röslein,
n. ,
demin. zu rose,
mhd. rœselîn, rôselîn, rœsel;
rosula, rosel, röszlin. Dief.
gloss. 500
c.
im nhd. wechseln röslein
und röselein
ohne unterschied; jetzt ist röslein
das gewöhnliche; oberdeutsch daneben auch rösle.
der plural röserlein
nur vereinzelt in dialekten (
vgl. kinderlein u. a.),
z. b: ich flouckte mir de reserlai, ich bond mer wuol a'n kranz. Erlach
volksl. 4, 225. 11)
eigentlich: und andere mit blümelein, mit myrten, gilg und röselein verschräuckte sträusz und kränzlein binden. Weckherlin 349; ein röslein, wenns im lenzen lacht und in den farben pranget. P. Gerhard 12
Gödeke; groszväter mit aufgeschlagener bibel, und in der ahninnen hand ein röselein oder ein pfirsich. Voss
Luise 56, 26
Hempel. bezeichnung nach der farbe, rothe, weisze, helle röslein
u. dergl.: were mochte des ein meister sin, das sich ein rotfarwe roselin clare geferwet und fin.
zeitschr. f. d. alterth. 2, 131; sie wolte in den grünen wald nach roten röslein
gen. Uhland
volksl.2 158 (93
b. 1); ach dasz, was anrürn deine hend, in rote röslein sein gewend. P. Melissus
bei Opitz (1624) 164; wie die rohten röszelein, aller blumen zieraht seyn.
Venusgärtl. 18
neudr.; was stichst du mich, du röslein roth? Arndt 68; im garten, in dem weiszen schein fand ich ein rothes röselein. Immermann 11, 61; zarte, schneweisze wängelein, wie marmorstein poliert, doch als die blanken röselein mit röte purpuriert.
liederb. aus dem 16. jh. 19, 10; dann nur die liechten röselein, die reisten her auf mich. Uhland
volksl.2 53 (27, 5); ihr hübsch lavendel, roszmarein, ihr vielfarbige röselein. Erlach
volksl. 1, 399.
mit hervorhebung des duftes: die röslein dufteten stille und blickten lieblich herfür. Uhland
ged. (1864) 221. röslein brechen: die röslein sind zu brechen zeit, derhalben brecht sie heut! Uhland
volksl.2 49 (21, 1); rot röslein wolt ich brechen zum hübschen krentzelein. P. Melissus
bei Opitz (1624) 165. röslein
als schmuck, besonders an den busen gesteckt: gieb mir zum wenigsten heute das röselein, das dir am busen wallt! Voss 2, 307; wann sie sich glänzend schauen läszt, die röslein an der brust. Uhland
ged. (1864) 28. 22)
mit symbolischen beziehungen, als blume der liebe; auf gräbern, besonders liebender: und sollt' ich einsmals scheiden, wo begräbt man mich dann hin? in meines liebchens garten, wo rothe röselein stehn. Erlach
volksl. 4, 73.
daher vorbedeutung des todes des, bez. der geliebten: do fielen drei röslin in mein schosz. 'nun sag, nun sag, guot röslin rot: lebet mein buol oder ist er tot?' Uhland
volksl.2 291 (150, 3. 4); da falle drei röselein mir in den schoos. und diese drei röselein sind rosenroth: jetzt weisz i net, lebt mein schatz, oder ist er todt. Erlach
volksl. 4, 331. röslein
für jungfrauschaft: der Venus röselein mit seinen grünen zweigen must endtlichen daran, von groszer fewers gluth verwelcken und allhier verliern sein höchstes gut. Zinkgref
bei Opitz (1624) 206. 33)
sprichwörtliche redensarten. 3@aa) röslein unter den dornen: also soll sein ein jeder christ ... wie undern wölffen die schäflein, under den dornen ein röszlein. Fischart 2, 367 (
gel. verk. 1413); wann tugent plüt hi in der not, als in dem hag di röszle rot. Schwarzenberg 158
c. 3@bb) das feld röslein tragen lassen,
gutes muths sein, in der sprache des 16.
jahrh.: gilt es aber also, so kan ich wol schweygen, das creütz darüber thuon, und es röszlin lassen tragen. S. Franck
verbütschiert buch (1559) 404
b; darumb habt einen kecken sinn und lasset das felt röslein tragen! Ayrer 1892, 31
Keller; ja frisch und freydig wil ichs wagen und wil es lassen röszlein tragen. Cl. Stephani
geistl. action (1568) ciiij
a. 44)
rosette: mein herr, ich wolt mir gehen ein rot samattins par pantoffel machen lassen, und guldene röslein darauff.
erzherzog Ferdinand
von Tirol spec. vitae hum. 26
neudruck. 55)
übertragen mit bezug auf rote farbe und blühendes aussehen. 5@aa)
für mund, wangen, lippen: zwei röslein sind die lippen dort, die lieblichen, die frischen. H. Heine 15, 68; also blühen märchenbilder aus des mundes röselein. 209. 5@bb)
umschreibung für ein mädchen: liebstu mich, so lieb ich dich, röslein auf der heiden! Uhland
volksl.2 86 (56, 1); grüsz' dich gott, mein mündelein roth, lebest du oder bist du todt, oder schläfst du, schöns röslein roth? Erlach
volksl. 3, 80; mir liebt für alle mein' sinnen ein röslein, ist wohlgestalt't. 133; was solln junge mägdelein? solln sie allzeit sitzn allein? o nein, die schönen röselein die geben uns schön kräntzelein. Ol. Variscus
ethogr. mundi (1614) B 5
a; sah ein knab' ein röslein stehn, röslein auf der heiden. Göthe 1, 17; o sieh mich nicht so lächelnd an, du röslein jung, du schlankes reh! Geibel 1, 71; es müszt' in eis vergehen traurig unser röslein (
unsre schwester). 2, 199. 5@cc)
für wunden, besonders die wunden Christi (
s.rose 6,
d),
vgl. Schade sat. u. pasqu. 2, 308. allda pflegt er auch brechen die rote röselein. Spee
trutzn. 37, 114
Balke; wie der sommer sich bestecket mit auch kleinen blümelein, also Daphnis sich bedecket mit auch kleinen röselein. 226, 68.
auch sonst: o schöner liebesgarten, voll röslein blutigroth und aufgeblühtem tod! Körner 1, 144; es flosz wohl über den winterschnee sein blut aus tiefen wunden. roth röslein blüht aus dem schnee so kalt. Geibel 1, 62.
nur als vergleich: du junges gras, was stehst so grün? muszt bald wie lauter röslein blüh'n, mein blut ja soll dich färben. Herwegh
ged. eines lebend. 22. 66)
verhüllend: röslein brechen,
alvum exonerare. Melander 1, 204; unsere kinder pflegen zu sagen, wann sie fein höfflich sprechen, ich wil gehen rösslen oder rösslen brechen.
anm. weish. lustg. 663.