stichelei,
f. 1)
zu sticheln 1,
dass. wie stichrede (
s. d.),
ebenfalls teils ernst, teils harmlos-humoristisch gemeint: lexik. zuerst bei Adelung 4, 367
und Jagemann (1799) 2, 1163;
liter. vereinzelt bereits seit anfang des 17.
jh. bezeugt: wer aber ein gutes gewissen hat, und dennoch solche stichelei hören musz, der tröste sich des exempels Jesu Christi
V. Herberger
hertzpostilla (1613) 1, 296; der vortrag dienet schon, sagst du, zur sticheley, auff dasz der gerne lacht, damit belustigt sey H. v. Hoffmannswaldau
bei B. Neukirch
auserl. ged. (1697) 1, 214;
häufiger gebraucht erst seit dem 2.
drittel des 18.
jh., doch fehlt das wort völlig bei Klopstock, Lessing, Schiller, Herder, Wieland; Göthe
gebraucht es nur spärlich: von der natur war er mit einem scharffsinnigem, auffgewecktem, aber dabei zur stichelei, und anzüglichen reden geneigtem geiste begabet J. B. Scheibe
freimüth. gedanken (1732) 176; spöttereyen und sticheleyen, die ich von meiner schwägerin anhören musz Miller
Siegwart (1777) 2, 390; während des ganzen spieles wurden nichts als wechselweise sticheleyen angebracht Sonnenfels (1783) 1, 227;
erst mit den romantikern geht es in den allg. sprachgebrauch ein, wo es sich schlieszlich an die stelle des älteren stichrede
setzt: ich kann mich nicht enthalten dieses lied für eine stichelei auf das grab meiner schwester in Osmanstädt zu halten Cl. Brentano
briefw. m. S. Mereau 1, 43; auf der jagd selbst hatte (
ich) kein sonderliches glück ..., worüber
auch viele sticheleien von den bedienten aushalten muszte Tieck
schr. (1828) 9, 274; der pfarrer ... liesz einige verblümte sticheleien über meine aufführung laufen Gotthelf
ges. schr. (1855) 5, 245; über mein verhältnis zu Elise muszte ich mir die unwürdigsten sticheleien gefallen lassen Hebbel
tageb. (1903) 1, 383; dann kamen ewige zänkereien unter den weibern, anonyme briefe, verdeckte sticheleien H. v. Kahlenberg
familie Barchwitz (1902) 13; schlieszlich wurde er weder mit vertraulichkeit noch mit sticheleien belästigt Hans Grimm
volk ohne raum 1, 338;
formelhaft: sticheleien und miszreden Göthe I 26, 105
W.; neckereien und sticheleien Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 7, 133;
verbale fügung jmdm. sticheleien geben: sie zog auf die verschwendung los und gab ihrem mann verschiedne sticheleyen J.
M. Miller
briefw. dreier akad. fr. (1778) 1, 240;
seit ende des 18.
jh. insbes. von literar. kritik: (
Lessings abhandlungen sind) sticheleyen auf Ramler unter dem artikel von Batteux Hamann
schr. (1821) 3, 19; die kleinmeisterlichen sticheleien auf Bel und Gottsched verdienen keiner weiteren erwähnung Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 320; man versäumt (
in den neueren aufklärungsschriften) fast keine gelegenheit, wo sich nur irgend eine stichelei auf mich anbringen liesze Tieck
schr. (1828) 10, 349; Winckelmann rächte sich ... durch sticheleien im neapolitanischen geschmack Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 203. 2)
vereinzelt zu sticheln 1 b,
fortgesetztes stechen mit spitzem instrument, bes. nadeln: dieses kleine höllisch spitze ding (
die nadel), von dessen ewigen sticheleien mein rechter zeigefinger eine art von hornhaut bekommen hat Rosegger
waldheimat 2, 69.
s. auch stichlerei
u. sp. 2720. 3)
ebenfalls selten zu 1stich A 1 a '
nicht ernst zu nehmende art des fechtens': übrigens ist die ganze fechterey (
das kritische hin und her wegen eines theaterstücks von Iffland) eine pure sticheley, wobey so wenig herauskommt als beim ganzen plunder Zelter
an Göthe in: briefw. (1833) 1, 66.