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Ruthe

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Wander
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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Ruthe

Bd. 3, Sp. 1691
Ruthe 1. Ach, du liebe Ruthe, du thust mir viel zu Gute. Aus einer 1540 unter dem Titel: Von den sieben bösen Geistern, welche Küster und Dorfschulmeister regieren, erschienenen Schrift. 2. Bei der Ruthe muss der Apfel sein. Strenge und Liebe in weiser Verbindung. Lat.: Oleum et salem oportet emere. (Philippi, II, 64.) 3. Besser die Ruthe der leiblichen Mutter, als von der Stiefmutter Brot mit Butter. (Estl.) 4. Besser mit Einer Ruthe gestrichen als mit zweien. Lat.: Praestat uni malo obnoxium esse, quam duobus. (Binder II, 2641; Philippi, II, 105; Steinmeyer, 2641.) 5. Danck hab die ruth, sie macht die kinder gut. – Franck, II, 16a; Hofmann, 32, 74. 6. Danck hebbe, rhöde, dat thu berue kinder macken kanst. – Tappius, 18b. 7. De Râde se net fîr de Kazen; em sâl de Käinjdern häinjder de Schpäjel stêchen. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 596a. 8. De Rât wiért de Galjen uof. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 600. 9. Die liebe Ruthe thut vieles Gute. – Lohrengel, I, 172. 10. Die rhut macht die kinder gut. – Tappius, 18b; Franck, II, 16a u. 104b; Gruter, I, 21; Latendorf II, 8; Lehmann, 130, 28; Sailer, 64. Mhd.: Nieman kan mit gerten kindes zuht beherten; den man zêren bringen mac, dem ist ein wort als ein slac. (Walther.) ( Zingerle, 82.) n.: Riis giør barnet viis. (Prov. dan., 478.) Holl.: De roe maakt het kind vroe. (Harrebomée, II, 223b.) Lat.: Post mala prudentior. (Tappius, 18b.) Schwed.: Aga och rijs giör barna wijs. (Törning, 4.) 11. Die rut bricht kein Bain entzwei. – Gruter, III, 22; Lehmann, II, 85, 172. n.: Riis bryder ikke beenene. (Prov. dan., 478.) Engl.: Birchen twigs break no ribs. (Bohn II, 71.) Schwed.: Rijs bryter intet been. (Grubb, 689.) 12. Die rute macht fromme Kinder. – Fischer, Psalter, 494, 2. Bei Tunnicius (1089): De rode maket berve (brave) kinder. (Compellit studiis pueros incumbere virga.) Böhm.: Židká metla dobré dítky činí. (Čelakovsky, 409.) 13. Die Ruth macht böse Kinder gut. – Petri, II, 142; Simrock, 8600; Körte, 5121; Körte2, 6417. Böhm.: Metla vyhání dĕti z pekla. (Čelakovsky, 409.) Lat.: Indisciplinatus reprobatur a Deo et hominibus. (Chaos, 988.) 14. Die ruth macht keine beulen. – Gruter, III, 22; Lehmann, II, 85, 73; Simrock, 8599. 15. Die Ruthe bricht den Kindern kein Bein, macht auch keine Beulen. – Petri, II, 142; Henisch, 262, 36; Gaal, 1330; Simrock, 8603. Engl.: Birchen twigs break no ribs. (Gaal, 1330.) 16. Die Ruthe, die man sich selber bindet, trifft immer am schwersten. – Neue freie Presse vom 28. Jan. 1873. 17. Die Ruthe, die sich biegt, bricht nicht. – Petri, II, 142; Henisch, 369, 57; Eiselein, 535. 18. Die Ruthe für die kleinen Kinder, den Stock für die grossen Rinder, der Tod für die argen Schinder. Frz.: Le fouet pour les enfans, le bâton pour les grands et la mort pour les méchants. (Kritzinger, 328b.) 19. Die Ruthe ist neben dem Brot den Kindern so nöthig als den Pferden die Sporen neben dem Futter. – Wirth, II, 379. 20. Die Ruthe kann neue Schwielen machen, sind die alten geheilt. Holl.: Is de oude roede al vergeten, zij is daarom toch niet versleten. (Harrebomée, II, 223b.) 21. Die Ruthe macht gut. – Eiselein, 535; Simrock, 8598; Schuppius, Schriften, III, 392; Sutor, 374. 22. Die Ruthe muss mit dem Pater noster gebunden werden. – Herberger, Hertzpostille, II, 107. 23. Die Ruthe trifft nur, es ist aber der Arm, der die Schläge gibt. 24. Die Ruthe zieht bessere Kinder als der Fuchsschwanz. Schwed.: Rijs är bättre än Räfweswanz. (Grubb, 689.) 25. Die steife Ruthe bricht. – Petri, II, 144. 26. Ein solch Ruth ist allzu scharpff, darvber man nicht klagen darff. – Lehmann, II, 150, 67. 27. Entläufst du der Ruthe, so folgt dir die Knute. 28. Es bindet mancher selbst die Rut, die seinem Gesäss wehe thut. – Suringar, LXXV, 24. 29. Es bindt ihm oft einer ein ruthen uber sein aigen rucken. – Petri, II, 242; Henisch, 387, 60; Nas, 248a. Lat.: Quisquis mali faber est. (Chaos, 1041.) 30. Ey du liebe Ruthe, was thust du uns zu gute. – Herberger, Hertzpostille, I, 704; Simrock, 8603. 31. Frische Ruthen, fromme Kinder. 32. Gebrauchte Ruth' wirft Gott in die Glut. – Petri, II, 129; Simrock, 8606; Körte, 5122. 33. Je schärfer die Ruthe, je besser das Kind. – Körte, 5123; Struve, II, 27; Masson, 198. Fühlbare Züchtigung oder keine. 34. Jeder bindet sich die Ruthe selbst auf den Rücken. 35. Liebe rhut, thetestu, ich thet nimmer gut. – Franck, II, 16a; Tappius, 18b; Petri, II, 438; Gruter, I, 55; Latendorf II, 21. In dieser mir unverständlichen Fassung findet sich dies Sprichwort in sämmtlichen angeführten Quellenschriften. Nach meiner Auffassung müsste es heissen: thätest du nicht, feiertest du, wie es auch Sailer (s. 36) hat. Lat.: Sua cuique nocet stultitia. (Plinius.) 36. Liebe Ruth, feiertest du, ich thäte nimmer gut. – Sailer, 128. 37. Man muss sich nicht selbst eine Ruthe auf den Rücken binden. Lat.: Ne quid suo suat capiti. (Terenz.) (Philippi, II, 19.) 38. Man soll niemand mit zwei Ruthen streichen. – Eisenhart, 618; Hillebrand, 200, 286; Pistor., IV, 50; V, 18; Simrock, 8607. Wider die Zufügung doppelter Strafe für Ein Vergehen. »Es ist ein gemeines Sprichwort: Niemand solle mit zweyen Ruhten geschlagen werden.« (Theatrum Diabolorum, 265b.) Böhm.: Žádný dvĕme metlama mrskán nebud'. (Čelakovsky, 356.) Lat.: Idem delictum non debet bis puniri. (Altdorf, 156; Binder II, 1357.) – Onere duplici nemo debet gravari. (Binder II, 2421; Seybold, 416.) 39. Man zeigt die Ruthe nicht gern vor, mit der man geschlagen worden ist. Frz.: Jamais on n'avance les verges dont on est battu. (Cahier, 1779.) 40. Mancher bindet sich eine Ruthe für den eigenen Arsch. – Simrock, 12388. In Pommern: He bindet sick 'ne Rode to sinen êgnen Êrs. (Dähnert, 383b.) »Mancher bindet selbs eine rut, die seinn ars bald schaden thut.« Bei Tunnicius (712): Mannich maket eyne rode to synen eigen sterte. (Virgam saepe puer proprium connectit in anum.) (Suringar, 571b.) n.: Man giør tit riis til sin egen rumpe. (Prov. dan., 478.) Holl.: Menich maket een roede tot sijns self eers. (Tunn., 18, 8.) Lat.: Saepe sui dorsum caesoris virga cecidit. (Rein. Vulp., ed. Mone, 2, 307.) – Sepe suum proprium facit puer ipse flagellum. (Fallersleben, 504; Loci comm., 164; Seybold, 535; Sutor, 96.) Schwed.: Mången gjör rijs åt sin egin rumpa. (Törning, 109; Grubb, 552.) 41. Mancher bindet sich selbst eine Ruth, die seinem ars bald wehe thut. – Suringar, LXXV, 16. 42. Mancher macht jhm selber ein Ruth vber den Arss. – Gruter, III, 68; Suringar, LXXV, 24; Petri, II, 419; Lehmann, II, 410, 48. 43. Mit der Ruthe schlägt man kein Bein entzwei. Lat.: Ne mergas puerum nunc parvum post valiturum. (Sutor, 600.) 44. Mit der Ruthe treibt man die Kinder nicht auf den Kirchhof. (Lit.) 45. Mit doppelter Rûte straft me net (nîet, nicht). (Meiningen.) – Frommann, II, 409, 68. Für ein und dasselbe Vergehen dürfen nicht zwei Strafen verhängt werden. Jüdisch-deutsch in Warschau: Mit zwei Rüthen struft män nit. »Es ist ein gemeines Sprichwort, niemand sol mit zween Ruten geschlagen .... mit zweyerley straff bestrafft werden.« (Lauterbeck, LXXVIIIa.) 46. Mit zwä Rott'n dörf mer ên nit straff'n. (Franken.) – Frommann, VI, 322, 321. Dasselbe behaupten auch die Slawen von ihrem Kantschuh oder ihrer Karbatsche. Die Sympathien der Russen für diese Culturwerkzeuge sind bekannt. Böhm.: Karabáč není cert, ale pravdy se dopídí. – Karabáč není maka, leč nápotom náuka. (Čelakovsky, 357.) Lat.: Rarum ibi crimen, ubi disciplina. – Vexatio dat intellectum. Schwed.: Utan rijs blijr barn sällan wijs. (Grubb, 840.) 48. Ruth macht die Kinder gut. – Eyering, III, 290; Masson, 198. Man spricht: »Der ruten schmertz treibt Thorheit auss des Kindes Hertz.« (H. Sachs, II, LXXXIX, 2.) »Die bircke rut zeucht die lieb des kinds.« (Wachter, Aiij.) »Gute ruten machen ghorsam kind scharpff sporen d' pferd willig vnd gschwind.« n.: Ris giør godt barn. (Prov. dan., 478.) Lat.: Correre cogit equum sub milite calcar acutum, sicque facit pueros aspera uirga bonos. (Loci comm., 150.) – Phryx plagis emendatur. (Eiselein, 535.) Schwed.: Rijs gjör got barn. (Grubb, 689.) 49. Ruth vnd Straffe gibt Weissheit. – Petri, II, 515. Böhm.: Metla novou mši zpívá. (Čelakovsky, 409.) Krain.: Šiba novo mešo poje. (Čelakovsky, 409.) 50. Ruthen und Schläge bringen bei der Jugend viel Gutes zu Wege. – Parömiakon, 3234. 51. Scharpffe Rut macht fromme Kinder. – Petri, II, 527. 52. Was die Ruthe thut, ist nicht immer gut. 53. Weit hinter der Ruthe ist der Splitter. (Lit.) 54. Wenn die Ruthe ausgedient, muss sie in den Ofen. – Sailer, 218; Simrock, 8605. 55. Wenn die Ruthe bey den Kindern helffen sol, so muss sie mit dem Vaterunser zusammengebunden seyn. – Petri, II, 645. 56. Wenn die Ruthe nicht hilft, muss man zum Stocke greifen. – Altmann VI, 120. 57. Wenn die Ruthe vom Arsch, so sind die Streiche vergessen. Holl.: Het is vergeten, zoo ras de roede van de bil is. (Harrebomée, II, 223b.) 58. Wenn man die Ruthe nur zum Schrecken vor den Spiegel steckt, so wird sie bald von den Kindern verlacht. – Eiselein, 535. 59. Wenn man die Ruthe spart, werden die Kinder schlechter Art. – Parömiakon, 227. Mhd.: Wan man spricht: dem chind die menschen aller liebst sind, sô die besen prait sein. (Clara Hätzlerin.) (Zingerle, 81.) Holl.: Salomo zegt: als de ouders de roede sparen, dat hunne kinderen dan voor den duivel varen. (Harrebomée, II, 223b.) 60. Wer andern Ruthen bindet, zuletzt sie selbst empfindet. – Eiselein, 535. Lat.: Faber compedes, quas fecit, ipse gestet. (Ausonius.) (Binder I, 497; II, 1056; Frob., 248; Tappius, 61b.) 61. Wer der Ruthe nicht folgt, der muss dem Strick folgen. Hilft die Ruthe nicht, wird die Peitsche fruchten. (Altmann VI, 474.) Holl.: Die zich niet betert door zijner ouders roeden, de komt gemakkelijk aan de galg. (Harrebomée, II, 223b.) 62. Wer die rut fleucht vnd die arbeit scheucht, vnd nichts leiden kan, vnd will nichts auss stahn, der bleibt Johannes in eodem vnd muss hacken vnd roden. – Petri, II, 696. 63. Wer die Ruthe schonet, der hasset seinen Sohn. – Spr. Sal. 13, 24; Petri, II, 696; Schulze, 63. Bei Tunnicius (643): De de roden spart, de hatet syn kint. (Qui parcit virgis, prolem non diligit ille.) Mhd.: Der sprichet, swer den besmen spar, daz der den sun versûme gar. (Walther.) – Wer der ruten schônet, sin selbes kint er honet. (Morolf.) (Zingerle, 81.) Engl.: Spare the rod, and spoil the child. (Bohn II, 128.) Holl.: Die de roede spaart, haat zijn kind. (Harrebomée, II, 223b.) 64. Zu einer eisernen Ruthe gehört eine eiserne Haut (ein eiserner Arsch). Holl.: Eene ijzeren roede tot een stalen aars. – Had hij eene stalen roede, zij hadden eene ijzeren huid. (Harrebomée, II, 223b.) 65. Ain mit seiner aigen rutten streychen. – Hauer, Kiij2. 66. Alle Ruthen in ein Bündel packen. (Altröm.) Von denen, die viel Dinge in eins zusammenfassen, sie leichter tragen zu können. 67. De Rutt schlêt'n.Lohrengel, II, 116. Die Ruthe, das böse Gewissen, schlägt ihn. 68. Der Ruthe entweichen und unter die Prügel schleichen. – Parömiakon, 2341. In dem Sinne: Aus dem Regen in die Traufe kommen, seinen Zustand verschlimmern. 69. Der ziagt si(ch) a Rott'n über'n Arsch. (Franken.) Er bürdet sich selbst eine Last auf. 70. Die rut hat er jm selbs auff seinn arss gemacht. – Franck, II, 8b; Körte, 5123a. In Schlesien: A hot em anne Rutte uff a Hingern gebunden. (Gomolcke, 51.) Er hat das Uebel selbst verschuldet. Er hat sich den Brei selbst gekocht, die Suppe selber eingebrockt, die Kette selbst geschmiedet. »Des narren muss ich warlich lachen, der auff sein eigen arss kan machen ein gute zehe birckenrhut, die niemands dann jm schaden thut.« – »Hab allzeit ein hinderhut vnd mach dir nit ein eygen rhut, das würt deim arssloch werden gut.« (Murner, Nb., 86, in Kloster, IV, 858.) »Wer sich am nechsten rechen wil, ... har auff har vnd widermut, der macht jm auf sein arss ein rut.« (Murner, Nb., 45, in Kloster, IV, 759.) Engl.: He had made an halter to hang himself. – You gather a rod for your own breech. (Bohn II, 176.) Frz.: Tel porte le bâton dont à son regret le bat on. Holl.: Hij maakt (haalt) eene roede voor zijn' eigen aars. (Harrebomée, II, 223b.) Lat.: In tuum ipsius caput lunam deducis. (Bohn II, 176.) 71. Die rut ist vber meinn ars gemacht. (S. Gelten 20.) – Franck, II, 81a. 72. Die Ruthe in die Hand geben und die Hosen selbst herunterlassen. – Eiselein, 535. 73. Die Ruthe ist für alle da. Lat.: Una scutica omnes impellit. (Eiselein, 535.) 74. Die Ruthe ist für mich gebunden. – Sailer, 78. 75. Die Ruthe küssen. (Vgl. über diese Redensarten den Aufsatz von E.L. Rochholz und dessen Alemannisches Kinderlied, in der Germania, I, 134-155 u. 513.) Holl.: De roede kussen. (Harrebomée, II, 223b.) 76. Die Ruthe tragen, mit der man selbst gestrichen wird. 77. Einem die Ruthe geben. Frz.: Chasser les mouches à quelqu'un. (Kritzinger, 127b.) – Donner le fouet sous la custode. (Lendroy, 559.) 78. Einen in die Ruthe nehmen. – Luther's Tischr., 379b. 79. Einen mit doppelten Ruthen peitschen. Die Russen: Einen mit zwei Lanzen erstechen. (Altmann VI, 515.) 80. Einen mit seiner eigenen Ruthe schlagen. Lat.: Ex ipso bove lora sumere. (Plutarch.) (Hauer, Kiij2; Binder I, 468; II, 1019; Philippi, I, 144; Weber, 3, 18.) 81. Einen unter der Ruthe führen. – Luther's Tischreden, 429a. Unter Zucht halten. 82. Er fürcht' d' Rûd und chunnt de Grind über. – Sutermeister, 92. 83. Er hat die Ruthen versucht. Er hat etwas gelernt, hat studirt. Lat.: Manum ferulae subducere. (Seybold, 298.) 84. Er hat jhm selbs die Ruht auff den Hindern gebunden. – Moscherosch, 334; Frischbier2, 3177. Frz.: Il donne des verges pour se faire fouetter. (Masson, 292.) Lat.: Asciam ipse sibi in crus impingit. – Suam et se gladio ferit. (Masson, 292.) Poln.: Sam na się rózgę podał. (Masson, 292.) 85. Er hat weder Ruthe noch Stock. Ist wehrlos, auch ohne Amt, ohne bürgerliches Ansehen. Frz.: N'avoir ni verge, ni bâton. (Lendroy, 1532.) 86. Er hat yhm eyn ruthen zu seinem eygnen arss gemacht. – Tappius, 61b; Eyering, II, 389; Henisch, 828, 31. Lat.: Faber compedes, quas fecit, ipse gestat. – Flagellum ipse paravit, quo vapularet. (Henisch, 828, 32.) – Manum ferulae subducere. (Seybold, 298.) 87. Er het e mit ere ghämpflige Ruethe erhaue. (S. Mühle 103.) – Sutermeister, 79. 88. Er hot auf ihm a Rüth'. (d.-deutsch. Warschau.) D.h. es steht in seiner Macht, ihn zu züchtigen, durch Veröffentlichung eines Geheimnisses ihm Unannehmlichkeiten zu bereiten. 89. Er ist der Ruthe entwachsen. Holl.: Hij is de roede ontwassen. ( Harrebomée, II, 223b.) Lat.: Manum ferulae subduximus. (Eiselein, 535.) – Subducere manum ferulae. (Seybold, 584.) 90. Er ist nicht mehr unter der Ruthe. Frz.: Il a la clé de ses chausses. (Kritzinger, 130a.) 91. Er küsst die Ruthe, aber nicht gern. 92. Er tregt ein Ruten vber sein eigen ars. – Eyering, II, 448. Frz.: Battu a été des verges qu'il a porté. (Leroux, II, 178.) 93. Er wird mit seiner eigenen Ruthe gestrichen. Holl.: Met zijne eigene roede wordt hij gegeeseld. (Harrebomée, II, 223b.) 94. Es ist eine neue Ruthe auf einen alten Hintern. 95. Es ist ihm eine Ruthe aufgebunden. Lat.: Mustelam habet. (Philippi, I, 266.) 96. He hett sik en Rôd to sin êgen Êrs bunnen. (Ostfries.) – Bueren, 591; Frommann, V, 430, 528; für Holstein: Schütze, III, 304; für Altmark: Danneil, 278. Er hat sich das Leid, den Verdruss selbst zugezogen. 97. Hi bant an Ris tusam ânj Êrs. (Nordfries.) – Johansen, 73. 98. Man wird dir eine Ruthe an den Schornstein stecken. Eine Strafandrohung, die sich auf Sanct Nikolaus (s.d.) bezieht, der in manchen Gegenden am 6. December den gehorsamen und guten Kindern Aepfel, Nüsse und ähnliche Geschenke, den trägen und ungehorsamen dagegen eine Ruthe bringt. Nach dem Volksglauben nimmt er den Weg durch den Schornstein, seine Gaben finden sich daher unter demselben. Holl.: De roede is reeds op geheven. – De roede ligt in de pis. – De roede steekt voor den schoorsteen. – Hij krijgt eene roede op zijnen schoorsteen. (Harrebomée, II, 223b.) Lat.: Oenoe charadram. – Saepe sibi proprium fecit puer ipse flagellum. (Philippi, II, 63 u. 162.) 99. Met 'ner Raue int Water slaen. (Westf.) Bei der Wahl eines unzureichenden Mittels zu einem Zweck. 100. Mit der langen Ruthen schlagen. – Schottel, 1118a. 101. Mit Ruthen den Kehraus tanzen. – Parömiakon, 498. Wegen Diebstahls aus der Stadt gepeitscht werden. 102. Nicht mehr unter der Ruthe stehen. Sein eigener Herr sein. Frz.: Être hors de page. (Eiselein, 535.) 103. Sich mit der eigenen Ruthe schlagen. 104. Sich selbst eine Ruthe auf den Rücken binden. – Schottel, 1115a; Eiselein, 535; Simrock, 8604; Lohrengel, II, 450; Tendlau, 841. In Bedburg: Dä mât sich en Roth für senge egn Arsch. Von dem, der sich Unannehmlichkeiten zugezogen hat, die er hätte vermeiden können. »Wie han zu vnsern rück ein rhuten gbunden.« (Waldis, III, 22, 20.) Die Russen: Wenn der närrische Knecht die Birkenruthe findet, legt er sie in des Herren Hand. – Eine Nessel im Blumentopf pflanzen (ziehen). (Altmann VI, 437 u. 515.) Frz.: Il a fait la verge dont il est battu. (Kritzinger, 708b.) – Il donne des verges pour le (se) fouetter. (Kritzinger, 328b.) – Il s'est fait donner sur la crête. (Kritzinger, 189b.) Lat.: Capra gladium. – Capra contra se cornua. (Philippi, I, 72; Seybold, 66.) – Flagellum ipse paravit, qui vapularet. – In cornua irasci. (Virgil.) – In nobis est causa mali. (Binder II, 1414; Sutor, 184.) – Novacula factus es contra te ipsum. (Binder II, 2264; Novarin, 115.) Poln.: Wziął sobie pęto na kark. (Lompa, 34.) 105. Unter jemandes Ruthe stehen. Frz.: Être sous la férule de quelqu'un. 106. 'T geit in de Ruten. Es geht verloren, wird ruinirt. Rute steht hier in der Bedeutung von Raute = Viereck und sollte dort stehen. (Stürenburg, 207.) 107. Warte nur, die Ruthe ist schon eingeweicht. – Eiselein, 535. Als Strafandrohung, auch oft blos scherzhafte. 108. Wenn er die Ruthe sieht. Zu ergänzen: gehorcht er, thut er, was er soll. Holl.: Zoo lang de roede wenkt. (Harrebomée, II, 224a.) [Zusätze und Ergänzungen] 109. Das Kind die Ruthe lehrt, die Noth den Mann bekehrt. (Rumänisch.) – Neue Freie Presse, 4581. 110. Die böse Ruth' thut bösen Buben gut.
18506 Zeichen · 675 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    ruthe

    Althochdeutsches Wörterbuch

    ruthe Gl 3,524,39 s. ruota.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ruthe

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Die Ruthe , plur. die -n, Diminut. das Rüthchen, Oberd. Rüthlein, ein Wort, welches eigentlich einen jeden langen, dünne…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ruthe

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Ruthe , Längenmaß, mit dem Zeichen °, in verschiedenen Ländern von verschiedener Größe, von den Werkleuten gewöhnlich in…

  4. Sprichwörter
    Ruthe

    Wander (Sprichwörter)

    Ruthe 1. Ach, du liebe Ruthe, du thust mir viel zu Gute. Aus einer 1540 unter dem Titel: Von den sieben bösen Geistern, …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ruthe

78 Bildungen · 27 Erstglied · 51 Zweitglied · 0 Ableitungen

ruthe‑ als Erstglied (27 von 27)

Ruthe, Joh. Friedr

DWBQVZ

Ruthe, Joh. Friedr. *1788 Egenstedt b. Hildesheim †1859 Berlin.

ruthelpen

MeckWB

rut·helpen

ruthelpen heraushelfen, aus einer bedrängten Lage; vgl. rinhelpen .

Ruthenbündel

Campe

ruthen·buendel

Das Ruthenbündel , — s, Mz . gl. ein Bündel Ruthen, Ruthen die in ein Bündel zusammengebunden sind. Die Ruthenbündel der Reichsberather bei …

Ruthēneu

Meyers

ruthe·neu

Ruthēneu ( Russinen, Rußniaken ), slaw. Volksstamm zu beiden Seiten der Karpathen (vgl. die »Ethnographische Karte von Österreich-Ungarn«, B…

Rūthenfíscher

Adelung

ruthen·fischer

Der Rūthenfíscher , des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher mit der Ruthe oder Angel fischet; der Angelfischer. Daher die Ruthenfisch…

Ruthenförmig

Campe

ruthen·foermig

Ruthenförmig , adj . u. adv . die Form, Gestalt einer Ruthe habend, einer Ruthe ähnlich. I der Pflanzenlehre heißt ein Stengel ruthenförmig …

Ruthengänger

Adelung

ruthen·gaenger

Der Ruthengänger , des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Bergmann, welcher mit der Wünschelruthe umzugehen weiß; der Ruthenmann, Ruth…

Ruthengeflecht

Campe

ruthen·geflecht

○ Das Ruthengeflecht , — es, Mz. — e , ein Geflecht von Ruthen, etwas aus Ruthen Geflochtenes; besonders zusammengeflochtene Ruthen, als ein…

Ruthenisch

FiloSlov

ruthe·nisch

Ruthenisch , n язык , м , украинский [hist; Ukrainisch]

Ruthenĭum

Meyers

Ruthenĭum Ru, eins der Platinmetalle, findet sich im Platinerz und Osmiumiridium und mit Schwefel verbunden als Laurit. Es ist weiß, hart, s…

Ruthenkappe

Adelung

ruthen·kappe

Die Ruthenkappe , plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine lederne Kappe an der Handruthe eines Dreschflegels, welche mit der Flegelkappe …

Ruthenkraut

Adelung

ruthen·kraut

Das Ruthenkraut , des -es, plur. inus. ein ausländisches Gewächs, welches an vielen den Ruthen ähnlichen Zweigen große zerschnittene Blätter…

Ruthenmann

Adelung

ruthen·mann

Der Ruthenmann , des -es, plur. die -männer, S. Adelung Ruthengänger .

Ruthenmuskel

Campe

ruthen·muskel

Der Ruthenmuskel , — s, Mz. — n , in der Zerglk., die Muskeln der männlichen Ruthe.

Ruthennerve

Campe

ruthen·nerve

Der Ruthennerve , — n, Mz. — n , in der Zerglk., die Nerven der Ruthe (Nervi penis ). Der obere und der untere Ruthennerve .

Ruthenschlag

Campe

ruthen·schlag

Der Ruthenschlag , — es, Mz. — schläge . 1) Ein Schlag mit einer Ruthe. 2) Der Schlag, die Bewegung der Wünschelruthe.

Ruthenschwinger

Campe

ruthen·schwinger

◬ Der Ruthenschwinger , — s, Mz . gl. einer der die Ruthe schwingt, etwas damit zu schlagen, oder damit zu treiben. So nennt Baggesen den Gö…

Ruthensegel

Campe

ruthen·segel

Das Ruthensegel , — s, Mz . gl. in der Seefahrt, solche Segel, die unter eine schräg gegen den Gesichtskreis geneigte Raa, die eine Ruthe od…

rutherfordium

LDWB1

rutherfordium [ru·ther·fǫr·di·um] m. ‹chim› Rutherfordium (ein Transuran) n.

Rutherfurd

Meyers

Rutherfurd (spr. rödherförd), Lewis Morris , Astronom, geb. 25. Nov. 1816 in Morrisania (Staat New York), gest. 30. Mai 1892 in New York, wi…

Rutherglen

Meyers

ruth·er·glen

Rutherglen ( Ruglen , spr. rödherglen oder rögglen), Stadt ( royal burgh ) in Lanarkshire (Schottland), am Clyde, dicht bei Glasgow, hat Eis…

ruthe als Zweitglied (30 von 51)

Alpruthe

Adelung

alp·ruthe

Die Alpruthe , plur. die -n, bey dem großen Haufen, in einander gewachsene Zweige eines Baumes, Strauches oder einer Pflanze, dergleichen ma…

Angelruthe

Adelung

angel·ruthe

Die Angelruthe , plur. die -n, eine lange Ruthe, an welche die Angelschnur befestiget wird.

Ankerruthe

Adelung

anker·ruthe

Die Ankerruthe , plur. die -n, die gerade Stange Eisen, welche von dem Ringe bis zu dem Kreuze eines Ankers gehet, und auch Ankerhelm, ingle…

baumruthe

DWB

baum·ruthe

baumruthe , f. ein dünner, in die fuge des weberbaums passender stab, woran sich die kette festigt.

Birkenruthe

Wander

birken·ruthe

Birkenruthe Die Birkerut zeucht die Lieb des Kinds. ( Wachter. ) »Ich hab liebe Kind. Wie lieb haben sie dich? Lug das du jnen nit zu lang l…

Bleyruthe

Adelung

bley·ruthe

Die Bleyruthe , plur. die -n, Nadeln oder Stifte von Bley an dem Harnische der Seidenweberstühle, den Harnisch herab zu ziehen; Franz. les A…

Brückenruthe

Adelung

bruecken·ruthe

Die Brückenruthe , plur. die -n, im Brückenbaue, Ruthen, d. i. Bäume, die man quer über einen schmalen Fluß leget, und diese wieder mit Bret…

Flammenruthe

Adelung

flammen·ruthe

Die Flammenruthe , oder Flammruthe, plur. die -n, bey den Tischlern, eine lange mit Kerben versehene Leiste, andere geflammte Leisten darnac…

Flammruthe

Adelung

flamm·ruthe

Die Flammruthe , der Flammstock, S. Adelung Flammenruthe und Adelung Flammenstock .

Goldruthe

Adelung

gold·ruthe

Die Goldruthe , plur. die -n, eine Pflanze, welche zum Theil auf den trocknen Wiesen und in den Wäldern Europens wächset, und wegen ihrer he…

handruthe

DWB

hand·ruthe

handruthe , f. der lange stiel am dreschflegel, an der peitsche. Jacobsson 2, 206 b .

hirschruthe

DWB

hirsch·ruthe

hirschruthe , f. das männliche glied des hirsches; gedörrt als heilmittel verwendet. öcon. lex. (1730) 1036.

hundsruthe

DWB

hunds·ruthe

hundsruthe , f. der schwanz und das männliche glied eines hundes; auch nach der ähnlichkeit mit letzterem name eines schwammes, cynomorium c…

Kohlenruthe

Adelung

kohlen·ruthe

Die Kohlenruthe , plur. die -n, in dem Salzwerke zu Halle, eine Stange, womit man die Kohlen schüret; die Kohlruthe.

Kreuzruthe

Adelung

kreuz·ruthe

Die Kreuzruthe , plur. die -n, bey den Feldmessern, eine Quadrat-Ruthe, d. i. eine Fläche, welche eine Ruthe lang und eine Ruthe breit ist, …

Krummruthe

Adelung

krumm·ruthe

Die Krummruthe , plur. die -n, bey den Vogelstellern, eine starke Stange mit drey Windleinen, dem Schirme gegen über. Auch in dem Jagdwesen,…

landruthe

DWB

land·ruthe

landruthe , f. ein längenmasz auf dem lande ( gegensatz stadtruthe). in Nürnberg hielt die landruthe 16, die stadtruthe nur 10 bis 12 fusz; …

leimruthe

DWB

leim·ruthe

leimruthe , f. mit leim bestrichene rute zum vogelfang. aucipula lymruote, lymerude, limrode, linrode, leymrut Dief. 59 b ; limruten, virga …

mannruthe

DWB

mann·ruthe

mannruthe , f. 1 1) wie mannesruthe: das vertreibt und legt nider die geschwulst und aufblähung der mannruthen. Tabernaem. 594 . 2 2) mannru…

Mếßruthe

Adelung

mess·ruthe

Die Mếßruthe , plur. die -n, von dem Zeitworte messen, ein in Ruthen, Schuh u. s. f. abgetheilter langer Stab, so fern er zum Messen auf dem…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „ruthe". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ruthe/wander
MLA
Cotta, Marcel. „ruthe". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ruthe/wander. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ruthe". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ruthe/wander.
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