strafrute,
f.,
vgl. oben strafgeisel: strafruthe Schottel
haubtsprache (1663) 441,
verga da castigo Kramer
dict. 2 (1702), 393
b,
flagello vindice 993
c, '
eine ruthe, mit welcher ein kind gestraft wird' Campe;
zugleich in bildlicher anwendung: drumb ist es besser vom freund dann vom feind die bissig warheyt hören und den hindern seiner strafruoten darbieten S.
Frank sprüchw. (1541) 2, 160
b; wann sie die strafruhten nicht küssen, sondern sich ungebärdig erweisen wollen Harsdörfer
teutscher secretarius (1656
ff.) 1, F f 7
b (
der biedermann [1728] 1, 77);
besonders aber die strafrute gottes
als requisit der geistlichen strafpredigt,
so von pest, hungersnoth, theuerung, krieg und andern übeln ( Campe): mord ... bringet gottes strafferut über ganze königreiche Harsdörfer
poet. trichter (1653) 3, 350; göttliche straffruht Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 190; wenn ich je zuweilen den sündern mit gottes str. drohte, so ward ich verspottet Kotzebue
dram. w. 3, 78 (
Adelh. v. Wulfingen 3, 5); zum zeichen, dasz nun sey die strafruth abgeschafft, läst der bedrängten welt gott nun in unsren gränzen nach des gewitters drohn die sonne doppelt glänzen Heräus
gedichte u. inschriften (1721) 60;
und so noch vereinzelt in der erbaulichen sprache der neueren zeit: o wie häufig wird dieses ernste gebot überschritten, namentlich in jetziger zeit, wo der irdische sinn die höchste höhe des verderbens ersteigt, und trotz der strafruthen gottes, deren er immer eine um die andere über dieses geschlecht ausreckt, immer noch höher hinaussteigt L. Hofacker
predigten16 886.
ähnlich in massiv-volksthümlicher vorstellung: liesz mern herrgotten nur als barmherzigen vatern gelten, krieget der ärgst sünder kein streich, und gäb man ihm herentgegen die strafrutn in die hand, mit der er jedem, nit nur für werk, sondern
auch um wort und gedanken aufmesset, dann wär keiner auf der welt von dschläg ausgeschlossen Anzengruber
w. 2, 176;
vgl. auch die vorstellung: was du der sterblichen elend heiszest, ist der Cherub, welcher mit geschwungener str. den vom göttlichen abgefallenen geist zur erkenntnis seiner abkunft und in das verlorne paradies zurückführt Zschokke
schr. (1824
ff.) 35, 38;
als realer ausgangspunkt im volksthümlichen aberglauben: ein comet, für dessen blutigen stralen, welche meist eine str. abbilden, das auge abscheu hat Lohenstein
Arminius (1689) 1, 184
b; des kometen, welcher ... von ewiger zeit her als der prophet, der vorläufer, die ehrenpalme und str. des verhängnisses ... angestaunt ward Brentano
schr. 4, 405.
aus diesem grunde auch sonst als bildliche umschreibung für den begriff strafe: er lebt mäszig, weil ihn die str. der unmäszigkeit zu oft gezüchtiget hat J. A. Fessler
Marc Aurel 1, 228;
vgl.doch ich vergesse, dasz ich die str. der üppigkeit auf einige zeit einzuziehen verheiszen habe Sonnenfels
schr. 2, 131;
auch ohne solchen zusatz allgemein '
schicksal, verhängnis'
u. ä.: übles sollen wir ihr auch nicht wünschen, vielmehr, dasz die schwere str., die über ihrem haupte hängt, nicht allzuhart niederfalle A. v. Droste-H.
br. an L. Schücking 140;
ähnlich schon: wann auch gleich die straffruthen am heufigsten und dücksten uber sie kommen Butschky
trostbächlein (1626)
vorr. in menschlicher sphäre: groszer herren straffruthe ist erst ermahnen, hernach bande A. Olearius
pers. rosenthal 108;
auch von personen; als übergang deutliche anlehnung an die str. gottes: das hat mächtig nationen, eroberer und strafruthen gottes zusammengebunden, aber nie ein innerlich lebendig, kräftig und glückselig volk gebildet Görres
schr. (1854
ff.) 2, 42; ach ich seh in dir bereits die str., die bald über Athen ... jammer verbreiten wird A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 44;
und so: ist der von dem schöpfer der menschen erflehte erbe die künftige str. seines und fremder reiche? Sonnenfels
schr. (1786) 8, 3;
auch von groszen menschlichen bewegungen: die französische revolution scheint eine str. für Europa Pauline zur Lippe
an Chr. von Augustenburg 202 (1794).