rute,
ruthe,
f. virga. II.
Formales. mhd. ruote,
md. rûte, rôte, rûde, rôde. Lexer
mhd. wb. 2, 551,
ahd. ruota Notker
bei Graff 2, 491. Steinmeyer-Sievers 2, 14, 40, ruada, rouda 2, 500, 15; ruoda
Heliand 5734,
mnd. rode,
nnd. rood, rode, roe
brem. wb. 3, 511. ten Doornkaat Koolman 3, 46
b, raue Schambach 168
b. Woeste 211
b,
auch mit secundär entwickelter spirans rauge Woeste 211
b;
altniederfränk. ruoda (
psalm 2, 9),
mniederl. roede, roeye (
vgl. nd. rauge) Kilian,
holländ. roede;
ags. rôd,
engl. rod, rood;
altnord. rôða
in späteren quellen, wol aus dem ags. entlehnt, vgl. Cleasby - Vigfusson 502
a,
dän. rode;
altfries. rode Richthofen 997
b.
ansprechend ist die zusammenstellung des wortes mit der sanskritwurzel ṛdh '
wachsen, gedeihen' Kuhns
zeitschr. 4, 123.
der diphthong ist in oberdeutschen quellen des älteren nhd. erhalten: ruot Dasypodius. Maaler 338
b,
in abgeschwächter form: mit der rueten fischen.
quelle von 1603
bei Schöpf 568,
mundartlich auf dem gleichen sprachgebiet als ua, ue
bis heute. Zingerle 48
a. Hunziker 212. Schöpf 568.
im 16.
jh. auch mit umlaut: die rüt der züht vertreibt on smerz die narrheit usz des kindes hertz. Brant
narrenschiff 6, 21.
die schreibung ruhte
mit dehnungs-h,
die in älterer sprache begegnet, scheint nie recht allgemein geworden zu sein: wie seines (
gottes) zorns auszbruch, wie seiner lieb obacht, wie seine ruht und gnad, wie seine treuw und macht dan strafet, dan bewahret, den kindern Israel hat er geoffenbahret. Weckherlin 216.
die belege für die durch versetzung des dehnungs-h
entstandene form mit th
reichen hinauf bis ins 16.
jh.: on die ruoth, thuot das kind kein guot. Franck
sprichw. (1541) 2, 61
b; ihr seid noch nicht gesteiniget und mit ruthen auszgestrichen ... worden. Schuppius
schr. 177;
es ist die bis auf die jetzige zeit gebliebene schreibung, die der form rute
erst ganz neuerdings wieder gewichen ist, nachdem schon die wörterbücher des 17.
jh. (Henisch, Schottel, Stieler)
die letztere einzig verzeichnen. ebenso unberechtigt wie ruthe,
jedoch seltener ist das bei älteren schriftstellern begegnende rhute: das auch vielleicht were geschehen wenns solt nach unserm willen gehen und nicht ein ander, ohn vermuthen, uns unterworffen seiner rhuten. Rollenhagen
froschm. T 5
a.
vereinzelt finden sich auch formen mit tt: Tucher
baumeisterb. 51, 2 (
die stelle s. unter 2,
b); gott hat der stadt Massilien eine schröckbare rutten (
die pest) ans fenster gesteckt.
quelle von 1753
bei Schöpf 568; mich wundert sêr an ainem mann, das er sein kind nit ziehen kann, und lât es gân, sô gar ân alle ruette. Osw. v. Wolkenstein 19, 4, 4; ich bin der rutten schon entwachsen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 138, 251.
die flexion der wenigen ahd. belege ist die starke. die bei Lexer
mhd. handwb. 2, 551
angeführten mhd. stellen zeigen in ungefähr gleichem verhältnis starke und schwache declination. im nhd. sind schwach flectierte singularformen bis ins 18.
jahrh. hinunter nachzuweisen: unter der ruoten sein. Dasypodius;
quellen von 1603
und 1753
bei Schöpf 568 (
die stellen s. oben). Luther
flectiert das wort in der bibelübersetzung mit vorliebe schwach: ich wil euch wol unter die ruten bringen.
Hes. 20, 37
und so sehr häufig (
belegt 15
mal).
sogar in den nom. dringt das n: ir (
der gottlosen) haus hat friede fur der furcht, und gottes ruten ist nicht uber jnen.
Hiob 21, 9,
ebenso spr. Sal. 10, 13.
das regelmäszige ist allerdings der nom. auf -e (
belegt 11
mal): es wil der bösen kinder rute nicht helffen.
Hes. 21, 13.
starke flexion ist neben der schwachen nur für den acc. belegt: wer die weisheit und die rute veracht, der ist unselig.
weish. Sal. 3, 11,
ebenso spr. Sal. 22, 8.
Jes. 9, 4.
klagel. Jer. 3, 1. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
eigentlich. rute
bezeichnet zunächst einen stamm- oder zweigartigen theil einer pflanze. am gebräuchlichsten ist es von dünnen schöszlingen, doch zeigen die älteren sowie die mundartlichen belege ein umfassenderes bedeutungsgebiet. II@1@aa) rute
am lebenden gewächs: und es wird eine rute auffgehen von dem stamm Isai, und ein zweig aus seiner wurtzel frucht bringen.
Jes. 11, 1; ruthe,
nebenranke Nemnich;
in der Schweiz gebraucht man das wort für den stamm eines baumes. Stalder 2, 295; (
im bilde:) zu Paris er do bequam, da manic kunstlicher stam der lere gibet ir rute.
pass. 550, 75
Köpke; mnd. dâr van (
von den körnchen) scullen dre roden wêrden, de schullen wassen even grôt.
sündenfall 1503
Schönemann; er schlüpft durch hecken und ruthen und dicht verwachsenes gesträuch. Wieland 4, 180 (
n. Amadis 8, 12). II@1@bb)
die abgeschnittene, abgebrochene rute in mannigfacher verwendung. II@1@b@aα) rute
als züchtigungsmittel und zwar sowol ein einzelnes reis, ein einzelner stecken, als auch ein bündel von stecken oder reisern, mit dem man schlägt: in den lippen des verstendigen findet man weisheit, aber auf den rücken des narren gehört ein ruten.
spr. sal. 10, 13; wer seiner ruten schonet, der hasset seinen sohn, wer jn aber lieb hat, der züchtiget jn bald. 13, 24; derhalben warnet Salomon die ältern, daz sie den kindern jrn willen je nit wöllen lassen, sonder sie mit der ruoten straffen. Agr.
sprichw. 251
b; sonst musz er allzeit auf der stube die hosen abziehen, und da tritt der grosze staatsmann mit der ruthe davor, und besieht die postpraedicamenta vom auffgang bisz zum niedergang. Weise
erzn. 147
neudruck; ich stehe hier wie ein schulknabe vor der ruthe. Lenz 2, 132; sie (
die mitschüler) hatten mich einen augenblick im zimmer verlassen und kamen mit ruthen zurück, die sie sich aus einem geschwind zerschnittenen besen verschafft hatten. Göthe 24, 102; mich bindent so vaste die eide, minne unde triuwe beide: des fürchte ich si als daʒ kint die ruote.
minnes. frühling 63, 27; spar den kindern die rut! Fischart
bei Rocholz '
die ruthe küssen'
Germania 1, 144; (
von einem schulmeister:) du andrer Nero du, der mit der ruten läuft, der mit dem steken schmeiszt, der stösset, schlägt und räuft. Grob
versuchg. (1678) 50.
die zuchtrute heiszt scharf: ein frommer vater hält sein kind am meisten unter scharffen ruten. S.
Dach in den ged. der Königsberger 221
neudr. gesalzne rute,
weil sie scharf schmeckt wie salz. so spricht St. Nicolaus, wenn er die kinder beschenkt: gott grüsz euch, liebe kinderlein, euch soll was schöns bescheeret sein, so aber eins nicht folgen thut, dem bring ich die gesalzne ruth.
Germania 1, 147.
ohne rute gedeihen die kinder nicht: mich wundert sêr an ainem mann, das er sein kind nit ziehen kann, und lât es gân, sô gar ân alle ruette. Wolkenstein 19, 4, 4; kinder, die der vater soll ziehn zu allem guten, die gedeihen selten wol ohne zucht und ruten. P. Gerhardt 138
Gödeke. deshalb soll die rute nicht immer hinter dem spiegel stecken: (
im bilde:) besser dasz an deinem blute sich die rache schnell vollstreckt als dasz sich des vaters ruthe immer hinterm spiegel steckt. Rückert 397.
in sprichwörtern und redensarten: ye zarter kind, ye gröszer ruot. Wolkenstein 7, 3, 3; je lieber kind, je scherpffer rute. Luther
tischr. 1, 95
a; je lieber kind, je gröszere ruthe. Mathesius
hochzeitpred. (1564) N 1
b; je schärfer die ruthe, je besser das kind. Wander 3, 1780, 33; on die ruoth, thuot das kindt kein guot. Franck
sprichw. (1541) 2, 61
b; ruot macht die kinder guot. 16
a; rute macht fromme kinder. Luther 5, 214
b; frische ruthen, fromme kinder. Wander 3, 1780, 31; die ruthe macht aus bösen kindern gute. Simrock 465; wer der ruthe nicht folgt, musz dem stricke folgen. Wander 3, 1781, 61; die ruthe bricht den kindern kein bein, macht auch keine beulen. Henisch 262, 36; du liebe ruth, wie thust du mir so gut. Simrock 465;
der älteren zeit gehört die wendung an: liebe ruoth, thetest du (
gut) ich thet nimmer guot. Franck
sprichw. (1541) 2, 16
b oder in etwas anderer fassung bei Keisersberg: wenn man ein kind houwt, so musz es dann die ruten küssen und sprechen: liebe rut, trute rut, werestu, ich thet nymer gut.
bilgerschafft (1512) 68
d.
über das hier erwähnte küssen der ruthe
vergl. Rochholz
Germ. 1, 134
ff. wenn nicht die sitte, so findet sich doch die redensart noch in neuerer zeit: so würde ich die ruthe küssen und sagen, du hast recht, ich hab es verdient. Kotzebue
dram. sp. 3, 228.
wie der knabe die rute des vaters oder des lehrers, so küszt der fromme die rute gottes (
s. dieses unten): wir küssen deine rut' und was du thust, ist gut o wunder-gott, uns allen. H. Albert
in den ged. der Königsberger 264
neudruck. wenn die ruthe ausgedient hat, musz sie in den ofen. Simrock 465. ein kind unter der rute halten: wer sein kind lieb hat, der helt es stets unter der ruten, das er hernach freude an jm erlebe.
Sirach 30, 1; hiebey mercket, jr erbarn alten, das jr solt ewre kinder halten unter der ruten, die mit schmertzn des kinds thorheit treib ausz dem hertzn. H. Sachs
fastn. sp. 1, 68, 482
neudruck; hab wol ein weib, get sauber rein ... und helt mich auch wol üeberaus, wan ich mein schwiger hab im haus, die sie zeücht und helt unter der rüeten. 6, 150, 15. einen in, unter die ruten nehmen
wie in die zucht nehmen: danks ihnen der teufel, dasz sie mich armen mann in ihre ruthen nehmen sollten. Luther
tischr. 1, 96; solt jm sein erbtail geben und nit nemen unter die rüt. Schmelzl
verl. sohn 8
b; under der ruoten sein. Dasypodius; nicht mehr unter der ruthe stehn,
sein eigner herr sein. Wander 3, 1783, 102; der rute entwachsen sein: du bist der ruten schon entwachsen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 471, 71
neudruck. Für den erwachsenen freien mann sind nach altgermanischem recht rutenschläge eine entehrende strafe. er verlor dadurch seine freiheit. vgl. Grimm rechtsalterth. 704.
häufiger erwähnt wird die sitte, jemand mit ruten zum thor hinauszujagen, hinauszuschlagen:
mnd. umb beden willen der heren lies men in (
den weinfälschern) dat lif, ind men brante si zo beiden backen ind ouch in dem nacken, ind man sloich si mit roden zo der stat us, ind man richde over den win.
städtechroniken 13, 157, 19; man hat dich zuo Tiereck am Necker mit ruoten zuo dem thor uszgejagt.
fastn. sp. 865, 32.
die gleiche sitte ist gemeint, wenn es heiszt: solt man solchen schelmen nicht mit hunden aushetzen, oder mit ruten ausleuchten. Luther 4, 383
b; mit ruthen den kehraus tanzen. Wander 3, 1783, 101.
eine schwäbische quelle von 1735
bei Birlinger 378
b meldet, dasz einer jungen weibsperson wegen unehelicher schwangerschaft nach überstandenem pranger die rute in den nacken gesteckt
und sie aus der stadt gewiesen sei. hier erscheint demnach die strafe zum symbol abgeschwächt; dasselbe klingt in einzelnen der im folgenden angeführten wendungen (jemanden eine rute über den rücken, sich aufbinden, sich auf den hals legen)
noch deutlich durch. eine besondere art von ruten, die dem erwachsenen gegenüber in anwendung gebracht wurden, ist die lange rute;
so nennt man in den Ostseeprovinzen solche, welche langen, starken spieszruten gleichen, im gegensatz zu kinderruten. Hupel 198.
nach Kilian
hiesz in Antwerpen langhe roede
stator primarius, longam virgam gerens, korte roede
apparitor publicus, viator, stator, rhabducus, breviorem virgam gerens. der ausdruck mit der langen ruhten schlagen (Schottel 1118
a)
oder strafen (
brem. wb. 3, 511)
gewinnt die bedeutung '
jemanden nicht unmittelbar nach der that kurzer hand bestrafen, sondern so, dasz er erst nach einiger zeit, und noch lange hernach, die nachtheiligen folgen merkt'.
brem. wb. a. a. o. Die rute, mit der man schlagen will, wird gebunden
oder geflochten: (
im bilde) niemant, dann ich selber soll mich beclagen, wan ich hab die rud, damit ich jetzt geschlahen werd, selber geflochten und gemacht.
Aimon x; es bindet mancher ein ruten zu seinem eignen hindern. Henisch 387, 60; ey lieber lies nicht mehr, sonst wirst du gar zum kinde, und darffst, dasz dir mein reim noch eine ruthe binde. Logau 1, 21, 69.
dieses bild sonst häufig: er hat jhm ein ruten zu seinem eignen arsz gemacht. Henisch 828, 31; wir würden uns nicht rühren dürffen, dasz es unsere eltern nicht erführen und würden uns eine eigne ruthe über unsern rucken binden. Schoch
studentenl. B; eine ruhte zu seinem eigenen rükken binden. Schottel 1115
a; he bindet sik ene rood to sinen egen steerd,
er gibt sich mühe in einer sache, die zu seinem eigenen nachtheil ausschlagen wird. brem. wb. 3, 512; sie haben mir eine grosze freude gemacht, ob ich gleich wohl sehe dasz ich mir eine neue ruthe aufgebunden habe, indem ich sie zu meinem zweyten oheim annahm. Göthe 38, 71; sich eine rute auf den hals legen,
sich mit etwas eine unnöthige plage machen. Spiesz 200; swer den frouwen setzet huote der tuot daʒ übele dicke stêt. vil manic man der treit die ruote, dâ er sich selben mite slêt.
minnes. frühl. 65, 23; wir han mit unserm eygnen swerdt uns selb geschlagen solche wunden, zu unserm rück ein rhuten gbunden. B. Waldis
Esop 3, 22, 20; noch sind, hilff groszer gott, bey so betrübten sachen, die ob dem greuel-werck, die seele lustig machen; die den verstockten geist beschmissen mit dem blut, und binden über sich ein ungeheure ruth. A. Gryphius (1698) 1, 326, 140;
freier: neid ist sein eigen ruth. 2, 349.
mit beziehung auf einen andern: mnd. one was dat sulvest eyne grote inwendige echgelinge (
verdrusz), sunder se mosten swigen, wente se worden myt dersulven rode gesmetten, dar se mannigen mede kettelt hadden.
städtchron. 16, 384, 3; got sleicht manchen mit sinre eigener roiden die he doch eime anderen gemaicht hait. 13, 579, 32.
in älterer sprache eine rute binden auf eine missethat: weil väter ja auf böser kinder sünden, auf frommer nicht, die scharffen ruthen binden. Lohenstein
geistl. gedanken 56, 1035.
vor dem gebrauch wird die rute eingeweicht,
damit sie geschmeidiger wird; im bilde: dut kumpt vaken, dat eyn deme anderen de rode in de weke leyt, de one sulvest vor den ers smyt, so dat eyn de well den anderen to deme dode bringen unde stervet myt synen vyenden.
städtechr. 16, 311, 6; warte nur die rute ist schon eingeweicht,
als strafandrohung. Eiselein
bei Wander 3, 1783, 107.
drohung mit der rute: du bist deiner amme entlaufen, weil sie dir mit der ruthe gedroht hat. Schiller
räuber 3, 2
schausp. mit der rute schlagen, hauen, aushauen, streichen, ausstreichen: las nicht ab den knaben zu züchtigen, denn wo du jn mit den ruten hewest, so darff man jn nicht tödten.
spr. Sal. 23, 13;
im bilde: aber nu du kriegerin, rüste dich, denn man wird uns belagern, und den richter Israel mit der ruten auff den backen schlahen.
Micha 4, 14; einen mit ruoten halb zetod schlahen. Maaler 338
b; das frauenzimmer hat ihn so lang bey dem könig verleumbdet, bisz der könig eine ungenad auff ihn geworffen, und befohlen dasz er solle mit ruthen gestrichen werden. Schuppius 43; ihr seyd noch nicht gesteiniget und mit ruthen auszgestrichen, und mit fäusten geschlagen worden. 177; man solt in slahen mit ain ruot, das er sin wib hett in huot.
teufels netz 12124; ich liesz dich woll mit ruetn auszstreichen.
Sterzinger spiete 1, 202, 284; der scherer wart mit ruten ausgehauen. H. Sachs
meisterl. 110, 41
Gödeke; der her liesz in mit ruten schlagen. 275, 27; der schuf, das man fieng den keiser, liesz mit ruten hauen in angesichte seiner frauen. 276, 39; (
er) liesz jhn aushawen mit der ruthen, dasz jhm darob der ruck thet bluten. Sandrub 66, 19
neudruck; drumb nimb entweder die jungfrauen oder lasz dich mit ruten auszhauen! Ayrer 2251, 25
Keller. sprichwörtlich: man straffet keinen mit doppelter ruthen,
vel man streichet niemanden mit zwey ruthen,
nemo duabus virgis castigatur h. e. nemo bis aut dupliciter punitur. Pistorius 4, 50.
im hennebergischen gebraucht man den ausdruck mit doppelter rute strafen
heute von jemandem, der zweimal eine zahlung fordert. Spiesz 200. mit ruten fitzen: sy (
dein weib) wirt offt oben auff dich sitzen und dir dein loch mit ruoten fitzen. Wickram
loszbuch (1564) L 2
b (34
b). die rute geben,
virgis tergum, vel nates lacerare, ferulis objurgare. Stieler 1596. einem eine rute geben
in übertragenem sinne: der straft mit seiner fabel Barnabe thorheit und gibt den guten frewlin auch ein ruot. Steinhöwel
decamerone (1535) 20. 53
b; einem (
heute einen) die rute kosten lassen,
expedire virgas in pellem alicujus. Stieler
a. a. o. jemand kriegt die rute,
d. h. rutenstreiche: kurz, Bonifazchen hörte sich immer wegen solcher handlungen loben, um derentwillen er hätte die ruthe kriegen oder ans katzentischchen gesetzt werden sollen. Wieland 15, 159;
von einem, der unter strenger zucht etwas ordentliches gelernt hat, sagt man er hat die ruten versucht. Wander 3, 1782, 83. die rute liegt auf dem rücken
dessen, der geschlagen wird: Megenze und Kölne, nû lît iuwer ruote dem rîche ûf sîme blôʒʒen rugge. Reinmar v. Zweter 224
Roethe. dem schlagenden in die ruten fallen,
die züchtigung aufzuhalten suchen; bildlich: an dem ort ist es kein schand, wan du (
Deutschland) die seuftzer lessest wallen; versuch auch wol, mit khekker hand, ob du könnst in die ruten fallen! sink nider, ruef ihm (
gott) knühend zu, dasz er dir nun nichts ferner thu. Rompler 170.
Wie man gott den vater aller menschen nennt, so stellt man ihn sich auch vor als eine rute führend, mit der er die menschen straft und bessert: mnd. so is de almechtige god ghelyk eyneme vader, de synen kynderen wyset de rode unde se ok dar mede sleyt; unde wan syk denne de kyndere beteren unde don den wyllen des vaders, so bryckt he de roden entwey unde werpt se int fuer unde heft de kynder lyke leff.
Reinke de Vos 64
Prien; Assur wird erschrecken fur der stimme des herrn, der jn mit der ruten schlegt.
Jes. 30, 31; o wie fro wolten wir sein, wenn er (
gott) gleich alle bewme zu ruten machet, uber die bösen kinder.
Hes. 21, 10; er hat sie offt gezüchtiget, was hats geholffen? es wil der bösen kinder rute nicht helffen spricht der herr herr. 13; zwar wan ich weisz dasz dem, den deine ruht zu züchtigen getroffen, so bald er nur umbwendet seinen muht mit busz zu dir, dein gnaden thor stracks offen; so soll und will auch ich mit trew und rew allzeit (zwar billich) hoffen auf dich, mein got, barmhertzig, gut, getrew. Weckherlin 108; wie grausam seine (
gottes) ruten, wie zornig seine fluten, will ich aus diesem leiden sehn. P. Gerhardt 73, 72
Gödeke; drum, liebes herz, sei ohne scheu und sieh auf deines vaters (
gottes) treu! empfindst du auch hier seine rut, er meints nicht bös; er ist dir gut! 228; (
gott) will mein fehlen mit der rut und nicht mit dem schwerte rächen. 238; vergeh ich mich, so winke nur, und bringt auch dieses keine frucht, so nimm die ruthe deiner zucht. Günther 74; er (
gott) ist ein vater, der zwar schlägt, doch auch nicht ewig ruthen trägt. 89; nimmt aber bosheit überhand, so besserst du (
gott) mit schärfrer ruthe ein ungehorsam land. Uz (1768) 1, 322 du bist ja gut, und läszt die ruth im schwunge oft aus deiner rechten fallen. Schubart
ged. 1, 64; dasz nicht an euch sich das beispiel erneue, nicht als verworfenes volk euch zerstreue rings in die länder die ruthe des zorns. Rückert (1882) 1, 198.
der komet erscheint als das sinnbild der rute,
mit dem gott straft: den kometen steckt er wie eine ruthe drohend am himmelsfenster aus. Schiller
Wallenst. lager 8.
das ungemach, die strafe, die gott den menschen zu theil werden läszt, heiszt seine rute: nim von uns die scharffe ruht (
die pest), hör auf, uns so zu plagen. Rist
neuer himml. lieder sonderb. buch (1651) 23.
auch die menschen, deren sich der herr zur züchtigung anderer bedient, sind gottes ruten: o weh Assur, der meines zorns rute, und jre hand meines grimmes steck ist, ich wil jn senden wider ein heuchelvolck, und jm befelh thun wider das volk meines zorns, das ers beraube und austeile, und zurtrette es, wie kot auff der gassen.
Jes. 10, 5; das wir sollen das volck jmer vleissig zur busse und zum gebet vermanen, wider die rute gottes, den Türcken. Luther 8, 170
b; so spricht der herr: von bösem stamm auf eines eilands grunde gesäugt von giftig bösem schlamm, schnitt ich zur bösen stunde ein reis, das ich zur ruthe band, zu züchtigen das feste land, ihr völker habt's empfunden. Rückert (1882) 1, 169 (
von Napoleon I.).
auch ohne ausdrückliche beziehung auf gott nennt man menschen ruten,
wenn sie strafen und bessern: keiserliche maiestet sol auch gesagt haben, wenn die pfaffen from weren, so dürfften sie keines Luthers ... seine maiestet wil damit so viel anzeigen, das der Luther sey der pfaffen rute, und habens auch wol verdienet, und seien nicht recht in jrem wesen. Luther 5, 281
a; Johannes der vil gûte was aller zuht ein rûte.
altes pass. 349, 52.
eigenschaften wie scham, bosheit
sind ruten,
weil sie den menschen strafen oder bessern: wer unrecht seet, der wird mühe erndten, und wird durch die rute seiner bosheit umbkomen.
sprüche Sal. 22, 8; diu scham ist der zuhte ruhte. Lampr. v. Regensburg
Franciscus 3638
Weinhold. die rute
gehandhabt auch vom schicksal, glück, weisheit, liebe u. a.: o möcht ein sterblicher erlernen, was in der zukunft dunkeln fernen das schicksal oft für ruthen flicht. Drollinger 117; o spare (
du glück) die zerschmiszne ruthe auf einen, welcher besser fühlt! Günther 202; und ob sie (
die weizheit) zum ersten sich anders gegen jm stellet, und macht jm angst und bange, und prüfet jn mit jrer ruten, und versucht jn mit jrer züchtigung, bis sie befindet, das er on falsch sey, so wird sie denn wider zu jm komen auff dem rechten wege, und jn erfrewen.
Jesus Sirach 4, 19; baide reiche und arme pfaffen und layen hat sie (
die minne) under der ruoten.
minne-falkner 1. II@1@b@bβ)
häufig rute
als stab des hirten, bischofs, richters, königs, nicht ohne beziehung auf die bedeutung des wortes als zuchtrute: gerihten saltu sî in ruodan îsirnero.
altniederfränk. psalmen 2, 9 (
bei Luther du solt sie mit einem eisern scepter zuschlahen);
mnd. in den gulden srin unses heren Jesu Christi unde siner hilgen moder Marien sin dusse beinte beworht: von dem holte des hilgen cruces, ... von der roden Aaron.
deutsche chron. 2, 2, 602, 4; er hette eine guildine rutte in siner hant, und er hiesz die kuinigin, dasz sie an die rutte kuiste. Scherz - Oberlin 1339; er vand die rut Aarons gronend in dem hause Levi.
bibel von 1483, 75
a (
bei Luther stecken
4 Mos. 17, 8); und alle zehenden von rindern und schafen, und was unter der ruten gehet, das ist ein heiliger zehende dem herrn.
3 Mos. 27, 32; (
im allerheiligsten war) die rute Aaron, die gegrünet hatte.
Ebr. 9, 4; und sie gebar einen son ein kneblin, der alle herden solt weiden mit der eisern ruten.
apocalypse 12, 5 (
μέλλει ποιμαίνειν ἐν ῥάβδω σιδηρᾷ); er wird sie regieren mit der eisern ruten. 19, 15.
in freierem gebrauch kommt das wort dann der bedeutung von '
herrschaft'
nahe: der hasz, den man gegen die bischöffe hatte, oder vielmehr Philipps eiserne ruthe förderte diese revolution, die Europa zum erstaunen zwang. Schiller 4, 102; jemanden seiner rute unterwerfen Rollenhagen
froschm. T 5
a (
die stelle s. oben unter dem formalen). sich unter jemandes rute bücken: wie kümmerlich beschrieb ich den zustand dessen, der sich unter ihre (
des als hausmutter gedachten gewerbes) ruthe bücken sollte. Göthe 18, 42. II@1@b@gγ)
zauber-, wünschelrute, die besonders zum auffinden von quellen, erzen, schätzen dienen soll, gewöhnlich eine gabelförmige haselgerte, doch auch aus anderem holz oder aus metall: solche erkundigung, die schetz zu suchen, ist nit allain zu Seedorf beschehen mit einer heszlin rueten, die gezweigt von oben herab bisz unden uf den boden, das die gabel ufgeschlagen, sonder auch zu Mösskirch im undern hof.
Zimmer. chron. 4, 136, 9; ruote damitt ettliche vermeinent die geng auszerichten,
virgula furcata. Bechius
Agricola vom bergw. (1557) S 3
a; ruthe, wünschel-ruthe, ist eine zwieszliche ruthe von holtz, meszing, oder andern metall, womit der ruthen-gänger, wenn er solche mit beiden händen aufrecht fasset, die ertze, oder gänge suchet.
min. u. bergwerkslex. (1743) 458
a. 603
b; Adam der erste bergkman gut, wusch golt, rent (
schmetzte) eisen, durfft kein rut. Mathesius
bei Veith 389; (
wo ist) die ruthe die ich nechst, als zwischen tag und nacht die gleiche sonnen stund, aus vielen haselsträuchern mit schwerer müh erkohr? A. Gryphius (1698) 1, 59; raum alles weg, trag ruthen, zeug und licht an den bestimmten ort. 61.
in die unmittelbare nähe des gesuchten gegenstandes gekommen, merkt man den schlag der ruthe, wo sie unterwerts drehet.
mineral. u. bergwerkslexicon (1743) 603
a;
im bilde: heilig und feierlich war immer der stille, der grosze augenblick in dem schauspielhaus, wo die herzen so vieler hunderte, wie auf den allmächtigen schlag einer magischen ruthe, nach der fantasie eines dichters beben. Schiller 3, 351; einem schlägt die ruthe.
min. u. bergwerkslex. (1743) 458
a; die ruthe schlägt auf etwas: wie erwähnt, soll die wünschelruthe auf quellen schlagen. Gätschmann
bei Veith 582; die ruthe schlagen,
mit der wünschelrute lagerstätten, quellen aufsuchen. Veith 389. Hunziker 212.
in gleichem sinne mit der ruthe gehen Veith
a. a. o. ruthen schlagen, ruthen gehen. Jacobsson 3, 474
b.
vgl.rutengänger, -schlager. II@1@b@dδ) ausgesteckte rute (
bündel von reisern)
als zeichen des bierschanks: mnd. de wile de rode to dem berhuse steket, so ne is dar binnen den ver wenden .. nen husvrede.
quelle bei Schiller-Lübben 3, 495
a; wanne de rode in ghetoghen unde de geste upgherekent hebbet ... so is dar husvrede.
ebenda. vgl. bierrute
oben theil 2,
sp. 1. II@1@b@eε)
meszrute, meszstange von bestimmter länge, die aber nach ort und zeit verschieden ist, und mit maszbestimmungen versehen: et sorte divisit eis terram in funiculo distributionis, unde nâh keuuorfenemo lôʒʒe teilta er daʒ lant, mit mâʒseile. also man nû tuot mit ruoto. Notker 77, 54; der mann im Ezechiele, welcher ist der son gottes, der rechte werckmeister der kirchen gottes, .. der hat seine ruthe und meszstab, damit er den newen und geistlichen tempel abmisset. Mathesius
Sarepta 97
b; wie sie auch vorzeiten jre meszstebe oder ruten .. von solchen glatten, leichten und holen rohren macheten. 104
b.
übertragen auf eine strecke, welche die länge einer solchen meszstange hat: und wo man aber ein pflasterer zu fur dinge und uberhaupt hin lassen will, gibt man ie von einer rutten, die hat dreizehen stat schuch und mit gerechent in ein vierung nach der ruten, ein ruten uber zwerch und ein ruten nach der leng, do gibt man von sechtzig pfenning allein zu machen. Tucher
baumeisterbuch 51, 3; der man hatte die mesruten in der hand, die war sechs ellen lang, .. und er mas das gebew in die breite eine ruten, und in die höhe auch eine ruten.
Hes. 40, 5; er hat jungfrau Coelestinen eine schnur perlen gegeben, sechs ruten lang. A. Gryphius 1, 812. quadrat- oder kreuzruthe, cubicruthe Eggers
kriegslex. 1, 688;
auch rute
allein als flächenmasz: honesta matrona Kristina .. dedit atque legavit .. abbati et conventui monasterii Utrine vallis .. 5½ jugera agri campestris .. videlicet 5½ ruoten neben Redekindes morgen; item 3 ruoten neben Hertwiges hove; item 7 ruoten minus quattuor pedibus neben dem fron acker.
urk. von 1307
in Mones
zeitschr. für die gesch. des Oberrheins 19, 318;
ebenso als körpermasz (Jacobsson 7, 126
b): item die rueten, so die paumaister brauchen, soll fassen tausent stain in die vierung von anderthalben stain ungevärlich.
Münchener bauordnung von 1489
bei Auer
stadtrecht von München 212, 37. II@1@b@zζ)
als bezeichnung für die starken bäume, aus welchen die flügel einer windmühle gebildet werden. Jacobsson 3, 474
a: dat weder schleit in des stadholders mollen .. eine rode aff.
quelle bei Schiller-Lübben 3, 495
a. II@1@b@hη)
benennung der hohen stangen und pfähle, an welchen man das dach eines offenen korn- oder heuschobers auf- und niederschieben kann. Schütze 3, 299. II@1@b@thθ)
angelrute. quelle von 1603
bei Schöpf 568 (
die stelle siehe oben unter dem formalen). II@1@b@iι)
ruderstange, ruder. ruode, rode,
remus Diefenb.
gl. 492
a,
nov. gl. 326
b. II@1@b@kκ)
der mittelalterliche riese trägt eine ruote,
eine stange, als waffe: unz daʒ der michel knabe als ein ochse erluote, und wancte diu ruote die er dâ ze were truoc. Hartmann v. Aue
Iwein 5058. II@1@b@lλ)
in Siebenbürgen gebraucht man rute
für '
kerbholz'. Schröer 287
a. II@1@b@mμ)
im altfries. kommt rode
in der bedeutung '
galgen'
vor: sa .. ma hine tô there rôde lêth. Richthofen 235, 4;
im Heliand wird es von dem auch galgo
genannten kreuze Christi gebraucht: nam ina thuo an thero niwun ruodunendi ina fan naglon atuomda. 5734.
das ags. kennt es in gleichem sinne Bosworth - Toller 801
a,
ebenso das spätere altnord. Cleasby-Vigfusson 502
a. II@22)
rutenähnliches. II@2@aa)
für den schwanz mancher thiere, besonders in der sprache der jäger: die ruthe oder standarte, ist eigentlich sein (
des wolfes) schwanz. Döbel
jägerpr. 1, 36
b; des fuchses standarte oder ruthe ist sein schwantz. 40
b; ruthe heiszet der schwanz eines hundes, dachses, wilden katze, fischotters, marders, iltisses, wiesels und haselmaus. Heppe
leithund 205. II@2@bb)
penis. Diefenb.
gloss. 422
c: usz demselben hönig so sol man machen ain zway, glaich ain kindes rutten. Mynsinger 57, 12; das männliche glied (
des hirsches) heiszt die ruthe, der zimmel oder pinsel. Döbel
jägerpr. 1, 18
b; ruthe, das männliche glied eines rothirsches, tannhirsches, rehbocks. Heppe
leithund 206. II@2@cc)
clitoris. Nemnich: die eichel ist nämlich an der weiblichen ruthe in der nusz der häsin fast eben so stark und eben so weit hervorragend als der pinsel des rammlers. Heppe
jagdlust 1, 204. II@33) rute
in technischer sprache: von dem langen hauptkörper des ankers. Jacobsson 3, 474
a;
von den dünnen eisernen stangen, auf welchen die schwingen der strumpfwirkmaschinen beweglich fest sitzen. ebenda; von den flachen stäben oder schienen am webstuhl, welche hinter dem kreuze in die kette oder den aufzug eines zeuges gesteckt werden. ebenda; von dem dünnen messingenen stabe, mit dem der flor des sammts, plüsches und ähnlicher zeuge hergestellt wird. 474
b.