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mangel

mhd. bis spez. · 23 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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35 in 23 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

mangel m.

Bd. 12, Sp. 1540
mangel, m. vitium, inopia, defectus. 11) das wort ist zunächst nur hochdeutsch, und erst von da aus später ins niederdeutsche (vgl. mnd. wb. 3, 23b), sowie ins niederländische und dänische eingedrungen. im hochdeutschen selbst aber läszt sich beträchtlich früher als das substantiv das dazu gehörige verbum belegen; in der form mengan, gemengan, prät. mangta, gemangta abesse, deesse Graff 2, 807; mangôn: daʒ .. sih daʒ (wasser) perge an ein wisin unter derda, und man sîn manga uuola zehen juche lenga. meregarte bei Müllenhoff u. Scherer 32, 2a, 7; sowie mangolôn und gimangolôn gleicher bedeutung bei Otfrid (Kelles gloss. 384b. 201b); und es ist wol nicht zweifelhaft, dasz dieses verbum als mengan, mangôn von einem lateinischen, aus dem adj. mancus gebildeten, in der rechtssprache der leges barbarorum verwendeten mancare, part. mancatus hergenommen ward (si vero manus ipsa mancata ibi pendiderit. lex Sal. 29, 2; si vero ipse polix ibidem mancatus pendiderit. 4), sowie dasz es die bedeutung des letzteren mutilare zu der deficere veränderte (wie das ital. mancare, span. mancar, franz. manquer auch), und nach dem muster der iterative weiter ein mangolôn entwickelte. aus mengan, mangôn bildete sich dann das subst. mang hervor (mhd. manc, mang mangel, gebrechen Lexer 1, 2023), wie aus mangolôn das seit dem 12. jh. viel gebrauchte mangel, das mit seinem verbum jene einfacheren formen zurückdrängte. unabhängig davon und ungewis seit wann wurde aus dem lat. adj. mancus anderweit ein mank entlehnt: mancus manck, laem. Dief. 346a (kölnisch, von 1507); mancare manck machen 345c (ebendaher); niederl. mank gebrechlich, bresthaft, mank gaan hinken; mank, vermenkt, mancus, mank, kropel, claudus, mankaerd, claudus, claudicans Kilian; alem. mank, mangelhaft, defect, nur von büchern Stalder 2, 196; kärntn. mank, schlecht, einen fehler habend, besonders beim viehe gebraucht. Lexer 185. 22) mangel, ein gebrechen, ein fehler an einer person: ane got enist niweth mangel, er was ie ân anegenge. genesis in d. fundgr. 2, 10, 6; ein mangel, vicium, deliquium Dasyp.; mangel, laster, vitium Maaler 283b; in körperlicher oder geistiger beziehung: keinen mangel noch prästen an jm haben, unlasterhaft sein, carere vitio. ebenda; so nu die lieben hohen apostel solchen feil und mangel klagen, das sie es nicht können dahin bringen, da sie gerne wolten. Luther 6, 45b; wir hetten gemeinet, jr weret ein getreuwer ritter, so seit jr anders nicht denn ein frawenbetrieger, das ist ewer mangel. buch d. liebe 290b; doch ward dieser mangel damals bei mir nicht so heftig und stark, dasz man ihn mit Seneca ein göttliches rasen oder .. eine beschwerliche krankheit hätte nennen können. Simpl. 1, 322 Kurz; (ein student) habe gesagt: herr doctor, ich kan gott lob in der theologi wol zu recht kommen. allein ich hab einen einigen mangel, ich kan die dicta scripturae nicht behalten, d. Hunnius hab auf gut schwäbisch ihm geantwort, herr magischter, es ischt ein groszer mangel. es ist fürwar auch ein groszer mangel, wann ein herr kein gelt hat, wann seine rentcammer nicht wol bestellet ist. Schuppius 27; der were ein ungeschickter medicus, der einem, so einen mangel an dem kopfe hätte, wolt ein pflaster auf den fusz schlagen. 657; wir haben den mangel an uns, dasz wir mehrentheils die könige in ihrer gegenwart fürchten. pers. baumg. 3, 18; was vor ein böser mangel die verleumbdung sei. 4, 12; einer hat diesen, der andere einen andern mangel, aliud aliis vitium est. Stieler 1229; hessisch böser mangel epilepsie Vilmar 260; mann soll den besten arzt jhm holn, der jhm seinen mangel curir! J. Ayrer 375c (1881, 26 Keller); unser denken fehlt und triegt, sein (gottes) gedank ist mangel frei. P. Gerhard 306, 58 Gödeke; fehlst du, lasz dichs nicht betrüben: denn der mangel führt zum lieben; kannst dich nicht vom fehl befrein, wirst du andern gern verzeihn. Göthe 3, 285; der fehler ist durch einen folgenden genitiv näher bezeichnet: ein philosophus fragt einen, ob er ausz torheit und mangel der unwissenheit nicht redte, oder ausz weiszheit schwige. Agr. spr. 223b; mangel an einem gliede, einem organe des menschen: er hat einen mangel am schenkel, tibia laesus est. Stieler 1229; er hat mangel an zänen, dolorum dentium laborat. ebenda; der hett ein mangel an der red, und viel ding falsch aussprechen thet. L. Sandrub kurzweil 42; mangel von sachen: so solt der müllener dem junker so manich boesz geben als die muel mangel hat. weisth. 2, 569 (Prüm, von 1497); es hat die sach noch keinen mangel. J. Ayrer proc. 1, 14; indem mir unserer poesy mangel und unmöglichkeit vorgeworfen. Weckherlin vorrede zu d. weltl. ged.; es (das haus) hat keinen mangel, ohn allein, dasz du in der nachbarschaft wohnest. pers. rosenth. 4, 9; wer ihm nicht opfern wolte, in dessen rechnung konte er leichtlich einen mangel finden, den klagte er alsbald an, als einen ungerechten hauszhalter. Schuppius 30; der wein hat einen mangel, vinum istud vitium contraxit. Stieler 1229. 33) diese bedeutung hat einen plur. mängel entwickelt: (Christus) hat alle meine mängel und gebrechen erstattet. Schuppius 459; es ist kein mensch, er ist voller mängel, nemo sine crimine vivit, unusquisque suos patimur manes. Stieler 1228; frei aller fehl und mängel, fern von der unrechtsbahn. P. Gerhard 278, 23; und weil in dieser welt kein mensch ist ohne mängel. Günther 595; er ist in der neueren sprache, wo der sing. mangel in der bedeutung 1 allmählich selten geworden, noch sehr beliebt geblieben, meist auf seelisches oder geistiges bezogen: der andere theil gab zwar die erblichen mängel der menschen sehr gern zu. Göthe 26, 307; meine rubriken bezeichnen nur einseitigkeiten, welche als mängel anzusehen sind, wenn die natur den künstler dergestalt beschränkte, als fehler, wenn er mit vorsatz in dieser beschränkung verharrt. 38, 127; gewisse tugenden gehören der zeit an, und so auch gewisse mängel, die einen bezug auf sie haben. 53, 78; man ist genöthigt auffallende mängel als vorzüge zu betrachten. 54, 103; (ihr macht) zum paradies eine welt voll mängel. Hölty 155 Halm; mitfühlend unsrer last und unsern mängeln. Herder z. litt. 4, 129; wo mängel ich und irrthum sah. 156; glückselger jüngling, dem man seine mängel zur tugend rechnet. Göthe 9, 188; freude dem sterblichen, den die verderblichen, schleichenden, erblichen mängel umwanden. 12, 44; such, o moderner poet, durch geist zu ergänzen des stoffs fehl, durch vielseitigen styl decke die mängel der zeit. Platen 143; nicht mehr nach dem früheren gebrauche des sing. mangel auch auf körperliche leiden, und auf schönheitsfehler wenigstens nicht häufig: der mund, der tausend lust verhiesz, war sonder alle mängel. Hölty 20 Halm; und hatte jemand im antlitz einen fehler, wie er auch war, ein fleckchen im auge; durft er sich nur im spiegel besehn, so gingen von stund an alle mängel hinweg und alle fremden gebrechen. Göthe 40, 172. 44) aus ihm hat sich auch ein sing. mängel ergeben: dem (arzte) wollen wir ein botten senden, der kan jhm all sein mängel enden, und das er wider redent wer (von einem sprachübel heilen). J. Ayrer 284a (1417, 36 Keller); ei schweigt! die sach kein mengel hat. 426a (2139, 14) (auch in der bedeutung 5, b unten, s. dort); bairisch noch jetzt öfter mengel neben mangel Schm. 1, 1625 Fromm. 55) mangel, das gebrechen, das fehlen und entbehren irgend einer sache: mangel, vulg. gebruch, defectus. voc. inc. theut. n 4a; mit näherer bestimmung. 5@aa) das entbehrte steht hierbei im genitiv: biʒ an die swære aleine, die ich vil herzenlichen dol, daʒ ich dîn êwiclîchen sol hân bresten unde mangel. K. v. Würzburg Partenop. 8217 Bartsch; das jre fische fur wassers mangel stinken und durst sterben. Jes. 50, 2; den erwürgeten durchs schwert geschach bas, weder den, so da hungers storben, die verschmachten und erstochen worden vom mangel der früchten des ackers. klagel. Jer. 4, 9; ich frewe mich uber der zukunft Stephana und Fortunati, und Achaici, denn wo ich ewer mangel hatte, das haben sie erstattet. 1 Cor. 16, 17; so aber ein bruder oder schwester blos were, und mangel hette der teglichen narunge. Jac. 2, 15; und begeb es sich, dasz abgang der profandt, fehl und mangel were. Fronsperger kriegsb. 1, 61b; werden allein von den armen und so man anderer fischen mangel hat, gessen. Forer fischb. 78a; ich hette mangel aller sachen. Schuppius 738; so sind .. der vermuthungen so viele, dasz ihre verschiedenheit und menge einen treuherzigen leser weit verlegener macht, als er nimmermehr bei dem gänzlichen mangel derselben gewesen wäre. Lessing 11, 60; wegen mangel der gelegenheit. Klinger 6, 168; mangel der that und bloszer nam stehen mit kleinem lob beisam. Kirchhof wendunm. 111a. 5@bb) durch an vermittelt: die reichen müssen darben und hungern, aber die den herrn suchen, haben keinen mangel an jrgent einem gut. ps. 34, 11; (dasz sie) keinen mangel an brodt hatten. Jes. 51, 14; darumb hab ich euch auch in allen ewrn stedten müszige zeene gegeben, und mangel am brot an allen ewrn örten. Amos 4, 6; man darf uber keinen mangel klagen an seiner hülfe. Sir. 39, 23; das jr keinen mangel habt an jrgent einer gaben. 1 Cor. 1, 7; man verkauft kein wasser hie, dann wir haben sunst gröszern mangel an wasser, dann uns lieb ist. Wickram rollw. 86, 19 Kurz; mangel am hausz, da einer kein underschlauf hat, inopia tecti. Maaler 283a; mangel am platz oder ort, inopia loci, mangel an ässen und an trinken, hunger und durst, inedia, mangel an früchten, caritas annonae u. s. w. ebenda; ein mangel an der zeit haben, tempore egere. ebenda; ich hab an milch kein mangel, non defit mihi lac. ebenda; auf dem groszen reichstag zu Cöllen, als groszer mangel am brot erschien. Zinkgref apophth. 2, 7; ei, so hast doch kein mangel an gelt. H. Sachs fastn. sp. 1, 77, 258; dem pewtel haben wir gestrelt, gros mangel ist an klainem gelt. 155, 254; soll mich gottes fülle laben, woran soll ich mangel haben? P. Gerhard 324, 80 Gödeke; wenn ein mangel an vermögen mich dir anzunähern scheinet, mich, die meine königs-abkunft über dich so hoch erhebt. Herder z. litt. 5, 84 (Cid 11); die Britten flohn ins land, und litten mangel am nothwendigsten. 3, 207; die fürstin Eboli litt wenigstens nicht mangel an gesellschaft. Schiller don Carlos 4, 1; die nähere bestimmung ist aus dem vorhergehenden zu ergänzen: nie konnt ich ihr liebe geben, und dennoch, schien sie mangel je zu fühlen? (nämlich an liebe). don Carlos 3, 1; in rechnungsmäsziger sprache, wie ausfall oder deficit: uber das must du bedacht sein, dasz kein mangel an geld, munition, proviant und volk im posten erscheine. Simpl. 1, 151 Kurz. Auch hier der sing. mängel, wie oben 4: die welt hat groszen mängel, die welt hat grosze menge, an frölichem vergnügen, an kläglichem bedränge. Logau 3, 205, 82. 5@cc) präpositionale verbindung aus mangel mit folgendem genitiv: ausz mangel der arzet sind vil verdorben, defectu medicorum multi perierunt. Maaler 283a; wer wolte glauben, dasz er heut ausz mangel eines handtuches, seine händ und angesicht, an seiner kappen abgetrücknet? Laz. de Tormes (1617) 110; aus mangel einer bessern gesellschaft mit den sylfen umzugehen. Wieland 1, 113; aus mangel kluger einrichtung und guter aufsicht. 7, 233; um aber nun diesem blutigen geschäfte, das sich täglich unter seinen händen häufte, mehr gewachsen zu sein und aus mangel der werkzeuge ja kein opfer zu verlieren. Schiller 858a; wenn uns gleich von manchem fänomen, aus mangel des fensters, das Momus an unsrer brust vermisset, die innern räder und federn entgehn. Wieland 5, 114 (n. Amadis 16, 4); mit folgendem an: aus mangel an einsicht fehlte er; aus mangel an gutem willen unterliesz er das; auch mit von: derjenige, der aus mangel von sinn oder gewissen das vortreffliche herunterzieht. Göthe 36, 164; dieweil der kettenhund dem bettler heülend droht, und nach ihm selbsten schnappt, aus mangel von dem brot. Drollinger 163; in mangel: wiewol ich mich schäme, dasz ich in mangel anderer deutschen exempel mich meiner eigenen gebrauchen soll. Opitz poeterey 18; man sagt, dasz ein Biscajer ausz armut sich hab überreden lassen, und hab 8 real genommen, und in mangel eines henkers in einem städtlein ein dieb aufgehenket. Schuppius 303; nim diese hand voll klee, im mangel der violen, zu treuen günsten an. Fleming 589; dafür mangels: mangels besonderer einen andern willen erkennbar machender umstände. entsch. des reichs-oberhandelsgerichts 22, 233. 5@dd) in mangel stehen eines dinges, etwas nicht haben: dasz man noch der empter vom gemeinen mann, nemlich eines führers und zweyer gemeinen waibel ... in mangel stehe. Kirchhof mil. disc. 76; weil er seines pferdts in mangel stunde (es war ihm gestohlen worden). wendunm. 119b. 5@ee) als redensart was hast du mangels dran? was entgeht dir dadurch? was schadets dir?: sagt jemandts, gsell sitz unden an, so sprich, was hastu mangels dran? grob. 1568 B 3b (b. 1, cap. 4); an einem wird kein mangel sein, es wird an ihm nicht fehlen: so krieg vorhanden sein wurde, wirdt an mir kein mangel sein, sol man mich denn auch finden, wil ich nicht der hinderest sein, si erit bellum, meae partes non desiderabuntur. Maaler 283b; und e. f. sollen sich tröstlich zu uns allen versehen in Christo, das wir hinfurt an uns keinen mangel wollen sein lassen. Luther 6, 325b; es sol an uns kein mangel han. trag. Joh. D 6. 66) mangel ohne nähere bestimmung, namentlich auf das entbehren des zum leben notwendigen; mangel, vulg. abgang, penuria, inopia. voc. inc. theut. n 3b; als gegensatz zu überflusz, genusz, genug: so diene ewer uberflus jrem mangel, diese thewer zeit lang. 2 Cor. 8, 14; wo man erbeitet da ist gnug, wo man aber mit worten umbgehet, da ist mangel. spr. Sal. 14, 23; mittheilend sehnen nur ist selbstgenusz, und ohne mangel darbt der überflusz. Herder z. litt. 3, 229; éin wort vermischt die grenzen in süszester verwirrung, macht den schmerz zur höhern lust, den mangel zum genusz, den tod zum leben. 6, 124; mit verwandten begriffen zusammengestellt: und wirst deinem feinde, den dir der herr zuschicken wird, dienen in hunger und durst, in blösze und allerlei mangel. 5 Mos. 28, 48; reizet dich mein mangel, mein bedürfen? Herder z. litt. 3, 229; es heiszt mangel leiden, haben: haben wir allen mangel gelidden, und sind durch schwert und hunger umbkomen. Jer. 44, 18; furchtet den herrn jr seine heiligen, denn die jn fürchten, haben keinen mangel. ps. 34, 10; so oft ich euch gesand habe on beutel, on taschen, und on schuch, habt jr auch je mangel gehabt? Luc. 22, 35; es war auch keiner unter jnen, der mangel hatte, denn wie viel jr waren, die da ecker oder heuser hatten, verkauften sie das selb, ... und man gab einem jglichen, was jm not war. ap. gesch. 4, 34; ich bin in allen dingen und bei allen geschickt, beide sat sein und hungern, beide uberig haben und mangel leiden. Phil. 4, 12; die (heiligen) aber haben groszen hunger und mangel in jren krankheiten leiden müssen. Wickram rollw. 10, 30 Kurz; ich hab keinen mangel, nihil defit. Maaler 283a; ich wil nit leiden, dasz du mangel bei mir habest, nihil apud me tibi defieri pateat, du solt bei mir keinen mangel haben. ebenda; daʒ sî dî nôt sô manchirhant unde mangel alsô grôʒ .. lidin unde trugin. Jeroschin 14057; da ist kein durst, kein hungersnot, das himmelbrod läszt keinen mangel leiden. P. Gerhard 321, 66; den mangel erfüllen, erstatten: die handreichung dieser stewre erfüllet .. den mangel der heiligen. 2 Cor. 9, 12; und da ich bei euch war gegenwärtig, und mangel hatte, war ich niemand beschwerlich, denn meinen mangel erstatten die brüder, die aus Macedonia kamen. 11, 9; mangel widerfährt, ist: denn es solte also gehen, das jenen, die tyrannisch handleten, solcher mangel widerfüre. weish. Sal. 16, 4; wo mangel ist, hat dscham kein frist, man muosz sich in der not verschämen, arctis in rebus absit pudor. Maaler 283b; bei gott ist ja kein böser ort, kein unglück und kein kränken, kein angst, kein mangel, kein versehn; bei gott kann keinem leid geschehn. P. Gerhard 101, 37 Gödeke; der mangel drückt, plagt, schwächt, treibt: wo dich drück mangel, hartsel und ungelück. H. Sachs fastn. sp. 1, 34, 396 Götze; warst arm und dürftig, nahmst fürlieb da, wo der mangel dich hin trieb. P. Gerhard 152, 64; (ein jagdhund) verscheucht vom stall und streu, verbannt, wo täglich ihn ein neuer mangel schwächte. Hagedorn 1, 41; zwo ratzen, die der mangel plagte, und hungrig aus den löchern jagte, entdeckten unverhofft ein ei. 2, 16; dem mangel abhelfen, inopiae mederi. Frisch 1, 639b; denn sie werden fur allerlei mangel heimlich essen, in der angst und not. 5 Mos. 28, 57; sie sind umbher gegangen in pelzen und ziegen fellen, mit mangel, mit trübsal, mit ungemach. Hebr. 11, 37; es giebt eben so viele, die im schosze des ansehens, des glücks und der wollust, als solche, die in einem zustande von mangel, dienstbarkeit und unterdrückung elend sind. Wieland 1, 130; dein herz (im tode) hört auf, sich zu sehnen, weisz von keinem mangel nicht. P. Gerhard 29, 52; kein dürftiger verzagt, wenn noht und hunger schrecken; der landesvater läszt ihn nicht in mangel stecken. Drollinger 87; in manchen beispielen tritt mehr der mildere begriff der dürftigkeit, armut hervor: dasz es nicht dem mangel des lands zuzumessen seie. Schuppius 741; du füllst des lebens mangel aus mit dem, was ewig stehet. P. Gerhard 119, 45; die ruhe, so du jetzt bei allem mangel hast, kommt jenen (reichen) nicht einmal in träumen zu gesichte. Günther 584; nicht wohlanständig wär mirs, die verwandte im mangel und in schmach zu sehn. Schiller M. Stuart 2, 9; personificiert: so wird dich das armut ubereilen, wie ein fusgenger, und der mangel, wie ein gewapneter man. spr. Sal. 6, 11; es wird dir dein armut komen, wie ein wanderer, und dein mangel, wie ein gewapneter man. 24, 34. 77) mangel, in der älteren sprache auch beschwerde, klage: des fürsten antwort auf die von der landschaft angebrachten mängel (gravamina). Schm. 1, 1625 Fromm.; also ward dem junkern die sach durch den schultheiszen von wegen der gmein fürgetragen. als nun der junker jren mangel vernam .. Wickram rollw. 90, 17 Kurz; hab er etwas mangel an einem, soll er in morgen bei dem tag ansprechen. Fronsperger kriegsb. 1, 9b.
18340 Zeichen · 306 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    MANGELstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    MANGEL stm. ein ahd. mankul, mangol setzt Gr. 2,117 an; doch ist das substantiv selbst im correcten mhd. kaum schon bele…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    mangelF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    mangel , F. nhd. „Mangel“ (F.), Walze zum Glätten der Gewirke und der Wäsche Hw.: vgl. mhd. magel (3) E.: s. mange W.: s…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Mangel

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    1. Die Mangel , plur. die -n, ein Werkzeug zum glatt und glänzend machen, S. Adelung Mange 2.

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Mangel

    Goethe-Wörterbuch

    Mangel Schwerpunkt in 1a und b 1 vollständiges od teilweises Fehlen einer (unentbehrlichen od erforderlichen) Sache, sel…

  5. modern
    Dialekt
    Mangel

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Mangel [Màl allg. ] m. Mangel, Not, Entbehrung. Do is t ke i n M.! oder M e r sie h t ih m ke inen M. od. de n M. nit a…

  6. Sprichwörter
    Mangel

    Wander (Sprichwörter)

    Mangel 1. Angeborne mengel kan man nicht auss vnd ein setzen wie der Glaser die Fenster. – Lehmann, 542, 78. »Gewisse Mä…

  7. Spezial
    Mangelm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Mangel , m недостаток , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mangel

108 Bildungen · 89 Erstglied · 13 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von mangel 2 Komponenten

man+gel

mangel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

mangel‑ als Erstglied (30 von 89)

Mangel I

SHW

Mangel I Band 4, Spalte 517-518

Mangel II

SHW

Mangel II Band 4, Spalte 517-518

Mangelbätz

LothWB

mangel·baetz

Mangelbätz m. ein durch Narben, bes. Skropheln Verunstalteter. vgl. baier. 1, 314 Bätz weiche, klebrige Materie, bes. die inneren weichen Te…

mangelbar

DWB

mangel·bar

mangelbar , adj. 1 1) mit einem gebrechen oder fehler behaftet, nicht vollkommen: mangelbar, mancus Steinbach 2, 20 ; nach befestigung aber …

Mangelbrett

Campe

mangel·brett

Mangelbrett , — es, Mz. — er , ein starkes, auf der untern Fläche glattes Stück Holz mit einem Griffe an dem einen Ende, welches man auf das…

mangelburg

DWB

mangel·burg

mangelburg , f. als ersonnener eigenname für die stätte der dürftigkeit und die dürftigkeit selbst: es gehen viel straszen zur armut und auf…

Mangelchrūt

Idiotikon

Mangelchrūt Band 3, Spalte 902 Mangelchrūt 3,902

mangeldrög'

MeckWB

mangel·droeg

mangeldrög' halbtrocken, halbnaß, vom Getreide beim Einfahren: Eng. Landw. 3, 378.

mangelech

LothWB

mange·lech

mangelech [màeleχ Si. ] adj. mit einem Leibschaden, bes. Skropheln behaftet. — kärntn. mank, From. 3, 467; mhd. manc . s. Mangel II.

mangelen

Lexer

mang·elen

mangelen swv. ringen, handgemein werden. sie hâten mit on gemangilt alsô Stolle ( Hpt. 8,322. Lcr. 141,24 u. anm. ). vgl. mangelunge 2 u. me…

mangelfarb

DWB

mangel·farb

mangelfarb , adj. die farbe der dürftigkeit tragend: mangelfarb ist jr habern und hew. H. Sachs 4, 3, 56 b ; das kleid ist mangelfarb. 1, 53…

Mangelfolgeschaden

DERW

mangel·folgeschaden

Mangelfolgeschaden, M., ›Schaden der infolge des Mangels einer Leistung des Schuldners an Rechtsgütern des Gläubigers entsteht (z.B. wegen d…

Mangelfält

Idiotikon

Mangelfält Band 1, Spalte 819 Mangelfält 1,819

mangelhaft

DWB

mangel·haft

mangelhaft , adj. und adv. 1 1) mit gebrechen oder fehler behaftet: mangelhaft am leib, mancus, corpore vitiatus Dasyp. ; mangelhaft, mancus…

mangelhaft

FWB

1. s. 1mangel (der) 2.; 2. s. 1mangel (der) 6.; 3. ›fehlerhaft; nicht der Vorschrift entsprechend, einen Schaden aufweisend‹; 4. ›mit körper…

mangelhaftig

DWB

mangel·haftig

mangelhaftig , adj. wie mangelhaft: mangelhaftig, vitiosus Steinbach 2, 20 ; sich mangelhaftig befinden, vitiose se habere. ebenda; mangelha…

mangelhaftigkeit

DWB

mangel·haftigkeit

mangelhaftigkeit , f. defectus. Steinbach 2, 20 ; mangelhaftigkeit der bauart; die mangelhaftigkeit seiner ausdrucksweise.

mangel als Zweitglied (13 von 13)

erbmangel

DWB

erb·mangel

erbmangel , m. vitium nativum hereditarium, erbfehler. an pferden unterscheidet man erbmängel von hauptmängeln und geringen mängeln.

fruchtmangel

DWB

frucht·mangel

fruchtmangel , m. der mangel an getreide, besonders an solchem, das zu brot gebraucht wird, inopia rei frumentariae. Stieler 1229 f.

G(e)schau(w)mangel

Idiotikon

G(e)schau(w)mangel Band 4, Spalte 326 G(e)schau(w)mangel 4,326

G(e)wërsmangel

Idiotikon

G(e)wërsmangel Band 4, Spalte 326 G(e)wërsmangel 4,326

geldmangel

DWB

geld·mangel

geldmangel , m. inopia argentaria, geltmangel Stieler 1229 : dem groszen geltmangel, an welchem die vorige und alten zeiten sehr krank geleg…

hauptmangel

DWB

haupt·mangel

hauptmangel , m. : auch wir sind nicht blind gegen die lücken und mängel dieser verfassung, aber der hauptmangel ist uns vorläufig der, dasz…

Liebesmangel

Wander

liebes·mangel

Liebesmangel Langer Liebesmangel ist meines Herzens Angel. Inschrift auf dem Becher der Margarethe Maultasche. ( Steub, Drei Sommer, 304. ) …

(rechtes)mangel

MNWB

rechte·s·mangel

(rechtes)mangel , rechts- , recht- , m. : Rechtsstreit, Prozeß, ên r. is angehāven tüschen D. H ê(i)ns unde W. S. andersdê(i)ls welker sāke …

Staatsmangel

DRW

staats·mangel

Staatsmangel, m. den Staat (XIII) betreffender ²Mangel (I) oder Missstand, der seine Funktion beeinträchtigt bdv.: Staatskrankheit daß derer…

Wërschaft(s)mangel

Idiotikon

Wërschaft(s)mangel Band 4, Spalte 326 Wërschaft(s)mangel 4,326

Ableitungen von mangel (6 von 6)

ermangelen

KöblerMhd

ermangelen , sw. V. nhd. ermangeln Q.: Berth (um 1275), WeistGr E.: s. er, mangelen (1) W.: nhd. ermangeln, sw. V., ermangeln, DW 3, 911, DW…

Ermangelung

GWB

Ermangelung mehrf -gl- Nichtvorhandensein, Fehlen, Mangel; fast ausschließl idVbdg ‘in (vereinzelt: bei, mit, wegen) E. (von) einer Sache’, …

gemangel

DWB

gemangel , n. verstärktes mangel, im 14. jahrh. mrh.: in diser zit was harte zit und dure jar .. unde hatten arme lude groszen gebrechen und…

mangele

BMZ

mangele swv. ahd. mangalôn Graff 2,807. vergl. Gr. 4,675. neheines guotes du ne mangel Genesis, fundgr. 2,39,10. ube si des himilriches scol…

unmangel

DWB

unmangel , m. : obwol der leib .. seine grösze oder ungrösze, sein ausgedehntes und beengtes, seinen mangel oder u. hat Schottel sonderbare …

vermangelen

KöblerMhd

vermangelen , V. Vw.: s. vermengelen*

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „mangel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/mangel/dwb?formid=M00885
MLA
Cotta, Marcel. „mangel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/mangel/dwb?formid=M00885. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „mangel". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/mangel/dwb?formid=M00885.
BibTeX
@misc{lautwandel_mangel_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„mangel"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/mangel/dwb?formid=M00885},
  urldate      = {2026-05-17},
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