saat,
f. seges, satio, satum. ableitung aus der indogerm. wurzel sê,
s.säen,
die in allen german. sprachen sich findet: goth. in mana-sêþs
welt, altnord. sáð,
dän. und schwed. sæd,
ags. sd,
engl. seed,
altfries. sêd, zeed,
alts. sâd,
mnd. sât,
mnl. saed,
holl. zaad,
althd. und mhd. sât.
aus dem german. stammt auch lapp. saððo
kleie, s. Thomsen 168.
form und schreibung saat
steht im nhd. schon bei Luther
fest. vereinzelt zeigt sich die verlängerte form saate: die saate gehet auff. Opitz 2, 13.
auch neuere mundarten weichen höchstens in der färbung des vocals ein wenig ab: st Lexer 211
a. Schöpf 581, saot Danneil 181
a.
die mannigfachen schwankungen der schreibung in der älteren sprache zeigt Diefenb.
gloss. 513
c unter sata: hd. nd. sat, zat,
hd. sath, sadt, sayt, saut, sote.
seges hd. sat, sath, said, saut, sait, saet,
nd. zat 524
c.
sementum hd. nd. sat, sayt,
hd. saet, sath, sadt. 525
a.
s. auch Dief.-Wülcker 828.
dem goth.-hd. fem. steht in andern sprachen ein neutr. gegenüber, so im altn., ags., niederd. und holl. Lübben
mnd. handwb. 316
b führt an sât,
f. säen, aussaat, saatfeld, neben sât,
n. samen, während Schiller-Lübben 4, 27
a nur das neutr. kennt. derselbe unterschied in neuern nd. mundarten: brem. wb. 4, 568. Schambach 178
a und 320
a,
bei ten Doornkaat Koolman 3, 79
a,
der nur fürs n. beispiele bietet; auch in den kaufmännischen briefen Danzigs als neutr. Frischbier 2, 241
a. Danneil 181
a und Woeste 222
a kennen nur das fem. ganz vereinzelt steht der saat
sementes, seges voc. von 1618
bei Schm. 2, 353 (
schreibfehler?).
im ahd. und mhd. flectiert sât
als starker i-
stamm, pl. ahd. sâti,
mhd. sæte.
diese bildung ist nhd. aufgegeben und durch einen schwachen plur. die saaten
ersetzt (
nur in gewissen bedeutungen, s. 2
und 3,
c);
zuerst belegt in den der 1.
hälfte des 14.
jahrh. angehörenden gedichten des königs vom Odenwalde (
im ostfränk. dialekt): mit strô kan man zeichen sâten, die man sauwet.
Germania 23, 302.
Bedeutung. 11)
das säen, die handlung des säens: satio saet Dief.
gloss. 513
c; saat,
satio sementis, das seen, oder die zeit, wan man seet. Schottel 1390; zeitliche saat ist allezeit besser, und trieget seltener als langsames säen.
öconom. lex. 2101; und die dresschezeit sol reichen bis zur weinerndten, und die weinerndte sol reichen bis zur zeit der saat.
3 Mos. 26, 5; dir soll alles ohne pflug und ohne saat wachsen, wie in der goldnen zeit. Wieland
Lucian (1788) 6, 11; uns wächst alles, mit den poeten zu reden, ohne pflug und ohne saat. 323; alsam ein erde wuocherhaft enpfâhet guoten sâmen, swenn ir beginnet râmen mit sîner sæte ein ackerman. Konrad v. Würzburg
Pantal. 253; nach der sat ich in (
den acker) wol eg. Suchenwirt 43, 20.
ebenso nd. sâd,
f.: good weder to'r saad,
zum säen. brem. wb. 4, 569. Danneil 181
a. Frischbier 2, 241
a (
dafür good saatwedder Schütze 4, 3). zur saat ackern, pflügen,
vom letzten (
dritten)
pflügen vor dem säen, arare arvum, praeparare agrum ad satus accipiendos. Stieler 1661.
nd. taur sâd ploigen. Schambach 178
a; pflüget oder brochet oder erbeitet auch ein ackerman seinen acker jmerdar zur saat?
Jes. 28, 24; ley mir auff die saat.
Garg. 191
a. späte saat,
satio sera Stieler 1661,
häufiger spätsaat,
ebenso frühsaat,
s. daselbst. gewöhnlich mit übergang in die bedeutung 3, '
früh bez. spät gesätes getreide': wann die sonn frü auffgaht, so gerath wol die früsat. Fischart
groszm., im kloster 8, 626.
dagegen sommersaat
und wintersaat
im sinne von '
sommergetreide'
bez. '
wintergetreide',
s. das. 22)
der same oder die zum säen bestimmte oder ausgesäte pflanze, besonders vom getreide: semen sat, sait, saet Dief.
gloss. 525
a,
sata zat also man zAet. 513
c.
in diesem sinne nd. gern neutr. (
s. oben): in 't saad scheten,
samenstengel treiben. brem. wb. 4, 569. Danneil 181
a. ten Doornkaat Koolman 3, 79
a.
im oberd. ist in diesem sinne der samen
gebräuchlicher, s. Schm. 2, 333: mit weitzen, gersten, flachs, und andrer gutten saath das land (geschlacht) sie sähen. Weckherlin 253; komt denn der lentz heran, so wird die saat gestreuet, und nahet sich der herbst, so wird die frucht gemeiet. Rist
Parnasz (1652) 388; dem dunkeln schoosz der heil'gen erde ... vertraut der sämann seine saat. Schiller 11, 313.
selten begegnet in diesem sinne der plural: der alte hat der taube loos erraten, und trauernd streut er wieder seine saaten. Lenau 2, 441
Koch (
Albig. 2758).
so besonders in zusammensetzungen, wie einsaat, aussaat,
und mit pflanzennamen rübensaat, leinsaat,
hier im wechsel mit samen:
opium mancop
vel sat papaveris,
s. Mone
anz. 4, 278, 479.
im niederd. steht sât
allein oft für rübesamen, raps. Schambach 178
a. Schütze 4, 3. Frommann
mundarten 3, 281, 64 (
mundart von Jever). 33)
das aus dem samen hervorgehende gewächs. 3@aa)
das keimende gewächs überhaupt: die saat geht auf; meine saat gieng auff am wasser.
Hiob 29, 19; als nun die zeit kam, dasz die saat aufgehen sollte, gieng der herr seinen acker zu besehen. Kästner
sinnged. 1, 134; die saat steht gut,
niederd. de saot steit gôd, dünn', bultwîs (
ungleichmäszig, büschelweise) Danneil 181
a; seine saat stehet dicke bey den quellen.
Hiob 8, 17; dabey bestellt er (
Rübezahl) einen seiner dienstbaren geister zum hüter, dem er aufgab, ein unterirdisches feuer anzuschüren, um die saat von unten herauf mit linder wärme zu treiben. Musäus
volksmärchen 2, 20; auch drauszen bei der stillwachsenden saat ... war ein reich angeregtes leben. Auerbach 1, 242; wer war er denn, der mann von starkem herzen, der, wie die saat, auf frucht sich ausgeblüht? Withof
acad. ged. 2, 185.
auch geradezu ertrag des samens, ernte: Molucco und Tydor, Geloulo und Tornate .... erzeugen ihre saate von nägelinn für uns. Opitz 1, 108. 3@bb)
insbesondere vom getreide: die neue saat des dinkels stand schon sehr schö
n. Göthe 43, 145. saat
ohne zusatz für das aufsprossende getreide: die sat reiffet,
segetes flavescunt, frumentum maturescit. Stieler 1661; aufgegangen korn,
quod die sat
etiam in specie dicitur. 121; ir saat sol nicht auffkomen, und jr gewechs kein mehl geben.
Hosea 8, 9; du lessest gras wachsen fur das vieh, und saat zu nutz den menschen, das du brot aus der erden bringest.
ps. 104, 14.
überhaupt das auf dem halm stehende getreide: sieben wochen soltu dir zelen, und anheben zu zelen, wenn man anfehet mit der sichel in der saat.
5 Mos. 16, 9; die saate sol hernach, wo Pergamos war, stehn. Opitz 1, 210; und wie reizend flieszt die saat in grünen wellen fort. E. v. Kleist (1761) 1, 81; drauf auch schuf er ein feld tiefwallender saat, wo die schnitter mäheten. Voss
Ilias 18, 550; immer noch wandelte sie auf eigenem boden, und freute sich der eigenen saat und des herrlich nickenden kornes. Göthe 40, 266. 3@cc) saat
heiszt auch geradezu das mit getreide bestandene land oder das einzelne getreidefeld, ebenso nd., s. Schiller - Lübben 4, 27
b. Schambach 178
a: wenn du in die saat deines nehesten gehest, so magstu mit der hand ehren abrupffen.
5 Mos. 23, 25; zu der zeit, gieng Jhesus durch die saat am sabbath.
Matth. 12, 1; durch die stillwogende saat wallt in langer reihe eine fromme schaar. Auerbach 4, 3; der menlichen tete, die Gamuret geworben het uf anger und uf sete.
jüng. Titurel 2529, 2; (
wir) ziehen frech durch feindes und freundes lande, querfeldein durch die saat, durch das gelbe korn. Schiller
Wallenst. lager 6.
in diesem sinne begegnet sehr häufig der (
schwach gebildete)
plural, besonders in dichterischer sprache: wer kann der flamme befehlen, dasz sie nicht auch durch die gesegneten saaten wüte, wenn sie das genist der hornissel zerstören soll? Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; Myrtill denkt: nun kann ich errathen, wenn sie nicht auf der heyde bleibt, warum sie zu den grünen saaten, nicht weit von Damons fluren treibt. Zernitz
moral. u. schäferged. (1748) 31; obgleich kein fröhlicher west die saaten des segens mehr küsset, noch um den kräftigen apfelbaum scherzt. Giseke
poet. werke (1767) 115; (
es soll) lenken den pflug der wankende greis? er sinkt, und die gäule weiden die saaten ihm ab. Klopstock 2, 160; denn noch sind immer unsre saaten die ährenreichsten rund herum. Göckingk 2, 43; die saaten sind zerwühlt, der fruchtbaum weint. E. v. Kleist 160; wie wenn der kommende west unermeszliche saaten erreget. Voss
Il. 2, 147; zertreten sind die saaten auf den fluren. Lenau 2, 412
Koch (
Albig. 1837). 3@dd) saat
für getreide überhaupt, ohne rücksicht auf dessen zustand: von ewr saat und weinberge wird er (
der könig) den zehenden nemen.
1 Sam. 8, 15; wer wolte sich mit eicheln lassen speissen, nachdem die saat erfunden ist? Schuppius 850. 3@ee) saat
für '
saatland'
mit maszangaben: ein scheffel saat,
ein stück land, das mit einem scheffel saatkorn besät wird (
vgl. auch saatland): anstatt sein land gehörig zu bearbeiten, verpfändet er (
der bauer) lieber ein scheffel saat nach dem andern. Möser
patr. phant. 1, 90; zwölf malter saat altes land, welche als gut zum kataster stehen. 2, 324.
auch zusammengeschrieben scheffelsaat: so hat er gras und stroh, und wenigstens 3 scheffel rocken von jedem scheffelsaat weniger. 1, 91. 3@ff) saat
zur bezeichnung eines stückes saatland von unbestimmter grösze. Stalder 2, 297.
so auch mnd.: eyn zat, gheheten de gare,
s. Schiller - Lübben 6, 251
a.
als bestimmtes ackermasz, 36
ruthen umfassend, im holsteinischen. Schütze 4, 3. 44)
übertragen, zunächst von der menschlichen zeugung, an die bedeutung 1
anknüpfend, vgl. samen.
auch geradezu im sinne von samen: saed der naturen,
semen genitale, semen prolificum. Kilian; ach dasz ich diese nacht mit ehren schwanger würde ... so aber darff mein feld der saate nicht genieszen, mein blumen-garten darff kein wasser an sich ziehn. Hoffmannswaldau
ged. 2, 285; sie (
Venus) vermählte Romuls diener .. mit den töchtern der Sabiner. aus der saat der ersten nacht keimten groszer thaten thäter. Bürger 115
a.
ähnlich: als solt Christus nicht von Maria sat (wie sie es nennen) herkomen, und doch Davids samen sein. Luther 6, 317
b.
dann auch für '
nachkommenschaft',
in welchem sinne samen
gebräuchlicher ist, nd. 't sâd fan Abraham. ten Doornkaat Koolman 3, 79
a; sam du (
Maria) ie maget zer welde bræhte uns alsô edele, tiure sât.
minnes. 3, 70
a Hagen; ûf jâmers pfat vast stê dîn sât. Frauenlob 33, 16 (
Noah zu Sem); euwer (
der eheleute) pflanze und euwer sât daʒ himelrîche erfüllet hât. Heinr. v. Neustadt
v. gotes zuokunft 8370.
aber auch der in die erde gesenkte leichnam wird als saat bezeichnet, im hinblick auf die auferstehung; vgl. säen und same: neuschaffend bewegt, steht er auf zu dem gericht, das gebeindeckende grab, das gefild der saat, gott! Klopstock 1, 166; wenn dem tage der garben zu reifen, gesät ist meine saat. 145. 55)
sodann von allem, was ausgelegt oder gethan wird, damit ein anderes daraus erfolge; mit denselben verwendungen, wie im eigentlichen sinne. 5@aa)
das säen, an die bedeutung 1
anschlieszend: der (
schiffer) vermählt sich das glück, dem gehört die welt, ohne die saat erblüht ihm die ärnte! Schiller
braut von Messina 1, 7. 5@bb)
der ausgestreute samen; daher 5@b@aα)
capital, einsatz, anlage: saed
sors, summa sive caput et prima pecunia quae confertur, ut inde lucrum fiat. Kilian;
so im westfälischen: einsatz beim spiele, beim knickern mit bohnen. Woeste 222
a. 5@b@bβ)
von menschlichen handlungen, im hinblick auf ihre folgen. im ausgeführten bilde: diese Müller'schen nichtsmeinenden worte waren eine saat, die für ihn gefährliche früchte trug. Förster
briefw. (
Leipzig 1829) 1, 90; swer wîser liute lêre hât und in mit willen volget nâch, dem gêt ze sælden ûf sîn sât.
Winsbeke 34, 7; wer seines staats gesetz mit frechen füszen trat, des landes ruh gestört, den gottesdienst entweihet, dem kaiser frech geflucht, der aufruhr saat gestreuet, stirbt, weil er sterben soll. Haller 68, 152
Hirzel; zukunft ist des vaters eigenthum. dort liegen seiner hoffnung weite felder, dort seiner saaten keimender genusz. Göthe 9, 310; böse früchte trägt die böse saat. Schiller
braut von Messina 1, 7; doch, um den mächt'gen erbherrn wohl verdienen, heiszt saaten in die zukunft streu'
n. Tell 2, 1; die blut'ge saat gedieh zu blut'ger ernte. Chamisso 2, 53, 130
Koch. 5@b@gγ)
mit angabe der bestimmung: saat der dankbarkeit, der reue
u. dergl.: vom maler liesz der fürst ihr (
der Venus) eine schürze weben und sich dagegen saat zur späten reue geben. Withof 1, 109; es keimt und sproszt die saat der dankbarkeit in zeitungen, und wächst in monatsschriften. Hagedorn 1, 58. 5@b@dδ)
ähnlich: saat der freude, des kummers, des glücks, schicksals
u. dergl.: o eine saat unendlicher unaussprechlicher freuden schien in dem augenblik (
des ersten kusses) wie in einer knospe zu liegen. Schiller
kab. u. liebe 5, 7; ein gemüth, in welchem die saat eines groszen schicksals ausgesäet worden. Göthe 17, 217; doch, freund, in diese saat von kummer ist auch vergnügen eingestreut. Gotter 1, 226; ihm gedeihn des glückes saaten. Bürger 74
b; vermögt ihr in die saat der zeit zu schauen und vorher zu sagen, welch samenkorn wird aufgehn, welches nicht. Schiller
Macbeth 1, 5. 5@cc)
an die bedeutung 3
anschlieszend, was aus diesem samen aufgeht, der erfolg, ertrag: du magst im stillen forschen, erwägen geist und wort und magst das korn der furche der zeiten anvertraun; vielleicht wird einst dein enkel die goldnen saaten schaun. Chamisso 1, 275, 124
Koch. wie in dieser, so schwebt auch in den folgenden stellen das bild des getreidefeldes (
s. 3,
c)
vor: darzuo jamers mistel verwustet mine froude hat und miner frouden gruone sat. Hugo v. Langenstein
Martina 162, 2; Egmont ... konnte es nicht von sich erhalten, die saaten seines glücks zu verlassen, die an dem hofe der regentin jezt eben in voller blüthe standen. Schiller 7, 176. 66)
endlich von allem, was in dichten massen ausgestreut wird, ohne rücksicht auf den erfolg: saat von pfeilen, kugeln
u. a.: der kugeln saat pfeift, da die flamme heult. E. v. Kleist 162.
auch zusammengesetzt kugelsaat (
s. theil 5,
sp. 2544): und donnert auf mit kugelsaat die schlacht. Boie 341
Weinhold; so auch: so sieht, als der vortrab dem Dnieper sich naht, man fernhin am ufer die eiserne saat der polnischen lanzen sich regen. Ratschky
ged. (
Wien 1791) 173.