w. 3, 22; beide begriffe im kontrast: hie slac, dâ stich Hartmann v. Aue Iwein 3734; es kumpt do schlag wider stich pfarrer von Kalenberg 26 ndr.; ähnlich: wie Tullius sein red so artig einzurunden gelernet, vnd sein zung so starcke wort erfunden, dasz er ohn schlag, ohn stich so vielmahl obgesiegt (1624) Zinkgref auserl. ged. 45 ndr. ebenfalls bereits alt bezeugt, jedoch seltener, ist stich und stosz: vil schilde hôrt man hellendâ ze dem bürge tor von stichen und von stôzen Nibelungenlied 740, 2 Lachm.; er ... redet von einer gestochenen wunde, ... durch einen mörderlichen stich und stosz Dannhawer catechismusmilch (1657) 8, 5; solch ding geht auch gar plötzlich los und giebt euch einen stich und stosz Tieck schr. (1828) 1, 192. weitverbreitete modeformel des 16. jh., schon im 15. jh. vereinzelt auftretend, im 17. abklingend, ist stich und streich: den zwei herren geschah nye weder stich noch streich d. summer teil der heyligen leben (1472) 79a b; viewol ich bin voll streich vnd stich, zermorscht, verwundet iämerlich, doch hoff ich gott, kunstlich artzney, Schylhans der werd mir helfen frey H. v. Gersdorff wundartzney (1517) 18b; sie stechen nach ihn, die künigin helt stich und streich auff mit kleider und henden H. Sachs 13, 569 lit. ver.; ihren viel hatten nach jhres landts brauch kleider wider der feinden stich und streich gemachet, angezogen Chr. Wurstisen Paulj Ämilij hist. (1572) 1, 69; denn dieser riese, wie ihr wist, vor streich vnd stich gantz sicher ist W. Spangenberg ausgew. dichtgn. 143 Martin; ausdrücklich vom schwert: der Spanier schwert war nicht minder tauglich zum stich als zum streich W. Xylander Polybius (1574) 190; auf geistiges bezogen: experimenten brauchen, will ein erfarnen mann haben, der der stich vnnd streich gewisz seye, das ist, das ers brauchen und gewältigen möge, daryn dann sein art ist Paracelsus chir. (1618) 301. dreiteilig, aus elementen der genannten, stich, schlag und streich: so wissen das alle die stich, schläg vnd streich, so auff das bild geschehen, deme beschehen, in desz nammen das gemacht ist Paracelsus op. (1616) 1, 19c. dem 16. jh. ferner eigen stich und wunden, wobei die vorstellung von A 4 a mit einströmen kann: hettend ir sie bi leben und iren kreften funden, ir hettend in nit geben halb so vil stich und wunden N. Manuel 21, 4 Bächtold; vnd seind vor den neidbissigen momhunden wol sicher, besser als der trachenblutgetaufft hörnin Sifrid vor stich vnd wunden Fischart Garg. 269 ndr. aus dem 17. jh. das ziemlich häufige stich und hieb, das an die stelle von älterem stich und hau tritt: vgl. Braunschweig chir. (1539) 37; Paracelsus (1616) 1, 858 oben teil 4, 2, 561 und vereinzelt aus späterer zeit: hingegen sind unsere degen länger (als die römischen) und zum hau und stich zu gebrauchen H. v. Fleming soldat (1726) 89. hieb und stich hat sich bis in die neueste zeit gehalten: mit jedem stich vnd hieb vnd jedem schlag vnd stosz erwürgt er (Roland) einen bald zu fusz vnd dann zu rosz D. v. d. Werder hist. v. ras. Roland (1636) ges. 9, str. 69; denn wir scheuten ... die stiche und hiebe des blanken degens Leipz. avanturieur (1756) 1, 77; ein ... groszer degen, welcher ... sowohl zum stich als hiebe eingerichtet war Kortum Jobsiade (1799) 1, 74; formelhaft fechten auf hieb und stich (sieh teil 4, 2, 1307): Israel floriert in Breslau, und Juda ficht in der fechtschule (Breslauer judenquartier) auf hieb und stich Holtei erz. schr. 14, 21; (er) war mit einem regenschirm bewaffnet, den er auf hieb und stich gewandt gegen sein röszlein gebrauchte Scheffel ges. w. (1907) 3, 89; unverwundbar ... gegen hieb und stich G. Freytag ges. w. 19, 5; mit entwicklung aus konkret-ritterlicher situation zum bildlichen: ich bin ihr valet d' chambre auf hieb und stich Meisl theatr. quodlibet (1820) 2, 6. seltener und jünger schusz und stich: gegen schusz und stich muszt ich mich sichern Hebbel w. 8, 148 Werner; seit mitte des 17. jh. in gesteigerter verwendung von dreierkombinationen: wider streich, stich und schosz (spruch eines mitglieds der fruchtbring. ges.) Neumark teutsch. palmbaum (1668) 277; wenn sie diese zettel verschlungen hätten, so würde ihnen weder schusz, hieb, noch stich schaden C. F. Nicolai reise d. Dtschld. u. d. Schweiz (1783) 2, 473; wer ein solches nothemd im kriege trägt, ist sicher vor stich, hieb, schusz und anderem zufall dt. sagen (1891) 1, 176. A@1@a@dδ) nicht selten sind, bes. im 17. jh., tod und teufel als stiche austeilende kämpfer gedacht, die dem menschen den garaus machen bzw. ihn quälen: so vallent sie in missetrost und in zwivel und werdent eweklich verlorn. so kumet der stich des ewigen todes Tauler pred. 282, 33 V.; der erwünschte einige stich des tods, wird mich widerstatten einem ewigen leben Zinkgref apophthegmata (1628) 348; du (tod) gibst uns wann du nimmst, dein so gefürchteter stich bereitet uns durch dich, ein leben ohne dich Logau sinnged. (1654) 3, 244; darauff ich mich, bisz in den stich des todes auch verlasse B. Ringwaldt evangelia (1645) g 4b; es ist auch ergerlich geredt von allen lieben heiligen mit nammen von sant Paulo, der das den stich sathane nennet, vnkeüscheit so in anfochte, vnd du (Luther) vergleichest es einem natürlichen vszgang Murner an d. adel 40 ndr.; wir fühlen täglich in vnserm verderblichen leib desz teuffels stich vnd bisz Petri der Teutschen weiszheit (1604) 1, g 8v; dasz du für des satans stich mögest hülff erlangen J. P. Titz bei Fischer-Tümpel evang. kirchenlied 3, 140. A@1@bb) selten für den waffengang im ganzen gesehen, 'das stechen, turnieren' (vgl.stechen 1 e und 21 b, teil 10, 2, sp. 1231 und 1269), nur vereinzelt in älterer sprache: do stach hertzog Fridrich von Österrich mit dem junggen grauffen ... umb ettwevil ring ... och, ee der stich beschach, do kam zuo im sin diener (1431) Ulrich v. Richental chron. d. Constanzer concils 62 lit. ver. wohl ähnlich zu fassen ist ebenso vereinzeltes mnd. steke: dar stak de furste den ridder, da the vil to der erden dale mit deme ferde, und dit schach den Lubeschen to eren. na deme steke wurden de trumpitte gande unde de vurste dansede in deme steketuge unde helme mit ener gravinne Lübecker chron. 2, 407 Grautoff (zum jahre 1478). vergleichbar ist stich in der wesentlich jüngeren, mehr collectivischen verwendung als 'letzte entscheidung bei einem kampfe': es ist ein stich certamen est de victoria Dentzler clavis (1716) 275b; so ist stich auch der letzte schusz (d. h. eigentlich die letzten schüsse der noch im wettbewerb stehenden gegner) beim schützenfest, wenn das ergebnis bis dahin zweifelhaft war: Tobler Appenzell 407b; Richter-Weise redensarten 211; dahin auch schweiz. si sönd stich 'sie haben gleichviel' (beim spiele, das somit unentschieden ist) Tobler a. a. o.; schweiz. id. 10, 1216; vgl. dazu das heute in diesem sinne bes. sportlich gebrauchte stechen, n. (stechen 18 b, teil 10, 2, sp. 1267) und die bedeutung der meist ganz jungen, direct auf das verb bezogenen zusammensetzungen stichentscheid, stichfahren, stichkampf stichrennen, stichwahl. A@1@cc) auf dem wege zum bildlichen: beim kartenspiel die handlung des stechens (s. d. 11, teil 10, 2, sp. 1262) oder überstechens (s. d. 1 c, teil 11, 2, sp. 572), die zahl der dabei gewonnenen karten oder auch der dafür angesetzte wert. dabei liegt die anschauung zugrunde, dasz zwischen den einzelnen karten bzw. den durch sie dargestellten personen ein turnier (vgl. neuere bildungen wie skatturnier, schachturnier) stattfindet, dem die tatsächlichen spieler als turniergesellschaft zusehen; vgl. Leber études hist. sur les cartes à jouer in: mem. et dissert. sur les antiquités nat. et étrangères n. f. 6 (1842) 256, und W. A. Chatto facts and specul. on the origin and hist. of playing cards (1848). erst nhd. bezeugt: darumb so heb die karten ab, es gilt drey stich, wer sie beid (zwei gesetzte münzen) hab J. Ayrer halbnärr. wucherer (1620) 22b; die mariage darff nicht eher angesagt und aufgewiesen werden, als bisz man eine lese oder stich hat Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1235; wir bekommen die fünf ersten stiche und drey matadore bezahlt vernünft. tadl. 2, 370; una collectio chartarum Steinbach (1734) 2, 710; so hatten sie beyde den stich desto gewisser A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 129; da liegt der schellenkönig, mordblei, der stich ist mein W. Hauff s. w. (1890) 1, 235; man hätte um rechenpfennige die stiche machen müssen Immermann 1, 65 Boxb.; nach vier stich heiszts: verzeihen s', ich hab noch a pick Nestroy ges. w. (1890) 1, 35; wie beim karten- oder schachspiele, stich auf stich, zug auf zug O. Ludwig ges. schr. 5, 80; im wechselspiel mit trumpf: darum, wenn andere schimpf und glimpf mit ihnen spielen, und trumpf sagen, so sagen sie stich Aurbacher volksbüchl. (1835) 239. häufig wiederkehrende verbale fügungen insbes. mit gewinnen, bekommen, behalten: doch hoffe ich, es soll mir die rothe zehne den stich gewinnen Opel-Cohn ged. d. 30 jähr. krieges 328; weil er gerade die stiche zählte, die er im mariaschen von seinem nachbar gewonnen hatte J. P. Hebel w. 2, 184 Behaghel; soll ich denn schon wieder passen, nie bekommen einen stich? A. v. Arnim w. 13, 280 (wunderhorn); sprichwörtlich: wenn die besten farben im spielen verworffen, so ist der stich verlohrn Lehman floril. polit. (1662) 1, 166. im 16. jh. ist weit verbreitet etw. auf den (zum) stich behalten 'etwas als trumpf, bis zuletzt, zur entscheidung aufheben', vielfach angewendet auf geistiges: des satans dück ..., wie er ... so gantz vff eignen nutz beflissen, wil allein das seine suchen vnd jm alweg der besten bletter eins auff den stich behalten, ausz besorgnusz, er möcht dem nechsten zuovil herausz werffen unnd das spil ausz der handt (1524) Th. Stör christl. vermahnung in: Clemen reform.-flugschr. 131; also auch im bredt, vnd auff der karten, dasz er zum stich ein blat behalten solt J. Agricola sprichw. (1534) j 1b; diese seind die eycheln sau, vnnd sau esz ... welche der teufel lang auf den stich behalten hat Fischart binenkorb (1588) 21a; ähnlich: halte vnnd achte ichs gentzlich dafür, dasz allbereit die aller gröbste vnnd letzte boszheit, welche der teuffel zum stich gesparet, herfürkommen fluchteuffel (1564) b 6; behalt dir etwas auff die nachthut, oder auff den stich Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, k 3v; man musz ein gut blat zum stich behalten Lehman floril. polit. (1662) 2, 746. — redensart: die eichelsau (das eichelas) ist des stiches frei eigentl. 'kann, als höchste karte des spiels, nicht gestochen werden', meint, dasz der, der den gipfel der unanständigkeit erreicht hat, jeder rüge, weil ja doch fruchtlos, enthoben sei Binder sprichwörterschatz (1873) 41. oft wird der letzte stich hervorgehoben als derjenige, der das spiel entscheidet, in bes. fügung schon bei Petri: die letzte läsz (s. lässe, f. 3, teil 6, sp. 213) gewint allzeit den stich d. Teutschen weiszheit (1604) 2, D o o 5r; dann bes. in wbb. um 1700: Stieler (1691) 2156; den letzten stich haben M. Kramer 2 (1702) 919c; den letzten stich im spiel thun, to win the last game Ludwig (1716) 1862; ultimus chartarum iactus Steinbach (1734) 2, 710; literarisch: denn manchmahl bleibt ein blat in händen, das macht den allerletzten stich Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 296; die fein heimlich mitgesetzt, werden nach dem spiel zuletzt, auch wider ihr verneinen den letzten stich beweinen v. Ditfurth volkslieder d. bayer. heeres (1871) 32. letzter stich, ein kartenspiel: mit jm mögt jr der liebe spillen, werffen ausz die besten karten; ich wil gen, der hauszthür warten. darnach so ist er ouch für mich, vnd spil mit jm den lesten stich Tob. Stimmer comedia (1580) 596; einer andern so am spielen belieben trägt, verordne ich ein recipe von hombre, bassete, picket, letzten stich und dergleichen (1722) Stranitzky ollapatrida 85 Wiener ndr.; hier sitzt ein schornsteinfegerjunge ... und spielt letzten stich Lichtenberg erkl. d. hogarthischen kupferstiche (1794) 3, 189. A@1@dd) tiere machen in abwehr oder aus bosheit von stachel, zähnen oder hörnern gebrauch, werden also in art eines mit waffen versehenen gegners gedacht; früh belegt ist in diesem sinne, wohl gestützt durch die biblische erzählung vom sündenfall, die schlange (s. auch stechen 2 d, teil 10, 2, sp. 1246): daz leüt gewest seyen, ... welche nur mit eim griff der schlangen stich geheylet H. v. Eppendorf Plinius (1543) 6; etliche weinig, ... die mit jhrem speichel der schlangen stich heilen G. Rollenhagen indian. reysen (1603) 51; und ich verlache nur der alten schlangen stich B. Schmolcke s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 361; der schlange stich kann ich durch dich, erlöser, überwinden Schubart s. ged. (1825) 1, 77; sprichwörtlich: wer ein halb todte schlang im busen trägt, der hat ein tödtlichen stich zu gewarten Lehman floril. polit. (1662) 1, 219. daneben in neuerer zeit natter: die verspottung ist wie der stich einer natter F. Nicolai lit.-briefe (1759) 7, 15; ebenso viper: dem stich der viper gleich Pfeffel poet. vers. (1812) 4, 62. stich ist in verbindung mit schlange heute fast durchgängig abgelöst durch bisz, das vereinzelt schon im 16. jh. diese rolle übernimmt (s. teil 1, sp. 48). von spinnenarten ist häufig genannt der skorpion, gegen dessen stich die ältere medizin, bes. im 16. jh., allerlei heilmittel vermerkt (s. skorpion teil 10, 1, sp. 1325; skorpionöl und skorpionstich ebda 1329 und 1330): ein scorpio ist guot für scorpions stich S. Franck sprüchwörter (1541) 2, 11a; vogel leim ... ist ... krefftig wider die stich der scorpion Ryff spiegel u. regiment d. gesundh. (1544) 96b; dann bekant ist es, des vergifften scorpions tödtlicher stich vnd verletzung, allein durch seine gleichförmigkeit (d. h. durch etwas ihm gleiches) wider musz curiert, oder aber das gliedt musz abgeschnitten werden Thurneisser Pison (1572) 36; auszerhalb der medizin: ihr (der schmeichler) auszgang aber, ist offt schädlicher, als der stich eines scorpionsangel Butschky Pathmos (1677) 6; als Fell, der geiferer, auf dumpfes heu sich streckte, stach ihn ein skorpion. was meint ihr, das geschah? Fell starb am stich? — ei ja doch, ja! der skorpion verreckte Lessing 1, 22 L.-M.; wir bemerken ... den scorpio Australasiae ..., dessen stich ... eine örtliche vorübergehende geschwulst verursachen soll Chamisso w. (1836) 2, 221; ferner im 17./18. jh. als literarisch beliebtes tier die tarantel (s. d. teil 11, 1, 1, sp. 145, und Seiler lehnwort 4, 355): tarantelen stiech, wird wunderlich curiret Butschky Pathmos (1677) reg.; selbiges (tier, die tarantel) wenn es ohn gefähr einen menschen, der auff dem felde ruhet, sticht ..., so musz derselbe alle jahr, umb eben die zeit, da der stich geschehen, entweder dantzen, oder weinen, oder lachen J. Prätorius ber. v. Katzenveite (1665) f 2a; in ähnlichem sinne: ein andrer, von dem pfeil des liebens angeschossen, eröffnet seinen schmerz mit hundert gaukelpossen, dasz man gesundern witz bey jenem tänzer spürt, den die tarantula mit ihrem stich berührt Kanitz bei Gottsched vers. e. krit. dichtkunst (1751) 664. auszerdem insekten jeder art; altes sammelwort dafür wurm (vgl. Lexer 3, 1008; Heyne dt. wb. 3, 1413): aber doch sticht der arme gecreutzigte wurm einen solchen feynen strauch, das er verdurret und macht mit dem geringen stich, das ist mit dem verachten euangelio, eyn solch feyn reich und volck zu nichte Luther 19, 250 W.; sie (die äpfel) gleiszen zwar von auszen, trotz dem stiche des wurms; allein zu staub ward längst ihr kern Göckingk ged. (1780) 3, 190; dafür seit dem 18. jh. allmählich insekt (s. d. teil 4, 2, sp. 2139, und Seiler lehnwort 3, 381), um 1800 in literarischen streitigkeiten gern für 'kritiker' gebraucht: so rächet Hermanns sänger (Klopstock) sich für kritischer insecten stich J. A. Ebert episteln u. verm. ged. (1789) 199; aber nun kommt ein böses insekt, aus G-b-n her, schmeichelnd naht es, ihr habt, flieht ihr nicht eilig, den stich Schiller 11, 108 G.; auszerdem seitdem ungeziefer: stich des ungeziefers onomatologia curiosa (1764) 1430; Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 2, 330; im einzelnen: die maister sprechent, daz ain zwaijærig kint von neun harlizstichen ('hornisse', s. d. 9, teil 4, 2, sp. 1828) müez sterben Konrad v. Megenberg buch d. natur 300, 23; manch hurnüsz vnd manch bremmen stich hab heimelich erlitten ich Murner narrenbeschw. 1, 3 ndr.; vnd hüt sich jedermänniglich bey der flöh vngnad, bisz und stich das er disz werk nit nach wöl machen Fischart flöhhatz 1 ndr.; (die rache,) die nach art einer geneckten biene ihrem feinde einen stich beyzubringen trachtet Lohenstein Arminius (1689) 1, 378b; ein wespenstich? der tut doch nicht wohl? o doch, es war ein honigsüszer stich Raupach dram. w. kom. gattg. (1829) 4, 179; den stich der bremse, den brennenden, rastlos jagenden Droysen Äschylus (1841) 294; dabei ist zugleich an den blutvergiftenden stich der leichenfliege zu denken Laistner nebelsagen (1879) 264; da war er (der lehrer) empfindlich wie ein pferdemaul gegen hornissenstiche dt. bücherfreund okt. 1934, 7. — seltener stiche mit hörnern: so er (der löwe) das thier (einhorn) gegen jm sicht traben, stelt er sich an ein baum, jm aus dem stich des horns zu weychen Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 37; der stier sterzt sine brawen und gab dem löuwen ein stich (wahrsch. 15. jh.) schweiz. volkslieder 2, 20 Tobler. A@1@ee) gegenstände, auch pflanzen, verletzen durch ihre spitze beschaffenheit. allgemein: in allem, was man spürt, im frost und in der hitze, im schmecken, im geruch, im stich von einer spitze, im ton und in der farb, erkennt er blos allein ein fühlen, anders nichts Brockes ird. vergn. (1721) 3, 41. sehr häufig, schon mhd., dornen, vielfach mit heilsgeschichtlicher symbolik verknüpft (s.stechen 2 a, teil 10, 2, sp. 1241): o sele, laz dir dun we, daz dusent stiche oder me sin zartes haubt hant zerslagen Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3016; wie tausendfach vergütet schon der stich aus Christus dornenkron Lavater handbibl. (1790) 3, 25; auch ohne religiöse beziehung, bes. im gegensatz zur rosenblüte gebraucht: vnd (man) fint dich rosn so wol gestalt, in scharpffer dorne stich gewalt J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 129; gern wollt ich den blutigen stich der neidenden dornen ertragen, sind nur alle rosen für mich! Böhme volkst. lieder d. Deutschen i. 18. u. 19. jh. 282; auch von anderen mit dornen versehenen pflanzen: dieses holtz ist von einer solchen stachlichten und harten art, dasz der, welcher zum brennen es abhauen will, sich mit dicken handschuhen genugsam verwahren musz, wann er nicht unzehliche stiche bekommen will H. F. v. Göchhausen notabilia venatoris (1741) 208; ebenfalls biblisch nägel: nur ich sich in seinen (Christi) henden den stich der nagel ... vnd lege mein vinger an die stat der stich der negel erste dt. bibel 1, 419, 33; o, dann achtest du den stich der nägel und der dornenkrone nicht Schubart s. ged. (1825) 2, 132. auszerdem bes. hervorzuheben sporen und nadeln (s.stechen 1 h und i, teil 10, 2, sp. 1238/39): das rosz der zeit wälzt träge am liebsten im kothe sich; da frommen nur geiselschläge und spitziger sporen stich M. gr. Strachwitz ged. (1850) 31; (ich) erschrecke wahrlich nicht, wenn mich ihre nadel sticht ... wie zum tausent schlappernent habt ihr euch nicht genug verbrent, seht da habt ihr einen stich wessentwegen hertzt ihr mich? (1678) Chr. Weise d. grün. jug. überfl. gedanken 92 ndr.; wer sich nun ohngefehr in eine nadel sticht, der findet solche ja freylich auff diese art, dasz sie ihm die spitze zukehret, und das darauff erfolgte unglück ist der empfindliche schmertz des stichs J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 2, 128; s. auch nadelstich teil 7, sp. 256. ganz selten haare (zu stechen 2 b, teil 10, 2, sp. 1243): sein haar steht ihm im stich auf, wie einer wilden sau der borst Pestalozzi s. schr. (1819) 2, 294. A@1@ff) obscön, 'coitus' (zu stechen 20, teil 10, 2, sp. 1267); schon mhd.: diu obern kleid er ab im swank, er machtz niht lank, zem stich was er (der bräutigam) bereite v. d. Hagen minnesinger 3, 301a; ich starb, eh ich einmahl das leben recht erkannte, ein angenehmer stich gab mir den letzten stosz, nicht wie Lucretien, ich ward zwar athemlosz, doch stund ich wieder auf, als man mich fraue nannte grabschr. bei Celander-Hochgesang sammlg. allerh. sinnr. ged. (1721) 472; schwäb.-mundartl.: eine sotane sau bin ich, viel 1000 stich kriege ich Fischer wb. 5, 1750; vgl. auch das volksmäszig durchgängig gebrauchte compositum jungfernstich 'defloration'; sowie hahnenstich im sinne von hahnentritt 4 (teil 4, 2, sp. 170; auch Schmeller-Fr. 2, 724) 'fruchtansatz im ei'. A@22) uneigentlich. 'der stechende strahl der sonne' (s.stechen 3, teil 10, 2, sp. 1247); vereinzelt schon mhd.: vor der hitz schirmpt ich mich da, dum inclinaretur vmbra, vntz der schatt genaigti sich für der haisen sunnen stich liedersaal 1, 34, 64; dann erst wieder, gehäuft, belegt im ausgehenden 18. jh. (das compos. sonnenstich 1 'stich der sonne' seit dem 17. jh. bekannt, teil 10, 1, sp. 1683) und seitdem fortlebend: ertrugst du ... nicht deshalb nur gelassen den stich der sonne und den frost der nacht A. G. Meissner Alcibiades (1781) 4, 215; doch wissen ihr (der sonne) auch ritterlich die schönen trotz zu bieten, und kämpfen gegen ihren stich mit fächer, schirm und hüten Blumauer ged. (1782) 66 den strohhut ... gegen der sonne stich H. v. Kleist 2, 188 E. Schm.; ähnlich: o dasz doch die früchte am menschen ein andres wetter haben müssen als seine blüten — statt des hauches des lenzes den stich des augusts (d. h. der augustsonne) Jean Paul 2 (1826) 1. im sinne von 'hitzschlag' wie das gleichbedeutende compositum sonnenstich 2 (teil 10, 1, sp. 1683) seit dem 18. jh.: vor zeiten glaubte man, dasz nur diejenigen, die nach Indien gehen, einen stich von der sonne bekämen J. Fr. Löwen schr. (1765) 4, 232. A@33) übertragen. A@3@aa) gefühle u. ä. abstracta, anschlieszend an A 1 a und d (o. sp. 2674 u. 2679), meist in älterer sprache: die liebhabende brunst (war) mit newen stich der liebe wider entzündet buch der liebe (1587) 111d; denn wer ertrügs, die hieb und streich des unfalls ... den stich verschmähter liebe Herder 25, 34 S.; vergifft dich der tüffel zuo dem sechsten mit dem stich des zorns Keisersberg bilgersch. (1512) 17c; wenn wir ... der sündigen sünde stich empfinden J. Heyden Plinius (1565) vorr. 2b; auch wird von reiner liebe kusz der sorge stich geheilt grafen zu Stolberg ges. w. 2, 197; sorgen geben dem hertzen stich curae pectus fodicant Dentzler clavis (1716) 276a; erwachen, wissen, dasz ich wach bin, will ich, sei es auch durch stich der höllenqualen Grabbe w. 2, 42 Blumenthal; öfter gewissen (bild vom nagenden gewissenswurm; heute meist mit bisz verbunden, s. teil 1, 3, sp. 6309): er dencke nur an die steten gewissensstiche v. Ryssel seelenfrieden (1685) 618; ich weisz ..., dasz ich üch nach minem tod ein harten stich, und ein grusam gnagen in üweren gwiszinen veranlassen wird Tschudi chron. Helv. (1734) 2, 58. hierher auch bildlich übertragen von A 1 a: darumb daz ain wyser man gegen allen stichen des gelückrades, sie syen guot oder bösz, sol verwǎffnet sin (1443) Stainhöwel de claris mulieribus 40 lit. ver. A@3@bb) worte (die zunge) sind spitz und verletzend wie eine stichwaffe; stich bedeutet in dieser seit dem 16. jh. ungemein weit verbreiteten verbindung dasselbe wie stichrede, stichelei (s. d., auch stechen 6, teil 10, 2, sp. 1251): einem im reden ein stich gäben, mit worten anstächen vnd verletzen vulnerare aliquem voce, fatzwort das eim etwan ein stich gibt, facetiae asperae Frisius (1556) 125b; ein herber stich auf einen tyrannen Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) q 1b; dahero begab es sich auch, dasz sie einander ... schimpffen und spotten viel stich bewiesen E. v. Meteren niderlend. krieg (1614) 1, 76a; durch gutgemeinte stich und wohlgesuchten schertz wird oftmals untersucht das rechte freundeshertz Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1651) 2, 216; da werdten die hoffjunckern gefragt haben, ob ihre fürstl. gn. nicht in acht genommen haben, wie er (Johannes der täufer) dem Pontio Pilato ... so artige stich gegeben habe B. Schupp schr. (1663) 14; es sind stiche darin (im briefe), die nur gar zu deutlich auf sie gehen Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 322; ich bin heiszen herzens, und ertrage nicht der zunge stich Klinger neues theater (1790) 2, 82; die richter hielten es (das verhalten des angeklagten) für einen spitzigen stich, und straften ihn deshalb wieder um einen schilling Aurbacher volksbüchlein (1835) 145; die stiche auf die regelverachtenden poeten Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 211; soll das etwa ein stich auf mich als ortsvorsteher hier im dorfe sein? W. Raabe Horacker (1876) 155; er wurde ... ein meister der polemik, der sich auf die künste des feinen stichs verstand v. Roon denkw. (1892) 2, 12; es ... bildete den wunden punkt für allerlei stiche und reibereien zwischen den schwestern, dasz sie eigentlich die schlechteste partie gemacht hatte H. v. Kahlenberg d. familie Barchwitz (1902) 9; auch mundartl. sehr geläufig Castelli Österreich (1847) 235; Ruckert Unterfranken 175; vgl. auch das compositum messmerstich 'anzügliche rede' Schöpf tirol. wb. 710. für verleumderische reden falscher zeugen: ... damit er möchte sich entschuldigen, und uns mit falscher zeugen stich (als er auch stattlich that) verleumden und beliegen W. H. v. Hohberg d. habspurg. Ottobert (1664) n 5b. seit dem 18. jh. häufig als eigenschaft gewisser literar. gattungen, wie witz, satire, epigramm: der letzte stich eines gedichtes, verses etc., la punta, l'acume, il puntiglio di qualche, poesia, epigramma M. Kramer 2 (1702), 920a; endlich diese schärfe, diese spitze des epigramms, die man als seine hauptvollkommenheit rühmet, wie folgt sie aus dem begrif der aufschrift? will der leser nothwendig gestochen seyn, der eine aufschrift lieset? welches bedürfnisz machte jedem vorbeigehenden den stich nöthig? Herder 15, 359 S.; wäre überhaupt der begrif eines stichs der sinn des worts pointe? (acumen) und aller epigramme treflichste wirkung? ebda 15, 376 S.; die satyre hingegen sucht den menschen selbst anzustechen, und wenn sie den stich in eine witzige wendung kleidet, so thut sie es darum, damit der leser das vergnügen haben soll zu scheinen, als ob er nur allein dem witze beyfall gäbe Ramler einl. i. d. schön. wiss. (1758) 3, 114; mit diesen (den parlamentsmitgliedern) lebte er (Swift) in einem fortgesetzten stande des streits, liesz sie die scharfen stiche seiner satyre fühlen K. Fr. Cramer Neseggab (1791) 4, 253; witze mit satyrischem stich ('pointe') Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 1, 426. sprichwörtl.: gute wort heylen böse stich Lehman floril. polit. (1662) 1, 392; vors klaffers stichsolt hüten dich (1539) G. Forster fr. teutsche liedlein 14 ndr.hierher ferner die im 16.-18. jh. auszerordentlich häufige, bes. in den zeitgenössischen sprichwörtersammlungen immer wieder aufgeführte, später seltener werdende wendung stiche, die nicht bluten 'verletzungen, die man mit worten zufügt': wir Deudschen sagen von einem bösen wort, es sey ein pfeil, item das ist ein stich, der nicht blutet Luther (1568) 6, 158a; stich die nit bluoten, thuond weer dann die andern S. Franck sprichwörter (1541) 2, 169a; ein stich der nit bluotet, ist verborgner weisz aim übel reden G. Mayr sprüchwörter (1567) c 4b; vber die hechel lauffen lassen, item, stiche geben die nicht bluten Bas. Faber thes. (1587) 358b; wir sehen hie auch, dasz offt einer einem ein unblutigen stich thun will, und doch sich selber trifft (1618) L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 59 ndr.; unterschiedliche neidhämmel und hündisch-gesonnene ... werden mit ihrer gifftigen natterzunge auff mich sticheln, und heimliche stiche wiewohl ohne blutserfolgung geben Prätorius philos. colus (1662) vorr. 3; aufgeführt bei Stieler (1691) 2156, M. Kramer 2 (1702) 919c; ob er (Fuchsmundi in seinen erzählungen) gleich einen oder den andern stich biszweilen gibt, so werden sie doch nicht bluten (1722) Stranitzky ollapatrida 9, 10 Wiener ndr.; A. Schellhorn sprichw. (1797) 24; Kirchhofer schweiz. sprichw. (1824) 167; holst. mundartl. noch gängig Mensing 4, 842. die wendung jemandem heimliche stiche geben schon bei Luther: dieser schriftgelehrter war auch ein solcher verächter und spötter; darumb gibt ihm der herr ein heimlichen stich. als wollt er sagen: du bist ein heuchler und bube Luther hauspost., Erl. ausg.2 6, 18; der Oeta saumpt sich auch nit vnd gibt jm vil höflicher heimlicher stich Boltz Terenz deutsch (1539) 155a. bemerkenswert die vereinzelte bedeutung 'jemandem (heimlich) mit den augen winken': ie zuweil gab es (das dirnlein) ain stich dem alten mit den augen Zimmer. chron. 1, 598. A@44) folge, wirkung, ergebnis des stechens. A@4@aa) 'wunde', schon im 13. jh. bezeugt: do si bevant, daz Tristan hete ze dem tode einen stich, ir klage wart so jæmerlich, daz ir daz herze so erschrak, daz si unversunnen lak Ulrich v. Türheim Tristan 3289; stich, gespalten vnd offene wunden fixura (d. i. fissura), voc. inc. theut., anf. d. 15. jh. bei Diefenbach gloss. 237b, mester Senp makede al syne plaster unde alle wunden konde helen mede, id weren steke, sweren edder tobroken lede Hans v. Ghetelen narrenschyp (1488) 55, 26; leinine ... meyszlin (charpie), ... inn offene schäden, stich oder schütz, darinn noch die pfeile oder sonst andere geschosz stecken pleiben, gestossen ... heylet den schaden zu Sebiz feldbau (1580) 209; vulnus punctim factum ein stich nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 213; das (baumöl mit wein gemischt) kan man mit zarten fäsern in die stich und wunden legen W. H. v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 308; (bei besichtigung einer leiche findet man) zwey stiche über dem rechten arm unter dem halsbeine Thomasius ged. u. erinn. (1720) 1, 7. A@4@bb) 'schmerz'; dabei schimmert häufig die vorstellung einer in ein objekt eindringenden und sie durchbohrenden spitze noch durch. A@4@b@aα) konkret-körperlich, zu stechen 5, teil 10, 2, sp. 1249, wie dieses schon im 16. jh. bekannt und bis heute geläufig; allg.: da ist eygenschafft vnnd angeborne natur, das alle sewre vnnd kelte von jhrer arth in ein krampff oder stich bringen Paracelsus (1616) 1, 493c; unser geschrei über jeden stich des schmerzes Jean Paul sämtl. w. (1826) 2, 165 R.; ein halbes jahr nachher hatte ich noch zu zeiten heftige stiche Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 277; speciell 'seitenstechen' (s. seitenstich teil 10, 1, sp. 398), pleuritis (s. Höfler krankheitsnamen 474a): stich in der seyten oder seytenstich conjunctiones laterum Frisius (1556) 275a; pleuritis der stich oder seytenwee ebda 1012b; ähnlich Junius nomencl. (1583) 299b und Dentzler (1713) 1, 588b; daz er darob ein kranckheit, vnd vorab den stich erdulden musz, welches sonst pleuritis oder das seytenwee geheyssen Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 27b; in einer aufzählung von leiden: stich in seytten Paracelsus op. (1616) 2, 649; ich habe stiche in der linken seite bekommen Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 466; mundartl. stech lux. wb. 420b; so im mnd. auch vereinzelt das schwache masc. sticke neben steke: wey allewege had den sticken in der syden, drinket hey des ghires ghallen, he wert ghesunt Wolfenb. arznei- u. kräuterb. bei Schiller-Lübben 4, 398b. für stechenden schmerz an anderen körperteilen: dey steke unde wedage der oren ebda bei Schiller-Lübben 4, 378a; so einer das herzgespann oder stich hat theatr. diab. (1569) 141b; im leib empfindt die fraw (die ein muttergewächs hat) viel hefftiger stichen, als ob man sie mit nadlen steche J. Ruoff hebammenbuch (1580) 96; wanns einer frawen in ein brust scheuszt, nim bintzen, die in bächen wachsen, schlags warm vmb die brust, so legt es die stich Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 75; habt ihr auch schon so stechen in den beinen gehabt? — uf — dasz dich — uf — der stich ist für den banquier Iffland theatr. w. (1827) 2, 207; da fühlte der kämmerer einen fliegenden stich in der stirn, den kannte er wohl und pflegte ihn den wecker zu heiszen Scheffel ges. w. (1907) 2, 88. A@4@b@bβ) seelisch. die dabei ausgelösten gefühle wechseln gern ins sentimentale, zu wehmut und trauer, hinüber; meist feste wendungen: unpersönlich es gibt jemandem einen stich: was gab es mir nicht für einen stich, als ich ... sah, wie sie ihr händchen so artig um ihren arm schlang v. Thümmel reise i. d. mittägl. prov. v. Frankreich (1791) 2, 261; was mirs wieder einen stich giebt, da ich Julien nennen höre! maler Müller w. (1811) 3, 369; es gab ihr einen stich, dasz er jetzt noch fortging E. Zahn helden des alltags 29. mit angabe des stichziels, als das, unter verwendung wechselnder präpositionen, in den weitaus meisten fällen der innerste sitz des lebens des getroffenen genannt wird; an erster stelle, seit dem 16. jh., herz; mit unpersönlichen verben, vor allen wieder es gibt, weiterhin mit vbb. der bewegung (es geht, es fährt), des fühlens und empfindens; anschlusz mit durch: wenn ich dran denck, geht mir mit schmertz ein stich ausz durch mein betrübt hertz H. Sachs 11, 177 lit. ver.; ich habs gehört, vnd ist mir ein stich durchs hertz gegangen, wegen der verkleinerung der nation Fischart discours (1589) b 1a; bei lesung des textes ging ihm ein stich durchs herz Melch. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 394; Siegwart, dem das einen stich durchs herz gab Miller Siegwart (1777) 1, 224; dasz es mir ordentlich einen stich durchs herz gab Gaudy s. w. (1844) 1, 107; aus dieser erläuterung verstunde ich mit einem rechten stich durch das hertz, dasz eben diese die Veronia sey Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 674. — mit in und folg. akkus.: mir gadt ein stich ins hertz foditur cor stimulo Frisius (1556) 573a; vnnd gieng jr ein stich ins hertz (als sie den geliebten wiedersieht) buch der liebe (1587) 208d; es gibt mir immer einen stich ins herz, wenn ich daran denke, dasz ein solcher mann das eigentliche Deutschland verläszt briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 36; ein stich fuhr mir ins herz, wie ich anfieng zu lesen .... Heinse s. w. 9, 55 Sch.; mir wars ein stich ins herze theater d. Dtschen (1768) 12, 342; der treuen dienerin war diese wiederholte abweisung ein stich ins herz M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 339; vereinzelt an: gab mirs nicht einen stich ans herze! Gellert 2, 220; häufiger in m. dat., dann meist mit anderen verben: mein herr vater hatte diese ehrenrürige schmähung nicht anders als einen tödlichen stich im herzen empfunden A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 617; Ida fühlte einen tiefen stich im herzen, als sie die gräfin aus dem wagen steigen sah W. Hauff s. w. (1890) 3, 123; wenn ein kind jedesmal mit einem stich im herzen an den vater denken musz B. Auerbach schr. (1892) 18, 48; zu: (ihr) ginge hernach ein stich zum hertzen ... wenn sie ihr ungestalt sah Abr. a s. Clara etw. f. alle (1711) 2, 54. wesentlich seltener, seit 17. jh., seele: Sadaln ging dieser stich durch die seele Lohenstein Arminius (1689) 2, 42a; mir und vielen ... gieng ein stich durch die seele, da wir ihr schicksal vernahmen Lavater verm. schr. (1774) 2, 123; einen stich verarbeitend, der ihm durch die seele gieng Vischer auch einer 1, 226; der beschlusz des bundestags ... war doch ein schmerzlicher stich in die seele briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 344; was schmertzliche stich durchdrangen meine seele theatr. amoris (1626) 94. — vereinzelte fügungen mit anderen substantiven: wem man die nahrung nimbt, dem thut man ein stich ins leben Lehman floril. polit. (1662) 2, 567; nun bekam ich erst einen solchen ekel vor diesem thier, dasz mir ein stich durch alle adern gieng U. Bräker s. schr. (1789) 1, 55; einige hms! hms! ei! ei! ... so hervorgebrummt, waren für Scheible nur kurz schmerzende stiche ins gewissen Gutzkow ges. w. 4, 408; wieder n stich durch alle knochen! (angesichts einer groszen enttäuschung) maler Müller (1811) 1, 285. — vereinzelt für ein wohltuendes gefühl: wo mans (das buch) aufschlägt, springt einem ein süszer stich in die reizbarkeit der lebensnerven Heinse s. w. 3, 391 Sch.; ja, auch noch mag (er) genieszen des kitzels linden stich, sich rückersehnt zu wissen, weil schlimm dem schlechtern wich Grillparzer s. w. 1, 203 S. A@4@cc) eine zustandsänderung, stets in der fügung einen stich haben (bekommen, kriegen u. ä.), durchgängig im peiorativen sinne, wobei die vorstellung der wirkung eines stichs mit vergifteter waffe oder eines giftigen tieres, teilweise auch der sonne (vgl. oben A 1 d und A 2), im hintergrund stehen mag. α) 'verrückt, geistesgestört sein', nur volksmäsziger und lässiger sprache zugehörig: im hirn hat er ein stich, ja wol stich Ayrer dramen 3110 lit. ver.; wir passen recht gut zu einander, wir haben alle drei einen kleinen stich Immermann w. 14, 52 H.; die leute mit dem stich titel e. humor. romans v. H. Biernath (1936); Jecht Mansfeld 108a; Mensing schlesw.-holst. 4, 842; Brendicke Berlin 178b; der hat n stich unter der kapp 'ist nicht ganz bei sinnen' Fischer schwäb. 5, 1750; s. auch hieb 5, teil 4, 2, sp. 1307; auch sonstige krankheiten: in dem aber ergriffe den hauptman Nägeli ein pestilentzisch fieber, so man den stich zu nennen pflegt M. Stettler annales (1627) 2, 86a; als er nun zu Aquen uber winter bleiben wolte, ist jm auf einem weidwerck der stich angestoszen, zu dem auch ein fieber oder kalt wehe schlug M. Quad memorabilia mundi (1601) 41. vgl. Höfler krankheitsnamen 678. β) '(leicht) bezecht sein', erst spät belegt, ebenfalls wenig in höhere sprachschichten gedrungen; lexik. bei B. Klosz burschenspr. (ca. 1806) 13; Stürenburg Ostfries. 259a; Albrecht Leipzig 217b; Ruckert Unterfranken 175; Crecelius oberhess. 806; Tobler Appenzell 407b; im sprichwort bei W. Körte sprichw. (1837) 526; literarisch: er selber habe keinen rausch gehabt, aber einen stich J. P. Hebel w. 2, 195 Behaghel; vgl. auch hieb in ähnlicher verwendung (5, teil 4, 2, sp. 1307). γ) 'zu verderben anfangen' von getränken und speisen; das bier hat einen stich Reinwald Henneberg. idiot. (1793) 2, 121; Serz teutsche idiotismen (1797) 148a; Ruckert Unterfranken 175; Albrecht Leipzig 217b; Jecht Mansfeld 108a; Crecelius oberhess. 807; wein: lux. 420b; flüssigkeiten: Bauer-Collitz Waldeck 175; de botter hat n stich Block Eilsdorf 94; auch literarisch: der rahm hat doch wieder einen stich gekriegt von der hitz O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 89; hat der gastwirth einen hieb, einen stich sein wein, mag man seinen gästen schon einen schusz verzeihn Hoffmann v. Fallersleben mein leben 6, 324. parallelentwicklung im französ. le vin se pique; vgl. zeitschr. f. dt. wortforschg. 3, 235. A@55) indem sich das momentane, punctuelle der handlung des einstechens in ein objekt in den vordergrund schiebt, löst sich die bedeutung von stich ganz vom verbalbegriff los; das wort erhält quantitativen sinn und bezeichnet A@5@aa) 'kleine menge, etwas, kleinigkeit' in verschiedenen, meist festliegenden wendungen; von butter: er hatte mir den kleinen stich butter auf einem weinblatte gebracht J. J. Chr. Bode Yorick (1768) 2, 104; ähnlich Woeste westf. 255a; ferner an stich reda mit eine 'einem unter vier augen etwas eröffnen, mit jemandem ein wort reden' Bühler Davos 1, 265 und 307; hierher auch ironisch einen stich in den becher gucken 'eine kleinigkeit (bei gemeintem gegenteil) trinken': ee er die spisz duot abhyn schlucken, duot er eyn stych jnn becher gucken Seb. Brant narr. 110 Z. früh im zeitsinn, wie schon in dem dem griechischen nachgebildeten got. beleg in stika melis 'in einem augenblick' (s. o. sp. 2673), vgl. auch lat. ictu temporis u. ähnl. thes. ling. lat. 7, 1, 168; mhd.: du muost hie belîben noch ein stich ('augenblick') Malagis 41b bei Lexer 2, 1186, vgl. die im nd. verbreitete wendung up stick un stun, 'pünktlich, genau auf augenblick und stunde' Mi meckl. 86b; Mensing schlesw.-holst. 4, 843; vgl. dazu: ik will so foort op stickenstunt de lyre laten klingen (1743) nd. jahrb. 53, 124; (über berührungen dieser redensart mit dem ebenfalls nd. geläufigen adverb. und adj. stick s. u. sp. 2731); ebenso hergehörig auf den stich kommen 'plötzlich, unangemeldet' Frischbier wb. 2, 370b. hierher wohl auch ohne zeitsinn bei Luther formelhaft zum (auf) ein stick (sticken) in der bedeutung 'bis auf den punkt, aufs tüpfelchen genau' (über den wechsel stich: stick[en] sieh auch hier unter b): non quaerit, quis deus, das weis er auff ein stick 34, 2, 176, 1 Weim.; das kan er zum stik ebda 176, 17; denn der teuffel weis er zum sticken 26, 582, 1. sehr häufig ist verwendung in der negation mit verstärktem ausschlieszenden sinn 'gar nichts', meist mundartl.: känen stich mī tūn 'gar nichts mehr tun' Jecht Mansfeld 108a; nicht einen stick Unger-Khull steir. 576a; doch gelegentlich auch literarisch: kein stich ist wahr davon Kürnberger nov. (1861) 2, 209. A@5@bb) eine sonderstellung beansprucht in diesem zusammenhang stich im bereich des sehens, vor allem in der redensart keinen (nicht einen) stich sehen und ähnl. in der bedeutung 'gar nichts sehen': denn auf hd. gebiet stehen hier neben stich in der gleichen bedeutung und anwendung früh auch stic (stick), später vereinzelt auch sticke, häufig sticken, vereinzelt stic neben stich bei demselben autor (s. u. Berthold von Regensburg) öfter als hdschr. var.; schon mhd. (s. mhd. wb. 2, 2, 625a; Lexer 2, 1186): ein blinder man, der nie stich (var. stick) gesach bî allen sînen tagen Berthold von Regensburg 383, 15; ähnlich arzneibuch 2, 7a Pfeiffer; Karlmeinet 334, 38 lit. ver.; (wir) sint vorblint zcue deser geschicht an unsern augen, daz wir nicht ensehen eynen stich altdt. schauspiele 67 Mone; er hat sie geblendet, das keins keinen stich sihet Keisersberg granatapfel (1516) 17; ... sie aber tun, als sehn sie keinen stich P. Fleming dt. ged. 1, 447 L.; solchergestalt kamen sie in einen groszen wald, da sie ... nicht einen stich sehen kunten Happel akad. roman (1690) 534; so lange meine augen noch einen stich sehen können Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 230. in neuerer zeit nur mundartlich bezeugt, z. b. bei Castelli österr. (1847) 235; Seiler Basler ma. 278b; Wegeler Coblenz. 80; Schmidt westerw. (1800) 235; keinen stich (neben keinen stick) sehen Kehrein Nassau 1, 391; Spiesz henneb. 243; Müller-Fraureuth erzgeb.-obers. 2, 562b. selten, schwäbisch: ich sehe und höre keinen stichen Fischer 5, 1750 (vgl. hierzu unten die form sticken). — bereits seit dem 12. jh. kein(en) stic (stick) sehen, als masc. und neutr.: diu ougen im vergiengen ... daz er niemer mêr dehain stik gesach kaiserchronik 16274 Schr.; sie mochten vor der vinster nacht einen stic niht gesehen Herbort von Fritzlar liet von Troye 17178; er wirt gar blint, daz er niemer stic gesiht Berthold von Regensburg 1, 265, 28 Pfeiffer; darzu der regen was so dick, das er gesach nit ainen stick liedersaal 1, 344; so wird dein mann werden stockblindt, dasz er kein stick mer sol gesehen Hans Sachs 17, 191, 31 lit. ver.; ein finsternusz der sonnen kam, dasz man kein stick konnt sehen M. Kleinlawel Straszburg. chron. (1625) 118; vgl. auch Dentzler clavis (1716) 276a. nur selten sticke: wenn ich hin vsz kome an daz wit, so sihe ich ein sticke nicht, vnd in dem palast han ich min gesicht, vnd sind mir min ougen clar (1412) Hans von Bühel Diocletians leben 2919 Keller; dann die nacht so finster was das er ein sticke nicht gesach (1472/73) Arigo decamerone 550 Keller (vgl. stickfinster sp. 2747). sehr häufig seit dem 16. jh. sticken: er hett gesehen kain sticken nie ca. d. j. 1539 in d. zimmer. chron. 4, 236; sein augen aus seim haupt im warff, so das er kein stücken mehr gsach Wickram 8, 181 Bolte; die blinden werden nicht einen sticken sehen Fischart praktik 28 ndr.; also das wir auszerhalb unserer brennenden fackeln hierinnen eintzigen sticken nicht sehen mögen Breuning oriental. reise (1612) 164; vgl. noch 'nicht ainen stick, kainen stick, kainen sticken, kainen gestick sehen wie man auch sagt kainen stich ganz und gar nichts sehen' aus älterer sprache bei Schmeller-Fr. bair. 2, 727a; s. auch K. Reiser sagen des Allgäus 2, 738. — im nd. vgl.: syne ogen synt starblint, dat he nicht ein stick darmede sht quelle von 1561 bei Schiller-Lübben 4, 399a: man kan kinen stikk seen 'man kann nicht das geringste sehen oder pünktlich unterscheiden' brem.-nieders. wb. 4, 1021; Richey Hamburg. 291; man kann keen stick (sticken) sehn 'gar nichts' Mensing schlesw.-holst. 4, 842 und 844. — das nebeneinander von stich- und stick- findet sich auch in bedeutungsverwandten bildungen, in denen das erste glied meist nur steigernde function hat, wie stick(e, -en)-, stich(e)dunkel, stick-, stichdüster, stick-, stichfinster, stick-, stichnacht (s. diese unten an alphab. stelle), die z. t. dazu noch in austausch und mischung mit steck- und stock- auftreten, vgl. steck-, stockfinster, stockdunkel, auch vereinzeltes stechdüster Müller-Weitz Aachen 234. vgl. stick(en)blind, auch stick, adj., u. sp. 2731, sowie oben sp. 2674. A@5@cc) von der bedeutung 'kleinigkeit, etwas' ist ebenfalls auszugehen in einer reihe von fügungen, die, erst im 19. jh. aufkommend, eingeleitet sind mit ein stich ins bzw. von im sinne von 'ein anflug von'; gern bei farbbezeichnungen: die (leichen)blässe ... hat häufig einen stich in das grünliche, bläuliche, bräunliche Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 8, 1, 359; bei den Wakilema ... trafen deutsche reisende theils eine lichte negerfarbe mit einem stich ins bläuliche O. Peschel völkerkde (1874) 93; weingelbe körner mit einem stich ins rötliche Muspratt chemie (1891) 3, 1910; er war immer bleich, aber heute zeigte sein gelbliches blasz einen stich ins grünliche C. Viebig d. schlaf. heer (1904) 1, 234; ən štīek ent grȳən Leihener Cronenberg 116a; formal abweichend: eine weisze farbe mit gelblichem stich Muspratt chemie (1888) 2, 95; auch bei sonstigen eigenschaften, dann meist mit abfälligem beischmack: eine gute gemüthsart, ein bisserl still, mit einem stich ins altväterische M. v. Ebner - Eschenbach ges. schr. 4, 385; jeder wirkliche dichter hat einen stich ins krankhafte Liliencron s. w. 8, 5; er hatte immer etwas wunderliches gehabt ... mit einem stich ins hochmütige Frenssen Jörn Uhl (1902) 405; sein ständiges ironisches lächeln bekam einen deutlichen stich ins liebenswürdige H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 53; es war wohl ein närrischer einfall, aber sie haben nun einmal einen stich von gelehrsamkeit Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 19, 6; einen stich von narrheit L. Tieck schr. (1828) 17, 209; formal abweichend: wenn er einen findet, der etwas apartes an sich hat, etwa einen hieb aus dem narrenhaus, oder einen stich aus dem geisterreich, so freut er sich basz W. Hauff s. w. (1890) 2, 63. BB. stich erfährt um 1500 eine wesentliche ausdehnung seines bedeutungsumkreises; zu der alten, ererbten verwendung im ritterlich-militärischen sinne und ihren weiterbildungen zeigen sich in der folgezeit, parallel laufend, eine reihe gewerkwörtlicher anwendungen. stich meint dann schlechthin das einstechen eines gegenstandes in einen anderen, wobei von selbst jegliche gefühlswirkung ausscheidet und die mit stich von haus aus verbundene vorstellung des spitzigen, auf einen punkt gerichteten verschiedentlich zugunsten einer stichlinie oder sogar stichfläche verblaszt. B@11) beim nähen mit nadel und faden (zu stechen 1 h, teil 10, 2, sp. 1238). a) der einstich des schuhmachers, schneiders, stickers, sattlers in leder, stoff u. s. w.: keyn arbeit dett nie guot zur yl: den stich es nit wol lyden mag zwentzig par schuo, vff eynen tag S. Brant narr. 51 Zarncke; ir (die schneider) stechen manchen stich vmb sunst Eulenspiegel 79 ndr.; denn derselbe schneider dürffte sonst niemand keinen stich arbeiten Chr. Reuter Schelmuffsky 117 ndr.; und acht gesellen ward die arbeit angemessen: acht nadeln flogen schnell mit manchem flüchtgen stich Zachariä poet. schr. (1763) 1, 260; (Lydie) näht wie keine, stich für stich wie perlen, wie gestickt Göthe I 25, 103 W.; ich half ihr sticken, es ward recht gut, denn ich hab augenmaasz und mache die stiche sehr egal B. v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 14; die ... frauen wurden gerührt von diesen worten, wenn gleich Annele dabei die stiche an ihrer stickerei zählte B. Auerbach schr. 16, 104; über ihre arbeit gebeugt, als achte sie auf weiter nichts in dieser welt als die stiche ihrer nähnadel H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 133; auch vom wundennähen des arztes: du setzest den ersten puncten oder stich mitten inn die wunden ... vnnd lasz ye zwischen zweyen stichen ain spacium H. Braunschweig chirurgia (1539) 13b; nun wollte der arzt ihm das maul heften, und da derselbe schon drei stiche getan hatte, sagte der patient ... Göthe I 44, 23 W. groszer reichtum an sprichwörtlichen wendungen: weite stiche geben auch brot (sprechen die schneider) Petri der Teutschen weiszheit (1604) 2, A aa 1r; ähnlich: weit stich breng brûd, eng stich leidn nût Göpfert Erzgeb. 93; holstein. von minderwertiger näharbeit: se neiht all 5 foot 3 stich Mensing holstein. 4, 842; wann man nicht ein knopff an faden macht, so ist der erst stich verlohren Lehman floril. polit. (1662) 1, 23; wenn der schneider keinen knoten macht, so verliehret er alle stiche P. Winckler 2000 gutte gedancken (1685) h 12a; doch sind die junggesellenschafften auch stiche, die nicht lange hafften Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzhafte u. sat. ged. (1727) 1, 370; es ist drath und stich daran verloren, wo zu viele daran herumgeschustert haben W. Körte sprichwörter (1837) 69; eines stiches wegen kann ein schuh verloren gehen Düringsfeld sprichwörter (1875) 1, 394a; besondere arten von stichen in mannigfachen zusammensetzungen: spitzenstiche seynd allerhand künstliche und zarte stiche, womit das weibesvolck die blumen in den geneheten spitzen auszufüllen pfleget Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1889; stich, die art der fadenführung beim nähen und sticken, wie kreuzstich, plattstich (vgl. diese teil 5, 2199 und teil 7, 1915) usw. Bucher kunstgewerbe (1884) 383b; zahlreiche weitere ausdrücke bei Jacobsson 7, 448b, ebenso unter stichart. b) 'masche', nur mundartlich: Seiler Basel 278; e stech fale lossen bzw. ophièwen (aufheben) Gangler Luxemb. umgangssprache (1847) 430; luxemb. wb. 420b. B@22) in der metallschmelzerei (zu stechen 1 m, teil 10, 2, sp. 1241). a) das anstechen des schmelzofens: stich 'der actus, wenn der herd gestochen wird' A. v. Schönberg ausführl. berginform. (1693) 2, 132; 'die handlung, da das auge am vorherd ('das abfluszloch', s. auch stichauge) mit dem sticheisen aufgerennet wird, dasz die im flusz stehende und ausgearbeitete materie heraus flieszen kann' bergm. wb. (1778) 526; Jacobsson 4, 292b. b) stich 'das loch in der vorwand des schmelzofens, wodurch, wenn es angestochen wird, das geschmeltzte erz heraus läuft' bergm. wb. (1778) 526; Karmarsch-Heeren 8, 495. c) stich 'beim flammofen ... der raum, wohin das geschmolzene erz flieszt' Mothes baulex. 4, 272; man (kann) das metall durch einen canal (stich) ablassen Muspratt chemie 1, 1565. d) die herausflieszende schmelzmasse: stich ist was von den oberherde uff einmahl auszfleust G. Junghans gräublein ertz (1680) 4a; bergm. wb. (1778) 526. e) redensartl.: über den stich arbeiten ein bestimmtes schmelzverfahren (im gegensatz zum arbeiten vbern gang oder krummen ofen oder vbers höltzlein): zweyerley schmeltzen ... das erste heisset man ubern stich arbeyten, nemlich, wenn man die ertz oder schlich mit jhren gebürlichen zusetzen im schmeltzofen sich wol derarbeiten vnd ansieden lesset, vnnd öffnet darnach den ofen, oder sticht ein aug oder loch darein, das die angesottne materien herausz in das abgewermete spor fleusset Mathesius Sarepta (1571) 148a; die bleyertz die arm seind ..., seind gleich wol auch ... zu gut zu machen, aber nicht durchs gemeine schmeltzwerck, vbern stich vnd krummen ofen L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 116a; ähnlich: schmelzen auf dem stich ist vom schmelzen durch das auge nicht unterschieden G. R. Lichtenstein entdeckte geheimnisse (1778) 11. B@33) im weinhandel das anstechen des weinfasses zur weinprobe durch den weinstecher (s. d.): 5 D zuo stich und underkouff ('vermittlung') ... 4 D zuo stiche und zuo zolle (1456) rechnungen der s. Thomasfabrik bei Ch. Schmidt hist. els. wb. 340a; vgl. auch das allg. und häufig gebrauchte anstich (von wein- und bierfässern, vgl. teil 1, sp. 485). B@44) in kunst und kunstgewerbe das eingraben von zeichnungen (bilder, schrift, karten, noten) in metall (kupfer, stahl) oder stein, zu stechen 1 f, teil 10, 2, sp. 1233, im gegensatz zu dem bereits um 1500 weit verbreiteten verbum und dem schon bei Gryphius vorkommenden compos. kupferstich, vgl. teil 5, sp. 2769 (stahlstich taucht aus sachlichen gründen erst in den 20 er jahren des 19. jh. auf, teil 10, 2, sp. 584), erst seit dem 18. jh. zu belegen. a) die handlung des stechens, 'das stechen': die lords ... schenkten die ganzen unkosten des stichs zu gleichen theilen Cook und seinem vater G. Forster s. schr. (1843) 1, 5; in Winterthur ist mit dem stiche würklich der anfang gemacht worden Schubart br. 2, 140 Strausz; herr Schwerdgeburth ... übernähme wohl zeichnung ins kleine und stich Göthe IV 27, 69 W.; es sammelte sich ... eine colonie von künstlern für restauration, zeichnung und stich Justi Winckelmann 2, 1, 155; wenn ich zwar die veröffentlichung derselben (der karte von Rom) wünschte, so fehlen mir doch die mittel zu den nicht unbeträchtlichen kosten des stiches Moltke ges. schr. (1892) 1, 189. b) 'die einzelnen einschnitte des künstlers, in das kupfer mit dem grabstichel' Jacobsson 4, 292b. c) resultativ, das entstehende kunstwerk, 'der kupferstich, stahlstich' u. s. w.: (die) übereinstimmung der urkunde, mit diesen neuen stichen und abdrücken Gottsched anmuth. gelehrsamkeit (1751) 3, 408; mit den ersten schönsten abdrücken seines stichs (1770) Gerstenberg Hamb. n. ztg. 370 lit.-denkm.; ein kleiner stich wird davon ... in kurzem erscheinen W. v. Humboldt br. an Welcker 82; er heftet bald auf die nipse den blick, die tische und schränke ihm zieren, bald auf figuren und büsten und bald auf stiche und bücher Hebbel w. 8, 214 W.; Härtel, eine feinbesaitete künstlernatur ..., sammelte stiche nach Raphael G. Freytag ges. w. 1, 186; ein zweiter stich, der einen anderen, gröszeren teil des ganzen wiedergiebt, ist von Agostino Veneziano Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 253; eine zwanglose zusammenkunft, bei der man erzählte, vorlas oder stiche und skizzen betrachtete W. v. Scholz erzählungen (1924) 293. d) feste wendung im stich 'gestochen': ebenso ist meine aufnahme der Dardanellen und von Konstantinopel und dem Bosporus im stich erschienen Moltke ges. schr. (1892) 1, 23; Julius Thaeter, welcher Schwinds schöpfungen mit mustergiltiger pietät im stich reproducirte jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 6, 228. e) 'art zu stechen': an einem accuraten und saubern stiche der kupferplatten ... sollen weder fleisz noch kosten gesparet werden Gottsched anmuth. gelehrs. (1751) 9, 128; die figuren sind sehr charakteristisch und der stich in allen details sehr ausführlich Göthe I 47, 357 W.; der kupferstecher hat einen schönen stich Jacobsson 4, 293a. B@55) das stechen mit dem spaten, so das abstechen von torf, rasen u. s. w. (zu stechen 16, teil 10, 2, sp. 1266): bei dem senkrechten stiche steht der arbeiter auf der abzustechenden fläche Karmarsch-Heeren 9, 515; vgl. torfstich 11, 1, 1, 890. insonderheit der einzelne stich mit dem spaten: letzterer hat bei seinem aufenthalt in Griechenland persönlich zu dem kanal den ersten stich getan Mommsen m. gesch. (1894) 5, 270; vgl. auch 6 e. s. auch spatenstich (teil 10, 1, sp. 1994). B@66) bei verschiedenen handwerklichen und gewerblichen betätigungen ein durch kerbe oder einschnitt bewirktes merkzeichen oder eine durch bestimmte bei der tätigkeit des stechens gefundene abstände festgelegte maszeinheit. a) bei tischlern und zimmerleuten: stich zeichen, kerbschnitt auf bauhölzern zu verschiedenem zweck Jacobsson 4, 292b; stiche die kerben, die das bauholz erhält zur festlegung, wie tief der span mit der axt weggehauen werden soll, im abstande von etwa 2 fusz, s. ebda 4, 293a; Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 800. b) bei den gerbern: merkzeichen an häuten (1611 und 1710) Unger-Khull steir. 576. c) eichzeichen an maszgefäszen: esz sollen das gewicht auch metzen elln öel- meel- und weinmasz zu allen zeiten an der schwer, stich und fach zapfen gerecht sein (1658-1678) österr. weist. 8, 263, 18. d) im mühlenbau: 'bei den stirnrädern ... die entfernung von der mitte des einen zahns und kammes zum andern' Jacobsson technol. wb. 7, 448b; Benzler deichbau (1792) 2, 190. e) bei erdarbeiten 'tiefe eines spatenstichs': (zum bau der wasserklause muszte man) in die neun hundert stiche tief mit grabscheitern ausgraben ins erdreich S. Hüttel chron. d. st. Trautenau 185 (nach 1578); wie sie nun an den bestimmten ort kamen, fanden sie drey stiche tief die erde aus gegraben Lohenstein Arminius (1689) 29a; stich heiszet im teich- und gartenbau die tiefen von einer halben elle Zincke öc. lex. (1753) 2, 2820; der sehr niedrige wasserstand ... erlaubt den neuen durchstich über der rasenmühle noch um einige stiche auszuheben (1790) Göthe IV 9, 228 W.; man nehme von dem akker einen stich erde d. schles. landwirth (1771) 2, 12. f) in der näherei ist stich 'die entfernung zweier stiche voneinander, bes. bei den schustern, wo die 26 kleinen abteilungen an der maszlade stich heiszen. jeder stich hält 3 linien' Adelung 4, 366. B@77) in jägerei und fleischerei seit der reformationszeit in mehreren verwendungen belegt, die jedoch höherer diction fremd geblieben sind und sich auf den umkreis der fach- und berufssprache wie der mundart beschränkt haben. a) 'abstich, schlachtung von vieh' (zu stechen 1 d α, teil 10, 2, sp. 1229), wobei trotz des lebenden objektes das agressivfeindliche der handlung völlig fehlt: drumb hab ich zum stich behalten dise sau für mich Fischart jesuiterhütlein 249 Hauffen; (es) werden denen hieszigen flaischhackern ieden dreiszig stuck schaff zue ihrem stich, aber nicht zum widerverkauf ... zu halten erlaubt (1701) öst. weist. 8, 860, 6; item was vichs durch kot getriben wirdet, das an den stiech gen Nurnberg nicht gehört, daz tzollet der herschaft in obgeschribner massen (1441) mon. Boica 47 (n. f. 1) 411. b) vertiefungen an der brust von wild und schlachtvieh, wo beim töten der einstich gemacht wird: foramen per quod animal necatum est Frisch (1741) 334; de stek 'heisset bey uns an den schweinen das stück unter dem halse und zwischen den kinnbacken, durch welches das schwein abgestochen ist' Richey idiot. Hamb. (1743) 290; v. Thüngen waidm. pract. (1838) 310; Hartig lex. f. jäger (1861) 502. 'der gewöhnliche zielpunkt bei einem schusz von vorn, daher die benennung stichschusz (s. d. 1), auf den stich schieszen' Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 5, 699. c) das diesen stichstellen entnommene, wegen seiner güte bes. beliebte, vorzugsweise zur wurstbereitung verwendete fleisch: wa ain ieder metziger den stich von dem vieh will verkaufen und hingeben, so sol er den ainem nachparn zu s. Laurentzen oder ainem gerichtsman geben (1509) öst. weist. 5, 456, 18; weiter so schneidet man den stich, das ist, das weiche bauchfleisch ziehmlich breit drausz, (doch also, dasz die speckseiten nicht zu sehr diminuiret werden) denn der stich er orniret die würste wurstologia (1690) 89; 'der stich oder das brustfleisch ist jener theil am halse des ochsen, wo er gestochen wird, und eines der beszten stücke' Popowitsch versuch (1780) 420; bezeichnung für eine rindfleischsorte Unger-Khull steir. 576a; 'kehlstück geschlachteter tiere' Hertel Thür. 235; stek 'fettes fleisch' Schumann Lübeck 64; Frederking Hahlen b. Minden 30; 'lunge und leber eines geschlachteten tieres' Follmann lothring. 498a. d) das geschlachtete oder zu schlachtende tier als ganzes: deszgleichen soll kein meinster (gerbermeister) keinen stich umb yemant, der mit selbgestochem viche umbgat, nit kauffen (1514) Wibel hohenlob. kirchenhist. 3, 279; das kein gerwer keinen stich (gegens.: was einer in sin huse schlachte) sol koufen (1454) viertelj.-hefte f. württ. gesch., n. f. 26, 137; solle kein rothgerber, kirschner ... keinen stich noch eine haut auff dem rind kauffen (1718) Reyscher württ. ges. 13, 1108. B@88) kaufmänn. 'tauschgeschäft' (zu stechen 12, teil 10, 2, sp. 1263; ital. baratto (vgl.parat teil 7, sp. 1459 sowie borati oder stich Petzensteiner rechng. i. mancherley weys [1483] c. 15), bei dem, vielleicht unter nachklingen turniermäszigen sichmessens im speerkampf, beide partner die gegenseitig zu tauschende ware erlaubtermaszen zu einem fiktiven überwert ansetzen und sich gewissermaszen zu übertrumpfen suchen. vereinzelt schon im 13. jh.: swaz man an wine git oder an saltze mit stichen (1276) Augsburger stadtb. 69 Meyer; ende 15. und im 16. jh., parallel dem aufblühen des deutsch-ital. handelslebens, sehr verbreitet (in hansischen urkunden fehlend): (die richter) habenn vor recht ausgesprochenn, das Michel von der Wyll Jurghe Bern dyenere dy wachs, umb dy eyn redelicher stich czwyschen ynen gescheen ist ... sal czum dritten tag lassen folgenn (1501) stadtb. v. Posen 1, 295 Warschauer; waz du koufst oder verkoufst zu Jenua, zalt man dem underkaffl (makler) von den koufen 1 den. per ℔ de valuta; es trifft ain stich 2 D per ℔ de valuta, ist ⅚ tail per cento (1506) K. O. Müller welthandelsbräuche 179; jedoch auch schon früh in abschätzigem sinne: ich findt wol ein, der wuochert gern, so hab er leider nit die summ, das er zuom iudenspieszlin (wucher) kumm; noch facht er an ein fürkouff tryben, do by der arm man muosz belyben, vnd macht ein thürung in dem landt ... zuo Franckfurt heissents wir: den stich (1512) Murner narrenbeschw. 67, 37 ndr. auf die verworrenen wert- und rechenverhältnisse dieser geschäftspraxis nehmen mannigfache praktische beispiele in den mathematikbüchern des 16. jh. bezug: einer hat pfeffer, wil setzen 1 cc am stich umb 33 fl., des wil er verstechen J. Albrecht rechenbüchlein (1534) q 1a; ähnliches bei A. Riese, der im rechenbuch auff linien und ziphren (1581) 56 ein ganzes kapitel 'vom stich' bringt. im 17. jh. seltener: weilen sie auch nur durch die enge des meers von Hispanien gescheiden, (haben sie) flugs jhre sachen durch den stich oder tausch mit einander verhandelt W. v. Kalchus Sallust (1629) 125; aufgeführt bei Zehner nomencl. (1645) 415; Calvisius (1666) 648; ausführliche darlegung des gebahrens bei Marperger kaufm.-magazin (1708) 1260. — feste wendungen: im (auf dem, den) stich handeln negotiare à scambio, trafficare à baratto, à trocco etc. Kramer 2 (1702) 920a; darumb auch bey dem gemain man (in Ruszland, beim handel) das golld in khainer achtperkhait, sonnder alles auff den stich vnnd tausch (gehandelt wird) (1517) fontes rer. austriac. 1, 1, 117; stich um stich 'ware gegen ware, zug um zug': ein kauffmann ausz dem Niderland war weit berümpt vnd wol bekant ... in aller wahr gab stich vmb stich B. Waldis Esopus 2, 153 Kurz; sämtl. notiert bei Adelung 4, 366. vgl. auch die zusammensetzungen stichgeschäft, stichhandel, stichkauf, stichrechnung. zu beachten sind im übrigen die in ähnlicher verwendung hauptsächlich im südwesten des sprachgebietes geltenden verben stechen (s. d. 12, teil 10, 2, sp. 1263) und verstechen (s. d. B 1, teil 12, 1, 2, sp. 1636) sowie die den osten beherrschenden 2stutzen (teil 10, 4, sp. 768) und verstutzen (s. d. 2, teil 12, 1, 2, sp. 1821). B@99) als mengenangabe: 1 stich hammelfelle '300-500 stück' (ca. 1800) Fischer schwäb. 5, 1750; vgl. dazu auch 3 stich tischtücher, 2 stich handzwelen Nördl. inv. (1612) bei Fischer schwäb. 6, 3206. hergehörig? B@1010) in der teichwirtschaft ist stich ein am boden des teiches ausgestochenes loch, in dem sich beim ablassen des wassers sowie im winter die fische sammeln; zeugnisse erst seit dem 18. jh., fast nur lexikalisch, s. allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 420; Jacobsson 4, 292b und 7, 449a; Adelung 4, 365 unterscheidet je nach grösze hauptstich und beystiche; Mothes ill. baulex. 4, 272; nd.: van den affgelopenen sanden halen se vele vische in den rusen, stecken, fletien usw. Neocorus chron. d. landes Dithmarschen 1, 222 Dahlmann. B@1111) mineral. 'durchlaufende weiche schicht im stein'; jung bezeugt, meist fachsprachlich und mundartlich: im trockenwerden unterlag er (der baumstamm aus der steinkohlengrube) den gesetzen der mineralischen natur, indem er durch verschieden durchgehende stiche sich in mehrere theile trennte Göthe IV 17, 70 W.; lux. wb. 420b; stich ist ein sprung im stein, welcher perpendiculär durch den felsen von oben herab läuft J. M. Schottky bilder a. d. süddt. Alpenwelt (1834) 274; die stuffe musz schunt en stich gehabt ham Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. wb. 2, 562b; mit kalkspat und quarz ausgefüllte stiche heiszen floszstiche Eug. Weisz steinmetzarbeit u. steinmetzgeist (1927) 113. B@1212) seemännisch. a) eine bestimmte art von knoten, bei dem das tauende durch den ring hindurchgesteckt (gestochen) wird; schon früh belegt: so behende ist ir (der dreifaltigkeit) bunt und ir ewiclicher strik daz da nimand einen stik, kan ir vinden nach ir sehn in der drier sunnen bren Tilo v. Kulm 7 ingesigel 3058; einen stich schlingen, dasz er nicht aufgehe M. Kramer 2 (1702) 585b; Hoyer-Kreuter 1, 728; vielfach in zusammensetzungen: ein einziger kettenstich, wodurch man einen knüppel in einem taue befestigen kann, indem man denselben durch die bucht ('biegung') sticht Hübner zeitungslex. 4 (1828) 413a; der ankerstich 'der knoten, welcher das tau im ankerauge befestigt' Soltau ergänzg. (1806) 72b; ebda an weiteren knotenarten: fischerstich, maulstich, zimmerstich. b) vereinzelt als subst. bildung zu stechen 10 a (teil 10, 2, sp. 1261): anbey thaten wir manchen stich in die see 'stachen in see' Schnabel insel Felsenburg 53, 15 Ullrich; verwandt damit irgendwo hin ein stich ('abstecher') machen Schöpf tirol. 709. CC. mit stich gebildete formelhafte verbale wendungen, die, teilweise sehr weit verbreitet, die ursprünglich zugrunde liegende vorstellung nicht immer eindeutig erkennen lassen und deren anwendungsbereich teilweise mehrere sparten von A und B begreift. C@11) stich halten 'stand halten, sich als zuverlässig erweisen'; ursprünglich mit bestimmtem artikel, so bei Luther und im ganzen 16./17. jh. sehr beliebt, vereinzelt ins 18. jh. hinein reichend, seit ende des 17. jh. allmählich abgelöst durch die artikellose form, die sich im 18. jh., gepflegt durch Lessing, Kant, Herder, Göthe, allein durchsetzt und den gebrauch bis zur gegenwart beherrscht. der ursprung wurde von P. Pietsch zeitschr. f. dt. wortforschg. 1 (1901) 29 in anlehnung an Frisch (1741) 334a: das hält nicht stich jam tenuis texturae est ut non consui possit, non satis forte est, non diu durat im bedeutungskomplex 'näherei' (s. o. B 1), von Fr. Bothe zeitschr. f. d. dt. unterr. 16 (1902) 570 beim kartenspiel ('den stich behalten, fest halten', vgl.A 1 c) gesucht. doch weisen die ältesten erreichbaren belege, doppelformeln im muster von A 1 a, unstreitig auf herleitung aus dem waffenhandwerk, obwohl die klassische ritterliche literatur des hohen mittelalters die wendung noch nicht kennt; noch deutlich im kämpferischen sinne gebraucht: also helt dieser glaube den puff und stich nicht Luther 16, 234, 17 W.; derhalb das buch den stich nicht halten würde, so es solt von den widersachern angefochten werden Luther (Jena 1563) 2, 279a; auch später kehrt das bild des gefechtes ständig wieder: aber Heydeck das hielt den stich und ergab sich nit Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 30 Bieling; vnd muste die einige besatzunge allezeit fort vnd fort stich halten M. C. Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 2 k 1b; es finden sich viel freunde wol, aber den stich ihr weinig halten in gefahr Hollonius freimut (1603) C 1; die spanischen reuter wichen hinter sich, das fuszvolk hielt noch lang den stich, auf sie wurd hart geschossen Opel-Cohn ged. d. 30 jähr. kr. 155; wolten auch nicht lange stich halten, als der könig das schlosz Clempenow aufforderte Micrälius altes Pommerland (1640) 5, 280; in neuerer zeit: jetzt hör storrischer, halte mir stich R. Wagner ges. schr. (1897) 5, 224; aber (die Stedinger) hielten stich (gegen bischof und junker) W. Schäfer d. 13 bücher v. d. seele (1925) 102; von geistigem gesagt: der ritter, dem ein so aufmerksamer zuhörer etwas seltenes war, hielt tapfer stich, und focht nach allen seiten in einem wunderlichen chaos von sinn und unsinn Eichendorff s. w. 2, 119. daneben bald, jedoch selten, beziehung auf näharbeit: im glück ists (die weltweisheit) starck, im vnglück reiszt allzeit ausz, helt keinen stich siech, vnd ist auff allen seiten schwach (1542) B. Waldis streitged. geg. herzog Heinrich 30 ndr. (auszreiszen hier noch 'evellere', die bedeutung 'discedere' erscheint erst im 18. jh., vgl. teil 1, sp. 932); narrenhaut helt keinen stich, sie ist vngeflicket Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, P p 8r; ähnlich Lehman floril. polit. (1662) 1, 491; das oberleder hält den stich nicht mehr Kramer 2 (1702) 920a; spät bei Eichendorff: heftet jedem ein kreuz an, der begeistert wird. aber ihre wämser halten keinen stich mehr s. w. (1864) 4, 382. hierher die zeitweise beliebte formel stich und farbe halten: solche rede (wird) vil weniger den stich und die farbe halten J. Eysenberg d. heilig brotkorb (1584) 26; der weiber leichter sinn hält uns gar selten stich und farbe J. Chr. Günther ged. (1735) 971; im laden zeigte sich Meyeli sehr verständig, wuszte was farbe hielt und stich J. Gotthelf Anne Bäbit (1921) 2, 72; verwandt wohl: einfältig, alber, verlogen zeug ..., das weder grund (im sinne von farbe) noch stich hält J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, vorr. a 4a. seit Mathesius anklänge an bergmännische und goldarbeitergebräuche in formeln wie strich und stich halten 'metallprüfung mit dem probierstein' (s. d., teil 7, sp. 2153): das solches alles (die werkheiligkeit) in todesnöten und hellenangst weder strich noch stich halten ... kondte Luther (1583) 186a; ähnlich Sarepta (1571) 51b; auff das er (gott) erfahren möge, ob wir auch rein, lauter vnd fein ... gold vnd silber sein, vnd den stich vnd striech in seinem probierofen vnd werckstadt halten wollen vnd können Syrach (1586) 8b; auch stich und probe: so hielt er (der messingring) doch gewiszlich sich im feur die probe oder stich Fr. Omech Dionysius (1578) g 7b; du kriegst und mimmst kein lumpengeld, das weder stich noch probe hält Stoppe Parnasz (1735) 63; auch stich einzeln in ähnlichem zusammenhang: gleichet man meine liebe falschem golde, welches nicht den stich hält Lohenstein Arminius (1689) 2, 155a; dreiteilig: das sie nicht dem goldschmid von Syracusa folgen, vnnd arbeyten, das es strich, stich vnd probe helt Mathesius w. 2, 189 Lösche; sprichwörtl.: wer arbeitet, dasz es stich, strich vnd prob helt, der gedeyet Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, D dd 8v; mit übertragung der bergmänn. formel auf farbe: da hat sein geschweder (geschwätz) zwar ein wenig scheins und farb, welches aber doch den streich und stich nit held 'einer prüfung nicht stand hält' G. Nigrinus papist. inquis. (1582) b 6b; obscöner einschlag: sie merkte bald die kreyd und nahm ihn ein zu sich, das bett auff einen mann gemacht, hielt nicht den stich, als hie der dritte kam, die last würd ihm zu schwer, es bog sich ziemlich ein und wakkelt hin und her (1660) C. Stieler geharn. Venus 121 ndr. schon früh neigung zu übertragung auf abstrakte subjekte, diese verwendung ist heute herrschend: diese meinung oder deutung ist hie zu schwach und helt den stich nicht Luther 20, 357, 9 W.; nicht pracht noch hoheit hält den stich, verhängnis herrscht in allen dingen S. Dach ged. 208 lit. ver.; da ... andere rationes den stich nicht halten wolten, muste die unvermeidliche noth das beste thun v. Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 296; denn keine festigkeit hält widern tod den stich Lohenstein Arminius (1689) 2, 871a; dergleichen beweismittel halten den stich nicht Leibniz dt. schr. 2, 250 Guhrauer; du hast mir daher einige deiner gründe angeführt, von denen aber keiner stich zu halten schien, als der letzte Lessing 20, 145 Muncker; ob mein principium stich hält Göthe I 32, 81 W.; betrügerei besteht nicht, doppelte lehre hält nie stich Herder 10, 365 S.; ein armseliger behelf, der nicht stich hält Kant w. (1838) 6, 169; und in dem brausen toben sich die wilden hefen aus; der echte geist, er hält den stich und triumphiert im strausz W. Müller ged. (1868) 2, 48; ich ging in tausend vermuthungen ein, und keine hielt mir stich Stifter briefw. 3, 53 (1837); zur zeit Cäsars, als keine religion mehr stich hielt Laube ges. schr. 1, 399; in doppelformel: dasz die idylle bey näherer betrachtung stand und stich hält, freut mich sehr Göthe IV 11, 106 W. sprichwörtlich: der gedult sig helt alleyn den stich S. Franck sprichwörter (1545) 1, 53a; die vnschuld halt den stich sprichwörter (1548) 151b; gerade zu vnd einfeltig bey gottes wort geblieben, das helt den stich Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, c 4v; die lügen halten endlich den stich nicht Kramer 2 (1702) 920a. in überschiebung mit schritt: ich fühlte mich meinen gespielen ebenbürtig und konnte mit ihnen stich halten 'schritt halten, konkurrieren, gewachsen sein' Hoffmann v. Fallersleben leben 1, 6; unpersönlich: (einige waren) verdrieszlich darüber geworden, dasz es mit der heraldik auf einmal so zur endschaft gekommen sei. ob es ihnen nun gleich viele der ihrigen widerrieten, weil es ja ohnedas mit dieser wissenschaft überlange stich gehalten hätte ('gedauert, sie sich als widerstandsfähig erwiesen') Klopstock w. 12, 330. C@22) im stiche lassen. vereinzeltes auftreten schon ende des 15. jh., im 16. jh. nur schwache spuren, starke zunahme im 17. jh., seitdem reich gebraucht in allen sprachschichten. Pietsch zeitschr. f. dt. wortf. 1 (1901) 29 denkt betr. der herleitung an Luther 7, 277, 6 W.: die weil ich sihe, das du deyne seele daran setzen wilt, und wie ein tzornige bien das leben ym stich lassen; ähnlich schon vorher: du (die biene) solt dar an benügig syn, welher zuo dem binkar komet das honig zu niemen, stichest du in und laszest den angel in dem stich, daz du als balde sterbest, und daz der angel dyn leben sye (1477) Stainhöwel Äsop 254 lit. ver.; doch sind beide stellen, da sie jeweils einen ganz konkreten fall behandeln, als ausgangspunkt für eine so weitverbreitete und abgeblaszte redensart kaum glaublich. weitere, aber zweifelhafte herleitungsversuche bei Müller-Fraureuth wb. 2, 563a und Follmann lothring. 498a. da bereits in den ältesten zeugnissen die bedeutung 'jemanden in der gefahr allein lassen' auftritt, anders gerichtete verwendungen jedoch erst im 17. jh. erscheinen, ist auch hier ursprung im ritterlichen kampfleben wahrscheinlich, wobei, etwa im massenturnier, ein kämpfer die genossen verläszt, die nun 'im stich' (des feindes) bleiben (vgl. auch lassen 11 a, teil 6, sp. 226). mehrere einzelbedeutungen: C@2@aa) 'jemanden in gefahr verlassen', von personen: (dasz er) nicht als ein forchtsamer ungetrewer miedling das refugium neme, unnd seine arme wehrlose schefflein im stiche lasse J. Pomarius grosse postilla (1590) 1, 450a; (er) liesz (hauptmann Ludwig) Lodron mit vilen redlichen kriegsleuten im stich Stumpf Schweizerchronik (1606) 23a; so kan der eine mit gutem gewissen nicht entlauffen, sein leben zu retten, und den andern in dem stiche lassen Harsdörffer frauenz.-gesprächspiele (1641) 8, 366; wohl mit anklingen an A 1 d: meine freunde seynd vnder dem zaichen desz scorpions, sie lassen mich alle im stich Abr. a s. Clara Judas der ertzschelm (1686) 1, 337; einen freund im stich lassen lasciar' un amico in abbandono M. Kramer 2 (1702) 920a; der fremden helfer schaar, an statt ihm beyzustehn, dein volk im stiche läszt J. U. v. König ged. (1745) 17; ein könig, der die helfer im stiche läszt Görres ges. briefe (1858) 3, 31; der (monarch) hatte am tage nach dem kronrat den kriegsminister mit geballter faust empfangen, weil er ihn im stich gelassen habe K. A. v. Müller aufs. u. vortr. (1926) 227; der himmel läszt die seinen nicht im stich Kortum Jobsiade (1799) 3, 108; der liebe jott hat mir noch niemals im stich gelassen G. Hauptmann eins. menschen (1891) 24; seit dem 18. jh. gern mit abstraktem subjekt: die fassung schien uns beyde im stich zu lassen G. Th. v. Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 443; wenn ich, da das gesetz im stich mich läszt, philosophie zu hilfe nehmen soll H. v. Kleist 1, 382 E. Schmidt; dasz die überlieferung uns eben hier im stich läszt Mommsen m. gesch. (1856) 1, 86; sein gedächtnisz, das ihn (Mozart) freilich nie im stich liesz O. Jahn Mozart (1856) 3, 217; ein fall, in dem den alten herrn seine erfahrung im stiche liesz O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 346; wie wir, wenn uns die begriffe im stiche lassen, immer wieder zur anschauung unsere zuflucht nehmen müssen E. Jünger d. abenteuerl. herz (1929) 107. C@2@bb) 'etw. hinter sich lassen, aufgeben, auf etw. verzichten', seit dem 17. jh.: (er) gibt fewer, laufft vnd lest den drachen im stiche (1613) M. Rinckhart christl. ritter 57 ndr.; wie nun die Crabaten das vieh im stiche lieszen, vnd die flucht nahmen v. Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 88; jedoch liesz er ... den schild nicht im stiche Lohenstein Arminius (1689) 1, 410a; wie es offt die noth in feuersbrunst erfordert, da man wohl gar nackend entfliehen, und alles im stiche lassen musz J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 2, 162; so wird sie ... alles im stiche lassen, um dir zu folgen Wieland Lucian (1788) 2, 142; ich will gern mein trinkgeld im stiche lassen Lessing 2, 164, 27 Muncker; nehmen sie doch hier das ringelchen. den meinen will ich gern im stich lassen Iffland theatr. w. (1827) 4, 311; ich ... liesz die kleineren forderungen im stich A. v. Arnim s. w. 2, 139 G.; pfarrer David Huber bat den kurfürsten um interzession ..., damit er nachträglich seinen wohlverdienten lohn ... sowie seine alten hinterstelligen reste und getreideschulden erhalte, die er bei seiner eilfertigen flucht im stiche gelassen hatte Palm verhandl. d. schles. fürsten u. stände 7 (1905) 154. sprichwörter: es ist besser den sattel, als das pferd im stiche gelassen P. Winckler 2000 gute gedancken (1685) d 3r; ähnlich Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 29; seltenes subst. instichlassung: der kauff- und handelsmann lauffet über meer, und ersauffet oft manchesmal mit leib, ehr, haab, gut und blut, mit zugleich instichlassung seiner edlen seele M. Abele v. Lilienberg künstl. unordnung (1673) 4, 128. C@2@cc) vereinzelte besondere bedeutungen und konstruktionen: ein gut theil ihrer pagage den königl. schwedischen zur beute, vnd im stich hinterlassend v. Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 51; eigenwillig mit gen.-attr.: er musz (mitgehen)! rief Theodor, oder ich lasz ihn im stich der gothischen, oder, wie er will, altdeutschen spitzgewölbe Tieck schr. 4, 21; man kann in passagen etliche noten im stich lassen ('weglassen') ohne dasz es jemand merkt O. Jahn Mozart (1856) 4, 6; komm! komm! ich lasse dich mit ihr im stich ('allein') Göthe I 14, 238 W. C@33) neben das ungemein zahlreich gebrauchte, transitiv gerichtete im stich lassen stellen sich, teilweise nur spärlich belegt, eine reihe von abstrakteren, gar nicht mehr sinnlich empfundenen intransitiven wendungen, sämtlich in der bedeutung 'verloren gehen, verloren sein'. C@3@aa) im stich bleiben. im späten 16. jh. beginnend, im 17. jh. weit verbreitet (hauptsächlich Schlesien, Kursachsen, Oberrhein), um die mitte des 18. jh. eingegangen: aber der elende herr Fridrich Krekwitz ... blieb im stich, wardt in die eisen geschlagen R. Lubenau beschr. d. reisen 2, 49 (nach 1573); war täglichen ein gefresse, saufen und spielen ..., dadurch blieben die tausend kronen im stiche, bis ungefährlichen auf 120 kronen H. v. Schweinichen denkw. 91 Öst.; die gute gansz nun tauret mich, dasz sie ist blieben in dem stich: vnd komen in so grosz gefahr (1607) W. Spangenberg ausgew. dichtg. 111 Martin; dasz das jungfrawkrentzlein drüber in stich bleibe J. Sommer ethographia mundi (1609) e 5a; es were jhm auch in Brasilia ... drei barquetten, beneben vielem volck im stich blieben J. Ph. Abelin historia antipodum (1631) 514; sein scepter sampt den breiten hut, was sein war blieb im stiche G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 46; mein ancker bleibt im stich im bodenlosen grund P. Fleming teutsche poem. (1642) 145; erwähnt bei Schottel (1663) 118; bei solchen spielen (mit der spielkugel im ballhause) verleuret man allezeit, denn die ruhe des gemüthes bleibet im stich Chr. v. Ryssel seelenfriede (1685) 689; (er wehrte sich so tapfer, dasz er) dem Mindlegeri mit einer so groszen kugel so nahe kam, dasz ein stück von seinem rocke im stiche bliebe A. Olearius pers. reisebeschr. (1696) 183a; womit denn gedachtes regiment mehrentheils im stiche geblieben und kaum 120 mann das leben behalten schles. Robinson (1723) 1, 46; spätes neuerliches zurückgreifen auf ein turnier: il y en demeure toujours quelqu'un sur la place; il y en a toujours quelqu'un qui y perd la vie es bleibt immer einer oder der andere im stich, oder auf dem platz des Pepliers nouv. et parf. grammaire roy. franç. et allem. (1736) 162. C@3@bb) in stich gehen 'verloren gehen'; ganz selten, 17. jh.: wer auf credit verkaufft, der hat guten vertrieb, aber sein gut gehet in stich Lehman floril. polit. (1662) 1, 449. C@3@cc) ebenfalls vereinzelt im stich seyn sub cultro esse, inter factum et saxum relinqui Dentzler clavis (1716) 275b. C@44) ebenfalls anschlieszend an C 2 im stich sitzen (stehen) lassen 'verlassen', selten, 16./17. jh.: wenn es aber zum treffen komen solte, so würde es sich denn wol ausweisen, weme dieselbigen am meisten zugethan, freilich würden sie sich als denn entweder davon machen, vnd uns im stich stehen lassen, oder sich doch gewislichen zu den feinden schlagen C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 198b; dann werden auszgestellt zu aller menschen hassen die die religion im stiche sitzen lassen Opitz trostged. (1690) 3, 309. C@55) (sich) in den stich geben 'sich in gefahr begeben, jemanden in gefahr bringen, überantworten' (zu C 2), selten, nur 16. jh.: ich baw hie mit disem buch der deutschen sprichwortter auch am wege, darumb wird ich mich müssen inn stich geben ('mit der gefährlichen situation abfinden'), dasz disen fleisz vil leutte taddeln werden J. Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) p 2a; und o dasz Junonis gütte mich vor einem trantsch (s. d. 3) behütte, geb auch der mich nicht in stich die mit list ist über mich Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 1, 561. C@66) in den stich setzen, seit dem 16. jh. in mehreren z. t. ineinander flieszenden verwendungen auftretend, zu ende des 17. jh. wieder eingegangen. C@6@aa) bedeutungsmäszig zu B 8 'beim stichgeschäft übervorteilen', dann auch 'betrügen' schlechthin: dasz ihn auch die straszreuber fangen und ihm seinen geldtseckel strelen odr die dieb einbrechen und stehlen oder von seins gleichen verlogen, vervortheilt, arglistig betrogen, mit käuffen in den stich ihn setzen H. Sachs 16, 482, 11 lit. ver.; der bueb hat sie iez etlichmal in stich gesetzt und die unwarheit fürgeben Zimm. chron. 2, 593, 10 Barack; (sie) mainen, gleich wie die menschen mit jren zusagungen zu ruck lauffen, also werde vns die himlische oder euangelische verheiszung auch in den stich setzen Gretter erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 291. C@6@bb) zu C 2 a 'in gefahr verlassen': entloffen bist (der pfalzgraf Friedrich) elendiglich, hast land und leut gesetzt in stich (1621) Opel-Cohn ged. d. 30 jähr. krieges 137; er schätze es für grausamkeit seinem hause abbruch thun (wenn er schon sein vaterland darüber in stich setze) Lohenstein Arminius (1689) 1, 397b. C@6@cc) vielleicht anklingend an A 1 c 'aufs spiel setzen': ich hab noch gelt für mich und dich, das setz ich als zumal in stich (1540) Wickram w. 5, 165 lit. ver.; bei der mürrschen (frau) setzet ich klugheit und verstand in stich Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 1, 562; soldaten, die neben andern vnthaten, noch ihr leib und seel in stich setzen Dannhawer catechismusmilch (1657) 3, 367; er wolle sein ansehen, so er durch vil zeit vnd fleisz erworben, mit einer vnzeitigen antwort nicht in stich setzen Lehman floril. polit. (1662) 1, 71; um ein paar lorbeerzweige ... haben so viel helden ... ihr leben in stich gesätzt Lohenstein Arminius (1689) 2, 965a. C@77) im stich sitzen, zu stechen 15 'eine flasche stechen, einer flasche den hals brechen', über die herleitung vom zechturnier sieh teil 10, 2, sp. 1266; vgl. auch eine flasche ausstechen bei ausstechen 4 (teil 1, sp. 984); 16. jh.: Heinrich und ... Lorentz saszen schon im stich, fiengen an von dem weinkauff zu handeln Wickram w. 2, 246 lit. ver.; das ist dann ein grosse ehr, wer eh feirabent macht, vnd den wuost heraus thuot (im gelage), der ist sammer bocks marter ein guot gesel, seines leibs ein held, er darff doch in stich sitzen, vnd einem guoten gesellen vnd weinhelden eines gewarten S. Franck sprichw. (1541) 2, 148b; sy sitzt im stich by guottem wyn schweiz. schausp. d. 16. jh. 2, 277 Bächtold.
96246 Zeichen · 1984 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stichstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    stich stm. 1. stich. ahd. stih Graff 6,637. neweder slac noch stich kchron. D. 151,1. hie slac, dâ stich Iw. 142. mit ma…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    stichm.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ° ~stich, m. , Mittelweg (Aeg. Rom. 39). —

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stích

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    Der Stích , des -es, plur. die -e, Diminut. das Stichlein, von dem Zeitworte stechen. 1. So fern dasselbe eine schnelle …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stich

    Goethe-Wörterbuch

    Stich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stich

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +3 Parallelbelege

    Stich ( Pfeil ), die Höhe des Scheitels eines Bogens über der Fußlinie (s. Bogen , S. 137).

  6. modern
    Dialekt
    Stich

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Stich [ʿStì S.; ʿStìχ u. ʿSteχ allg.; Pl. ebs. ] m. 1. Stichwunde. Ër het im Händ e l e S. in de n Kopf bekumme n Bf. ʿ…

  7. Sprichwörter
    Stich

    Wander (Sprichwörter)

    Stich 1. Alle Stich zieh' ich, sagt der Schuster, und das muss halten. – Frischbier 2 , 3626. 2. Da geschieht auch der e…

  8. Spezial
    Stich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stich m. (-[e]s,-e) 1 (stechender Schmerz) ficiada (-des) f. , spunt (-nc) m. 2 (Stoß) ficiada (-des) f. 3 (Stechen) fic…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stich

855 Bildungen · 444 Erstglied · 403 Zweitglied · 8 Ableitungen

stich‑ als Erstglied (30 von 444)

Stichbalken

SHW

Stich-balken Band 5, Spalte 1409-1410

Stichbrühe

SHW

Stich-brühe Band 5, Spalte 1409-1410

stichdunkel

SHW

stich-dunkel Band 5, Spalte 1409-1410

stichfett

SHW

stich-fett Band 5, Spalte 1411-1412

Stichflamme

SHW

Stich-flamme Band 5, Spalte 1411-1412

Stichheber

SHW

Stich-heber Band 5, Spalte 1411-1412

Stichprobe

SHW

Stich-probe Band 5, Spalte 1411-1412

stichsauer

SHW

stich-sauer Band 5, Spalte 1411-1412

Stichsäge

SHW

Stich-säge Band 5, Spalte 1411-1412

Stichwahl

SHW

Stich-wahl Band 5, Spalte 1411-1412

Stichweg

SHW

Stich-weg Band 5, Spalte 1411-1412

Stichwein

SHW

Stich-wein Band 5, Spalte 1411-1412

Stichwort

SHW

Stich-wort Band 5, Spalte 1411-1412

Stichwunde

SHW

Stich-wunde Band 5, Spalte 1411-1412

Stichäx

MeckWB

stich·aex

Stichäx f. großes Stemmeisen zur genauen Ausarbeitung von Zapfen und Zapfenlöchern: 'Stichaxt ist ein Werkzeug der Zimmerleute, womit sie ih…

stichangel

DWB

stich·angel

stichangel , m. , nur im ält. nhd., ' stachel der biene ': er war ... eines argwenigen ... und offt grausamen gemüts, weil der verräter stic…

stichanker

DWB

stich·anker

stichanker , m. : wenn eine frontmauer ausweichen will, so ... befestigt man sie an eine quermauer mittels eines zugankers, der dann speziel…

stichapfel

DWB

stich·apfel

stichapfel , m. , melappia, vel poma Appiana, öpffel mit grösse und geschmack den küttinen ( d. i. quitten, teil 5, sp. 2894) ähnlich. eyn g…

sticharbeit

DWB

stich·arbeit

sticharbeit , f. , subst. zur redensart auf den stich arbeiten ( 1 stich B 2 e, sp. 2690): mitten im ofen liegt die form, wie hoch und wie s…

sticharm

DWB

stic·harm

sticharm , m. : hülfsarme, hülfskreuz, sticharme, schiftarme '( bergbau ) die arme, welche die groszen oder hauptarme eines sehr schweren ra…

stichart

DWB

stic·hart

stichart , f. , die art der nadelführung beim nähen und sticken ( zu 1 stich B 1 a, s. o. sp. 2689, woselbst aufzählung der wichtigsten kate…

stich als Zweitglied (30 von 403)

bifestich

KöblerAfries

*bifestich , Adj. Hw.: s. bifestichêd E.: s. bi-, *festich

börstich?

KöblerMnd

*börstich? , Adj. nhd. „brüstig“ Vw.: s. hōch-, ȫver- E.: s. borst, ich (2) Son.: langes ö

ernstich

KöblerAfries

*ernstich , Adj. nhd. ernst ne. earnest (Adj.) Hw.: s. ernstichêd* E.: s. ernst, *-ich

festich

KöblerAfries

*festich , Adj. nhd. fest ne. firm (Adj.) Vw.: s. bi-, stall- E.: s. fest (2), *-ich L.: Hh 26b, Rh 735b

gerustich

KöblerMnd

*ge·rustich

*gerustich , Adj. nhd. ruhig Vw.: s. un- E.: s. ge, rustich (2)

gevastich

KöblerMnd

*gevastich , Adj. nhd. fest, sicher, bestimmt Vw.: s. un- E.: s. ge, vastich

inskümpstich?

KöblerMnd

*inskümpstich? , Adj. nhd. künftighin seiend, zukünftig Hw.: s. inkümpstich (2) E.: s. in (2), kümpstich

kustich

KöblerMnd

*kustich , Adj. nhd. kunstreich, kunstfertig, gelehrt, klug, geschickt, wissenschaftlich gebildet, erfahren (Adj.), schlau, künstlerisch, ku…

nōtdēnstich

KöblerMnd

*nōtdēnstich , Adj. nhd. zum Dienen gezwungen? Hw.: s. nōtdēnstichhēt E.: s. nōt (1), dēnstich

rostich

KöblerMnd

*rostich , Adj. nhd. rostig Vw.: s. vör- Hw.: vgl. mhd. rostic*, mnl. roestich E.: s. ahd. rostag* 3, Adj., rostig; s. rost (1), ich W.: s. …

runstich

KöblerMnd

*runstich , Adj. nhd. „rünstig“, gelaufen, läufig Vw.: s. af- E.: s. runst, ich (2)

rustich?

KöblerMnd

*rustich? , Adj. nhd. rostig Hw.: s. rustichhēt E.: s. rust (1), ich (2)

stantvastich

KöblerMnd

*stantvastich , Adj. nhd. feststehend, unbeweglich, beständig Hw.: s. stantvast, stantvastichhēt E.: s. stant, vastich W.: vgl. nhd. (ält.) …

sülfdrīstich

KöblerMnd

*sülfdrīstich , Adj. nhd. eigenmächtig, willkürlich Hw.: s. sülfdrīstichhēt E.: s. sülfdrīste, ich (2), drīstich

tastich

KöblerMnd

*tastich , Adj. nhd. tastend?, berührend? Vw.: s. hant- E.: s. tasten, ich (2)

trȫstich

KöblerMnd

*trȫstich , Adj. nhd. tröstlich, tröstend Vw.: s. misse- E.: s. trȫsten, ich (2) Son.: langes ö

vastich

KöblerMnd

*vastich , Adj. nhd. fest, sicher, bestimmt Vw.: s. ge-, stant- Hw.: s. vast (1), vastichhēt, vastichlīk, vastichlīken E.: s. vast (1), ich …

vörrostich

KöblerMnd

*vörrostich , Adj. nhd. verrostet Hw.: s. vorrostichhēt E.: s. vör, rostich

vörwȫstich

KöblerMnd

*vörwȫstich , Adj. nhd. verwüstet, öde, verlassen (Adj.) Hw.: s. vörwȫstichhēt E.: s. vörwȫsten, ich (2) Son.: langes ö

wōstich

KöblerMnd

*wōstich , Adj. nhd. wüst, öde Hw.: s. wōste, wōstichhēt; vgl. mhd. wüestic E.: s. wōste, ich (2)

ērstich?

KöblerMnd

*ērstich? , Adj. nhd. erste Hw.: s. ērstichhēt* E.: s. ērste (1), ich (2)

ȫverlüstich

KöblerMnd

*ȫverlüstich , Adj. nhd. übergelüstig, heißhungrig Hw.: s. ȫverlüstichhēt; vgl. mhd. überlustic E.: s. ȫver (1), lüstich W.: s. nhd. (ält.) …

Eierstich

RDWB1

Eierstich m смесь яйца с молоком, которую варят на водяной бане и используют как заправку к супам

Messerstich

RDWB1

Messerstich m (nicht "укол ножом") ножевая рана j-m einen Messerstich versetzen - ударить кого-л. ножом; нанести кому-л. ножевое ранение офи…

Nadelstich

RDWB1

Nadelstich m стежок, игольный стежок укол иглой

Sonnenstich

RDWB1

Sonnenstich m (kein Bezug zu "укол") солнечный удар

A(n)henkstich

Idiotikon

A(n)henkstich Band 10, Spalte 1301 A(n)henkstich 10,1301

A(n)stich

Idiotikon

A(n)stich Band 10, Spalte 1299 A(n)stich 10,1299

abestich

Lexer

abe·stich

abe-stich stm. die obersten schlechten steine eines steinbruches Mone 6, 254.

abstich

DWB

abs·tich

abstich , m. abstich vom torf, abstich des flüssigen erzes, abstich des bildes, abstich der nath. hauptsächlich aber gilt es heute, wie früh…

Ableitungen von stich (8 von 8)

bestich

DWB

bestich , m. schweizerisch für besteck: innert drei wochen fällt der ganze bestich vom thurm herunter. Pestalozzi Lienh. u. Gerd. 1, 54 .

bestiche

BMZ

bestiche stv. einen ganc bestechen in der bergmannssprache einen erzgang zu bearbeiten anfangen. Pf. Germ. 1,346. 348. 352.

entstiche

BMZ

entstiche stv. 1. steche weg. er instach Tarquine den stich Ath. A **, 60. 2. steche auf, öffne stechend. die minne hât entstochen ein vaʒ m…

erstiche

BMZ

erstiche stv. ersteche. war umbe hâstu in âne sache erstochen kchron. D. 154,4. vgl. 30,5. ich wil in erstechen mit mîn selber henden Albr. …

gestich

DWB

gestich , n. , coll. zu stich, stichbalken, kurze balken, die in einen ganzen balken eingezapft werden und zur tragung der sparren dienen: d…

gestiche

BMZ

gestiche stv. das verstärkte stiche. alzehant daʒ er gestach Trist. 16144. mit deheiner slahte dinge mac man den harnasch zebrechen noch dar…

STICHE

BMZ

STICHE STACH STÂCHEN GESTOCHEN ahd. stihhu, stichu , gr. στίζω, goth. stika aus stiks und staks zu folgern. vgl. ich stinge. Gr. 2,27. gesch…

verstiche

BMZ

verstiche stv. 1. nu hâstu gar verstochen ausgestochen, jetzt stichest du nicht mehr pf. K. 195,27. 2. steche entzwei. wol verstach er den v…